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Various Artists – CONCERT FOR GEORGE DELUXE BOX

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Concert For George

While his guitar still gently weeps: Tribute-Concert in Allstar-Besetzung zum 75. Geburtstag.

Exakt ein Jahr nach George Harrisons Über­tritt in eine andere Dimension am 29. November 2001 mit gerade einmal 58 Jahren organisierte Witwe Olivia im Gespann mit Georges Freund und Langzeitwegbegleiter Eric Clapton ein Tribute-Konzert in der Londoner Royal Albert Hall. Dem fast schon überirdischen Rang eines Ex-Beatle entsprechend, war es ein hochkarätig besetztes Event, an dem sich Ravi und Anoushka Shankar, Jeff Lynne, Monty Pyt­h­on, Tom Hanks, Eric Clapton, Joe Brown, Gary Brooker, Sam Brown, Tom Petty, Billy Preston, Ringo Starr und Paul McCartney beteiligten. Klangvolle Namen auch im von Clapton geleiteten Begleitensemble: u.a. stellten sich Albert Lee, Andy Fairweather-Low, Dhani Harrison, Jools Holland, Chris Stainton, Dave Bronze, Klaus Voormann, Jim Keltner, Jim Capaldi, Henry Spinetti, Ray Cooper, Emil Richards, Jim Horn, Tom Scott, Katie Kissoon und Tessa Niles in den Dienst der guten Sache.

Der unter der Regie von David Leland entstandene Konzertfilm erschien im November 2003 als Doppel-DVD, die in den USA achtfaches Platin sowie einen Grammy für das Beste Long Form Music Video einheimste. An­­lässlich von George Harrisons 75. Geburtstag am 25. Februar 2018 liegt das Werk in diversen Formaten neu auf: Weltweit auf 1.000 Exemplare limitiert, enthält die ausschließlich über www.ConcertForGeorge.com erhältliche Deluxe Box sämtliche verfügbaren audiovisuellen Aufnahmen: Als da wären vier 180-Gramm-Vinyl-LPs, zwei CDs, zwei DVDs und zwei Blu-rays, ein 60-seitiges Buch im LP-Format sowie ein kleines Stück jener handbemalten Originalleinwand, die beim denkwürdigen Abend als Bühnenkulisse diente.

Erstmals sind die vollständigen Tonaufnahmen als 4-LP-Boxset, aber auch auf diversen Streaming-Plattformen enthalten. Parallel lassen sich ein 2-CD-Set sowie Kombipakte aus 2 CD und 2 DVD respektive 2 CD und 2 Blu-ray erwerben. Während jeweils auf der ersten Disc der nunmehr komplette Konzertfilm enthalten ist, liefert die zweite die ursprüngliche Version mit Höhepunkten, Inter­views sowie allerlei Proben- und Backstage-Im­pressionen.

8/10

Various Artists
CONCERT FOR GEORGE DELUXE BOX
CONCORD/UNIVERSAL

Glosse: DIE REINE POLEMIK!


Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Colin Wilson sieht ganz anders aus als Roger Waters. Und das sogar mit voller Absicht! Wer jetzt nicht auf Anhieb weiß, wer Colin Wilson ist: macht nichts. Das verraten wir weiter unten. Also bitte weiterlesen.

Vermutlich haben Sie auch schon davon gehört: Elvis has left the building, und zwar final. Anders ausgedrückt: Er ist nicht mehr, was in dieser Endgültigkeit übrigens auch auf Wolfgang Amadeus Mozart zu­­trifft. Zwar lebt die Musik beider Lichtgestalten auf den Bühnen dieser Welt munter weiter, wobei es allerdings einen signifikanten Unterschied gibt: Die internationale Bruderschaft der aktiven Elvis-Imitatoren quetscht sich gerne in weiße Overalls mit breiten Gürteln, leimt sich fesche Koteletten an die Backe und knödelt zum Playback ›In The Ghetto‹, was beim verehrten Publikum entsprechende Assoziationen wecken soll. Orchestermusiker aus Wien, Berlin oder New York tragen hingegen selbst dann keine gepuderten Lockenperücken, wenn gerade Wolferls „Concerto für Violine und Klavier D-Dur“ (Köchelverzeichnis 315f) dargeboten wird. Was uns jetzt endlich auch zu Colin Wilson führt.

