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Start Blog Seite 354

Was machen eigentlich The Dogs D’Amour?

Nicht nur im Country gibt es großartige Songs über Trinker und das Trinken, vor allem auch im Rock’n’Roll wird gerne der ein oder andere zur Brust genommen.

Zu deng roßen Posern und Poeten, wenn es um Sound und Suff geht, gehören die 1983 gegründeten britischen Rabauken The Dogs D’Amour. Songs wie ›Drunk Like Me‹ vom 1989er Album ERROL FLYNN, ›Back On The Juice‹ vom Follow-up STRAIGHT??!! oder IN VINO VERITAS aus dem Jahr 2018 sprechen eine deutliche Sprache. Die Band um Sänger und Gitarrist Tyla kann aber nicht nur tief ins Glas schauen, sie kann vor allem rocken und rollen. Nicht umsonst wurde die durstige und exaltierte Truppe seinerzeit als europäische Antwort auf Mötley Crüe bezeichnet.

Mit dem zweiten Album IN THE DYNAMITE JET SALOON konnte man 1988 endgültig in der Heimat auf sich aufmerksam machen und Singles wie ›The Kid From Kensington‹, ›I Don’t Want You To Go‹ und ›How Come It Never Rains‹ in den UK-Charts platzieren. Über die Jahre kam es zu zahlreichen Line-up-Wechseln, Tyla J. Pallas aber behielt das Glas immer fest in der Hand. Und er war auch abseits der Dogs aktiv, veröffentlichte Soloscheiben oder Kollaborationen mit Spike von den Quireboys als Hot Knives oder mit Dregen von den Backyard Babies als The Poet & The Dragon. Mit seinem Kumpel Spike tritt er bis heute immer wieder auf. Nebenbei betreibt er auch noch sein eigenes Plattenlabel King Outlaw, schreibt und malt. Tylas Kunstwerke landen regelmäßig auf den Covern der Dogs D’Amour, die inzwischen unter dem Namen Tyla’s Dogs D’Amour agieren.

1994 trennten sich die Hunde der Liebe, im Jahr 2000 kam es zu einer kurzlebigen Reunion und auch zu Releases wie HAPPY EVER AFTER oder 2005 LET SLEEPING DOGS … Im Jahr 2013 folgte eine weitere kurze Reunion und vier Jahre später dann der bis heute anhaltende Neuanfang mit dem Zusatz Tyla. Seitdem sind etliche Studio- und Liveplatten erschienen. Mehr als fünf Jahre hat man jetzt eine stabile Besetzung am Start, mit der auch das eingangs erwähnte IN VINO VERITAS eingespielt wurde. Und es geht weiter: Letztes Jahr erschien die EP I’LL KEEP MY POWDER DRY, unlängst eine neu eingespielte Jubiläumsausgabe von STRAIGHT??!! und am 30. Juli soll das brandneue Werk TREE BRIDGE CROSS auf dem Tresen liegen. Vorher noch LIVE IN TOKYO von Tylas letztjähriger Japan-Tour und am 2. April unter dem Namen ISOLATION CROSSING IV der vierte Teil seiner Solo-Demoaufnahmen. Der bürgerlich auf den Namen Timothy Taylor hörende Allrounder hat also noch eine Menge vor. Und darauf kann man guten Gewissens anstoßen – cheers!

The Blue Stones: „Klassisch“ kanadisch

„Es ist ziemlich cool. Ich bin mir nicht sicher, ob wir unseren Sound als ‚klassisch‘ bezeichnen würden, aber wir sind mit Sicherheit von vielen Classic-Rock-Künstlern beeinflusst.“ Schlagzeuger und Sänger Justin Tessier, eine Hälfte des kanadischen Duos The Blue Stones, ist erfreut über die Anfrage und Aufmerksamkeit von CLASSIC ROCK.

