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The Sweet: Stuttgart, LKA/Longhorn (09.10.15)

The SweetAufhören, wenn’s (wieder) am Schönsten ist.

Und irgendwann war es nur noch einer. Gitarrist Andy Scott ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Glam-Rock-Titaten The Sweet, mit seinen 66 Jahren hat er alle Höhen und Tiefen dieser Band miterlebt. Weil irgendwann auch mal Schluss sein muss und man bekanntlich nicht erst dann aufhören sollte, wenn man auf Dorfrummeln und bei Möbelhauseröffnungen rumgereicht wird, gibt es jetzt noch eine anständig ausufernde Tournee, dann ist wirklich Schluss. In Europa zumindest, in Amerika gibt es eine andere The-Sweet-Besetzung, der Scotts Version per Vertrag nicht zu nahe kommen darf. „Finale“ haben die vier Briten diese letzte Reise genannt. Und sie tun gut daran: Das LKA/Longhorn im Stuttgarter Stadtteil Wangen ist mehr als gut gefüllt, die Stimmung prächtig, die 70er-Nostalgie ausdrücklich er­­wünscht. Die Zeiten, in denen man als ernstzunehmender Rock-Fan einen weiten Bogen um die schrillen Typen mit ihrer Weibermusik machte, sind lange vorbei, mittlerweile erkennen alle ihre unerhört großen Hits als das an, was sie sind: Einfluss für Guns N’Roses, gar Kiss. Auf Hits muss das Stuttgarter Publikum zunächst allerdings warten. Das ist bisweilen etwas müßig, vor allem aber unverständlich: Die Zeiten, in denen man seine Handvoll Klassiker erst am Ende oder in der Zugabe verfeuerte, sind längst vorbei. Als dann ›Lady Starlight‹ oder ›Co-Co‹ endlich an der Reihe sind, schwappen sie in mäßig spannenden Akustikversionen von der Büh­ne, die Party droht auch wegen Andy Scotts nicht gerade lustvollem Spiel zu implodieren. Dann tut sich glücklicherweise was. ›Teenage Rampage‹, ›Wig-Wam Bam‹, ›Love Is Like Oxygen‹ und ›Fox On The Run‹ werden praktisch nacheinander abgefeuert. In dieser Konzentration wirkt die darin verpulverte Genialität beinahe verschwenderisch. Kaum ist das Publikum warmgelaufen, war’s das aber auch schon wieder mit dem offiziellen Teil. Die Zu­­gabe ist dann so vorhersehbar wie effektiv: ›Blockbuster‹ und ›Ballroom Blitz‹ überzeugen bis heute. Die Band auf ihrer Abschiedstournee allerdings leider nur bedingt.

Stereophonics: Hamburg, Docks (03.10.15)

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stereophonicsDie Überraschung des Jahres.

Lange waren die Stereophonics nicht in Hamburg. Gefühlt zehn Jahre – doch am Ende waren es nur fünfeinhalb, faktisch. Dennoch, viel zu lange. Und so tun sie sich bei den ersten beiden neuen Songs auch noch schwer. Der Sound ist unstimmig, der Groove fehlt. Das neue Album KEEP THE VILLAGE ALIVE ist erst seit ein paar Tagen draußen und dazu leider noch nicht mal besonders gelungen. Ab ›Superman‹ jedoch haben die Waliser alles im Griff. Es ist die erste Show der Tour, da kann man sich schon mal zwei Songs lang einspielen, auch wenn das ungewohnterweise vor zahlendem Publikum passiert. Doch das nimmt der Band niemand übel und so werden die Singles ›Graffiti On The Train‹ und ›Indian Summer‹ vom Vorgängerwerk GRAFFITI ON THE TRAIN gebührend gefeiert. Überhaupt liegt der musikalische Schwerpunkt live ganz klar auf den letzten beiden Studioalben. Satte sieben Tracks vom aktuellen Werk schaffen es auf die Setlist, und fast allesamt machen sie eine wundersame Wandlung durch. Wo das Album unrund und beliebig klingt, sind die Liveversionen selbiger Songs bei weitem packender, einnehmender, lebendiger und vor allem rockiger. Die Band hat sichtlich Spaß bei der Sache und Jones nuschelt wie eh und je recht unverständliche aber sympathische Worte zwischen den Songs. ›Vegas Two Times‹ und ›Mr. Writer‹ von J.E.E.P. wechseln ab mit dem frenetisch gefeierten ›Maybe Tomorrow‹. Erst im hinteren Teil des Sets werden die Fans früher Stunde mit ›Local Boy In A Photograph‹ und ›A Thousand Trees‹ beglückt. ›Violins And Tambourines‹ von GRAFFITI ist sicherlich eines der Highlights des an solchen nicht armen Abends – die Band spielt sich völlig losgelöst in einen wahren Rausch, angeführt von Neudrummer Jamie Morrison, der erst seit 2012 in der Band ist. Das atmosphärische ›White Lies‹ und ›Sunny‹ verabschieden die Band in eine großartige und schnittige Zugabe mit ›Just Looking‹, natürlich ›The Bartender And The Thief‹ und ›Dakota‹, der erfolgreichsten Single der Band (Nr. 1 in UK).
Vor fast vollem Haus eine unerwartet großartige Show und neben den Foo Fighters sicher das Konzert des Jahres in der Hansestadt.

