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Hipgnosis: 33 1/3 Meisterwerke

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Hipgnosis InterviewAuch ihr habt mit ziemlicher Sicherheit Werke von Hipgnosis zu Hause. Vielleicht Pink Floyds Atom Heart Mother, vielleicht Led Zeppelins Presence? Das Londoner Designerstudio um Storm Thorgerson (1944–2013) und Aubrey Powell (*1946, auf dem Foto links) schuf von 1968 bis 1983 zahllose die Ära definierende Schallplattencover. Genesis, Peter Gabriel, Scorpions, Emerson Lake & Palmer und weitere musikalische Riesen ließen den zwei Kunststudenten freien Lauf und wurden mit Geniestreichen des LP-Designs belohnt.

Da lohnt sich ein Trip an die Waterkant: Das Wilhelmshavener Küstenmuseum zeigt ab dem 16. März Originale, Drucke, Skizzen und Fotografien aus dem Hipgnosis-Fundus. Wir sprachen mit Aubrey Powell.

Herr Powell, das Werk von Hipgnosis ist in den Galerien angekommen. Es war aber nicht immer so, dass der offizielle Kunstmarkt Ihre Arbeit respektierte, korrekt?
In der Tat! Lange Zeit blickte das Kunst-Establishment auf uns herab. „Ist das überhaupt Kunst? Ist das nicht nur Kommerz? Ist das nicht nur Verpackung aus Pappe, die man wegwerfen kann?“ Man ließ uns bestenfalls als Designer gelten.
50 Jahre später – so lange ist das jetzt her, unser erstes Cover A Saucerful Of Se­­crets, entstand 1968 – sieht es ganz anders aus. Zum Einen ist der Marktwert unserer Arbeiten phänomenal: Das Original-Artwork von THE Dark Side Of The Moon steht aktuell zum Verkauf – für drei Millionen Dollar! Zum anderen stürmen die Galerien, die unser Werk ausstellen wollen, nur so auf mich ein.
Ich glaube nicht, dass das nur aus Nostalgie passiert, oder weil Vinyl wieder gefragt ist. Ich glaube, den Leuten ist wirklich klar geworden, dass viele Albumcover aus den 70ern – und zwar nicht nur die von Hipgnosis – sehr wohl sehr durchdachte und eigenständige Kunstwerke waren.

Viele Alben, deren Sleeves von Hipgnosis gestaltet wurden, sind Millionenseller. Wenn man so will, wurden wahrscheinlich wenige zeitgenössische Kunstwerke von so vielen Augen gesehen wie Ihre.
Ob ich in Indien bin, Australien oder Südamerika – ich sehe eigentlich immer irgendetwas, das von uns gestaltet wurde. Zum Beispiel, wenn mir jemand im Led Zeppelin T-Shirt mit dem Icarus-Logo entgegen kommt, das haben wir ja auch entworfen. Unglaublich eigentlich – und ich habe mich so daran gewöhnt, dass es mir fast nicht mehr auffällt!
Aber mir ist klar: Wir hatten damals wirklich ganz traumhafte Möglichkeiten. Es gab noch großformatige Albumcover, oft zum Aufklappen. Das waren richtige Leinwände für uns. Wir hatten ein riesiges Glück, dass wir nicht mit kleinen CD-Covers oder winzigen Spotify-Pixelbildchen arbeiten mussten.

Wie würden Sie vorgehen, wenn man Sie heute für ein Albumcover für solche kleinen Formate beauftragen wollte?
Solche Anfragen gibt es, aber ich lehne sie ab. Noel Gallagher hat mich beispielsweise gebeten, sein letztes Album zu gestalten. Aber ein briefmarkengroßes Bild für Spotify? Das interessiert mich einfach nicht! Es mag arrogant klingen, aber ich muss schon selbst begeistert sein von meiner Arbeit. Wenn ich selbst es nicht mal bin, wie soll ich dann den begeistern, der das Ergebnis sieht?

