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David Crosby im Interview: Keine Lust auf Rumsitzen

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David Crosby InterviewEr sieht die Demokratie in Gefahr, hasst Donald Trump, hat ein Faible für Angela Merkel und gönnt sich jeden Abend seine Marihuana-Ration. Dazu veröffentlicht Folkrock-Meister David Crosby mit HERE IF YOU LISTEN sein viertes Album in den vergangenen fünf Jahren. Ein Gespräch mit einem Idealisten unter Zeitdruck.

Interview: David Numberger

Deine jüngsten Platten waren allesamt Solowerke. Diesmal stehen die Namen deiner Mitmusiker Becca Stevens, Mi­­chelle Willis und Michael League mit auf dem Cover. Warum?
Weil es diese Art von Album ist. Wir haben ja schon für LIGHTHOUSE (von 2016, Red.) zusammengearbeitet. Diesmal sagte ich: Hört zu, ich will kein Soloding machen, sondern in einer Band sein. Ich will diese Platte gemeinsam schreiben und singen. Darauf sie: Bist du sicher? Und ja, das war ich. Es gibt diese besondere Chemie zwischen uns und der wollte ich folgen. Sie waren sofort dabei, und das Ergebnis könnte mich nicht glücklicher machen.

Wenn ihr zusammen im Studio seid, bist du da der Boss?
Es ist ein Ideenaustausch, ganz klar. Wenn, dann ist Michael der Chef, denn er ist ein viel besserer Bandleader als ich und hat HERE IF YOU LISTEN auch produziert.

Du hast seit 2014 vier Alben veröffentlicht: Passiert das rein aus Freude an der Musik oder bist du von irgendetwas ge­­trieben?
Nun, das ist kompliziert, da kommen verschiedene Dinge zusammen. Zunächst einmal bleibt mir nicht mehr viel Zeit, ich stehe am Ende meines Lebens. Was noch übrig ist, muss ich weise nutzen. Ich möchte nicht auf meinem Hintern rumsitzen und warten. Mir macht es Spaß, zu arbeiten, Musik zu machen. Der Grund, warum es so gut läuft zurzeit, sind vor allem die Leute, die mir beistehen, extrem gute Songschreiber, ex­­trem nette Menschen, wir haben einen Mordsspaß zusammen. Schon komisch, dass wir noch so viel Zeit fürs Plattenmachen aufbringen, wo man doch mit Streaming heute kaum mehr was verdient. Aber es ist das, was du der Welt hinterlässt.

Hörst du dir die Sachen deiner früheren Kollegen an, Neil Young ist ja beispielsweise sehr produktiv?
Ja, das verfolge ich. Was Monsanto betrifft, liegt er sicher nicht falsch, denn das ist ein furchtbarer Konzern und er hat Recht, wenn er ihn bekämpft. Was man nun aber für eine gute LP hält und was nicht, darüber muss sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Mir gefallen die vier, die ich zuletzt gemacht habe, und die Arbeit an der fünften läuft.

Ja, davon habe ich gelesen. Ist es wahr, dass dein Sohn James Raymond und Country-Star Jason Isbell dabei sein werden?
James wird es produzieren, wir schreiben aktuell gemeinsam an neuem Material. Was Jason Isbell betrifft: Er ist ein echt guter Songwriter und ich versuche, auch mit ihm zusammen was zu schreiben. Die Art wie er singt, seine Band, seine Frau, ich mag alles an ihm.

„Ich gehe abends mit Marihuana ins Bett, es ist mir lieber als Schlaftabletten oder solches Zeugs.“

Kann seine Musik einen politischen Effekt haben – und kann das Musik allgemein heutzutage?
Wie das funktioniert, Mann, ist so: Songwriter haben sich aus den mittelalterlichen Wandersängern entwickelt, die die Neuigkeiten von Stadt zu Stadt getragen haben. Es ist Teil unseres Jobs, Zeugen zu sein von dem, was um uns passiert, politisch und ge­­sellschaftlich. Nun sollte auch niemand denken, dass es seine einzige Aufgabe ist, zu jedem zu predigen – aber immer mal wieder siehst du etwas, wovon du einfach Zeugnis ablegen musst. Und das ist eine gute Sache.

