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Nick Cave: München, Zenith (02.11.2017)

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Come on, come on, come on!

Ist Nick Cave einfach ein ganz normaler Sänger, ist ein Nick-Cave-Konzert einfach ein ganz normales Konzert? Der Australier hat seine Karriere über viel dafür getan, dass dem nicht so ist. Er hat sich als großer Schmerzensmann des Rock’n’Roll inszeniert, als Messias des Post-Punk, der sich Drogenexzessen hingibt, als Wüterich und sensibler Großkünstler zugleich. Und so ist die Ehrfurcht im hoffnungslos vollgestopften Zenith groß, als zuerst die Bad Seeds um Warren Ellis die Bühne betreten und dann der Meister selbst, mit gravitätischer Geschmeidigkeit, groß, eine schlanke Silhouette im schwarzen Anzug, das Hemd weit über die Brust aufgeknöpft. Dazu brizzelt und wabert es dunkel durch die Halle, wie auf dem aktuellen Album SKELETON TREE. Die ersten drei Songs, ›Anthrocene‹, ›Jesus Alone‹ und ›Magneto‹ stammen von der Platte, die vom Tod von Caves Sohn vor zwei Jahren überschattet ist.

Die düster-erhabene Stimmung von Verlorenheit und Verzweiflung wird den ganzen Abend nicht verschwinden, in älteren Songs wie ›From Here To Eternity‹ oder ›Red Right Hand‹ steigert sie sich zu einem angsteinflößenden Rausch. Cave schreit ins Mikro, verrenkt sich, haut dem Publikum ein „Fuck You!“ entgegen. Ist dann wieder ganz zart, berührt die Hände der Zuschauer in der ersten Reihe, geht in die Knie, lässt sie seinen Herzschlag fühlen. „Come on, come on, come on!“ Er will jetzt und hier alles, er will es spüren. Er ist der große Prediger. Unnahbar nah, ewig auf der Suche. Nach so etwas wie Erlösung?

Der eigentlich großartige ›Ship Song‹ geht zwischendrin fast ein wenig unter, ›The Mercy Seat‹ ist manisch – und immer wieder wird alles von den SKELETON-TREE-Stücken zusammengehalten, vom dann doch fast erlösenden Titelsong und ›Distant Sky‹. Zur Zugabe ›Stagger Lee‹ darf das Publikum die Bühne stürmen, ganz am Ende steht das umwerfende ›Push The Sky Away‹. Magisch.

Paul McCartney: Wenigstens ein Tag ohne Fleisch, bitte!

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Paul McCartney ruft in der Kampagne "One Day A Week" zusammen mit seinen Töchtern zu reduziertem Fleischkonsum auf.Paul McCartney ruft in der neuen Kampagne „One Day A Week“ zu reduziertem Fleischkonsum auf.

Wenigstens „one day a week“ solle die Menschheit auf Fleisch verzichten und damit sowohl Klima als auch arme Bevölkerungsteile schützen. So lautet das Credo von Paul McCartney in der neuen Kampagne „One Day A Week“, in der er zusammen mit seinen Töchtern Stella und Mary sowie weiteren Promis zu einem gemäßigteren Fleischkonsum aufruft.

Nach einer überschaubaren Zusammenfassung der Welt- und Menschheitsgeschichte fordert das ehemalige Mitglied der Beatles seine Mitmenschen zum „Meat Free Monday“ – dem fleischlosen Montag – auf: „Es gibt einen einfachen aber sehr bedeutenden Weg, mit dem man die Erde und all ihre Einwohner schützen kann. Alles beginnt mit einem Tag in der Woche. Wenn man nur einen Tag pro Woche keine tierischen Produkte isst, hat das bereits einen großen Einfluss auf das empfindliche Gleichgewicht, das uns alle umgibt.“

Im Clip hört man Musik von McCartneys 1977 erschienenen Album STANDING STONE sowie einen bisher unveröffentlichten Track namens ›Botswana‹.

Hier die Kampagne „One Day A Week“ sehen:

Neil Young: Neues Album im Dezember – jetzt die erste Single hören

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Neil Young PressefotoAm 1. Dezember erscheint mit THE VISITOR die neue Studioplatte von Neil Young + Promise Of The Real. ›Already Great‹ ist der Vorbote.

Nur wenige Monate nach HITCHHIKER mit verschollenen Aufnahmen aus den 70ern kommt im Dezember das nächste Album von Neil Young. Nach THE MONSANTO YEARS und EARTH hat er sich dafür erneut mit Promise Of The Real zusammengetan, der Band von Willie-Nelson-Sohn Lukas.

