Mit den Bay City Rollers feierte Les McKeown große Erfolge, unter anderem mit Hit-Singles wie ›Shang A Lang‹. Doch auch zwei Soloalben finden sich in seiner Diskographie. Jetzt ist der 65-jährige Sänger am 20. April verstorben.
https://youtube.com/watch?v=UbadKMWKz20
Nachdem sich seine Wege mit denen der Bay City Rollers 1978 trennten, landete er in den 80ern auch in Deutschland Hits, zum Beispiel mit ›She’s A Lady‹ mit Dieter Bohlen als Produzenten. Wie die Familie des Sängers über Twitter mitteilte, verstarb er Dienstag eines plötzlichen Todes.
Nachdem Reach im letzten Jahr eine Single nach der nächsten inklusive intensiver Videos veröffentlicht haben, bringen sie nun endlich das zugehörige Gesamtwerk THE PROMISE OF A LIFE heraus. Die Platte zelebriert das zehnjährige Bestehen der Band und markiert einen starken Bruch mit dem zuvor verfolgten, griffigen Sleaze-Rock in der Tradition ihrer Heimat. Stattdessen präsentiert das schwedische Trio nun ein Album, dem überbordende Theatralik und ein komplett neuer Sound aus jeder Rille triefen. Der Opener ›New Frontier‹ ist ein ziemliches Bombast-Spektakel, das darauffolgende ›I Am The Law‹ ein neuzeitlich anmutender Dancetrack, ›Young Again‹ hingegen ein pseudo-fröhlicher Stampfer mit makabrem Text. THE PROMISE OF A LIFE ist frei von Vintage-Allüren, voller düsterer Themen und klingt insgesamt ziemlich modern. In ihrer eigentümlichen Dynamik wirkt die Platte wie eine Mischung aus hungrigem Alternative und buntem, blutverschmierten Theater oder Musical à la „Jack The Ripper“.
Zwischen dem gefeierten Debütalbum ANTHEM OF THE PEACEFUL ARMY und dem neuen THE BATTLE AT GARDEN’S GATE liegen gut zweieinhalb Jahre ausgiebigen Tourens und der erstaunlich rapide Aufstieg in die erste Liga der Rockmusik. Auf ihrer zweiten Platte haben sich Greta Van Fleet bedeutend weiterentwickelt. Sie kehren den allzu klassischen Rockriffs bewusst den Rücken und verflechten ihre zunehmend intensiver werdenden Arrangements mit kunstvoller Optik und gesellschaftlich relevanten Aussagen. Es wird deutlich, dass die vier jungen Männer aus dem beschaulichen Frankenmuth ihre Schwingen ausbreiten und den erdigen Rock’n’Roll ihrer Anfangstage zurücklassen wollen, um nach dem großen Mehr zu streben. Im Interview mit CLASSIC ROCK skizziert Drummer Danny diese Entwicklung nach und verrät, worin das Geheimnis von Greta Van Fleet begründet liegt.
Nach ›Age Of Man‹ haben wir auf dieser Platte nun ›Age Of Machine‹ mit einem sehr intensiven Text und Video. Wurde der Song durch die Gegenwart oder durch Sci-Fi-Dystopien inspiriert?
Als wir mit diesem Lied angefangen haben, hatten wir tatsächlich beide dieser Welten im Kopf. Der Grundgedanke kommt aber wohl eher von uns: Von unserer sehr behüteten Kindheit und wie wir dann plötzlich die Welt bereisen und all diese unterschiedlichen Dinge, Menschen und Orte sehen und treffen. Atemberaubend im guten wie im schlechten Sinne. Diesen Kulturschock konnten wir erst durch Musik verarbeiten und weißt du, das ist ein langer Song. Das nach unseren Maßstäben perfekte Arrangement hat uns manchmal echt Kopfzerbrechen bereitet. (lacht)
Früher meintet ihr, dass ihr keine politische Band seid. Durch gesellschaftskritische Songs wie eben ›Age Of Machine‹ könnte man anderes denken …
Das stimmt, wir selbst beschäftigen uns in unserem Alltag nicht allzu sehr mit Politik, deswegen sind wir auch keine politische Band. Aber natürlichkann man sich nicht vor den Dingen verschließen, die auf dieser Welt passieren und auch uns betreffen. Uns ist die Natur wichtig, unser Planet. Wir reisen so viel und sehen so vieles – wie beispielsweise diese ganzen Bohrplattformen in dem Video – das uns mit einem unguten Gefühl zurücklässt. Also ja, diese Dinge sind uns wichtig und fließen auch in unsere Musik mit ein.
Lange hat man von The Flaming Sideburns nichts gehört. Das letzte Album KEYS TO THE HIGHWAY erschien 2007. Jetzt aber sind die famosen Finnen zurück und das nahezu in Originalbesetzung. Und sie können es immer noch, haben von straight über spacig bis hin zu spooky die komplette Bandbreite drauf. Richtig schön skandinavisch Hellacopters-like beherrschen die flammenden Koteletten ebenso. ›A Song For Robert‹ für den 2017 verstorbenen Hellacopters-Gitarristen Robert Dahlqvist ist eine Hella-Hymne erster Kajüte.
