0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 594

Die reine Polemik: Über den Sammelzwang

0

Die reine PolemikReden wir zur Abwechslung doch mal über Warzen, angeschnullte Zigarettenkippen, Discounter-Ravioli und wahre Liebe. Und wohin das alles führen kann in der freien Marktwirtschaft.

Der Mensch ist ein Sammler. Natürlich nicht jeder, aber doch ziemlich viele. Warum das so ist, daran scheiden sich die Geister. Anthropologen vermuten, archaische Verhaltensmuster hätten bis heute überlebt, was recht plausibel klingt. Zumal man neolithisch inspiriertes Benehmen auch in Fußballstadien, Bierzelten und auf Bundesautobahnen bezeugen kann – letzteres übrigens nicht nur an der A3 bei Mettmann, Abfahrt Neandertal. Sigmund Freud hingegen, selbst ein begeisterter Sammler von diesem und jenem, betrachtete diese Leidenschaft als Ersatzbefriedigung zur Kompensation unerfüllter Wünsche erotischer Natur. Dass viereinhalb Regalmeter Schlumpf-Figuren, Kronkorken aus aller Welt oder 286 Postkarten mit Ansichten außer Dienst gestellter Verkehrsflugzeuge da irgendwas kompensieren können, erscheint zwar recht bizarr, aber so war er eben, der Sigi. Auch der Homo Rock’n’Rolliensis sammelt fleißig. In erster Linie Tonträger, bisweilen auch Merchandising-Kram. Das ist schön und muss nicht teuer sein. Kann aber. So wie Anfang 2016 bei einer Auktion in Dallas, wo ein originalverpacktes Exemplar des Butcher-Covers der Beatles für 125.000 US-Dollar den Besitzer wechselte. Diese Langspielplatte wird leider nie gespielt werden, denn mit dem Öffnen der Zellophan-Folie würde sich der Wert halbieren. Schade eigentlich. Nun sind seltene Platten das eine, doch in der Königsklasse der Rock’n’Roll-Memorabilien geht’s um emotional noch wesentlich aufgeladenere Artefakte.

Dinge, die dem Subjekt der Anbetung ganz nah waren, etwa jenes blaue Stretch-Kostüm (vermutlich Größe S), das Prince 1999 bei einem Auftritt trug. Vor wenigen Monaten verkauft für 109.000 Dollar. Zeitgleich mit seiner Gitarre namens „Yellow Cloud“, die sogar 225.000 Dollar einbrachte. Bares für Rares! In dieser Preisklasse bleiben Käufer natürlich gerne anonym, da ist kein Platz für „Händlerkärchtchen“ und „achtzsch Euro“ aus der Eifel. Verständlich. Wer in sozial durchaus aufgeheizten Zeiten damit hausieren geht, für ein Original-Toupet von Elton John den Gegenwert einer Zweiraumwohnung hingeblättert zu haben, ist dem Großteil der Rock’n’Roll-Crowd vermutlich suspekt. Okay, vielleicht hat er sich das gebrauchte Haarteil seines geliebten Idols vom Munde abgespart, wird dafür die nächsten zwölf Jahre von Discounter-Ravioli leben und nie wieder die Heizung anstellen – wahre Liebe! Gut möglich ist allerdings, dass Eltons Fif i irgendwo in einem klimatisierten Safe verschwindet, in direkter Nachbarschaft zum eingeschweißten Butcher-Cover, Iggy Pops Lieblingsspritze aus dem Jahr 1973 und dem Fragment einer Fender-Gitarre, einst persönlich hingerichtet von einem missgelaunten Kurt Cobain. Investitionsobjekte mit Traumrendite!

