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Start Blog Seite 353

Electric Boys – UPSIDE DOWN

Reife Boys mit Kante

Nach THE GHOST WARD DIARIES von 2018 und einer Soloplatte 2020 hat sich Conny Bloom ein weiteres Mal mit seinen Electric Boys in den Ghost Ward Studios bei David Castillo eingemietet, um das siebte Studioalbum der Funk-Glam-Truppe mit Wurzeln in den späten 80ern einzuspielen. Eröffnet werden die zehn Tracks des inhaltlich deutlich von der Pandemie gezeichneten Werks von einem absolut radiountauglichen, siebenminütigen Instrumental-Opener – ein gewagter Schritt, fast schon ein wilder Ritt und zugleich ein ziemlich cooles Statement. Danach räubern die Electric Boys kompromisslos in ihren Lieblingsgefilden und liefern schmissigen Hardrock, der mal funky anmutet, mal wie in ›Twang ’em & Kerrang ’em‹ sehr eingängig geradeaus marschiert, dann wieder wie in ›The Dudes And The Dancers‹ recht heavy daherkommt und die generell etwas kantigere Attitüde der Platte widerspiegelt. Im Headbanger ›Never Again Your Slave‹ glänzt Conny Bloom in der Strophe mit tiefem, kratzigen Sprechgesang und verbreitet so ungewollte Vincent-Price-Vibes, die entfernt an den Erzählteil aus ›Thriller‹ erinnern. Mit ›She Never Turns Around‹ und dem optimistischen ›It’s Not The End‹ sind auch zwei sanfte Nummern vertreten, das Schlusslicht ›Interstellafella‹ bringt UPSIDE DOWN mit einer Prise Space Rock zu einem würdigen Ende.

7 von 10 Punkten

Electric Boys, UPSIDE DOWN, TARGET/SPV

Gitarrenhelden: Andy Summers

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Die musikalische Identität von The Police hat Summers’ maßvollem, jazzigem Ansatz an Harmonien und seinem kompetenten Ohr für Tonfall, Effekte und Verzierungen viel zu verdanken. Ohne seine speziellen Akkordinterpretationen wären ›Every Breath You Take‹ und ›Message In A Bottle‹ ziemlich gewöhnlich geworden.


Anspieltipp: ›Miss Gradenko‹

Aus CLASSIC ROCK #100

Royal Blood – TYPHOONS

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Eine erfreuliche Weiterentwicklung

2014 debütierten die Briten Mike Kerr und Ben Thatcher mit ihrem selbstbetitelten Longplayer und bewiesen, dass es sehr wohl möglich ist, fetten Rock ohne Gitarre zu spielen. Der damals zelebrierte, scheppernde und tosende Garagen-Sound wurde auf dem Nachfolger HOW DID WE GET SO DARK? (2017) bereits ein ganzes Stück mehr in Richtung infektiösen Erwachsenen-Pops gesteuert. Eine Entwicklung, die mit Album Nummer drei nun konsequent fortgesetzt wird und zu größtenteils sehr erfreulichen Ergebnissen führte. Angesichts dessen ist es ein wenig verwunderlich, dass ausgerechnet das zwar völlig adäquate, aber vergleichsweise nicht gerade umwerfende ›Typhoons‹ zum Titeltrack avancierte, gibt es hier doch diverse deutlich mitreißendere Nummern zu hören.

Das düster-grollende (Bass-)Riff-Wunder ›Who Needs Friends?‹ etwa. Oder das sich gutgelaunt, fast schon funky präsentierende ›Trouble’s Coming‹ und das rotzig-kantige, dazu mit einem Soul-Touch versehene, von QOTSA-Mastermind Josh Homme produzierte ›Boilermaker‹.

7 von 10 Punkten

Royal Blood, TYPHOONS, WARNER/WARNER

Empyre – THE OTHER SIDE

Debütalbum in Akustikbehandlung

Stecker raus, so heißt auf THE OTHER SIDE das Motto von Empyre, auf dem sie neun Songs ihres Debütalbum SELF AWARE in akustische Versionen umgewandelt haben. Nach dem erfolgreichen Start von 2019 wird jetzt also nachgelegt. Die Songs wurden immerhin bereits zwei Jahre lang live erprobt, bevor SELF AWARE aufgenommen wurde. Stellenweise erfährt Sänger Henrik Steenholdt (›Only Way Out‹ und ›My Bad‹) Piano-Unterstützung, die übrigen Songs bestechen im klassischen Vierer-Line-up. Das Besondere an ›Only Way Out‹: Es verleiht dem Album einen wehmütigen Rahmen durch den Opener und einen Radio Edit dessen am Ende, der das Werk in einen tiefgründig anmutenden Kreislauf verwandelt.

