Saga: Auch ohne Strom elektrisierend

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Saga: Auch ohne Strom elektrisierend

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Mit ihrem neuen Akustikalbum SYMMETRY präsentieren die kanadischen Prog-Rocker Saga ungewöhnliche Versionen mehr oder minder bekannter Bandklassiker. Sänger Michael Sadler und Keyboarder Jim Gilmour erklären, wie die Idee entstanden ist.

Eigentlich stehen Saga für handfeste Rockmusik, für kraftvolle Grooves, virtuose Gitarrenparts und eine generell forsche Gangart. Vor allem in den 80ern gehörte die kanadische Band zu den internationalen Topsellern, landete mit Hits wie ›Humble Stance‹, ›On The Loose‹, ›Wind Him Up‹ oder ›The Flyer‹ hohe Charterfolge und füllte mühelos große Hallen. Mit ihrem neuen Album SYMMETRY zeigt sich die fünfköpfige Gruppe nun von einer anderen Seite: Zwölf ihrer Songs wurden neu aufgenommen, und zwar in veränderten, rein akustischen Versionen, inklusive für die Band ungewöhnlicher Instrumente wie Fiedel, Klarinette, Akkordeon oder Mellotron. In Zeiten, in denen aufgrund des weltweiten Lockdowns der Musikkonsum nur noch zu Hause möglich ist, könnte dies womöglich die beste – da besonders intime – Art sein, Saga-Songs zu genießen. Frontmann Michael Sadler und Keyboarder Jim Gilmour mit Rück- und Einblicken.

Michael und Jim, würdet ihr sagen, dass SYMMETRY eine direkte Folge des Corona-Lockdowns ist?
Sadler: Nein, das ist diese Scheibe ganz bestimmt nicht. Wir haben schon sehr lange über ein solches Album nachgedacht und immer wieder getestet, bei welchen Songs ein anderes Arrangement denkbar wäre.
Gilmour: Im Grunde genommen geht die Idee auf die Zeit der letzten Saga-Tour mit Michael zurück. Damals haben wir – vor dem regulären Konzert – ein Set mit Akustikversionen gespielt, quasi als besonderen Bonus für die Fans. Eigentlich sollte dies ein großes Geheimnis bleiben, damit die Zuschauer zunächst denken, dass wir die Vorgruppe sind. Aber in Zeiten von Internet und Sozialen Medien
lässt sich so etwas natürlich nicht lange geheim halten. Bereits nach ein paar Shows war die Nachricht rum, dass wir zwei Sets spielen, eines davon rein akustisch. Diese Shows haben wir jeden Abend mitschneiden lassen, um sie später als CD zu veröffentlichen. Doch mit den Aufnahmen waren wir nicht restlos zufrieden. Deshalb wurde entschieden, die Akustiksongs noch einmal in einem Tonstudio einzuspielen. So ist SYMMETRY entstanden.

Wie verliefen die Vorarbeiten?
Sadler: Zunächst machte sich [Gitarrist] Ian an die Arbeit, seine Parts in akustische Fassungen umzuwandeln und zusätzlich ein paar Neuerungen einzubauen, die es in dieser Form vorher noch nicht gab.
Gilmour: Für mich war es natürlich eine überaus willkommene Abwechslung, etwas Neues auszuprobieren. Ich wollte immer schon mal auf einem Saga-Album Klarinette, Akkordeon oder Klavier spielen. Aufgrund des neuen Konzepts war dies plötzlich möglich. Wie eng halten sich die Songs an die Originalvorlagen?
Sadler: Die meisten Gesangsmelodien sind weitestgehend so wie bei den Originalen. Bei einigen Nummern gibt es kleine Änderungen: hier mal eine andere Phrasierung, dort mal ein leicht umgewandelter Melodiebogen. Die Grundsubstanz der Gesänge ist jedoch gleich geblieben.

Nach welchen Kriterien wurden die Stücke ausgewählt?
Sadler: Als erstes: Es sollte sich um möglichst unerwartete Songs handeln, also nicht die üblichen Standards, die wir sowieso schon seit vielen Jahren in unseren Konzerten spielen. Und zweitens: Die
Stücke sollten für uns Musiker eine besondere Herausforderung darstellen, also nicht nur die einfachsten Nummern, die sich problemlos umwandeln lassen, sondern auch Stücke, bei denen es schwierig werden könnte.

Was bei eurem größten Hit ›Wind Him Up‹ prima funktioniert hat.
Sadler: Das stimmt. Und so gibt es ›Wind Him Up‹ jetzt in einer Version, mit der wohl kaum jemand gerechnet hätte. Jeder Saga-Fan kennt die Nummer, und jeder denkt: So und nicht anders muss sie klingen! Wir aber wollen zeigen, dass dieser Track auch ganz anders funktionieren kann. Allerdings war die Umsetzung nicht ganz einfach und wir mussten eine Menge Arbeit investieren, bevor die neue Version wirklich homogen klang.

Wo lagen die generellen Schwierigkeiten bei der Umwandlung?
Sadler: Es ist nie ganz einfach, für Songs, die man seit Jahrzehnten live gespielt hat, ein neues Arrangement zu finden, das sich zwar deutlich von der Vorlage unterscheidet, aber immer noch erkennbar ist. Doch die Mühe hat sich gelohnt, so dass wir alle Stücke, an denen wir gearbeitet haben, für SYMMETRY verwenden konnten. Es wäre wirklich zu schade gewesen, wenn missglückte Versuche in
einer Schublade hätten verschwinden müssen.
Gilmour: Es gibt allerdings auch ein paar Nummern, die wir bewusst eng an den ursprünglichen Versionen ausgerichtet haben, wie etwa ›Say Goodbye To Hollywood‹ oder ›No Regrets‹.
Sadler: Oder auch ›Images‹, eine Nummer, die für mein Empfinden sehr viel vom originalen Feeling behalten hat. ›Images‹ war schon vorher eine Ballade, und ruhige Nummern lassen sich per se etwas einfacher in Akustikversionen umwandeln.

Würdet ihr mir zustimmen, dass die größte Überraschung auf SYMMETRY die neue Version von ›Pitchman‹ ist?
Sadler: Ja, könnte man so sagen. Einen Song wie ›Pitchman‹ mit Fiedel auszustatten, ist sicherlich gewagt. Wobei ich dazu sagen muss: Ich fand immer schon, dass ›Pitchman‹ ein zweites, geheimes Leben in sich trägt, das es Wert ist, an die Oberfläche gebracht zu werden. Für Saga-Fans ist diese Nummer sicherlich die überraschendste auf SYMMETRY.

Wart ihr euch bei der Songauswahl immer einig? Wie wurde im Zweifelsfall entschieden?
Sadler: Rein demokratisch. Jeder hat eine Stimme, und dann geht es halt um Mehrheiten. Allerdings kommt es bei Saga nur äußerst selten vor, dass wir abstimmen müssen. Meistens gibt es gute Argumente für die eine oder andere Entscheidung, sodass darüber nicht lange diskutiert werden muss.

Saga sind sich also fast immer einig?
Sadler: Hahaha, nein, natürlich nicht! Welche Band ist das schon? Saga bestehen aus fünf unterschiedlichen Charakteren. Es ist also ganz normal, dass es auch mal kräftig im Karton rappelt. Aber in letzter Konsequenz sind wir uns einig, worum es in dieser Band geht. Nämlich um die bestmögliche Musik, und genau die findet man jetzt auch auf SYMMETRY.

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