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Kiss: Pläne für spektakuläre Welttournee

Gene Simmons spricht über künftige Tourpläne und seinen Wunsch, mit ABBA zusammenzuarbeiten.

Kiss sind ja auch nicht mehr die Jüngsten. Schon 2017 meinte Gene Simmons deswegen: „Wir werden das in unseren 70ern nicht mehr machen können – und ich bin jetzt 67 Jahre alt. Aber noch werden wir ein paar mehr Jahre weitermachen und wenn wir denken, dass es Zeit ist, zu gehen, dann gehen wir. Abgedankt wird dann jedoch mit einer großen Party. Ich würde dann gerne was machen, das den Planeten rockt, irgendwas Großes und Weltweites – vielleicht sogar umsonst.“

Jetzt erklärte er gegenüber der schwedischen Zeitung Expressen: „Wir gehen drei Jahre auf Tour, fangen im Januar 2019 an. Wir werden jeden Kontinent besuchen, obwohl ich noch nicht genau sagen kann, wo wir genau hinkommen werden.“

Außerdem könnte sich Simmons vorstellen, Songs mit Benny Andersson von ABBA zu schreiben, wie er im gleichen Interview anmerkte: „Ich bin mir sicher, dass wir innerhalb weniger Stunden in einem Hotel in Stockholm etwas formen könnten. Eine Stunde reicht, um sich in die Geburt eines Liedes hineinzufühlen. Ich würde mit einer Gitarre rumsitzen und Benny am Klavier.“

Frank Turner: Konfrontation und Innovation

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Frank Turner InterviewEr gehört zu den Musikern, die ihre Anhänger mit aller Kraft hinter sich bringen. Frank Turner gibt alles, ist eine ehrliche Haut, glaubt an den Rock‘n‘Roll, geht pausenlos auf Tour und produziert seit 2007 Soloalben, die sowohl zuhause in Britannien als auch hier hohe Positionen in den Charts erreichen.

Jetzt aber könnte der Punkt gekommen sein, an dem die Meinungen über ihn weiter auseinander gehen. So veröffentlichte er als Vorboten zum neuen Album BE MORE KIND eine Single, die den Titel ›1933‹ trägt. Natürlich hat Frank allein damit schon Staub aufgewirbelt und im Netz Kritik einstecken müssen. Dabei schätzt er die Lage mit Bezug auf Deutschland eher unproblematisch ein. „Trotz der wachsenden Popularität der AfD glaube ich nicht, dass die Deutschen an mögliche Gefahren erinnert werden müssen. Meinem Empfinden nach setzen sie sich mit der Geschichte oft genug auseinander. Der Grad der Aufklärung ist hoch, das höre ich in Ge­­sprächen mit Freunden immer wieder heraus. Nein, ich ziehe in dem Song eine Parallele zwischen dem, was damals geschah, und wie nationalistisch sich die Dinge jetzt in den USA und möglicherweise auch Britannien entwickeln. So etwas kann gravierende Folgen haben.“

Ein anderer Song heißt, man mag es kaum glauben, ›Make America Great Again‹. „Auch dieser Titel wird mir früher oder später Schwierigkeiten einbringen, das ist mir klar. Aber ich stehe jeder Auseinandersetzung offen gegenüber. Sicher, es ist ein provokatives Statement, ein Weckruf. Ich versuche einfach zu suggerieren, dass man es anders machen und mehr auf gegenseitiges Verständnis setzen kann. Es ist ganz sicher kein antiamerikanischer Song. So etwas würde mir nie einfallen. Ich bin gerne in den USA und spiele oft dort.“

Beim letzten Mal, mit POSITIVE SONGS FOR NEGATIVE PEOPLE, wollte Frank zeigen, wie er und seine Band The Sleeping Souls auf Tour klingen. Man hatte alles im Vorfeld geschrieben und arrangiert, danach wurde es live innerhalb von neun Tagen im Studio eingespielt. „Ein Jahr nach den Aufnahmen war ich immer noch total glücklich mit dieser Platte. Wenn sich so ein Gefühl einstellt, kann man davon ausgehen, dass sich bei mir bald etwas tut. Ich gehe mittlerweile schwer auf die 40 zu und veröffentliche jetzt mein siebentes Soloalbum. Da muss man es mir schon verzeihen, wenn ich mir alle Freiheiten nehme.“