Stimmlich erinnert der Bandmitbegründer häufig an John Corabi. Trotz Akustiksound und vorherrschender melancholischer Atmosphäre schaffen es die Briten durchaus, in Tracks wie ›Drive‹ selbigen durch die energetischen Drums unterzumischen.

6 von 10 Punkten

Empyre, THE OTHER SIDE, EMPYRE.CO.UK/SHOP

Gojira – FORTITUDE

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Hohes Metal-Niveau

Fünf Jahre haben sich die Franzosen mit dem ersehnten MAGMA Nachfolger Zeit gelassen. Die obligatorische Frage, ob sich das Warten gelohnt hat, lässt sich mit einem bestimmten Ja beantworten, denn Gojira haben ihren Sound in kleinen Details verfeinert, klingen aber immer noch zu 100 Prozent nach sich selbst. Das von Gitarrist/Sänger Joe Duplantier produzierte Werk wirkt ein bisschen rauer, wütender und komplexer als der eher Groove-lastige Vorgänger.

Neue Elemente wie die Maultrommel in ›Amazonia‹, mehrstimmige Kanongesänge in ›Hold On‹, rituelle Percussions in ›New Found‹ oder das Tool-artige Zwischenstück ›Fortitude‹ fügen sich nahtlos ein in ein ebenso brachiales wie melodisches Album zwischen Post-Metal, Thrash/Death Metal und progressiven Schüben. Insbesondere rhythmisch und Gitarren-technisch ein Werk, das interessant zu analysieren ist und das auch dank des druckvollorganischen Mixes von Andy Wallace (Nirvana, RATM etc.) schön zur Geltung kommt. Definitiv ein Highlight des noch jungen Jahres.

9 von 10 Punkten

Gojira, FORTITUDE, ROADRUNNER/WARNER

Saga: Auch ohne Strom elektrisierend

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Mit ihrem neuen Akustikalbum SYMMETRY präsentieren die kanadischen Prog-Rocker Saga ungewöhnliche Versionen mehr oder minder bekannter Bandklassiker. Sänger Michael Sadler und Keyboarder Jim Gilmour erklären, wie die Idee entstanden ist.

Eigentlich stehen Saga für handfeste Rockmusik, für kraftvolle Grooves, virtuose Gitarrenparts und eine generell forsche Gangart. Vor allem in den 80ern gehörte die kanadische Band zu den internationalen Topsellern, landete mit Hits wie ›Humble Stance‹, ›On The Loose‹, ›Wind Him Up‹ oder ›The Flyer‹ hohe Charterfolge und füllte mühelos große Hallen. Mit ihrem neuen Album SYMMETRY zeigt sich die fünfköpfige Gruppe nun von einer anderen Seite: Zwölf ihrer Songs wurden neu aufgenommen, und zwar in veränderten, rein akustischen Versionen, inklusive für die Band ungewöhnlicher Instrumente wie Fiedel, Klarinette, Akkordeon oder Mellotron. In Zeiten, in denen aufgrund des weltweiten Lockdowns der Musikkonsum nur noch zu Hause möglich ist, könnte dies womöglich die beste – da besonders intime – Art sein, Saga-Songs zu genießen. Frontmann Michael Sadler und Keyboarder Jim Gilmour mit Rück- und Einblicken.

Michael und Jim, würdet ihr sagen, dass SYMMETRY eine direkte Folge des Corona-Lockdowns ist?
Sadler: Nein, das ist diese Scheibe ganz bestimmt nicht. Wir haben schon sehr lange über ein solches Album nachgedacht und immer wieder getestet, bei welchen Songs ein anderes Arrangement denkbar wäre.
Gilmour: Im Grunde genommen geht die Idee auf die Zeit der letzten Saga-Tour mit Michael zurück. Damals haben wir – vor dem regulären Konzert – ein Set mit Akustikversionen gespielt, quasi als besonderen Bonus für die Fans. Eigentlich sollte dies ein großes Geheimnis bleiben, damit die Zuschauer zunächst denken, dass wir die Vorgruppe sind. Aber in Zeiten von Internet und Sozialen Medien
lässt sich so etwas natürlich nicht lange geheim halten. Bereits nach ein paar Shows war die Nachricht rum, dass wir zwei Sets spielen, eines davon rein akustisch. Diese Shows haben wir jeden Abend mitschneiden lassen, um sie später als CD zu veröffentlichen. Doch mit den Aufnahmen waren wir nicht restlos zufrieden. Deshalb wurde entschieden, die Akustiksongs noch einmal in einem Tonstudio einzuspielen. So ist SYMMETRY entstanden.

