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Start Blog Seite 445

Rückblende: Lynyrd Skynyrd – ›Free Bird‹

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Lynyrd Skynyrfd Free BirdEin Song, von dem Ronnie Van Zant behauptete, er habe zu viele Akkordwechsel, um einen Text dazu zu schreiben. Außerdem meinten Label und Band, er sei zu lang für eine Single. Und trotzdem wurde er zum Rockklassiker.

Wenige Lieder haben eine Band oder ein Genre so sehr definiert wie es ›Free Bird‹ getan hat. Lynyrd Skynyrds Ode an die Freiheit auf Tour war zwar in den Charts nicht ihr größter Hit – sowohl ›Sweet Home Alabama‹ als auch ›That Smell‹ zogen in den Billboard Charts daran vorbei –, trotzdem machte der Song sie unsterblich und wurde zur inoffiziellen Hymne einer ganzen Southern-Rock-Nation. „Der Vogel symbolisiert die Freiheit, er kann fliegen, wohin er will. Jeder will frei sein, darum geht es in diesem Land doch“, so Ronnie Van Zant in den 70ern. Die Wurzeln von Skynyrd reichen zurück bis 1964, als sich Sänger Ronnie, Gitarrist Allen Collins, Gary Rossington und der originale Schlagzeuger Bob Burns bei einem Baseballspiel in Jacksonville kennenlernten und beschlossen, eine Band zu gründen.

Am Ende derselben Dekade hatten sie sich Lynyrd Skynyrd benannt, nach ihrem verhassten Sportlehrer aus der Highschool. Ronnie Van Zant war der unausgesprochene Anführer der Gruppe, obwohl Rossington und Collins bald ihre eigene Allianz formten. „Allen und ich spielten ständig zusammen, selbst wenn wir gerade nicht mit der Band probten“, erinnert sich Rossington, einziges noch lebendes Gründungsmitglied. Eines Tages kam Collins mit einer Song-Idee in die stickig heiße Wellblechhütte mit dem Spitznamen „Hell House“, die damals als ihr Proberaum herhalten musste. „Das war einer der ersten Songs, die er geschrieben hat“, so Rossington weiter. Collins spielte ihn seinem Gitarristenkollegen vor, dem die Idee sofort gefiel. Ronnie Van Zant jedoch war weniger überzeugt. „Ronnie meinte, der Song hätte zu viele Akkordwechsel. Er sagte: ,Ich kann zu so etwas keinen Text schreiben, da passiert einfach zu viel‘. Er kapierte es nicht, er hörte es einfach nicht.“ Der für seine Sturheit bekannte Sänger weigerte sich, nachzugeben. Das hielt Collins und Rossington jedoch nicht davon ab, das Lied immer wieder zu üben, bis sich ihre Beharrlichkeit irgendwann auszahlte.

„Jeder will frei sein, darum geht es in diesem Land doch“ (Ronnie Van Zant)

„Eines Tages meinte Ronnie dann: ,Ok, spielt es nochmal‘. Er ließ Allen den Song mehrmals vortragen. Schließlich fiel ihm ein Vers oder eine Melodie dazu ein. Den Text schrieb er dann, während er auf dem Sofa lag.“ Ironischerweise sah die Band selbst ›Free Bird‹ einfach als einen weiteren Song an. Aber als sie ihn zum ersten Mal live spielten, kapierten sie langsam, dass sie da etwas Besonderes geschaffen hatten. „Wir traten in einer Venue namens South Side Women’s Club in Jacksonville auf. Wir spielten nur den langsamen Teil des Lieds, den Jam vom Schluss hatten wir damals noch nicht fertig. Aber trotzdem flippten alle total aus. Der Applaus war überwältigend“, erinnert sich Rossington.

Das Demo der Nummer von 1970 dauert nur vier Minuten. So klang ›Free Bird‹ am Anfang: Die Band spielte die erste Hälfte, befeuert durch Ronnies wehklagenden Gesang, und hörte nach vier oder fünf Minuten auf. Doch dann fügten Collins und Rossington stückweise ein kurzes Gitarren-Outro hinzu. Darüber Rossington: „Am Anfang dauerte das nur eine Minute. Aber eines Abends meinte Ronnie, wir sollten es etwas ausdehnen, weil er Halsschmerzen hatte und eine Pause brauchte. Also zogen wir es über zwei oder drei Minuten hin. Zwei Tage darauf war sein Hals dann komplett im Eimer, was dazu führte, dass wir den Teil über zehn Minuten lang jammten“. Collins und Rossington schmolzen das Outro etwas zusammen und Pianist Billy Powell fügte noch ein jammerndes Intro hinzu, bevor die Band 1973 im sagenumwobenen Muscle Shoals Studio in Alabama das aufnahm, was eigentlich ihr erstes Album werden sollte.

