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    Boston: Die Vision eines Mannes

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    Boston: Die Vision eines Mannes

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    Boston - BOSTONBostons Multiinstrumentalist Tom Scholz über das Debüt seiner Band.

    Mit dem ersten Album haben Boston eigentlich AOR als neues Genre überhaupt erst begründet.
    Nun, es ist nicht so, als hätte ich mit dem Musikmachen angefangen und beschlossen, diese wundervolle Sache zu tun. Ich versuchte einfach, mein Bestes zu geben. Aber ich dachte schon, dass ich etwas Neues dazu beisteuern konnte. Nichts bahnbrechend Neues, aber meine eigene Version davon.

    Brad Delp war der Sänger, aber du hast fast die ganze Platte alleine gemacht. Warum?
    Ich fing in den frühen 70ern an, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, aber das führte nicht zu dem Ergebnis, das mir vorschwebte.

    Was bedeutet das?
    Ich hatte nie das Gefühl, dass ich das bekam, was ich in meinem Kopf hörte. Und dann kam ich zu dem Schluss, dass ich mich offenbar nicht auf meine Vorstellungskraft konzentrierte und wohin sie mich mit der Musik führen würde, sondern darauf, was andere Leute im Raum darüber dachten, was ich da tat. Außerdem fand ich, dass die Interpretationen anderer Musiker nicht meinen Ideen entsprachen, und das war nicht unbedingt etwas Positives. Meine Hoffnung war, dass sie etwas hinzufügen würden, doch stattdessen schränkten sie es ein.

    Wann hast du beschlossen, alleine zu arbeiten?
    Das war Ende 1973. Da sagte ich zu mir selbst: Ich werde nie wieder Musik mit einer Band spielen nur aus dem Zweck, dass Leute sie zu hören bekommen, denn sie wird nicht so präsentiert, wie es der Fall sein könnte und sollte. Ich wusste nichts darüber, wie andere Leute Alben aufnehmen. Aber meine Entscheidung war, dass ich von nun an alleine weitermache. Also brachte ich mir langsam bei, wie man aufnimmt und produziert, baute mir einiges an Equipment selbst und fing an. Die Ergebnisse waren sofort so viel besser. Innerhalb eines Jahres hatte ich die Songs beisammen – und viel wichtiger: die Aufnahmen der Songs –, die das Fundament des ersten Boston-Albums bilden würden.

    Und das hast du alles in deinem Heimstudio gemacht?
    Ja, das war im Keller meines Wohnblocks. (lacht) Nicht unbedingt der ideale Ort, um die Masterbänder für eine Platte aufzunehmen. Aber der ideale Ort für mich, um zu arbeiten.

    Was änderte sich, als Boston bei Epic Records unterschrieben?
    Nichts! Als ich diesen Vertrag bekam, war das völlig unerwartet, denn bislang hatte ich nur Misserfolge vorzuweisen gehabt. Doch ich hatte mir selbst versprochen, dass das funktionieren würde, dass mir dies die Möglichkeit gab, Musik zu machen, die es verdiente, gehört zu werden, und dass ich es nur so tun konnte.

    Hat die Plattenfirma deinen Instinkten vertraut?
    Oh nein. Sie hatten ganz andere Vorstellungen. Ich sollte von ihrem Produzenten in einem großen Studio produziert werden blablabla. Und dem habe ich schnell einen Riegel vorgeschoben – mit der Hilfe von John Boylan, den sie als Produzenten ausgewählt hatten. Ich machte tatsächlich das ganze Album in meinem Keller, genauso wie die Demos, mit denen ich den Vertrag ergattert hatte, während John zur Tarnung jeden Tag ein paar Leute in Los Angeles in den Studios von Capitol Records aufkreuzen ließ.

    Einen Song für die Platte hast du dann allerdings doch mit einem vollen Band-Line-up in L.A. aufgenommen.
    Yeah, das war ›Let Me Take You Home Tonight‹. Doch den Rest habe ich alleine in meinem Keller gemacht, und Brad [Delp] kam immer mal wieder vorbei.

    Brad war so ein wichtiger Teil dieses Albums. Sein Gesang – vor allem auf ›More Than A Feeling‹ – war einfach nur überirdisch.
    Brad und ich hatten eine unglaubliche musikalische Verbindung, nach einer Weile waren wir sehr gut aufeinander eingespielt. Und deshalb versuchten wir uns an einer riesigen Anzahl von Ideen, Arrangements und Gesangsparts. Außerdem war er immer ein Komiker, also hatten wir bei der Arbeit im Studio eine richtig gute Zeit.

    In ›More Than A Feeling‹ steckt so viel Emotion. Basierte das auf persönlichen Erfahrungen von dir?
    Dieser Song, wie die meisten, die ich geschrieben habe, ist ziemlich persönlich. Ich sage nicht, dass es in all meinen Songs um eine bestimmte Erfahrung geht, aber sie sind Beobachtungen des Lebens.

    Du hast diese Platte und die Musik von Boston im Allgemeinen auch als Eskapismus bezeichnet.
    Die Musik von Boston ist für mich seit sehr, sehr langer Zeit eine Flucht. Und ich hoffte immer, dass sie auch für andere eine Flucht sein konnte, wenn sie das Album auflegen.

    Dazu bescherte es dir, bis Guns N’ Roses daherkamen, das meistverkaufte Debüt in der Geschichte amerikanischer Musik.
    Ich habe nie Erfolg erwartet, niemals. Ich hatte Glück.

    1 Kommentar

    1. Hallo Leute,
      ich bin ein sehr alter Fan von Boston.
      Noch aus Zeiten von LPˋund Röhrenradios.
      Man hörte abends noch die Hitparade im Radio…
      Boston gehört für mich dazu, genau wie die Eagles…
      Insofern ist man immer wieder in Trauer um die Musiker dieser Zeit.
      Schön zu hören, wenn Namen aus den Siebzigern nach wie vor auf Tour gehen aus Spass an der Sache…
      Gesundheit und Gelassenheit für die Zukun ft wünsche ich EUCH….

      Achim aus Berlin

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