Wie viele ihrer Landsleute agieren die Fünf mit zwei Leadgitarren, geht es aber im Vergleich zu den Schweden Dead Lord nicht Lizzy-ig, sondern Garageartig und noisy an. Das kann schon mal abgedreht wabern, entspannt chillen, rockt aber meist griffig. Cool und zur Abwechslung beitragend auch das auf Spanisch gesungene ›Trance-Noché‹ mit Latin-Touch. Kann man sich gut als Soundtrack zu einem mexikanischen Wrestling-Match vorstellen. Genaugenommen würde sogar das komplette Album zu einer derart wilden Veranstaltung gut passen.
7 von 10 Punkten
The Flaming Sideburns, SILVER FLAMES, SVART/MEMBRAN
Aus der einst so unscheinbaren Düsseldorfer Oi-Kapelle ist längst einer der größten Rock-Acts des Landes geworden. Mit ihrem bisher abwechslungsreichsten, stilistisch wie emotional vielseitigsten, den Band-Wurzeln dabei dennoch stets treu bleibenden, achten Album zementieren Frontmann Sammy Amara & Co. diesen Status hier ganz souverän. Der Spaß beginnt mit ›Nicht alles endet irgendwann‹, einer herrlich swingenden, geradewegs euphorisierenden Nummer die (sowie es wieder möglich ist) live garantiert voll abräumen wird. Kämpferisch und etwas düsterer geht es dagegen bei der Hymne ›Gib das Schiff nicht auf!‹ zu, während ›Diktatur der Lerchen‹ auf stürmisch-nervöse Weise echte Dringlichkeit vermittelt.
Melancholie mit einem Schimmer Hoffnung war schon immer eines der Lieblingsthemen des Quintetts. ›Alles wird wieder Ok!‹ zeigt, wie brillant sie es beherrschen. Das absolute Meisterstück der Platte bleiben dennoch die herzzerreißend getexteten, wunderbar atmosphärischen ›Dachbodenepisoden‹.
Auch diese Woche gibt es Neues in den Regalen: Von Motörhead-Aufnahmen in Berlin über Coverversionen von Tom Jones bis hin zu Framptons Gitarrencovern und neuen Klängen von Gilby Clarke.
Peter Frampton: FRAMPTON FORGETS THE WORDS
„Songs wie Radioheads ›Reckoner‹, George Harrisons ›Isn’t It A Pity‹, ›Are You Gonna Go My Way‹ von Lenny Kravitz oder David Bowies ›Loving The Alien‹ erfreuen in den Originalversionen ja auch mit reichlich Substanz – die aber schwindet, wenn die ursprünglichen Gesangsmelodien fast ausschließlich in betont sahnigem Les-Paul-Sound erklingen.“
Dass Framptons Gitarre erstaunlich eloquent sein kann, gehört zum Rock’n’Roll-Basiswissen, ob es dennoch eine brillante Idee ist, ein Instrumentalalbum mit Cover-Versionen zu veröffentlichen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Zumal der wortlose Wohlklang, bei aller spieltechnischen Klasse, bisweilen eben doch ein wenig an jene Pausenfüllermusik erinnert, mit der etwa der Deutschlandfunk seine kurzen Lücken im Programm überbrückt. Nun hat Frampton mit seinem Instrumentalwerk FINGERPRINTS 2007 einen Grammy gewonnen, was wohl Ansporn genug war.
Songs wie Radioheads ›Reckoner‹, George Harrisons ›Isn’t It A Pity‹, ›Are You Gonna Go My Way‹ von Lenny Kravitz oder David Bowies ›Loving The Alien‹ erfreuen in den Originalversionen ja auch mit reichlich Substanz – die aber schwindet, wenn die ursprünglichen Gesangsmelodien fast ausschließlich in betont sahnigem Les-Paul-Sound erklingen. Dann wird nämlich offenbar, dass FRAMPTON FORGETS THE WORDS eine offene Flanke zum Easy Listening hat.
5 von 10 Punkten
Peter Frampton, FRAMPTON FORGETS THE WORDS, UNIVERSAL
Dass er es ernst meint, merkt man sofort, wenn das elektronische Surren einsetzt. Ab da ist klar: Hier werden jetzt nicht gemütlich ein paar Oldies gesungen. Hier ist einer, der es immer noch – oder auch wieder – wissen will. Selbst wenn er im Juni 81 wird. Der Song, um den es geht, ist ›I Won’t Crumble‹, der erste auf dem Album und wie fast alle anderen ein Cover. In diesem Fall von A-cappella-Musikerin Bernice Johnson Reagon. Es folgen Lieder von Cat Stevens (›Pop Star‹), Michael Kiwanuka (›I Won’t Lie‹) und Bob Dylan (›One More Cup Of Coffee‹). In ›Talking Reality Television Blues‹, im Original von Todd Snider, geht Jones den Mechanismen des Fernsehens auf den Grund, mit Malvina Reynolds’ ›No Hole In My Head‹ widmet er sich dem Feminismus, mit Tony Joe Whites ›Mother Earth‹ dem Umweltschutz.
Moderne Themen, und modern soll auch der Sound sein. Synthesizer-Brummen, reduzierte repetitive Schlagzeug-Beats. Manches, wie ›Samson And Delilah‹, das Jones mit seinen Produzenten Ethan Johns und Mark Woodward geschrieben hat, wird zu lang ausgewalzt. Ambition ist da, ohne Zweifel, aber es ist, als wären Spontaneität und Witz dafür abhandengekommen. So befreit und emphatisch wie auf dem Folkrock-Waterboys-Cover ›This Is The Sea‹ klingt Jones hier jedenfalls selten.