Wollen wir jetzt eine Neid-Debatte aufmachen? O bitte nicht! Wen’s tröstet: Sollte Sammelfreund Freud recht haben, ergibt sich doch ohnehin ein eher schales Bild.
Eltons Pudel im Tresor, dafür aber chronisch unterf…. ach, lassen wir das. Sprechen wir lieber über Warzen. Nicht irgendeine, sondern jene, die Mitte der 90er-Jahre bei einem Auktionshaus in London erfolgreich vertickt wurde. Was bereits damals gewisse Fragen aufwarf. Erstens: Kann man mit Warzen Handel treiben? Zweitens: Welcher Depp kauft sowas? Antwort auf Frage 1: Ja, sofern es sich um ein pulverisiertes Exemplar von Elvis Presley handelt, zu Lebzeiten Seiner Majestät vom Königlichen Leibarzt entfernt und der Nachwelt in einem kleinen Schraubglas erhalten. Zu Frage 2: Kein Depp, sondern eine Deppin, glühende Elvis-Verehrerin und wohnhaft in England. Kurios, fürwahr. Aber manche Fans sind eben erstaunlich schräg drauf.

Der Autor dieser Zeilen durfte selbst einmal bezeugen, was das bedeutet: Während eines Meet & Greet in der Kölner Sporthalle ließ ein mir unbekannter Journalistenkollege eine von Keith Richards angelutschte, ausgedrückte und mangels Aschenbecher am Rand der Deko-Obstschale hinterlassene „West Light“ unauffällig in der Jackentasche verschwinden. Allerdings nicht unauffällig genug. Der Typ, der zufällig neben mir stand, ein langhaariger Musikredakteur eines schwäbischen Hif i-Magazins, sah’s ebenfalls und konnte es kaum fassen: „Hascht du des au grad gsähn?“ – „Allerdings.“ Was zum Teufel hatte der Trophäenjäger damit vor? In Kunstharz gießen und als Briefbeschwerer verwenden? Versonnen dran nuckeln, auf dass der Geist des Rock’n’Roll dem Fanboy in die Glieder fahre? Im klimatisierten Tresor aufbewahren und warten, bis die Gentechnik so weit ist, um aus dem nikotinsatten Erbgut runzelgesichtige Gitarristen zu klonen? Wir werden es nie erfahren. Vielleicht auch besser so.

Aretha Franklin – THE ATLANTIC SINGLES COLLECTION 1967–1970

0

Aretha Franklin Atlantic Singles CollectionJede Menge Respekt: kongeniale Singles-Sammlung der Queen Of Soul.

Viel zu viel Madonna und definitiv zu wenig Aretha Franklin enthielt die Laudatio der Queen Of Pop auf die just verstorbene Queen Of Soul bei den MTV VMAs. Aus­schließlich mit Mrs. Franklin befasst sich hingegen die A-&-B-Seiten-Sammlung auf zwei CDs THE ATLANTIC SINGLES COLLECTION 1967 – 1970. Als Aretha Franklin im Januar 1967 nach Jahren relativen Misserfolgs mit Atlantic Re­­cords einen neuen Vertrag abschloss, trug sie binnen eines Jahres weltweit den Titel Queen Of Soul, ein Prädikat der Superlative, das sich allein auf Talent, Stimme und Charisma bezog.

Aller­dings muss konstatiert werden, dass der längst überfällige Durchbruch der Tochter von Reve­rend Clarence LaVaughn Franklin nicht gar so glatt verlaufen wäre ohne Jerry Wexler. In den Fame Studios von Muscle Shoals, Alabama, ba­­stelte Produzent Wexler mit der Studiomusiker-Elite den am Soul-Zeitgeist konzipierten Long­player I NEVER LOVED A MAN THE WAY I LOVE YOU, der als 45er den Titelsong sowie die US-Nummer-1 ›Respect‹ abwarf. Danach ging es Schlag auf Schlag: Allein 1967 und 1968 erschienen rund ein Dutzend zeitlose Single-Preziosen. Miss Franklin legte die Messlatte verdammt hoch, wenn sie im Zwei-Monats-Turnus Ohrwürmer mit unmissverständlichen Botschaften wie ›Think‹ und ›Chain Of Fools‹ veröffentlichte, deren Harmoniechöre Arethas Schwestern Erma und Carolyn sowie das von Cissy Houston (Whit­neys Mutti) angeführte Quartett The Soul Inspi­rations übernahmen.

