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Start Blog Seite 366

Loney Dear – A LANTERN AND A BELL

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Der schwedische Songwriter setzt auf maximale Intimität

Das letzte Album von 2017 war oft hektisch, die immer wieder auch elektronischen Sounds wirkten collagenartig zusammengesetzt. Diesmal habe er „vereinfachen“ wollen, sagt der schwedische Songwriter, der eigentlich Emil Svanängen heißt. Deshalb hat er A LANTERN AND A BELL komplett allein aufgenommen, nur Stammproduzent Emanuel Lundgren war im Studio mit dabei. Bis auf mal leiseres, mal lauteres Brummen und Rauschen im Hintergrund und den ein oder anderen Chorgesang bestehen die neuen Songs denn auch vor allem aus Stimme und Klavier. Letzteres klingt, als wäre es in warme Decken gehüllt, Svanängen singt hell und zerbrechlich, ein bisschen erinnert das an James Blake oder Thom Yorke. Hier hören die Vergleiche aber auch auf.

Die neuen Lieder von Loney Dear wirken betont handgemacht, ein wenig zu sehr manchmal. Die Texte sind dunkle, melancholische Stimmungsbilder,
manchmal erkennt man konkrete Situationen: ein verlorenes Boot (mit Geflüchteten?), das auf dem Ozean treibt. Jemand versinkt mit einbetonierten Schuhen im Meer. Am Ende brennt ein Haus voll alter Erinnerungen ab. Ein intimes Album, das wenig tröstend ist.

6 von 10 Punkten

Loney Dear, A LANTERN AND A BELL, REAL WORLD/CAROLINE

›Bohemian Rhapsody‹ erreicht Diamant-Status

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Queen erreiche als erste britische Band 10 Millionen Verkäufe.

Ein weiterer Meilenstein für Queen: Mehr als 45 Jahre nach dem Erscheinen des Albums A NIGHT AT THE OPERA erreicht die Single ›Bohemian Rhapsody‹ jetzt offiziell Diamant-Status. Das bedeutet: 10 Millionen Verkäufe inklusive Streamäquivalenten. Und das obwohl der Song wegen seiner Länge von sechs Minuten 1975 umstritten war. Er markierte den ersten Top Ten Hit der Band in den USA. 2018 wurde die Single der meistgestreamte Song, der aus dem 20. Jahrhundert stammt und nur ein Jahr später erreichte die Single eine Milliarde Aufrufe auf YouTube.

Gitarrist Brian May zeigt sich begeistert: „Das sind unglaubliche Neuigkeiten. In solchen Momenten muss ich mich kneifen, um sicherzugehen, dass es wahr ist. All diese wilden Träume, die wir hatten – das übersteigt sie alle. Ein riesiges ‚Danke‘ an alle, die über die Jahre an uns geglaubt haben.“

Tomahawk – TONIC IMMOBILITY

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Erfrischendes aus der Patton-Schmiede

Gutes Timing ist alles, will man die Gunst des Zuhörers im gnadenlos umkämpften Musikbiz gewinnen – und in Zeiten von Auftrittsverboten schlicht überleben. Das weiß auch Tausendsassa Mike Patton. Clever ist er ja schon, der exaltierte Hansdampf in allen Gassen: Statt nur einem hat er sich mit zahlreichen Projekten gleich mehrere Standbeine geschaffen. Wird es mit der geplanten Europatournee seiner überlebensgroßen Stammformation Faith No More – angesichts des Kultstatus, den die Band genießt, ein Triumphzug – pandemiebedingt nichts, weicht man eben auf mehrere kleine Einnahmequellen aus – eine Strategie, an der sich so manch jammernde Künstler mit Hang zu Verschwörungstheorien ein Beispiel nehmen können.

Entfacht von der 2020 eingeläuteten Rückkehr seines Thrash-Steckenpferds Mr. Bungle, findet das Medien- und Fan-Interesse an der Persona Patton nun Futter in Form eines neuen Tomahawk-Albums. Und auf dem liefern Patton, John Stanier (Ex-Helmet), Duane Denison (The Jesus Lizard) und Trevor Dunn (Mr. Bungle, Fantômas) gewohnt souverän ab: alternative Avant-Rock mit Understatement, zugänglicher und weniger trüb gefärbt als so manch anderes Patton-Projekt, doch mit immer noch genug Schräglage, um jegliche Konventionen über Bord rutschen zu lassen. Zwölf Tracks gegen den Pandemie-Koller.