Aber ganz konkret: Kann Musik Dinge verändern?
Absolut, wir haben das ja auch schon bewiesen.

Ja, in den 60ern und 70ern vielleicht, aber heutzutage?
Wir haben einfach noch nicht das richtige Lied für heute, ein ›Ohio‹, ein ›We Shall Overcome‹, einen Protest-Song für diese Generation. Aber wir arbeiten daran.

Hast du jemanden im Kopf, der das leisten könnte?
Jeder Songwriter in den Vereinigten Staaten.

Du unterstützt seit Kurzem eine Organisation, die sich für die Legalisierung von Marihuana einsetzt. Warum?
Weil es nicht verboten sein sollte, es schadet dir viel weniger als Alkohol, die Leute lieben es und es wird sogar zu medizinischen Zwecken eingesetzt.

Konsumierst du selber?
Ja, ich gehe abends damit ins Bett, es ist mir lieber als Schlaftabletten oder solches Zeugs.

Echt jeden Tag?
Ja, ein paar Blüten jeden Abend, mit dem Vaporizer.

Letztes Jahr nanntest du Donald Trump im Interview mit uns ein „Arschloch“. Hat sich deine Meinung irgendwie geändert?
Es ist schlimmer geworden, Trump ist eine furchtbare Person, die unserem Land viel Schaden zufügt.

Angenommen, er würde aus irgendeinem Grund seines Amtes enthoben werden. Wäre das die Rettung?
Nun, der nächste in der Reihe ist Pence, und der ist, wenn irgendwas, dann sogar noch schlimmer als Trump. Die Dinge stehen ge­­rade ziemlich schlecht in den USA, wir laufen Gefahr, unsere Demokratie zu verlieren. Aber dann wiederum ist das bei euch nicht viel anders.

Du spielst auf die rechtspopulistische…
Ich habe gehört, dass sich Angela Merkel aus der Politik zurückziehen will. Sie ist ein sehr verantwortungsvolles menschliches Wesen.

Das Gute an der aktuellen Situation ist vielleicht, dass es ein wachsendes Protestpotenzial in der jungen Generation gibt, ein wachsendes politisches Bewusstsein.
Nicht nur ein Potenzial. Die „March For Our Lives“-Kids mobilisieren die Jugend, rauszugehen, zu wählen. Vielleicht werden wir die Dinge so wieder in Ordnung bringen, aber das wird viel Arbeit sein.

Verfolgst du die politische Lage in Deutschland und Europa?
Ein bisschen.

Was hältst du von der Situation in Großbritannien?
Der Brexit war eine dumme Entscheidung. Dass so viele Länder in Europa zurzeit nach rechts driften, Polen, Jugoslawien, sogar England und jetzt möglicherweise auch Deutschland, ist eine traurige Sache.

Unabhängig, wo es passiert: Was könnte denn die Lösung sein, die richtige Reaktion auf die Gefahr von rechts?
Man muss ganz weit zurückgehen. Der Schlüssel liegt in der Erziehung. Wenn die Leute gebildet und klug sind, wählen sie anders, als wenn sie dumm und voller Vorurteile sind. Wir brauchen eine Demokratie, die auf Teilnahme durch Menschen beruht, die interessiert sind und wissen, wovon sie sprechen. Dafür brauchst du Bildung. Wir in Amerika waren darin mal die Nummer eins der Welt, jetzt sind wir auf Position 26 oder 28, hinter jeder anderen entwickelten Nation der Welt, inklusive euch. Wenn du eine gebildete Bevölkerung hast, kannst du ihr die Fakten zeigen und sie wird korrekt wählen.

Wie entdeckst du heute neue Songs?
Die Leute senden mir eine Menge davon auf Twitter, denn sie haben herausgefunden, dass ich mir ihre Bands oder den Track, an dem sie gerade arbeiten, tatsächlich anhöre. Ich gebe ihnen eine Chance und bin ehrlich in meinem Urteil. Damit können sie was an­­fangen, und ich hab so schon einige Sachen entdeckt.

Cameron Crowe arbeitet an einer Doku über dich. Was kannst du mir darüber sagen?
Sie ist gerade fertig geworden, kommt nächstes Jahr raus.