Der spielt nämlich Bass bei der „Australian Pink Floyd Show“, sieht allerdings nicht im Entferntesten wie Roger Waters aus und unternimmt offenkundig auch keinen Versuch, daran etwas zu ändern. Die niederländischen Analogues, darauf spezialisiert die Klangkunst der Beatles verlustfrei auf die Bühne zu bringen, verzichten ihrerseits auf Moptop-Perücken, Chelsea-Boots und schwarze Anzüge mit schmalen Krawatten. Zudem sind die Flachland-Fab-Four auch noch zu fünft und präsentieren Songs, die von den Beatles niemals live zu hören waren. Was uns das sagt? Dass es einen Paradigmenwechsel gegeben hat: Jahrzehntelang war Rockmusik Bühnenkunst von begrenzter Haltbarkeit. Wenn ihre Schöpfer abtraten oder keine Lust mehr hatten, war die Show eben vorbei. Fortan war, sofern Bedarf ermittelt wurde, Mimikry gefragt, was durchaus trashig ausfallen konnte: Willkommen beim Rock’n’Roll-Maskenball! Das ist heute anders.

Mittlerweile ist die Rockmusik also ein Teil der klassischen, hochseriösen Reproduktionskultur geworden, genau wie die Werke vom Wolfi, der die Bühne ja auch schon länger nicht mehr persönlich gerockt hat. Und warum ist sie das geworden? Weil es das Publikum will, ganz einfach. Und warum will es das? Weil es diese Musik liebt und sie auch gerne einmal live erleben möchte. Ganz egal, ob der Bassist nun Roger oder Colin heißt, völlig wurscht, ob der Analogues-Drummer dicke Ringe trägt oder nicht.

Was wiederum einst eherne Regeln des Pop-Business ins Wanken bringt. Etwa die Annahme, Rock’n’Roll sei als „Ausdrucksform der populären Massenkultur des 20. Jahrhunderts“ zwangsläufig von permanenter Erneuerung abhängig: Erst ist eine Band oder Stilrichtung der heiße Scheiß, alsbald flaut das Interesse jedoch rapide ab, weil bereits die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Neue Musik, neue Mode, neues Spiel! Wer renitenterweise immer noch den alten Kram hört, ist eben mit ihm alt geworden, ein hängen gebliebener Nostalgiker, der in Seebädern Oldie-Shows besucht und wehmütig in jenen Zeiten schwelgt, als der eigene Haarwuchs eine 72er-Dave-Gilmour-Matte zumindest noch theoretisch ermöglichte. Stimmt nicht. Wenn Colin Wilson live den Bass spielt, sind da jede Menge Leute im Publikum, die genetisch noch nicht einmal angedacht waren, als Astronaut Waters und seine Crew die dunkle Seite des Mondes erforschten. Isso!

Auch die alte Produzentenweisheit „It’s the singer, not the song“, eigentlich ja nur ein charmanter Euphemismus dafür, dass Lieder unter Umständen ein rechter Dünnpfiff sein dürfen, sofern sie nur von unwiderstehlichen Charismatikern interpretiert werden, erweist sich in diesem Zusammenhang als glatte Lüge. It’s The Song, Not The Singer. Die Leute wollen endlich mal ›I Am The Walrus‹ live hören, ob der Sänger ein bekanntermaßen smarter Bursche mit japanischer Gattin ist, ist ihnen völlig wumpe. Bezeugen wir also gerade das Ende des Personenkults? Den Sieg des Inhalts über die Verpackung? Nur die Musik zählt? Na ja, nicht ganz. Darüber, dass ab jetzt künstlerisch wertvolles Schaffen eine zwangsläufige Voraussetzung für Erfolg darstellt, sollte man sich keinerlei Illusionen hingeben. Wie man hört, können Schminktipps auf YouTube bereits ausreichen, um ein Publikum in hysterische Begeisterung zu versetzen. Na, von mir aus.

