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CLASSIC ROCK #109: Neuer Erscheinungstermin

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Liebe Leserinnen und Leser,

es tut uns sehr leid, dass die neue Ausgabe von CLASSIC ROCK einige Tage später erscheinen muss. Die Erschütterungen des Krieges erreichten in ihren ersten Tagen auch uns bzw. die Druckerei unserer Kollegen in Polen, die plötzlich mit zugespitzten Lieferengpässen zu kämpfen hatten.

Gemessen an all dem Leid, das derzeit entsteht, seht ihr das hoffentlich auch als triviales Problem. Danke für euer Verständnis!

Hoffen wir das Beste,

euer CLASSIC ROCK-Team

CLASSIC ROCK #109 ist ab dem 13. April im Handel und direkt hier erhältlich …

Flashback: 1987 von WHITESNAKE erscheint

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1987 ist ohne Wenn und Aber eines der wichtigsten Rock-Alben der 80er-Jahre. Kurze Zeit vor der wegweisenden Veröffentlichung, die David Coverdale und seine damalige White­snake-Inkarnation (John Sykes, Neil Murray und Aynsley Dunbar) auf Platz 1 der Billboard 200 Singlecharts mit dem Remake von ›Here I Go Again‹ (das Original findet sich auf SAINTS & SINNERS von 1982) beförderte, stand die für den amerikanischen Markt überarbeitete Band kurz vor dem Aus.

Dank der Überzeugungsarbeit ihres damals neuen US-Labels Geffen Records starteten Coverdale und Sykes eine Song­wri­ting-Session in Südfrankreich und gruben dabei ein paar alte Demos (u.a. das mit Ritchie Black­more zu Davids Deep Purple-Zeiten verfasste ›Still Of The Night‹ ) oder den eigentlich für Tina Turner komponierten Hit ›Is This Love‹ aus.

Am 7. April 1987 erschien schließlich das siebte Studioalbum von Whitesnake und mauserte sich aufgrund der Hits ›Is This Love‹ und ›Here I Go Again‹ zum echten Dauerbrenner. Besonders das Video zu letzterem Song mit Model Tawny Kitaen, die sich leicht bekleidet auf zwei Jaguar XJ räkelt, ist bis heute ein ikonischer Clip.

In den Staaten wurde 1987 acht Mal mit Platin ausgezeichnet.

In Memoriam: John Prine (10.10.1946 – 07.04.2020)

Eine Woche befand sich John Prine in kritischem Zustand, bevor er einer Erkrankung an Covid-19 erlag. „Nach plötzlichem Einsetzen von Corona-Symptomen ist John am Donnerstag ins Krankenhaus gebracht worden.“ Das gab die Familie von US-Musiker John Prine Ende März via Twitter und Facebook bekannt. „Es sind schlimme Neuigkeiten. Aber so viele von euch haben John über die Jahre Liebe und Unterstützung gegeben, deshalb wollten wir euch benachrichtigen und euch die Chance geben, ihm mehr von eurer Liebe und Unterstützung zu schicken. Wir lieben euch, und John liebt euch.“

Am 08. April kam dann die traurige Nachricht: Der große amerikanische Künstler hatte es nicht geschafft. So teilte die Familie des Singer/Songwriters mit, dass Prine tags zuvor im Vanderbilt University Medical Center in Nashville an den Folgen von Covid-19 verstorben ist. Prine hatte in der Vergangenheit mit Krebs zu kämpfen gehabt. Bereits am 20. März war seine Frau Fiona positiv auf das Coronavirus getestet worden, ob Prine selbst da bereits
infiziert war, konnte nicht sicher festgestellt werden. Er wurde 73 Jahre alt.

Sex Pistols: THE ORIGINAL RECORDINGS

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Am 27. Mai erscheint THE ORIGINAL RECORDINGS von den Sex Pistols. Zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten werden darauf insgesamt 20 Aufnahmen der Punk-Ikonen aus den Jahren 1976 bis 1978 zusammengetragen.

Am 31. Mai erscheint zudem die neue Serie „Pistol“ bei Disney+, die auf dem Steve-Jones-Buch „Tales From A Sex Pistol“ basiert und die Geschichte der Sex Pistols aus Perspektive der Band erzählt. In der Serie, die sechs Folgen umfasst, werden die Songs des neuen Albums zu hören sein.

https://youtube.com/watch?v=8Ol1B3w7NtU

Gov’t Mule: EIN ECHTES FEIERABENDWERK

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Das neue Album der grandiosen Gov’t Mule heißt HEAVY LOAD BLUES und bietet eine Überraschung, klingt doch die Musik darauf nicht nach dem von ihnen gewohnten Southern-Jam-Rock, sondern ist reiner Blues, wie Warren Haynes, der Sänger und Gitarrist des Quartetts, betont.

Haynes ging schon seit vielen Jahren mit dem Gedanken schwanger, irgendwann einmal eine solche Platte einzuspielen. „Ich hatte immer schon Lust dazu, wusste aber nicht, ob es ein Solo-Ding werden sollte, ob ich es mit ein, zwei anderen Leuten oder mit der Band machen würde. Schon deshalb hatte es noch bis letztes Jahr keine besonders große Priorität für mich. Zumal wir mit ständigen Tourneen ohnehin voll ausgelastet waren. Doch dann kam, wie allen anderen, auch uns die Pandemie dazwischen …“

Die ersten Wochen genoss er die viele Zeit, die er plötzlich im Kreise seiner Familie verbringen konnte. Dann begann er, neue Songs zu schreiben. Als er genügend beisammen hatte, kontaktierte er seine Band und man traf sich nach gewissenhaften COVID-Tests und -Impfungen erstmals wieder nicht nur über Zoom, um ein wenig auf die neuen Tracks zu jammen. Drummer Matt Abts, Keyboarder Danny Louis und Bassist Jorgen Carlsson waren begeistert von den Nummern und man beschloss, sie so bald wie möglich aufzunehmen. Da kam Haynes’ Ehefrau, Gov’t-Mule-Managerin Stefani Scamardo, der Einfall, dass sie im Zuge dieser Sessions doch auch noch das langdiskutierte Blueswerk machen könnten.

Die anderen Jungs stiegen voll darauf ein und auch der Bandleader selbst war nicht abgeneigt: „Wenn wir live auftreten, streuen wir, meist am Ende einer Show, ein paar Blues-Nummern ein. Irgendwer kam mit dem Vorschlag, es im Studio doch genauso zu machen. Also tagsüber an der Rock-Platte zu arbeiten und dann abends immer noch ein wenig Blues nachzuschieben; quasi zum Runterkommen am Feierabend“, schildert er den damaligen Gedankengang. „Ich fand die Idee total charmant. Allerdings bezweifelte ich, dass es mitten in der Pandemie mit all ihren Beschränkungen und Auflagen denkbar
wäre, sie zu realisieren“, berichtet Warren. „Schließlich bräuchten wir zwei komplett unterschiedliche Set-ups, um beide Platten parallel einzuspielen. Das betraf nicht nur die Instrumente, sondern auch die Technik – vom Gitarrenverstärker, über mein Mikro bis hin zum Mischpult. Jeden Tag das Studio zu wechseln wäre Wahnsinn gewesen.“

Doch dann fanden Gov’t Mule die Power Station Studios im verschlafenen Waterford, Connecticut: „Der Komplex hat zwei Aufnahmeräume direkt nebeneinander. Einen großen und einen sehr viel kleineren, der dank seiner Beleuchtung schon von vornherein ein wenig das Feeling eines Blues-Clubs simuliert“, lacht er. „Das war perfekt. Zusammen mit unserem Toningenieur bauten wir in Studio A alles für die Rock-Scheibe auf und machten das gleiche dann in B für das, was nun HEAVY LOAD BLUES geworden ist. Alles lief wunderbarerweise genau so, wie wir es uns vorher ausgemalt hatten. Ein echtes Novum in der Geschichte unserer Produktionen.“

Das erste Ergebnis dieser Arbeiten kommt dieser Tage auf den Markt. Enthalten sind zur Hälfte tolle neue Eigenkompositionen wie ›Hole In My Soul‹, ›Wake Up Dead‹ oder ›Love Is A Mean Old World‹, aber auch
grandiose Covers von Originalen von Idolen wie Howlin’ Wolf, Elmore James, Junior Wells, Ann Peebles, Bobby Bland oder Tom Waits und The Animals. Irgendwann in der ersten Hälfte 2022 soll dann das bisher noch unbetitelte Rock-Album folgen. „Mein Traum ist es, mit beiden Longplayern durch Europa zu touren. Wir würden unsere eigene Vorband sein. Wahrscheinlich zuerst mit einem Blues-Set und dann noch zwei bis drei Stunden Rock“, sagt er. Doch dann überlegt der Mann aus North Carolina kurz und fügt an: „Oder wir machen es andersherum. So wie im Studio …“

Pearl Jam: Mike McCready im Interview über TEN

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Pearl Jam sind nicht gerade eine Band, die in Nostalgie schwelgt. Somit ist es nicht ganz selbstverständlich, dass Mike McCready auf die Ursprünge von TEN zurückblickt, das quasi auch den Ursprung von Pearl Jam selbst markiert, und dabei immer noch darüber erstaunt ist, wie sich damals alles zugetragen hat. „Ich dachte mir nur: Wie und wann ist das alles passiert? Bis heute habe ich keine Antwort auf diese Fragen, außer, dass wohl Schicksal, Timing, Glück oder Talent eine Rolle gespielt haben müssen.“ Wahrscheinlich liegt Pearl Jams Erfolg eine Kombination all jener Faktoren zugrunde. Wie auch immer TEN entstanden sein mag, es ist nicht nur ein unmissverständliches Statement, sondern auch einer der Stützpfeiler der Rockmusik der 90er – mit einer Tragweite, die seit Jahrzehnten vieles andere überragt.

Eddie Vedder stieß ja etwas später zur Band. Somit waren es du, Jeff Ament und Stone Gossard, die den musikalischen Kern für TEN formten. Und während die Songs darauf mit einem Gespür für Classic Rock verwurzelt sind, fügtet ihr alle euren ganz eigenen Stil und Geschmack hinzu. Worin haben sich die einzelnen Bandmitglieder unterschieden, wo habt ihr euch getroffen?
Ich spielte seit meinem elften Lebensjahr in Bands. Meine Gruppe vor Pearl Jam hieß Shadow, wir waren eine Art Punk-Metal-Ding. Ich durchlief also eine Metal-Phase, außerdem lebte ich zwischen 1986 und 1987 in Kalifornien und versuchte, dort als Musiker auf einen grünen Zweig zu kommen. Tatsächlich hatte ich circa ein Jahr vor Pearl Jam die Gitarre an den Nagel gehängt, weil ich so enttäuscht davon war, es einfach nicht zu schaffen. Doch ich kannte Stone seit der sechsten Klasse. Wir besuchten gemeinsam Konzerte von Judas Priest und lernten bei Maiden-Shows, wie man headbangt. Wir teilten diese Leidenschaft für Metal. Jeff hingegen kam eher aus der Straight-Edge-Ecke, er mochte Minor Threat, die Ramones, solches Zeug. Stone konnte damit auch etwas anfangen, ich jedoch stand wirklich total auf Maiden, Priest und Kiss. Außerdem mochte ich die Rolling Stones und das ganze Zeug. Mir gefiel aber auch der ganze 80er-Kram und ich beschäftigte mich mit Stevie Ray Vaughan, mit B. B. King und dem Blues. Das spielte also auch eine Rolle. Wir hatten aber auch viele Gemeinsamkeiten: Wir liebten Alice Cooper und Aerosmith. Ich finde, Stone groovte wirklic in diesem Aerosmith-Vibe. Und wenn man sich die Musik aus der Mother-Love-Bone-Ära anhört, spürt man richtig, wie Jeff und er groovten, als sie diese
Songs schrieben. Ich erinnere mich daran, wie Stone düsterer werden wollte, als wir anfingen. Damals wusste ich jedoch noch nicht, was er damit meinte.

Zu den Anfangszeiten von Pearl Jam bist du also richtig in den Blues abgetaucht. Diesen Einfluss hört man definitiv bei deinem Gitarrenspiel auf TEN heraus.
Ich sah mir damals den Film „The Last Waltz“ über The Band im Fernsehen an. Der Teil mit Muddy Waters haute mich um. Irgendwas an dieser Musik brachte mich dazu, nicht mehr nur so zu spielen [nimmt seine Strat und spielt ein Tapping-Lick], obwohl ich das ziemlich gut konnte, sondern mir eher eine Spielweise anzueignen, bei der
weniger mehr ist. So kam ich zu Stevie Ray Vaughan und direkt in den Blues.

Du sagst zwar „weniger ist mehr“, aber bei den Leadgitarren auf TEN ist ja doch einiges los. Du spielst viele Soli …
Ja, auf diesem Album ist sehr viel Leadgitarre zu hören. Aber trotzdem spielte ich auf TEN immer noch weniger als in den fünf Jahren zuvor. Aber stimmt schon, da passiert einiges. Ich hatte absolut freie Hand, die anderen meinten nur: „Zieh einfach dein Ding durch“. Auf Songs wie ›Even Flow‹ sind zwar ein Haufen Noten, aber eigentlich wollte ich, dass es sich nach Stevie oder Hendrix anhört. Da gibt es diesen einen Ton, den Hendrix bei ›Machine Gun‹ spielt und das ist der schönste, spannungsgeladenste, traurigste, zerrissenste Ton, den ich jemals gehört habe. Meine ganze Karriere hindurch habe ich versucht, diesen Ton zu treffen. Wenn man mich also in Songs wie ›Alive‹ oder so hört, wie ich einige dieser Noten halte, dann nur, weil ich versuche, diesen Ton zu treffen. Ich weiß, dass ich es nie schaffen werde, aber alleine vom Gefühl her ist das für mich der Gipfel.

Musstest du deine Shredder-Tendenzen aufgrund des musikalischen Klimas in Seattle zurückschrauben?
Um ehrlich zu sein, hatte ich einfach das Gefühl, dass das bei Pearl Jam nicht funktionieren würde. Wir waren damals so sarkastisch und verarschten vieles, was damals geschah. Aber ich liebte Randy Rhoads. Ich liebte Eddie Van Halen. Ich sah ihn damals viermal zusammen mit David Lee Roth. Aber für uns schien diese Herangehensweise nicht zu funktionieren. Und deshalb war ich schon vorher davon weggekommen.

Du dachtest dir also nicht: „Wenn ich jetzt mit dem Tappen anfange, schmeißen sie mich aus Seattle raus“? (Lacht) So dachte ich nicht darüber. Aber wahrscheinlich hast du Recht, das hätte man nicht akzeptiert. Was total bescheuert ist, wenn man darüber nachdenkt. Dieser Punk-Ethos, bestimmte Dinge nicht mögen zu dürfen und so ein Quatsch. Aber wenn du in deinen Zwanzigern bist, versuchst du einfach, mitzugehen und etwas zu schaffen. Es fühlt sich seltsam an, zurückzublicken.

TEN war unglaublich erfolgreich, brauchte jedoch ein bisschen Anlaufzeit.
Es dauerte circa ein Jahr, bevor die Sache richtig ins Rollen kam. Ich dachte mir damals: „Ich habe das College geschmissen, gerade meinen Job bei Julia’s gekündigt. Ich sitze in einem Van mit diesen Typen und wir touren durch Texas“. Für mich war das schon erfolgreich, weil ich genau das machen wollte, seit ich 15 war. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass dieser Traum einmal in Erfüllung gehen würde.

Wann hast du kapiert, dass es wirklich bergauf geht für die Band?
Als wir zum Lollapalooza eingeladen wurden. Da ging die Bombe hoch. Wir waren die zweite Band, spielten um 16 Uhr nachmittags direkt nach Lush und plötzlich liefen 30.000 Menschen auf die Bühne zu. Das war totaler Mindfuck und großartig zur selben Zeit. Wenn so etwas passiert, gehst du einfach mit, weil du es eh nicht kontrollieren kannst.

Trotzdem habt ihr versucht, die Kontrolle zu behalten. In den Jahren nach TEN hatte man manchmal das Gefühl, dass ihr euren Erfolg eher als Fluch denn als Segen gesehen habt. Zwar habt ihr weiter Platten gemacht und seid auf Tour gegangen, aber ihr habt euch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Die Entscheidung, keine Videos zu veröffentlichen und weniger Interviews zu geben, wurde von Jeff, Stone und Ed
getroffen. Sie dachten, es wäre notwendig. Ed stand auch viel mehr unter Beobachtung als wir, es war ihm wahrscheinlich einfach zu viel. Uns allen wurde es zu viel. Trotzdem meinte ich damals: „Genau das wollten wir, seit wir Kinder sind. Lasst uns dranbleiben, Videos machen, lasst uns den Erfolg umarmen“. Aber sie hatten keinen
Bock darauf, sie hatten Angst, dass die Band daran zerbrechen würde. Wahrscheinlich hatten sie Recht und manchmal glaube ich, dass wir genau deshalb heute noch da sind. Wir trafen oft Entscheidungen, die den Plattenfirmen nicht passten.

Wie denkst du heute über TEN?
Ich habe einige sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit. Zum Beispiel, wie wir zum ersten Mal in unserem Leben nach England flogen, um die Platte in den Ridge Farm Studios zu mischen. Und generell, wie es sich damals anfühlte, ein Album aufzunehmen und zu wissen, dass wir eine gute Band waren. Wir feuerten aus allen Rohren. Es war eine kreative und aufregende Zeit. Wir dachten nur: „Oh Gott, wir nehmen eine Platte für ein echtes Label auf!“ Davon hatte ich immer geträumt, deshalb hingen ja in meinem Kinderzimmer lauter Kiss-Poster. Und ich war dankbar für Jeff und Stone, weil auch sie vorher schon einmal diese Gefühlswelt durchlaufen hatten. Sie kannten sich damit aus. Ich hatte Glück.

Würdest du irgendwas an TEN verändern, wenn du dich zurückbeamen könntest?
Ich wollte schon immer ein besseres Solo auf ›Even Flow‹ spielen. Das sollte ich wahrscheinlich nicht sagen, weil manche Leute es so mögen wie es ist. (lacht) Aber ansonsten würde ich nichts an dieser Platte ändern. Sie war ein wahr gewordener Traum. (Rich Hobson)

Lebenslinien: Gary Moore über Keith Richards, Led Zeppelin und viele mehr!

Gary MooreFreunde und Kollegen haben Gary Moore als begnadeten Gitarristen und feierfreudigen Zeitgenossen in Erinnerung, der ihnen in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, manchen sogar ein Idol war. Doch auch Moore selbst blickte zu anderen Musikern auf, wie er wenige Monate vor seinem Tod noch im CLASSIC ROCK-Gespräch über seine Begegnungen mit anderen Rock-Persönlichkeiten berichtete.

Am Ende dieses Interviews sagt Gary Moore: „Das war’s dann wohl mit meiner Autobiografie. Ich habe jetzt schon alle guten Stories verraten. Die Mühe kann ich mir also sparen.“ Dass er nicht mehr dazu kommen würde, all seine Erinnerungen aufzuschreiben und in einem Buch zu veröffentlichen, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Heute sind seine Aussagen umso wertvoller – denn Moore liefert nicht nur Anekdoten über seine Begegnungen mit Rock-Größen wie Phil Lynott, Keith Richards oder Ozzy Osbourne, sondern gibt auch Einblick in sein Privatleben, denn er offenbart seine Denkweise und sein Verhalten gegenüber den eigenen Idolen.

George Harrison

george harrison press

Ich war elf Jahre alt, als ich die Beatles in meiner Heimatstadt Belfast live gesehen habe. Die Mädchen um mich herum schrien wie verrückt, doch ich nahm davon keine Notiz. Schließlich war ich damit beschäftigt, die ganze Zeit wie ein Wilder auf- und abzuspringen, da ich aufgrund meiner geringen Körpergröße sonst überhaupt nichts gesehen hätte. Ich erinnere mich auch noch gut an den Auftritt der Beatles bei der TV-Show „Sunday Night At The London Palladium“. Ich wollte unbedingt ›Help!‹ auf der Gitarre lernen und schaute George Harrison auf die Finger. Aber an diesem Abend spielte er etwas völlig Krudes.

Einige Jahre später zog ich nach Henley-On-Thames und traf dort George das erste Mal – nämlich bei Alvin Lee von Ten Years After zu Hause. Wir verstanden uns gut, und so ergab es sich, dass ich ihn öfter besuchte. Außerdem bot er mir an, beim Traveling Wilburys-Song ›She’s My Baby‹ mitzuwirken. Ich dachte, dass mein Part nie veröffentlicht werden würde – doch als ich wenig später in den Staaten war, lief der Track im Radio rauf und runter.

George liebte es, die Leute zu ärgern. Einmal unterhielten wir uns über Eric Clapton. Ich war total sauer, weil ich ihn in der „South Bank Show“ gesehen hatte und er sich dort aufführte, als wäre er der größte Gitarrist aller Zeiten, auf einer Augenhöhe mit Jimi Hendrix. George meinte daraufhin nur: „Aber er ist doch auch besser als Hendrix, schließlich hat er mehr zu bieten als nur ein kurzes, wildes Aufbäumen.“ Das passte mir gar nicht, und wir gerieten ziemlich aneinander. Doch damit nicht genug. Als wir später über Blues diskutierten, behauptete Harrison: „BB King ist kein Blueser, er macht Pop.“ Ich war außer mir und antwortete: „Ich verpisse mich. Sofort.“ Wutentbrannt stand ich auf und rannte zu meinem Auto. Er kam hinter mir her, um sich zu entschuldigen, und mir tat die Sache auch ziemlich leid. Doch George war ein Sturkopf, der unbedingt das letzte Wort haben musste. Also setzte er nach: „Im Vergleich zu Ravi Shankar können sie ohnehin beide nichts.“

Albert King

Da ich Blues liebe, wollte ich eine Version von ›Oh, Pretty Woman‹ aufnehmen, was Albert ja bereits während seiner Zeit bei Stax Records getan hatte. Er hörte davon und ließ anfragen, ob er mitspielen dürfte. Natürlich, was für eine Frage. Ich hatte jedoch Bammel, denn es gab eine Zeile in seiner Version, die ich nicht richtig verstand. Es klang nach „She’s The Rising Sun“, aber ich war nicht sicher. Schon vor Kings Besuch im Studio beschlich mich ein komisches Gefühl, dass ich mich mit dieser Sache in die Nesseln setzen würde. Und genug so war es dann auch. King kam rein und sagte in ruppigem Ton: „Lass mich das Tape hören!“ Da saß er dann, mit gespreizten Beinen und blütenweißem Anzug, und er lauschte aufmerksam, wobei er keinerlei Zweifel aufkommen ließ, wer hier die Autoritätsperson im Raum war: er nämlich. Als schließlich besagte Zeile im Lied kam, sprang er auf und schrie mich an: „Halt sofort das Tape an! Das ist falsch! Es heißt: ‚Sure Is The One‘!“ Ich antwortete zerknirscht: „Tut mir wirklich leid, Albert. Ich konnte es nicht richtig verstehen.“ Er darauf: „Aber es ist so drauf, nicht anders.“

Von diesem Zeitpunkt an verhielt er sich mir gegenüber stets wie ein Schuldirektor. Ständig verbesserte er mich. Und zwar bis zu dem Tag, an dem er im Studio stand und ein Feuerzeug suchte. Er kramte herum, und irgend-etwas fiel klackernd auf den Boden. Ich sah nach unten – und sah etliche Patronenhülsen wegrollen. Ich fragte ihn entsetzt: „Albert, was zu Geier soll das denn?“ Er sagte nichts, sondern zog eine Visitenkarte aus seiner Jackentasche. Darauf stand: „Hilfssheriff“. Die Grenzbeamten hatten ihn nur aufgrund dieses „Jobs“ mit einer Knarre und einer ganzen Ladung Munition an Bord der Concorde gelassen! Er transportierte die Waffe einfach im Case seiner Flying V-Gitarre. Und er unterbreitete mir auch ein Angebot: „Wenn du je Probleme hast, dann ruf mich an!“

Ozzy Osbourne
ozzy

Während eines New York-Trips traf ich Ozzy in einem Hotel, und er lud mich zum Dinner ein. Außer mir und ihm waren noch Sharon und Bassist Bob Daisley dabei. Wir aßen in einem kleinen Restaurant, es war sehr nett. Nur Ozzy tanzte komplett aus der Reihe. Er hatte einen kanariengelben Hosenanzug an und riss einen Witz nach dem anderen. Plötzlich sah er mich an und sagte: „Gary, pass mal auf!“ Dann schnappte er sich ein Bierglas, stülpte es sich über den Mund und sog so lange die Luft ein, bis ihm die Adern im Gesicht platzten. Doch damit nicht genug: Er stopfte sich massenweise Toilettenpapier hinter seiner Unterlippe und hatte so binnen Sekunden Roddy Mc-Dowalls „Planet der Affen“-Look. Weltklasse!

Später kam ein anderer Gast zu uns an den Tisch und bat ihn, ›Over The Mountain‹ zu singen. Ozzy sagte: „Sicher, aber nur, wenn du mir einen Drink dafür spendierst!“ Dann legte er los – und in einer Lautstärke, dass man ihn auch noch drei Straßen weiter gehört haben muss. So laut wie er singen nur sehr, sehr wenige. Auf dem Rückweg liefen wir schließlich am Carnegie Hotel vorbei, wo sich jede Menge Leute versammelt hatten. Ozzy warf sich der Länge nach auf den Gehsteig und zeigte mit dem Finger auf Sharon, die zu diesem Zeitpunkt im sechsten Monat schwanger war. „Diese Frau hat mich mit Aids angesteckt“, schrie er hysterisch. Er musste einfach maßlos über die Stränge schlagen, benahm sich wie ein überdrehtes Kind.

Rory Gallagher

Ich lernte Rory kennen, als ich 14 war. Er hatte gerade seinen Umzug nach Belfast hinter sich gebracht und suchte neue Bekanntschaften. Ich war deutlich jünger als er, aber das machte ihm nichts aus. Er nahm mich unter seine Fittiche. Rory war einer der ehrlichsten, nettesten und aufrichtigsten Menschen, die ich kenne. Als ich ihn das letzte Mal traf, das war einige Monate vor seinem Tod (im Jahr 1995 – Anm.d.Red.), lebte er im Conrad Hotel im Londoner Stadtteil Chelsea Harbour. Er saß an der Bar und trank Bailey’s aus Biergläsern. Wir gingen schließlich auf sein Zimmer, und er zeigte mir seine imposante Gitarrensammlung. Ich spielte ihm das BBM-Album vor – und er war total hin und weg. Ein wunderbarer Abend. Als ich ging, umarmte ich ihn und sagte: „Ich liebe dich, Mann!“ Danach haben wir uns nie wiedergesehen. Aber ich bin froh, dass ich Teil seines Lebens sein durfte.

Werkschau: Muddy Waters

Muddy Waters WerkschauEr ist der Electric Warrior des Blues, der die Stones und Clapton zum Musizieren brachte. Wir blicken auf die Höhen und Tiefen des ruhmreichen Mud.

Das Chicago der 50er Jahre war kein Ort für Leute mit schwachen Ner­ven. Wer sich in die Blues-Spelun­ken im Süden der Stadt wagte, betrat eine brutale und eingefleischte Subkultur. Am deutlichsten beschrieb sie Buddy Guy in einem Kapitel seiner Memoiren, in dem ein Betrunkener mit wahnsinnigem Blick in einer Bar auftauchte, in der Hand den abgetrennten Kopf seiner Frau.

Das Klientel allein war schon furchterregend, der Wettstreit unter den Musikern noch übler. Jede Nacht konnte man in jeder Bar eine Legende spielen sehen, von Otis Rush und Magic Sam bis hin zu den weißen Eindringlingen Paul Butterfield und Mike Bloomfield. Immer zu finden war auch der große böse Howlin‘ Wolf.

Doch Muddy Waters war zweifellos die Nummer eins. Der als McKinley Morgan­field in Mississippi geborene Blueser nahm seine ersten Stücke 1941 auf, entdeckt wurde er vom Archivisten Alan Lomax. Diese erste Pressung verlieh ihm das nötige Selbstbewusstsein, um in den Norden nach Chicago zu ziehen.

Dort unterschrieb er beim frisch gegründeten Label von Leonard und Phil Chess. Verstärkt durch eine Band, die unter anderem aus dem Blues-Harpisten Little Walter und dem Pianisten Otis Spann bestand, feuerte Waters in den frühen 50ern einen Hit nach dem anderen heraus. Nummern, die noch heute zu seinen Klassikern zählen. ›Mannish Boy‹, ›Hoochie Coochie Man‹, ›Got My Mojo Workin’‹, ›I Just Wanna Make Love To You All‹ zeichneten sich alle durch seinen frischen Bariton, revolutionäre Sli­de-Gitarren-Parts und einen Hauch gerechtfertigter Arroganz aus.

Trotzdem geriet sein Siegeszug erst einmal kurz ins Stocken, bevor sich seine Fans auf der anderen Seite des Atlantiks für ihn stark machten. 1958 wurde er von der Jazz-Legende Chris Barber nach Groß­britannien geholt und lieferte durch seine Auftritte dort den Startschuss des britischen Blues-Booms. Alexis Korner und Cyril Davies gründeten daraufhin die Londoner R&B-Szene. Außerdem inspirierte er Eric Clapton und die Rolling Stones (selbst ihr Bandname stammt von Waters‘ Single aus dem Jahr 1950).

Nicht jeder Ton, den Muddy schrieb, war herausragend, aber seine Werke haben bis heute Bestand. 1977 kehrte er schließlich mit dem von Johnny Winter produzierten HARD AGAIN zu alter Hochform zurück. Und auch heute, 33 Jahre nach seinem Tod durch einen Herzinfarkt, lebt seine Legen­de weiter. Joe Bonamassa sagte einmal: „Am Ende eines jeden Tages gibt es nur einen, und das ist Muddy Waters.“

Unverzichtbar

At Newport 1960
Chess, 1980

Muddy Waters Newport
Er war immer der König von Chicago, aber am 3. Juli 1960 eroberte Muddy Waters den Mainstream, indem er aus den verrauchten Kneipen ausbrach und an einem Sonntagnach­mittag für eine Gruppe weißer Hipster spielte. Im selben Jahr wurde das Live-Album von diesem Konzert veröffentlicht und machte das Unmögliche möglich. Unterstützt von einer All-Star-Band (u.a. mit James Cotton und Otis Spann), geht Muddy in seiner Rolle des Frontmanns völlig auf. Er legt sogar seine Gitarre beiseite und verzaubert das Publikum mit seiner schmachtenden Stimme und seinem unvergleichlichen Charisma. Nie haben Songs wie ›Hoochie Coochie Man‹ und ›Got My Mojo Workin’‹ eine solche Gänsehaut hervorgerufen.

Anthology
Not Now, 2011

Muddy Waters Anthology
Es ist sicher ungewöhnlich, eine Compilation zu den außergewöhnlichen Werken eines Mu­­sikers zu packen, doch wenn man es vermeiden möchte, die nächsten zehn Jahre nach raren Platten zu suchen, bietet diese aus 75 Songs bestehende Zusammenstellung einen perfekten Überblick über Waters‘ Jahre bei Chess. In den 50er Jahren waren diese Songs einfach elektrisierend. Sie versahen den Blues der Hinterhöfe mit einem frischen urbanen Touch. Und auch wenn die großen Hits (›Hoochie Coochie Man‹, ›I Just Wanna Make Love To You‹) meist aus Willie Dixons Feder stammten, so war es doch Muddys Charisma, das sie verkaufte. Und auch in der heutigen Zeit haben diese Songs immer noch die Macht, einen richtiggehend umzuhauen.

Wunderbar

The Complete Plantation recordings
Chess, 1993

Muddy Waters Complete Plantation Recordings
Wer Muddy nur als Meister der elektrischen Gitarre kennt, wird bei diesen raren Akustik­stücken (aufgenommen von Alan Lomax im Jahr 1941) eine völlig neue Seite von Waters erkennen. Seine besten Mo­­mente hat Muddy, wenn er auf das Wesentliche reduziert sein pures Talent zeigt, wobei man schon erahnen kann, wozu dieser Mann noch fähig sein wird. Diese Aufnahmen wurden in der Library Of Congress entdeckt, was beweist: Muddys Songs sind längst als wichtiger Teil der amerikanischen Ge­­schichte anerkannt.

Muddy Waters Sings Big Bill/Folk Singer
Chess, 1960/1964

Muddy Waters Sings Big Bill Folk Singer
Der Reissues-Markt ist überflutet mit Doppel-Compila­tions, aber auf dieses Set sollte man nicht verzichten. Auf BIG BILL präsentiert sich Mud in ehrfürchtiger und doch rauer Form. Er widmet sich den Stücken von Big Bill Broonzy und profitiert dabei von Songs wie ›Mopper’s Blues‹. Das rein akustische FOLK SINGER ist weniger spannend, bis man das klagende ›My Home Is In The Delta‹ (mit einem Gast­auftritt von Buddy Guy) und ›Feel Like Going Home‹ hört. Die klare Produktion unterstützt sein unglaublich weites Stimmvolumen.

Fathers And Sons
Chess, 1989

Muddy Waters Fathers And Sons
Den Stein brachte Mike Bloom­field ins Rollen, indem er Mar­­shall Chess sagte, „er wolle gerne mit Muddy zusammenarbeiten”. Das war die Geburts­stunde dieses Allstarprojekts. Im April 1969 versammelten sich die Blues-Schwergewichte Paul Butterfield, sein Schlag­zeuger Sam Lay und Booker T-Bassist Donald „Duck” Dunn in Chicago für eine dreitägige Aufnahmesession, in der Muddy Champagner schlürfte und sich an einigen weniger be­­kannten musikalischen Klein­oden heiser sang. Die Studio­aufnahmen wurden mit Live-Aufnahmen ergänzt, die in der selben Zeit entstanden sind.

Hard Again
Blue Sky, 1977

Muddy Waters Hard Again
Mitte der 70er Jahre war Muddy ein Relikt am Ende sei­­ner Kräfte. Er musste mit ansehen, wie das einst stolze Chess Records immer mehr zu einem Reissues-Label verkam. Er verließ Chess und drehte erst einmal Däum­chen. Die Erlösung kam in Gestalt von Produzent und Blueser Johnny Winter. Er stellte eine erstklassige Truppe zusammen (James Cotton, Pianist Pinetop Perkins und Schlagzeuger Willie „Big Eyes” Smith wa­­ren an Bord) und kitzelte eine Leistung aus Muddy, wie er sie seit Jahren nicht mehr abgeliefert hatte.

Anhörbar

Muddy ‘Mississippi’ Waters Live
Blue Sky, 1979

Muddy Mississippi Waters
Auch mit weit über 60 war Muddy immer noch ein Ber­serker auf der Bühne. Diese Zu­­sammen­stellung von Live-Aufnahmen erreichte zwar nicht den erhabenen Standard von Newport, bei ›She’s Nine­teen Years Old‹ und ›Nine Below Zero‹ entfesselte er jedoch einen Sturm, seine Slidegitarre klang noch nie so feurig. Johnny Winter unterstützt ihn zwar virtuos, kommt jedoch nicht an den alten Haudegen heran, der seinen zweiten Frühling genießt. Ein Jahr später setze er seinem Comeback den finalen Stempel auf, als er für dieses Album den Grammy für „Best Ethnic or Traditional Recording” erhielt.

The London Muddy Waters Sessions
Chess, 1972

Muddy Waters London
1970 verschwand Howlin‘ Wolf mit seinen Mitmusikern bei Nacht und Nebel in die britische Hauptstadt, um dort in Ruhe aufzunehmen – was ihm hörbar gut tat. Also warum sollte diese Taktik nicht auch bei einem weiteren Star aus Chicago aufgehen? Komischer­weise hatte er kein so gutes Händchen bei seinen Gast­musikern, denn an Stelle von den Stones oder Clapton suchte er sich Steve Winwood, Rick Grech und Mitch Mitchell aus. Trotzdem sollte jeder Blues-Fan dieses Album einmal gehört haben – und sei es nur wegen des grandiosen Gitarrenspiels von Rory Gallagher.

King Bee
Blue Sky, 1981

Muddy Waters King Bee
Durch Johnny Winters Hilfe konnte Waters 1978 einen Hit mit ›I’m Ready‹ landen, dieser Schwanengesang läutete je­­doch das Ende ein. Muddy war mittlerweile in schlechter körperlicher Verfassung, was vielleicht erklärt, warum die Auf­nahmen schnell und eher mürrisch vonstatten gingen (die Studioarbeit wurde durch finanzielle Streitigkeiten behindert). Auch wenn Winter nicht wirklich zufrieden war, konnte man doch mit ›Champagne & Reefer‹ und dem fröhlichen ›(My Eyes) Keep Me In Trouble‹ feiern. In kommerzieller Hinsicht war das Album jedoch ein Flop und er­­reichte gerade einmal Platz 192 in den Charts.

Sonderbar

Electric Mud
Cadet, 1968

Muddy Waters Electric Mud
Muddy selbst nannte diese Platte „Hundescheiße”. Zum einen muss man wohl Marshall Chess die Schuld dafür geben, denn es war seine Idee, Waters mit den Avantgarde-Psyche-Rockern Rotary Connection zu umgeben. Doch auch der Blueser selbst hatte sein Au­­genmerk darauf gelegt, bei der weißen Hörerschicht den ein oder anderen Dollar zu verdienen. („Ich habe so oft für diese sogenannten Hippies gespielt, dass ich glaubte, ich könne sie musikalisch erreichen”). Und auch wenn sich ELECTRIC MUD gut verkaufte, hörte man Muddy doch immer an, dass er sich mit diesem Sound nicht wohlfühlte.