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Def Leppard: A wild ride over stony ground

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def leppardElf Studioalben, Dutzende Hitsingles, mehr als 100 Millionen verkaufte Platten, ein beinahe tödlicher Autounfall, ein tragischer Todesfall… Das und noch so viel mehr ist die Geschichte der ersten 40 Jahre von Def Leppard.

Er hat sich verspätet. Was ungewöhnlich ist. In den vier Jahrzehnten, die ich ihn nun schon kenne, war Joe Elliott immer absolut professionell – selbst wenn es ihm schlecht ging. Doch heute, na ja, hey, er hat verpennt! In London ist es noch früher Morgen und er beginnt gerade mit einem zwölfstündigen Interview- und Promo-Marathon. Nachdem sie sich jahrelang gegen die digitale Strömung gestemmt hatten, haben Def Leppard schließlich doch noch ihren gesamten Backkatalog zum Streaming freigegeben. Mit dem Ergebnis, dass legendäre Leppard-Klassiker wie PYROMANIA und vor allem HYSTERIA rund um den Globus in höchste Chartregionen geschossen sind.

„Wir haben uns so lange dagegen gewehrt, weil wir unseren Vertrag mit unserem ursprünglichen Label Mercury zu einer Zeit unterschrieben hatten, als noch nicht mal die CD erfunden war, ge­­schweige denn auch nur die Idee existierte, sämtliche Musik auf deinem Telefon abzurufen“, erklärt Elliott. „Damals gab es ja noch nicht mal Handys. Als der Vertrag dann [2009] auslief, konnten wir ohne Druck von irgendjemandem entscheiden, was wir tun wollten. Doch wir waren permanent unterwegs auf Tour, die Leute kauften immer noch CDs und wir haben uns einfach bis vor ein paar Jahren überhaupt nicht mit dem Thema auseinandergesetzt.“

Und hier sitzt er nun an diesem Morgen, in einem alten T-Shirt, schläfrig, gerade aus dem Bett gestiegen. Trotzdem sieht er ein Jahrzehnt jünger aus als sein tatsächliches Alter: 58. Er hat immer noch die schmutzig-blonde Färbung in seinem halblangen, mehr oder weniger glatten Haar, die besser zu ihm passt als sein natürliches rauchdunkles Grau. Vor allem hat er überhaupt noch Haare.

Wir trinken Kaffee und er kippt sich einen Berg Zucker in seinen Cappuccino. Er erzählt von Filmaufnahmen für die BBC-Talkreihe „The One Show“, die er gerade mit Rick Savage gemacht hat, wo sie in den winzigen Raum in einer Löffelfabrik in Sheffield zurückkehrten, in dem sie als Teenager probten, um dort eine Akustikversion von ›Pour Some Sugar On Me‹ zu spielen. Das Gebäude ist denkmalgeschützt, sieht von außen also immer noch genauso aus. Doch innen wurde es über die Jahre renoviert. „Das ist jetzt sehr künstlerisch dort, mit Schneidern, Malern und so. Doch als ich aus dem Fenster sah, war es, als hätte man mich zurück ins Jahr 1978 gebeamt.“

Ein guter Startpunkt. Wie alt warst du, als du Sheffield verlassen hast?
21. Ich packte einen Koffer und eine Kiste voll Zeug und zog nach der ON- THROUGH-THE-NIGHT-Tour nach London. Aber von zuhause war ich da eigentlich schon ausgezogen, denn die Tour bedeutete ja, dass ich wegging. Ich brauchte da einfach mein eigenes Zu­­hause. Ich hatte verdammt noch mal ein Album gemacht!

Dann zogst du nach London in eine Wohnung, die dem einstigen Lep­pard-Schlagzeuger Frank Noon ge­­hörte und die du später als „Verbindungshaus“ bezeichnetest.
Das war fantastisch. Da war ich, dann Bernie Tormé, Frank, Colin Bond, der [bei Stampede] Bass spielte. Im Prinzip war es ein Wohnklo, für 130 Pfund im Monat.

Wie alt warst du, als das Geld richtig zu fließen begann?
Selbst bis PYROMANIA, wo wir schon große Hallen füllten, verdienten wir noch 30 Pfund die Woche. Als ich mit meiner Freundin in Isleworth lebte, be­­zogen wir beide Arbeitslosengeld. Auf Tournee bekamen wir dann 100 Dollar die Woche. Da fragt man sich schon, wie es irgendjemand je schaffte, sich zu besaufen. Ich weiß noch, wie wir im September 1983 in Las Vegas waren. Da zog ich los und kaufte endlich eine Vi­­deokamera, weil ich diese Erlebnisse aufzeichnen wollte. Die kostete rund 500 Pfund, also musste ich mir von [Leppard-Manager] Peter Mensch einen Vorschuss holen – obwohl wir zu dem Zeitpunkt schon sechs Millionen Platten verkauft hatten.