Wochenlange Bastelarbeit: Led Zeppelins HOUSES OF THE HOLY

Dafür haben heutige Designer andere technische Möglichkeiten. Wie stehen Sie zu CGI? Ist es in Ihren Augen nicht „geschummelt“, wenn man mit Computergrafik trickst?
Hahaha, nein! Ich wünschte mir, CGI hätte es in den 70ern schon gegeben! Dann hätte ich nicht sechs Wochen mit Schere und Kleber an Houses of the Holy gesessen!
Ich arbeite in der Tat gerade an neuen Artworks für Pink Floyd. Es geht um ein Boxset, große Formate, keine Spotify-Bildchen. Sonst hätte ich das nicht angenommen. Eine hochkomplizierte Arbeit, bei der die Leute sich fragen werden: „Wie hat er das gemacht?“ Ganz einfach: Im Computer! Ich könnte die Aufnahme auch in echt stellen, aber das würde so teuer und kompliziert werden, dass ich bewusst entschieden habe: Wir nehmen CGI.
Natürlich weiß ich aber, dass der Ruf von Hipgnosis auch daher rührt, dass wir die Dinge damals „in echt“ gemacht haben. Dass wir fürs Cover von Wish You Were Here wirklich einen Menschen angezündet haben. Wir haben einem Stuntman einen Asbest-Anzug angezogen, ihn mit Napalm übergossen und angezündet! Völlig irre eigentlich!
Klar würde ich für so etwas heute Computer verwenden. Was dabei aber verloren geht, ist der emotionale Inhalt. Wish You Were Here hat eine innere Spannung, eben weil der Mann wirklich brennt. Man spürt das, wie angespannt er ist. Man sieht es auch in seinem Gegenüber: Wie distanziert und nervös er die Hand reicht! Wenn ich zwei Typen sage: „Okay, schüttelt eure Hände und hinterher kriegt einer von euch Flammen aufgemalt!“ – dann kriege ich doch diese Anspannung nicht!

Die Ausstellung umfasst nicht nur Ihre bekannten Albumcover, sondern auch Schwarzweiß-Fotografien und Entwürfe.
Ja, ich habe mich mal durchs Archiv gewühlt. Da gab es noch hunderte Negative. Viele Bilder wurden damals ja nur für Poster oder Flyer verwendet, oder sie blieben un­­genutzte Entwürfe. Manche dieser Bilder sieht man mit dem Abstand der Jahre und sagt: „Mann, eigentlich ist das toll – und ich hatte es beinahe vergessen!“ Neulich erst habe ich ein surrealistisches Beat­les-Porträt namens „Fishy Business“ wieder gefunden, das nie verwendet wurde! Wir zeigen auch Skizzen, z.B. für die Rolling Stones. Sie lehnten unseren Entwurf für das Cover von Goats Head Soup zwar ab, aber das erste Konzept, eine Collage aus Foto und Zeichnung, finde ich dennoch sehenswert, denn es steht beispielhaft für unsere Ar­­beitsweise.

Hipgnosis im Küstenmuseum Wilhelmshaven
16.03.–30.04.19
11:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Eröffnungsveranstaltung:
16.03., 18:30 Uhr mit Aubrey Powell
Moderator Peter Urban (NDR)

Neil Young im großen Interview: King Rumpel

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neil young pressWer nicht hören will, muss fühlen. Meint zumindest Neil Young und wäscht seinen ignoranten Mitbürgern im Vorfeld der kommenden US-Präsidentschaftswahlen gehörig den Kopf: Mit Rumpel-Rock-Versionen von traditionellem folkloristischen Liedgut, die jeden Puristen an den Rand eines Infarkts führen dürften – ihm selbst aber diabolischen Spaß bereiten.

