Er sprang dem Tod gerade noch von der Schippe. Im Frühjahr 2014 lag Trout nach einem Leberversagen wochenlang im Krankenhaus und wartete auf eine Spenderleber, seine Fans verfolgten die ärztlichen Bulletins im Internet mit Hoffen und Bangen. Am 26. Mai kam es endlich zur Transplantation und Trout erholte sich. „Die Musik kehrte zu mir zurück. Wenn ich jetzt die Gitarre in die Hand nehme, ist es ein befreiendes Gefühl. Ich fühle mich als wäre ich wieder 17.“ Mit seinem 18. Album BATTLE SCARS verarbeitet der Gitarrist, Sänger und Songwriter nun seine Krankheit. Im schwungvollen ›Almost Gone‹ singt er über seinen Beinah-Tod; im Intro des rockenden ›Omaha‹ ertönt die Sirene des Krankenwagens; ›My Ship Came In‹ handelt davon, dass der Tour-Dampfer 2014 ohne ihn ablegte. Unterm Strich präsentiert sich Trout erfreulich rockig.
Avatarium – THE GIRL WITH THE RAVEN MASK
Der Candlemass-Chefmagier bezaubert mit neuen Tricks.
Leif Edling, mysteriöser Meister des in blutige Morgenröte getauchten, nachtumflorte Horizonte ausfüllenden Epic-Doom, vor dessen Majestät sich selbst die verschleierten Dämonensultane in den Krypten von Ught’da’ erschauernd verneigen, bezaubert unsere nichtswürdigen Lauscher einmal mehr mit einem Werk monumentaler Erhabenheit: THE GIRL WITH THE RAVEN MASK, der zweite Longplayer von Avatarium, der neuen Band des Candlemass-Kopfes, vereint deren gravitätischen Pomp mit der mystischen Wehmut der alten Uriah Heep und der mondsüchtigen und leicht skurrilen Sinnlichkeit, die manchen Songs von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood innewohnte. Avatarium, allen voran Sängerin Jennie-Ann Smith, verbreiten wie in dichten Wolken heranwälzende Weihrauchschwaden, was viele Bands heute nicht einmal mehr ansatzweise besitzen: Atmosphäre. Darüber hat Edling wieder ein paar übermächtige Hooklines gewoben, die über weite Strecken sogar mit früheren Candlemass-Großtaten mithalten können. Wie zum Beispiel die des treibenden Titeltracks, der wie ein ferner Widerhall von ›Dark Are The Veils Of Death‹ klingt. Das grandiose ›Pearls And Coffins‹. Oder auch der abgründige Album-Closer ›The Master Thief‹. Das einzige, was zumindest eingefleischte Candlemass-Fans an diesem Album auszusetzen haben könnten, ist die Tatsache, dass Messiah Marcolin wieder nicht darauf zu hören ist.
Rod Stewart – ANOTHER COUNTRY
So ehrlich wie möglich: Rods Versuch, alte Glanzzeiten erneut aufleben zu lassen.
Wenn Rod Stewart nicht gemeinsam mit Gattin Penny Lancaster der Kosmetikerin einen Besuch abstattet oder im hauseigenen Fitnessstudio überflüssige Pfunde abtrainiert, dann versucht er seine seit Jahren ein wenig ramponierte Reputation als Künstler mit Aufnahmen im Heimstudio aufzupolieren. Auch ANOTHER COUNTRY, sein 29. Album seit 1969, übt sich in dieser Disziplin. Nachdem sein letztes Werk TIME, das erste seit vielen Jahren mit Selbstkomponiertem, 2013 weltweit hohen Zuspruch erntete, hat der 70-Jährige wieder Blut geleckt. Dass ANOTHER COUNTRY weder an solistische Glanztaten der Frühphase, geschweige denn an das authentisch trunkene Rock-Blues-Gepolter der Faces heranreicht, muss man nicht extra erwähnen. Allerdings bemüht sich Stewart mit Co-Autor und -Produzent Kevin Savigar redlich, Authentizität, Niveau und Tiefgang zu erzielen. Der Opener ›Love Is‹ weckt mit Fiddle und Banjo im Intro Erinnerungen an einstige Sternstunden, ein Rezept, das sich in der Stadionhymne ›We Can Win‹, ›Hold The Line‹ und im Titelsong wiederholt. An Gary Moore erinnert der groovige Rock-Blues ›Please‹ mit vollfetten Gitarrensoli und Stewarts erstaunlich voluminösem Kieksen in hohen Lagen. ›Walking In The Sunshine‹, ein durch nervendes Drum-Hauruck bemühtes Selbstplagiat zwischen ›Young Turks‹ und ›Tonight I’m Yours (Don’t Hurt Me)‹, geht mit mediterranem Zwischenspiel sofort ins Ohr und auch gleich wieder raus. Karibischen Einschlag verzeichnet ›Love And Be Loved‹ – sowas konnte Kollege Robert Palmer besser. Die Ballade ›Way Back Home‹ deutet Querverweise zu ›Sailing‹ an, steigert sich zum hymnischen Chorgelage. ›Can We Stay Home Tonight?