Ihr wurdet damals gerne mit der NWOBHM-Szene in Verbindung ge­­bracht – vor allem durch die Berichterstattung im Magazin „Sounds“ –, doch eure musikalischen Einflüsse hatten tatsächlich kaum etwas mit Metal zu tun. Du warst ein großer Bowie-Fan, liebtest Queen, Rod Stewart, Elton John…
Richtig. Meine Lieblingsphase von Bowie war von SPACE ODDITY bis DIAMOND DOGS, denn das war Glamrock. Mott The Hoople liebte ich ebenfalls. Als dann Queen aufkamen und Bowie mit YOUNG AMERICANS in das überging, was er als seine „Plastik-Soul“-Zeit bezeichnete, mochte ich die Platte zwar auch, aber hörte nun mehr Queen. Vielleicht ziehen mich Bands ge­­nerell mehr an. Der Gang-Faktor, weißt du? Die ersten beiden Konzerte, auf denen ich je war, waren T. Rex und die Faces. Komplett unterschiedliche Bands, aber sie waren großartig! Ich war elf oder zwölf. Als nächstes sah ich Hunter-Ronson im März 1975. Da war ich 16, und das war auch umwerfend. Ab diesem Zeitpunkt ging ich dann auf so ziemlich jedes Konzert, das in der [Sheffield] City Hall stattfand – Sparks, Roxy Mu­­sic, Lynyrd Skynyrd, Thin Lizzy, Budgie. Der erste Auftritt von Rush in Großbritannien überhaupt war in Sheffield. Einmal sah ich in derselben Woche Styx, gefolgt von The Clash.

Und doch wart ihr dann 1979, 1980 eine „New wave metal“-Band, ob es euch gefiel oder nicht.
Ich war froh, dass wir im „Sounds“ waren, aber dann sah ich mir einige der Artikel über uns an und dachte nur, „Mann, wo genau seht ihr die Verbindung zwischen unserem musikalischen Stil und dem von beispielsweise Vardis?“ Uns in einen Topf mit der NWOBHM-Szene zu stecken, war, als hätte man uns mit Duran Duran und Spandau Ballet verglichen.

Als ihr dann nach Amerika kamt, war es damit vorbei.
In den USA waren wir einfach nur Def Leppard. Sie verglichen uns mit niemandem, sondern fuhren einfach drauf ab und schmissen es in den riesigen Topf all der Dinge, die man dort damals im Radio spielte.

War es immer euer Ziel gewesen, in Amerika groß zu werden?
Es war nicht der Topf voll Gold am Ende des Regenbogens, es war ein Teil des großen Ganzen. Aber es war nie das ultimative Ziel. Du weißt, wie hart wir dafür arbeiteten, in Großbritannien den Durchbruch zu schaffen. Du weißt, wie viel es uns bedeutete, als wir hier endlich einen Hit landeten. Amerika war einfacher, weil es größer war. Großbritannien war viel schwerer. Es gab nur einen Radiosender, während es in den USA in jeder Stadt zwei gab – die auch noch 24 Stunden am Tag liefen. Was hatten wir zuhause? Tommy Vance, der freitagabends zwei Stunden auf Sendung war? Wir versuchten es und versuchten es, und letztlich gelang es dann Bon Jovi für uns. Zwischen PYROMANIA und HYSTERIA veröffentlichten Bon Jovi SLIPPERY WHEN WET und schafften es, den Rock wieder ins Radio zu bringen. Was es dann für Leppard viel leichter machte, endlich auch in Großbritannien ak­­zeptiert zu werden.

Davor wurdet ihr aber sogar von den britischen Rockfans verspottet: Ihr wart die angeberischen Bastarde, die sich für ein paar Yankee-Dollars verkauft hatten.
Man kritisierte uns dafür, uns an Amerika verkauft zu haben, weil wir einen Song namens ›Hello America‹ geschrieben hatten. Das war ich in einem Keller ohne Licht, der um jeden Preis aus diesem Keller raus wollte. Mehr war da nicht dran. Wir wollten Amerika genauso sehr, wie es Maiden wollten. Maiden mussten dafür aber anders als wir keine Prügel einstecken. Wir wollten es ge­­nauso, wie Zeppelin es bekommen hatten. Wir wollten es, aber wir wollten es überall. Unser Ziel war die Weltherrschaft. Unser Selbstverständnis war nicht das einer kleinen örtlichen Band. Wir zielten darauf ab, die größte Band der Welt zu sein.