Und führt zum Stil der mit Gitarrist und Sänger Tarek Jafar 2011 in Ontario gegründeten Band aus: „Ich würde ihn definitiv eher als modernen Rocksound bezeichnen. Genre-Klassifizierungen sind sowieso am Aussterben, also ist es, was es ist.“ Und es ist gut, was die beiden auf ihrer zweiten Veröffentlichung zeigen. Und vielfältig, findet man auf HIDDEN GEMS doch die unterschiedlichsten Grooves und Genres. „Ich denke, es ist einfach ein natürlicher Weg, den das Songwriting nimmt, wenn man bedenkt, was für unterschiedliche Musik wir beide hören. Vor allem Tarek ist ein Fan von vielen Genres wie R’n’B, Soul, HipHop und Pop. Das spiegelt sich auch in unserem Songwriting wider.“ Justin scheint mehr der Rocker zu sein und hätte nichts gegen eine Erweiterung des Wikipedia-Eintrags „Bluesrock, Psychedelic Rock und Space-Rock“. „Füge noch ,Garage Rock‘ und ,Alternative‘ hinzu und wir sind bereit.“ Die zwei sind vor allem bereit, live zu spielen. „Wir würden gerne wieder nach Europa kommen und in größeren Venues spielen, aber wir müssen abwarten, wie das Album bei allen ankommt.“ Obwohl man vom Erfolg des Debüts etwas „geschockt“ war, stand ein Follow-up nie infrage: „Wir wussten immer, dass wir einen Nachfolger machen würden. Und wir wussten immer, dass der großartig werden würde. Es war nur eine Frage der Zeit.“ Trotz veränderter Hörgewohnheiten stand das Format fest: „Wir befinden uns im Zeitalter der digitalen Singles, das ist uns völlig klar. Aber es gibt immer noch Fans, die nach einem Albumerlebnis betteln. Etwas, das sie vom ersten bis zum letzten Song mit auf eine Reise nimmt. Wir behalten das während des Aufnahmeprozesses gerne im Hinterkopf und wollen, dass die Leute das Album von vorne bis hinten durchhören“.

Was sich aufgrund der Varianz und Brillanz lohnt, dabei könnte man hinter dem Cover mit dem Sensenmann andere Klänge erwarten. Dazu der Schlagzeuger: „Ich verstehe, was du meinst. Wir dachten, es wäre cool, ein Bild zu nehmen, das eher mit klassischem oder hartem Rock assoziiert wird, und es auf unsere Bildsprache für dieses Album anzuwenden. Nur eine kleine Anspielung auf die Vielseitigkeit der Songs und der Band“. Vielseitig auch bezüglich der Hörerschaft? „Wir haben Fans aus allen Altersgruppen und Geschlechtern. Wir schließen niemanden aus. Wenn du unsere Musik magst, dann willkommen im Team.“ Wenn es nur immer so einfach wäre. Genauso so einfach wie das Fazit, mit dem der Kanadier den Kreis zu CLASSIC und ROCK schließt: „Es kommt normalerweise auf ein gutes Gitarrenriff und eingängige Beats an. Wenn du diese beiden Elemente hast, wirst du die Ohren von jemandem treffen, der JEDE Art von Rock mag. Ich denke, das ist es, was wir am besten können, also würde es Sinn machen, dass Rockhörer auf der ganzen Welt es genießen.“

Ace Frehley im Interview: Absolut acefiziert!

Wenn es der Plattenvertrag verlangt, dann nimmt Ace Frehley eben widerstandslos ein weiteres Cover-Album auf. Und wie immer kein Blatt vor den Mund, wenn es um sein Leben und Schaffen geht. Im Interview mit CLASSIC ROCK plaudert der Spaceman über das neue ORIGINS VOL. 2, die guten alten Zeiten, seine größten Vorbilder und seinen aktuellen Gesundheitsstatus.

Hast du ORIGINS VOL. 2 wieder nur wegen deines Vertrags mit dem Label gemacht?

Es war schon Teil des Vertrags, aber es hat dieses Mal viel mehr Spaß gemacht. Da der Vorgänger so erfolgreich war, war der ganze Prozess hinter VOL. 2 einfacher, weil ich inzwischen die Formel raushabe. Man nehme ein paar Songs von Künstlern, die mich beeinflussen sowie gute Gastmusiker und Freunde, die mithelfen. Das funktioniert. Wenn man das Material anderer Leute spielt, kann man trotzdem etwas Eigenes draus machen. Oder wie mein Management dazu sagt: „Acefy it“. (lacht)

Warum wiederholst du dich in der Auswahl der Künstler, die du coverst?

Naja, einige dieser Bands haben mich einfach sehr stark beeinflusst. Deswegen habe ich Led Zeppelin und Cream und die Stones nochmal draufgepackt. Als ich Led Zeppelin zum ersten Mal live im Fillmore East in New York sah, war ich 17 und es veränderte mein Leben.

Was war der erste Song, der dich umgehauen hat?

Das erste Konzert, das ich jemals besuchte, war von Mitch Ryder & The Detroit Wheels. Und The Who und Cream waren die Supportbands. Ich hatte keine Ahnung, wer die waren, aber ich war mit meinen 15 Jahren komplett von den Socken. (lacht) Dann kamen eben Led Zeppelin und die Jimi Hendrix Experience, natürlich auch die Beatles und die Rolling Stones – die ganze British Invasion hat mich als Gitarrist stark beeinflusst.