Du wurdest dafür sicher interviewt, sprichst du gern über alte Zeiten?
Es geht nicht um alte Zeiten. Du musst sie sehen, eine sehr ehrliche, eine brutal ehrliche Dokumentation. Keine Ahnung, ob alle sie mögen werden, denn sie ist wirklich ungeschminkt und mutig, aber mir gefällt das. Der Film handelt von meinem ganzen Leben.

Besteht die Chance, dass wir dich demnächst auch mal wieder in Deutschland sehen?
Bei unserer letzten Tour haben wir das versucht, aber keine Angebote bekommen. Oder doch, eines, aber dort hätten wir weniger Geld gekriegt als überall sonst in Europa, also konnten wir es nicht annehmen. Vielleicht hilft’s ja, wenn man die deutschen Promoter hier darauf aufmerksam macht.

The Halo Trees: Himmelsstürmer

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The-Halo-Trees1-Credit-Yvonne-BrasseurIndierock der dunkleren Sorte: ANTENNAS TO THE SKY, das Debütalbum von The Halo Trees, klingt wie eine Mischung aus The National und Nick Cave. Frontmann Sascha Blach hat heimlich, still und leise eine kleine Hitmaschine gebaut.

„Ich wollte die für mich ultimative Band starten“, sagt Sascha Blach, der 38-jährige Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Produzent von The Halo Trees. „Eine Sache, aus der ich nicht mehr rauswachse, die ich bis ans Lebensende machen könnte. Die Vision ist über viele Jahre gereift und ging einher mit einem Rückzug meinerseits aus anderen Projekten, um mich mehr fokussieren zu können.“ Da es sich bei ANTENNAS TO THE SKY um das Erstwerk der Berliner handelt, lastete kein Zeitdruck auf der Truppe, die neben Blach aus Kathrin Bierhalter (Gitarre, Violine), Serdar Uludag (Bass) und Stefan Helwig (Schlagzeug) besteht. „Es wurde alles in meinem eigenen Winter-Solitude-Studio aufgenommen und hat sich gefühlt wirklich lang hingezogen“, so Blach. „Die Drumspuren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon zweieinhalb Jahre alt. Ich habe sehr, sehr lang an Mix und Mastering gesessen. Aber da uns ja noch niemand kennt und wir keine Deadline hatten, konnte ich mir die Zeit auch nehmen.“

Mit Erfolg: ANTENNAS TO THE SKY klingt wie ein guter alter Bekannter, der einem nach längerer Zeit die Hand schüttelt und ein Gefühl von Wärme und Melancholie versprüht. „Es sollte organisch, warm, weich und tief klingen“, bestätigt der Musiker diese Einschätzung. Auch den Vergleich mit The National und Nick Cave kann er nachvollziehen. „Ja, The National auf jeden Fall. Nick Cave bestimmt auch. Dazu Editors, Madrugada oder Phillip Boa. Rockige Bands mit tiefer Stimme. Ich wollte meinen tiefen Gesang mehr in den Fokus stellen, der Stimme viel Raum geben.“

Alle zwölf Songs stammen zwar aus seiner Feder, dennoch betont der 38-Jährige die Beiträge seiner Mitstreiter. „Ich würde es so formulieren“, holt er aus: „Ich baue ein Haus und dann agieren wir zusammen als Innenarchitekten und richten es möglichst interessant ein. Und wenn die anderen wieder weg sind, gehe ich meistens noch mal alleine durch alle Räume und stelle alles noch ein wenig um oder streiche die eine oder andere Wand neu – teilweise monatelang“. Auf ein Haus gehört natürlich auch eine Antenne, wie der Plattentitel ANTENNAS TO THE SKY andeutet. „Das ist zum einen ein grafisches Konzept, das sich durchs Album zieht – Bäume, Häuser, Leitungen, die in den Himmel ragen“, sagt Blach. „Es gibt aber auch eine Verbindung zum Bandnamen, da The Halo Trees quasi die Antennen in den Himmel sind.“

The Beatles: Deluxe-Boxset zum Jubiläum von ABBEY ROAD

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Beatles Abbey RoadVor 50 Jahren ist das meistverkaufte Beatles-Album erschienen. Jetzt kommt eine Deluxe-Ausgabe samt Hardcoverbuch, Demo- und Sessionaufnahmen.