Weitere Preziosen der Ära 1967/68/69 wie ›See Saw‹, ›Eleanor Rigby‹, ›Baby I Love You‹, ›(Sweet Sweet Baby) Since You’ve Been Gone‹, ›(You Make Me Feel Like) A Natural Wo­­man‹, ›(I Can’t Get No) Satisfaction‹ und ›The House That Jack Built‹ verankerten sich ebenfalls auf ewig in den Soul-Annalen. Öfter mal erwies sich eine B-Seite wie ›The Weight‹, ›Ain’t No Way‹, ›I Say A Little Prayer‹, ›Son Of A Preacher Man‹ und ›Do Right Woman – Do Right Man‹ als ebenso erfolgreich wie die A-Seite. Jede Menge Gospel in den Soul mischte sich bei den finalen Tracks ›You And Me‹, ›Let It Be‹, ›Spirit In The Dark‹, ›The Thrill Is Gone‹, ›Don’t Play That Song‹ und ›Border Song (Holy Moses)‹ im Gespann mit The Dixie Flyers.

10/10

Aretha Franklin
THE ATLANTIC SINGLES COLLECTION 1967–1970
RHINO/ATLANTIC/WARNER

Pink Floyd – A FOOT IN THE DOOR – THE BEST OF PINK FLOYD

0

Pink Floyd Best Of

Noch mehr Floyd’sches Vinyl: Kompilation von 2011 als Doppel-LP im Aufklapp-Cover.

Alle paar Monate werden weitere Pink-Floyd-LPs an den Strand gespült, diesmal ist A FOOT IN THE DOOR – THE BEST OF PINK FLOYD an der Reihe. Die stammt von 2011, erscheint jetzt aber erstmals auf schwarzem Gold in einer von James Guthrie mit Joel Plante neu gemasterten und von Bernie Grundman in Los Angeles auf Vinyl geschnittenen Version: eine von den Band­mitgliedern höchstselbst ausgewählte 16-Track-Kompilation, verpackt in den allerletzten Cover­entwurf, den der mittlerweile verstorbene Floyd-Langzeitwegbegleiter Storm Thogerson tätigte und der in der Neuauflage von seinem Kom­pagnon Aubrey Powell sowie von Peter Curzon um alternative Fotografien ergänzt wurde.

Die Songauswahl geriet etwas krude, über den Inhalt des Aufklapp-Covers mit separaten Innentaschen und zwei 180-Gramm-Scheiben lässt sich gewiss wunderbar debattieren. Mit der zweiten Single ›See Emily Play‹ von 1967 ist gerade einmal ein Titel von Gründer Syd Barrett dabei, generell neigt die Sammlung zur späteren Entwicklungs­phase der Band. Von THE DARK SIDE OF THE MOON finden sich gleich fünf Titel, drei von WISH YOU WERE HERE, vier von THE WALL sowie jeweils einer von THE FINAL CUT, A MO­­MENTARY LAPSE OF REASON und THE DIVI­SION BELL. Immerhin enthält die Zu­­sammenstellung die komplett wiederhergestellte Version von ›Time‹, bei der das auf der CD-Fassung herausgeschnittene Weckerklingeln wieder eingefügt wurde.

7/10

Pink Floyd
A FOOT IN THE DOOR – THE BEST OF PINK FLOYD
PARLOPHONE/WARNER

Video der Woche: Jerry Lee Lewis mit ›Great Balls of Fire‹

0

Jerry Lee Lewis Mean Old Man„Elvis war der Größte, ich war der Beste“, sagt er gern: Jerry Lee Lewis wird heute 83 und gilt als einer der vier Könige des Rock’n Roll – neben Elvis Presley, Chuck Berry und Little Richard.

Er braucht einen Stock, um über die Bühne zu gehen. Aber wenn Jerry Lee Lewis in die Tasten greift, steht der Flügel noch immer in Flammen. Und das Publikum ist hingerissen.

Seine Songs ›Great Balls of Fire‹ und ›Whole Lotta Shaking‘ Goin‘ On‹ gehören zu den bekanntesten des 20. Jahrhunderts. Grund genug, dieser Legende das Video der Woche zu widmen.