Das von Piano und elektrischen Gitarren getriebene ›Already Great‹ ist die erste Single aus THE VISITOR. Im Juni hatte Young mit Promise Of The Real den Protestsong ›Children of Destiny‹ veröffentlicht.

Hier sind Neil Young + Promise Of The Real mit ›Already Great‹:

Nic Cester – SUGAR RUSH

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Nic Cester Sugar RushDer Ex-Jet-Frontmann überzeugt mit bittersüßem Zuckerkick.

Wie schnell sich die Vorsilbe „Alp“ vor den gelebten Traum drängeln kann, musste Nic Cester mit seiner alten Band erleben: Jet gelang gleich mit ihrem Einstand ›Are You Gonna Be My Girl‹ der große Wurf – ein Glücksfall, aber auch Stigma, an dem so manche Künstler zerbrochen sind. 2012 war Schluss, die Chemie zwischen den Akteuren war weg, das Feuer erloschen. Für den Frontmann eine Erleichterung. Cester nahm sich eine Auszeit, bereiste die Welt, tankte Leben. Wie gut ihm das getan hat, lassen die zwölf Songs seines Solodebüts erahnen. Anstelle des erdigen Rocksounds, der Jet zu einem der größten Musikexporte Australiens machte, dominiert auf SUGAR RUSH ein äußerst entspannter Vibe. Cester gestaltet seine Songs wie seine Biografie: als Forschungsreise zu Kraftorten. Soul wird hier ganz großgeschrieben, der Fuß vom Gaspedal genommen, stattdessen den Songs viel Raum gewährt, sich zu langsamen, aber unaufhaltsam vorwärts arbeitenden Groove-Monstern zu entwickeln. Produziert von Jim Abbiss (Adele, Arctic Monkeys, QOTSA) und gemeinsam aufgenommen mit der italienischen Band Calibro 35, deren explosive Funk-Eruptionen gerne mal von HipHop-Heavyweights wie Dr. Dre gesampelt werden, behauptet sich SUGAR RUSH als Bindeglied zwischen Soul, Blues, halluzinogener Psychedelik und italienischen Soundtracks der Siebziger und Achtziger. Durchdrungen von innerer Ausgeglichenheit verströmt es eine Aufbruchsstimmung, die ansteckend wirkt. Diesem Weg folgen wir gerne.

8/10

Nic Cester
SUGAR RUSH
ferryhouse productions/Warner

Neuerscheinungen: Ab heute im Plattenladen

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Mit einer Compilation und Jubiläums-Neuaufnahmen trumpfen Bryan Adams und die amerikansichen Urgesteine von Kansas auf. Gänzlich Neues gibt es von Egonaut und den Von Hertzen Brothers.

Die insgesamt sechste Compilation seiner Karriere bringt Bryan Adams mit ULTIMATE heraus. Neben Klassikern wie ›Run To You‹ gibt es darauf zwei neue Songs zu hören. Einer davon ist ›Ultimate Love‹:

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Auf LEFTOVERTURE LIVE & BEYOND feiern Kansas das 40. Jubiläum ihres Albumklassikers mit aktuellen Live-Mitschnitten der Songs von 1976:

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Anlehnungen an Queen, Foo Fighters, Beach Boys oder doch Pink Floyd? Wie sich die neue Platte WAR IS OVER der Von Hertzen Brothers wirklich anhört, entscheidet man am Besten selbst:

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Auch auf ihrem vierten Album OMEGA beschwören die schwedischen Egonaut düstere Klänge herauf:

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Egonaut – THE OMEGA

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Egonaut The OmegaDoom der flotteren Art.