Was vermutlich kommen wird: Versierte Rockmusiker, die sich zu Dienstleistungs-Klangkörpern zusammenschließen, um im Rahmen von abgeschlossenen Tourneen heute naturgetreu AC/DC, morgen David Bowie und übermorgen Motörhead auf die Bühne zu zaubern. Ganz ohne Schuluniform, zweifarbige Kontaktlinsen oder angeklebte Warze. So gesehen, steht die seriöse Rock-Re­produktionskultur also erst am Anfang. Alles scheint möglich. Vielleicht sogar „Frank Zappa Live At The Montreux Casino 1971“ (Feuerlöscher mitnehmen!), „Santana/Woodstock 1969“ (Regenjacke nicht vergessen!) oder „Genesis Live In Oxford 1973“ (Blumenpflücken verboten!) The show must go on. Und genau das wird sie auch tun.

Video der Woche: The Rolling Stones live mit ›Brown Sugar‹

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Und wieder mal ein riesen Rummel um die Rolling Stones… Wer kann, der kann. Finden zumindest wir von CLASSIC ROCK und widmen den Urgesteinen wiederholt das ‚Video der Woche‘.

Erst ein mysteriöses Pfannkuchen-Video mit der Anspielung, dass da irgendwas am Köcheln ist. Ein paar Tage später folgt dann die Bekanntgabe der Erweiterung der „No Filter“-Tour, auch mit Konzerten in Deutschland. Und als ob das nicht an Neuigkeiten reichen würde, erklärten jüngst einige Mitlieder der Rolling Stones, dass sie an einem neuen Album arbeiten.

Mit über 70 sind die Legenden immer noch voller Tatendrang, deshalb ist ihnen das heutige ‚Video der Woche‘ gewidmet. Der Clip zeigt sie bei der Performance von ›Brown Sugar‹ 2015 im Fonda Theater in Florida.

Der Ausschnitt stammt von der kürzlich erschienen DVD mit dem Titel FROM THE VAULT, auf der sie ihr Werk STICKY FINGERS von vorne bis hinten durchspielen.

Hier die Stones mit ›Brown Sugar‹ sehen:

Robert Plant – LIVE AT DAVID LYNCH’S FESTIVAL OF DISRUPTION

Robert Plant and the Sensational Space Shifters Live

Transzendentale Weltmusikreise.

2016 trat Robert Plant zusammen mit seinen Space Shifters im ‚The­ater At Ace Hotel‘ in Los An­­geles auf. Anlass war eine von David Lynch organisierte Festivität, die Kunstschaffende und Interessierte zusammen bringen und Lynchs Stiftung für „Transzendentale Meditation“ unterstützen sollte (Näheres hierzu im Bonusmaterial). Klar, dass Plant alleine wegen seines spirituellen Flairs zu einer solchen Veranstaltung passt. Knapp eine Stunde schenkte die Legende mit der Löwen­mähne seiner Zuhörerschaft und verzauberte wie immer mit unvergleichlichem Charisma und seiner Gänsehaut-garantierenden Stimme. Zu Be­­ginn hält sich das privilegierte Publikum noch zu­­rück und verweilt starr sitzend statt ekstatisch im dargebotenen Weltrhythmus zu zucken. Doch dann erklingt die Shifters-Version von ›Black Dog‹ und niemand kann mehr still halten. Wie auch? Plants „Ahhhs“ sind sexy wie eh und je, der dezenter werdende Hüftschwung für einen Her­ren seines Alters immer noch famos. Dazu kommen die talentierten Musikerkollegen, unbändige Spielfreude sowie der nicht zu übersehende Schalk in des Altmeisters Nacken. (Zitat: „What a great crowd you turned into!“). Allesamt Kom­ponenten, die ihre Wirkung in der opulenten At­­mos­phäre des Theaters prächtig entfalten. Und wem die Interpretation von ›Going To California‹ nicht jedes Mal wieder einen süßen Stich ins Herz versetzt, dem ist nicht zu helfen.

8/10

Robert Plant And The Sensational Space Shifters
LIVE AT DAVID LYNCH’S FESTIVAL OF DISRUPTION
Universal/Eagle Rock Entertainment

Lou Reed – TRANSFORMER/BERLIN…

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Lou Reed Transformer

Erster Teil der noch von Lou Reed klangtechnisch aufbereiteten Vinyl-Werkschau.

Als Hirn und Herz der exzentrisch kultigen New Yorker Gossenrock­poeten The Velvet Underground hinterließ Lou Reed vier wegweisende Studioalben. Wahrgenom­men hat die Restwelt das 2013 im Alter von 71 Jahren verstorbene Multitalent aber erst als So­­list. Sechs Alben bilden den Auftakt einer Rei­he, in deren Verlauf sämtliche Werke Reeds im 180- Gramm-Vinyl-Format und in originalen Artworks re-editiert werden.