Jerry Lee Lewis – ›Great Balls of Fire‹

 

The Vintage Caravan: Mut zum Risiko

0

The Vintage Caravan„Isländer zu sein bedeutet, bereit sein zu müssen, um zu kämpfen, Risiken einzugehen und zu improvisieren“, sagt Óskar Logi Ágústsson, Sänger und Gitarrist der Classic-Rocker The Vintage Caravan.

Damit meint er eigentlich nicht den bewundernswerten Auftritt seiner Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2018. „Immerhin waren wir besser als der Titelverteidiger aus Deutschland“, kann er sich einen augenzwinkernden Seitenhieb dann aber doch nicht verkneifen. „Unsere Spieler haben großartig gekämpft. Das ganze Land ist stolz auf sie, weil sie genau das gezeigt haben, was uns alle ausmacht. Wir sind eine kleine Nation. Bei uns gibt es einfach nicht die Möglichkeiten, die es in anderen Teilen der Welt gibt. In vielen Aspekten des Lebens müssen wir deshalb zusammenhalten und alles geben, um zumindest mithalten zu können.“

In einem Land, das weniger Einwohner als Bielefeld hat und zudem aufgrund der schieren Entfernungen noch eine mehr oder weniger isolierte Insel ist, ist es nicht einfach, sich als Musiker seinen Unterhalt zu verdienen. „Speziell im Rock muss man ja traditionell viel live spielen, um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen“, weiß Óskar. „Auf unserer Insel gibt es aber eben mit Reykjavík und seinen 120.000 Menschen nun mal nur eine etwas größere Stadt mit einer kleinen Club- und Kneipenszene, wie man sie bei euch kennt. Deshalb war uns bald klar, dass wir unsere Heimat zumindest zeitweise werden verlassen müssen, wenn wir mit der Musik Ernst machen sollten.“

Dass speziell für Óskar die Musik mehr als nur ein Hobby sein würde, war schon früh offensichtlich: „Seit ich mit elf Jahren diese Band gründete, habe ich nie einen Plan B gehabt“, lacht er. Meine Eltern verfluchen noch immer meinen neunten Geburtstag, an dem sie mir meine erste Gitarre schenkten“, lacht der mittlerweile 24-Jährige. Alles begann damit, dass der kleine Óskar irgendwann im Grundschulalter den Kiss-Film „Detroit Rock City“ im TV sah. „Der Streifen hat mich schwer beeindruckt. Mein älterer Bruder hatte einige Platten, die ich von da an öfter hörte als er. Ich glaube, der endgültige Auslöser für meinen Karrierewunsch waren PARANOID und VOL. 4 von Black Sabbath.“

Nach zwei Jahren des Übens mit einer Klampfe, die fast größer war als er selbst, beschloss Óskar, Nägel mit Köpfen zu machen. Aber es war gar nicht so einfach, Mitstreiter zu finden, wenn man in Álftanes aufwächst, einem 2.000-Seelen-Kaff auf einer Landzunge zwischen zwei Fjorden der größten Vulkaninsel unseres Planeten. Doch so schnell gab er nicht auf. „Nach einer Weile des erfolglosen Herumlaufens und wahllosen Fragens argloser Menschen auf der Straße nötigte ich einfach zwei meiner Schulfreunde. Sie sollten ihre El­­tern beknien, ihnen Instrumente zu kaufen. Als ich 13 war, war mein Traum von einer Band endlich Realität. Jeden Tag nach der Schule probten wir, bis uns die Finger bluteten. Es war einfach wunderbar…“

Mit 15 begann Óskar dann eigene Songs zu schreiben, von denen die besten zwei Jahre später auf dem unbetitelten und selbstfinanzierten Debüt landeten. Schon damals war die Liebe der Jungs zu blues- und prog-lastigen, klassischen Heavyrock-Klängen unüberhörbar. „Es ist heute etwas seltsam, die Texte zu hören, die ich als Kind über Sex und Drogen schrieb, ohne zu diesem Zeitpunkt damit je selbst in Berührung gekommen zu sein“, grinst unser Mann. „Musikalisch konnten wir auf die Platte aber durchaus stolz sein. Um ehrlich zu sein, bin ich es immer noch und hoffe, dass wir sie in absehbarer Zeit vielleicht wiederveröffentlichen können.“

