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Start Blog Seite 1179

Noel Gallagher’s High Flying Birds – INTERNATIONAL MAGIC LIVE AT THE O2

????????????????????????????????????????????????????????????????????Gemütlich statt großartig

Eigentlich hatte Noel Gallagher für 2012 ja sein experimentelles Album mit Amor-phous Androgynous aka The Future Sound Of London angekündigt. Inzwischen sieht’s aus, als bliebe diese Platte doch in den Archiven versteckt. Statt gewagten Experimenten gibt’s für die Fans des Oasis-Songwriters lieber noch mal das Übliche: die obligatorische Live-DVD.Die O2-Arena in London ist riesig, der Blick über das Meer des Publikums und seine leuchtenden Handy-Displays beeindruckend. Der Mitschnitt vom 26.02.2012 bietet tolle Ton- und Bildqualität. Wir erleben? Na ja, Noel Gallagher mit seiner kompetenten Begleitband, ohne viel Schnickschnack elf Solosongs und neun Oasis-Titel runterspielend. Es ist durchaus interessant, Songs wie ›It’s Good To Be Free‹ oder ›Supersonic‹ mal nicht von Liam zu hören. Ganz ohne die Großspurigkeit, die mit dessen Performance einhergeht. Noel gibt sich da ganz anders: relaxt in sich ruhend, easy-going. Richtig sympathisch, ja. Das gibt den Songs einen anderen Flavour, dem auf Dauer aber die Würze des Liam’schen arschigen Drauf-gängertums durchaus ganz gut tun würde. Noel ist da ein bisschen zu gemütlich geworden. Man betrachte nur einmal den Hausfrauenchor, der u.a. bei ›If I Had A Gun‹, ›Everybody’s On The Run‹ und ›Whatever‹ zu dick aufträgt: Liam hätte da wohl jede einzelne Sängerin persönlich von der Bühne gepöbelt. Das ist also alles sehr erwachsen hier. Gut, Noel Gallagher ist jetzt auch 45 und hat kein Getue mehr nötig, er muss niemandem mehr den Affen machen. Aber sagen wir’s so: Dieser Auftritt gibt sowohl den begeisterten Fans der Britpop-Ikone als auch den Gegnern genug Material, ihre bestehende Meinung zu zementieren. Dies ist ’ne saubere, makellose Show mit starken Songs einer guten Band. Wer Magie oder Hass will, muss aber vielleicht doch auf einen Oasis-Gig von ’95 zurückgreifen. Disc 2 soll nicht unerwähnt bleiben, denn das Bonusmaterial ist umfangreich. Als da wären: sieben Songs einer Akustiksession in Toronto – fein. „Ride The Tiger“, ein selbsternannter arty Kurzfilm, gestrickt um die drei Promoclips der Albumsingles, inklusive Russell Brand, der einen Jack Sparrow/Papa Lazaru-Crossover spielt – zu gewollt. Sechs weitere Livetracks aus dem Set von Disc 1, nur von einer anderen Show (den NME Awards) – kein Muss, schadet aber auch nicht. Aber nach dieser Manifestation des Gallagher’schen Status Quo wären wir jetzt nur umso gespannter auf sein schräges Zeugs mit Amorphous Androgynes.

 

CASH – DIE AUTOBIOGRAPHIE VON JOHNNY CASH

cash, JohnnyDer „Man In Black“ beschreibt sein Leben – ehrlich und ungeschönt.

Ende der Neunziger Jahre erschien die Erstauflage von CASH – DIE AUTOBIOGRAPHIE und schlug unter Fans und Interessierten ein wie eine Bombe. Sie bildete die Vorlage für den biographischen Film „Walk The Line“ mit Joaquin Phoenix als Cash. Als Cash am 12. September 2003 verstarb, wurde er endgültig zu einer Legende. Am 26. Februar diesen Jahres wäre der „Man In Black“ 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde seine Autobiographie in einer großformatigen Auflage neuveröffentlicht. „Dieses Buch ist meine eigene Geschichte – was ich fühle, was ich liebe, was geschah, so wie ich es erinnere…“ Dies sagte Johnny Cash einst über seine Biographie. Und genau das ist es, was dieses Buch zu etwas so besonderem macht. Denn Cash beschreibt sein Leben, seinen Werdegang und seine Karriere mehr als ehrlich. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und geht auch mit sich selbst hart ins Gericht. Hier blickt ein Mann zurück, dessen ereignisreiches Leben ihm Weisheit und Erfahrung brachte, der nun mit Abstand alles beurteilen kann. Hier und da kann man sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen, wenn Herr Cash sich selbst ironisch auf den Arm nimmt oder mit einem Augenzwinkern seine Exzesse beschreibt. Seine Sprache ist lyrisch aber verständlich, seine Erzählweise immer sympathisch. Wer bis jetzt noch nicht die Chance hatte, sich von Cash „persönlich“ von seinem Leben erzählen zu lassen, sollte dieses Buch unbedingt zur Hand nehmen.