Und das nicht nur, weil er hier erstmals seit 2003 seit GREENDALE wieder mit seiner Lieblingsband um Billy Talbot, Ralph Molina und Frank Poncho Sampedro (alias Crazy Horse) agiert, sondern weil er dabei besonders subversiv vorgeht. Denn was der 66-Jährige auf seinem inzwischen 34. Studioalbum unter dem vielsagenden Titel AMERICANA auffährt, ist so etwas wie ein Überraschungsei mit Sprengstofffüllung. Eben elf Rumpel-Rock-Versionen von amerikanischen Folkklassikern, die zum Teil schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben, von jedem stolzen Patrioten (aka 99,9 Prozent aller US-Bürger) notfalls auch rückwärts gesungen werden könnten, und die er und seine Getreuen nicht nur in Grund und Boden jammen, sondern ihnen auch fiese, ideologische Falltüren verpassen. Denn angesichts der kommenden Präsidentschaftswahlen im Herbst, an denen sich Young als kanadischer Staatsbüger zwar nicht beteiligen darf, aber dennoch eine Meinung und ein politisches Ziel hat, sollen genau diese bekannten und scheinbar unverfänglichen Lieder wie ein ideologischer Branbeschleuniger wirken.

Eben Stücke, die das gemeine Volk zwischen Tea Party und Occupy Bewegung an seine Wurzeln, seine Vorfahren, seine Freiheitsgedanken und seinen Willen nach Selbstverwirklichung erinner. Ihnen die politische Lethargie, die blinde Gottesfürtigkeiten und den schnöden Erzkonservatismus austreiben, und sie wieder in aktive, engagierte, leidenschaftliche Demokraten verwandeln. Ein schöner Gedanke. Und längst nicht der einzige, den der weißhaarige Mann mit den buschigen Koteletten an einem regnerischen Dienstag-Vormittag gegenüber CLASSIC ROCK äußert.

Guten Morgen Neil, wie gehts?
Danke, sehr gut.

Wo steckst du gerade?
Ich bin in New York. Ich sitze in meinem Hotelzimmer und schaue auf den Central Park. Also nichts Besonderes.

Dann lass uns über AMERICANA reden, dein erstes Album mit Crazy Hose seit neun Jahren. Warum so eine lange Pause – zumal sie ja deine erklärte Lieblingsband sind?
Ich musste einfach warten, bis ich das entsprechende Gefühl hatte. Bis ich dachte: Das ist es jetzt brauche ich die Jungs.

Das ist alles?
Das ist alles. (lacht) Aber es ist toll, dass wir jetzt wieder zusammen sind. Das ist eine ganz wunderbare Erfahrung. Und genau so sollte es auch sein.

Worin besteht denn die besondere Chemie zwischen euch? Schließlich arbeitet ihr mittlerweile über 40 Jahre zusammen. Also seit deinem zweiten Solo-Album von 1969.
Oh ja, und es ist eine Sache, die einfach gewachsen ist und sich immer weiter entwickelt hat. Also wir verstehen uns blind, kennen uns in und auswendig und haben jede Menge Spaß zusammen. Es ist toll, eine wunderbare Band. Und unser Ding ist, einfach stundenlang zu jammen. Darauf stehen wir, und das praktizieren wir auch diesmal wieder. Wofür es aber die richtigen Songs und das richtige Gefühl sein müssen. Es muss einfach alles stimmen – sonst macht es keinen Sinn, Crazy Horse ins Boot zu holen. Also wenn das nicht vorhanden ist …

Und warum ein reines Coveralbum? Welches Ziel verfolgst du damit? Was ist die Idee?
Warum? Eigentlich gibt es keinen Grund. Es schien mir einfach eine gute Sache zu sein. Und ich habe ja gerade ein Buch geschrieben, worin es auch um die Sachen geht, die ich 1963 und 1964 gemacht habe. Damals, als ich zum ersten Mal Stephen Stills getroffen habe. Zu der Zeit habe ich in einer Gruppe namens The Squires gespielt und bin öfter in einem Café in Fort William in Ontario aufgetreten – mit genau diesen Songs. Woran ich mich während des Schreibens erinnerte. Da kam mir das alles wieder in den Sinn. Und damit auch diese alten Folk-Songs, von denen ich jede Menge im Programm hatte.