Als der Rock’n’Roll Kajal, Lip­penstift und Nagellack trug, gelang dem „Phan­tom Of Rock“, wie das Label RCA den Künstler vollmundig anpries, der Durchbruch im zweiten Anlauf: TRANSFORMER, kongenial co-produziert von David Bowie und Mick Ronson in London, blieb in Reeds umfangreichem Albumkanon stets sein bestverkauftes und zugänglichstes Werk: In der Hommage an Andy Warhols Factory und New York stecken die Klassiker ›Vicious‹, ›Andy’s Chest‹, ›Perfect Day‹, ›Satellite Of Love‹ sowie der herrrlich versponnene wie einzige Singlehit ›Walk On The Wild Side‹. Erfolg begegnete Reed stets mit Widerspruch: BERLIN, produziert von Bob Ezrin, erwies sich als soziopathische Rock-Oper um das in Drogen, Prostitution, Depres­sionen, häusliche Gewalt und Selbstmord involvierte Pärchen Jim und Caroline. Abermals ge­­langen mit ›Lady Day‹, ›How Do You Think It Feels‹, ›Oh, Jim‹ und ›Sad Song‹ schlicht grandiose Songvignetten.

Mit einer erstklassig von den Gitarrenvirtuosen Steve Hunter und Dick Hunter angeführten Band nahm sich der Konzertmit­schnitt ROCK’N’ROLL ANIMAL (1974) Velvet-Underground-Klassiker vor: In voluminösen Hardrock-Arrangements wirkten ›Heroin‹, ›Sweet Jane‹, ›Rock’n’Roll‹ und ›White Light/White Heat‹ wie die heimtückischen Attacken eines Sadisten auf einen Sklaven in devoter Op­­ferrolle. Nach Reeds unverkäuflichem Feedback-Experiment METAL MACHINE MUSIC verlangte RCA ein weiteres Hit-Album. CONEY ISLAND BABY (1976) blieb zwar hinter den Erwartungen zurück, erwies sich aber mit den famosen Tracks ›Kicks‹, ›Nobody’s Business‹, ›Charley’s Girl‹ und ›She’s My Best Friend‹ als ungewohnt romantisch. Lebte Onkel Lou doch seinerzeit mit Rachel, einem Transsexuellen, ein wildes Leben im Herzen von Manhattan.

Konzertmitschnitte aus München, Wiesbaden und Ludwigshafen bildeten mit weiteren Studioaufnahmen aus New York das Fundament für das in Binaural Recording Technology entstandene STREET HASSLE (1978): ›Dirt‹, ›Leave Me Alone‹, ›I Wanna Be Black‹ und die Titelsong-Suite gaben kreatives Vollgas. Nach einem Ausflug zu Arista kehrte Reed 1982 mit THE BLUE MASK zu RCA zurück: ein ambivalentes Werk mit Robert Quines dröhnender Gitarre und Signifikantem wie ›Under­neath The Bottle‹, ›The Gun‹ und ›The Day John Kennedy Died‹.

TRANSFORMER: 10/10
BERLIN: 10/10
ROCK’N’ROLL ANIMAL: 10/10
CONEY ISLAND BABY: 9/10
STREET HASSLE: 8/10
THE BLUE MASK: 6/10

RCA/SONY

Shinedown: Hier den Clip zur neuen Single ›Devil‹ sehen

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Im Mai kommt das sechste Shinedown-Album ATTENTION ATTENTION. Die erste Single daraus, ›Devil‹, gibt’s schon jetzt.

Zwei Jahre nach THREAT TO SURVIVAL sind Shinedown zurück. Am 4. Mai veröffentlichen die US-Rocker ihr neues Studiowerk ATTENTION ATTENTION.

Das Album beschreibe eine „körperliche, geistige und emotionale Reise, die einem Protagonisten von den tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen seines Lebens folgt, an dem sich Ängste zerstreuen und Dämonen verschwinden“, wie es im Pressetext zur Platte heißt.

Mit ›Devil‹ präsentiert die Band jetzt den ersten Song aus ATTENTION ATTENTION. Im Sommer kommen Shinedown nach Deutschland.