Es half euch wohl sehr, dass ihr schon früh das kleine Management-Team aus eurer Heimat verlassen hattet, um beim einstigen Mercury-A&R-Boss Cliff Bernstein und seinem Partner Peter Mensch zu unterschreiben, ehemals bei Lieber-Krebs – damals eine der größten Rock-Managementfirmen der USA, die Aerosmith, AC/DC, die Scorpions etc. betreute.
Unseren Plattenvertrag hatten wir sogar schon unterzeichnet, bevor Peter und Cliff ins Spiel kamen. Peter Mensch lernten wir überhaupt erst richtig kennen, als wir [im Oktober 1979] mit AC/DC auf der HIGHWAY-TO-HELL-Tour wa­­ren. Rick Allen sagte zu ihm: „Ich will, dass du vor der Tür stehen bleibst und dir dieses Gespräch anhörst“, das wir mit unseren einstigen Managern Frank Stuart-Brown und Peter Martin führten. Denn sie verstanden einfach nicht, was wir tun wollten. Eines Tages sagte [Lep­­pard-Gitarrist] Pete Willis zu Frank Stuart-Brown: „Wieso unterbrechen wir das Konzert nicht einfach in der Mitte, um mit Spielkarten zu jonglieren?“ Und der Typ antwortete: „Tolle Idee!“ Pete sagte: „Ich verarsche dich, du Vollidiot!“ Da hatten wir dann ein Meeting und sagten: „Peter, wir wollen, dass du unser Manager wirst.“ Er stimmte zu, aber sag­­te, dass das Konsequenzen haben wür­de. Im Wesentlichen mussten wir die Tantiemen an den ersten beiden Alben an Martin und Stuart-Brown abtreten, denn so war die Vertragslage. Was aber ganz gut ausging, denn diese ersten beiden Platten verkauften sich nicht so gut wie erwartet. Steve [Clark] hatte seine Zweifel daran, Pete Martin loszuwerden, denn er war sein Saufkumpel, doch wir anderen waren dafür.

Der andere wichtige Name, der großen Einfluss auf euren frühen Erfolg hatte, war der legendäre Produzent Robert John „Mutt“ Lange.
Das erste Album ON THROUGH THE NIGHT hatten wir ziemlich schnell in nur ein paar Wochen mit dem Produzenten Tom Allom aufgenommen, der da­­mals für Judas Priest arbeitete. Am An­­fang hatten wir keine Vorstellung davon, wie wichtig Mutt für uns werden würde. Wir hofften einfach, dass er für uns dasselbe bewirken würde wie für AC/DC, Foreigner und die Boomtown Rats. Er ließ damals ziemlich harte Disziplin walten, aber das musste er auch. Damals dachten wir noch, dass man Platten eben so machte, wie wir das mit Tom Allom ge­tan hatten, wo wir im Wesentlichen einfach unser Live-Set im Studio spielten. Auf HIGH’N’DRY drehte Mutt mich und Rick Allen dann so richtig durch die Mangel. Geoff Barton schrieb in seiner Rezension in „Sounds“, dass die wichtigste Veränderung im Vergleich zum Debüt mein Gesang sei. Und das stimmte. Mutt ließ mich begreifen, dass tief in mir ein echter Sänger steckte, nicht nur ein Typ, der so tat, als sei er einer. Und er wusste, dass Rick ein toller Schlagzeuger war, doch er wollte nicht, dass er sich einfach nur auf das verließ, was er schon konnte. Er trieb ihn dazu, das nächste Level zu erreichen. Und bei den Gitarren war es genauso, er arbeitete sehr hart mit ihnen. Was mit Pete einfach war, weil er fantastisch spielte – wenn er nicht gerade von Drogen und so abgelenkt war. Steve dagegen steckte in seinem winzigen Schneckenhaus und hatte Todesangst davor, da rauszukommen. Sav spielte Bass, was Mutts Instrument war, als er selbst noch mit einer Band auftrat. Er pushte uns immer und immer wieder, bis wir sagten: „Fick dich, ich mache das nicht noch mal.“ Worauf er dann antwortete: „Na gut. Dann machen wir es eben morgen.“ Wir fragten ihn dann: „Sprichst du immer so mit Leuten in Bands?“ Und er nur: „Yeah.“

Mutt Lange produzierte schließlich jene zwei Meisterwerke – PYROMANIA (1983) und HYSTERIA (1987) –, die nicht nur zu den Bestsellern in der Karriere von Def Leppard werden sollten, sondern die einen komplett neuen Maßstab dafür setzten, was eine Rockplatte in den 80ern erreichen konnte. Auf diesen beiden Meilensteinen bauten die Briten ihre Karriere auf. Doch jene Jahre sollten sich auch als äußerst schwierig für die Band erweisen. Kurz vor Beginn der Aufnahmen zu PYROMANIA wurde Pete Willis gefeuert, dann folgte am 31. Dezember 1982 der schwere Autounfall, bei dem Rick Allen seinen Arm verlor – ebenfalls zu Beginn von Albumsessions. Und nur ein Jahr nach Ende der Tour zu HYSTERIA starb dann Steve Clark.