Zu denen die Menschen in Kanada und in den USA allein deshalb eine besondere Beziehung haben, weil das ein Teil ihrer DNA ist. Also quasi etwas, das ganz tief in ihnen verwurzelt ist.
Ja, wenn auch nicht in dieser Version. (lacht) Aber ansonsten kennt sie wirklich jeder. Einfach, weil sie von den Texten und manchmal auch von den Melodien Teil des uramerikanischen Kulturguts sind.

Also Protestlieder, traurige Balladen und Stücke, die historische Ereignisse dokumentieren?
Das ist da alles am Start. Und wenn du mich fragst, sind das ziemlich verrückte Songs. Wobei ich hier und da einige Strophen verwendet habe, die über die Jahre weggelassen oder entfernt wurden. Eben, um wieder die Qualität und die Aussage des Originals zu erreichen. Ich habe da wirklich viel recherchiert – und auch die Kommentare fürs Albumcover geschrieben. Eben was die Geschichte der Songs betrifft, woher die Arrangements stammen, wie sie sich entwickelt haben und solche Sachen. Da gab es zum Beispiel diesen Typen, der mal in einer Gruppe namens The Thorns war. Er hieß Tim Rose und ist leider nicht mehr unter uns. Aber einige Leute glauben, dass er ›Hey Joe‹ geschrieben hat. Andere glauben das wieder nicht. Dabei hat er definitiv dafür gesorgt, diesen Song im Folk-Zirkel der Mittsechziger populär zu machen. Also lange vor Hendrix, The Leaves und all den anderen Versionen. Er war einer der Architekten des Folk-Rock. Daran gibt es keinen Zweifel. Und er war Mitglied in einer Gruppe namens The Big Three, mit denen er ›Oh Susannah‹ aufgenommen hat. Von denen habe ich das Stück zum ersten Mal gehört – sprich: ohne Drums. Denn sie hatten keine. Sie hatten nur einen Bass und ein paar Gitarren, das war’s. Und sie spielten in dem Café, in dem auch ich auftrat. Ich habe das ge- hört und gedacht: „Heilige Scheiße, ist das gut. Ich muss das unbedingt mit den Squires spielen – und mit Schlagzeug. So könnte es noch besser werden.“ Anschließend habe ich fünf oder sechs Songs auf ähnliche Weise arrangiert. Eben in dem ich die Melodien umgeschrieben und Bass bzw. Schlagzeug hinzugefügt habe. Also genau nach diesem Konzept, nach dem von Tim Rose. Das war es, was ich damals getan habe.

Und als ich dieses Buch schrieb, habe ich mich daran erinnert. Was dann dafür sorgte, dass ich mich entschied, diese Songs noch einmal zu probieren. Also genau wie damals. Ich suchte nach passenden Songs und traf mich mit Freunden, die mir helfen konnten. Wie Craig Kallman, den Vorsitzenden von Atlantic Records. Er hat eben- falls eine Menge recherchiert und mir ständig irgendwelche alten Titel geschickt, die aus dieser Ecke kommen. Die habe ich mir dann angehört und ein paar davon ausgewählt. So ist das Ganze entstanden.

