Am 3. April fand die Grammy-Verleihung in Las Vegas statt. Moderiert wurde das Event vom Comedian Trevor Noah. In den Kategorien „Best Rock Song“, „Best Rock Performance“ und „Best Rock Album“ räumten die Foo Fighters ab und setzten sich gegen Konkurrenten wie AC/DC, Weezer, Paul McCartney oder die Black Pumas durch.
Da Taylor Hawkins vor kurzem während der Südamerikatournee in seinem Hotelzimmer verstorben ist, nahmen die Foo Fighters natürlich nicht an den Feierlichkeiten teil. In Gedenken an Hawkins wurde stattdessen eine Videokompilation des Drummers bei der Grammy-Verleihung gezeigt:
https://youtube.com/watch?v=7HdjfJGC5-U
Berichten der Daily Mail zufolge wurde Taylor Hawkins Leichnam von Kolumbien nach Los Angeles überführt. Außerdem verbreitete das Boulevardblatt die Meldung, dass Hawkins einen Kreislaufkollaps aufgrund zu vieler Substanzen erlitten hätte. Sein Herz hätte bei der Autopsie 600 Gramm gewogen, also doppelt so viel, wie ein durchschnittliches Herz. Von offizieller Seite ist die Todesursache jedoch noch nicht bestätigt.
Wir gratulieren Sebastian Bach. Der ehemalige Sänger von Skid Row feiert heute seinen 54. Geburtstag.
Sebastian Bach ist vieles. Den meisten ist er als Frontman von Skid Row bekannt, er trat jedoch auch immer wieder am Broadway auf (z.B. in Stücken wie „Jekyll & Hyde“ und „The Rocky Horror Show“), zeigte sein schauspielerisches Talent im Fernsehen (z.B. als Musiker Gil in der Serie „Gilmore Girls“) und veröffentlichte diverse Soloalben.
Und er ist vor allem eins: ein wilder Querulant. Seine lange Karriere wurde nicht nur von Erfolgen begleitet, sondern auch von Streitigkeiten und öffentlichen Schlagabtauschs. Eine Reunion mit Skid Row wurde oft spekuliert, kam jedoch (wohl aus persönlichen bandinternen Gründen) nie zustande. Erst 2019 lud Bach die Band ein, zusammen mit ihm auf der Bühne das 30-jährige Jubiläum ihres selbstbetitelten Debüts zu feiern, was jedoch von ihrem Gitarristen Dave „Snake“ Sabo abgelehnt wurde. Nach dem Weggang von ZP Theart, der von 2017 bis 20022 bei Skid Row am Mikro stand, verpflichteten die Amerikaner nun Erik Grönwall (ehem. H.E.A.T.) als neuen Sänger.
In unserem Video der Woche möchten wir der rebellischen Seite Bachs Tribut zollen. Es stammt aus dem Jahr 1989, in dem Skid Row ihr Debüt veröffentlichten und ihre Karriere rasant Fahrt aufnahm, vom Moscow Music Peace Festival im Luschniki-Stadion, das vor knapp zwei Wochen Putin als Ort seiner großen „Rede“ wählte. Der perfekte Ort also, um die Jugend und alle anderen zur Rebellion gegen das System aufzurufen:
Der amerikanische Musiker, Sänger, Songwriter, Schauspieler und Polit-Aktivist über den britischen Punk-Klassiker.
The Clash sind meine Lieblings-Rock’n’Roll-Band aller Zeiten. LONDON CALLING war der Anfang meiner Liebe zu ihnen. Bis ich den Punk entdeckte, war ich ein Heavy-Metal-Fan. Das Cover von LONDON CALLING machte mich als Erstes auf sie aufmerksam und ich dachte: „Wer ist diese großartige neue Heavy-Metal-Band?“ Ich verschlang diese Platte. Die Überzeugung, mit der sie spielten und mit der Joe Strummer sang, war unbeschreiblich. Das war in der Zeit, in der ich ein politisches Bewusstsein entwickelte, und da war eine Band, die mir das Gefühl gab, nicht allein zu sein. Eine Band, die die Wahrheit sagte, im Gegensatz zu meinem Präsidenten, den Leuten in den Fernsehnachrichten, meinem Lehrer. Ich dachte nur: „Ich bin dabei!“
The Clash waren mehr als nur eine Punkband. Sie waren musikalisch viel experimentierfreudiger. Und LONDON CALLING war die Platte, auf der sie Musik aus aller Welt einbauten und jeder Song trotzdem nach The Clash klang. Den Track ›London Calling‹ habe ich über die Jahre in unzähligen Coverbands gespielt. Ich wusste nicht genau, wovon Joe Strummer da sang, aber es fühlte sich apokalyptisch an und ich wusste, dass er Recht hatte. Es wird manchmal übersehen, wie subtil und humorvoll seine Texte waren. Ich konnte nicht fassen, dass es da eine Band für mich gab. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich mich einfach mit dem begnügt, was ich kriegen konnte, aber als ich LONDON CALLING entdeckte, war es damit vorbei. (Siân Llewellyn)
Universe waren eine großartige walisische Rockband, die leider viel zu selten erwähnt wird. Sie fingen 1968 unter dem Namen Spoonfull als gewöhnliche Bluesband an, bevor sie einen progressiveren Sound entwickelten, was dann zur Umbenennug führte. Obwohl sie in der britischen College-Szene spielten und sich die Bühne mit großen Namen wie Fleetwood Mac, Sabbath und Tull teilten, blieben sie jahrelang ein Mysterium. Die Legende besagt, dass sie auf Tour in Norwegen mit ihrem Lieferwagen liegenblieben. Ein junger Studiobesitzer namens Nils Øybakken aus der Kleinstadt Mosjøe kam ihnen zu Hilfe, ließ sie bei sich übernachten und hatte die Idee, sie eine Single für sein Label aufnehmen zu lassen.
Stattdessen nahmen sie ein ganzes Album auf, das in einer kleinen Auflage von 200-300 Exemplaren aufgelegt wurde. Unter Sammlern ist es heute ein äußerst gesuchtes Werk. Unter den weniger bekannten Platten jener Zeit ist UNIVERSE ziemlich solide. Der Opener, ›Twilight Winter‹, besticht mit einer Leadgitarrenmelodie, die eine ziemlich unverblümte Hommage an Hendrix’ ›Voodoo Chile (Slight Return)‹ ist, was aber von der Qualität des Tracks ablenkt, denn er ist voller verzerrter Heavy-Riffs und grandios rohem Gesang. Das Titelstück ist ein Heavy Jam mit Mundharmonika, während ›Spanish Ballad‹ eine mehr als zehnminütige Zeppelin-auf-Sparflamme-Ballade darstellt (was gar nicht mal schlecht ist). Als sich Universe 1972 auflösten, stieg Sänger/Gitarrist Steve Finn bei der walisischen Rockband Sassafras als Bassist ein. Gitarrist Mike Lloyd Jones schloss sich hingegen Shakin’ Stevens & The Sunsets an. (Lee Dorian)
Über mittlerweile 45 Jahre zeigten 23 Alben, insgesamt über 2 Mio. Albumverkäufe und über 3.000 sehr gut besuchte Konzerte, dass der politisch interessierte, in diversen künstlerischen Disziplinen kreative und im Geist jung gebliebene John Watts alias Fischer-Z immer Neues zu sagen hat und auch gern gehört wird.
Zum 40. Geburtstag von RED SKIES OVER PARADISE kommt John Watts mit einer Solo-Fischer-Z-Tour nach Deutschland.
Wir wollen ein Licht in dieser Welt erstrahlen lassen, Menschen erfreuen, verbinden und zusammenbringen“, ließen die Chili Peppers in einem kollektiven Statement zur Ankündigung von UNLIMITED LOVE verlauten. „Jeder Song auf unserem neuen Album stellt eine Facette von uns dar und gibt unsere Sicht auf das Universum wieder. Das ist die Mission unseres Lebens.“ Gitarrist Josh Klinghoffer ist nun nicht mehr Teil des Peppers-Kollektivs, nachdem er sich freundschaftlich von der Band getrennt hat, um den Platz zu räumen für John Frusciante, der hier erstmals seit 2006 wieder einsteigt und so seinen eigenen Nachfolger ersetzt. Rick Rubin, mit dem sich Klinghoffer offenbar auf kreativer Ebene nicht immer verstand, ist seinerseits wieder als Produzent mit dabei. Die 17 Songs auf UNLIMITED LOVE erfüllen unterdessen nicht durch die Bank das Versprechen, das dieses so glühende Statement gegeben hat, doch man hört ihnen die Spielfreude und die Erleichterung über die Rückkehr aus der Pandemie sowie die Wiedervereinigung mit einem alten Kumpel, mit dem man nun endlich wieder in einem Raum zusammen jammt, an.
Die Platte beginnt allerdings eher bedrückt mit ›Black Summer‹, auf dem Frusciantes launisches Spiel an den sehr späten Hendrix zu ›Pali Gap‹-Zeiten erinnert. Vielleicht eine Reminiszenz an die katastrophalen Brände, die 2020 durch Australien tobten – für den dort geborenen Bassisten Flea vermutlich eine persönliche Angelegenheit. Danach jedoch variieren Stimmung und Tempo des Albums ständig und die Band zeigt sich ausgelassen und frei von dem Schmerz der Entfremdung, der THE GETAWAY von 2016 überschattete, das vom Ende einer zweijährigen Beziehung von Sänger Anthony Kiedis geprägt war. Um Frauen geht es auch auf UNLIMITED LOVE oft, aber nicht auf anzügliche, obszöne, primitive Weise, sondern vielmehr in Form einer Betrachtung von Idealen und Typen, etwa in ›Tangelo‹ oder der Beschreibung diverser weiblicher Perspektiven in ›Veronica‹, dessen mysteriöser, elektrischer Charme in Zeilen wie „the smell of your hello“ auf den Punkt gebracht wird. Die Rückkehr von Frusciantes Gitarrenspiel ist mehr als willkommen – der Effekt flüssigen Glases auf ›Not The One‹, das emanzipatorische, affenartige Griffbrettjaulen am Ende von ›The Great Apes‹ oder der mühelose Funk Schmiss von ›It’s Only Natural‹.
Doch wie immer herrscht ein Gleichgewicht mit Flea am Bass, der stellenweise praktisch Lead spielt, wie das die funky Wurzeln der Band seit jeher bedingen. Ein weiteres bekanntes Element sind die Referenzen an die Beatles, vielleicht als kleines Augenzwinkern von Beatles-Fanatiker und McCartney-Inquisitor Rubin: das trällernde „riii…de“ auf ›White Braids & Pillow Chair‹ oder kurze Zitate wie „Madonna“ und „I feel fine“ auf ›Let ’Em Cry‹ (dessen Bläser auch stark an ›If You Want Me To Stay‹ von Sly & The Family Stone erinnern), vielleicht auch das lange ›A Day In The Life‹-Fade-out auf dem abschließenden ›Tangelo‹. Wie dem auch sei: Die Chilis sind wieder zusammen und haben Spaß – und das fühlt sich großartig an.
So der Gott des Rock’n’Roll will, spielen The Hellacopters heuer am 16. Juli ihre einzige Show in Bayern auf dem „Phnx Rising“-Festival in Ingolstadt. Das ist ja per se schon cool, aber jetzt umso mehr, denn die energetischen Schweden haben ein neues Album und dementsprechend neues Material für die Bühne am Start. Man darf gespannt sein, welcher der überwiegend starken und schmissigen Songs von EYES OF OBLIVION den Weg auf die Setlist finden wird, denn eine ganze Latte davon hätte es verdient. Gleich der ab- und aufgehende Opener ›Reap A Hurricane‹ und die fetzige Folgenummer ›Can It Wait‹ würden ebenso zwingend ins Live-Umfeld passen wie das Titelstück. Allein schon beim Hören kann man vor dem inneren Auge sehen und fühlen, wie Dregen und Nicke Andersson gemeinsam die Gitarrenhälse hochreißen. Es haben sich natürlich auch ein, zwei ruhigere Nummern wie der lässige Schleicher ›So Sorry I Could Die‹ mit coolen Honky-Tonk-Keys eingeschlichen, aber überwiegend sind hier Gas und Gitarre angesagt. Alles nicht mehr so punkig und garagig wie seinerzeit auf dem Debüt SUPERSHITTY TO THE MAX, aber Power haben die (alten) Schweden immer noch satt. Mastermind Andersson beschreibt den Sound als „The Beatles meets Judas Priest or Lynyrd Skynyrd meets The Ramones“. Also Pop-Metal-Southern-Punkrock? Trifft es definitiv. Oder einfach zackiger, zeitloser Rock’n’Roll, der unbedingt live gespielt werden sollte.
7 von 10 Punkten
The Hellacopters/ EYES OF OBLIVION/NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE
Heute erscheint der neue Song ›Strange Game‹ von Mick Jagger. Die Single ist der Titelsong der neuen Serie „Slow Horses“, die exklusiv bei Apple TV+ erscheint. Die sechs Folgen der Reihe stehen ebenfalls ab heute zum Streamen bereit.