Ursprünglich hat ihn amerikanischer Hardcore von Black Flag über die Descendents bis No FX ge­­prägt, ebenso britischer Folk. Dieses Mal hat er mit Leuten gearbeitet, die damit gar nichts zu tun haben. Charlie Hugall hat schon der amerikanischen Electropop-Sängerin Halsey unter die Arme gegriffen. Austin Jenkins und Joshua Block waren früher Mitglieder der texanischen Indie-Band White Denim. Die Zusammenarbeit lief scheinbar bestens. „Ich mag ihren ganzheitlichen Ansatz beim Umgang mit Musik. Egal, was ich ihnen im Studio an den Kopf werfe, sie können mit allem etwas anfangen. Wir haben ein paar zusätzliche Tracks für zukünftige B-Seiten aufgenommen, die sich wilder als alles auf dem Album anhören. Einer geht voll in die Richtung von Drum’n’Bass, ein anderer hat mehr mit weißem Soul zu tun.“

Gut möglich, dass sich Frank deswegen wieder einiges anhören muss. Davon wird er aber kaum etwas wahrnehmen, wie es scheint. „Ich habe gerade mein Facebook-Konto gelöscht und schaue weniger bei Twitter nach. Es gibt abseits davon noch ein echtes Leben. Ich lese jetzt viel und rede mehr mit richtigen Leuten. Ich kann das nur empfehlen.“ Nach den Vorgängen um Cambridge Analytica sowieso.

Guns N‘ Roses: So war es bei ihrer Show in Berlin

Am 3. Juni machten Guns N‘ Roses auf ihrer Tour Halt in Berlin. Setlist und Video-Ausschnitte des Konzerts gibt es hier zu sehen.

Die Maschinerie der großen „Not In This Lifetime“-Tour arbeitet unaufhörlich weiter. Schon seit über 1,5 Jahren touren Guns N‘ Roses im Reunion-Line Up durch die Welt.

Gestern machte die gefährlichste Band der Welt erneut in Deutschland Halt und beehrte das Berliner Olympiastadion mit 24 Songs, ordentlich Soli und einer etwas kürzeren Setlist als beispielsweise noch vor einem Jahr im Münchener Olympiastadion.

Die Klassiker ›You Could Be Mine‹ und ›Don’t Cry‹ gab es nicht zu hören, dafür ›Slither‹ von Slashs ehemaliger Band Velvet Revolver.

Nach der Show kam es zu Beschwerden von Seiten des Publikums, weil der Sound in Berlin scheinbar zu wünschen übrig gelassen hat. Auf Facebook häufen sich die Kommentare zur schlechten Akustik des Olympiastadions.
Guns N Roses Facebookpost

Setlist vom 03. Juni:

It’s So Easy
Mr. Brownstone
Chinese Democracy
Welcome to the Jungle
Double Talkin‘ Jive
Better
Estranged
Live And Let Die
Rocket Queen
Attitude
This I Love
Civil War
Slither (Velvet Revolver Cover)
Speak Softly Love
Sweet Child O‘ Mine
Wichita Lineman
Used to Love Her
Wish You Were Here
November Rain
Knockin‘ on Heaven’s Door
Nightrain

Zugabe:
Patience
Paradise City

Videomitschnitte des Konzerts:

Video der Woche: The Rolling Stones mit ›Miss You‹

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Im ‚Video der Woche‘ gibt es heute mal wieder – Überraschung – die Rolling Stones zu sehen.

Zwei Geburtstagskinder aus dem Hause Rolling Stones in einer Woche! Charlie Watts wurde kürzlich stattliche 77 Jahre alt, während Ronnie Wood erst jugendliche 71 wurde. Anlass genug, den Urgesteinen wieder mal das ‚Video der Woche‘ zu widmen.

Dieses Mal gibt es den Clip zu ›Miss You‹ aus dem Jahr 1978 zu sehen, einer Zeit, als die Stones auch mal ein wenig zum klassischen Discobeat wippten.

The Rolling Stones mit ›Miss You‹:

Def Leppard – THE VINYL BOXSET: VOLUME ONE

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Def Leppard Vinyl Boxset one

Erster Teil einer umfangreichen Gesamt-Retrospektive auf Vinyl und CD.

