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Start Blog Seite 369

Die 100 einflussreichsten Gitarrenhelden: Kurt Cobain

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Er wird weltweit als Songwriter gefeiert, doch Nirvanas Mastermind veränderte auch alles für eine neue Generation von Gitarristen.

Aus CLASSIC ROCK #100

Vier Akkorde. Das war alles, was nötig war, um die Weltordnung der E-Gitarre zu zerschmettern. Dieses spröde Intro zu ›Smells Like Teen Spirit‹, im September 1991 die Lead-Single zu Nirvanas Meilenstein NEVERMIND, war lachhaft simpel. Die regierenden Größen der Hair-Metal-Szene hätten es nicht mal zum Aufwärmen beim Soundcheck gespielt. Und keiner von ihnen konnte wissen, dass sie da den Gewehrschuss hörten, der ihre Karrieren töten würde. „Sie waren reif für eine Auslese, ein Keulen, den Tod, und genau das geschah dann als Nächstes“, schrieb Seb Hunter in „Hell Bent For Leather“, seinen Memoiren über das Leben als Metaller Ende der 80er. „Ich verliebte mich sofort in Kurt Cobain. Ich verstand das alles, sah es alles und wusste, dass er Recht hatte – wir mussten sterben.“

Von einem technischen Standpunkt aus betrachtet scheint es pervers, Cobain ins Pantheon durchzuwinken und dafür die zahlreichen belanglos-brillanten Shredder der Rockhistorie mit ihren hochentwickelten Klauen und schwindelerregenden Modalsoli außen vor zu lassen. In seiner eigenen Einschätzung befand sich der Nirvana-Frontmann nur ein oder zwei Stufen über einem totalen Anfänger („Wir sind einfach nur musikalisch und rhythmisch zurückgeblieben“, sagte er mit einem Schulterzucken). Der Kontext jener Zeit unterstrich seinen brutalen Stil nur noch zusätzlich, basierend auf Power-Akkorden und seltenen frühen Soli, die oft einfach nur die Gesangsmelodie kopierten (siehe ›Come As You Are‹).

Doch Cobain hatte besaß etwas viel Wertvolleres als überschallschnelle Finger. Er hatte ein magisches Ohr, fand immer die perfekten Akkorde und verschmolz die richtigen Noten. Und hinterließ dadurch einen Katalog aus Gitarrengold, der weitaus wichtiger ist als tausend emotionslose Fingertapping-Soli. Man höre sich noch mal das unvergessliche Lick an, das sich durch ›All Apologies‹ schlängelt, oder das „Beatles auf 11“-Riff, das aus der Kakophonie von ›Serve The Servants‹ emporsteigt. Oder die süchtig machende, kantige Strophe von ›Lithium‹: ein Part, den jeder spielen könnte, doch niemand sonst hatte die Vision, ihn zu schreiben. Selbst das Klampfen auf ›About A Girl‹ war mehr als die Summe seiner Teile. Cobains Akkorde – mürrisch in der Strophe, verträumt im Refrain – passen einfach perfekt zu seiner Gesangsmelodie.

Was auch immer er tat, es strotzte vor Angriffslust („Wir spielen so heftig, dass wir unsere Gitarren nicht schnell genug stimmen können“, sagte er). Und trotz seiner Ausstattung, die im Vergleich zu den Tigerstreifen-Super-Strats jener Zeit wie ein rostiger Kahn aussah – „Schrott ist immer am besten“, erklärte er der Guitar World seine Vorliebe für ausgelaugte Fender Mustangs –, war sein Ton bissig und dominant. Dieser aufregende Moment, wenn er in ›Rape Me‹ in den nächsten Gang schaltet – der fahle Glanz des Hair Metal klang nie so veraltet. „Es war schockierend, Nirvana spielen zu sehen“, sagte Billy Corgan mal, „denn man dachte: ‚Da ist dieser kleine Typ mit dem gigantischen Gitarrenklang‘.“

Vor allem aber ließ Cobain die Rolle des Gitarrenhelden – ähnlich wie beim Übergang von Prog zu Punk eine Generation zuvor – erreichbar erscheinen. Er machte einer neuen Generation klar, dass das Instrument kein Zauberstab war, sondern lediglich ein Mittel zu dem Zweck, einen umwerfenden Song zu schreiben. In seinen Händen war die Gitarre wenig mehr als ein Hammer oder ein Schraubenschlüssel – aber nur wenige nutzten die Werkzeuge ihres Metiers besser als er.

Andrea Bignasca – KEEP ME AWAY FROM DROWNING

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Weniger Blues, mehr Classic Rock mit deutlichem Alternative-Rock-Einschlag, zuerst war ich etwas unsortiert beim Einsortieren. Der Schweizer, das steht fest, legt eine unbändige Leidenschaft in seinen Gesang. Zusammen mit der Produktion, die man sonst eher von Indiemucke kennt, muss ich ganz dringend alle Pearl-Jam-Fans auffordern, sich die Scheibe einmal anzuhören. Neben ganz viel Eddie Vedder atmet seine Stimme auch etwas Bruce Springsteen. Und wer mit beiden Beispielen gut klarkommt, wird Bignasca lieben! Der gelernte Schlagzeuger spielt auch ganz hervorragend Gitarre und gute Beispiele dafür
sind Anspieltipps wie ›Anywhere The Wind Blows‹, der Titelsong und der Schlusssong ›That Place‹.

