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Billy Gibbons: Neue Single ›Missin‘ Yo‘ Kissin‹

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Billy Gibbons Album Big Bad BluesBilly Gibbons veröffentlicht eine weitere Single seiner kommenden Soloplatte THE BIG BAD BLUES.

„I’m missin your kissin'“, säuselt Billy Gibbons in texanischer Hounddog-Manier verraucht ins Mikrofon und eröffnet allen Fans nach nur kurzer Zeit einen weiteren Einblick in das Soundgefüge von THE BIG BAD BLUES.

Der Text des Songs stammt von seiner Ehefrau Gilligan, im Interview mit CLASSIC ROCK meinte Gibbons: „Naja, sie schrieb „Missin‘ Yo‘ Kissin'“ und ich dachte nur: Damit bin wohl hoffentlich ich gemeint.“

Was der ZZ Top-Gründer noch alles zu erzählen hatte, gibt es demnächst in unserem Heft zu lesen…

Glosse: Die reine Polemik!

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Die reine PolemikOh je, jetzt werden die auch noch politisch! Geht aber nicht anders, denn wenn alle über 1968 reden, fühlen auch wir uns berufen, unseren Senf dazu zu geben. Hat nämlich auch was mit Rock’n’Roll zu tun. Zumindest teilweise.

Deutschland hat 1968 die Wahl: Zwischen vier Engländern, die zur verzerrten Gitarre von „Revolution“ singen, oder einem prä-pubertären Niederländer, der seine „Mama“ lobpreist. Die Mehrheit der Plattenkäufer entscheidet sich damals für das plärrende Halbkind, gegen das auch der ›Street Fighting Man‹ fünf weiterer Briten das Nachsehen hat. Aus rockmusikalischer Sicht ist diese Tatsache dem Mythos 1968 zweifellos abträglich, aber an anderer Stelle war ja tatsächlich ziemlich was los.

Etwa hier: Den zeitgenössischen Werbespruch für Zigaretten der Marke HB – „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ – konnten Demonstranten vor dem Berliner Springer-Hochhaus spontan mit „der Ford Transit, mit dem die Bild-Zeitung ausgeliefert werden soll“ vervollständigen, während konsequente Kommunarden in der heimischen WG die Toilettentür aushängten, denn auch das Private war jetzt plötzlich hochpolitisch. Worin der gesamtgesellschaftliche Erkenntnisgewinn liegen soll, jemandem beim Verrichten der Notdurft zuzusehen, ist allerdings auch 50 Jahre später noch umstritten, selbst die Lektüre damals hoch verehrter Opinion Leader bringt einen diesbezüglich leider nicht weiter. Weder in Marxens Manifest, der Mao-Bibel oder Che Guevaras Tagebüchern wird die Klotürenfrage hinreichend beantwortet. Aber letztendlich ging’s wohl ohnehin nur um das, was im Herbst 1968 die MC 5 im Grande Ballroom zu Detroit postuliert hatten: KICK OUT THE JAMS, MOTHERFUCKERS! Genau: Macht Euch locker, ihr Heintje-Hörer!

Die damalige Jugend hatte aber noch andere drollige Geistesblitze, etwa dass Liebe, Sex und Haschgiftrauchen potenziell mehr Freude bereiten als sich in Vietnam zu Brei schießen zu lassen. Grundsätzlich nachvollziehbar. Dass daraus gleich ein Musical namens „Hair“ werden musste, das beim bildungsbürgerlichen Theaterpublikum um Verständnis für die Schrullen der crazy Jugendlichen buhlte, wäre jedoch wirklich nicht nötig gewesen. Das war kein Rock’n’Roll, sondern Anbiederung an ein Establishment, das mit dem aufmüpfigen Zeitgeist flirtete – und darauf hoffte, was Nacktes zu sehen. Eat my shorts!

Kürzlich hörte man ja erneut „Viva la Revolución!“ durch die Medien schallen. Urheber war diesmal aber kein Westberliner Gammler oder Frankfurter Sponti, sondern der Landesgruppenchef einer erfolgreichen Bierzeltpartei. Der Haken an der Sache: Er sprach zwar von „Revolution“, meinte aber „Reaktion“, denn seiner Meinung nach geht’s mit uns seit 1968 kollektiv den Bach runter. Eine Lösung hatte der temporär karierte Kulturrevolutionär natürlich auch parat: „Systemwiederherstellung//Reboot//prae68“, denn damals war die Welt noch in Ordnung.