Wie verliefen die Vorarbeiten?
Sadler: Zunächst machte sich [Gitarrist] Ian an die Arbeit, seine Parts in akustische Fassungen umzuwandeln und zusätzlich ein paar Neuerungen einzubauen, die es in dieser Form vorher noch nicht gab.
Gilmour: Für mich war es natürlich eine überaus willkommene Abwechslung, etwas Neues auszuprobieren. Ich wollte immer schon mal auf einem Saga-Album Klarinette, Akkordeon oder Klavier spielen. Aufgrund des neuen Konzepts war dies plötzlich möglich. Wie eng halten sich die Songs an die Originalvorlagen?
Sadler: Die meisten Gesangsmelodien sind weitestgehend so wie bei den Originalen. Bei einigen Nummern gibt es kleine Änderungen: hier mal eine andere Phrasierung, dort mal ein leicht umgewandelter Melodiebogen. Die Grundsubstanz der Gesänge ist jedoch gleich geblieben.

Nach welchen Kriterien wurden die Stücke ausgewählt?
Sadler: Als erstes: Es sollte sich um möglichst unerwartete Songs handeln, also nicht die üblichen Standards, die wir sowieso schon seit vielen Jahren in unseren Konzerten spielen. Und zweitens: Die
Stücke sollten für uns Musiker eine besondere Herausforderung darstellen, also nicht nur die einfachsten Nummern, die sich problemlos umwandeln lassen, sondern auch Stücke, bei denen es schwierig werden könnte.

Was bei eurem größten Hit ›Wind Him Up‹ prima funktioniert hat.
Sadler: Das stimmt. Und so gibt es ›Wind Him Up‹ jetzt in einer Version, mit der wohl kaum jemand gerechnet hätte. Jeder Saga-Fan kennt die Nummer, und jeder denkt: So und nicht anders muss sie klingen! Wir aber wollen zeigen, dass dieser Track auch ganz anders funktionieren kann. Allerdings war die Umsetzung nicht ganz einfach und wir mussten eine Menge Arbeit investieren, bevor die neue Version wirklich homogen klang.

Wo lagen die generellen Schwierigkeiten bei der Umwandlung?
Sadler: Es ist nie ganz einfach, für Songs, die man seit Jahrzehnten live gespielt hat, ein neues Arrangement zu finden, das sich zwar deutlich von der Vorlage unterscheidet, aber immer noch erkennbar ist. Doch die Mühe hat sich gelohnt, so dass wir alle Stücke, an denen wir gearbeitet haben, für SYMMETRY verwenden konnten. Es wäre wirklich zu schade gewesen, wenn missglückte Versuche in
einer Schublade hätten verschwinden müssen.
Gilmour: Es gibt allerdings auch ein paar Nummern, die wir bewusst eng an den ursprünglichen Versionen ausgerichtet haben, wie etwa ›Say Goodbye To Hollywood‹ oder ›No Regrets‹.
Sadler: Oder auch ›Images‹, eine Nummer, die für mein Empfinden sehr viel vom originalen Feeling behalten hat. ›Images‹ war schon vorher eine Ballade, und ruhige Nummern lassen sich per se etwas einfacher in Akustikversionen umwandeln.

Würdet ihr mir zustimmen, dass die größte Überraschung auf SYMMETRY die neue Version von ›Pitchman‹ ist?
Sadler: Ja, könnte man so sagen. Einen Song wie ›Pitchman‹ mit Fiedel auszustatten, ist sicherlich gewagt. Wobei ich dazu sagen muss: Ich fand immer schon, dass ›Pitchman‹ ein zweites, geheimes Leben in sich trägt, das es Wert ist, an die Oberfläche gebracht zu werden. Für Saga-Fans ist diese Nummer sicherlich die überraschendste auf SYMMETRY.

Wart ihr euch bei der Songauswahl immer einig? Wie wurde im Zweifelsfall entschieden?
Sadler: Rein demokratisch. Jeder hat eine Stimme, und dann geht es halt um Mehrheiten. Allerdings kommt es bei Saga nur äußerst selten vor, dass wir abstimmen müssen. Meistens gibt es gute Argumente für die eine oder andere Entscheidung, sodass darüber nicht lange diskutiert werden muss.

