Die Ballade ›I’ll Stand By You‹ war eigentlich für einen der „Harry Potter“-Filme gedacht, jetzt landet sie auf dem Soundtrack zum Kinofilm „Blinded By The Light“.
Ein bisher ungehörtes Springsteen-Lied ist aufgetaucht: das mit Streichern, Klavier und Backgroundchören ausgestattete, soulig angehauchte ›I’ll Stand By You‹.
Der Song ist lose von der „Harry Potter“-Reihe beeinflusst und sollte eigentlich im Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ laufen – was letztendlich nicht passierte.
Dafür ist ›I’ll Stand By You‹ jetzt Teil des Soundtracks zum Kinofilm „Blinded By The Light“ von Regisseurin Gurinder Chadha („Bend It Like Beckham“), der am 22. August ins Kino kommt und als „Inspired by the words and music of Bruce Springsteen“ angekündigt wird.
Im Juni ist WESTERN STARS erschienen, ein Album, auf dem Springsteen sich, wie er selbst sagt, von Glen Campbell und Burt Bacharach inspirieren ließ.
BIG BLUE WORLD ist das siebte Studioalbum der amerikanischen Melodic-Metal-Band, die 1991 gegründet wurde, aber zwischenzeitlich eine Auszeit nahm und sich 2010 reformierte. Seitdem veröffentlicht das Quintett wieder regelmäßig Alben. BIG BLUE WORLD liefert – man fühlt sich wie in einer Zeitmaschine – süßen, aalglatten Melodic Metal, wie er einmal in großen Wellen aus L.A. nach Europa schwappte. Diese typische AOR-Mucke aus breiten Melodien, toller Vocal-Akrobatik und schmierigen Refrains. Und dennoch klingt es im Falle Unruly Child zu gut, um es in die Ecke zu stellen und verfaulen zu lassen. Denn die Band hat ein verstörend gutes Gespür für Eingängigkeit und die akustische Vermittlung des L.A. Lifestyles der 80er. Man sieht vor seinem inneren Auge hochtoupierte Haare, Spandexklamotten, grinsende Menschen und Longdrinks in der Sonne. Verdammt aber auch, warum klingen die zehn Tracks so geschmeidig und perfekt arrangiert?
Denkt man während der ersten Tracks noch, bei Slipknot sei alles beim Alten, zeigen die Maskenmänner im Laufe des Albums, dass sie mehr können, als nur knüppelharten NuMetal zu zelebrieren. WE ARE NOT YOUR KIND ist das vielschichtigste Album der Band aus Iowa und wohl auch das melodischste. Vielleicht sogar das gewöhnungsbedürftigste, eben weil Slipknot nicht konstant auf Nummer sicher gehen und immer mal wieder neue Einflüsse durchschimmern lassen. ›A Liars’s Funeral‹ hat partiell etwas von einem Americana-Song und ›Spiders‹ könnte glatt als Popsong durchgehen. Doch WE ARE NOT YOUR KIND wächst, und mit Abrissbirnen wie ›Unsainted‹, ›Red Flag‹ oder dem ultraschnellen, thrashigen ›Orphan‹ werden auch jene, die es ausschließlich brachial mögen, zur Genüge bedient. WE ARE NOT YOUR KIND ist Weiterentwicklung auf hohem Niveau und trotzdem noch Slipknot genug, dass auch alte Anhänger zufrieden sein werden.
Timing war und ist nicht unbedingt die Stärke der Hardrocker Roxy Blue. Mit ihrer Gründung zu Beginn der 90er und dem Release von WANT SOME? zwei Jahre später, verpasste die haarige Truppe aus Memphis knapp die goldene Sleaze- und Glam-Ära. Ob ROXY BLUE jetzt zur rechten Zeit kommt, lassen wir mal dahingestellt sein. Wenn schon keines für Timing, hat das zu drei Vierteln aus Originalen bestehende Quartett zumindest ein Gespür für gute Songs. Die sind heute eher Heavy als Hair und gehen dank wuchtiger Grooves gut ins Ohr. Erinnert stellenweise etwas an die SLAVE TO THE GRIND-Phase von Skid Row oder eine härtere Version von Enuff Z’Nuff. Trotz einer gewissen Heavyness und gelegentlicher Effekte auf den Vocals ist das aber weniger zeitgemäßer, denn zeitloser Heavyrock mit dezent moderner Note. Abgesehen davon, haben Roxy Blue auch klassische Powerballaden am Start. Der Neubeginn – natürlich bei Frontiers, wie viele Comebacks einstiger Szene- und Sleaze-Helden – rockt cool, heavy, schmutzig und kommt meist auf den Punkt. Doch auch auf den Zeitpunkt?
Original Rockabilly mit viel Traditionsbewusstsein
Shake, Rattle & Roll! Das Trio um Bandchef Adriano braucht sich nicht zu verstecken und zaubert den Geist von Johnny Burnette, Eddie Cochran oder Charlie Feathers in die Neuzeit. Adriano BaTolba heißt mit bürgerlichem Namen André Tolba und hat schon so manche Spur zwischen Nordsee und den Alpen hinterlassen. Als Gitarrist von Sasha und Erfinder von Dick Brave & The Backbeats brachte er es mit goldenen Schallplatten und einem Echo zu Ruhm. 2011 spielte er mit Stefan Raab das Eröffnungslied des Eurovision Song Contests in Düsseldorf, zudem tourt er regelmäßig mit Peter Kraus. Jetzt konzentriert sich Adriano BaTolba mit seinem Trio auf das Wesentliche amerikanisch geprägter Rockabilly-Musik: Mit Gitarre, Minimal-Schlagzeug und Kontrabass haben Songs wie ›Forever On My Mind‹ sogar manchmal etwas von Country, ›Love Means Trouble‹ könnte gut von einem Quentin-Tarantino-Soundtrack stammen und selbst der Johnny-Rivers-Klassiker ›Secret Agent Man‹ kommt cool und elegant rüber.
7/10
Adriano BaTolba Trio
HOW MUCH DOES IT COST, IF IT’S FREE?
TOBAGO/ROUGH TRADE
Die Schweden haben sich von Pink Floyd, den Doors, Queen und ABBA inspirieren lassen. Jetzt kommt ihr animierter Clip zur Single ›Carnival Beyond the Hills‹.
Für die Arbeit an ihrem neuen Album A HUNDRED YEARS IS NOTHING (erscheint am 30. August) wählten Hellsingland Underground eine ganz eigene Herangehensweise. Sänger Charlie Granberg schrieb vier Bandnamen auf einen Zettel: Pink Floyd, The Doors, Queen und ABBA.
Von den ersten beiden wollten sie sich die viel Freiraum lassende musikalische Atmosphäre abschauen, erklärt Granberg, von letzteren das Gespür für Melodien und Arrangements.
Ob das gelungen ist, werden wir endgültig erst Ende August wissen. Granberg jedenfalls sagt, seine Band habe sich von ihrem früheren „Retro-Southern-Country-Rock-Sound“ emanzipiert und klinge auf A HUNDRED YEARS IS NOTHING „ziemlich anders“ als auf allen Alben davor.
Die Single ›Carnival Beyond the Hills‹ liefert einen ersten Eindruck – samt witzigem Zeichentrickvideo.
Hellsingland Underground mit ›Carnival Beyond the Hills‹:
Ein weiteres Wacken Metal Open Air ist vorüber und bereits jetzt ist die kommende Edition im Jahr 2020 ausverkauft. Zum Abschluss der diesjährigen Festival-Saison haben wir nochmal einen letzten Rückblick auf mehrere Tage ‚Metal Madness‘ für euch: Mit tollen Bildern von Krokus, den Lazys, Girlschool und vielem mehr.
[slideshow_deploy id=’88907′] (Alle Bilder (c) Markus Werner)
Vor rund sechs Jahren erkrankte die Country-Ikone an Alzheimer, jetzt erscheint das letzte Album von Glen Campbell. Ein Gespräch mit seiner Tochter Ashley.
Als er die Diagnose Alzheimer erhielt, war Ruhestand keine Option für Glen Campbell. Er wollte weitermachen und das tun, was er liebte. Also ging er auf Abschiedstour und nahm seine letzten Songs auf, von denen es zwölf auf sein neues Album ADIÓS geschafft haben. Immer mit dabei: seine jüngste Tochter Ashley, die ab 2009 Banjo spielte in der Band ihres Vaters. All die Stücke der Platte seien langjährige Lieblinge ihres Dads, erzählt sie. Er habe sie zuhause gespielt und bei Live-Shows, aufgenommen aber habe er sie noch nie. Deshalb sei es an der Zeit gewesen.
Die Stücke sind 2012 in Nashville entstanden – wo Campbell heute in einer Pflegeeinrichtung lebt. Damals wohnte er noch zuhause in Malibu, hatte im Alltag aber bereits Schwierigkeiten mit seinem Kurzzeitgedächtnis, wie sich seine Tochter erinnert: „Als wir seinen Gesang aufnahmen, mussten wir manchmal Zeile für Zeile vorgehen. Aber er hat es so gut gemacht, er klingt großartig.“ Die Musik habe ihm geholfen, wacher, fokussierter zu bleiben.
ADIÓS kommt ganz im Trademark-Sound Campbells daher, dieser zeitlosen, eingängigen Mischung aus Country und Pop. Neben vier Songs von Jimmy Webb, der einige von Campbells größten Hits schrieb – ›By The Time I Get To Phoenix‹ etwa, ›Galveston‹ oder ›Wichita Lineman‹ – finden sich Cover-Versionen von Klassikern wie ›Funny How Time Slips Away‹ oder ›Don‘t Think Twice, It‘s All Right‹. Ersteres sogar in einer Duettversion mit Songautor Willie Nelson. „Mein Dad und Willie sind gute Freunde“, erzählt Ashley. „Sie kennen sich seit den 60ern, er war Gast in der Fernsehshow meines Vaters und sie haben immer wieder zusammen gespielt.“ Mit Bob Dylan dagegen verbinde ihn keine persönliche Beziehung, allerdings habe er ›Don‘t Think Twice‹ immer geliebt. „Auch als sein Alzheimer erkennbar wurde, war das immer eins der ersten Stücke, die er spielte, wenn er seine Gitarre zur Hand nahm.“
Heute ist Campbell im Endstadium seiner Krankheit. Körperlich gehe es ihm gut, versichert Ashley, aber er könne nicht mehr gut mit anderen kommunizieren. „An den meisten Tagen ist er glücklich und genießt die kleinen Dinge wie kurze Nickerchen und seine Mahlzeiten. Er singt manchmal vor sich hin und mag es, Leute um sich zu haben.“ Auf die Frage, ob er noch gern Musik höre, muss sie dann kurz lachen. Ja, das tue er. „Er hört Glen Campbell.“
Glen Campbell ist am 8. August 2017 gestorben. Das Interview mit seiner Tochter Ashley fand bereits im Mai statt.