CLASSIC ROCK präsentiert den Clip zur neuen Single von Mike Tramp.
Er wird einfach nicht müde, dieser Mike Tramp. Seit 1997, nach seiner Karriere mit White Lion, bringt er als Solokünstler in regelmäßigen Abständen Platten heraus.
Auch 2019 veröffentlicht er ein neues Werk mit dem Titel STAY FROM THE FLOCK. CLASSIC ROCK präsentiert das Video zur neuen Single ›Dead End Ride‹:
Songs, für die es sich offenbar lohnt, sein idyllisches Strandhaus zu verlassen.
Arjan van der Linde ist nicht nur ein talentierter Musiker, der als Mastermind der nach ihm benannten Soft-Rocker eine erstaunliche Karriere hingelegt hat. Der Mann aus Groningen ist auch hartnäckig, wenn er weiß was er will. Er war sicher, dass es für das siebte Album seiner Band nur einen passenden Produzenten geben könne: Seinen Landsmann Erwin Musper, der 2008 das zweite Vanderlinde-Werk VANDERLISM betreute und im Laufe der Jahre davor und danach für globale Superstars wie David Bowie, Bon Jovi, Van Halen und Elton John tätig war. Dass der mittlerweile 70-Jährige seit 2015 in den Ruhestand gegangen und kurz darauf in ein Strandhaus an der Pazifikküste von Ecuador gezogen war, hielt van der Linde nicht auf. Denn der war von seinen mit subtilen Sixties- und Americana-Elementen gewürzten Kompositionen wie dem sehnsüchtigen ›When White Is Your Only Color‹, dem coolen Bluesrocker ›Bury The Hatchet‹ oder dem verträumten ›Floating On Water‹ komplett überzeugt. Er machte Muspers E-Mail-Adresse ausfindig und bombardierte den Privatier so lange mit Audiodateien bis dieser sie sich endlich anhörte und dann tatsächlich begeistert seine Hilfe zusagte. „Unwiderstehlich“ scheint also eine absolut passende Umschreibung für diese Stücke zu sein.
Man darf die Gruppe für ihre Offenheit schätzen, denn noch immer klaut sie wie die Raben, mischt Prog-Rock mit der Nostalgie der 60er-Jahre. Oder sie verlässt sich einfach auf den Groove. Mein Problem mit den Dandy Warhols war immer, dass sie zwar einzelne gute Stücke haben, in der Gesamtsumme aber wie eine Showband wirken, die Stile nachempfindet, aber nicht wirklich in ihnen lebt. In dieser Hinsicht bildet das neue Album, trotz einiger sehr charmanter Passagen, leider keine Ausnahme: Nach dem schönen Leierkasten-Intro ›Fred N Ginger‹ arbeitet sich die Gruppe durch mehrere Epochen und Stile, mutet dem Hörer aber auch zu, bei einem wohl lässig gemeinten Stück wie ›Terraform‹ nicht mehr als eine einzige Idee zu verarbeiten. Besser wird die Platte gegen Ende, wenn sie in der schön unterkühlten Ballade ›Forever‹ Songwriting-Talent erkennen lässt. Das letzte Stück ›Ondine‹ ist dann ein quasi Jazz-Song, vorgetragen am Klavier. Es ist einer der wenigen Momente des Albums, in denen die Band aus Portland wirklich frei wirkt.
6 von 10 Punkten
The Dandy Warhols
WHY YOU SO CRAZY
Dine Alone Music/Universal
Auch nach mehr als zwei Dutzend Studioalben gehen dem früheren Genesis-Gitarristen die Ideen nicht aus.