Ist es richtig, zu behaupten, dass Pete Willis nicht nur aufgrund seiner Al­­kohol- und Drogenprobleme gefeuert wurde – ihr mochtet ihn einfach sowieso nicht mehr besonders?
Ich glaube nicht, dass Pete ein großer Kokser war. Er kiffte und soff viel. Aber sobald es dunkel wurde und er getrunken hatte, wurde er aggressiv. Es hatte auch nichts damit zu tun, dass er nicht seinen Beitrag geleistet hätte – schließlich war er Co-Autor von PYROMANIA. Doch im Grunde genommen kam die Magie darauf von Mutts Arrangements und dem Material von Sav und Steve. Pete ließ mal die eine oder andere Idee einfließen. Doch wenn ihm nicht gefiel, was wir taten, hielt er sich einfach ganz raus. Ich denke mal, er hielt nicht viel von der Richtung, in die wir uns als Band entwickelten. Wir wollten ein bisschen mehr in eine kommerzielle Pop-Richtung gehen, und das gefiel ihm überhaupt nicht.

Pete sagte zu mir, dass er angeboten habe, als letzter Ausweg zu einem Psychiater zu gehen, wie es Steve ge­­tan hatte, aber dass ihr das alle abgelehnt habt. Ist das wahr?
Das ist absolut wahr. Alle – Mensch, Bernstein, Freunde, Familie, Roadies, andere Bands – fragten uns, wie viele allerletzte Chancen wir diesem Typen noch geben würden. Wir hatten ihm Hunderte gegeben. Ich rief Phil [Collen] auf der HIGH’N’DRY-Tour an und sagte: „Kannst du innerhalb von zwei Tagen zwölf bis 14 Songs einstudieren? Denn wenn du das kannst, feuern wir ihn jetzt sofort.“ Da wurde ich dann noch mal be­­sänftigt. Steve trank erst am Ende einer Show. Er kam nie ins Studio und war unfähig, zu spielen. Wenigstens nicht bis ganz am Ende. Doch mit Pete war das schon zwei Jahre so gegangen. Ich weiß noch, wie Mutt mal zu uns kam, lachte und sagte: „Ihr müsst kommen und euch dieses Solo anhören.“ Also gingen wir in den Raum, wo Pete versuchte, auf dem Rücken seiner Gitarre zu spielen, so be­­soffen war er. Zwei Flaschen Brandy, und als er am nächsten Tag aufstand, konnte er nicht mal stehen. Da wurde ich richtig wütend, denn er hatte uns versprochen, dass das nicht mehr passieren würde. Dann kam also der Tag des WM-Finales 1982, und wir ließen Pete von Sheffield nach London bringen – sehr unangenehm für den Typen, der ihn fahren musste. Alle wussten, was passieren würde. Wir sagten, wir können das nicht mehr ertragen. „Es tut mir leid, Pete. Es tut mir wirklich, wirklich leid, aber wir sind fertig mit dir.“ Er antwortete: „Was, wenn ich zu einem Psychiater gehe?“ Und es war ich, der das ablehnte. „Nein. Wenn du wirklich dächtest, dass sich das Problem so lösen ließe, hättest du es schon getan.“

Was dachtet ihr, das Phil in die Band einbringen würde?
Erstens ist er ein brillanter Gitarrist, Songwriter und Sänger. Doch als er damals einstieg, wusste ich noch nicht mal die Hälfte davon. In musikalischer Hinsicht kauften wir in derselben Woche dieselben Platten, als wir aufwuchsen. Das wusste ich da auch noch nicht, aber als wir uns dann zusammensetzten, waren all diese Sachen im Hintergrund und warteten darauf, diskutiert zu werden. Wir streiten uns bis heute darüber, wer von uns zuerst das Debüt von Montrose gekauft hat. Als Girl [deren Gitarrist Collen war] in Sheffield für UFO eröffneten, hatte er bei meinen Eltern übernachtet. Wir hingen also ab, ich, Steve, Phil und [Girl-Sänger] Phil Lewis. Dann gingen wir ins Genevieve, eine Disco, und fragten, ob wir auf dem Equipment der Band Sledgehammer spielen dürften. Ich ging ans Schlagzeug, Steve an den Bass, Phil an die Gi­­tarre und Phil Lewis sang. Wir spielten dann ›You Really Got Me‹ und ›Do You Love Me‹ von Kiss. Das hat unglaublichen Spaß gemacht. Steve legte sich auf dem Schlagzeugpodest hin und schlief ein. Aber das tat er nicht, ohne vorher versucht zu haben, alle zu verprügeln. Pete war ein richtiges Arschloch, wenn er getrunken hatte. Alle anderen in der Band kotzten einfach und schliefen ein. (lacht) Bis Steve einschlief und nie wieder aufwachte. Wir haben in dieser Band schlimme Probleme mit Alkohol gehabt. Pete konnte nicht damit umgehen, und Steve letztlich auch nicht. Doch damals, als es noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden war, hätten wir Steve niemals gefeuert, denn er hatte immer noch gute Ideen, und am nächsten Tag war er nach einer Dusche und einem Frühstück wieder in Ordnung. Er trank absolut niemals vor der Zugabe.

Als PYROMANIA so spektakulär durch die Decke ging, wart ihr da erleichtert, überrascht, verängstigt… was passierte da mit euch?
Ehrlich gesagt waren wir da an einem Punkt in unserem Leben, wo wir dachten, das wurde aber auch Zeit. Wir fanden, dass es uns zustand. Schließlich sahen wir uns die Konkurrenz an und dachten, dass unsere Platte nicht nur ge­­nauso gut, sondern auch besser war als die von Bands, die erfolgreicher waren als wir. Als wir dann endlich an der Reihe waren, sahen wir einander an und sagten, yeah, wir haben das Richtige getan. Das ist exakt das, was wir wollten. Unser erster Gig mit Phil in der Band war dann im Februar 1983 im Marquee in London. Sieben Monate darauf spielten wir im Mac Murphy Stadium in San Die­go, die letzte Show der US-Tournee, vor 55.000 Leuten.

Diese US-Tournee hatte begonnen, als ihr für Billy Squier die Vorgruppe wart, doch eure T-Shirts verkauften sich zehnmal so gut wie Squiers. Dann hattet ihr eure eigene Headliner-Tour mit Uriah Heep als Vorband, dann Gary Moore. Und unterdessen wurde das Album zum Bestseller.
Die Headliner-Tour war am Anfang noch etwas durchwachsen. Die erste Show war irgendwo in Texas, wo 4.000 oder 5.000 Leute in dieser Halle waren, in die 10.000 passten. Drei Wochen später kam es dann richtig ins Rollen, als [die Single] ›Photograph‹ zum Hit wur­de, und ›Rock Of Ages‹ zementierte das Ganze dann. Im Juni, also nur sechs Wochen später, verkauften sich unsere Tickets schneller als die auf der letzten Tour von Led Zeppelin – ganze Hallen waren in drei Minuten ausverkauft!

Was das perfekte Sprungbrett für das nächste Album gewesen wäre. Doch Mutt war mit FOREIGNER 4 beschäftigt, also holtet ihr Meat-Loaf-Strippenzieher Jim Steinman als Produzenten ins Boot, was schiefging.
Und das ist noch untertrieben. Letztlich beriefen Steve und Phil eine Bandkonferenz ein und sagten, dass er weg muss. Ich arbeitete nicht mal mit ihm, denn es kam gar nicht erst so weit, dass ich auch nur einen Ton der Vocals einspielte. Ich weiß aber noch, was für Sachen Steinman so anstellte. „Ich will den Teppich im Kontrollraum auswechseln, die Farbe gefällt mir nicht.“ Er hatte auch schon den Teppich in seinem Hotel neu verlegen lassen. Beim Essen reichte man ihm die Speisekarte, die er dann total arrogant seinem Assistenten hinwarf, und dann sagte er einfach nur: „Bestell einfach eins von allem.“ Yeah, aber wir bezahlen das! Fick dich!

Gewinnspiel: Hier gibt’s Tickets für Wolfmother

Wolfmother PressCLASSIC ROCK verlost Tickets für die kommenden Shows von Wolfmother.

Im Juni kommt Andrew Stockdale mit seinem Projekt Wolfmother für zwei Konzerte nach Deutschland. CLASSIC ROCK verlost je Show zwei Tickets.

Wenn ihr also im Sommer mit dem australischen Lockenkopf um die Wette rocken wollt, dann schreibt uns ganz einfach eine Mail mit dem Stichwort „Wolfmother“ an verlosung@crmag.de und vergesst nicht, eure Wunschstadt anzugeben. (Teilnahmeschluss: 26.04.2019)

CLASSIC ROCK präsentiert Wolfmother live:

18.06. Leipzig, Parkbühne
20.06. Wiesbaden, Schlachthof

Stray Cats: Neues Album plus Tour

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Stray Cats Album und Tour40 Jahre Stray Cats: Das feiern die Rockabilly-Stars mit ihrer ersten Platte seit mehr als 20 Jahren – und vier Shows in Deutschland.

Die Stray Cats sind zurück: Brian Setzer (Gitarre, Gesang), Lee Rocker (Bass, Gesang) und Slim Jim Phantom (Schlagzeug, Gesang) feiern das 40-jährige Jubiläum ihrer Band mit dem durchaus passend betitelten Album „40“. Das erscheint am 24. Mai und kommt mit 12 Songs daher, von denen es einen bereits zu hören gibt (siehe unten).

„Das Album fühlt sich an, als wäre es unser erstes, es ist so natürlich“, sagt Lee Rocker. „Während der Aufnahmen taten wir so, als würden wir ein Konzert spielen. Wir standen nebeneinander in einem Raum und nahmen alles live auf.“

Apropos live: Im Juli kommen die Stray Cats dann mit den neuen Songs auf Deutschland-Tournee.

Die Stray Cats live:

03.07.19 Berlin, Columbiahalle
04.07.19 Köln, Palladium
09.07.19 Stuttgart, Killesberg
11.07.19 München, Zenith

Die Songs auf „40“:

1. Cat Fight (Over A Dog Like Me)
2. Rock It Off
3. I’ve Got Love If You Want It
4. Cry Danger
5. I Attract Trouble
6. Three Time’s A Charm
7. That’s Messed Up
8. When Nothing’s Going Right
9. Desperado
10. Mean Pickin’ Mama
11. I’ll Be Looking Out For You
12. Devil Train

Steven Wilson: Wettert gegen Greta Van Fleet

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Greta Van Fleet Album 2019Einige Musiker haben ja bereits ihre Zweifel an dem Hype um Greta Van Fleet geäußert. Steven Wilson findet dafür sehr klare Worte.

In einem jüngsten Interview sprach Steven Wilson über die Hürden und Lasten des Musikerdaseins und äußerte sich in diesem Kontext mehr als abschätzig gegenüber den Newcomern von Greta Van Fleet:

„Kennst du diese schreckliche Band namens Greta Van Fleet? Ich finde die entsetzlich, schrecklich. Ein einziger Witz. Trotzdem sind sie ein Paradebeispiel von einer Band, weil sie junge, hübsche Jungs sind, die aussehen wie eine Boyband. Aber sie ziehen halt diese hundsmiserable, drittklassige Imitation von Led Zeppelin durch. Nur weil sie süß sind und die kommerzielle Maschinerie im Rücken haben, wurde es ihnen ermöglicht, ein massives Publikum zu erreichen. Trotzdem bin ich sicher, dass in zehn Jahren kein Hahn mehr nach ihnen krähen wird.“

Außerdem fügte er hinzu: „Vielleicht liege ich ja auch falsch und sie werden plötzlich zu einer guten Band, die eine gute Platte macht. Der springende Punkt ist aber: Aktuell sind sie es nicht.“

CLASSIC ROCK präsentiert: Band Of Horses live!

Band Of Horses Press 2019
©Junn_BandOfHorses-2
Die Band Of Horses kommt für eine exklusive Show nach Deutschland!

Wann genau die Band Of Horses ihr geplantes neues Album veröffentlicht, steht noch in den Sternen. Sicher ist jedoch, dass die verträumte Truppe in diesem Sommer für genau ein einziges Konzert nach Deutschland kommt.

Am 26. Juni spielen Ben Bridwell und Konsorten im Heimathafen in Berlin.

Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen zu erwerben.

Iron Maiden: Steve Harris über die Angst um seine Band

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sreve harris iron maidenSteve Harris über den Kampf von Bruce Dickinson mit dem Krebs, ein gewichtiges neues Album und was die Zukunft für Iron Maiden bereit hält – wenn es denn eine für die Band gibt…

Es sind noch vier Wochen, bevor Iron Maiden ihre Welttournee 2016 (und 2017) ankündigen werden, als Steve Harris mit CLASSIC ROCK spricht. Es ist ein warmer Abend in Bristol und Harris ist in einem Schuppen, der tatsächlich den deutschen Namen „Bierkeller“ trägt. Einer dieser kleinen Läden der Stadt, bei dem man unter Entertainment vor allem Cover- oder Tanzbands versteht, und in denen ein Aroma von abgestandenem Bier hängt. „Schön hier, nicht wahr?“, sagt er. Für den Bassisten ist das ein Platz, der Erinnerungen an die frühen Tourneen der Band in den späten 70ern zurückbringt. Heute hat ihn jedoch ein Auftritt mit British Lion hierhin geführt, seiner anderen Band, wenn Iron Maiden pausieren.

Im Laufe der nächsten acht Tage stellen sich alle sechs Mit­­­glieder von Iron Maiden einem eigenen Interview: Bruce Dickinson in London, die anderen rufen aus ihrer jeweiligen Heimat an, aus Großbritannien, Florida und Hawaii. Steve Harris entscheidet sich für eine stille Ecke, um sich zu unterhalten, abseits vom Lärm im „Bierkeller“. Der Tourbus, in dem British Lion unterwegs sind, bietet einen Grad von Luxus, der in scharfem Kontrast zu den Clubs steht, in denen British Lion gemeinhin auftreten. Ein Luxus, den sich Harris allerdings auch locker erlauben kann. Doch obwohl er ein Rockstar und Multimillionär ist, macht er darum kein Aufheben. Er trägt T-Shirt und kurze Ho­­sen. Sein East-End-Akzent hat sich nicht abgeschliffen, auch nicht die gerade und direkte Art und Weise, in der er spricht.

Es gibt nur einen erkennbaren Unterschied zwischen dem heutigen Steve Harris und dem von früheren Interviews. Für einen Mann, für den es nie einfach war, über sein persönliches Leben und seine Gefühle zu sprechen, ist er nun offener und weniger vorsichtig. Das kommt, teilweise zumindest, von den Erfahrungen im vergangenen Jahr: Es ist nicht nur die Angst, dass Bruce es möglicherweise nicht schaffen könnte, sondern auch die Erkenntnis, dass ihm die Zukunft seiner Band größtenteils aus den Händen genommen wurde.