Der künftige Blackfoot-Frontmann (und spätere Lynyrd-Skynyrd-Gitarrist) Rickey Medlocke saß zu der Zeit am Schlagzeug. „Ich erinnere mich noch, wie wir im Hell House rumhingen und den Jungs beim Spielen zusahen. Schon damals wusste ich, dass der Song besonders war“, so Medlocke. „Ich werde oft gefragt, welches Lied am schwierigsten zu lernen war, als ich wieder bei Skynyrd einstieg. Sie tippen immer auf ›Free Bird‹, aber da ich damals in Muscle Shoals Schlagzeug gespielt habe, kenne ich alle Licks.“ Das Muscle-Shoals-Album blieb bis 1978 unveröffentlicht. Für ihr Debüt hatte die Band die Nummer dann nochmal stark überarbeitet, da sie zu diesem Zeitpunkt unter Ronnie Van Zants Regime schon zu einer disziplinierten Einheit geworden war. ›Free Bird‹ wurde auf neun prächtige Minuten ausgeweitet.

Produzent Al Kooper erinnerte sich später: „Ronnie wollte, dass sich die Band jeden Abend gleich anhörte. Er hatte keinen Bock auf Improvisation, deshalb war auch schon jedes Fitzelchen von ›Free Bird‹ genauestens durchgeplant, als ich auf der Bildfläche erschien. Jedes Solo wurde immer gleich gespielt. Mir ist bisher noch keine andere Band begegnet, die das macht. Das war ziemlich außergewöhnlich“. Skynyrds Label MCA wollten ›Free Bird‹ nicht als Single herausbringen, weil das Stück eigentlich viel zu lang war, um ein Erfolg zu werden. Trotzdem entwickelte die Nummer live ein gewaltiges Eigenleben und die Plattenfirma änderte ihre Meinung. 1974 wurde ›Free Bird‹ schließlich zum Hit, ein ganzes Jahr nach der Erstveröffentlichung. Heute, über 40 Jahre nach Ronnie Van Zants Tod bei einem Flugzeugunglück, und fast 30 Jahre, nachdem sein Urheber Allen Collins bei einem Autounfall starb, bleibt ›Free Bird‹ Lynyrd Skynyrds unverkennbarster Song und einer der Meilensteine des Classic-Rock-Kanons.

Bis heute hat keine andere Band das Gefühl des Wegfahrens so romantisch und hingebungsvoll vertont. „Gott, die meisten unserer Songs drehen sich um dieses Thema. ›Sweet Home Alabama‹, ›What’s Your Name?‹, ›Whiskey Rock-A-Roller‹, ›Travelling Man‹“, so Rossington. „Aber ›Free Bird‹ ist wahrscheinlich in diesem Bereich das Nonplusultra. Deswegen ist er hängengeblieben.“

Blackout Tuesday: #Theshowmustbepaused

Black Out Friday

Am 25. Mai 2020 wurde George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis getötet. Trotz seiner widerstandslosen Kooperation mit der Polizei knieten sich die Beamten solange auf das Genick des um Hilfe flehenden Mannes, bis dieser aufgrund von Atembeschwerden starb. Die Videoaufnahmen einer Passantin bezeugen den schockierenden Tathergang.

Das brutale und ungerechtfertigte Vorgehen ist ein extremes von vielen traurigen Beispielen dafür, wie in den USA immer wieder mit afroamerikanischen Bürgern umgegangen wird und beleuchtet den immer noch tief in der Gesellschaft verwurzelten Rassismus.

Seit einer Woche nun befinden sich die Vereinigten Staaten im Ausnahmezustand: Massenproteste werden gewaltsam niedergeschlagen und Präsident Donald Trump toppt sich mit seiner Rhetorik wieder einmal selbst. Die Antifa wolle er als terroristische Organisation einstufen lassen, Vandalen mit Schüssen begegnen.

Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, wird der heutige 02. Juni zum „Blackout Tuesday“ erklärt. Unter dem Hashtag #theshowmustbepaused vereinen sich Menschen aus dem Musikbusiness und legen für einen Tag die alltägliche Arbeit nieder, um sich solidarisch zu zeigen, sich offen gegen Rassismus zu stellen und einen Raum für Reflexion zu eröffnen.