Jaja, die gute alte Vor-68er-Zeit! Jene goldene Ära der unbegrenzten Freiheit, bevor im Gefolge der Hippie-Spaßbremsen alles verboten wurde. Damals herrschte noch der pure Rock’n’Roll! Lehrer von echtem Schrot und Korn durften dem allzu vorlauten Nachwuchs noch ordentlich eine ballern und Göttergatten konnten sich die Freiheit nehmen, ihrer Angetrauten einfach mal zu verbieten, ein eigenes Konto zu eröffnen oder arbeiten zu gehen. Chemiebrühe wurde kostengünstig im Fluss verklappt, denn das interessierte nun wirklich keine Sau, und der Straßenverkehr war mangels Gurtpflicht und Promillegrenze noch ein großer Abenteuerspielplatz für echte Männer. Apropos: „Einer wie Elton John“ wäre damals so frei gewesen, „einen wie Rob Halford“ bei der Essensausgabe im Knast kennenzulernen. Harhar…

Aber bevor die Ironie-Falle endgültig zuschnappt: Muss man heute tatsächlich gesellschaftliche, kulturelle und politische Konflikte aufwärmen, die grob gesagt schon vor 50 Jahren entschieden worden sind? Wollen wir wirklich wieder darüber streiten, ob Rockmusik die Jugend versaut, Comic-Hefte blöd machen, sich unverheiratete Paare eine Wohnung teilen dürfen und Autoritäten grundsätzlich Recht haben? Und dann immer diese Schuldzuweisungen: Was momentan gut läuft, ist eigenes Verdienst, logisch! Alles, was gegenwärtig nicht so prickelnd ist, haben die anderen verbockt. Gut, dass wir darüber geredet haben.

Denn seit 1968 wissen wir: Alles muss ausdiskutiert werden, egal wie anstrengend es wird. Sind Klotüren nun bourgeoise Auswüchse einer entmenscht-profitorientierten Unterdrückungsindustrie, oder gehen sie als antisexistischer Schutzwall durch? Demokratischer Meinungsfindungsprozess, yeah! Aber ganz egal, wie das Er­­gebnis auch ausfallen mag: „Du, ich finde, da muss jetzt auch der Dobbi einfach mal ein Stück weit mit leben.“

Videos der Woche: Die besten Songs für Sternschnuppen-Nächte

the dark side of the moonPünktlich zur Sternschnuppen-reichsten Zeit des Jahres hat CLASSIC ROCK die schönsten Songs für kosmische Nächte zusammengesucht…

Platz 10: The Night Flight Orchestra – ›Gemini‹

Platz 9: Jefferson Starship – ›Light The Sky On Fire‹

Platz 8: David Bowie – ›Starman‹

Platz 7: T-Rex – ›Cosmic Dancer‹

Platz 6: The Beatles – ›Across The Universe‹

Platz 5: Pink Floyd – ›Eclipse‹

Platz 4: Steve Miller Band – ›Space Cowboy‹

Platz 3: Elton John – ›Rocket Man‹

Platz 2: Deep Purple – ›Space Truckin’‹

Platz 1: David Bowie – ›Space Oddity‹

Creedence Clearwater Revival – LIVE AT WOODSTOCK

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CCR Live Woodstock

Endlich: offizielle Premiere nach einem halben Jahrhundert des klanglich aufbereiteten Komplettmitschnitts

Eine halbe Stunde nach Mitternacht traten Creedence Clearwater Revival am 17. August 1969 ins Rampenlicht. Ursprünglich viel früher hätte ihr rund einstündiger Auftritt beim Woodstock Festival über die Bühne gehen sollen. Doch die auf bekifften Zeitlupenmodus eingefahrenen Grateful Dead fanden mal wieder kein Ende. Ohnehin geriet der Ablaufplan vom ersten Tag an drunter und drüber. Wie nahezu jeder Woodstock-Teilnehmer befand auch das Quartett aus dem kalifornischen El Cerrito, das zuvor schon beim Atlantic City Pop Festival und dem Newport Pop Festival mitwirkte, den Auftritt an der Ostküste nur als einen unter vielen weiteren Tourstationen. Dass die „3 Days Of Peace & Music“ tatsächlich einen so langen Atem in der popkulturellen Wahrnehmung einnehmen würden, schwante zumindest manchem der Künstler, als im Frühjahr 1970 im Abstand von zwei Monaten die futuristisch montierte Kinodoku und ein Triple-LP-Set weltweit an den Start gingen.