Vor kurzem sprach ich mit Dave Hill. Waren Slade auch wichtig in deiner musikalischen Entwicklung?

Ja, waren sie. Ich wollte fast schon einen Slade-Song auf ORIGINS VOL. 2 packen, aber Noddy Holder hat so eine kraftvolle Stimme, da kann ich nicht mithalten. Vielleicht nehme ich für VOL. 3 ein Slade-Cover auf. Mein Liebling war schon immer ›Cum On Feel The Noize‹, mein absolutes Motivationslied. Ich habe es früher immer sehr laut angehört, bevor ich auf Sauftour gegangen bin. (lacht) Wahrscheinlich lasse ich es dann von einem Gast-Sänger singen. Auf dem aktuellen Album haben wir eine Nummer von Humble Pie und ich könnte nicht ansatzweise wie Steve Marriott singen, deswegen hat den Job Robin Zander von Cheap Trick übernommen.

Und John 5 und Lita Ford sind auch wieder dabei…

Die beiden sind gute Freunde von mir. Lita Ford kenne ich schon, seit sie bei den Runaways dabei war, sie ist fast wie eine Schwester. Wenn wir in meinem Heimstudio aufnehmen, bleibt sie gleich das ganze Wochenende da. Und auch mit John 5 bin ich seit einigen Jahren befreundet. Er ist ein grandioser Musiker, die meisten seiner Gitarrensoli fürs Album hat er nur einmal eingespielt. Grundsätzlich arbeite ich bevorzugt mit Leuten zusammen, die ich gerne um mich habe.

Wann hast du eigentlich angefangen mit VOL. 2?

Das ist eine sehr gute Frage, ich habe es nämlich vergessen. (lacht) Irgendwie ist das schon so lange her. Vor Weihnachten war jedenfalls die ganze Platte fertig. Aber durch die Pandemie wurde der Veröffentlichungstermin immer weiter nach hinten geschoben. Ich freue mich sehr, dass meine Fans das Ding nun im September endlich zu hören bekommen.

Warum hast du dich für den Kiss-Song ›She‹ entschieden?

Das Lied hatte ich tatsächlich zuletzt auch live mit meiner Band gespielt, bevor die Pandemie so richtig losging. Anfangs hatte ich elf Songs aufgenommen, dann wollte die Plattenfirma noch einen Bonustrack und meinte, eine Kiss-Nummer wäre sinnvoll. Meine Version von ›She‹ klingt nicht nur gut, sie ermöglichte es meiner Tour-Band zudem, auch auf dem Album vertreten zu sein.

Apropos Kiss. Bruce Kulick ist ja auch dabei…

Bruce und ich kommen schon immer gut miteinander aus, wir respektieren uns gegenseitig. Vor ein paar Jahren traf ich ihn bei der Kiss-Kruise und er zeigte sich sehr interessiert, auch mal auf einer meiner Platten mitzuspielen. Ich bin mehr als froh, dass er dabei ist, weil er ein großartiger Gitarrist ist und ein umgänglicher Typ dazu. Er schickte mir ein paar Soli, ich suchte mir die aus, die mir am besten gefielen und zack, fertig. All das via Email, so einfach geht das heutzutage. Ich meine, ich erinnere mich noch, wie wir früher 2-Zoll-Magnetband benutzen und alles mit Rasierklingen statt einer Maus editieren mussten. (lacht)

(lacht) Welche Methode hast du lieber?

Ach, ich mag beides. Aber heute geht halt alles viel schneller und ich kann inzwischen das meiste selber machen. Ich bin fit mit Protools und der ganzen Technikseite, wobei ich mich lieber auf den kreativen Prozess konzentriere.

Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?

Der Mountain-Song gefällt mir sehr gut, der ist echt stark geworden. Genauso wie ›Good Times, Bad Times‹, wo ich am Ende die Lyrics etwas abgeändert habe. Die Cream-Nummer ist total heavy. Das Besondere daran ist, dass ich und John 5 simultan soliert haben. Wenn du das mit Kopfhörern anhörst, merkst du, dass wir die Soli gekreuzt haben, mein Solo läuft von links nach rechts, während seines von links nach rechts wandert. (kichert)

Wie sieht dein Alltag derzeit aus?