Text: William Miller

Rich Robinson: Hamburg, Rockcafé (06.10.15)

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Rich RobinsonEine Krähe alleine.

Im Gegensatz zu seinem singenden Bruder Chris und dessen Brotherhood schafft es Ex-The-Black-Crowes-Gitarrist Rich Robinson innerhalb weniger Jahre schon zum zweiten Mal nach Europa und Hamburg. Gastierte er zum zweiten Album THROUGH A CROOKED SUN noch mit vollständig angetretener Band im Übel & Gefährlich, so steht er am heutigen regnerischen Frühherbst-Abend ganz allein mit seinen sechs Gitarren auf den Brettern, um sein letztes Studioalbum THE CEASELESS SIGHT zu promoten. Wobei ebendiese Promotion nicht wirklich sein oberstes Ziel zu sein scheint. Er will einfach spielen und die Fans glücklich sehen. Viele sind es leider nicht geworden, die den Weg auf sich genommen haben. Was wirklich schade ist. Auch wenn er zwei bis drei Songs Anlauf braucht, um warm zu werden – dann aber hat Rich den Bogen raus und begeistert die Zuhörer über alle Maßen. Abwechselnd präsentiert er in zumeist akustischer Manier Tracks aus seinen nunmehr drei Soloalben PAPER, THROUGH A CROOKED SUN und THE CEASELESS SIGHT, gefolgt von Bob Dylans ›Girl From The North Country‹ und Buffalo Springfields ›Kind Woman‹. Was dann passiert, ist nicht von dieser Welt – ›Blackwaterside‹ (bei Led Zeppelin auch bekannt unter dem Titel ›Black Mountain Side‹), ein irischer Folksong weitestgehend unbekannter Herkunft, steht auf der Setlist. Bert Jansch von Pentangle hat den Track mal treffend intoniert, aber was Rich Robinson aus dem Track auf der Elektrischen rausholt, ist mindestens Led Zep ebenbürtig. Gefühlte fünfzehn Minuten später steht das Rockcafé mit offenen Mündern da, einige haben Tränen in den Augen. Und das Level wird nahezu gehalten bei ›Willin’‹ von Little Feat sowie den beiden eher unbekannten Black-Crowes-Nummern ›Oh Josephine‹ und ›What Is Home‹. Als ungeplante Zugabe gibt es dann noch Velvet Undergrounds ›Oh! Sweet Nuthin’‹ und nach zu kurzen 90 Minuten wird das dankbare Publikum viel zu früh ins nasse Hamburg entlassen. Wer das verpasst hat, sollte dringend beim nächsten Mal vorbei kommen!

Europe: München, Circus Krone (26.10.15)

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Europe 2015 Promo Dark BGround - lowResServus Beinand!