Saga sind sich also fast immer einig?
Sadler: Hahaha, nein, natürlich nicht! Welche Band ist das schon? Saga bestehen aus fünf unterschiedlichen Charakteren. Es ist also ganz normal, dass es auch mal kräftig im Karton rappelt. Aber in letzter Konsequenz sind wir uns einig, worum es in dieser Band geht. Nämlich um die bestmögliche Musik, und genau die findet man jetzt auch auf SYMMETRY.

Werkschau: Mick Ron­­son

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Der bescheidene Mann aus der Grafschaft Yorkshire machte David Bowie berühmt, definierte den Glamrock und hauchte The Velvet Underground neues Leben ein.

Auch wenn er zu seinen Lebzeiten nur zwei Soloalben veröffentlichte (SLAUGHTER ON 10TH AVENUE und PLAY DON’T WORRY), wurde Mick Ron­­son dank einiger bahnbrechender Darbie­tungen mit David Bowie vor, während und nach dessen Aufstieg in den Rockolymp lange zu den besten britischen Gitarristen überhaupt gezählt. Als Musiker, Arrangeur und musikalischer Leiter waren Ronsons Talente der unverzichtbare Dreh- und Angelpunkt auf ZIGGY STARDUST AND THE SPIDERS FROM MARS, bis Bowie für DIAMOND DOGS eine andere Taktik wählte.

„Ronno“ tat sich nie leicht damit, seine So­­lowerke zu bewerben, und bevorzugte eine Rolle als Kollaborateur, die er schon in seiner wichtigsten Band in seiner Heimat Hull, The Rats, perfektioniert hatte. Auch sein erstes größeres Projekt war lokaler Natur: sein Bei­trag zu Michael Chapmans zweitem Album FULLY QUALIFIED SURVEYOR von 1970. Chapman sagte: „Dieser Kerl ist der beste Gitarrist überhaupt.“

Zu jener Zeit entdeckten Bowie und sein damaliger Produzent Tony Visconti den dürren, schweigsamen Ronson. Nicht wenige haben gewisse Ähnlichkeiten zwischen jener Chapman-Platte und Bowies HUNKY DORY festgestellt, dem Album, auf dem sich die Hippie-Bohème in den embryonalen Glam­rock verwandelte.

Sein Beitrag zu Lou Reeds TRANSFORMER wiederum demonstrierte seine Fähigkeiten als Arrangeur von Streichern und seine messerscharfe Vision für die Gitarre. So half er, einen Haufen Material, das halbfertig herumlag, zu retten und in fertige Songs zu verwandeln. Auch seine spätere Zusammenarbeit mit Ian Hunter war fruchtbar, auch wenn die Tage der Bowiemanie nie wieder übertroffen wurden. Doch auch bei anderen Nebenprojekten leistete er Großes, etwa Pure Prairie League und Bob Dylans Rolling Thunder Revue. „Ich würde ihm [Bob] überall hin folgen“, schwor Ronson. „Diese ganze Tour war ein riesiges Abenteuer. Da waren Joan Baez, Roger McGuinn, Allen Ginsberg. Da war Dylan. Und da war auch ich. Für einen Burschen aus Yorkshire war das wirklich überwältigend.“

Danach hatte Ronnos Karriere noch ein paar Höhepunkte, aber nicht viele. Für jeden John Cougar gab es einen David Cassidy. Ein spätere Reunion mit Bowie und seine bedeutsame Unterstützung von Morrisseys YOUR ARSENAL fielen mit dem Wissen zusammen, dass er an inoperablem Leberkrebs litt, doch er arbeitete bis zu seinem Tod im April 1993 im Alter von nur 46 Jahren weiter.

Morrisseys Gitarrist Boz Boorer erinnerte sich: „Ich kann ihn noch vor einem ohrenbetäubend lauten Marshall-Verstärker sehen, wie er einen Klang erzeugte, den er hören konnte – ein Meister bei der Arbeit.“

Unverzichtbar

David Bowie
HUNKY DORY
RCA, 1971

David Bowie Hunky Dory
Die Aufnahmen begannen nach dem Auftritt von Bowie und Ronson in Glastonbury, die Elemente von „Ziggy” waren alle schon da. Dies war das einzige Mal, dass Ronno als Ar­­rangeur in den Credits erwähnt wurde. HUNKY DORY floppte zwar damals, gilt heute aber als das beliebteste Album der Band. Stücke wie ›Quicksand‹ und ›The Bewlay Brothers‹ markieren den Übergang vom Hippie-Mystizismus zur Keim­zelle des Glamrock auf ›Queen Bitch‹ und ›Changes‹. Referen­zen an Lennon, Warhol und The Velvet Underground waren ein ehrgeizige Ansage, doch Ronsons akustisches und elektrisches Spiel konnte sie mit Leben erfüllen und dadurch sicherstellen, dass ›Life On Mars?‹ zum Klassiker wurde.

