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Start Blog Seite 346

Meine erste Liebe: Django Reinhardt von Jan Akkerman

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Das war eine der 40er-Jahre-Platten, die meine Eltern zuhause hatten. Django war seiner Zeit in so Vielem so weit voraus. Er war ein fantastischer Gitarrist. Mein Vater, der im Gebrauchtwagenhandel tätig war, hatte diesen Schrottplatz. Ein Teil dieses Geschäftes führte ihn regelmäßig in ein Lager zwischen Haarlem und Amsterdam, wohin er mich immer mitnahm. Dort kam ich im zarten Alter von fünf Jahren in den Genuss meiner ersten Akkordeon-Unterrichtsstunde. Und dort entdeckte ich auch Django Reinhardt und seinen besonderen Jazz.

Ein paar Jahre später bekam ich von meinen Eltern meine erste Gitarre. Django hatte nur drei Finger an seiner linken Hand, doch berühmt wurde er nicht durch den Diebstahl von Bowlingkugeln. Sein Stil war so unverwechselbar und anders als amerikanischer Jazz. Das versuchte ich, auf der E-Gitarre umzusetzen, als ich bei Focus war. Er war damals tatsächlich meine größte Inspiration. Musikalisch setze ich mich also aus Django und elektrischem Rock’n’Roll zusammen. Ich denke, das macht dieses gewissen Etwas in meinem Spiel aus. Heute bin ich stolz darauf, meine eigene Jan-Akkerman-Signature-Gitarre zu spielen, die sie nach Djangos 1932er Modell benannt haben.

Video der Woche: The Pretty Things mit ›Midnight To Six Man‹

Vor genau einem Jahr starb Sänger Phil May an Komplikationen nach einer Hüftoperation. Und fast genau 19 Jahre zuvor, am 16. Mai 2001 starb auch Gitarrist Brian Pendleton an Krebs. Wir erinnern uns an The Pretty Things und ihren Song aus dem Jahr 1966: ›Midnight To Six Man‹.

Benannt hatte sich die Band nach einem Song von Willie Dixon und legte sich fortan ins Zeug, um bestmöglich zu provozieren und aufzufallen. Phil May behauptete von sich selbst gerne, die längsten Haare in Großbritannien zu haben. Aber nicht nur zu Hause wurde gern gefeiert, auch auf anderen Inseln sorgte man für Chaos: Im Jahr 1965 beschloss Neuseeland, es sich in Zukunft gut zu überlegen, welchen Musikern man Zutritt zum Eiland gewährte. The Pretty Things wurden zwar nicht raus geschmissen, kamen dem wohl aber sehr nah.

Während die Briten auf dem Kontinent verschiedene Erfolge feiern konnten, kamen sie in den Vereinigten Staaten auf keinen grünen Zweig und konnten auch dort auch nie einen Hit landen. Das Chaos nahm seinen Lauf und so folgten Besetzungswechsel und musikalische Neuausrichtungen. Im Pandemiejahr 2020 erschien das Album BARE AS BONE, BRIGHT AS BLOOD als Hommage an Sänger Phil May.

Plattensammler: Charlie Starr

Gitarrist und Sänger Charlie Starr leitet Blackberry Smoke aus Atlanta seit nunmehr zwei Jahrzehnten und hält die Fahne für eine neue Welle des Southern Rock hoch. In seiner Kindheit hörte er Bluegrass, Country und Gospel, und er liebt auf ewig die Rolling Stones.

In der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK findet ihr unsere Titelstory über Blackberry Smoke!

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERE
Mein Dad, der Bluegrass auf der Gitarre spielte. Ich war so vier oder fünf. Die Geschichten in diesen Songs faszinierten mich total, vor allem die in einem namens ›Wreck Of The Old 97‹ über einen Bahntechniker, der starb.

DER ERSTE SONG, DEN ICH LIVE SPIELTE
Wahrscheinlich einer von Black Sabbath, ›Iron Man‹ oder ›War Pigs‹, bei einem Talentwettbewerb auf der High School. Unsere Band hatte keinen Sänger, also war das eine Instrumentalversion. Alle wollten Gitarrist sein, aber niemand hatte den Mut, zu singen. Die Band hieß Malteze. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum.

