Plattensammler: Charlie Starr

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Plattensammler: Charlie Starr

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Gitarrist und Sänger Charlie Starr leitet Blackberry Smoke aus Atlanta seit nunmehr zwei Jahrzehnten und hält die Fahne für eine neue Welle des Southern Rock hoch. In seiner Kindheit hörte er Bluegrass, Country und Gospel, und er liebt auf ewig die Rolling Stones.

In der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK findet ihr unsere Titelstory über Blackberry Smoke!

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERE
Mein Dad, der Bluegrass auf der Gitarre spielte. Ich war so vier oder fünf. Die Geschichten in diesen Songs faszinierten mich total, vor allem die in einem namens ›Wreck Of The Old 97‹ über einen Bahntechniker, der starb.

DER ERSTE SONG, DEN ICH LIVE SPIELTE
Wahrscheinlich einer von Black Sabbath, ›Iron Man‹ oder ›War Pigs‹, bei einem Talentwettbewerb auf der High School. Unsere Band hatte keinen Sänger, also war das eine Instrumentalversion. Alle wollten Gitarrist sein, aber niemand hatte den Mut, zu singen. Die Band hieß Malteze. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum.

DAS BESTE ALBUM ALLER ZEITEN
EXILE ON MAIN ST. von den Rolling Stones. Definitiv. Ich denke, das deckt alles ab, was Rock’n’Roll-Musik betrifft. Und nicht nur Rock’n’Roll, da sind auch Gospel, Blues und Soul. Sie fingen alles so perfekt ein. Das ist so dreckig und fies – fast ein bisschen angsteinflößend. Außerdem ist sie eine dieser Platten, die ich mir ganz anhören muss, wenn ich erst mal angefangen habe.

DAS BESTE LIVE-ALBUM
AT FILLMORE EAST von den Allman Brothers. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass der Produzent Tom Dowd sagte, es habe keine Overdubs auf dieser Platte gegeben, es sind einfach nur sie, die singen und spielen und fantastisch sind. Als Gitarrist aus den Südstaaten wird Duane Allman von mir und anderen wie mir verehrt. Wir lernten jede Note, die er auf diesem Album spielte, aber er war so ein Typ, der diese Noten wahrscheinlich nie wieder genau so gespielt hat. Es ist schon lustig, wie wir einen Abend seines musikalischen Lebens vergöttern, den er vermutlich so nie wiederholt hat.

DER GITARRENHELD
Den Titel teilen sich Jimmy Page und Billy Gibbons. Sie waren so kreative Kräfte, definitiv ein Einfluss für mich. Sie spielen sehr anders, aber kommen aus einer ähnlichen Richtung: dem elektrifizierten Blues. Und beide sind auch so tolle Komponisten und Songwriter.

DER SÄNGER
Mein Lieblingssänger aller Zeiten ist Little Richard. Meine Mutter liebte Rock’n’Roll: Little Richard, die Stones, die Beatles. Ich glaube, ›Lucille‹ war der erste Song, den ich von ihm hörte, und ich wollte ihn einfach immer und immer wieder hören! Er war der Erste, der richtig Feuer unterm Arsch hatte, der am Mikro so richtig ausflippte.

DER SONGWRITER
Das ist eine sehr schwere Wahl, aber ich sage mal Bob Dylan. Er hat so viele verschiedene Arten von Songs geschrieben, man kann ihn nicht wirklich auf etwas festlegen. Er brachte eine Intelligenz in das Rock’n’Roll-Songwriting. Er beeinflusste John Lennon so sehr, dass der offenbar mal sagte: „Ich will keine Liebeslieder mehr schreiben, sondern so wie Bob“.

DIE HYMNE
›Won’t Get Fooled Again‹ von The Who. Man könnte schlechte Laune haben oder einen miesen Tag, aber wenn der Song losgeht, denkt man nur: „Oh, ich muss aufstehen!“

DER KULTHELD
Doug Sahm. Er war aus San Antonio, Texas, und Mitte der 60er ein Mitglied des Sir Douglas Quintet. Typen aus Texas, die sich wie Typen der britischen Invasion kleideten. Doug war der Anführer und bereitete dem Tex-Mex-Rock den Weg.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH GEMACHT HABE
Unsere Fans scheinen THE WHIPPOORWILL am meisten zu lieben. Die Songs darauf werden am öftesten verlangt. Das Lustige ist, dass wir das Album in etwa zehn Tagen gemacht haben. Ich glaube nicht, dass ich selber einen Favoriten habe. Ich bin ein furchtbarer Kritiker meiner eigenen Arbeit, also ist es schwer, mit etwas wirklich zufrieden zu sein.

Blackberry Smoke

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH GEMACHT HABE
Ich kann mit aller Ehrlichkeit sagen, dass ich hoffe, dass wir sie noch nicht gemacht haben!

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT
›Fort Worth Blues‹ von Steve Earle. Meine Frau und ich sind uns da einig. So weit ich weiß, schrieb Steve das für und über Townes Van Zandt, der einer seiner Mentoren und ein enger Freund war. Allein der Klang dieses Songs treibt mir Tränen in die Augen, das ist so kraftvoll.

MEIN „GUILTY PLEASURE“
Im Moment ist mein Sechsjähriger gerade von „Weird“ Al Yankovic fasziniert, genauer vom Album DARE TO BE STUPID. Das hören wir uns jeden Tag an. Wann immer wir ins Auto steigen, sagt er: „Dad, spiel ›Yoda‹! Spiel ›Slime Creatures From Outer Space‹!“ Und ich liebe es, das macht großen Spaß.

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN
NRBQ – das steht für New Rhythm And Blues Quartet. Vor allem der Gitarrist Big Al Anderson. Er ist der wohl unterbewertetste Gitarrist, den ich je gehört habe. Sie waren fantastische Songwriter und Musiker und spielten selbst die kompliziertesten Arten von Musik, ganz spontan, als wäre es nichts weiter.

DER SONG, DEN ICH GERNE GESCHRIEBEN HÄTTE
›Honky Tonk Women‹. Von Anfang bis Ende ein perfekter Rock’n’Roll-Song. Als ich von meinem Dad Bluegrass und traditionelle Country-Musik lernte, war das wohl das erste, was ich wirklich verstand. Als ich dann ›Honky Tonky Women‹ bei meiner Mutter im Radio hörte, dachte ich: „Moment mal, das
ist irgendwie dasselbe wie Country, nur lauter!“

DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL
Ich denke, ›Amazing Grace‹. Das ist wunderschön und wahrscheinlich der perfekteste Gospelsong überhaupt. Ich könnte es ebenfalls als Song nennen, den ich gerne geschrieben hätte. Stell dir vor, du wärst die Person, die dieses unglaubliche Stück Musik erschaffen hat.

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