Sein Interesse an dunklen Familiengeheimnissen offenbarte Regisseur Ari Aster bereits in seinem Kurzfilm „The Strange Thing About The Johnsons“, dessen Kommentarbereich auf Youtube mit Publikumsreaktionen von anerkennendem Lob bis schockierter Wut gefüllt ist. Wenig verwunderlich, schließlich dreht sich Asters zum viralen Videohit avancierter Schockfilm um einen Teenager, der seinen eigenen Vater vergewaltigt und schließlich von seiner Mutter mit einem Schürhaken erstochen wird. Etwas weniger transgressiv, aber nicht weniger düster zeigt sich nun Asters Langfilmdebüt, das seit Jahresbeginn auf einigen Filmfestivals zu sehen war und per Mundpropaganda und überschwänglichen Online-Reviews vom Gruselgeheimtipp zum unbedingten Kandidaten für den Horrorfilm des Jahres heranwuchs.
Ohne zu tief in die Handlung einzusteigen – schließlich lebt „Hereditary“ ein Stück weit davon, in unvorhersehbares thematisches Terrain irgendwo zwischen „Rosemary’s Baby“, „Der Exorzist“ und „Donnie Darko“ zu navigieren – kann man Aster zu seinem Meisterstück nur gratulieren. Nachdem mit Großmutter Ellen die Matriarchin des Graham-Clans verstorben ist, muss sich die Familie und Tochter Annie (großartig: Toni Collette) einigen mehr als unangenehmen Wahrheiten über die familiäre Vergangenheit stellen. Trauerbewältigung ist hier zu Beginn zwar noch der klar gesetzte emotionale Anker, an dem „Hereditary“ festgezurrt ist.
Nach wenigen Minuten Laufzeit wird zunehemend deutlich, dass Aster aus den Versatzstücken okkulten Grauens und morbider Faszination mit den Untiefen geistiger Umnachtung eine unnachgiebige Symphonie des Terrors komponiert. Dank brillantem Sounddesign, starken Bildwelten und eindringlichen Schnittfolgen, gepaart mit Asters kompromisslosem Abstieg in die düsteren Untiefen des Wahnsinns, ist „Hereditary“ die bisher positivste Überraschung des Kinojahres 2018.
Hereditary
Splendid/Start: 14.06.






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