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The Darkness – EASTER IS CANCELLED

The Darkness Easter Is Cancelled

Königliche Konzeptscheibe

EASTER IS CANCELLED ist im wahrsten Sinne des Worts die Krönung im Schaffen von The Darkness. Queen-ähnlicher, dramatischer und vielfältiger gingen die beiden Hawkins-Brüder und ihre Mitstreiter bisher noch nie ans Werk. Fast jede Nummer ist ein kleines Theaterstück à la ›Bohemian Rhapsody‹. Bei aller Verspieltheit finden die humorvollen Herren immer den Weg zum Rock und Refrain zurück. Das inhaltliche Konzept muss man dabei noch nicht einmal verstehen, denn schon rein musikalisch ist die Scheibe eine Offenbarung (auch wenn Ostern ausfällt). Justin Hawkins gibt sich am Mic oft Mercury-mäßig und technisch stets großartig, die Sounds sind breit gefächert. Harmonische Hymnen wie in ›Another Life‹ kriegt kaum eine andere Band so perfekt, pathetisch und poppig zugleich hin. Der Spannungsbogen hält den Hörer bis zum Schluss bei der Stange. Vom opernhaften Opener ›Rock And Roll Deserves To Die‹ über Bombast, Prog und Balladeskes bis hin zu den im Hardrock verankerten Abschlüssen (u. a. ›Choke On it‹) und dem finalen, vor großen Chören fast überlaufenden, Statement ›We Are The Guitar Men‹ wird man am laufenden Band positiv überrascht. God save (The) Queen and The Darkness!

8/10

The Darkness
EASTER IS CANCELLED
COOKING VINYL/SONY

Budgie: IN FOR THE KILL!

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Budgie waren Vorreiter und doch nie richtig populär. Auch für IN FOR THE KILL hatten die Kritiker damals keine guten Worte übrig…

Das vierte Album des walisischen Trios von Bassist und Sänger Burke Shelley, Gitarrist und Sänger Tony Bourge sowie Schlagzeuger Pete Boot aus dem Jahr 1974 war ein Feuerball aus reiner Proto-Metal-Energie. Stücke wie ›Crash Course In Brain Surgery‹ und ›Zoom Club‹ groovten so eigenartig wie effektiv und festigten Budgies Ruf unter den folgenden Generationen von Metalheads. Damals galt die Band als un­­cool, doch dieses Werk war eine so kraftvolle wie überzeugende Ansage.

Zeitzeugen:
„Es gibt hier nichts, was die Fantasie befeuert, sie wird nur pulverisiert. Eine Platte voller spastischer, torkelnder Riffs und kindischer Vocals.“ (Melody Maker)

Dool – SUMMERLAND

Glanzvolles Rock-Highlight voller Atmosphäre

Manchmal kann man es auch kurzmachen: Mit SUMMERLAND erfüllen die atmosphärischen Dark Rocker von Dool spielend jede Hoffnung, die in sie gesetzt wurde. Einige davon übertreffen sie sogar noch, denn so befreit, mühelos zwischen den Stilen changierend und einnehmend klangen die Niederländer nicht mal auf ihrem gefeierten Einstand HERE NOW, THERE THEN von 2017.

Von den sphärischen Harmonien des poetischen Openers ›Sulphur & Starlight‹ bis zum überwältigenden, dramatischen Abschlussmonument ›Dust & Shadow‹ erstreckt sich eine kostbare Welt, die in der Rockmusik selten geworden ist: Höchst atmosphärisch, bei allem künstlerischen Anspruch stets atmend und warm statt verkopft und theoretisch, beeinflusst von den düsteren Aspekten aus 50 Jahren elektrifizierter Musik, veredelt von Sängerin Ryanne van Dorst. Die stahl schon 2017 allen Kolleginnen die Schau und setzt auch 2020 den Maßstab für vollen, aber niemals aufgesetzten Gesang mit hohem Wiedererkennungswert und genau der
richtigen Menge Theatralik. SUMMERLAND, das ist eine sichere Bank, wird Dool als eine der wichtigsten und originellsten Stimmen der heutigen Rockmusik etablieren.