Nicht nur ein neues Album, sondern direkt auch noch ein paar praktische Tipps für Musiker im Lockdown gibt es hier:

Andrea Bignasca, KEEP MR AWAY FROM DROWNING, RADICALIS/MEMBRAN

Ego Kill Talent – THE DANCE BETWEEN EXTREMES

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Stone-Sour- oder Alter-Bridge-Anhänger sind hier goldrichtig

Wer Brasilien bisher ausschließlich mit Fußball, Copacabana und/oder Sepultura assoziiert hat, kann hier seinen Horizont erweitern. Das zweite Album des aus der Mega-Metropole São Paulo stammenden Alternative-Rock-Quintetts ist ein Ergebnis der COVID-19-Pandemie. Anstatt wie geplant nacheinander mit Metallica, Greta Van Fleet und schließlich System Of A Down auf Welttournee zu gehen, saßen die Jungs (wie wir alle!) zu Hause herum. Doch anstatt Trübsal zu blasen, komponierten sie neue Songs und nahmen diese auf. So produzierte die Gruppe im Laufe der letzten zwölf Monate drei Download-EPs, die nun zu einem Longplayer zusammengefügt wurden. Trotz der etwas ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte und stilistischen Vielfalt funktionieren die zwölf Tracks erstaunlich gut als Album. Vom toughen, Grunge-inspirierten ›Now!‹ über das wütende, an Stone Sour erinnernde ›Starving Drones‹ bis zum sanften Schleicher ›Silence‹ oder dem rock’n’rolligen ›In Your Dreams Tonight‹ klingen die Herren immer verdammt organisch und homogen.

7 von 10 Punkten

Ego Kill Talent, THE DANCE BETWEEN EXTREMES, BMG RIGHTS/WARNER-ADA

Serj Tankian – ELASTICITY

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Explosives Lebenszeichen

Bei Fans von System Of A Down kamen Ende 2020 mit den ersten neuen Tracks seit 15 Jahren Hoffnungen auf, die Band werde endlich wieder dauerhaft zusammenfinden. Dass unterstrichen wurde, die Songs seien nur zustande gekommen, weil man sich auf die Sache einigen konnte (der Krieg um Bergkarabach), verriet allerdings, dass es jenseits dieses verbindenden Themas keine Einigkeit in der Band zu geben scheint. Bekräftigt wird das durch die Aussage, dass die fünf Songs auf dieser neuen Solo-EP von Frontmann Serj Tankian eigentlich für SOAD geplant waren und teilweise schon seit fünf Jahren in der Schublade lagen. Nun, freuen wir uns einfach, dass sie uns nicht vorenthalten bleiben, denn jeder einzelne davon ist großartig.

Der Gesang wie ein derangierter Muezzin, die zappeligen Maschinengewehr-Rhythmen, die elegischen Momente der Melancholie, die Stakkato-Riffs … alles vertraute Zutaten, natürlich gerne mit orientalischen Farbtupfern. Das euphorisierende Titelstück ist zudem einer der besten Songs, die der Mann je fabriziert hat. Spielt es da eine Rolle, unter welcher Flagge das Ganze erscheint? Oder anders gefragt: Braucht er seine einstigen Kollegen, um grandiose Musik zu machen? Eigentlich nicht. Bitte mehr davon!

9 von 10 Punkten

Serj Tankian, ELASTICITY, BMG RIGHTS/WARNER

Ultravox! – LIVE AT THE RAINBOW 1977

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Des Foxx’ Vox!

Jedem U50-Jährigen, der im gewaltigen Schatten der Elektropop-Kathedrale ›Vienna‹ groß geworden ist, sei verziehen, wenn er glaubt, Ultravox! seien strenge, eintönige, bleistiftdünne-Bärte-tragende Männer in Regenmänteln, die viel lieber eiskalt glamouröse Spione wären, als freudlose Musiker. Aber Ultravox! waren nicht immer so. Bevor sie 1980 von Island Records fallengelassen wurden, waren sie eine der aufregendsten Live-Bands der Punk-Ära. Mit dem charismatischen John Foxx am Mikrofon und einem futuristisch anmutenden Hauch von Glam, Dystopie, Science-Fiction und Post-Punk, ähnlich wie Magazine auf Steroiden, verzierten sie ihren Namen mit einem reichlich verdienten Ausrufezeichen. Ultravox! waren brillant. So einfach ist das. Aber sie konnten keinen Hit abliefern, selbst wenn ihr Leben davon abhing. Alle drei Alben der Foxx-Ära floppten kommerziell und sind trotzdem keine Fehlkäufe. Letzten Endes waren Ultravox! die Roxy Musik, die der Weihnachtsmann vergessen hatte. Beim Aufräumen fanden UMC dann wohl dieses berauschende Set von neun Live-Songs aus dem März 1977. Drei der Songs waren bisher unveröffentlicht und sind schlichtweg die pure Freude. Besonders geeignet für Fans mit gutem Gedächtnis und einer Abneigung gegenüber Regenmänteln.