DAS BESTE ALBUM ALLER ZEITEN
EXILE ON MAIN ST. von den Rolling Stones. Definitiv. Ich denke, das deckt alles ab, was Rock’n’Roll-Musik betrifft. Und nicht nur Rock’n’Roll, da sind auch Gospel, Blues und Soul. Sie fingen alles so perfekt ein. Das ist so dreckig und fies – fast ein bisschen angsteinflößend. Außerdem ist sie eine dieser Platten, die ich mir ganz anhören muss, wenn ich erst mal angefangen habe.

DAS BESTE LIVE-ALBUM
AT FILLMORE EAST von den Allman Brothers. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass der Produzent Tom Dowd sagte, es habe keine Overdubs auf dieser Platte gegeben, es sind einfach nur sie, die singen und spielen und fantastisch sind. Als Gitarrist aus den Südstaaten wird Duane Allman von mir und anderen wie mir verehrt. Wir lernten jede Note, die er auf diesem Album spielte, aber er war so ein Typ, der diese Noten wahrscheinlich nie wieder genau so gespielt hat. Es ist schon lustig, wie wir einen Abend seines musikalischen Lebens vergöttern, den er vermutlich so nie wiederholt hat.

DER GITARRENHELD
Den Titel teilen sich Jimmy Page und Billy Gibbons. Sie waren so kreative Kräfte, definitiv ein Einfluss für mich. Sie spielen sehr anders, aber kommen aus einer ähnlichen Richtung: dem elektrifizierten Blues. Und beide sind auch so tolle Komponisten und Songwriter.

DER SÄNGER
Mein Lieblingssänger aller Zeiten ist Little Richard. Meine Mutter liebte Rock’n’Roll: Little Richard, die Stones, die Beatles. Ich glaube, ›Lucille‹ war der erste Song, den ich von ihm hörte, und ich wollte ihn einfach immer und immer wieder hören! Er war der Erste, der richtig Feuer unterm Arsch hatte, der am Mikro so richtig ausflippte.

DER SONGWRITER
Das ist eine sehr schwere Wahl, aber ich sage mal Bob Dylan. Er hat so viele verschiedene Arten von Songs geschrieben, man kann ihn nicht wirklich auf etwas festlegen. Er brachte eine Intelligenz in das Rock’n’Roll-Songwriting. Er beeinflusste John Lennon so sehr, dass der offenbar mal sagte: „Ich will keine Liebeslieder mehr schreiben, sondern so wie Bob“.

DIE HYMNE
›Won’t Get Fooled Again‹ von The Who. Man könnte schlechte Laune haben oder einen miesen Tag, aber wenn der Song losgeht, denkt man nur: „Oh, ich muss aufstehen!“

DER KULTHELD
Doug Sahm. Er war aus San Antonio, Texas, und Mitte der 60er ein Mitglied des Sir Douglas Quintet. Typen aus Texas, die sich wie Typen der britischen Invasion kleideten. Doug war der Anführer und bereitete dem Tex-Mex-Rock den Weg.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH GEMACHT HABE
Unsere Fans scheinen THE WHIPPOORWILL am meisten zu lieben. Die Songs darauf werden am öftesten verlangt. Das Lustige ist, dass wir das Album in etwa zehn Tagen gemacht haben. Ich glaube nicht, dass ich selber einen Favoriten habe. Ich bin ein furchtbarer Kritiker meiner eigenen Arbeit, also ist es schwer, mit etwas wirklich zufrieden zu sein.

Blackberry Smoke

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH GEMACHT HABE
Ich kann mit aller Ehrlichkeit sagen, dass ich hoffe, dass wir sie noch nicht gemacht haben!

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT
›Fort Worth Blues‹ von Steve Earle. Meine Frau und ich sind uns da einig. So weit ich weiß, schrieb Steve das für und über Townes Van Zandt, der einer seiner Mentoren und ein enger Freund war. Allein der Klang dieses Songs treibt mir Tränen in die Augen, das ist so kraftvoll.

MEIN „GUILTY PLEASURE“
Im Moment ist mein Sechsjähriger gerade von „Weird“ Al Yankovic fasziniert, genauer vom Album DARE TO BE STUPID. Das hören wir uns jeden Tag an. Wann immer wir ins Auto steigen, sagt er: „Dad, spiel ›Yoda‹! Spiel ›Slime Creatures From Outer Space‹!“ Und ich liebe es, das macht großen Spaß.