Als Teil der Rock-Gemeinschaft vertreten wir von CLASSIC ROCK weltoffene und inkludierende Ansichten. Der Rock’n’Roll wurde von afroamerikanischen Künstlern erschaffen, er steht für Freiheit und Akzeptanz, für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Natürlich ist ein Protesttag nicht genug, aber er setzt Zeichen.

Gegen Rassismus, Xenophobie und Vorurteile. Überall.

Rückblende: Led Zeppelin – ›Kashmir‹

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Der Track ›Kashmir‹ ist fast ebenso bedeutsam und bekannt wie die Band, die dieses episch-progressive Rock-Meisterstück vom PHYSICAL GRAFFITI-Album komponiert hat: Led Zeppelin.

„Es wäre toll, wenn die Leute beim Namen Led Zeppelin an ›Kashmir‹ denken würden – und nicht an ›Stairway To Heaven‹.“ Der Satz stammt von Robert Plant, der mehr als drei Dekaden nach der Veröffentlichung des Songs, der den Schlusspunkt des PHYSICAL GRAFFITI-Doppelalbums bildet. „›Kashmir‹ ist nicht übertrieben oder gar hysterisch. Der Track gibt die Essenz der Band perfekt wieder.“

In der Tat. Doch obwohl Led Zeppelin im Laufe ihrer Karriere etliche wahrlich magische Momente auf Platte bannen konnten, so zählt ›Kashmir‹ doch zweifelsfrei zu den herausragendsten Stücken der Bandhistorie. Der Track spielt in derselben Liga wie ›Whole Lotta Love‹ und eben ›Stairway To Heaven‹. Heißt: Er ist ein Klassiker, und zwar nicht nur im Rock-Genre, sondern im gesamten Bereich der Populärmusik. Zudem, auch das muss gesagt werden, markiert er den Zenit in Led Zeppelins Laufbahn: Höher ging’s nicht.

Musikalisch, aber auch inhaltlich ähnelt ›Kashmir‹ einer Reise in ein fremdes, unbekanntes Land, das einen trotz der weiten Entfernung magisch anzieht: Der Song klingt wie eine wilde Mischung aus Rock, Funk und einem afrikanischem Wüstensturm. Ursprünglich trug das Lied den Arbeitstitel ›Driving To Kashmir‹. Zu der indischen Provinz Kashmir gibt es aber keinerlei Bezug. Robert Plant kam die Idee für seinen Text nämlich auf einer Fahrt durch Marokkos öden Süden. Doch es waren laut Plant nicht etwa die geografischen Besonderheiten Nordafrikas, die ihn inspiriert haben, sondern der Trip an sich. Er erinnerte sich an die schier unendliche Reise auf einer Straße, die sich wie ein Fremdkörper durch die Wüste schlängelte. Rechts und links des abgenutzten Asphalts gab es nur Staub, Sand und Steine. Und auch der Weg selbst schien keinen Anfang und kein Ende zu kennen. Alles flimmerte vor Plants Augen. Plötzlich kamen ihm die ersten Zeilen in den Sinn: „Oh Let The Sun Beat Down Upon My Face, Stars To Fill My Dreams…“

„Es wäre toll, wenn die Leute beim Namen Led Zeppelin an ›Kashmir‹ denken würden – und nicht an ›Stairway To Heaven‹.“ (Robert Plant)

Die Musik zu diesen Worten entstand in einer spontanen, nächtlichen Session – John Bonham und Jimmy Page jammten in „Headley Grange“, einem Anwesen in East Hampshire, um das sich viele Spukgeschichten rankten und in dem bereits etliche Zep-Tracks entstanden waren.

„Bonzo gab auf den Drums einen Rhythmus vor“, erinnert sich Page an die damalige Zeit. „Dann fügte ich einen Riff hinzu und schließlich die Overdubs. Die sind später von einem Orchester neu eingespielt worden, um sie noch lebendiger zu gestalten. Aber die Parts klangen schon von Anfang an sehr bedrohlich. Genau das wollten wir erreichen – und es ist wirklich ein tolles Gefühl, wenn man sich vornimmt, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen und sie dann am Ende auch exakt so hinbekommt.“

Nach diesem viel versprechenden Start gab es jedoch einige Probleme mit dem Track. Bassist John Paul Jones verschwand nämlich urplötzlich. Er wollte nichts mehr mit Led Zeppelin zu tun haben, was den Aufnahmeprozess logischerweise ins Stocken brachte.