Seit den 60ern ist der Circus-Krone-Bau Schauplatz der bedeutendsten Konzerte. Die Beatles waren hier, die Stones und jetzt auch Europe. Nur ist das altehrwürdige hölzerne Rund längst nicht mehr die größte Halle der Stadt und heute meist Heimat von feinen Liebhaber-Konzerten. 1986, als Europe zuletzt an dieser Stelle standen, war das anders. Mikro-Stativ-Akrobat Joey Tempest und seine Männer waren ein Massenphänomen. Dass der Hype rund um das im selben Jahr erschienene Album und seinen Titelsong absolut gerechtfertigt war, beweisen sie an jenem Abend – nach über 35 Jahren im Geschäft. Mit einem bemerkenswert hohen Schalldruck präsentieren Europe ihr Repertoire. Mit einem stilistischen Mix aus Joe Bonamassa, Iron Maiden und Deep Purple versuchen sie bei den jüngeren Stücken scheinbar den Image-Wandel. Nötig wäre dieser aber nicht. Europes bekannteste Songs liegen mittlerweile 30 Jahre zurück – genau der Turnus, in dem Moden wiederzukehren belieben. Natürlich wünscht sich keiner einen nostalgischen Zirkus, jedoch brauchen sich Europe auch keineswegs dafür schämen, wer sie waren und noch immer sind: Freude vor und mit dem Publikum (inklusive Witzen über das eigene Alter und einer Begrüßung im perfekten München-Jargon), bombastische Licht- und Nebelschlachten und Jahrhundert-Kompositionen wie ›Rock The Night‹, ›Carrie‹ und eben auch ›The Final Countdown‹.

Go Go Berlin: München, Feierwerk Hansa 39 (06.10.15)

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Go Go Berlin 2015aDenmark’s next Top-Rockers.

Bereits mit ihrem Debüt NEW GOLD konnte diese junge dänische Rock’n’Roll-Band in ihrer Heimat auf sich aufmerksam machen. In Deutschland schafften sie es damit lediglich auf die kleineren Bühnen des Landes sowie zu einem etwas unwürdigen Gastauftritt in der Final-Sendung der Klum’schen TV-Nervenbelastung „Germany’s Next Topmodel“. Mit ELECTRIC LIVES holten Go Go Berlin in diesem Jahr dann zu einem deutlich ausladenderen Schwung aus: Pop-lastigere und große, James-Bond-Soundtrack-geeignete Kompositionen sowie ambitionierte Aufnahme-Sessions im legendären Meistersingersaal der Berliner Hansa Studios sollten es jetzt richten. Und siehe da, die Rechnung geht auf!
Ursprünglich war der München-Besuch von Go Go Berlin erneut in der kleinen, überschaubaren Milla geplant, jedoch ermöglichte die Ticket-Nachfrage, und erforderte die neuerdings ausladendere Live-Show der Jungs um Blondschopf Christian Vium eine Umbuchung direkt in die größte Räumlichkeit des Feierwerks. Für Go Go Berlin ist es ein Leichtes, ein junges, zu einem nicht unerheblichen Teil weibliches (ob das wohl die Nachwehen von GNTM sind?) mit 70s-Rock (!!!) in die Hansa 39 zu locken. Tatsächlich sind es dann auch die neuen Renner wie ›Kids‹ und ›Electric Lives‹ , die die Halle mit Startum ausfüllen und dem Jungvolk an diesem Abend eine makellos dramaturgische Rock-Show mit einer Prise Caleb Followill am Gesangs-Mikro, einer Spur Deep Purple an der Orgel und einer optischen Reminiszenz an eine harmlose Version von Ex-Motörhead-Biest Phil Taylor am Schlagzeug.

Nathaniel Rateliff: München, Ampere (07.10.15)

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rateliffEin‘ nehm ich noch!

Einst der nachdenkliche introvertierte, beinahe depressive Folk-Singer/Songwriter, hat Nathaniel Rateliff in den letzten Jahren eine wahre Metamorphose vollzogen. Mit Hilfe seiner 2013 um sich gescharten Backing-Band The Night Sweats wuchs dieser zu einem anderen Musiker und Menschen heran. So scheint es jedenfalls, beobachtet man an diesem Abend den „neuen Nathaniel“ auf der Bühne des Münchner Ampere. Diese ist ebenso vollgestellt wie der Publikums-Raum: auf der einen Seite zwei Gitarren, eine Orgel, Drums und eine Horn-Section (bedient von den unterschiedlichsten nur vorstellbaren Charakterköpfen einer Räuberbande), auf der anderen ein neugieriges und gut informiertes Publikum. Anscheinend hat es das prägnante Gospel-Summen des in den Staaten zum Hit gereiften Aushängesongs, ›S.O.B.‹ („Son Of A Bitch, Gimme A Drink“) doch schon bis in die Hörweite deutscher Musikfreunde geschafft. Nach einem kurzen Präludium der Night Sweats betritt Rateliff in bester Legenden-Manier wie Otis Redding und James Brown die Bühne, und auch der Sound ist dank Vintage-Instrumenten authentisch. Diese perfekte Groove-Maschine in Kombination mit Rateliffs gefühl- und humorvollen Songs sowie seiner Joe- Cocker’schen Bühnenpräsenz macht es jedem noch so bewegungsfaulen Jura-Studenten leicht, Tanzfläche und Bar ihren Bestimmungen zuzuführen. Da wird klar: Rateliff ist unser Soul-Saver!