Ach weißt du, ich bin gerade aus Kalifornien zurück nach New Jersey gezogen. Ich lebe an einem schönen Fleckchen Erde. Mein Haus steht auf einem Hügel, das Grundstück ist sehr groß, in den Keller baue ich ein neues Aufnahmestudio. Ich weiß schon genau, wie alles aussehen wird. Ähnlich ist es, wenn ich Songs schreibe: Ich spüre schon vor den Aufnahmen, wie es sich anhören muss. Derzeit fühlt es sich an, als wären alle Puzzleteile schon immer dagewesen – ich musste sie nur richtig zusammensetzen. Das habe ich getan und mir geht es gerade sehr gut. Vor einem Jahr habe ich mit Rachel Schluss gemacht und lebe jetzt mit meiner neuen Freundin Laura zusammen. Sie ist Grundschullehrerin und wir sind seelenverwandt. Beim Arzt war ich letztens auch zum großen Check-Up, da passt alles. Ich meine, mein Papa wurde 96 Jahre alt. Also gar nicht so schlecht. Die Zukunft sieht rosig aus. (lacht)

Denkst du in diesem ganzen positiven Umfeld schon an ein neues Album?

Ja, tatsächlich schreibe ich schon ein bisschen. Ich will nicht zu viel verraten, aber erst gestern Nacht bin ich aufgewacht und habe ganz schnell einige Textzeilen in mein iPhone getippt, damit ich sie nicht vergesse. (kichert)

(Aus CLASSIC ROCK #93)

The Rolling Stones: Ronnie Wood besiegt Krebs

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Nachdem der 73-Jährige 2017 bereits mit Lungenkrebs zu kämpfen hatte, war auch der letzte Lockdown für ihn nicht leicht, denn der Krebs holte ihn nochmal ein.

Den 2017 diagnostizierten Lungenkrebs hatte Ronnie Wood innerhalb eines Jahres überstanden. Überrascht war er über die Diagnose damals nicht wirklich. Bevor er 2016 das Rauchen aufgab, hatte er schließlich über 50 Jahre lang 25 bis 30 Zigaretten am Tag geraucht. Und auch der kleinzellige Krebs, der sich an der Lunge festsetzen kann, steht häufig in Zusammenhang mit dem Konsum von Glimmstängeln. Mit diesem hatte es der Künstler dann letztes Jahr zu tun.

Während des Lockdowns schaffte der Brite es jedoch, den Krebs zu besiegen und wurde jetzt von den Ärzten „all clear“ erklärt. Seinen Optimismus hat sich der Gitarrist der Rolling Stones bewahrt: „Alles, was ich machen kann, ist positiv zu bleiben, stark zu sein und dagegen anzukämpfen, der Rest hängt von einer höheren Macht ab.“

KISS: Neue Bootleg-Serie angekündigt

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Kiss veröffentlichen demnächst eine Reihe von bisher ungehörten Live-Mitschnitten…

Am 11. Juni erscheint in diesem Kontext OFF THE SOUNDBOARD – TOKYO 2001. Der Mitschnitt stammt von einer Show, die Kiss am 13. März 2001 in Tokyo absolvierten. Ab 2. Juli ist das offizielle Bootleg dann auch auf Vinyl erhältlich.

Die 21 Songs wurden damals von Paul Stanley und Gene Simmons, Ace Frehley und Eric Singer performt.

Video der Woche: Meat Loaf und Jim Steinman mit ›All Revved Up With No Place To Go‹

Am Montag verlor die Welt nicht nur den Songwriter der Rockopern schlechthin, sondern auch den Mann mit den vermutlich längsten Songs und Songtiteln: Jim Steinman.

Tracks wie ›Objects In The Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are‹ oder ›In The Land Of The Pig, The Butcher Is King‹ erzählen ganze Geschichten. Und genau dafür war Jim Steinman bekannt.

Assoziiert wird sein Name bis heute vor allem mit Meat Loaf, für den er das Durchbruchsalbum BAT OUT OF HELL schrieb und auch an den Nachfolgern BAT OUT OF HELL II: BACK INTO HELL und BAT OUT OF HELL III: THE MONSTER IS LOOSE maßgeblich beteiligt war. Meat Loaf betonte häufig, er könne solche Songs selbst gar nicht schreiben, das überließe er Steinmann. Die beiden bildeten die perfekte Symbiose aus Singer und Songwriter.

Dass Steinman selbst auch ab und zu ins Rampenlicht trat, wird gern vergessen. Neben dem Klavierspiel und den entsprechenden Sprechintros, die er auf der BAT-OUT-OF-HELL-Tour 1978 live beisteuerte (hier im Video zu sehen), übernahm er 1981 auf BAD FOR GOOD schlicht selbst den Gesang, als Meat Loaf nicht verfügbar war.