Man muss gleich zweimal nachzählen, um die erstaunliche Zahl wirklich zu begreifen: AT THE EDGE OF LIGHT ist Steve Hacketts 26. (in Worten: sechsundzwanzigste!) Studioscheibe. Und das Erstaunlichste daran: Wirklich schwache Werke lassen sich in seiner langen Vita kaum ausmachen, großartige Leistungen dafür umso mehr. Vor allem Hacketts enorme Ausdrucksvielfalt, die sich mit ihren ungewöhnlichen Instrumentierungen gerne bis tief ins Terrain eines nicht selten arabisch beeinflussten Ethno-Rocks vorwagt und seine britisch-progressiven Wurzeln ein ums andere Mal vergoldet, ist der Garant einer geradezu kultischen Fanverehrung. Auf AT THE EDGE OF LIGHT gehören dazu vor allem der Einsatz von Sitar, Didgeridoo, Tenorsaxophon, Tar, Violine, Viola, Flöte, Duduk oder Klarinette, der dem rockigen Fundament der Scheibe seine schillernde Farbenpracht beschert. Hinzu kommt Hacketts nahezu unfehlbares Gespür für mehrstimmige Gesänge und faszinierende Gitarrenmelodien (Beispiel: das an große Yes-Tage erinnernde ›Under The Eye Of The Sun‹), das auch diese zehn Songs zu einem echten Hörgenuss für Rock-Gourmets macht.
8 von 10
Steve Hackett
AT THE EDGE OF LIGHT
Insideout / Sony
Gottseidank bringen Rival Sons in feiner Regelmäßigkeit neue Alben unters Volk. Das jetzt vorliegende Atlantic-Debüt ist mittlerweile der sechste Longplayer, den die Truppe in knapp zehn Jahren auf den Markt wirft. Und an qualitativ hochwertigen Songs mangelt es auch diesmal nicht. Dave Cobb (unter anderem Jason Isbell, Chris Stapleton, Shooter Jennings, Sturgill Simpson), auf dessen Label-Imprint Low Country Sound FERAL ROOTS erscheint, hat erneut produziert. Mit den beiden vorab ausgekoppelten Tracks ›Do Your Worst‹ und ›Back In The Woods‹ sowie ›Sugar On The Bone‹ kommt das Quartett gewohnt rockig aus der Hüfte. Ansonsten haben die Kalifornier um Sänger Jay Buchanan, Gitarrist Scott Holiday, Bassist Dave Beste und Drummer Mike Miley oftmals deutlich das Tempo aus den Songs genommen. Was aber keineswegs negativ ins Gewicht fällt. Im Gegenteil. Der vertrackte Rocker ›Look Away‹ (mit akustischem Intro) nimmt den Fuss vom Gas, der brillante Titeltrack ›Feral Roots‹ avanciert mit leichtem Led-Zeppelin-Touch in der Dramaturgie sogleich zum besten Opus. ›Too Bad‹ möchte man als Album-Song titulieren. ›Stood By Me‹ klingt überzeugend R&B-lastig, ›All Directions‹ ist eine Ballade mit schicken Streicher-Elementen (erinnert ein wenig an ›The Rain Song‹), ›End Of Forever‹ ist eine sagenhafte heiß/kalt-Dusche. Eine der besten Nummern steht ganz zum Schluss, fine-getuned mit souligem Gospel-Chor in ›Shooting Stars‹. Will man die Rival Sons mit den Shooting Stars von Greta Van Fleet vergleichen, gehen sie als die klaren Gewinner daraus hervor. Einfach weil sie mehr Eigenständigkeit besitzen und die besseren Songs schreiben.
1990 erschien das Debütalbum der Band, welche auch bekannt ist als „the most rock ’n’ roll rock ’n’ roll band in the world“.
Grunge begann in den 90er Jahren langsam, die Welt zu regieren. Somit passte SHAKE YOUR MONEY MAYKER eigentlich gar nicht in diese Zeit. Dennoch waren die fünf Rockmusiker aus Atlanta hier genial aufeinander eingespielt und präsentieren auf ihrer – vielleicht besten – Scheibe kompromisslosen Rhythm´n´Blues und Rock, der sich vor allem an Led Zeppelin orientierte.
Nicht von ungefähr durften sich die The Black Crowes live immer wieder, wie im Video von Conan O´Briens Late-Night-Show von 2000 zu sehen, mal mit Jimmy Page als Gastmusiker schmücken.