8 von 10 Punkten

Ultravox!, LIVE AT THE RAINBOW 1977, UMC/ISLAND

Papa Roach – GREATEST HITS VOL. 2 – THE BETTER NOISE YEARS

Werkschau: Klappe, die Zweite

Knappe elf Jahre nach ihrer ersten Hit-Compilation …TO BE LOVED: THE BEST OF PAPA ROACH (2010) blickt eine der langlebigsten Nu-Metal-Bands auf die zweite Dekade ihrer Karriere von 2010–2020 zurück. Neben 12 Top-10-Singles aus den vier zwischen 2012 und 2019 entstandenen Alben befinden sich in dem insgesamt 21 Tracks starken Package allerlei Schmankerl für Die-Hard-Fans. Da wären zum einen drei frische Remixe, für die Aelonia an den Knöpfchen drehte, und zwei nie veröffentlichte Akustikversionen von ›Face Everything And Rise‹ und ›Leader Of The Broken Hearts‹.

Trotz einer Spanne von zehn Jahren hört sich GREATEST HITS VOL. 2 – THE BETTER NOISE YEARS (im regulären Teil) dank des 2020 Remasterings wie ein komplett eigenständiges Album an und verdeutlicht noch einmal eindrucksvoll, warum Papa Roach zu den letzten äußerst erfolgreichen Überlebenden einer der wegweisendsten Szenen der 90er-Jahre gehören.

8 von 10 Punkten

Papa Roach, GREATEST HITS VOL. 2 – THE BETTER NOISE YEARS, BETTER NOISE/SONY

The Blue Stones – HIDDEN GEMS

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Mehr, als es Bandname und Cover-Artwork vermuten lassen

Laut Wikipedia sind The Blue Stones ein „kanadisches Blues-Rock-Duo“, wobei sich diese
Kategorisierung angesichts von HIDDEN GEMS wenig oder nur ganz allmählich erschließt. Blues vielleicht gerade noch so, wie ihn seinerzeit The White Stripes in ihren Garagensound eingebaut haben. Flüchtig fühlt man sich bei den etwas härteren Nummern an dieses Duo erinnert, wenngleich The Blue Stones deutlich weniger ruppig und trashig zur Sache gehen. Rock ist das, was Tarek Jafar und Justin Tessier abliefern, aber durchaus, nur alternativer und moderner wie etwa bei den Imagine Dragons. Also eher poppig und zeitgemäß als archaisch und traditionell, aber originell. Wenn die zwei schon mal Grungiges in ihren ansonsten Mainstream-tauglichen Sound einbauen, hat das schon was. Und auch, wenn sie an der ein oder anderen Stelle R’n’B in die Grooves oder eine dezente HipHop-Hippness einfließen lassen. Für Genre-Puristen ist HIDDEN GEMS vielleicht nicht das Richtige, aber für offene Ohren, die gerne mal bei Bands wie Kings Of Leon oder Mumford & Sons hinhören, definitiv schon. Also nicht vom Rock’n’Roll oder Metal-Assoziationen hervorrufenden Cover mit dem Sensenmann oder von Wikipedia täuschen lassen, sondern den facettenreichen Kanadiern eine (absolut gerechtfertigte) Chance geben.

7 von 10 Punkten

The Blue Stones, HIDDEN GEMS, EONE/SPV

Text: Martin Buchenberger

Ringo Starr – ZOOM IN

Love & peace & fünf neue Songs

›Zoom In Zoom Out‹ heißt der Titeltrack von Ringos Mini-Album, ein bluesiger Mutmacher-Shuffle mit der Kernaussage „love is what it’s all about“. Womit wir mittendrin sind in Starrs treuherziger Gedankenwelt: Seid nett zueinander, und alles wird gut! It’s easy!

Er diagnostiziert ›Not Enough Love In The World‹, was man in dieser unprätentiösen Geradlinigkeit gewiss naiv finden kann, doch wo er recht hat, hat er eben recht. Zudem klingt das Stück auf angenehme Weise wie ein Song aus dem Hause Madness. Besinnlicher wird’s mit der Feuerzeugballade ›Here’s To The Nights‹, auch die Reggae-Nummer ›Waiting For The Tide To Turn‹ kündet von jenen harten Zeiten, die momentan kollektiv durchlebt werden müssen, aber mit dem lebensfrohen ›Teach Me To Tango‹ kehrt die gute Laune zurück. Schon eigenartig: Starrs Gesang, kompetent begleitet von u. a. Nathan East, Steve Lukather und Benmont Tench, würde wohl auch Albinonis tottraurigem ›Adagio g-Moll‹ eine seltsam heitere Note verleihen. Was man unpassend finden kann. Oder total sympathisch.

6 von 10 Punkten

Ringo Starr, ZOOM IN, UNIVERSAL