Angesichts der kommenden amerikanischen Präsidentschaftswahlen: Was willst du uns mit dieser Songauswahl konkret sagen bzw. vermitteln?
Nun, zunächst einmal dachte ich, dass das klassische Konzeptalbum tot wäre. Aber das ist es nicht. Und als ich das erkannte, entschied ich mich, es einfach zu versuchen. Also Musik wie- der als Medium zu benutzen, vielleicht sogar zu missbrauchen. Was es ja kaum noch gibt. Diese Qualität der Musik ist nahezu vergessen – sie ist zur reinen Unterhaltung verkommen. Zu einer Art Klangtapete, zu der man Kartoffeln schält oder Kreuzworträtsel löst. Also nichts, was einen groß beschäftigen könnte. Und das ist verdammt traurig. Das ist nicht der Grund, warum ich Musik mache. Denn da würde ich mich in einem Maße eingeschränkt fühlen, dass ich lieber ganz drauf verzichte. Denn: Ein Künstler, der sein Publikum nicht erreicht, hat seinen Job verfehlt. Ich hoffe, dass es bei mir nie soweit kommt.

Das heißt: Worin besteht die Botschaft?
(lacht) Es geht um dasselbe wie immer. Also das, was ich den Leuten schon seit Jahren vermitteln will: Ich versuche sie auf eine Art spirituelle Reise zu schicken, die es ihnen ermöglicht, neue Kraft und frische Ideen zu sammeln, um wieder auf die Beine zu kommen – physisch und psychisch. Es geht darum, sich wieder zu finden. Und zwar in einer Welt, die sich ständig verändert, und die von uns verlangt, dass wir nicht stehen bleiben, sondern offen und variabel sind, um uns den jeweiligen Verhältnissen anzupassen. Wie die Natur. Und ich bin mir sicher, dass wir das können, dass uns das gelingt – sofern wir nur wollen. Ich bin sehr optimistisch, was das Gute im Menschen betrifft. Zumindest bei denjenigen, die noch Menschen sind.

Video der Woche: Molly Hatchet mit ›Flirtin‘ With Disaster‹

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Zum 14.Todestag von Danny Joe Brown widmen wir ihm und Molly Hatchet das „Video der Woche“.

Nach einer endlosen Reihe von Tourneen stieg Danny Joe Brown im Jahr 1980 wegen Erschöpfungszuständen aus der Gruppe aus. Auch seine langjährige schwere Diabeteserkrankung zwang ihn mehrmals aus gesundheitlichen Gründen zu Unterbrechungen seiner Musikerkarriere.

So kam er im Jahr 1988 kam erneut zur Band, trat jedoch 1995 endgültig zurück. Er suchte seinen Nachfolger Phil McCormack selbst aus. Brown erlitt 1998 einen Schlaganfall und verstarb am 10. März 2005 an den Folgen einer Lungenentzündung.

Zum Todestag von Ronnie widmen wir ebenjener Formation heute „Das Video der Woche“ und zeigen einen Live-Clip, in dem Danny und Co. energiegeladen und putzmunter einen der bekanntesten und stimmigsten Southern-Rock Songs zum Besten geben.

Molly Hatchet mit ›Flirtin‘ With Disaster‹:

David Bowie – THE BROADCAST COLLECTION 1972–97

David Bowie Broadcast Collection

Veritables 5-CD-Paket: David Bowies vitale Radiomitschnitte.

In die Dutzende gehen mittlerweile die posthumen Archivhebungen von mehr oder minder Unveröffentlichtem, seit David Bowie 2016 das Zeitliche segnete. Das 5-CD-Set THE BROADCAST COLLECTION 1972 – 97 reiht sich nahtlos ein in die Ausgrabungswelle mit allerdings hinlänglich Bekanntem: LIVE AT SANTA MONICA 1972, ein Mitschnitt der Radiostation KMET FM eines kompletten Konzerts der „Ziggy Stardust Tour“ vom 20. Oktober 1972 im Santa Monica Civic Auditorium und erster Bootleg von Bowie und den Spiders From Mars, galt über Dekaden hin als Bonanza eines jeden echten Fans: Entmystifizert wurde es erst, als das halblegale Label Golden Years das Werk 1994, dann 2008 EMI/Virgin die ausgezeichnete Moment­aufnahme veröffentlichten.