Das SHAKE YOUR MONEY MAKER-Album erreichte damals Platz 4 der Billboard Charts. Der größte Hit war die Cover-Version von Otis Reddings ›Hard To Handle‹, doch auch die Singles ›Twice As Hard‹, ›Jealous Again‹ und vor allem die mit Akustik-Gitarren gespielte Ballade ›She Talks To Angles‹ erreichten hohen Bekanntheitsgrad.
Sie hatte ein schlimmes Leben, das jede weniger starke Person gebrochen hätte. Doch mit der Hilfe von „Engeln“ hat Beth Hart ihre Dämonen besiegt, sich vom Rand des Abgrunds zurückgeschleppt und hat jetzt „Spaß, Spaß, Spaß“, während sie ihren Erfolg genießt
Da sind verdammt viele Plätze im Ziggo Dome, einer schicken neuen Halle am Rand von Amsterdam. Ein imposantes Areal von 17.000 Plätzen, um genau zu sein, dunkelgrau und noch völlig leer. Wenn man diesen Ort mitten am Nachmittag so sieht, wird einem der Maßstab von Beth Harts Erfolg erst richtig klar. Im Alter von 46 Jahren und nach einer gnadenlosen Reihe von Traumata und Suchterkrankungen spielt sie hier heute zum ersten Mal eine Headliner-Show dieser Größe.
Drei Coveralben mit Joe Bonamassa (das jüngste, BLACK COFFEE, erreichte in Deutschland die Top 5, in den USA Platz 1 der Blues-Charts) haben ihren Bekanntheitsgrad beständig erhöht. Ihre Zusammenarbeit mit Deep Purple an BANANAS (2003), mit Slash an seinem selbstbetitelten Album von 2010 und mit Jeff Beck auf seiner US-Tournee 2006 machte sie auch in Rockkreisen zu einem Namen. Doch am beeindruckendsten ist Hart als Solokünstlerin.
Ihr Material deckt alles von Rockabilly bis Grunge ab, mit Echos der großen Singer/Songwriter ihrer Heimatstadt Los Angeles, wenn sie am Klavier ihren Gefühlen freien Lauf lässt. Ihre Mutter, älteren Geschwister und Klassenkameraden brachten sie schon früh zum Jazz, Blues, zu Bob Seger und Rickie Lee Jones, den Sex Pistols und Circle Jerks, Etta James und Otis Redding. Einflüsse, die ihre Fähigkeit befeuerten, den Blues einer Frau zu singen, die viel durchgemacht hat, aber sich nie unterkriegen ließ. Ein Blues, roh und blutend, den sie aus ihrem eigenen Leben zieht und komplett unzensiert auf die Bühne bringt. „Ihre Ehrlichkeit und Verletzlichkeit sind ihre Stärken“, sagt ihr Ehemann und Tourmanager Scott Guetzkow. „Manchmal bricht sie in Tränen aus und kann nicht mehr aufhören. Sie verbirgt nie ihre Gefühle.“
Dass sie in den Niederlanden, wo sie sie 2005 ihr Live-Album (+DVD) LIVE AT THE PARADISO aufnahm und mit ihrem 2015er- Werk BETTER THAN HOME Platz 1 erreichte, solche Hallen füllt, sollte nicht überraschen. Doch in Großbritannien, von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkt, hat sie erst in jüngerer Vergangenheit einen steilen Aufstieg absolviert. Am 14. Dezember 2015 spielte sie in London vor 900 Menschen in der Union Chapel. Am 4. Mai 2018, acht Tage vor Amsterdam, füllte sie die Royal Albert Hall mit 5.200 Plätzen.