9 von 10 Punkten

Tomahawk, TONIC IMMOBILITY, IPECAC/PIAS

Varvara – BAD ACTING GOOD

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Am besten gleich die Repeat-Funktion einschalten

Okay, das große Minus von BAD ACTING GOOD gleich mal vorab: Das fünfte Varvara-Album bringt es leider nicht einmal auf lumpige 28 Minuten Laufzeit. Das war’s dann aber auch schon, was es ernsthaft Negatives über die acht neuen Nummern der Sympathieträger aus dem Süden Finnlands anzumerken gibt. Denn das, was hier geboten wird, macht einfach nur Spaß. Vor allem Musikfreunde, die auf US-amerikanischen Alternative-Rock von Ende der 80er bis Mitte der 90er stehen, werden an Tracks wie dem erst stürmisch-furios eröffnenden, zum Ende hin herrlich hymnisch werdenden ›Sailor‹, dem nachdenklich vor sich hin dröhnenden und knarzenden ›Finger‹, dem Riff-Ungetüm ›End Of May‹ oder der Rückkopplungs-Ballade (ja, wirklich!) ›When The World Spun Too Fast‹ ihre helle Freude haben.

Mit ›On My Way To You‹ und dem unwiderstehlichen ›Winning Again‹ ist dem Quintett dazu noch ein Pärchen richtig cooler Power-Pop-Ohrwürmer gelungen. Kraftvoller, emotionaler oder besser waren auch damalige Helden wie Pixies, Dinosaur Jr. oder Guided By Voices nicht.

8 von 10 Punkten

Varvara, BAD ACTING GOOD, HAMINIAN/PLAYGROUND/CARGO

Smith/Kotzen – SMITH/KOTZEN

Gitarrenhelden im Dienste des Songs

Das Debüt von Adrian Smith (Iron Maiden) und Richie Kotzen (u. a. Ex-Poison, The Winery Dogs) ist kurzum ein zeitloser No-Nonsense-Kracher! Mit neun von Richie und Adrian auf den Punkt komponierten
Stücken, packenden und nie überladenen Arrangements, (wie zu erwarten) erstklassiger Gitarrenarbeit und einer im Duo vorgetragenen, zwischen Blues und Hardrock angesiedelten Vocalperformance schießt das frische Projekt der Saitendehner alle Asse aus dem Ärmel.

Für den richtigen Sound im Studio zeichnet neben den beiden Hauptprotagonisten kein Geringerer als Kevin Shirley (u. a. Iron Maiden, Joe Bonamassa) in der Rolle des Mixing Engineers verantwortlich, der die Takes der NWoBHM-Legende und der Rockikone transparent und direkt für die Ewigkeit Eine an Frank Thunder festhielt. Obwohl sich Smith/Kotzen für die komplette Instrumentierung verantwortlich zeigen, gibt es zwei hochklassige Schlagzeuggastbeiträge von Smiths Iron-Maiden-Kollegen Nicko McBrain und Sessioncrack Tal Bergman (Billy Idol, Joe Bonamassa, B.B. King).

8 von 10 Punkten

Smith/Kotzen, SMITH/KOTZEN, BMG RIGHTS/WARNER

Neil Young – YOUNG SHAKESPEARE

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Solo 1971: das nächste großartige Livealbum aus dem Archiv

Am Abend des 22. Januar 1971 schlüpft der damals 25 Jahre alte Neil Young in ein dunkel-kariertes Flanellhemd und streicht sich die über die Schultern hängenden Haare aus dem Gesicht. Dann steigt er auf die Bühne des Shakespeare Theater in Stratford, Connecticut, und spielt die meisten seiner bis dahin bekanntesten Lieder, allein und abwechselnd an Gitarre und Klavier.