David Bowie
THE MAN WHO SOLD THE WORLD
MERCURY, 1970

David Bowie The Man Who Sold The World
Die Platte mit dem Metal. Das orientalische Dröhnen und die Latin-Rhythmen auf dem Titelstück, der umwerfende R&B auf ›The Width Of A Circle‹ und das verzerrte, depressive ›All The Madmen‹ waren an­­ders als alles andere im britischen Rock. ›The Supermen‹, basierend auf einem Riff, das Jimmy Page dem Sänger vermacht hatte, war wiederum die perfekte Bühne, um Ronson von der Leine zu lassen. Bowie steuerte die Psych-Referenzen an Nietzsche, HP Lovercraft und Aleister Crowley bei, während Ronson (und Visconti) bei den Arrangements für Per­fektion sorgten. Selbst das eher belanglose ›Black Country Rock‹ ist eine Lektion in Sachen Präzision.

Wunderbar

David Bowie
THE RISE AND FALL OF ZIGGY STARDUST AND THE SPIDERS FROM MARS
RCA, 1972

David Bowie Ziggy Stardust
Der 16. Juni 1972 war der Wen­depunkt für Bowie und seine Band. Micks Streicherarrange­ments werden oft überhört, weil die Songs ohnehin so episch sind, doch seine Parts in ›Five Years‹, ›Moonage Daydream‹ und der Synthie auf ›Suffragette City‹ unterstrichen die Texte perfekt, während sein Harmo­niegesang nicht wegzudenken ist. Produzent Ken Scott staunte über Micks Fähigkeit, auf dem Klo mal eben eine Partitur zu schreiben und dann die Musiker zu unterweisen, während Bowie voller Bewunderung zusah.

Lou Reed
TRANSFORMER
RCA, 1972

Lou Reed Transformer
Ronson erledigte einen Großteil der Produktion und all die wichtigen Arrangements auf dem Album, das Lou Reed zu einem Star machte. Seine Streicher- und Klavierparts auf ›Perfect Day‹, die Flöte auf ›Satellite Of Love‹, dieses Riff auf ›Vicious‹, die Orchestrierung und die Vo­­cals auf ›Walk On The Wild Side‹ hätten ihm Wohl­stand einbringen müssen, doch wie im­­mer wurde er nach Tarif bezahlt, während andere die Ernte einfuhren. Später zollte Reed den „Glammer Twins“ Tribut, dass sie seine Karriere angeschoben hatten. Er betonte, dass Ronsons Hand dabei die wichtigere war.

Michael Chapman
FULLY QUALIFIED SURVIVOR
HARVEST, 1970


Der Durchbruch für Ronno, der die Arbeit von Chap­mans Ar­­rangeur Paul Buck­master und Produzent Gus Dudgeon studierte, während er Licks für das funky ›Soulful Lady‹ beisteuerte und die Akkordfolgen für ›Stran­ger In The Room‹. Er war in seinem Element, als er die ›Post­cards From Scarborough‹ mit Streichern und das sanfte ›Rab­bit Hills‹ untermalen durfte, ließ sich aber auch Tipps in Sachen Stimmung und Nuancen geben von Bassist Rick Kemp, der ihn zu den Sessions begleitet hatte. All diese Erfahrungen haben Ronno eindeutig inspiriert.

David Bowie
ALADDIN SANE
RCA, 1973

David Bowie Aladdin Sane
Ronson hatte Fahrt aufgenommen, trug die Riffs für ›Watch That Man‹ und das kochende Solo auf ›Time‹ bei. Die Hitsingle ›The Jean Genie‹, basierend auf ›I‘m A Man‹ von den Yardbirds, hatten Bowie und Ronson im Tourbus durch die USA noch mal überarbeitet. Sie wurde zu ihrem bislang größten Erfolg, noch vor dem Soulstück ›Drive-in Saturday‹. Auf dessen Single-B-Seite, einem Cover von Chuck Berrys ›Around And Around‹, hören wir den Gitarristen verspielt wie nie. Die meisten spielen bei alten Rocknummern nur die Soli nach, doch Ronson nahm die Sache wirklich ernst.

Anhörbar

Ian Hunter
IAN HUNTER
CBS, 1975

Ian Hunter Ian Hunter
Als er das Streicher- und Bläser- Arrangement für Mott The Hooples ›Sea Diver‹ auf eine Zigaretten­schachtel kritzelte und die Band durch ihre Fassung von ›All The Young Dudes‹ leitete, war dies der Beginn einer langen Freund­schaft zwischen ihm und Ian Hunter. Dessen Debüt begann mit Ronsons Solo auf ›Once Bitten, Twice Shy‹. Auch für ›Boy‹ bekam er einen Credit, steuerte an anderer Stel­le Gitarren, Orgel, Mellotron, Bass und Harmonika bei. Micks Produktion verleiht dem Werk eine zeitlose Qualität, Hunter engagierte ihn auch für YOU‘RE NEVER ALONE WITH A SCHI­ZOPHRENIC.

Mick Ronson
SLAUGHTER ON 10TH AVENUE
RCA, 1974

Mick Ronson Slaughter On 10th Avenue
Als seine Zeit bei Bowie fast vorbei war, wollte ihn die Firma MainMan ins Rampenlicht rücken. Sein Solodebüt war durchaus glaubhaft, doch verfuhr sich in zu viele Richtungen von Elvis (›Love Me Tender‹) über Italo-Pop (›Music Is Lethal‹) bis zu einem Ballett­stück von Richard Rodgers, das Bowie als Titelnummer vorschlug. In Sachen Virtuosität (Ronsons Version von Annette Peacocks ›I‘m The One‹ ist das Highlight) gibt es nichts zu kritteln, doch in diesem Fall hätte er lieber einen externen Produ­zenten zu Rate gezogen, denn vieles zündet nur bedingt.

Mick Ronson
PLAY DON’T WORRY
RCA, 1975

Mick Ronson Play Don't Worry
Auch Ronsons zweites Solo­album ist eher durchwachsen. Die Höhepunkte – ›Billy Porter‹, eine Neubearbeitung von ›Stone Love (Soul Love)‹ auf der CD-Fassung sowie eine knackige Interpretation von Pure Prai­rie Leagues ›Angel No. 9‹ sind nicht übel, doch ›The Girl Can‘t Help It‹ und ein aufgewärmtes ›White Light/White Heat‹ sind eher überflüssig. Unter den Mu­­sikern finden sich Trevor Bolder und Mike Garson, es klingt alles authentisch, doch man hat nicht den Eindruck, dass Ronson die Chefrolle wollte. RCA war derselben Meinung und entließ ihn aus seinem Vertrag. Bob Dylan wartete schon auf ihn.

Sonderbar

David Bowie
PIN UPS
RCA, 1973

David Bowie Pin Ups
Auf dem Papier mag es eine gute Idee gewesen sein, doch PIN UPS klang wie reine Ver­trags­erfüllung. Bowies Ent­schluss, alte Mod-Hits neu aufzulegen, prallte an Ronson ab, der die besseren Songs – ›Rosa­lyn‹, ›I Wish You Would‹ und ›Where Have All The Good Ti­­mes Gone‹ – kartografierte, ohne auch nur anzudeuten, dass er oder irgendjemand sonst die Originale übertreffen könnte. Dazu kommt eine blecherne Produktion, das Ergebnis ist also ziemlich hölzern. Das Album mag durchaus seine Qualitäten haben, doch niemand wird be­­sessen davon sein, es auf den Plattenspieler zu legen.

Foo Fighters: Dave Grohl tritt mit Tochter Violet auf

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In der jüngsten „Jimmy Kimmel Show“ nahm Dave Grohl seine 15 jährige Tochter Violet mit auf die Bühne. Zusammen mit seinem ehemaligen Nirvana-Bandkollegen Krist Novoselic, Produzent Greg Kurstin und Dave Lombardo (ex-Slayer) coverten die beiden Grohls den Song ›Nausea‹ der Punkband X.

Der Auftritt sollte Grohls neue Dokumentation „What Drives Us“ promoten. Der Film beschäftigt sich mit dem inneren Antrieb von Musikern und wird ab 30. April bei Amazon Prime ausgestrahlt.

https://youtube.com/watch?v=yyE-0-Cc1rc