Beim Soundcheck in der Albert Hall zwischen all dem Gold und dem Kronleuchter, hat Hart in ihrer Straßenkleidung alles im Griff, ist aber trotzdem nervös. Bevor sie auf die Bühne geht, wird sie 15 Setlists verwerfen. „Erhöht das Tempo“, sagt sie ihrer dreiköpfigen Band. Jemand fragt sie, ob sie in Ordnung ist. „Es geht mir verdammt super, Mann. Ich war noch nie glücklicher“, schießt sie zurück. „Ich dreh nur gerade etwas am Rad.“
Hart übt besonders intensiv an ihrem überraschenden Gang auf die Bühne von der Seite der Halle, im Dunkeln, während eine knisternde Gospelplatte läuft. Sie singt a-cappella ›As Long As I Have A Song‹ und atmet tief ein, während sie durch die dunklen Reihen läuft. „Gebt ihnen einen Moment. Lasst sie atmen“, warnt sie ihre Band, als die loslegt. „Wir müssen ein bisschen Platz lassen für das Publikum, damit es reagieren kann. Andererseits ist das mein Leben. Ich bin immer darauf vorbereitet [keinen Applaus zu bekommen].“
Beths frühe Kindheit in L.A. war sehr glücklich. Dann wurde ihr Vertrauen missbraucht. „Mein Dad betrog meine Mom, er verspielte unser Haus und dann ging er ins Gefängnis“, sagt sie. „Wir waren eine wunderschöne Familie, und dann wurde uns allen das Herz gebrochen.“
Es gab noch viele weitere solche Enttäuschungen, und die Inhaftierung ihres Vaters geschah zur selben Zeit wie ein anderes Trauma. „Es gab diesen furchtbaren Überfall, als ich klein war“, erinnert sie sich. „Meine Mutter und meine Schwester Sharon [die später an AIDS starb] wurden den ganzen Tag von Einbrechern gefangen genommen, die meiner Mutter drohten, ihr die Finger abzuschneiden. Meine Ärzte glauben, dass dieses Ereignis meine bipolare Störung auslöste. Mit zehn fing ich an, Drogen zu nehmen, Alkohol zu trinken, und später kam die Sexsucht. Ich versuchte, mich zu betäuben, um mich besser zu fühlen.“
Musik, vor allem, wenn sie alleine Klavier spielte, war der Fluchtpunkt, der sie am wenigsten verletzte. Ihren ersten Erfolg konnte Hart 1993 verbuchen, als sie in der Castingshow „Star Search“ zur besten Sängerin gewählt wurde. Im selben Jahr gewann eine frühe Inkarnation von Beyoncés Band Destiny’s Child als beste Gruppe, während Justin Timberlake als bester Sänger im Rennen war. Doch während die zu Superstars wurden, stürzte Beth ab und brannte aus. „Die ganzen 130.000 Dollar gab ich innerhalb von sechs Monaten aus“, sagt sie. „Also spielte ich auf der Straße.“
Dort entdeckte sie ihr heutiger Manager 1994. Mit 22 schien sie schon am Ende zu sein. David Wolff war am Höhepunkt ihres Ruhms Cyndi Laupers Manager gewesen. Heute ist er Ende 60, hat langes, dünnes, weißes Haar und ein schmales, wolfsartiges Gesicht. Er wendet sich mir backstage in der Royal Albert Hall zu und ist ungemein charismatisch.
Nick Cave & The Bad Seeds arbeiten am Nachfolger von SKELETON TREE. Es wird die 17. Studioplatte der Band sein.
Gute Nachrichten von Nick Cave: Auf einem Fan-Event in Melbourne äußerte sich der Sänger zu seinen Albumplänen mit den Bad Seeds. „Wir haben unser neues Album wirklich fast fertiggestellt, würde ich sagen“, so Cave. „Und meiner Meinung nach ist es ein großartiges Ding geworden.“
Er sei „sehr, sehr aufgeregt“ deswegen, sagte der Australier weiter. Das noch unbetitelte 17. Bad-Seeds-Werk folgt auf SKELETON TREE. Das düstere Album von 2016 war beeinflusst vom Tod von Caves Sohn Arthur, der im Jahr zuvor von einer Klippe gestürzt war.