Da folgt noch mehr: Insgesamt vier Teile soll die Werkschau der Brit-Glam-Metaller Def Leppard erhalten. Sämtliche Tracks unterzogen Ronan McHugh und Joe Elliott einem peniblen Remastering. Die Alben erscheinen in Repliken der Original­­cover, jeweils ergänzt von einem Hardcover-Buch mit seltenen Fotos von Ross Halfin und Anmerkungen von CLASSIC ROCK-Autor Paul Elliott. THE VINYL BOXSET: VOLUME ONE setzt mit acht 180-Gramm-Alben bei der Stun­de Null an: Das Debüt ON THROUGH THE NIGHT (1980) des Quintetts aus Sheffield mit Nähe zum US-Hairspray-Metal klang schon recht patent. Wie sehr Sänger Joe Elliott, Bas­sist Rick Savage, Drummer Rick Allen sowie die Gitarristen Steve Clark und Pete Willis mit der Nation über dem großen Teich liebäugelten, demonstrierte die ›Rock Brigade‹ sprichwörtlich im Track ›Hello America‹. In den USA gab es für die sanfte Unterwerfung 1983 Gold, sechs Jahre später sogar Platin.

Die Truppe trug im Innencover des von „Mutt“ Lange auf den Punkt produzierten und in den USA zweifach platinprämierten Nachfolgers HIGH’N’­DRY (1981) stolz ihre Dauerwellen. Betörende Rocker wie ›Let It Go‹, ›No No No‹, ›Another Hit And Run‹ und ›High’n’Dry (Saturday Night)‹ paarten sich mit der Power-Ballade ›Bringin’ On The Heartbreak‹. Sage und schreibe sieben Tracks (u.a. ›Foolin’‹, ›Photograph‹, ›Rock Of Ages‹) ließen sich aus dem abermals von Lange produzierten, extrem radiokompatiblen PYROMANIA (1983) auskoppeln. Def Leppard schossen in höchste Sphären, aber auch ihren fortan durch Phil Collen ersetzten Gitarristen Pete Willis ab.

Vier Jahre und einen schweren Unfall von Rick Allen später katapultierte die wiederum von Lange beaufsichtigte weltweite Nummer 1 HYSTERIA mit abermals sieben Auskopplungen, darunter ›Rocket‹, ›Lo­ve Bites‹ und ›Pour Some Sugar On Me‹, die nunmehr komplett amerikanisierten Jungs in den Erfolgszenit. Eine erfreuliche Abrundung erfährt die Auf­arbeitung durch die auf dem Label Bludgeon-Riffola erschienene 7-Inch-Single THE DEF LEPPARD E.P. (1979), RARITIES VOLUME 1 mit seltenen Aufnahmen sowie den Doppel-LP-Konzertmitschnitt LIVE AT THE LA FORUM 1983.

9/10

Def Leppard
THE VINYL BOXSET: VOLUME ONE
VIRGIN/UNIVERSAL

Marty Stuart & Jim Marshall – Johnny Cash At Folsom & San Quentin

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Johnny Cash At Folsom San Quentin

Verschluss-Zeit.

Die Kraft von Fotos wird im Social-Media-Zeitalter, wo jeder jede noch so banale Nichtigkeit glaubt mit der Welt teilen zu müssen, in vielerlei Hinsicht entwertet. Untergraben von der schieren Flut an visuellen Reizen, der wir tagtäglich ausgesetzt sind, verlieren selbst bedeutsame Arbeiten ihre Wir­kung. Ende der 60er-Jahre war das anders. Das Feld der Fotografie war noch nicht überlaufen von Autodidakten, Mittelmäßigkeit noch Kriterium natürlicher Auslese. Einer, dessen Bilder herausstachen, ja, eine eigene Aura entfalteten, war Jim Marshall, der Chef-Fotograf von Woodstock, Zeit­zeuge des letzten bezahlten Beatles-Gigs, Ver­trauter der Künstler: die Idealbesetzung für die fotografische Dokumentation Johnny Cashs legendärer Gefängniskonzerte. „Johnny Cash At Folsom & San Quentin: Fotografien von Jim Marshall“ gewährt uns einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen jener Schicksals­ereignisse, zu denen wir beim Genuss ihrer akustischen Aufzeichnung gefühlt schon tausendmal unsere eigenen Bilder vor dem inneren Auge haben vorbeiziehen lassen. Von Cash persönlich beauftragt, gelang es Marshall mit seinen Fotografien nachhaltig, die Atmosphäre an jenen Tagen erlebbar zu machen. Neben dem Schwerpunkt auf Marshalls Arbeiten liefert der opulent gestaltete Band allerdings auch eine Vielzahl an Hinter­grundinformationen – und natürlich das ikonenhafte Stinkefinger-Bild. Ein Referenzwerk an­­spruchsvoller Fotodokumentation.

9/10

Johnny Cash At Folsom & San Quentin: Fotografien von Jim Marshall
Von Marty Stuart & Jim Marshall
Reel Art Press

Ghost – PREQUELLE

Ghost Prequelle

Die Oper des Phantoms: Forges Neunte.