Am 8. August 1969 ließen sich die Beatles für ihr berühmtes Cover-Foto auf einem Zebrastreifen der Abbey Road fotografieren, ein paar Wochen später, am 26. September erschien die zugehörige Platte: mit Songs wie ›Come Together‹, ›Something‹, ›Here Comes The Sun‹ oder ›I Want You (She’s So Heavy)‹. Klassiker allesamt.

Wie zuletzt schon zu SGT. PEPPER und dem WHITE ALBUM erscheint jetzt am 27. September eine Super-Deluxe-Neuausgabe des Albums. Neben den remasterten Album-Tracks finden sich darauf auf insgesamt drei CDs und einer Audio-Blu-ray Demo-Einspielungen und Songs aus den Aufnahme-Sessions, viele davon unveröffentlicht.

Für die klangliche Komponente ist wie schon bei den vorangehenden Reissues Giles Martin, Sohn von George Martin, verantwortlich. „Die Magie kommt von den Händen, die die Instrumente spielen, von der Harmonie zwischen den Stimmen und der Schönheit der Arrangements,” erklärt der. “Wir wollten nur erreichen, dass die Musik frisch klingt und die Leute genauso mitreißt, wie an dem Tag, an dem das Album aufgenommen wurde.”

Hinzu kommt ein 100-seitiges Hardcoverbuch mit einem Vorwort von Paul McCartney, einem Text von Beatles-Biograph Kevin Howlett über die Monate vor den ABBEY ROAD-Sessions, unveröffentlichten Fotos und handgeschriebenen Songlyrics.

Die Neuausgabe wird auch als abgespeckte 3LP-Box oder als 2CD-Set erhältlich sein.

Stray Cats: „Wir versuchen immer noch, wie Gene Vincent zu klingen!“

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Stray Cats Album und TourVor genau 40 Jahren waren die Stray Cats die Speerspitze des Rockabilly-Revivals und stürmten kurz darauf mit jugendlichem Leichtsinn und einer unbändigen Liebe zum Sound des frühen Rock’n’Roll weltweit die Charts. Jetzt sind Gitarrist und Sänger Brian Setzer, Kontrabassist Lee Rocker und Standschlagzeuger Slim Jim Phantom zurück – mit einem vor Energie sprühenden neuen Album namens 40 und einer Comeback-Tournee, die im Juli auch in Deutschland Station macht. Zuvor beantwortete Slim Jim unsere Fragen mit der heiteren Gelassenheit eines Mannes, der seit inzwischen vier Jahrzehnten niemandem außer sich selbst etwas zu beweisen hat.

Slim Jim, 40 Jahre Stray Cats – was ist der größte Unterschied zwischen damals und heute?
Der größte Unterschied ist sicherlich, dass wir heute mehr Kontrolle haben. Wir waren damals ja noch so jung! Als alles anfing, waren wir gerade einmal 19. Auch früher hatten wir künstlerisch alle Freiheiten, aber uns wurde gesagt, wo wir zu sein hatten: „Morgen seid ihr in Deutschland, den Tag darauf in Finnland, dann fliegt ihr für ein paar Tage zurück in die Staaten und dann geht’s nach England!“ Heute sind wir alle viel relaxter, weil die Band nicht mehr das Einzige in unserem Leben ist. Alles, was wir jetzt machen, geschieht aus freien Stücken.

Viele Musiker wollen ihre alten Bands am liebsten vergessen und nach vorne schauen, du dagegen scheinst auch während eurer langen Auszeiten immer ein Stray Cat geblieben zu sein.
Ja, das kann man sicher so sagen. Wann immer mich jemand gefragt hat, was ich tue, sagte ich: „Ich bin der Schlagzeuger der Stray Cats!“ Wir haben damals einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass sich die Leute immer an uns erinnern werden, ganz egal, wie lange unsere Pausen auch sein mögen.