Aus den Proben für eine US-Tournee von Iggy Pop entstand LIVE AT CHICAGO MANTRA STUDIOS 1977: Stooges-Songs und damals aktuellen Solostoff von Mr. Pop zeichneten Gitarrist Rick Gardiner, Back­groundsänger David Bowie an den Keyboards sowie die Brüder Tony und Hunt Sales als Rhythmusgespann am 28. März 1977 auf. Das gleiche Team verantwortete auch die US-TV-Mitschnitte von ›Funtime‹ und ›Sister Midnight‹. Dank Aufzeichnung des lokalen Radiosenders blieb auch die Tour-Kollaboration von David Bowie und Nine Inch Nails vom 11. Oktober 1995 im Riverport Amphitheatre von St. Louis auf den beiden Silberlingen BACK IN ANGER LIVE 1995 PART 1 & 2 erhalten: Bowies Drang wieder künstlerisch in die Spur zu kommen er­­wies sich als so stark, dass er auf der US-Tour den Support NIN sogar teilweise in seine Show integrierte und es zu einem symbiotischen Austausch beider Bands kam.

SEVEN MONTHS IN AMER­ICA LIVE 1997 wiederum enthält einen ebenfalls von einer lokalen Radiostation getätigten Mit­schnitt von Bowie und Co. aus der Smith’s Olde Bar in Atlanta vom 8. April 1997 und mischt Altbekanntes mit Aktuellem.

8/10

David Bowie
THE BROADCAST COLLECTION 1972–97
CULT LEGENDS

R.E.O. Speedwagon – CLASSIC YEARS 1978–1990

REO Speedwagon Classic Years

Erfolgszenit und Abstieg der US-Mainstream-Rock-Pioniere auf neun CDs.

Ab dem selbstbetitelten Debüt von 1971 surfte die Formation aus Champaign, Illinois, in diversen Beset­zungen mit sechs Studio­alben und einem Konzertmitschnitt durch den wandlungsfähigen Rock-Zeitgeist der 70er-Jahre. Auf CLASSIC YEARS 1978 – 1990 setzt sich die mit zahlreichen Bonustracks bestückte Werk­schau der seinerzeit von Frontmann Kevin Cronin und Sologitarrist Gary Richrath angeführten Truppe chronologisch fort. Mit dem ersten US-Doppel-Platin-Werk YOU CAN TUNE A PIANO BUT YOU CAN’T TUNE A FISH (1978) samt prophetisch betiteltem Radio-Dauerbrenner ›Roll With The Changes‹ kündigte sich eine Zei­tenwende an.

Der Nachfolger NINE LIVES (1979) sackte mit der nicht gecharteten Auskopplung ›Only The Strong Survive‹ in Sachen Ver­kaufs­zahlen wieder auf Gold-Status runter, doch noch hielt die Truppe die Balance zwischen Kommerz und Eigenwilligkeit. Danach gab es kein Halten mehr: Mit den heute zu Evergreens mutierten AOR-Hymnen ›Keep On Loving You‹, ›Take It On The Run‹ und ›Don’t Let Him Go‹ knackte HI INFIDELITY 1980 endlich den heiß ersehnten Jackpot: Nummer 1 in den US-Charts und zehnfaches Platin, aber dafür büßten sie bei den Fans der frühen Stunde so einiges an Glaubwürdigkeit ein. Sämtliche Demos zu HI INFIDELITY, Promo-Live-Takes sowie weitere Archivschätze rund um den Erfolgszenit finden sich hier ebenfalls. Mit GOOD TROUBLE (1982) sowie WHEELS ARE TURNIN’ (1984) samt der Nummer-1-Single ›Can’t Fight This Feeling‹ hielten R.E.O. Speedwagon zwar stilistisch die zunehmend seichtere Mainstream-Spur, aber jeweils nur Doppelplatin und Rang sieben in den Charts zählten nicht viel in der „Erfolg-um-jeden-Preis“-Mentalität der Amerikaner.