Menschen, die den Wert einer CD anhand der Relation von Preis zu Spielzeit bemessen, werden, wie seinerzeit beim nicht einmal 37 Minuten langen IS THIS IT der Stro­kes, erst einmal schlucken: PREQUELLE bleibt deutlich unter einer Dreiviertelstunde und enthält zehn Titel, gegliedert in ein Intro, zwei Ins­trumentals und sieben „normale“ Tracks. Preis-Leistungsverhältnis also beängstigend? Falsche Frage! Die Mittel der Algebra greifen nicht bei Musik. PREQUELLE ist mehr als ein weiteres Album einer weiteren Band, es ist das Album der Band. Das Statement, auf das alle gewartet haben. Das Opus Magnum, das Weichen stellen wird. Wie kann ein Werk diesem Anspruch ge­­recht werden? Indem es schlicht über sich hinauswächst. PREQUELLE ist Tobias Forges bis dato meisterhaftestes Metal-Musical, eine misanthropische Mittelalter-Moritat, die uns mit offenkundigen Parallelen zum Zeitgeschehen den Spiegel der Erkenntnis vorhält. Forge zieht alle Register beim Designen seiner monumentalen Hymnen, deren Hitpotenzial nur noch mit dem der ebenso zwischen Endorphin-Rausch und zartbitterer Melancholie oszillierenden All­time-Klassiker seiner Landsmänner und -frauen von ABBA zu vergleichen ist. 80er-Jahre-Riffs, Back­ground-Vocals, Glam-Pose, Artrock-Pathos, Piano, die obligatorische Orgel: Minutiös aufeinander abgestimmte Elemente fügen sich hier zu einer Kathedrale purer Erhabenheit zusammen. Mit seinem Spannungsbogen vom wütenden Vintage-Faucher ›Rats‹ über den Highschool-Breakup-Disco-Floorfiller ›Dance Macabre‹ bis hin zum wahrhaft ätherischen Requiem ›Life Eternal‹ gerät PREQUELLE zu einem Gesamt­kunstwerk, das Ghost endgültig in den Rang internationaler Superstars erheben sollte. Und wer bisher nicht an die potenzielle Durch­schlagskraft von Instrumentalstücken geglaubt hat: ›Miasma‹ wird Euch mit seinem sensationellen Sax-Satz bekehren!

10/10

Ghost
PREQUELLE
SPINEFARM/UNIVERSAL

Roger Daltrey – AS LONG AS I HAVE YOU

Roger Daltrey As Long As I Have You

Mod oder Rocker? Weder noch. Daltrey steht auf Soul und Funk.

Hätte man dem gelernten Blech­schlosser aus Westlondon An­­fang der 60er prophezeit, dass er gegen Ende des Jahrzehnts zum blondgelockten Hippie-Halbgott mutieren würde, hätte man mindestens Un­­glauben geerntet – oder gleich eine gefangen. Roger Harry Daltrey galt damals als betont harter Knochen aus der Arbeiterklasse, dem allzu Sensibles wie ›See Me Feel Me‹ vermutlich un­­glaublich peinlich gewesen wäre. Sein Metier war der Soul, Unterabteilung James Brown, also rau, etwas unwirsch und sehr maskulin. Dieser frühen Liebe huldigt er nun mit seinem neuen Werk, der Titel- und Eröffnungstrack, im Ori­ginal von Garnet Mimms, gibt die Richtung vor. Solange Daltrey den kraftvollen und mittlerweile eben doch einfühlsamen – oder altersweisen – Soulman gibt, ist das ein intensives Ver­gnügen, sei es beim Engtanzschleicher ›The Love You Save‹ von Joe Tex oder den beiden balladenhaften Eigenkompositionen ›Always Headed Home‹ und ›Certified Rose‹. Wenn er mit Stevie Wonders ›You Haven’t Done Nothing‹ oder Parliaments ›Get On Out The Rain‹ in Richtung Funk tendiert, wird diese schlichte Eleganz einem zwar herzhaften, aber auch leicht angestrengt wirkenden und mitunter recht überfüllten Klangbild geopfert. Wer von Daltrey aufgrund seiner Tätigkeit bei The Who ohnehin vor allem kernigen Rock erwartet, findet das sicher prima, doch die ruhigeren Num­mern sind letztlich stimmiger – und untermauern seinen Status als East Actons Antwort auf die alten Soulmänner des Südens.

7/10

Roger Daltrey
AS LONG AS I HAVE YOU
POLYDOR/UNIVERSAL