›Tell Me Why‹, ›Cowgirl In The Sand‹, ›Helpless‹, ›Down By The River‹, ›Don’t Let It Bring You Down‹, ›Ohio‹. Dazu ›Journey Through The Past‹, bekannt vom Livealbum TIME FADES AWAY, und ›Dance, Dance, Dance‹ von der ersten Soloplatte seiner Band Crazy Horse (Young: „Something to stomp your feet and bang your hands“). Bei ›Heart Of Gold‹ ist man überrascht, dass kein Jubel aufbrandet, aber das liegt daran, dass den Song damals noch keiner kennt. Er kommt erst ein Jahr später auf HARVEST raus. Genauso ›Old Man‹ und ›A Man Needs A Maid‹, bei dem Young im ersten Refrain noch „afraid, a man feels afraid“ singt. ›The Needle And The Damage Done‹ widmet er den im Jahr davor verstorbenen Jimi Hendrix und Janis Joplin. Ansonsten erzählt er zwischen den Liedern irgendwas von Schnee, der an der Nase kleben bleibt, und von höhenverstellbaren Krankenhausbetten. Am Schluss macht er sich über den Text zu ›Sugar Mountain‹ lustig. YOUNG SHAKESPEARE, das jetzt als Teil von Youngs Archiv-Serie auf Vinyl, CD und DVD erscheint, ist nach WAY DOWN IN THE RUST BUCKET das zweite fantastische Konzertalbum in kurzer Zeit.

9 von 10 Punkten

Neil Young, YOUNG SHAKESPEARE, REPRISE RECORDS/WARNER

Suzi Quatro – THE DEVIL IN ME

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Teuflisch gut

›Can The Can‹ und ›48 Crash‹, zwei der großen Hits von Suzi Quatro, sind noch derart präsent, dass man sich ernsthaft fragt, ob sie wirklich schon geschlagene 48 Jahre auf dem Buckel haben. Seit weit über einem halben Jahrhundert steht die im letzten Jahr 70 gewordene Bassistin nun schon auf der Bühne, auch in den letzten Jahren tourte sie ausgiebig, gab allein 2019 über 50 Konzerte. Nicht so aktiv war sie in der Vergangenheit in puncto neue Alben. Das nun vorliegende Werk THE DEVIL IN ME ist tatsächlich erst das vierte neue Quatro-Album seit 1991. Nachdem die Stecker live gezogen wurden, sind sie im heimischen Studio wieder eingestöpselt worden. Suzi und ihr Sohn Richard Tuckey präsentierten sich schon beim Vorgänger NO CONTROL als tolles Team, bastelten zwölf neue Tracks (plus zwei Bonus-Nummern auf der Vinyl-Version) zusammen und decken damit die ganze musikalische Bandbreite ab, die man von der kleinen Lady aus Detroit seit Jahrzehnten kennt. ›The Devil In Me‹, ›Hey Queenie‹ und ›I Sold My Soul‹ rocken wie vor einem halben Jahrhundert!

Weitere Highlights: ›You Can’t Dream It‹, eine treibende Rocknummer mit Schweineorgel, ›Isolation Blues‹ mit Saxophon, feinem Gitarrenspiel und Kneipenatmosphäre inklusive und ›Love’s Gone Bad‹, eine Ballade, fast schon Sade-like. Man muss es noch erwähnen, auch wenn Weihnachten längst vorbei ist: ›My Heart And Soul‹ ist eine wunderbare neue X-mas-Nummer – wird sicher auch zu Ostern funktionieren.

9 von 10 Punkten

Suzi Quatro, THE DEVIL IN ME, STEAMHAMMER/SPV

Budderside: SPIRITUAL VIOLENCE

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Ami-Sound von Lemmys Gnaden

Die Jungs aus Los Angeles wurden noch vom seligen Lemmy Kilmister persönlich für sein damals brandneues Label unter Vertrag genommen und stellen hier ihr zweites Album vor. Wer deshalb allerdings einen Motörhead-Klon erwartet, befindet sich auf dem Holzweg. Produziert von Jay Baumgardner (Godsmack, Papa Roach) kommen die Herren deutlich vielschichtiger und vor allem amerikanischer daher. Wie schon auf dem 2016 veröffentlichten Vorgänger wird größtenteils radiotauglicher Heavy-Rock mit gelegentlichen Anleihen aus dem Grunge- und Alternative-Sektor, sowie wonnevollen Schlenkern in Richtung geschmackvoll aktualisierter 80er-Sleaze-Klänge geboten.

Das recht heftig und schön treibend eröffnende ›Wide Awake‹, der Arena-Rocker ›I’m A Man‹, das zu Beginn sowie zwischendurch immer wieder spacig-atmosphärische ›Things We Do‹ oder das ebenso einfallsreich wie clever gemachte Johnny-Cash-Cover ›Folsom Prison Blues‹ bieten als Anspieltipps einen gelungene Querschnitt durch das OEuvre der Burschen. Den einen oder anderen potenziellen Ohrwurm inklusive.

7 von 10 Punkten

Budderside, SPIRITUAL VIOLENCE, MOTÖRHEAD MUSIC/SILVER LINING/WARNER