‹ orientiert sich an Klassikern wie ›You’re In My Heart (The Final Acclaim)‹ und ›Tonight’s The Night (Gonna Be Alright)‹. Im auf Blues-Rock getrimmten ›The Drinking Song‹ stampft der Rhythmus von ›Maggie May‹ und die Gitarrensoli klingen, als wäre Mark Knopfler am Werk gewesen. Als die Standard-CD-Version bereits zu Ende ist, trumpft Stewart dann noch mit handfestem ›Every Rock’n’Roll Song To Me‹ auf, perfekt austariert mit Dylan’schem Mundharmonika-Solo und schwebender Hammondorgel. ›One Night With You‹ zitiert die Bin-ich-heute-wieder-sexy-Disco-Phase, doch fast am Ende wartet die perfekte Überraschung: Das mit Python Lee Jackson 1968 eingespielte Original des Prog-Blues-Rock-Epos ›In A Broken Dream‹ – heute so wertvoll wie damals, zumal es die auf sanften Wohlklang geeichte AMERICAN-SONGBOOK-Klientel eher verstören dürfte.
Dead Soul – THE SHELTERING SKY
Das Label bittet darum, sich eine Mischung aus Nick Cave, Nine Inch Nails und Johnny Cash vorzustellen. Besser könnten wir auch nicht auf den Punkt bringen, wie das schwedische Duo Dead Soul klingt. Sänger/Gitarrist Anders Landelius hat als Slidin’ Slim in Blues-Kreisen schon von sich Reden gemacht, Multiinstrumentalist und Produzent Niels Nielsen dagegen kommt eher aus der elektronischen Musik und dem Alternative Rock. Auf ihrem zweiten Longplayer, THE SHELTERING SKY, kombinieren sie große Gefühle, viel Melancholie, ausladende Atmosphären, rockige und noisige Elemente sowie hymnische Chorusse zu einem von Beginn an überzeugenden Breitwand-Sound, der ins Herz und Ohr geht. Vereint werden Rock, Elektronik, Blues und Industrial – und das mit überzeugenden Songwriting-, Arrangement- und Produktionsskills. In eine vorhandene Schublade passen Dead Soul nicht, aber es bleibt zu hoffen, dass die guten Songs Argument genug sind, um eine breite Masse anzusprechen. Die kommende Tournee im Vorprogramm von Ghost dürfte eine gute Möglichkeit darstellen. Anspieltipps: ›Until The Last Breath‹, ›Shattered Dreams‹ und ›In Between‹.
The Temperance Movement: Erster neuer Song veröffentlicht
The Temperance Movement veröffentlichen das erste Lied aus ihrem kommenden Album WHITE BEAR. Hört hier ›Three Bulleits‹.
Am 15. Januar wird WHITE BEAR, der Nachfolger des selbstbetitelten 2013er The Temperance Movement-Debüts, erscheinen. Bis dahin gönnen uns die Briten schon einmal den Opener ›Thre Bulleits‹ und einige Album-Details wie Artwork und Tracklist.
Gitarrist Paul Sayers über WHITE BEAR: „Diesmal hatten wir mehr Raum und Zeit, um unserer Kreativität freien Lauf lassen zu können. Ich bin unglaublich stolz auf das, was wir erreicht haben.“
Nach Erscheinen des Albums will die Band um Sänger Phil Campbell im März und April 2016 dann auf Europa-Tournee gehen.
Hört hier das neue Stück ›Three Belleits‹:
Tracklist WHITE BEAR:
01. Three Bulleits
02. Get Yourself Free
03. A Pleasant Peace I Feel
04. Modern Massacre
05. Battle Lines
06. White Bear
07. Oh Lorraine
08. Magnify
09. The Sun And The Moon Roll Around Too Soon
10. I Hope I’m Not Losing My Mind
Slash: Songs für nächstes Album sind „zu 90 Prozent“ fertig
Slash hat verraten, dass der Schreibprozess zum Nachfolger von WORLD ON FIRE weit fortgeschritten ist. Die Songs seien zu 90 Prozent fertig.