Shinedown live 2018:

02.06. Nürburgring, Rock am Ring
03.06. Nürnberg, Rock im Park

Good Time – Wettlauf Gegen Die Zeit

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Good Time Wettlauf Gegen Die Zeit

Ein filmisches Stück New York, das zuletzt verloren ging zwischen angestaubtem Woody Allen’schem Intellektuellenmekka, gleichermaßen mondänem wie klaustrophobischem Brook­lyn-Hipstertum und Blockbusterkulisse für Katas­trophen- und Actionfilm, beschwören die Geschwis­ter Ben und Josh Safdie in ihrem Krimithriller „Good Time“ herauf. Namentlich das ruppige New York der 70er-Jahre, in dessen Betonschluchten und Brown­stone-Alleen Regisseure wie Sidney Lumet, Martin Scorsese und William Friedkin die fiebrigen Nach­wehen des Summer Of Love in Form von urbanen Eremiten, psychotischen Außenseitern und fragwürdigen Heldenfiguren projizierten. Bereits die schonungslos rasanten ersten Minuten werfen einen in jenen desorientierenden Dschungel aus engen Sozialamtsbüros, panzerverglasten Geld­wechelstuben und brutaler Knasthärte, durch die Gangster Connie (Robert Pattinson) und sein geistig beeinträchtigter Bruder Nick (Ben Safdie) tigern. Ums nackte Überleben geht es dabei nicht nur beim Überfall der Brüder auf eine Bank, sondern – nachdem dieser misslingt – vor allem bei Connies Ver­such seinen von der Polizei festgenommenen Bruder aus den mit gleichgültiger Ebarmungslosigkeit mahlenden Mühlen der Justiz zu befreien. Dass der labile Nick den Herausforderungen des Gefängnislebens gewachsen ist scheint höchst unwahrscheinlich, dass ihn der Aufenthalt dort in Körper und Seele brechen wird ist unausweichlich. Weshalb Connies Mission von nervöser Energie getrieben ist, während er auf der Suche nach dem nötigen Kautionsgeld immer tiefer in die hässliche Unterwelt New Yorks hinabsteigt. Die Selbstsicherheit, mit der die Safdie-Brüder hier Taktung, Atmosphäre, Schnitt und Handlung zu einem intensiven Thriller zusammenfügen, ist dabei ebenso beeindruckend wie der atemlose Film selbst.

9/10

Good Time
Alive/VÖ: 09.03.

Jerry Leger – NONSENSE & HEARTACHE

Jerry Leger Nonsense And Heartache

Das Folk-Rock Meisterwerk eines bisher Unbekannten.

Er ist zwar erst Anfang 30, doch der kanadische Songwriter wirkt wie ein alter, weiser Mann. Er hat die DNA traditionsreicher Genres in sich aufgesogen, hat gut zugehört und kann aus dem Vollen schöpfen, ohne sein Repertoire zu offensichtlich an die großen Vor­bilder (insbesondere Hank Williams und Neil Young) anzulehnen. Nachdem er 2013 dem Gitarristen und Songwriter der Cowboy Junkies, Michael Timmins, über den Weg lief, hatte er einen Fan mehr – und ein kleines Budget in der Tasche, mit dem er die Platte EASY RIDER (2014) aufnahm. Der Erfolg blieb aus. Doch nun, wo sich endlich die Berichte über dieses verkannte Genie häufen, gibt es ein Doppelalbum zu bestaunen, das alle Fähigkeiten des Kanadiers zusammenführt. Mit einer ruppigeren, bluesrockgetränkten ersten Hälfte und emotionalem Country-Folk in der zweiten. ›On The Fishing Line‹ und ›Coat On The Rack‹, bei denen er sich enthusiastisch in der Musik verliert, sind die Highlights der vorderen Seite. Neben ausufernden Stücken findet er aber auch immer wieder den Zug zum Refrain, kann seine Form von Rockmusik auf fast schon poppige Art und Weise verdichten, etwa beim ›Big Smoke Blues‹. Gegen Ende reiht er dann eine Country-Folk-Perle an die nächste. Schon jetzt ist Jerry Leger eine der Ent­deckungen des Jahres.

9/10

Jerry Leger
NONSENSE & HEARTACHE
LATENT/ H’ART