9 von 10 Punkten

Dool, SUMMERLAND, PROPHECY PRODUCTIONS/SOULFOOD

Maddie & Tae – THE WAY IT FEELS

Prima Mainstream-Country von Nashvilles Damen-Zweier

So schnell kann’s gehen: 2014 haben sich Madison „Maddie“ Marlow und Taylor „Tae“ Dye über ihren Gesangslehrer kennengelernt. Und schon ein Jahr später landeten Maddie & Tae mit ihrem Debütalbum START HERE einen massiven Top-Hit in den amerikanischen „Billboard“- Charts. Kurzum: Sie schossen von Null auf 100 in ziemlicher Rekordzeit. Wer weiß, vielleicht ging ihnen das Ganze dann aber doch etwas zu flott. Denn bis auf ein paar vereinzelte Single-Happen hielt sich das Duo mit weiteren Veröffentlichungen seitdem zurück. Doch damit ist jetzt endlich Schluss. Mit THE WAY IT FEELS geben sie ihrer längst auch in Europa zahlreich ansässigen Fangemeinde neuen Stoff: Neben den vier gelungenen, bereits als Single oder EP veröffentlichten Titeln – ›Friends Don’t‹, ›Die From A Broken Heart‹, sowie ›One Heart To Another‹ und ›Everywhere I’m Goin‘‹ – servieren die Country-Girls uns hier gleich mal elf weitere neue Songs, darunter Titel wie das rockige ›Bathroom Floor“, die erstaunlich erwachsen klingende Ballade ›My Man‹ oder das tiefschürfende ›Write A Book‹. Insgesamt 15 Tracks also – und 15 Mal unbeschwerter Country-Pop auf wirklich hohem Niveau.

7 von 10 Punkten

Maddie & Tae, THE WAY IT FEELS, MERCURY/UNIVERSAL

Video der Woche: Stray Cats – ›Rock This Town‹

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Mit unserem „Video der Woche“ wünschen wir Brian Setzer alles Gute zum Geburtstag!

Der Frontmann der Neo-Rockabilly-Legende Stray Cats feiert heute seinen 61. Geburtstag. CLASSIC ROCK gratuliert mit einem der berühmtesten Deutschland-Konzerte der Stray Cats, ihrem Rockpalast-Auftritt auf der Loreley im Jahr 1983.

Seht hier Brian Setzer mit den seinen Stray Cats live mit ›Rock This Town‹:

Nightwish – HUMAN. :II: NATURE.

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Opulentes Opus

Eins vorweg: Wer sich die neue Nightwish zu Gemüte führen möchte, muss viel Zeit mitbringen. Das 9. Studiowerk der finnischen Symphonic-Metaller bringt es auf schlappe 79 Minuten Spielzeit. HUMAN. :II: NATURE. besteht als Doppelalbum aus zwei Teilen: Nach den ersten neun Stücken folgen acht Instrumental-Titel. Aber hey, Nightwish-Chefdenker Tuomas Holopainen (Keyboard) war schon immer ein Mann großer Ambitionen. Bereits der Vorgänger, ENDLESS FORMS MOST BEAUTIFUL (2015), war ein Opus von erschlagender Opulenz. Und so spannt die Kitee-Connection einen weiteren Bogen von immenser stilistischer Weite, der von Rock bis Metal und von Folk bis Neoklassik reicht. Ausnahmesängerin Floor Jansen beweist eindrucksvoll, dass sie dieser Stilvielfalt gewachsen ist. Für den Metal-Faktor in der Band ist Gitarrist Emppu Vuorinen zuständig, der mit ruppigen Riffs wie bei ›Tribal‹, dem härtesten Song der Scheibe, Akzente setzt. Und das London Session Orchestra verleiht dem Werk einen majestätischen, teils märchenhaften Glanz.

Teil zwei von HUMAN. :II: NATURE. nähert sich stimmungsvoll dem Thema Natur an und kreiert emotionale Klangvielfalten, die auch als Filmmusik laufen könnten. ›The Blue‹ etwa erinnert an die orchestralen Kompositionen aus „Game of Thrones“. Die immense Detailverliebtheit kann mitunter überfordern und geht auf Kosten der Eingängigkeit. Die treuen Fans der Band bringen indes bestimmt genug Muße auf, um die Platte Stück für Stück zu erforschen.