Cinderella’s Tom Keifer: München, Backstage Halle (15.10.15)

TK_Photo_TEP3422-2Mit ein bisschen Hilfe…

Wie werden Stimmung und Stimme sein, wenn Cinderella-Frontmann Tom Keifer nach jahrelanger Deutschlandabstinenz in München spielt, fragen sich viele im Vorfeld der Show im Backstage. Da es aber auch viele sind, die die Antwort persönlich sehen und hören wollen, ist die Location extrem gut gefüllt und kurz vor sold out.
Die Frage nach der Stimmung erledigt sich gleich zu Beginn, denn alleine bei den ersten Slide-Tönen des Cinderella-Klassikers ›Bad Seamstress Blues/Fallin‘ Apart At The Seams‹ geht die Halle sofort ab und mit. Auch die Sache mit den Stimmproblemen der letzten Jahre klärt sich schnell, denn Keifer ist vokal voll bei der Sache und präsentiert sein unnachahmliches Röhr- und Raspel-Timbre in guter, wenn nicht sogar sehr guter Form. Nach zwei Songs vom Solo-Debüt THE WAY LIFE GOES gibt es Cinderella satt und gleich fünf Nummern am Stück begeistern die versammelten Alt- und Haar-Rocker. Kracher wie ›Somebody Save Me‹, ›Shake Me‹ und vor allem die Balladen ›Heartbreak Station‹, ›Don’t Know What You Got (Till It’s Gone)‹ und ›Nobody’s Fool‹ bringen gewaltig Bewegung und Ergriffenheit ins Publikum, und es wird begeistert mitgesungen.
Auch Keifer selber kann sich gelegentliche Gefühlsausbrüche nicht vollends verkneifen, und hin und wieder wird aus der berühmten hängenden Unterlippe ein breites Grinsen. Gesanglich hält der ehemalige US-Superstar das Niveau hoch und auch nahezu ohne Abstriche bis zum Ende durch. Bei den Zugaben beginnt Tom Keifer dann doch etwas die Luft auszugehen, was ihn aber nicht davon abhält, zusammen mit seiner Band eine erstaunliche Cover-Version von ›With A Little Help From My Friends‹ mit einer Inbrunst hinzulegen, die selbst Joe Cocker beindruckt hätte. Mit ›Gypsy Road‹ bringen Keifer und seine souveränen Musiker die Sache dann zwar nach knapp 90 Minuten zu früh aber sicher nach Hause. Länger hätte der 54-Jährige wohl auch nicht durchgehalten, aber so ist mit Cinderella auch ohne Cinderella definitiv wieder zu rechnen. Solange die Freunde auf und vor der Bühne so gut mithelfen.

Video der Woche: Queen, Elton John & Axl Rose – ›Bohemian Rhapsody‹

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queen axl elton›Bohemian Rhapsody‹ von Queen wird auf den Tag genau 40 Jahre alt. In unserem „Video der Woche“ performen Axl Rose und Elton John gemeinsam mit Queen den Song zu Ehren von Freddie Mercury.

Drei Wochen vor Erscheinen ihres Albums A NIGHT AT THE OPERA, spielten Queen am Halloween-Tag des Jahres 1975 der Musikwelt einen einmaligen Streich. Mit einem Stück, das in seiner Struktur kaum nur einer popularmusikalischen Konvention folgt, veröffentlichten Komponist Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon eine fünf Minuten und 55 Sekunden lange Legende: ›Bohemian Rhapsody‹.

In unserem „Video der Woche“ seht ihr den gemeinsamen Auftritt von Guns N‘ Roses-Frontmann Axl Rose, Sir Elton John und den drei verbliebenen Queen-Mitgliedern beim „Freddie Mercury Tribute Concert for Aids Awareness“, das am 20. April 1992 im Londoner Wembley Stadium veranstaltet wurde. Damals traten Bands und Künstler wie Metallica, Def Leppard, Robert Plant, David Bowie, Tony Iommi und Liza Minnelli zu Ehren des im Vorjahr verstorbenen Mercury auf.

Seht hier unser „Video der Woche“: