Review: Howe Gelb – GATHERED

Howe Gelb Gathered

Reisen bildet. Aber Howe Gelb ist auch so schon klug genug.

Jetzt, wo Leonard Cohen nicht mehr unter uns weilt, obliegt es eben Howe Gelb, dessen ›A Thousand Kisses Deep‹ mittels sprödem Sprechgesang wie eine Lebens­beichte klingen zu lassen, die er seinem Barkeeper anvertraut. Der poliert bereits die Gläser, irgendwann „in the wee small hours“, auch wenn Gelb das American Songbook diesmal nur sporadisch zitiert, weil er sich statt dessen im fernen Europa herumtrieb. In Dublin etwa, in Paris, Cordoba, Kopenhagen und Amsterdam. Nur: Man kriegt den Mann zwar aus Tucson raus, Tucson aber nicht aus dem Mann, er hätte die 15 Stücke von GATHERED also auch auf einem Asteroiden im Kuiper-Gürtel aufnehmen können, seine Mixtur aus Country, Jazz, eloquentem Storytelling und gelegentlichem Twang hätte das vermutlich kaum tangiert. Giant Sands lärmende Gitarrenbreitseiten gehören bekanntlich der Vergangenheit an, in seinen Solowerken dominieren die leiseren Töne, was im Idealfall subtile Klänge von fragiler Schönheit und beeindruckender Lässigkeit ergibt – bisweilen aber auch in Richtung Hörbuch tendieren kann: viel Text, allzu spartanische Begleitung. Auf GATHERED stimmt die Mischung, Miniaturen wie ›Give It Up‹ und ›The Open Road‹, das Instrumentalstück ›Anna‹ und Duette mit M. Ward, Kira Skov und Anna Karina sorgen für ausreichende Kontraste.

7/10

Howe Gelb
GATHERED
FIRE RECORDS/CARGO

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