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN
NRBQ – das steht für New Rhythm And Blues Quartet. Vor allem der Gitarrist Big Al Anderson. Er ist der wohl unterbewertetste Gitarrist, den ich je gehört habe. Sie waren fantastische Songwriter und Musiker und spielten selbst die kompliziertesten Arten von Musik, ganz spontan, als wäre es nichts weiter.

DER SONG, DEN ICH GERNE GESCHRIEBEN HÄTTE
›Honky Tonk Women‹. Von Anfang bis Ende ein perfekter Rock’n’Roll-Song. Als ich von meinem Dad Bluegrass und traditionelle Country-Musik lernte, war das wohl das erste, was ich wirklich verstand. Als ich dann ›Honky Tonky Women‹ bei meiner Mutter im Radio hörte, dachte ich: „Moment mal, das
ist irgendwie dasselbe wie Country, nur lauter!“

DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL
Ich denke, ›Amazing Grace‹. Das ist wunderschön und wahrscheinlich der perfekteste Gospelsong überhaupt. Ich könnte es ebenfalls als Song nennen, den ich gerne geschrieben hätte. Stell dir vor, du wärst die Person, die dieses unglaubliche Stück Musik erschaffen hat.

Van Morrison – LATEST RECORD PROJECT VOLUME 1

Fleißig, fleißig: 28 neue Songs vom „Originalquerdenker…

Das also ist das jüngste Plattenprojekt von Van Morrison,und der Einfachheit halber heißt es auch so. Was umso bemerkenswerter ist, da ihm diese erfrischende Klarheit, mit der er die Dinge beim Namen nennt, bekanntlich nicht immer zu eigen war: Sein Hang zur Mystik, zum Rätselhaften und Spirituellen, ließ bisweilen selbst ambitionierte Exegeten recht harte Nüsse knabbern, doch Stücke wie ›Where Have All The Rebels Gone‹ oder der vom Lockdown inspirierte Sarkasmus von ›Deadbeat Saturday Night‹ sind erfreulich unzweideutig.

Womit das Stichwort gefallen ist: Morrison hatte pandemiebedingt viel Zeit, die er konstruktiv nutzte, denn 28 Songs auf zwei CDs oder drei LPs sind zweifellos ein Statement – und das VOLUME 1 im Titel lässt sogar noch mehr erwarten. Der Bo-Diddley-Beat von ›Stop Bitching, Do Something‹, der an Sam Cookes ›Wonderful World‹ erinnernde Soul von ›No Good Deed Goes Unpunished‹, der funky Groove von ›Why Are You On Facebook?‹ und das selbst erklärende ›Thank God For The Blues‹ markieren die stilistischen Eckpunkte, was so aber auch zu erwarten war.

Dass der Grat zwischen Nonkonformismus und Verschwörungsgelaber verdammt schmal sein kann, legt ›They Own The Media‹ nahe, denn wer uns genau all die Lügen verzapft, lässt Morrison leider unerwähnt. Was die anfangs gelobte Klarheit bedauerlicherweise doch wieder relativiert, denn wer derartige Vorwürfe erhebt, sollte Ross und Reiter nennen– sonst nähern wir uns einer „gefühlten Realität“, die mit der Wirklichkeit bekanntlich wenig zu tun hat.

Van Morrison, LATEST RECORD PROJECT VOLUME 1, BMG/WARNER

The Struts: Cover von Queens ›We Will Rock You‹

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The Struts wagen sich an ein Cover des Queen-Klassikers ›We Will Rock You‹.

Frontmann Luke Spiller wird des Öfteren mit Freddie Mercury verglichen, sowohl was seinen Look, als auch was seine Stimme angeht. Da die Briten zudem auch noch riesige Queen-Fans sind, bot es sich wohl an, einen ihrer bekanntesten Hits zu covern.

Und damit nicht genug. Der Song wird wohl für eine TV-Werbekampagne genutzt, wie das Instagram-Profil der Band verrät. Was es damit genau auf sich hat, bleibt jedoch offen, man munkelt jedenfalls von Küchen…