THE VINTAGE CARAVAN ebnete den Weg dazu, dass die Gruppe schon ein paar Monate später ihren ersten Plattenvertrag unterschreiben und im Folgejahr den Nachfolger VOYAGE veröffentlichen konnte. Was wiederum dazu führte, dass das Trio Angebote für Konzerte auf dem Festland erhielt. „Das war exakt das, was wir uns erhofft hatten“, erinnert sich der Frontmann. „Doch nun standen wir vor einer Entscheidung. Es war toll, dass man uns in Deutschland, in den Niederlanden, in Belgien, Dänemark, Schweden und Frankreich engagieren wollte. Aber wie sollten wir das anstellen? Das waren winzige Clubs und die Konzerte sollten natürlich immer nur an Wochenenden und unkoordiniert über das ganze Jahr verteilt stattfinden. Eine echte Tour kann man als neuer Act mit einem winzigen isländischen Label im Rücken natürlich nicht buchen. Die ersten Angebote mussten wir also absagen, weil wir es uns einfach nicht leisten konnten, für einen Abend nach Holland und zurück zu fliegen. Es brach uns fast das Herz…“

Doch die Anfragen aus dem Ausland wurden nicht weniger. Im Gegenteil. Als sich dann 2013 auch noch Nuclear Blast Records, das in Deutschland beheimatete, weltweit größte Independent-Label im Heavy-Sektor, bei ihnen meldete, um VOYAGE in­­ternational zu vertreiben, war dies der Auslöser für den Dreier. Mit Sack und Pack zog man nach Sonderburg um. Die Wahl fiel auf die am dänischen Ufer der Flensburger Förde gelegene Grenzstadt, weil Óskars große Schwester dort mit ihrem einheimischen Ehemann lebte und spontan anbot, ihn und seine Freunde in ihrem Keller einzuquartieren: „Wir stellten unseren Kram ab, kauften uns einen alten Lieferwagen und waren von da an fast ständig unterwegs.“

2015 folgte dann das erste, offiziell bei Nuclear Blast veröffentlichte Werk ARRIVAL, mit dem The Vintage Caravan endgültig unter den vielversprechendsten Acts im europäischen Retro-Sektor ankamen. Seitdem spielen sie über 100 Shows pro Jahr. Weil Óskars Schwester mittlerweile vier Kinder hat, die jeden Quadratmeter Platz brauchen, wurde das Basiscamp kürzlich nach Belgien verlegt. „Turnhout liegt schön zentral und wir können dort bei Freunden leben. Wobei wir ohnehin noch weniger zuhause sind als in Sonderburg“, sagt der offenbar nimmer rastende Musiker. Denn wenn sie tatsächlich einmal ein paar Wochen keine Auftritte haben sollten, reisen sie heim zu ihren Familien. Bei einer solchen Gelegenheit haben sie dann auch gleich noch ihren neuen Longplayer eingespielt. GATEWAYS heißt das gute Stück und wurde innerhalb von 21 Tagen im Studio ihrer berühmten Landsleute Sigur Rós mit dem britischen Produzentenguru Ian Davenport (Band Of Skulls, Wir sind Helden) aufgenommen.

„Das Ganze ist natürlich weiterhin eine Melange aus bluesigem Heavyrock, Psychedelic und Prog“, schildert Óskar den Sound. „Allerdings sind wir deutlich songorientierter vorgegangen als bisher. Viele Stücke kommen nun schneller, direkter zur Sache. Ich glaube, das tat den Kompositionen gut. Auf der Bühne werden wir natürlich weiterhin viel experimentieren. Da können wir gar nicht anders“, lacht er zum Abschluss und freut sich jetzt schon auf die für Oktober und November an­­gesetzte Deutschland-Tour.

Sturgill Simpson – SOUND & FURY

0

Ihr wolltet Country? Ihr kriegt Samurai-Spacerock! Plus Netflix-Film!

Oha, da werden ein paar Fans aber jammern! Nach dem Bluegrass-Debüt HIGH TOP MOUNTAIN (2013) und dem Outlaw-Retro-Meisterstück METAMODERN SOUNDS IN COUNTRY MUSIC (2014) hatten sie Sturgill Simpson zum Retter des Ur-Country auserkoren. Der aber hatte anderes vor. Auf A SAILOR’S GUIDE TO EARTH (2016) fuhr er Bläser und Streicher auf, was einigen Puristen schon zu viel war. Die forderten, Sturgill solle gefälligst in den Schoß des Country zurückkommen. Nun ist der 41-jährige Spätstarter aus Kentucky aber ein knorriges Original. Er hat bereits als Marinesoldat die Welt umschifft, nach seiner Militärzeit ein wilde Pilze- und LSD-Zeit in Seattle durchfeiert und schließlich mehrere Jahre als Eisenbahner gearbeitet, bevor er es noch mal in Nashville versuchte. Den Durchbruch schaffte Sturgill kompromisslos auf eigenem Label – und eigenes Risiko. So jemand lässt sich nichts vorschreiben. Also ging’s ohne Vorgaben mit der Band ins Studio „… und raus kamen wir mit einer dampfenden, räudigen Rockplatte. Es ist meine psychedelischste Platte und meine heavieste“. Nicht nur das: „Dann fand ich, es wäre cool, zu diesen Songs ein Anime zu drehen, und am Ende hatten wir einen post-apokalyptischen Samurai-Film“. Ernsthaft jetzt! SOUND & FURY ist Southern Rock mit Synthies. Es klingt, als jammten ZZ Top mit Captain Future. Dazu gibt’s parallel einen Netflix-Anime, und zwar nicht von irgendwem, sondern von Kenner-Regisseur Junpei Mizusaki. (Sturgill war lange in Japan stationiert, hat die dortige Kultur zu schätzen gelernt.) Ein Gesamtpaket, so unerwartet wie ambitioniert – aber, und das ist das Wichtigste: hittig!

8/10

Sturgill Simpson
SOUND & FURY
WARNER

Leonard Cohen: Postumes Album soll nächstes Jahr erscheinen

0

leonard cohen„Einige wirklich schöne neue Songs von Leonard Cohen“: Adam Cohen kündigt eine Platte seines vor zwei Jahren verstorbenen Vaters an.

2016, kurz vor seinem Tod, ist Leonard Cohens letztes Album zu Lebzeiten erschienen: YOU WANT IT DARKER. Jetzt soll Nachschub kommen.

Das kündigte Sohn Adam in einem Interview mit CBC’s “q.” an: „Ich stand vor der Herausforderung, Stücke zu vollenden, an denen wir zusammen gearbeitet hatten… Die Stimme meines Vaters ist immer noch präsent in meinem Leben.“

„Ich glaube, dass es einige wirklich schöne neue Songs von Leonard Cohen gibt, die niemand je gehört hat“, sagte Adam weiter.

Wann das noch unbetitelte Werk genau erscheinen wird, steht noch nicht fest. Verglichen mit dem dunklen YOU WANT IT DARKER soll es an Cohens „frühere Arbeiten erinnern und einen romantischeren Ton“ haben.

Neuerscheinungen: Ab heute im Plattenladen

0

phil collins 2010Zum Wochenende gibt’s was von Pop-Rock-Urgestein Phil Collins. Dazu kommen neue Alben von All Them Witches, John Butler Trio und The Living End. 

Phil Collins – PLAYS WELL WITH OTHERS packt auf vier CDs 59 Tracks zusammen. Da gibt es natürlich einiges zu entdecken, wie z.B. die sa­­krale Psy­­chedelic Nummer ›Guide Me Orion‹:

Hier geht’s zur Review…

Nach dem eher aufwändigen Pro­duktionsprozess ihrer Vorgänger­scheibe kehren All Them Witches nun mit ATW wieder zurück:


Hier geht’s zur Review…

John Butler liebt Skrillex so sehr wie Dolly Parton, Beyonce genauso wie Gillian Welch, wie er offen zugibt. Ent­sprechend eklektisch klingt HOME:

Hier geht’s zur Review…

Mit WUNDERBAR präsentieren The Living End aus Australien ihr wohl bisher reifstes Werk:

Hier geht’s zur Review…