Nichts von alledem betraf die ohnehin auf Karrierehöhenflug befindlichen CCR: Mit vier Platinalben, drei davon 1969 erschienen, stieg ihnen der Erfolg damals schon ein wenig zu Kopf. In einem Anfall von leichtem Größenwahn verbot Frontmann John Fogerty den Verantwortlichen, das komplette audiovisuelle Material zu verwerten, da seiner Meinung nach die Band eine suboptimale Leistung vollbracht hätte. Dass CCR überhaupt als einer der damaligen Headliner fungierten, demonstrierte erstmals 1994 das Boxset WOODSTOCK: THREE DAYS OF PEACE AND MUSIC. Bassist Stu Cook hielt stets dagegen, meinte, die CCR-Performance sei exzellent gewesen. Nun, zum 50. Jubiläum, nachdem der komplette Mitschnitt schon seit Dekaden als Bootleg kursiert, lässt sich LIVE AT WOODSTOCK endlich offiziell in klanglich aufbereiteter Form genießen.

Schon die hypnotische Voodoo-Magie des Openers ›Born On The Bayou‹ versetzt in Verzückung. Kraftvoll erdig wie trocken verrockt schlängeln sich Anführer John und Bruder Tom Fogerty an der Rhythmusgitarre, Viersaitenzupfer Cook und Schlagzeuger Doug Clifford durch die selbstgestrickten Evergreens ›Bootleg‹, ›Commotion‹, ›Green River‹, ›Proud Mary‹, ›Bad Moon Rising‹ und ›Keep On Chooglin’‹. Delikat unterfüttert mit eigenwilligen Versionen von Dale Hawkins’ ›Suzie Q‹, Screamin’ Jay Hawkins’ ›I Put A Spell On You‹, Nappy Browns ›The Night Time Is The Right Time‹ und Wilson Picketts ›Ninety-Nine And A Half (Won’t Do)‹.

9/10

Creedence Clearwater Revival
LIVE AT WOODSTOCK
CRAFT RECORDINGS/CONCORD

Dave Grohl: ›Play‹ – Song und Doku

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Dave Grohl - PlayDie kürzlich angekündigte Doku „Play“ gibt es jetzt online zu sehen und zu hören.

Erst vor kurzem hat Dave Grohl sein neuestes Projekt angekündigt: In seiner Mini-Doku spielt er sieben verschiedene Instrumente – was am Ende zum 23 Minuten langen Track ›Play‹ führt.

Der erste Teil der Doku zeigt den Foo-Fighters-Chef bei den Vorbereitungen zu einer 23 Minuten langen Performance, die es dann im zweiten Abschnitt zu sehen gibt.

Song und Video gibt es bereits auf Streaming-Plattformen, bei Anklicken der entsprechenden Links unter dem Clip wird man auf die Website der Doku weitergeleitet, wo man munter durchs Menü manövrieren kann.

Dave Grohl – ›Play‹ :

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Nur noch ein paar mal tief durchatmen, dann ist Wochenende. Um die letzten Meter noch etwas angenehmer zu gestalten, gibt es heute tolle, neue Musik von Thunderpussy, Enuff Z‘ Nuff, The Magpie Salute und dem King, Elvis Presley…

Thunderpussy aus Seattle präsentieren sich auf ihrem gleichnamigen Debüt abwechslungsreich, mal voll auf die 12, mal atmosphärisch verträumt:

Hier geht’s zur Review…

Enuff Z‘ Nuff melden sich zurück: Zwar ohne Donnie Vie, dafür mit ihrer soliden und modern klingenden Rockplatte DIAMOND BOY:

Hier geht’s zur Review…

Der King lebt! Also fast… Zumindest, wenn man sich die komplett überarbeiteten Elvis-Interpretationen auf WHERE NO ONE STANDS ALONE anhört:

Hier geht’s zur Review…

The Magpie Salute um die ehemaligen Black Crowes-Mitglieder Rich Robinson, Marc Ford und Sven Pipien zeigen auf ihrem Debüt, dass sie immer noch musikalische Höhepunkte aus dem Ärmel schütteln:

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Elvis Presley – WHERE NO ONE STANDS ALONE

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Elvis PresleyGospel-Klassiker, bis auf den Gesang neu aufgenommen.