In einem Interview mit SBSun.com erklärte der Gitarrist: „Das Material für das kommende Album ist wirklich großartig. Anstatt mit guten Ideen zu starten und dann nachzulassen, haben wir angefangen, erst dann ist es zu einer regelrechten kreativen Explosion gekommen.“
Die noch unbetitelte Platte wird das dritte Gemeinschaftswerk mit Myles Kennedy And The Conspirators sein, nach APOCALYTIC LOVE von 2012 und WORLD ON FIRE aus dem vergangenen Jahr. „Wir scheinen uns mehr und mehr einzugrooven, je länger wir zusammenarbeiten und gemeinsam auf Tour sind“, so Slash. „Das sieht man auch an unseren neuen Tracks.“ Anfang nächsten Jahres will der ehemalige Guns N‘ Roses-Mann mit den Aufnahmen im Studio beginnen.
Apropos Guns N‘ Roses. Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte um eine Wiedervereinigung der Originalbesetzung. Nicht zuletzt, weil Slash und Axl Rose das Kriegsbeil begraben haben. Hier erfahrt ihr mehr dazu. Außerdem haben DJ Ashba und Bumblefoot die Band kurz nacheinander verlassen. Ein Platz an der Gitarre wäre also eigentlich frei.
Bob Dylan: Alternatives Video zu ›Subterranean Homesick Blues‹ veröffentlicht
Am 6. November erscheint mit THE CUTTING EDGE der nächste Teil von Bob Dylans Bootleg-Serie. Als Vorgeschmack gibt es eine alternative Song- und Videofassung von ›Subterranean Homesick Blues‹.
THE CUTTING EDGE 1965-1966: THE BOOTLEG SERIES VOL. 12 dreht sich um Dylans bahnbrechende Alben BRINGING IT ALL BACK HOME, HIGHWAY 61 REVISITED und BLONDE ON BLONDE. Das Box-Set enthält unveröffentlichte Tracks, Probeaufnahmen und unbekannte Versionen von Klassikern wie ›Like A Rolling Stone‹, ›Mr. Tambourine Man‹ und ›Just Like A Woman‹.
THE CUTTING EDGE wird als 6 CDs umfassende Deluxe-Edition, als Doppel-CD und Dreifach-LP sowie – exklusiv über BobDylan.com – als opulente, auf 5.000 Stück limitierte Collector’s Edition mit 18 CDs und zusätzlichen Extras erhältlich sein.
Zur Einstimmung auf die Neuveröffentlichung hat Dylan nun eine aus mehreren Versionen zusammengesetzte Fassung von ›Subterranean Homesick Blues‹ veröffentlicht, die akustisch beginnt, um dann in den bekannten elektrischen Sound überzugehen. Die neue Fassung des berühmten Videos von D. A. Pennebaker enthält selten gezeigte Szenen, aufgenommen auf einem Hausdach und in einem Park in London.
Hier seht ihr das neue Video zur alternativen Fassung von Bob Dylans ›Subterranean Homesick Blues‹:
AndersonPonty Band: Videopremiere zu ›Wonderous Stories‹
Die AndersonPonty Band präsentiert einen Live-Clip zu ihrer Version des Yes-Klassikers ›Wonderous Stories‹. Der Song findet sich auf BETTER LATE THAN NEVER, der aktuellen Platte der Gruppe.
Für ihr Debütwerk haben der langjährige Yes-Sänger Jon Anderson und Violinist Jean Luc Ponty neben neuen Stücken mehrere Yes-Klassiker sowie Kompositionen Pontys neu interpretiert. Bei BETTER LATE THAN NEVER handelt es sich um einen Live-Mitschnitt aus dem September 2014 in Aspen, der später im Studio aufbereitet wurde. Das Album ist als CD/DVD-Set erschienen.
„Wieder in einer Band zu sein, ist sehr aufregend“, so Anderson. „Wir werden uns um die ganze Welt spielen und singen und Spaß haben. Denn Musik heißt Freude, sie ist alles.“ Ponty erklärt: „Mit Jon zusammenzuarbeiten, einem derart kreativen Singer/Songwriter, war anders als alles, was ich zuvor gemacht habe.“ Das Ergebnis übertreffe all seine Erwartungen.
Hier seht ihr das AndersonPonty Band-Video zum Yes-Song ›Wonderous Stories‹:



