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Start Blog Seite 446

Das letzte Wort: Francis Rossi (Status Quo)

Status Quo Cropredy 09_photo credit Christie GoodwinIm Jahr 2015 war Francis Rossi bereits rund 50 Jahre mit Status Quo unterwegs. Damals schauten die Boogierock-Legenden wieder mal für einige Konzerte in Deutschland vorbei – um dabei zusammen mit Uriah Heep auf dem Tollwood-Festival in München Station zu machen. Wir haben mit Rossi darüber geredet, wie es ihm hierzulande gefällt. Außerdem sprach der Sänger über seine Angst vor Live-Shows, seinen damals noch lebenden Kreativpartner Rick Parfitt, über das Älterwerden und darüber, was ihn auch heute noch antreibt.

Ab Juni wirst du mit Status Quo in Deutschland zu Gast sein. Freust du dich schon?
Ich freue mich immer auf Deutschland – was für einen Engländer ja nicht selbstverständlich ist. Ich kaufe dort viel Kleidung, bei Peek & Cloppenburg oder Kaufhof. Meine Shirts sind von da, meine Stiefel, meine Jacke. Ich esse gerne bei euch, ich fahre BMW. Tausend schöne Erinnerungen an großartiges Essen, fantastische Zeiten und gute Freunde verbinden mich mit Deutschland. I’m almost „deutsch“.

Bist du noch nervös vor deinen Auftritten?
Nein, nein, nervös bin ich nicht. Ich habe Angst. Schon seit ich jung war, und es wird immer schlimmer. Ich habe Angst, dass etwas falsch laufen könnte. Denn wenn du dabei vor Tausenden von Leuten stehst, fühlst du dich wie ein verdammter Idiot. Dann ist die Bühne der schlimmste Ort auf der Welt. Die Zeit dehnt sich aus, wird länger und länger und länger.

Ihr seid jetzt fast 50 Jahre aktiv. Was ist das Geheimnis eurer Beständigkeit?
Auch wir haben oft gestritten, unsere ursprüngliche Formation besteht nicht mehr. Vor gut zwei Jahren haben wir uns kurzzeitig wiedervereinigt, als Frantic Four. Und es stellte sich schnell heraus, dass es nicht funktionieren würde. Als wir Status Quo gegründet haben, hieß es: Gemeinsam gegen die Welt! Dann kam der Erfolg, und jeder in der Gruppe dachte, er sei dafür verantwortlich. Drogen und Alkohol kamen daher, viel Geld. Wir hatten uns verändert, wir waren keine Jungs mehr. Wir waren Erwachsene, mit Verpflichtungen und Kindern.

Aber mit Rick Parfitt bist du immer noch zusammen…
Wir haben erst kürzlich darüber gesprochen, dass wir nicht mehr so viel miteinander reden wie früher. Und es stimmt. Aber wir sind über 60 Jahre alt und verschieden. Rick ist sehr extrovertiert, ich nicht. Rick ist sehr Gucci-Ferrucci-Louis-Vuitton, ich nicht. Ich erinnere mich daran, als wir das Video zu Live Aid gemacht haben. Rick geht ganz nach vorne, sieht Sting, stößt Sting zur Seite und setzt sich neben ihn. Mich siehst du irgendwo ganz hinten rumstehen. Wir sind zwei völlig verschiedene Menschen, aber vielleicht ist das der Grund, warum es funktioniert.

„Ich löse viele Kreuzworträtsel, an Weihnachten puzzle ich gerne.“

Welche Musik hörst du derzeit so?
Keine… Na ja, Muse höre ich zurzeit, viel Country. Ansonsten ist Pavarotti mein Favorit. Aber ich suche nicht mehr nach Musik, ich mag es, wenn sie mich trifft. Deshalb schalte ich gelegentlich das Radio an. Und plötzlich höre ich etwas und denke: Verdammt, das ist großartig. Wie die neue Single von Mika. Ich mag Mika nicht so sehr, aber dieser Song ist fantastisch. Bei den Pet Shop Boys ist es dasselbe. Wir hatten mal Streit mit ihnen, ich sollte sie hassen. Aber wann immer ›It’s A Sin‹ im Autoradio läuft, muss ich anhalten und zuhören. Ich sollte sagen: Das gefällt mir nicht, weil es das falsche Genre ist. Aber ich mag es einfach. Manche Leute haben diese Freude an Musik nicht. Sie sind zu festgefahren.