Kannst du den Moment beschreiben, als du erfahren hast, dass Bruce Krebs hat?
Das war natürlich ein riesiger Schock, für ihn und für jeden anderen.

Du hattest nicht nur Angst um Bruce, sondern auch um die Zukunft der Band. Dachtest du, das könnte vielleicht das Ende sein?
Mir wurde klar, dass es das sein könnte. Das war extrem deprimierend.

Wann hast du dich mit Bruce in Verbindung gesetzt?
Ich habe ihn für eine Weile allein gelassen, ihm nur ein paar SMS geschickt und alles Gute gewünscht, aber ich habe gewartet, bis er mit mir sprechen wollte. Er hatte damals recht schnell mit der Behandlung angefangen, deswegen wollte ich ihn nicht fragen, wie es um ihn steht. Mir war klar, dass er sowieso nicht in der Lage sei, zu reden. Deswegen schickte ich ihm eine SMS, in der nur stand: „Ruf mich an, wenn du dazu bereit bist.“ Und irgendwann hat er das dann auch getan.

War das eine schwierige Unterhaltung?
Natürlich. Überraschenderweise klang seine Stimme wie immer. Er wirkte nicht angeschlagen. Aber er sagte mir, dass sie ihn bei der Behandlung durch die Mangel gedreht hätten. Es war schwer für ihn, darüber zu sprechen.

Und nun, nachdem sich die Behandlung als erfolgreich herausgestellt hat, was passiert jetzt?
Hoffentlich sage ich das jetzt nicht zur falschen Zeit, aber das größte Problem ist nun, dass seine Schleimhäute völlig ausgetrocknet sind. Ich habe gelesen, dass der alte Zustand nicht zu einhundert Prozent zurückkehren wird. Aber so, wie ich Bruce kenne, ist bei ihm alles möglich.

Wann hat er wieder angefangen, zu singen?
Als ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe, sagte er mir, er hätte noch nicht gesungen. Aber ich wusste, dass er log. Jemand hatte mir erzählt, dass er es schon versucht hätte und dass es okay geklungen habe. Wir wollen aber nicht, dass er rennt, bevor er gehen kann. Und Bruce ist nun einmal sehr ungeduldig bei dem Versuch, seine alte Stärke zurückzuerhalten. Aber er ist kein Idiot. Deswegen touren wir auch nicht in diesem Jahr. Er braucht Zeit, um sich zu erholen und zu genesen.

Hal Blaine: Schlagzeuger-Ikone mit 90 gestorben

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Hal Blaine gestorbenEr spielte Schlagzeug auf Jahrhundert-Songs wie ›Be My Baby‹ und ›Good Vibrations‹. Jetzt ist Hal Blaine im Alter von 90 Jahren gestorben.

Hal Blaine ist tot. Der Drummer starb am Montag (11. März) mit 90 Jahren. Das bestätigte seine Familie, die sich dabei „für die Unterstützung und die Gebete aus aller Welt“ bedankte, via Facebook. Die Todesursache ist bisher nicht bekannt.

Blaine war am 5. Februar 1929 in Holyoke, Massachusetts zur Welt gekommen. In den 60ern wurde er Teil der Wrecking Crew, der wohl bekanntesten Studioband aller Zeiten. Er spielte Schlagzeug auf Hits wie ›Be My Baby‹ von den Ronettes (und weiteren Phil-Spector-Produktionen) oder ›Good Vibrations‹ von den Beach Boys (auf deren Album PET SOUNDS er ebenfalls zum Einsatz kam).

Auch zu Simon & Garfunkels ›Bridge Over Troubled Water‹ steuerte er die Drums bei, ebenso wie zur Byrds-Version von ›Mr. Tambourine Man‹. 2000 wurde Blaine in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

„Ich bin so traurig, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll. Hal Blaine war so ein großartiger Musiker und Freund, ich kann es nicht in Worte fassen“, schrieb Beach Boy Brian Wilson auf Twitter. „Er hat mir viel beigebracht und er hatte so großen Anteil an unserem Erfolg – er war der größte Drummer jemals. Wir lachten auch furchtbar viel zusammen. Love, Brian.“

Ronettes-Sängerin Ronnie Spector bedankte sich bei Blaine „für all die Magie, die er auf all unsere Ronettes-Aufnahmen gepackt hat… und auf so viele andere in seiner unglaublichen Karriere“.

Die reine Polemik: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Was denn eigentlich? Ach, so dies und das über Rock’n’Roll, Erziehungsanstalten und Crackhuren im Kofferraum. Aber Tiere kommen auch vor. Ponys und Schäferhunde. Sie können also beruhigt weiterlesen.

Nachdem nun in allen Landtagen eine politische Kraft vertreten ist, die laut Selbstauskunft mittels Kulturpolitik vor allem die nationale Identität fördern will und Spielstätten als patriotische Erziehungsanstalten begreift, müssen wir den Rock’n’Roll, dieses scharfe Schwert anglo-amerikanischer Besatzungs-Unkultur, doch auch bei KLASSIK ROCK in ganz neuem Licht betrachten, oder? Sollten wir nicht, wie einst schon von Walter Ulbricht gefordert (und der kannte sich echt aus in der Welt der Populärmusik), jetzt endlich einmal Schluss machen mit diesem Yeh-Yeh oder wie das alles heißt? Immerhin werden in dieser Publikation bislang die Werke von Musikern aus allerlei Herkunftsländern propagiert, manche davon können außer „bidde ain Beer unn ain Brattwörst“ kein Wort Deutsch und sind nicht einmal blond und blauäugig, was der zersetzenden Kraft des Multikulti, bis hin zur kompletten Umvolkung, doch nur weiteren Vorschub leistet. Un-ver-ant-wort-lich!

Deshalb werden hier künftig keine Geschichten mehr über angelsächsische Kolonisatoren wie „Tiefes Purpur“, „Kanonen und Rosen“ oder „Wechselstrom/Gleichstrom“ zu lesen sein, aber auch diese Kapelle aus Niedersachsen wird solange totgeschwiegen werden, bis sie sich in „Die Skorpione“ umbenannt, den „Gorki Park“ in ihrem be­­rühmtesten Schlager durch „Volkspark Friedrichshain“ ersetzt hat und endlich in heimischem Idiom den ›Wind des Wechsels‹ lobpreist. Sollte uns aus Versehen dennoch mal ein fremdländischer Künstler ins Heft rutschen, bitten wir die aufmerksamen Leser da­­rum, bei der eilig einzurichtenden Bundeskulturkammer, Unterabteilung „Meldebehörde für un­­deutsche Umtriebe in Musikmagazinen“, umgehend Meldung zu machen, damit wir angemessen gemaßregelt werden!

Beseelt vom neuen Umerziehungsauftrag wollen wir doch gleich mit der deutschsprachigen Musikgruppe Feine Sahne Fischfilet beginnen, denn die hat auf ihrer jüngsten Platte namens STURM & DRECK ein Heimatlied mit dem schönen Titel ›Zuhause‹ und der identitätsstiftenden Textzeile „ich bleib dabei – für eine grenzenlose Welt“. Egotronic und ihre Auseinandersetzung mit dem ›Exportschlager Leitkultur‹ wollen wir ebenso vorstellen wie das Berliner Damenquartett mit dem aufrüttelnden Namen Die Toten Crackhuren im Kofferraum, das auf so unterhaltsame Weise ›Ich und mein Pony‹ singt. Was mit Tieren geht immer.

Wird das die Kulturreaktionäre in Deutschlands Gauen zufriedenstellen? Vermutlich nicht. Die werden sagen: „So war das nicht gemeint, die sind ja alle total linksgrün-versifft, wir dachten eher an die Klassiker der deutschen Kultur!“ Aber das tun wir doch auch! So ganz spontan etwa an Die Ärzte und eine tiefgreifende Textanalyse ihres Liedes ›Claudia hat ’nen Schäferhund‹. Einen echten biodeutschen Schäferhund, ich bitte Sie! Keine gute Idee? Wir haben verstanden: Was mit Tieren geht doch nicht immer. Sie bevorzugen was Sauberes, wirklich Erbauliches aus der guten alten Zeit, als Kritikern der Obrigkeit noch Zensur, Verbannung, Festungshaft oder Tod drohten. Sturm und Drang! Friedrich Schiller! Dem können wir dank gesunder Viertelbildung sogar ein Zitat aus seinem Bühnenreißer „Don Karlos“ zuordnen. Da sagt der Marquis von Posa zum autoritären spanischen Regenten: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ Wir ahnen es schon: auch wieder falsch.

Man kann es diesen Kultur-Blockwarten mit Hang zum Denunziantentum eben einfach nicht recht machen, deshalb blasen wir die ganze Sache lieber gleich wieder ab (war ohnehin eine Scheißidee; leider meine), schmettern ein fröhliches „Hail! Hail! Rock’n’Roll!“ und machen auch 2019 weiter wie bisher. Was das bedeutet? Rassisten und Antisemiten, Sexisten, Homophobe, Nationalisten, Faschos und Aluhut-Träger, kurzum: Arschlöcher und Deppen, müssen auch im neuen Jahr mit Widerspruch rechnen, weil uns das Kanzleramt, die geheime Weltregierung, der Mossad und sämtliche Freimaurerlogen sonst die Mittel streichen und wir dann unsere Luxuslimousinen und die Designer-Villen am Starnberger See leider nicht mehr unterhalten könnten, was wirklich schade wäre. (Falls sich die lieben Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion jetzt gerade fragen, wovon ich eigentlich rede: Ich weiß es doch auch nicht.) Aber derlei plakativer Schwachsinn liegt ja momentan voll im Trend: Man muss überhaupt keine Ahnung haben. Hauptsache, man hat zu allem eine Meinung. Und die wird man ja wohl noch sagen dürfen!