Auch die Weitsicht seiner Visionen lässt sich wunderbar erkennen: ›Wasted Youth‹ wie es hier zu hören ist, war nicht auf BAT OUT OF HELL von 1977 vertreten, sondern erschien erst auf BAT OUT OF HELL II, sage und schreibe 16 Jahre später.

https://youtube.com/watch?v=LS8KRMOdOiI

Zu den weiteren Meilensteinen des Komponisten gehören ›Holding Out For A Hero‹ und ›Total Eclipse Of The Heart‹, die Bonnie Tyler halfen, ihr Country-Image abzuschütteln.

Die Geschichten, welche Jim Steinman in seinen Werken mit teils überlangen Liedern erzählte, werden für immer als Wagner-Rock in Erinnerung bleiben. Schließlich gab es bis dahin fast niemanden, der einzelne Stücke in Abschnitte gliederte, wie beispielsweise bei ›Paradise By The Dashboard Light‹, das drei Parts enthält: „Paradise“, „Let Me Sleep On It“ und „Praying For The End Of Time“. Und auch mit seinem Songwriting für Musicals wie „Tanz der Vampire“ hat sich Steinmann in die Ewigkeit der Musikgeschichte eingeschrieben.

Dinosaur Jr. – SWEEP IT INTO SPACE

Ein hochlebendiger Dinosaurier mit lärmenden Gitarren

Es war J. Mascis, der mit seiner 1984 gegründeten Band Dinosaur Jr. die Indierock-Szene mit Gitarrensoli, ja sogar mit langen Gitarrensoli, versöhnte. Den Fokus auf die geliebten sechs Saiten hat der 55-Jährige nie aufgegeben, und das seit 2005 wieder in Originalbesetzung aktive Trio war dafür das perfekte Vehikel. Das gilt auch für SWEEP IT INTO SPACE, das bereits fünfte Album seit der Reformation vor gut 15 Jahren. Hier finden sich einmal mehr schwer gitarrenlastige Tracks, dieses Mal veredelt durch den US-Singer/Songwriter Kurt Vile (einst bei The War On Drugs), der ab und an eine Zwölfsaitige beisteuert.

Der im freien Feld irgendwo zwischen Jimi Hendrix, Neil Young, Ron Ashton (Stooges) und den Twin-Leads à la Thin Lizzy zu verortende Gitarrenstil von J. Mascis behält dabei trotz der ungezähmten Expressivität stets eine hochmelodische Note. Und auch die einzelnen Stücke sind im Kern eingängige Ohrwürmer, die anders arrangiert oftmals auch als Pop-Songs durchgehen würden – wie etwa das flockige ›I Ran Away‹ oder das vom Bassisten Lou Barlow gesungene ›You Wonder‹. Sicher, neu ist all das nicht wirklich, was Dinosaur Jr. 2021 kredenzen, aber auf unverändert hohem musikalischen Niveau.

7 von 10 Punkten

Dinosaur Jr., SWEEP IT INTO SPACE, JAGJAGUWAR/CARGO

Eric Church – HEART & SOUL

Drei auf einen Streich

Mit gleich drei neuen Scheiben beglückt uns Eric Church im April 2021. HEART (VÖ: 16. April; neun Songs), & (VÖ: 20. April; sechs Songs – exklusiv für Mitglieder des Eric Church Fanclubs „Church Choir“) und SOUL (VÖ: 23. April; neun Songs) sind insgesamt eine Sammlung aus 24 Stücken, die Eric gemeinsam mit einer Auswahl an Nashvilles A-List an Co-Komponisten während einer achtundzwanzigtägigen Session in den Bergen von North Carolina morgens geschrieben und abends postwendend aufgenommen hat. Für einen Marathon dieses Ausmaßes und derart vielen Akteuren braucht es natürlich einen guten Zeremonienmeister neben dem berühmtesten Ray-Ban-Träger der Countryszene. Im Kontrollraum saß deshalb erneut Jay Joyce, der bisher alle Scheiben des Chiefs mit einem superben Klang ausstattete.

Angesichts der durch die Bank enorm hohen Qualität der Tracks ist diese verblüffend kurze Kreativ- und Produktionsphase als perfekter Hattrick des „CMA Entertainer Of The Year“-Gewinners zu werten. Während der kompletten Spielzeit der drei LPs zeigt sich Church gewohnt facettenreich und legt durch die reduzierten Arrangements einen noch größeren Fokus auf seine unter die Haut gehenden Storyteller-Texte.

8 von 10 Punkten

Eric Church, HEART & SOUL, CAPITOL/UNIVERSAL