Auf immer rasanterer Talfahrt befand sich 1987 LIFE AS WE KNOW IT. Was zu Verwerfungen innerhalb der Band, letztendlich zu Personalwechseln führte: Gary Richrath strich ebenso die Segel wie Schlagzeuger Alan Gratzer. Mit den Neuzugängen Jesse Harms an den Keyboards, Gi­­tarrist Dave Amato und Drummer Bryan Hitt klangen R.E.O. Speedwagon allerdings wie ein müder Abklatsch.

7/10

R.E.O. Speedwagon
CLASSIC YEARS 1978–1990
CHERRY RED/ROUGH TRADE

Boston: Die Vision eines Mannes

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Boston - BOSTONBostons Multiinstrumentalist Tom Scholz über das Debüt seiner Band.

Mit dem ersten Album haben Boston eigentlich AOR als neues Genre überhaupt erst begründet.
Nun, es ist nicht so, als hätte ich mit dem Musikmachen angefangen und beschlossen, diese wundervolle Sache zu tun. Ich versuchte einfach, mein Bestes zu geben. Aber ich dachte schon, dass ich etwas Neues dazu beisteuern konnte. Nichts bahnbrechend Neues, aber meine eigene Version davon.

Brad Delp war der Sänger, aber du hast fast die ganze Platte alleine gemacht. Warum?
Ich fing in den frühen 70ern an, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, aber das führte nicht zu dem Ergebnis, das mir vorschwebte.

Was bedeutet das?
Ich hatte nie das Gefühl, dass ich das bekam, was ich in meinem Kopf hörte. Und dann kam ich zu dem Schluss, dass ich mich offenbar nicht auf meine Vorstellungskraft konzentrierte und wohin sie mich mit der Musik führen würde, sondern darauf, was andere Leute im Raum darüber dachten, was ich da tat. Außerdem fand ich, dass die Interpretationen anderer Musiker nicht meinen Ideen entsprachen, und das war nicht unbedingt etwas Positives. Meine Hoffnung war, dass sie etwas hinzufügen würden, doch stattdessen schränkten sie es ein.

Wann hast du beschlossen, alleine zu arbeiten?
Das war Ende 1973. Da sagte ich zu mir selbst: Ich werde nie wieder Musik mit einer Band spielen nur aus dem Zweck, dass Leute sie zu hören bekommen, denn sie wird nicht so präsentiert, wie es der Fall sein könnte und sollte. Ich wusste nichts darüber, wie andere Leute Alben aufnehmen. Aber meine Entscheidung war, dass ich von nun an alleine weitermache. Also brachte ich mir langsam bei, wie man aufnimmt und produziert, baute mir einiges an Equipment selbst und fing an. Die Ergebnisse waren sofort so viel besser. Innerhalb eines Jahres hatte ich die Songs beisammen – und viel wichtiger: die Aufnahmen der Songs –, die das Fundament des ersten Boston-Albums bilden würden.

Und das hast du alles in deinem Heimstudio gemacht?
Ja, das war im Keller meines Wohnblocks. (lacht) Nicht unbedingt der ideale Ort, um die Masterbänder für eine Platte aufzunehmen. Aber der ideale Ort für mich, um zu arbeiten.

Was änderte sich, als Boston bei Epic Records unterschrieben?
Nichts! Als ich diesen Vertrag bekam, war das völlig unerwartet, denn bislang hatte ich nur Misserfolge vorzuweisen gehabt. Doch ich hatte mir selbst versprochen, dass das funktionieren würde, dass mir dies die Möglichkeit gab, Musik zu machen, die es verdiente, gehört zu werden, und dass ich es nur so tun konnte.

Hat die Plattenfirma deinen Instinkten vertraut?
Oh nein. Sie hatten ganz andere Vorstellungen. Ich sollte von ihrem Produzenten in einem großen Studio produziert werden blablabla. Und dem habe ich schnell einen Riegel vorgeschoben – mit der Hilfe von John Boylan, den sie als Produzenten ausgewählt hatten. Ich machte tatsächlich das ganze Album in meinem Keller, genauso wie die Demos, mit denen ich den Vertrag ergattert hatte, während John zur Tarnung jeden Tag ein paar Leute in Los Angeles in den Studios von Capitol Records aufkreuzen ließ.

Einen Song für die Platte hast du dann allerdings doch mit einem vollen Band-Line-up in L.A. aufgenommen.
Yeah, das war ›Let Me Take You Home Tonight‹. Doch den Rest habe ich alleine in meinem Keller gemacht, und Brad [Delp] kam immer mal wieder vorbei.

Brad war so ein wichtiger Teil dieses Albums. Sein Gesang – vor allem auf ›More Than A Feeling‹ – war einfach nur überirdisch.
Brad und ich hatten eine unglaubliche musikalische Verbindung, nach einer Weile waren wir sehr gut aufeinander eingespielt. Und deshalb versuchten wir uns an einer riesigen Anzahl von Ideen, Arrangements und Gesangsparts. Außerdem war er immer ein Komiker, also hatten wir bei der Arbeit im Studio eine richtig gute Zeit.

In ›More Than A Feeling‹ steckt so viel Emotion. Basierte das auf persönlichen Erfahrungen von dir?
Dieser Song, wie die meisten, die ich geschrieben habe, ist ziemlich persönlich. Ich sage nicht, dass es in all meinen Songs um eine bestimmte Erfahrung geht, aber sie sind Beobachtungen des Lebens.

Du hast diese Platte und die Musik von Boston im Allgemeinen auch als Eskapismus bezeichnet.
Die Musik von Boston ist für mich seit sehr, sehr langer Zeit eine Flucht. Und ich hoffte immer, dass sie auch für andere eine Flucht sein konnte, wenn sie das Album auflegen.

Dazu bescherte es dir, bis Guns N’ Roses daherkamen, das meistverkaufte Debüt in der Geschichte amerikanischer Musik.
Ich habe nie Erfolg erwartet, niemals. Ich hatte Glück.

Keith Richards: Neues Video zu unveröffentlichtem ›Big Town Playboy‹

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Ende März kommt die 30th-Anniversary-Ausgabe von Keith Richards‘ Solodebüt TALK IS CHEAP. Jetzt ist der Clip zu ›Big Town Playboy‹ da.

Gut 30 Jahre ist es mittlerweile her, dass Keith Richards den Rolling Stones erstmals untreu wurde: 1988 veröffentlichte der Gitarrist sein erstes Soloalbum TALK IS CHEAP.

Am 29. März wird die Platte zum – leicht verspäteten – 30. Jubiläum neu aufgelegt: als Super-Deluxe-Box, Deluxe-Box, 2CD-Set, CD, LP und digital.

Zur Einstimmung präsentiert uns Richards jetzt ein Lyric-Video zum bisher unveröffentlichten Song ›Big Town Playboy‹.

Keith Richards mit ›Big Town Playboy‹:

Neuerscheinungen: Ab heute im Plattenladen

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picturebooksUnd auch an diesem wunderbaren Freitag gibt es wieder heiße Neuerscheinungen und frische Töne von den Picturebooks, Buckberry, Nick Waterhouse und Howe Gelb.

Die Gruppe aus Gü­­tersloh wagt sich auf ihrer fünften Platte knietief in die knarzigen Gefilde des Delta Blues:

Hier geht’s zur Review…

Buckberry stehen seit jeher für dreckigen, rohen Rock. Auch auf ihrer neuen Scheibe ändert sich das kaum:

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Der junge Kalifornier zeigt erneut, das er Gefühl für Rhythem & Blues hat. Seine Mischung aus allen notwendigen Rock-Elementen erweist sich erneut als gelungen:

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Howe Gelbs Sprechgesang und musikalische Untermalung klingt eigen, sorgen jedoch für angenehme Kontraste:

Hier geht’s zur Review…