THE OMEGA ist eine Art Neustart für die Schweden Egonaut. Ihr vierter Longplayer ist der Einstand des neuen Sängers Emil Kyrk, da Songwriter Fredrik Jordanius sich mehr aufs Musikalische konzentrieren wollte und fortan nur noch Gitarre spielen wird. Stilistisch knüpft die Band direkt an das letzte Album DELUMINATI (2015) an und präsentiert treibenden Doom-Metal mit mächtigen Grooves, Deep-Purple-artiger Hammond-Orgel und charismatischem halbhohem Reibeisengesang. Emils Vocals fügen sich nahtlos in den Bandsound ein, als hätte es nie einen anderen Frontmann bei Egonaut gegeben. Zudem ist er im Vergleich zu Fredrik ganz klar der bessere Sänger. Insgesamt klingt THE OMEGA noch ausgefeilter, reifer und zwingender als der Vorgänger. Die Band deckt dabei ein breites Spektrum an Einflüssen ab, das klassischen Hard Rock ebenso umfasst wie Metal der härteren Gangart und spannende Mellotron- und Synthie-Elemente. Die Scheibe ist druckvoll und transparent produziert und klug arrangiert. Wer an Bands wie Solitude Aeturnus, Candlemass, Grand Magus oder The Quill seine Freude hat, kommt auch bei Egonaut gewiss auf seine Kosten. Zumal die Band auch qualitativ aufschließen kann. Dazu gibt es ein unterhaltsames Konzept, das die Geschichte eines Menschen erzählt, der in der modernen Welt seinen Platz sucht. Gut gemacht!

7/10

Egonaut
THE OMEGA
MIGHTY MUSIC/SOULFOOD

Von Hertzen Brothers – WAR IS OVER

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Von Hertzen Brothers War Is OverFinnen finden Inspiration in Indien.

„Stell dir die Foo Fighters beim Spielen von Pink-Floyd-Hits vor, nachdem sie Jahre in Indien damit verbracht haben, Beach-Boys-Melodien zu singen – dann hast du eine ungefähre Ahnung.“ So beschrieb seinerzeit ein ehemaliger Von-Hertzen-Bruder die Musik der Finnen, die in ihrer Heimat mittlerweile eine große Nummer sind. Das kommt auch beim neuen Album ungefähr hin und folgerichtig wurden die Texte dafür bei einem Indienaufenthalt Anfang des Jahres geschrieben. Gleich der Opener ›War Is Over‹ schmeichelt mit einem floydigen Intro, um dann kräftig in pompösen Rock überzuleiten, der Queen die Ehre erweist. Das 12.33 Minuten lange Stück endet mit dem Geräusch eines Feuerwerks – und man hat tatsächlich bereits nach einem Song das Gefühl so viel Musik erlebt zu haben wie auf einem kompletten Stadionrock Open-Air. Doch es kommen weitere Titel. ›Jerusalem‹ gefällt mit einem eingängigen Refrain. ›Beyond The Storm‹ beschließt das Album mit einem über acht Minuten Epos, das ein wenig an den Melodieaufbau bei Rainbow erinnert. Zwischen den beiden langen Stücken wird in kürzeren Songs dann aber doch mehr gerockt und der Prog-Bombast-Faktor kleiner gehalten. WAR IS OVER ist schon das siebte Album der Brüder und ihr erstes für das Mascot-Label. Man sollte diese interessante Band unbedingt im Blick behalten.

8/10

Von Hertzen Brothers
WAR IS OVER
MASCOT/ROUGH TRADE

Bryan Adams – ULTIMATE

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Bryan Adams UltimateRundumschlag mit zwei Neulingen.

Es ist bereits das sechste Compilation-Album in seinem Katalog. Can’t stop this thing we started, so zusagen. Der Anfang überrascht. ›Go Down Rockin’‹ stammt aus dem letzten Studioalbum GET UP, das Jeff Lynne produziert hat. Der Geist weist unzweideutig auf ursprünglichen Rock’n’Roll hin. Dasselbe gilt auch für das erste unbekannte Stück ›Ultimate Love‹, bei dem man an Chuck
Berry denkt. ›Please Stay‹ hört sich dagegen nach dem romantischen Barden an, der Adams auch immer mal war. Er erreicht in dieser Rolle aber nicht mehr den Grad an Unbesiegbarkeit, den man aus
Zeiten von ›(Everything I Do) I Do It For You‹, ›Heaven‹ oder ›All For Love‹ kennt. Hits dieser Art gibt es hier natürlich einige zu hören. Dazu zählen ebenso die stürmischen 80er-Erfolge ›Run To You‹ und ›Summer Of ’69‹. Interessanterweise fehlen ›Straight From The Heart‹, ›This Time‹ und ›Heat Of The Night‹. Es geht offenkundig nicht um Vollständigkeit, sondern darum, einen grundlegenden Spirit von Adams einzufangen, der Zeit und Charts überdauert. In diesen Kontext gehören ›The Only Thing That Looks Good On Me Is You‹ mit ZZ-Top-Anspielungen, ›You Belong To Me‹ oder auch ›Back To You‹ aus MTV UNPLUGGED absolut sicher.

8/10

Bryan Adams
ULTIMATE
POLYDOR/UNIVERSAL