Gibt es denn trotzdem etwas, was noch fehlt?
Ganz ehrlich: Praktisch alles, was wir schaffen wollten, haben wir schon sehr früh erreicht. Unser Antrieb war damals, den Menschen all die Musiker wieder näherzubringen, die uns selbst wichtig waren. Speziell in den Staaten wussten ja viele nicht mehr, wer Johnny Burnette war! Das haben wir erreicht. Auch wenn es nur am Rande mit den Stray Cats zu tun hat: Was jetzt noch bleibt, wäre ein Film, eine echte Dokumentation. Es gibt welche über Jazz, Blues, Punk oder
Reggae, aber keine über die Geschichte des Rockabilly und wie diese Musik die Beatles, die Rolling Stones oder Elton John beeinflusst hat. Mal sehen, ob wir da etwas tun können.

Apropos Rolling Stones: Da spielt ihr vor fast 40 Jahren eure allerersten Konzerte in England und plötzlich sitzen die Stones im Publikum?
Ja! Bevor wir einen Plattenvertrag hatten, zogen wir mit etwa zehn Shows in London eine Menge Musikprominenz an, weil wir damals die neue heiße Band waren, die alle sehen wollten. Das muss im August 1980 gewesen sein. Die Stones wendeten sich an den Club und reservierten einen Tisch. Sie waren alle da, und das war natürlich überwältigend. Die Stones! Die berühmteste Rockband aller Zeiten! Damals wirkten sie auf uns wie weise ältere Gentlemen, denn sie waren ja schon über 30! (lacht) Sie waren wirklich unglaublich nett zu uns. Vermutlich spürten sie, dass da eine neue Rockabilly-Szene im Entstehen begriffen war, und deshalb wollten sie uns für Rolling Stones Records unter Vertrag nehmen. Wir hatten einige echt gute Treffen mit ihnen, aber leider war damals alles sehr hektisch, und sie selbst waren auch gerade mit einem ihrer Alben beschäftigt. Am Ende wurde nichts daraus. Wir blieben aber freundschaftlich verbunden, und als sie 1981 in den USA auf Tournee gingen, luden sie uns ein, einige der Konzerte zu eröffnen.

Mit eurer neuen Platte wolltet ihr auch dieses Mal das Althergebrachte und das Moderne zusammenbringen. Der Weg dorthin ist nun aber ein ganz anderer als in den 80ern, oder?
Es gab in der Tat einen wichtigen Unterschied. Unverändert ist, dass wir immer noch versuchen, wie Gene Vincent zu klingen. Egal, was am Ende dabei herauskommt, das ist immer unser Ziel. Allerdings war der Weg dorthin in den 80ern steiniger. Es war schwieriger, ein altes Studio zu finden, das noch mit dem Original-Equipment arbeitete, und selbst dann war es oft nicht leicht, genau diesen Sound einzufangen. Heute gehen das Althergebrachte und das Neue viel stärker Hand in Hand. Durch die moderne Technik ist es inzwischen gar nicht mehr so schwer, wie in den 50ern zu klingen. In den 80ern musstest du dich entscheiden: entweder altmodisch oder brandneu. Heute kannst du beides gleichzeitig haben.

Die Idee bei den Aufnahmen war, die Live-Energie der letztjährigen Comeback-Konzerte in den USA auch bei den Sessions einzufangen?
Ja. Wir haben uns im Studio genauso wie auf der Bühne nah beieinander in einer Reihe aufgebaut, nur das Schlagzeug stand etwas schräg, sodass wir uns gegenseitig besser sehen konnten. Anfangs sagte man uns noch: „So kann man doch keine Platte aufnehmen“, aber wir haben bewiesen: Es geht doch! Natürlich haben wir auch in den 80ern mit Dave Edmunds als Produzent versucht, viel live aufzunehmen, aber die Instrumente waren in verschiedenen Ecken des Studios platziert und viel abgeschirmter, als das dieses Mal der Fall war. Außerdem haben wir damals deutlich mehr mit Overdubs gearbeitet. Auf der neuen Platte gibt es praktisch gar keine.