Gospel war die Musik, die Elvis quasi mit der Muttermilch aufsog. „Er wurde derart zu einem Teil meines Lebens, dass er so natürlich für mich war wie Tanzen“, sagte Presley einmal. Er sang ihn zu Hause, vor Freunden, vor der Familie, zum Auf­­wärmen vor Konzerten – und er nahm mehrere Platten mit Gospel-Songs auf, darunter PEACE IN THE VALLEY und sein CHRISTMAS ALBUM. In seiner Interpreta­tions-Kunst nahm er es mit Aretha Franklin oder Sam Cooke auf. Mit WHERE NO ONE STANDS ALONE hat sich jetzt ein Team um Presley-Tochter Lisa Marie daran gemacht, Elvis’ religiöse Seite zu würdigen. Doch aufgepasst, die Stücke wie ›I’ve Got Confidence‹, ›Saved‹ oder ›Crying In The Chapel‹ finden sich nicht in den Original-Fassungen, nein, Instrumente und Ba­­cking-Gesang wurden neu aufgenommen. Und um es vorwegzunehmen: Es ist kein Reinfall wie die jüngsten Best-Of-Alben mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Die große Darlene Love ist als Begleitsängerin dabei, ebenso Mitglieder der Imperials und der Four Stamps, die seinerzeit mit Presley sangen. Die neu eingespielten Arrangements kommen ohne zwanghafte Moderni­sierungen aus, sie sind klarer, teils temperamentvoller und frischer als die Originale. Aber: Auch der Kitsch­faktor steigt bisweilen, besonders schlimm im als emotionalen Höhepunkt angelegten Titelsong mit Vocals von Lisa Marie – die leider so gar nicht das Ge­­sangs­talent ihres Vaters geerbt hat. Was insgesamt fehlt: Das Monumentale, der Hall, die Patina, das Schlichte, Große und Zeitlose der alten Aufnahmen (was als Kri­tik natürlich auch wieder irgendwie vorhersehbar ist). Elvis selbst ist freilich unantastbar.

7 von 10 Punkten

Elvis Presley
WHERE NO ONE STANDS ALONE
RCA/Sony

Enuff Z’ Nuff – DIAMOND BOY

enuff Z NuffÜberraschend angenehm…

Enuff Z’Nuff haben eine bewegte Bandgeschichte hinter sich: zahl­reiche Besetzungswechsel, tragische Tode, Labelroulette, falsche Genre-Schubladen, oft nur ein paar Zenti­meter vom großen Durchbruch entfernt – und schlussendlich auch noch der finale Weggang von Mas­termind Donnie Vie. Andere Gruppen hätte das schon lange zum Aufgeben verleitet, die 2016er-Neubesetzung jedoch lässt sich nicht beirren und bringt unter der Gesamtleitung von Bassist Chip Z’Nuff DIAMOND BOY raus. Besagtes Werk wird durch ein verträumtes Intro mit dem passenden Titel ›Transcendence‹ eingeleitet und entwickelt sich zu einer astreinen Power-Pop-Rock-Platte mit großen Melodien und modernem Alternative-Anstrich, die manchmal klingt, als hätte man die aktuellen Cheap Trick mit einem Tupfer Soundgarden versehen. Ehrlich gesagt ist man positiv überrascht, wenn sich Nummern wie der schneidige Titeltrack mit ironischen Reimereien, treibende Coolness á la ›Me­­talheart‹ oder die vielen subtil melancholischen Lieder wie ›Down On Luck‹ schnell ins Ohr eingravieren. Ganz an die Leichtfüßigkeit und vor allem die Songwriting-Qualität von früheren Hoch- und Vie-Zeiten kann die Neue zwar nicht anknüpfen, dafür aber transportiert sie den Sound von Enuff Z’Nuff auf angenehme Weise noch ein Stück weiter Richtung Gegenwart.

7 von 10 Punkten

Enuff Z‘ Nuff
DIAMOND BOY
Frontiers/Soulfood