Du bist jetzt Mitte 60. Stört dich dein Alter eigentlich?
Manchmal schon, manchmal nicht. Aber wenn man nicht alt wird, heißt das, dass man tot ist. Meine erste Frau hat mal gesagt, wir sollten ausgelöscht werden, wenn wir 32 sind. Jetzt ist sie 70. Sie will nicht mehr ausgelöscht werden. Man sollte also nicht über das Alter schimpfen. Plötzlich bist du selbst alt und fühlst dich ganz wohl dabei. Mick Jagger ist schon 70. Verrückt. Manchmal denke ich, wir sehen lächerlich aus. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich gut. Ein Glück, dass ich mir dann nicht zuschauen muss. (lacht)

Wie hältst du dich fit?
Ich habe einen Fitnesstrainer für fünf Tage die Woche. Und auch wenn er nicht da ist, mache ich was. Nicht mehr so viel wie früher, aber immer noch Liegestütze und Crunches. Es ist gut für mein Ego, dass ich schlank bin. Ich bin einer der Menschen, die nicht dick werden wollen. Ich tue alles, um meinen Bauch flach zu halten.

Was sind deine Hobbys neben der Musik?
Schwierige Frage. Ich löse viele Kreuzworträtsel, an Weihnachten puzzle ich gerne. Ich verbringe auch viel Zeit mit Gartenarbeit. Mein Bruder wohnt auf dem Land, er hat das Feld neben seinem Haus gepachtet. Wir gehen dort spazieren, er kümmert sich um seine Bäume. Dort vergesse ich alles, was mit der Arbeit zu tun hat. Generell bin ich viel zu Hause, ich bin ein sehr langweiliger Mann, ganz im Ernst. Aber glücklich dabei. (lacht)

Von Rockmusikern wird eigentlich erwartet, wild und rebellisch zu sein…
Das ist nur ein Klischee. Geh raus auf die Straße, und wenn du einen siehst, der betrunken ist, Frauen belästigt und für Ärger sorgt, dann sagst du: verdammtes Arschloch. Aber aus irgendeinem Grund ist es Rockmusikern offenbar erlaubt, all das zu tun. Doch es ist nicht wild, sondern einfach unhöflich und idiotisch. Ich sage nicht, dass ich kein Teil davon war, aber es ist Bullshit.

Welche Musiker haben dich am meisten beeinflusst in deiner Karriere?
Die Everly Brothers, Little Richard, die frühen Fleetwood Mac, Stan Webb’s Chicken Shack, Rory Gallagher und Jeff Lynne.

Wenn du kein Musiker geworden wärst, was dann?
Ein Arschloch. (lacht) Nein, keine Ahnung. Meine Familie stammt aus Italien, ich bin mit dem Verkauf von Eiscreme aufgewachsen. Wahrscheinlich wäre ich in unserem Familienunternehmen geblieben.

Du hast mit Status Quo Millionen Alben verkauft. Hast du noch Ziele?
Noch mehr Platten zu verkaufen. (lacht) Es gibt dieses Bild von einem Esel, dem sie eine Karotte vor die Nase halten, damit er vorwärts geht. Ich jage diese Karotte, seit ich zwölf bin. Ich habe genug erreicht, aber dennoch das Gefühl, die Karotte noch nicht erwischt zu haben. Vielleicht erreiche ich sie einmal und denke: Verdammt, das hättest du nicht tun sollen. Aber irgendwas treibt einen doch immer an.

John Fogerty – FOGERTY’S FACTORY

Familienangelegenheit

Natürlich ist die Corona-Pandemie eine Katastrophe mit fatalen Auswirkungen in allen Lebensbereichen, aber das Virus hat auch einige wenige gute Dinge hervorgebracht. So gäbe es z. B. das vorliegende Album FOGERTY’S FACTORY ohne den Lockdown nicht. John Fogerty spielte während der häuslichen Quarantäne zusammen mit seinen Söhnen Shane und Tyler sowie mit Tochter Kelsy im heimischen Studio ein paar Klassiker ein. Zunächst nur, um mit der Familie die neu gewonnene Zeit zu nutzen, dann allerdings wurden via YouTube die Fans dazu geholt. Wöchentlich wurde ein neuer Clip veröffentlicht – ein Highlight war das Video zu ›Centerfield‹, das John & Family an seinem 75. Geburtstag im leeren Dodgers-Stadion aufnahmen. Aus der ursprünglichen Idee, eine digitale EP zu veröffentlichen, ist durch den enormen Fanzuspruch mit der Zeit das nun vorliegende Album geworden. Die außergewöhnliche Ansammlung von Best-of-Fogerty-Songs wurde nach der Idee von Mutter Julie FOGERTY’S FACTORY genannt, angelehnt an den CCR-Klassiker COSMO’S FACTORY von 1970. Dazu ist das Original-Cover mit allerlei Utensilien, die im Hause Fogerty zur Verfügung standen, nachgestellt worden. Um die Familienangelegenheit abzurunden, fotografierte Bruder Bob das Cover.

Die großen Hits wie ›Have You Ever Seen The Rain‹, ›Proud Mary‹, ›Bad Moon Rising‹ und ›Blue Moon Nights‹ von der Fogerty Family neu eingespielt, sind ab Januar auch auf Vinyl erhältlich. Für den Fogerty-Fan ein weiteres (Familien-)Juwel in seiner Sammlung.

8 von 10 Punkten

John Fogerty, FOGERTY’S FACTORY, BMG RIGHTS/WARNER

Led Zeppelin: Stream des „Celebration Day“-Konzerts

Led Zeppelin liveAm Samstag stellen Led Zeppelin „Celebration Day“ auf ihren Youtube-Kanal. Drei Tage lang wird der Konzertmitschnitt dort verweilen.

2007 versetzte eine Nachricht die Rockwelt in Aufruhr: Led Zeppelin würden ein einziges Reunion-Konzert zum Besten geben. Am 10. Dezember 2007 spielten Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham, Sohn von John Bonham, live im O2 in London.

Das Konzert fand in Gedenken an den Mitgründer und Präsidenten von Atlantic Records, Ahmet Ertegün, statt. Ihre erste gemeinsame Show in über 27 Jahren brachte 20 Millionen Menschen dazu, sich für die Tickets zu bewerben, die mit mithilfe eines Lotterieverfahrens vergeben wurden.

Die geschichsträchtige Show mit dem Titel „Celebration Day“ gibt es nun am kommenden Samstag um 21 Uhr auf dem Youtube-Kanal von Led Zeppelin zu sehen. Nach der Premiere wird der Film noch für weitere drei Tage auf dem Kanal sein, danach wird er wieder heruntergenommen.

Helge Schneider: Neue Single ›Forever At Home‹

helge schneider forever at homeHört hier den neuen Quarantäne-Hit von Helge Schneider: ›Forever At Home‹.

Jetzt mischt der König mit: Helge Schneider lässt sich nicht lumpen und haut nun auch einen Quarantäne-Song raus. Die Single ›Forever At Home‹ ist eine smoothe Jazz-Nummer, deren Text sich auf wunderbare Helge-Schneider-Art mit der Isolationszeit zuhause auseinandersetzt.

„Mon Chérie, bouillon de Paris, welcome to my heart, here we go, Mexico, E-Biking im Park“. Das neue Album zur Single erscheint im August. Man kann nur hoffen, dass sich Helge Schneider noch nicht so schnell in Rente verabschieden wird, wie er letztens in einem relativ ernsten Videostatement bezüglich der Corona-Krise angedeutet hatte.

Blowmen – PLAY SOME RAWK

Grunge trifft bluesigen Hardrock

So würde es vielleicht/wahrscheinlich/bestimmt klingen, wenn die Originalbesetzung von Alice In Chains mit den Kollegen des aktuell aktiven Bluesrock-Power-Trios The Brew gemeinsame Sache machen würde. Da eine solche Kollaboration leider nicht mehr Realität werden kann, behaupten wir das jetzt einfach mal und unterfüttern die Aussage mit ein paar Anspieltipps. Da wäre etwa das zunächst knackig polternde, dann im Mittelteil zusehends spaciger werdende ›Different Point Of View‹ oder der von fetten, epischen Riffs und druckvollen Beats angetriebene, aber immer wieder von lässigen, kleinen Blues-Licks aufgerissene röffnungstrack ›Bowmen‹. Beide Nummern bieten eine erstaunlich gut funktionierende Melange aus der Intensität und Aufbruchsstimmung des 90er-Grunge und zeitloser Entspanntheit bluesigen Hardrocks. Die findet sich – mal mehr in die eine, dann wieder in die andere Richtung tendierend – auch beim Rest des Debüts der Münchner. Die Session-Veteranen Markus Escher, Christian „Tilly“ Klaus und Stefan Pfaffinger haben hörbar Spaß an dem, was sie machen. Und der überträgt sich auch bei weiteren Highlights wie ›Frozen Time‹, der herrlich psychedelischen Powerballade ›I Am‹ oder ›Save Me‹ verlustfrei auf den Konsumenten.