The Black Keys – DELTA KREAM

Blues-Jam nach Art des Hauses

Für die beharrliche Weigerung, ihrem Lo-Fi-Bluesrock mittels Studio-Schönklang ein größeres Publikum zu erschließen, möchte man die Herren Auerbach und Carney schlichtweg umarmen: Hochglanz mag was für notenlesende Session-Schöngeister sein, die zwischendurch auch mal den crazy Blues spielen wollen (kann ja nicht so schwer sein), doch Seele hat das meistens nicht. Aber wenn ›Walk With Me‹ seine manische Intensität entfaltet, sich das magische ›Going Down South‹ – Falsettgesang inklusive – dem Trancezustand entgegenschraubt oder mit ›Coal Black Mattie‹ ein wilder Slide-Stomper erklingt, kommt das Duo aus Ohio tatsächlich im tiefen Süden an. Kritik ist nur vereinzelt angebracht, etwa wenn selbst Gus Cannons tottrauriges ›Poor Boy A Long Way From Home‹ von 1927 nicht angemessen heavy, sondern eher ein wenig funky daherkommt. Doch dass Auerbach kein Blues-Shouter ist, der seit 65 Jahren allmorgendlich mit Bourbon und einer Handvoll Reißnägeln gurgelt, ist bekannt, ebenso, dass er sich eher an den Versionen der Chicago-Fraktion abarbeitet, als an denen der eigentlichen Urheber aus den 20ern und 30ern. Doch drahtige, kernige Sounds, reichlich Spielfreude, ein ausgeprägter Jam-Charakter und Auerbachs stets der Sache verpflichtete Virtuosität entschädigen für fast alles.

8 von 10 Punkten

The Black Keys, DELTA KREAM, NONESUCH/WARNER

The Chills – SCATTERBRAIN

Ein wenig durchwachsen: einige Höhepunkte, viel Leerlauf

Schon erstaunlich, wie einen der leicht nervöse Wave-Rock des Eröffnungsstücks ›Monolith‹ auf die völlig falsche Fährte locken kann, denn am eindringlichsten ist die Band aus dem neuseeländischen Dunedin eigentlich dann, wenn sie – wie in ›Caught In My Eye‹ und ›You’re Immortal‹ – eine Art Indie-Folk-Prog anstimmt, der auch mal mit hübsch verschwurbelten Melodien und Kontrapunkte setzenden Breaks überrascht. Der mit psychedelischem Noise unterlegte Titeltrack und das bläserverzierte ›Worlds Within Worlds‹ sind auch noch recht überzeugend geraten, doch ansonsten gehen die Indierock-Veteranen leider ziemlich konventionell zu Werke, was zwar durchaus gefällige, aber leider nicht immer allzu zwingende Songs abwirft.

Auch wenn das folkige ›Hourglass‹ mit einem netten, leicht exzentrischen Interludium aufwartet, vermisst man über weite Strecken jene Art Spannung, die der Aufmerksamkeit gemeinhin förderlich ist: Stücke wie ›Destiny‹ oder ›Safe And Sound‹ lassen einen nicht gerade – aus Furcht, man könnte etwas Spektakuläres verpassen – angestrengt die Ohren spitzen. Sie laufen eben so vor sich hin, bar jeglicher Höhepunkte. Was schade ist, denn dass The Chills zu mehr in der Lage sind, haben sie bereits häufiger bewiesen.

6 von 10 Punkten

The Chills, SCATTERBRAIN, FIRE RECORDS/CARGO

Ryan Downey – A TON OF COLOURS

Das große Aufbäumen

Was für eine Stimme! Sie macht den Unterschied, lässt an Roy Orbison oder Chris Isaak denken. Auch Leonard Cohen ist in ›Sors De Ma Tête‹ oder ›Never The Same‹ nicht weit weg. Im Prinzip kannte man das schon, doch auf seinem Debüt RUNNING wirkte Downey noch etwas schüchtern, tastete er sich mit minimalakustischem Klang heran. Jetzt sprengt der Mann aus Melbourne Fesseln, wagt sich hinaus. ›Half Light‹ ist geradezu rabiat, fast wie bei seinem Landsmann Nick Cave. Gitarrensolo? Gerne. Bei ›Patterns‹ fühlt man sich wie im Spaghetti-Western. In ›Same Dream, Every Night‹ stecken 80er-Sound und Falsetto-Aufschrei. Es wird auch mal moderner, kein Problem.

Immer wieder überrascht Downey im Zusammenschluss mit Produzent Burke Reid (Courtney Barnett) mit unerwarteten Wendungen, die am Ende nie gequält erscheinen. Die Atmosphäre stimmt auch, oft genug lässt sich Downey von Liebe und Lebenslust leiten. Als Sänger war er schon immer prima. Als bunter Vogel ist er noch besser.

7 von 10 Punkten

Ryan Downey, A TON OF COLOURS, DOT DASH RECORDINGS