The Beatles – MAGICAL MYSTERY TOUR

beatlesUnterhaltsamer als sein Ruf: der psychedelische TV-Film der Fab Four

Laut offizieller Beatles-Geschichtsschreibung ist die MAGICAL MYSTERY TOUR von 1967 der erste echte Flop im Repertoire der Liverpooler – nach dem Ableben von Manager Brian Epstein, so heißt es häufig, seien die Beatles eben orientierungslos gewesen, hätten sich am TV-Projekt dramatisch verhoben. Ganz klar: Der Film zählt nicht zu den Glanztaten der Band, die Handlung ist dünn und wenig stringent, ein paar Längen hat das Werk obendrein. Anzunehmen, die Beatles wussten nicht, was sie taten, ist aber absoluter Unsinn, das Projekt war ambitioniert, vermutlich zu ambitioniert, und der einzige Vorwurf, den man gelten lassen kann, ist der, dass die Fabulösen Vier kurz nach der Veröffentlichung von SGT. PEPPER’S LONELY HEARTS CLUB BAND zur Selbstüberschätzung neigten. Auf der Habenseite gibt es wunderbare Musik, eingepackt in surreale, psychedelische Bilder, die dem damals herrschenden Zeitgeist geschuldet sind – keinen echten Plan zu haben, galt anno 1967 nicht unbedingt als Nachteil, Improvisation, Spontaneität und Experimentierlust standen hoch im Kurs. Als Zeitdokument funktioniert die bunte Sause bis heute, ein paar erinnerungswürdige Bilder liefert sie noch dazu: Wenn John Lennon Spaghetti mit der Schaufel auftischt, dann ist die absurde Kunst von Monty Python gar nicht so weit weg.

 

Tangerine Dream – PHAEDRA / RUBYCON / RICOCHET / STRATSOSFEAR

tangerine dreamBig in England: Nur wenig zählt der Prophet im eigenen Land.

Die Berliner Elektronikpioniere lieferten unter der Leitung von Gründer Ed- gar Froese zwischen 1970 und 1973 vier experimentelle Alben mit wechselndem Personal. Die Palette reichte vom schrillen Avantgardegeplänkel bis zu entspannten Meditationen, wurde hierzulande aber als zu esoterisch und abgehoben abgekanzelt. Erfolg zeichnete sich erst ab, als ausgerechnet Radio-DJ-Legende John Peel auf der BBC-Playlist das vierte Werk ATEM in Großbritannien zum „Album des Jahres 1973“ kür-te. In halbwegs stabiler Triobesetzung mit den Neuzu-gängen Christoph Franke und Peter Baumann unterzeichneten Tangerine Dream bei Richard Bransons noch junger Firma Virgin. Von der griechischen My- thologie inspiriert, bündelte das Konzeptwerk PHAE-DRA die Entwicklungen der vergangenen Jahre, verkaufte erkleckliche Stückzahlen und gilt noch heute als Meilenstein von Tangerine Dream. Noch mehr Abverkäufe erzielte 1975 der aus zwei 20-minütigen Teilen bestehende Nachfolger RUBYCON. In improvisierten Variationen fanden sich ›Rubycon Part 1 & 2‹ auch auf dem rasch hinterher geschobenen Livemit-schnitt RICOCHET. Leichte Modifikationen im Kon-zept – Akustikgitarre plus Mellotron und VCS3-Syn-thesizer – mündeten 1976 im stromlinienförmigeren Nachfolgewerk STRATOSFEAR. Halten konnten TD das hohe Niveau der frühen Virgin-Jahre leider nicht.

PHAEDRA: 10
RUBYCON: 10
RICOCHET: 7
STRATOSFEAR: 9

Angels & Airwaves – START THE MACHINE

angels and airwavesDoku von einem Fan für Fans

Ach, diese Musik-Doku-DVDs. Die Dinger sind nun mal nur für Überfans, die das Band-T-Shirt, die Tasse und die Bettwäsche schon haben. Also kriegen sie, was sie sehen wollen: ihre Lieblinge überhöht, idealisiert, übermenschlich. Klar ist das auch in diesem Film aus dem Jahr 2008 so, der erst jetzt bei uns erscheint. START THE MACHINE begleitet Ex-und-wieder-Blink-182-Co-Frontmann Tom DeLonge und seine Neuband Angels & Airwaves bei deren ersten Schritten bzw. der Aufnahme ihres Debüts WE DON’T NEED TO WHISPER (2006) und unterdrückt jeden Zweifel, dass diese Typen irgendetwas anderes als superduper sein könnten. Nun sind Angels & Airwaves keine schlechte Band. Ihr U2-meets-Foo Fighters-Hangarrock ist zweifellos wirkungsvoll. Okay, der Hobbypsychologe in uns sagt: Hier überkompensiert jemand, dass er ein Jahrzehnt lang den penisschwingenden MTV-Funpunk-Affen geben musste, mit bedeutungsschwangerer Wichtigtuerei – aber wen juckt’s, so lange die Musik was taugt? Filmemacher Mark Eaton filmt mit der Demut eines Fans. Jedes von DeLonges Statements präsentiert er, als sei es eine profunde Wahrheit. Macht Tom dödelige Witzchen, kommt es im Film wie „Ach guck! Er ist auch nur ein Mensch und voll sympathisch!“ rüber. Für Nicht-Fans und Neutrale ist das nervig und nicht mal so herrlich unfreiwillig komisch wie die albern-popanzige Animation (Soldaten! Flieger! Explosionen!) des Filmintros. Aber: Nicht-Fans und Neutrale werden dies ja nie sehen. Wer guckt schon mal die DVD einer Band, die man nur ziemlich okay findet? Wer A&A hingegen liebt, kriegt, was er sucht. Insofern: Punktlandung.

 

Spirit – TWELVE DREAMS OF DR. SARDONICUS

spiritUnbeachtet gebliebener Meilenstein, der seiner Zeit voraus war.

Was für eine gewagte Kombination: Ed Cassidy, exzentrischer Jazz-Drum-mer und einst Mitglied der Rising Sons mit Ry Cooder und Taj Mahal, hob 1967 im Alter von 44 Jahren mit seinem 16-jährigen Stiefsohn Randy California sowie Jay Ferguson, Mark Andes und John Locke eine Band aus der Taufe, deren Markenzeichen es war, stilistischem Schubladendenken eine deutliche Absage zu erteilen. Drei eklektische Alben erschienen bis 1969, viel ge-priesen von der Kritik, doch so unangepasst eigenwillig und ihrer Zeit voraus, das selbst Hippie-Nonkon-formisten sich vom virtuosen Stilrundumschlag ab-schrecken ließen. Als Opus Magnum, das ungerechtfertigt einmal mehr ignoriert wurde, ging 1970 das von David Briggs (Neil Young hatte vermittelt) produzierte TWELVE DREAMS OF DR. SARDONICUS als Mei-lenstein in die Rockgeschichte ein: Randy Californias ›Nature’s Way‹, spontan komponiert, als Spirit auf ih-ren Auftritt im Fillmore West warteten, legte die Latte für Westcoast-Folk-Pop ziemlich hoch. Als prägnantes Beispiel von rarem White Funk entwickelte ›Animal Zoo‹ einen geradezu hypnotischen Sog. Zwischen Soul, Pop und Jazz operierte Jay Fergusons ›Mr. Skin‹. Am Nichterfolg der zwölf Träume des sardonischen Doktors zerbrach 1971 die Urformation – zur alten Form fanden Spirit danach leider nicht mehr zurück.

 

Public Image Limited – LIVE AT ROCKPALAST 1983

MIG_90427_Public_Image_Limited_Live_At_Rockpalast_DVD_Digi.inddNach dem Kreativzenit: John Lydons Versuch, Tiefgang zu vermitteln

Als die Sex Pistols im Januar 1978 auf US-Tournee zum Entsetzen der noch jungen Punk-Bewegung schlicht an eigener Unzulänglichkeit implodierten, waren die Erwartungen auf das künstlerische Danach vor allem an Frontmann Johnny Rotten hochgesteckt. Rotten, der wenig später zum bürgerlichen Namen John Lydon zurückkehrte, enttäuschte nicht. Noch im gleichen Jahr legte Lydon mit frisch gegründeter Formation Public Image Limited ein selbstbetiteltes Debüt vor, das Staunen machte, aber mehr Kraut-Rock-Wurzeln als angesagten Punk und New Wave beschwor und die Kunstfigur Rotten in der Asservatenkammer entsorgte.

Zum Zeitpunkt des Kon-zertmitschnitts für den Rockpalast am 27. Januar 1983 allerdings lag die fantastische Urbesetzung mit Bassist Jah Wobble und Gitarrist Keith Levene, die den genialen Meilenstein ›Metal Box‹ verantwortete, schon in Trümmern. Einzig Schlagzeuger Martin Atkins blieb aus der legendären Frühphase übrig. Doch mit technisch einwandfreien Mietmu-sikern wie Gitarrist Joseph Guida, Bassist Louis Bernardi und Keyboarder Tommy Zvoncheck ließ sich die zeitlupenhafte Geräuschkulisse aus Krach, Wut, Fatalismus und Desillusionierung der Jahre 1978 bis 1982 nicht rekapitulieren. Alptraumhafter Spuk wie die Teufelsautreibung von ›Annalisa‹, der radikale Rund-umschlag gegen ›Religion‹ oder die gespenstische Gossenhymne ›Low Life‹ tönen kalkuliert inszeniert und ohne Tiefgang. Ulk-Wave-Post-Punk-Pop wie ›(This Is Not A) Love Song‹ hingegen stehen der uninspirierten 2.0 Version von Public Image Limited hörbar besser. Zumal sich Lydon und Co. nicht zu schade sind, auch noch eine mäßig hingeschluderte wie überflüssige Version von ›Anarchy In The UK‹ zu offerieren. Bleibt als Trost im Bonussegment das wirklich amüsante und interessante Interview mit John Lydon, das Alan Bangs in unnachahmlich distanzierter Art führte.

The Moody Blues – TO OUR CHILDREN’S CHILDREN’S CHILDREN

moody bluesBeobachten und warten: ein an die Ur-Enkel gerichtetes Sci-Fi-Märchen.

1969 ließ sich das Quintett aus Bir-mingham nicht mehr stoppen: Nach On The Treshold Of A Dream im April folgte im November mit TO OUR CHILDREN’S CHILDREN’S CHILDREN bereits die vierte LP nach signifikantem Stil- und Be- setzungswechsel 1967 durch Bassist John Lodge sowie Sänger und Gitarrist Justin Hayward. Inspiriert von der ersten Mondlandung im Juli gleichen Jahres, konzen-trierten sich die Texte auf Futuristisches wie Raum-Zeit-Reisen (›Beyond‹) und das Leben der Menschheit in ferner Zukunft (›Eternity Road‹). Ein Science-Fiction-Märchen – vom kakophonen Intro des Auftakts ›Higher And Higher‹ bis hin zum elegischen Finale ›Watching And Waiting‹. Im typischen Moody-Modus operierten das obligatorische Streichorchester, Mike Pinders Mel-lotronschwaden, Ray Thomas’ Querflötenimpressio-nen und Justin Haywards Akustikgitarrenkaskaden; ›Sun Is Still Shining‹ setzte zusätzlich auf Sitareinsatz. Im Gegensatz zu den vier Vorgängeralben produzierte die Hommage an die Ur-Enkel trotz adäquater Aus-kopplung ›Watching And Waiting‹ keinerlei Hit-Single. Für die fünf Jungmillionäre, die zwischen Mai und September 1969 in den Londoner Decca Studios am Konzept werkelten, seinerzeit sicherlich eine herbe Enttäuschung. Gaben Moody Blues mit TO OUR CHILDREN’S CHILDREN’S CHILDREN doch auch ih-ren Einstand als gewiefte Manager der hauseigenen Plattenfirma Threshold.