7 von 10 Punkten

Blowmen, PLAY SOME RAWK, ROCK ATTACK/CARGO

Gute Besserung, Brian May!

queen adam lambertBrian May erlitt einen Herzinfarkt. Aktuell befindet er sich auf dem Weg der Besserung.

Bei Brian May läuft derzeit gesundheitlich einiges schief. Vor zwei Wochen erklärte der Gitarrist, dass er seinen „Gluteus Maximus im Zuge von über-enthusiastischen Gärtnerarbeiten in Stücke“ gerissen hatte. Jedoch stellte sich etwas später schließlich heraus, dass er sich den Ischiasnerv böse eingeklemmt hatte und aufgrund der unsäglichen Nervenschmerzen im Krankenhaus behandelt werden musste.

Nun erzählt May auch noch offen, dass er einen Herzinfarkt erlitten habe. Auf Instagram berichtete Brian May von diesem „kleinen Herzinfarkt“, der tödlich hätte enden können und versichert seinen Fans, dass er sich nach dem Setzen dreier Stents nun auf dem Weg der Besserung befinde. Trotzdem richtet er auch ein Appell an seine Fans: Ab einem gewissen Alter solle man sein Herz regelmäßig checken lassen, auch wenn man sich fit halte und rundum gesund fühle, so der Gitarrist.

Wir wünschen Brian May von Herzen alles Gute und schicken zahlreiche Genesungswünsche. Wie May 1977 mit Queen und NEWS OF THE WORLD die Welt eroberte, lest ihr hier in unserer großen Titelstory.

Werkschau: Scorpions

Scorpions 2015Deutschlands Rock-Urgestein hat Grandioses produziert – aber auch weniger Überzeugendes. Wir trennen die Spreu vom Weizen.

Als Gitarrist Rudolf Schenker die Scorpions 1965 gründete, konnte er gewiss nicht ahnen, was für bewegende, enttäuschende und glücklicherweise überwiegend schöne, motivierende Momente und Erfahrungen in den folgenden 45 Jahren auf ihn zukommen würden. Etwa Tourneen und Auftritte mit Deep Purple, Iron Maiden und Rainbow, mit AC/DC, Alice Cooper, Aerosmith und Michael Jackson (!). Die Scorpions rockten die ganze Welt, spielten in exotischen Ländern wie Ägypten, Libanon, der Mongolei, in Neu-Kaledonien, auf den Philippinen, in Südkorea, Trinidad-Tobago und Albanien.

Als zweite westliche Band überhaupt gaben sie Konzerte in Russland mit zehn aufeinanderfolgenden Gigs in Leningrad vor jeweils 20.000 Fans, dreimal hintereinander wurde der New Yorker Madison Square Garden ausverkauft. 1984 bei „Rock In Rio“ traten die Niedersachsen vor 500.000 Menschen auf, fünf Jahre später beim „Moscow Peace Festival“ vor immerhin 300.000. Und im Jahr 2000 eröffnete man gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern die Expo. Ihr Lebenswerk wurde mit einem „Echo“ belohnt, ihr ›Wind Of Change‹, die Hymne zum Ende des Kalten Krieges, mit einer per-sönlichen Einladung des damaligen russischen Regierungschefs Michail Gorbatschow.

Viel Licht also, und wenig Schatten. Denn Negatives wie der (haltlose) Pädophilie-Vorwurf für das Cover von VIRGIN KILLER oder der Verlust der Supergitarristen Michael Schenker und Uli Jon Roth rücken gegen all die Glanztaten dann doch in den Hintergrund. Die Scorpions werden dem Rock’n’Roll einige unzerstörbare Werke hinterlassen. Eine kleine Orientierungshilfe bieten die nachfolgenden Besprechungen.

Unverzichtbar

freecovers.netBLACKOUT
EMI, 1982

Während der Vorproduktion verlor Klaus Meine seine Stimme, wurde zweimal in Wien an den Stimmbändern operiert und fiel ein halbes Jahr lang aus. BLACKOUT geriet dennoch zum härtesten, kraftvollsten Scorpions-Album und nebenbei zu einem formidablen Hard Rock-Klassiker. Mit fulminanten Songs wie ›Blackout‹ und ›Dynamite‹, dem Hit ›No One Like Me‹, dem unterbewerteten ›You Give Me All I Need‹ und der Ballade ›When The Smoke Is Going Down‹ eroberten die Scorpions nach Japan nun auch den Rest der Rockwelt. Bemerkenswert: Gitarrist Matthias Jabs trat endgültig aus den Fußstapfen von Uli John Roth und Michael Schenker.

Scorpions Love at first stingLOVE AT FIRST STING
EMI, 1984

600.000 Vorbestellungen, ohne dass die Fans auch nur einen Ton des neuen Albums gehört hatten, bedeuteten für die Scorpions Gold in den USA. Keiner der Risikofreudigen dürfte seine Entscheidung bereut haben. Zwar nicht ganz so hart und wild wie BLACKOUT, offerierte LOVE AT FIRST STING griffige Songs mit markanten Melodien: Die Mixtur aus anspruchsvollen Kompositionen und packender Eingängigkeit ergab einen ganzen Sack voller Hits. ›Rock You Like A Hurricane‹ trug seinen Titel zu Recht, aber auch ›Bad Boys Running Wild‹, ›Big City Nights‹, ›Still Loving You‹ und ›Crossfire‹ haben nichts von ihrem Reiz verloren.

Wunderbar

Scorpions Taken By ForceTAKEN BY FORCE
RCA, 1977

Hier könnten auch die großartigen Siebziger-Scheiben IN TRANCE und VIRGIN KILLER stehen. TA- KEN BY FORCE klingt im Ver-gleich jedoch noch ausgereifter und zwingender. Das atmosphärische ›We’ll Burn The Sky‹ taucht sogar heute noch im Live-Set der Scorpions auf, und das für damalige Verhältnisse extrem harte ›He’s A Woman, She’s A Man‹ erwies sich ebenfalls als Klassiker. Aber auch Rocker wie ›Steamrock Fever‹ und ›The Sails Of Charon‹ zeigten, dass die Band dabei war, international für Furore zu sorgen. Gitarrist Uli Jon Roth stand der zunehmend härteren Ausrichtung jedoch skeptisch gegenüber und nahm seinen Hut.

Scorpions Tokyo TapesTOKYO TAPES
RCA, 1979

Für viele ist gewiss WORLD WIDE LIVE von 1985 das definitive Live-Werk der Scorpions. Schließlich entstand es während der umjubelten Tournee für LOVE AT FIRST STING, das den weltwei-ten Durchbruch bedeutet hatte. TOKYO TAPES bildete jedoch den Abschluss der Ära Uli Jon Roth und zählt bis heute zu den char-mantesten und intensivsten Live-Alben aller Zeiten. Man spürt die Begeisterung der Japaner, und die Scorpions belohnten die enthusiastischen Fans mit authentischem, hochwertig inszeniertem Rock – und der Interpretation eines japanischen Volksliedes. TOKYO TAPES ist keine Hochglanzproduktion, aber dafür enorm direkt.

Scorpions LovedriveLOVEDRIVE
EMI, 1979

LOVEDRIVE bildet das Bindeglied zwischen der streckenweise experimentellen Siebziger-Phase und der sich anbahnenden stär-keren Zugänglichkeit für die breite Masse. Das erste Album ohne Uli John Roth enthielt einige brillante Gitarren von Michael Schenker, mit dem die Scorpions gerne wei-terhin zusammengearbeitet hätten – was jedoch an dessen übermäßigem Drogenkonsum scheiterte. Die gebotene Vielfalt mit dem brutalen, chaotischen ›Another Piece Of Meat‹, dem be-schwingten ›Is There Anybody There?‹, dem düsteren Instrumental ›Coast To Coast‹ und der Ballade ›Holiday‹ ist beeindruckend. Ein Must-Have.

Scorpions Animal MagnetismANIMAL MAGNETISM
EMI, 1980

Der Nachfolger von LOVEDRIVE ist wegen der düsteren Grundstimmung ein eher schwer zugängliches Album, das bis heute massiv unterschätzt wird. In der Retrospektive kristallisiert es sich jedoch als Meilenstein auf dem Weg zum Mainstream-Erfolg heraus. Aus vielerlei Gründen: Erstens durfte sich der vereinzelt bereits auf LOVEDRIVE eingesetzte Gitarrist Matthias Jabs als vollwertiges Mitglied präsentieren, was dem Bandgefüge nur gut tat. Zudem war mit ›The Zoo‹ ein kommender Klassiker mit an Bord – und auch die Amerikaner nahmen von den Scorpions jetzt erstmals Notiz.

Anhörbar

Scorpions Savage AmusementSAVAGE AMUSEMENT
EMI, 1988

Vielleicht das schwierigste Album ihrer Karriere. Es schien kaum möglich, die Leistungen von BLACKOUT und LOVE AT FIRST STING qualitativ und kommerziell zu toppen. Neben den zwar glorreichen, aber anstrengenden Tourneen zehrten zudem Konflikte mit dem langjährigen Produzenten Dieter Dierks an der Substanz. Die Scorpions gingen auf Nummer Sicher und ver-öffentlichten ein Album mit einigen gelungenen Songs, dem es insgesamt aber an Ecken, Kanten und phasenweise auch an der nötigen Spielfreude mangelte. Den übermächtigen Vorgängern konnte SAVAGE AMUSEMENT nicht das Wasser reichen.

Scorpions-UnbreakableUNBREAKABLE
BMG, 2004

Im Zusammenspiel mit den Berliner Philharmonikern – auf MOMENT OF GLORY – und dem Album ACOUSTICA hatten die Scorpions zweifellos künstlerisches Neuland betreten und Experimente gewagt – was völlig legitim war. Doch die Freunde früherer Hardrock-Epen atmeten dann doch erleichtert auf, als nach diesen etwas blutleeren Alben und der für viele nur schwer nachvollziehbaren Irrfahrt von EYE II EYE endlich wieder die Gitarren die Hauptrollen übernahmen. UNBREAKABLE war kompositorisch gewiss keine Offenbarung, rockte aber leidenschaftlich und kompetent. Eine Rückkehr zu ihren Wurzeln, die zumindest Hoffnungen weckte.

Scorpions Humanity Hour IHUMANITY: HOUR I
Sony, 2007

Die Fans schienen nach UNBREAKABLE versöhnt, und die Scorpions zogen aus der wiedergewonnenen Zuneigung Kraft und Mut, noch einen Schritt weiter zu gehen. Die fette, moderne Produktion von HUMANITY: HOUR 1 drückte wie die Sau. Die Scorpions waren jetzt endgültig im neuen Jahrtausend angekommen, ohne ihre Anhängerschaft vergrault zu haben. Unter den überwiegend starken Songs waren Perlen wie ›The Game Of Life‹, ›We Were Born To Fly‹, ›The Future Never Dies‹, ›Humanity‹ und ›The Cross‹, das eigentlich bei jeder Live-Show zum Standard gehören müsste. Ihr erstes Konzeptalbum und das beste Scorpions-Werk seit langer, langer Zeit.

Sonderbar

Scorpions Pure InstinctPURE INSTINCT
EastWest, 1996

Wer an dieser Stelle EYE II EYE erwartet, ist ungerecht. Die Scorpions wollten sich neu erfinden und den sinkenden Verkaufszahlen entgegenstemmen. Sie wagten kühne Experimente, setzten modernste Aufnahmetechnik ein und scheiterten, weil ihnen all das niemand abnahm. Allerdings gingen daraus die beiden superben Kompositionen ›Mind Like A Tree‹ und ›Skywriter‹ hervor. Eine weit bessere Ausbeute als bei PURE INSTINCT, denn hier schlingerten die Scorpions ins kreative Vakuum. Nichts gegen ruhige Klänge – grandiose Balladen finden sich im Scorpions-Katalog zuhauf. Aber so platt und uninspiriert wie auf PURE INSTINCT waren sie einfach nur ärgerlich.

Video der Woche: Bob Dylan 1966 unter Buh-Rufen

Bob Dylan 19661966, als Bob Dylan von der eingeschworenen Folk-Gemeinde wegen seiner E-Gitarre ausgebuht wurde.

Am 19. Juni erscheint das neue Dylan-Album ROUGH AND ROWDY WAYS, heute feiert die Ikone ihren 79. Geburtstag. Aus diesem Anlass drehen wir die Uhr zurück und beamen uns ins Jahr 1966, als Bob Dylan sich die E-Gitarre umschnallte und deswegen plötzlich von vielen Folk-Anhängern gehasst wurde.

Damals gehörte es schon fast zum Alltag für Dylan, sich von ehemaligen Fans als Verräter beschimpfen lassen zu müssen. Im ‚Video der Woche‘ erklärt Dylan kühl „this is a folk song“, nur um dann die elektrifizierte Blues-Nummer ›Leopard-Skin Pill-Box Hat‹ anzustimmen.

Bob Dylan mit ›Leopard-Skin Pill-Box Hat‹: