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Start Blog Seite 285

My Morning Jacket – MY MORNING JACKET

Auf dem künstlerischen Zenit

Seitdem Dick Rowe, der damalige A&R-Manager des Labels Decca, 1962 die Beatles mit der Begründung ablehnte, dass die Ära der Gitarrenbands vorbei sei, gibt es das Gerede, dass Rock tot sei. Und auch wenn es heute leider tatsächlich etliche Retro-Bands gibt, die sklavisch nur versuchen, vergangene Zeiten wieder aufleben zu lassen, so finden sich andererseits auch innovative Formationen wie die 1998 in Louisville, Kentucky, gegründeten My Morning Jacket, die das Genre aufregend, spannend und jung halten. Das hört man auch auf dem bereits neunten Album der Band, MY MORNING JACKET. Mit Sprengseln aus Psychedelik, Hard & Heavy, Southern und Art Rock, aus Gospel und Country bis hin zu Elektro, Jazz und Zappa’esken Klängen hat sich der Stilmix des Quintetts um den 43-jährigen Jim James stets weiterentwickelt, was der Band nun zu einem neuen künstlerischen Zenit verhilft.

So wie bei ihrem legendären vierstündigen Auftritt beim Bonnaroo Festival 2008 gelingt es der Band, die bis zu neun Minuten langen Songs dynamisch bis zur letzten Sekunde hypnotisch zu steigern und immer wieder Überraschungen einzubauen. Nein, mit Bands wie My Morning Jacket wird Rock wohl niemals sterben.

8 von 10 Punkten

My Morning Jacket, MY MORNING JACKET, ATO/PIAS/ROUGH TRADE

Jackson + Sellers – BREAKING POINT

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30 Minuten Minimalismus

Jade Jacksons bisherige Alben wurden von Mike Ness (Social-Distortion-Boss) produziert und verbanden auf großartige Art klassischen Country mit Rock. Ihr aktuelles Projekt mit der Country-Sängerin Aubrie Sellers schielt genauso inspirierend über den Tellerrand. Hier treffen sich zwei Musikerinnen, die sich nicht nur stimmlich wunderbar ergänzen. Auch wenn Songs wie ›The World Is Black‹ nicht gerade lebensbejahende Botschaften verkünden, macht diese extravagante Mischung aus bittersüßen Melodien und manchmal grungigen Gitarren richtig Spaß.

Der vorherrschende Minimalismus ist zwar ein anstrengendes Konzept, das aber in der knappen halben Stunde aufgeht, denn die beiden jungen Musikerinnen kreieren mit ihren düsteren Liedern eine Atmosphäre, der man schlecht widerstehen kann. Selbst Suzi Quatros ›The Wild One‹ erfährt eine besondere Wiedergeburt. Ein klassisches Indierock-Album, das Lust auf mehr macht.

7 von 10 Punkten

Jackson + Sellers, BREAKING POINT, ANTI/INDIGO

The Honeyrunners – EVERYTHING IS ON FIRE

Den Süden nördlich interpretiert

Als Northern Americana könnte man das bezeichnen, was die Honeyrunners aus Kanada auf ihrem Debütalbum EVERYTHING IS ON FIRE darbieten. Eine hochwertige Melange aus Klängen, wie man sie entfernt von Künstlern wie den Alabama Shakes oder Nathaniel Rateliff kennt, mit tiefschürfenden Texten, wechselnden Rhythmen, zarten Harmonien, variabler Instrumentierung und in diesem speziellen Fall einer meist sehr gefühlvollen bis melancholischen Note – vom fast schon zerbrechlichen ›What Are You Scared Of‹ oder dem letzten ›Those Eyes‹ über die beschwingte Singleauskopplung ›Ghosts‹ (mit Handclaps, Stride-Piano und Bläsern) bis hin zu ›Cabin Fever‹, wo die Kanadier den Sanftmut zwischendurch mal kurz an den Nagel hängen und ein bisschen Fuzz unter die Bläsersektion mischen. Zusammengehalten werden die hier verwobenen Genres wie Soul, Blues, Jazz, Folk und Americana von den Honeyrunners mit einer ausgeprägte Pop-Note, die EVERYTHING IS ON FIRE trotz seiner alten Wurzeln zu einem sehr modern klingenden Album machen.

7 von 10 Punkten

The Honeyrunners, EVERYTHING IS ON FIRE, GYPSY SOUL/WARNER

Green Lung – BLACK HARVEST

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Kräuter und Okkultismus

Diese Briten mögen es obskur. Die von Horror-, Okkultismus- und Folklore-Themen beeinflussten Lyrics betten sie in einen Sound, der jene jubilieren lässt, die klassischen Heavy Metal mit doomig-psychedelischer Schlagseite feiern. Ob man es nun Stoner Rock, Psychedelic Rock oder Proto Metal nennt, es lassen sich deutlich die Einflüsse von Größen wie Black Sabbath, Deep Purple (man beachte den verstärkten Einsatz von Hammondorgeln!), Trouble oder Saint Vitus heraushören. Heißt, es gibt fette Fuzz-Gitarren, die mit bluesiger Note durchrocken, unermüdliches Power-Drumming und einen Sänger, der sich mit seinen hellen Reibeisen-Vocals an Ozzy oder Robert Plant orientiert und Ähnlichkeiten zu Andrew Stockdale (Wolfmother) zeigt.

Das ist in Sachen Innovationskraft nicht der Weisheit letzter Schluss, doch die Scheibe macht Spaß, ist kurzweilig und dankenswerterweise funktioniert der Retro-Sound von Green Lung sogar ohne den Konsum gewisser Kräuter, was dann auch die Lunge jubilieren lässt.

6 von 10 Punkten

Green Lung, BLACK HARVEST, SVART/MEMBRAN

Danny Bryant – THE RAGE TO SURVIVE

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Mit Power und Gefühl: schnörkelloser Corona-Blues

Eigentlich wollte Danny Bryant kein Lockdown-Album aufnehmen, doch am Ende war der Wunsch, die Phase des Innehaltens und das Gefühl der Isolation festzuhalten, stärker. Aber warum sollte auch ausgerechnet ein ausgewiesener Experte für die blauen Töne in Zeiten gegen den Strom schwimmen, in denen so viele den Blues bekommen haben? Auf THE RAGE TO SURVIVE erfindet der gefeierte 41-jährige britische Gitarrist das Rad nicht neu, klingt aber alles andere als eintönig. Schwergewichtige Bluesrock- Nummern (›The Rage To Survive‹) stehen hier neben emotional-rauen Akustikballaden (›Tears Falling‹) und geradezu unerwartet sanften Nummern mit einem Hauch von Jazz und Soul (›Invisible Me‹), und obwohl seinem mitreißenden Gitarrenspiel natürlich besondere Aufmerksamkeit zukommt, teilt Bryant auch gern das Rampenlicht, wenn er bei ›Rescue Me‹ seinem Organisten das Solo überlässt oder sich beim Instrumental ›Looking Good‹ mit der Horn Section duelliert, die auch bei anderen Stücken markante Kontrapunkte setzt. Fast beiläufig zeigt Bryant so, dass „gefühlvoll“ und „kraftvoll“ in seiner Welt keine Gegensätze sind.

7 von 10 Punkten

Danny Bryant, THE RAGE TO SURVIVE, JAZZHAUS/IN-AKUSTIK

Biffy Clyro – THE MYTH OF HAPPILY EVER AFTER

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Biffys Neunte

Wie alle Musiker hatten Biffy Clyro 2020/2021 die pandemiebedingte Zwangspause zu füllen. Eine Tour zu ihrem Erfolgsalbum A CELEBRATION OF ENDINGS war nicht möglich, also machten sie sich umgehend an die Arbeit am Nachfolger. Dass diese beiden Werke so kurz nacheinander entstanden, würde vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit vermuten lassen, und ein großer Entwicklungssprung ist in der Tat nicht festzustellen. Bei oberflächlichem Anhören gewinnt man gar den Eindruck, hier sei einfach der Ausschuss der CELEBRATION-Sessions verwertet worden. Doch mit weiteren Durchläufen entfalten sich die Nuancen und Komplexitäten, die dies zu einem weiteren hörenswerten Eintrag im Bandkatalog machen. Allzu plakativ als Hymnen konzipierte Festival-Pleaser machen sich rar, das Pendel schwingt wieder von den bisweilen als exzessiv empfundenen Poptendenzen der jüngeren Werke zurück Richtung Rock, während sich des Weiteren auch ein Hang zu ungewöhnlicheren Experimenten bemerkbar macht, etwa die Anklänge an Gary Numan im krönenden Abschluss ›Slurpy Slurpy Sleep Sleep‹. ›A Hunger In Your Haunt‹ bringt unterdessen erstmals eine hörbare – und gelungene – schottische Färbung in den Wuchtrock des Trios, während sich ›Errors In The History Of God‹ nahtlos in die Sammlung der kraftvollsten Epen der Band einreiht. Unterm Strich also eine Platte, die erst auf den zweiten Blick ihre Reize offenbart, dann aber gewiss nicht damit geizt.

7 von 10 Punkten

Biffy Clyro, THE MYTH OF HAPPILY EVER AFTER, WARNER

Ida Mae: Britische Botschaft in Nashville

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Das Duo Ida Mae schafft es auch auf seinem zweiten Album wieder, amerikanischer als die Amerikaner zu klingen und dabei typisch britisch zu bleiben.

Es gibt ein Lied auf dem zweiten Ida-Mae-Album CLICK CLICK DOMINO, das trägt den Namen ›Mountain Lion Blues‹. Ida Mae im Mikrokosmos, wenn man so will. Denn: „Ich wollte so einen richtigen 12-Bar-Blues auf der Platte, wie er auch von Willie Dixon hätte kommen können“, erklärt Chris Turpin, Gitarrist, Co-Sänger und neuerdings auch – dazu kommen wir später – Producer von Ida Mae.

Damit offenbart Chris schon mal sein Fachwissen und seine tiefe Liebe zu historischem US-Blues und zur Country-Musik. Gleich darauf lässt er grinsend englische Selbstironie aufblitzen. „Ich fand’s auch irgendwie witzig, wenn ich dünnes blasses Hemd mich zum Mountain Lion ernenne.“ „In England gibt’s ja auch keine Tiere, die was hermachen. Sollen wir etwa über den Dachs singen?“, lacht Stephanie Jean, seine Partnerin in Leben und Musik. Wir sehen: Die zwei mögen zwar ihren Lebensmittelpunkt inzwischen nach Nashville verlegt haben, aber den drolligen UK-Humor, den man von US-Bands so nicht kriegt, den haben sie behalten. So ist es kein Wunder, dass so viele US-Künstler die beiden schon ins Herz geschlossen haben. Greta Van Fleet zum Beispiel, die Ida Mae wieder und wieder auf Tour mitnehmen und sich backstage jedes Mal wieder über ihren Akzent freuen. Oder Managerlegende Seymour Stein, der die zwei unter Vertrag genommen hat und ihnen alle Türen öffnet. Nicht zuletzt Bluesmaestro und Nashville-Nachbar Marcus King, der abends gerne mit seiner Frau auf der Veranda der Turpins vorbeischaut und dabei natürlich auch für ein beeindruckendes Solo auf deren zweitem Album bereitstand.

Diese Platte haben Ida Mae nämlich in ebenjenem neuen Heim aufgenommen. „Natürlich lief aber alles anders als geplant“, so Chris. „Eigentlich wollten wir ja unsere gesamte Band hier nach Nashville holen und alles im Haus live aufnehmen. All das Equipment hatten wir dafür schon gekauft. Dann kam Covid.“ Nix da mit Band. Chris und Steph waren auf sich allein gestellt, schrieben, sangen und schnitten als Duo mit. Chris wurde so zwangsweise auch zum Tontechniker und Produzenten. „Wir mussten Wege finden, trotzdem so live wie möglich aufzunehmen“, so Chris. „Es ist eine ganz bewusste künstlerische Entscheidung bei uns, dass wir in der Postproduktion nie nachträglich Fehler ausbügeln. Es macht doch nichts, wenn man mal ein bisschen zu leise, zu laut oder ein bisschen daneben singt. Im Gegenteil, es sind doch genau diese kleinen Macken, die Musik authentisch klingen lassen. All unseren Blues-Vorbildern standen die Studio-Tricks von heute nicht zur Verfügung und deshalb klingt ihre Musik, wie sie klingt.“ Sagen wir’s so: Operation geglückt – Musik lebt!

Die Tracks auf CLICK CLICK DOMINO sind Knallbonbons aus spröder Schönheit, rauer Reibung, fragiler Stille und ruppiger Wucht. Ida Mae wirken hier sogar noch eine Stufe unmittelbarer als auf ihrem Debüt CHASING LIGHTS (2019). Klingt, als hätten sich die Briten ganz in den USA eingelebt. Oder etwa nicht? Ein paar Dinge fehlen den zwei dann doch. „Meine Mutter schickt mir regelmäßig Pakete mit Marmite“, grinst Stephanie. Der berühmte Brotaufstrich, den nur Briten lieben können. „Was wir auch nicht mehr tun, das ist, über Politik zu diskutieren“, fügt Chris an. „Da wechseln wir sofort das Thema. In einem Land, wo jeder außer uns Waffen besitzt, da macht man besser niemanden wütend.“

Gewinnspiel: Tickets für den Livestream von Jackson + Sellers

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Jackson+Sellers haben gerade bekannt gegeben, dass sie ihr neues Album BREAKING POINT mit einem Live-Stream-Event in Zusammenarbeit mit Mandolin feiern.

Nach der Veröffentlichung des Albums am 22. Oktober wird das Duo das komplette Album, das überraschend tief in den Indierock eintaucht, mit Band live performen. Das Event wird am Sonntag, den 24. Oktober, gestreamt, Tickets sind ab sofort erhältlich. Der Stream ist bis zu 48 Stunden nach dem Event noch abrufbar.

CLASSIC ROCK verlost heute unter Kurzentschlossenen drei Tickets für den Livestream.

Jetzt teilnehmen:

[contact-form-7 id=“125615″ title=“Jackson + Sellers Livestream“]