Ganz zum Schluss: Welcher Irrglaube über die Stray Cats hält sich immer noch am hartnäckigsten?
Ich denke, der größte Irrtum ist, dass wir uns nicht ausstehen können. Das stimmt wirklich überhaupt nicht, schließlich sind wir praktisch von Kindesbeinen an Freunde, kennen die Eltern der anderen und haben so viel zusammen erlebt. Wenn man lange nicht zusammenarbeitet, entsteht natürlich schnell der Eindruck, dass man sich aus dem Weg geht, aber bei uns hat es ja nie Gerichtsverfahren gegeben und niemand ist mit der Frau eines anderen durchgebrannt. (lacht) Die Rock-Albernheiten haben wir uns einfach gespart. Wenn wir nicht zusammengearbeitet haben, dann nur, weil wir mit anderen Dingen beschäftigt waren. Streitereien gab es nicht. Es ging stets darum, auf den richtigen Moment zu warten, um wieder gemeinsam etwas zu machen.

Video der Woche: Steven Tyler mit seinem ABBEY-ROAD-Medley

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Unser Video der Woche dreht sich heute um das Jubiläum des berühmten ABBEY-ROAD-Fotos der Beatles.

Am 08. August 1969 entstand das legendäre Zebrastreifen-Foto für das Coverartwork des noch legendäreren Beatles-Albums ABBEY ROAD.

Beatles_Abbey Road

Aus diesem Anlass dreht sich unser ‚Video der Woche‘ dieses Mal genau um jene Platte und wir zeigen Steven Tyler, wie er 2010 bei der Ehrenzeremonie für Paul McCartney im Kennedy Center in Washington D.C. ein wunderbares ABBEY-ROAD-Medley zum Besten gibt.

Steven Tylers ABBEY-ROAD-Medley von 2010:

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Rory Gallagher – BLUES

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Rory Gallagher Blues

I got dem ol´ kozmic blues again…

Nach Van Morrison und noch vor Phil Lynott (zeitlich gesehen) gehört Rory Gallagher (Jahrgang 1948, verstorben 1995) zum wichtigsten und einflussreichsten irischen Musiker (who the fuck is Bono?). Nach wie vor halten ihn ganze Horden von bekannten Musikern wie Eric Clapton, Johnny Marr, Brian May oder Slash für den vielleicht begnadetsten Gitarristen aller Zeiten. Posthume Alben gibt es von Gallagher wie Sand am Meer. Nur wenige davon (NOTES FROM SAN FRANCISCO und WHEELS WITHIN WHEELS) sind wirklich essentiell. Zwölf der fünfzehn Tracks (der Vinyl-Ausgabe) sind bis dato unveröffentlicht und wie der Titel unmissverständlich andeutet, vom Blues inspiriert.

Im vorderen Teil des beiliegenden Booklets gibt es die Abbildungen von 16 Blues-Klassikern zu sehen, die Gallagher in seine wohl kuratierte Vinyl-Sammlung eingewebt hatte. Darunter Alben von John Lee Hooker, Robert Johnson, Muddy Waters, B.B. King, Albert Ling, Freddy King und Tony Joe White, um nur einige zu nennen. Gallaghers unverkennbare Einflüsse, die ihn sein viel zu kurzes Leben begleiteten. Der Blues und die irische Musik waren für Gallagher Artverwandte, beides Folkmusik. Gallaghers Traum war immer, dass seine Songs in fünfzig Jahren in einem Atemzug mit den bewährten Klassikern genannt werden – ein Wunsch, der ohne Frage in Erfüllung gegangen ist. Die Stones wollten ihn als Ersatz für Mick Taylor, für David Coverdale war er der Nachfolger von Ritchie Blackmore bei Deep Purple, und selbst für das das Power-Trio Cream war er mal im Gespräch. Doch Gallagher erteilte allen eine Absage und veröffentlichte zwischen 1971 und 1990 elf ganz wundervolle Studioalben.

Sechs der Tracks stammen von Gallagher selbst, den Rest haben unter anderem Booker T Jones, Tony Joe White, Sonny Boy Williamson, Peter Green, Willie Dixon und andere verfasst. Die Aufnahmen entstanden zu unterschiedlichen Zeitpunkten seiner Laufbahn, folglich gastieren hier diverse Musiker Gallaghers: Gerry McAvoy (Bass), Lou Martin (Piano), Rod de’Ath (Drums), Brendan O’Neill (Drums) und auch Jack Bruce (Bass, Vocals), um nur ein paar zu nennen. BLUES erscheint als 3-CD, CD und als Doppel-LP im Triple-Gatefold-Cover plus aufwendigem zwölfseitigen Booklet (mit Download-Card). Leider ist die Pressung recht unsauber und von vielen Knackern begleitet.

8/10

Rory Gallagher
BLUES
CHESS/UNIVERSAL

Jethro Tull: Ian Anderson im großen Jubiläums-Interview

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jethro tull ian anderson pressMit der 3-CD-Compilation 50 FOR 50 feiern Jethro Tull ein halbes Jahrhundert als weltweit erfolgreiche Rockgruppe, die zahllose Höhepunkte und erstaunlich wenige Tiefschläge erlebt hat. Exklusiv für CLASSIC ROCK blickt Frontmann Ian Anderson auf sein bewegtes Leben zurück!

Als der schottische Sänger/Flötist Ian Anderson im Herbst 1967 die Band Jethro Tull gründete, konnte er nicht ahnen, wie viele Rock-Klassiker er in den folgenden 50 Jahren an den Start bringen würde. Songs wie ›Locomotive Breath‹, ›Aqualung‹, ›The Whistler‹, ›Hunting Girl‹, die unvergessenen ›Living In The Past‹ oder ›Bungle In The Jungle‹ sind unbestrittene Evergreens der Musikgeschichte.

So ungewöhnlich der Bandname, der auf einen 1674 in England geborenen Landwirt und Schriftsteller zurückgeht, von dem 1731 das Buch „The New Horses Hoeing Husbandry“ (zu Deutsch etwa: „Wie man Pferde richtig beschlägt“) stammt, so einzigartig und bisweilen skurril waren vor allem in den 70ern die Geschichten, die Anderson in musikalische Form brachte. Auf dem Album THICK AS A BRICK (1972) etwa vertonte er die fiktive Erzählung über ein englisches Wunderkind, schlüpfte auf MINSTREL IN THE GALLERY (1975) in Kostüme des Elisabethanischen Englands, er­­griff in SONGS FROM THE WOOD (1977) Partei für die bedrohte Natur oder betrachtete die Rolle zeitgenössischer Musik in TOO OLD TO ROCK’N’ROLL (1976) mit einer gehörigen Portion kritischem Humor.

Mit dem aktuellen, aufwändig gestalteten 3-CD-Package 50 FOR 50 feiern Jethro Tull jetzt eine Art Goldenes Jubiläum und werden auch im 50. Jahr ihres Bestehens Massen an Musikfans in ihre Konzerte locken. Wir haben mit Ian Anderson über seine imposante Karriere ge­­sprochen.

Ian, wie viele Überraschungen gab es für dich bei der Zusammenstellung der Songs von 50 FOR 50? Existieren Nummern, die du selbst in der Zwischenzeit vergessen hattest?
Nein. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern, die im Laufe der Jahre den Überblick verlieren über die Vielzahl an Songs, die sie in ihrer Karriere komponiert haben, kenne ich unsere sämtlichen Stücke nahezu in- und auswendig. Denn wir ändern auf jeder Tour unsere Setlist, spielen immer wieder Stücke, die den Fans nicht mehr so vertraut sind, und graben alte Schätze aus. Außerdem hat es in der Vergangenheit immer mal wieder Compilations, Remixes und so weiter gegeben, für die ich unser gesamtes Material durchforstet habe. Insofern: Nein, es gab für mich keine Überraschungen, sehr wohl aber ein paar organisatorische Schwierigkeiten.

Nämlich?
Nun, für 50 FOR 50 ging ich sorgsam und strukturiert vor, suchte zunächst von jeder unserer Studioscheiben vier bis fünf Nummern heraus, um dann festzustellen, dass ich die langen Nummern eigentlich gar nicht berücksichtigen kann, weil sie den vorhandenen Platz der geplanten drei CDs sprengen würden. Um auch die langen Epen zu be­­rücksichtigen, hätte es ein 10-CD-Package werden müssen, das wiederum wollte die Plattenfirma jedoch nicht. Also musste ich als eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl festlegen, dass die Songs nicht länger als fünf Minuten sein durften. Ganz schön hart für mich.

Was waren sonstige Kriterien bei der Zusammenstellung?
Mir war wichtig, dass die Songs eine größtmögliche stilistische Bandbreite abdecken, deshalb achtete ich auch auf Tempo, Tonart und Temperament. Nachdem ich eine grobe Vorauswahl zu­­sammengestellt hatte, verglich ich meine Liste mit der, die von der Plattenfirma vorgeschlagen wurde, um festzustellen, dass beide Listen nahezu identisch waren. Also musste nur noch die genaue Abfolge der Stücke festgelegt werden.

„Ich fühle mich generell als Musiker rein akustischer Instrumente, der zusammen mit Rockmusikern zur Arbeit geht. Das ist manchmal ganz schön hart, aber genau das ist es wohl auch, was den Reiz dieser Band ausmacht.“

Sind dies nun deine 50 ultimativen Lieblingsstücke?
Nein, aber diese 50 Tracks gehören auf jeden Fall zu meinen Lieblingssongs. Ich würde 50 FOR 50 nicht als meine persönlichen faves bezeichnen, sondern eher als großes Bild von Jethro Tull, als große Geschichte, bei der es nicht so sehr auf meinen persönlichen Ge­­schmack ankommt. Kurz um: Ich habe mich dazu gezwungen, bei der Songauswahl nicht allzu egoistisch zu sein.

Apropos: Es scheint, dass bei Jethro Tull eigentlich immer nur deine künstlerischen Visionen umgesetzt wurden. Bist du also nicht doch auch ein wenig egomanisch?
Mag sein, aber vielleicht ist ein gewisser Grad an Egoismus notwendig, um einen Künstler anzutreiben. Denn ohne den Eigensinn eines Roger Waters wäre beispielsweise THE WALL von Pink Floyd vermutlich nie entstanden.

Zufall und ein bisschen Glück gehören in deinem Fall allerdings wohl auch dazu, oder? Immerhin wäre aus dir um ein Haar nicht der wichtigste Rockflötist der Welt, sondern ein Gitarrist geworden.
Du spielst auf den Tag an, an dem ich meine Gitarre gegen eine Flöte eingetauscht habe, nicht wahr? Im Grunde genommen war ich lediglich in Geldnot, also beschloss ich, meine 1960er-Fender Stratocaster zu verkaufen. In einem kleinen Musikgeschäft entdeckte ich diese wunderbar golden glänzende Flöte. Ich weiß nicht einmal mehr, weshalb sie mich so sehr faszinierte, aber die Sonne schien so klar und hell durch die Fensterscheiben und ließ diese Flöte geradezu erstrahlen. Ich entschloss mich zu einem Tausch: Ich bekam 150 britische Pfund für meine Fender und musste im Gegenzug für die Flöte und ein dazu passendes Mikrofon 30 Pfund berappen. Mit 120 Pfund Bargeld, einem Mikro und einem neuen Instrument verließ ich das Geschäft wieder. Fast ein halbes Jahr wusste ich mit der Flöte nichts anzufangen, dann begann ich mich mit ihr zu beschäftigen. Allerdings: Klüger wäre es gewesen, die Gitarre zu behalten und sich statt dessen das Geld für die Flöte zu leihen, denn mittlerweile wäre eine Fender Stratocaster aus dieser Bauphase bis zu 40.000 Dollar wert.

Wie definierst du dich eigentlich selbst? Als traditionellen Folkmusiker, der mit seiner Flöte einen ungewöhnlichen Beitrag zur mehr oder minder progressiven Rockszene beisteuert?
Ich fühle mich generell als Musiker rein akustischer Instrumente, der zusammen mit Rockmusikern zur Arbeit geht. Das ist manchmal ganz schön hart, aber genau das ist es wohl auch, was den Reiz dieser Band ausmacht. Es gab in unserer Karriere die unterschiedlichsten Phasen. Heutzutage würde ich Jethro Tull als riesiges Gemälde mit vielerlei Details betrachten. Es gab Zeiten, da waren wir eine Blues Band, wir haben Progressive Rock gemacht, es gibt Stücke mit Hardrock-Einflüssen, mit asiatischen Elementen und Einflüssen des mittleren Ostens. Und natürlich war bei uns immer auch ein starkes Folk-Element herauszuhören.