8 von 10 Punkten

Nightwish, HUMAN. :II: NATURE., NUCLEAR BLAST/WARNER

Text: Matthias Bossaller

Joe Satriani – SHAPESHIFTING

Konstant kreativ

Mit seinem 17. Studioalbum präsentiert sich Joe Satriani abwechslungsreicher als je zuvor. SHAPESHIFTING vereint Hardrock, Blues, Fusion, Surfrock, World Music, Reggae, EDM und Folk zu einer
knackigen Einheit. Die Stücke erzeugen aufgrund ihrer vielfältigen Ausrichtung einen enormen Spannungsbogen, den bei einer gesangslosen LP nur ganz wenige Instrumentalisten beherrschen. Zwischen den Genreeckpfeilern gibt es zusätzlich eine Menge ausgefuchster Klangfragmente zu entdecken, die manchmal erst bei mehreren Durchläufen in die Gehörgänge springen. „Satch“ zahlt im Club der Supergitarristen sowieso seit je her zu den Big Playern und untermauert mit den 13 enthaltenen Kompositionen seine Ausnahmestellung in dieser immer kleiner werdenden, exquisiten Liga.

SHAPESHIFTING verdeutlicht zudem einmal mehr, dass Satriani auch mit komplett reduzierten Passagen enorme Aussagekraft in seinen Läufen transportiert. Joes sechs Saiten sind für das Storytelling zuständig und ermöglichen auch Nicht-Gitarristen einen leichten Einstieg in das ureigene JS-Sounduniversum. Um ein vielschichtiges Projekt wie SHAPESHIFTING umzusetzen, bedarf es natürlich auch einer erstklassigen Auswahl an Mitmusikern. Bassist Chris Chaney (Jane’s Addiction), Schlagzeuger Kenny Aronoff (u. a. Jon Bon Jovi, John Fogerty, John Mellencamp) und Joes langjähriger Sidekick Eric Caudieux (Keyboards, Rhythmusgitarre) bilden nicht nur eine perfekte Basis für die Gitarrenlegende, sondern bekommen auch genug Freiraum, um an ihren Instrumenten ein beeindruckendes Statement abzugeben.

9 von 10 Punkten

Joe Satriani, SHAPESHIFTING, LEGACY RECORDINGS/SONY

The Strokes – THE NEW ABNORMAL

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Das Comeback-Album der New Yorker braucht Zeit

Es ist fast 20 Jahre her, dass die Strokes als Rich Kids in Röhrenjeans den Rock’n’Roll gerettet haben. Nach ihrem genialen Debüt brachten sie in den Nullerjahren zwei gute, aber nicht gleichermaßen überwältigende Platten heraus. Julian Casablancas gelang mit PHRASES FOR THE YOUNG zum Ende des Jahrzehnts ein ziemlich großartiges Soloalbum, die 10er habe man sich frei genommen (obwohl zwei Alben erschienen sind), sagte der Sänger vor kurzem bei einer Show in Brooklyn: „Jetzt sind wir aufgetaut und zurück“. THE NEW ABNORMAL schließt in mancher Hinsicht an den Vorgänger COMEDOWN MACHINE von 2013 an. Wie dort durchbricht Casablancas seinen cool-gezogenen Gesang immer wieder mit Falsett-Passagen, auch die Synthesizer sind geblieben. Der Opener ›The Adults Are Talking‹ klingt fast nach The XX, ›Selfless‹ hat traumartige Teile, ›Brooklyn Bridge To Chorus‹ ist ein retrofuturistischer Synthpop-Dance-Track mit Anleihen bei Daft Punk. Klingt wild? Es geht so weiter. ›Eternal Summer‹ wirkt wie zwei Songs in einem: harter New Yorker Underground meets Funk. In ›Bad Decisions‹ ist sie wieder da, diese typische gelangweilte Strokes-Coolness, gepaart mit nervöser Indie-Energie, auch ein bisschen New Wave scheint durch.

Es gibt tranceartige, lethargische Abschnitte auf THE NEW ABNORMAL, gerade gegen Ende, übersteuernde Elektronik, verfremdete Gitarren, Nostalgie auch. In Interludes zwischen den Songs sind eine Art Regieanweisungen zu hören, auch von Produzent Rick Rubin. Diese Work-In-Progress-Atmosphäre und die funky Leichtigkeit der kurzen Zwischenspiele erinnert an Indie-R’n’B-Darling Dev Hynes, in dessen Videos sich Casablancas zwischenzeitlich herumtrieb. Es ist keine schlechte Platte, aber eine, in die man sich erst mal reinhören muss. Es kommt viel zusammen, genau wie auf dem Cover von Pop-Artist Basquiat. New-York-Ikonen unter sich.

8 von 10 Punkten

The Strokes, THE NEW ABNORMAL, RCA/SONY