Doch schließlich kehrte er zurück, die Aufnahmen konnten weitergehen. Die Band zog – mit Ausnahme von Page – ins nahe gelegene, schicke Frencham Ponds-Hotel um. Dort arbeitete Jones am Mellotron Ideen für Orchester-Parts aus, während sich Plant an ersten Textentwürfen versuchte. Doch vor allem der unkonventionelle Rhythmus des Songs bereitete ihm Probleme – er wollte einfach nicht zu seinen Worten passen, so sehr er sich auch anstrengte.

„Es war eine enorme Herausforderung für mich, der Vorlage von John und Jimmy etwas Passendes entgegenzusetzen. Ihre Musik war fantastisch. Das Stück lebt nicht allein vom Bombast, sondern steckt einfach von vorn bis hinten voller Energie. Und ich sollte nun eine Idee entwickeln, die der unbändigen Lebensfreude, Abenteuerlust und mentalen Erleuchtung, die ›Kashmir‹ musikalisch ausstrahlt, inhaltlich gerecht wird.“

Fortsetzung auf Seite 2…

Video der Woche: Led Zeppelin live mit ›Moby Dick‹

John Bonham Moby Dick 1975Zu Ehren von John Bonham sein legendäres Schlagzeugsolo alias ›Moby Dick‹.

Heute hätte der große John Bonham Geburtstag. Aus diesem Anlass zeigen wir im ‚Video der Woche‘ das vielleicht längste Schlagzeugsolo der Rockwelt. In der Live-Version von Led Zeppelins ›Moby Dick‹ gab Bonham 1975 im Earl’s Court 27 Minuten Trommelkunst zum Besten.

Sein damals acht Jahre alter Sohn Jason war ebenfalls dabei. Robert Plant dazu live auf der Bühne: „Er ist ein besserer Drummer als 80% der heutigen Rock-Schlagzeuger und er ist erst acht Jahre alt. Jason Bonham, das ist dein Papa, John Bonham mit ›Moby Dick‹.“

Das letzte Wort: Tom Morello

tom morelloDie drei Instrumentalisten der 90er-Crossover-Superstars Rage Against The Machine haben zusammen mit den Rap-Legenden Chuck D. (Public Enemy) und B-Real (Cypress Hill) eine neue Supergroup namens Prophets Of Rage gegründet. CLASSIC ROCK sprach im Vorfeld ihres anstehenden Debüts auf deutschen Bühnen mit Tom Morello, dem Gitarristen sowie musikalischen und ideologischen Mastermind der (links-)politisch engagierten Formation.

Hallo Tom, hast du dich schon vom Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen erholt?
Nicht wirklich. (lacht) Einerseits kann ich es noch immer nicht ganz glauben, dass die Amerikaner wirklich diesen Faschisten gewählt haben. Andererseits ist eine solche Reaktion des Wahlvolks geschichtlich ja nichts Neues. Man muss als prominentestes Beispiel dafür nur auf Deutschland im Jahre 1933 schauen. Das liberale und linke Establishment hat die amerikanische Arbeiterklasse im Stich gelassen und die reagierte darauf mit einem klassischen „Fuck you!“, indem sie ein Monster an die Macht wählte …

Was glaubst du, wie werden die USA, und damit in gewisser Weise ja auch der Rest der Welt, nach vier oder gar acht Jahren Trump-Präsidentschaft aussehen?
Alles hängt davon ab, ob er wirklich daran in­­teressiert ist, den Job selbst zu machen, oder ob er die Regierungsgeschäfte einfach weiterdelegiert. Falls Trump das Ganze tatsächlich persönlich in die Hand nimmt, ist alles möglich. Absolut alles. Der Mann ist unberechenbar. Ein mental instabiler Narzisst, ein Pulverfass auf zwei Beinen. Falls ein ausländisches Staatsoberhaupt irgendwann mal einen etwas un­­überlegten Tweet ablassen sollte, könnte es sein, dass wir uns am nächsten Morgen mit diesem Staat im Krieg befinden. Und das sage ich leider nur halb im Scherz …

Sprechen wir über Angenehmeres. Auf der ersten Tour von Prophets Of Rage im Sommer 2016 habt ihr primär Songs deiner Ex-Band Rage Against The Machine aufgeführt …
Ich hatte einfach den Eindruck, dass es in Anbetracht der damals anstehenden Wahlen notwendig war, diese Stücke wieder in das Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit zu rufen. Und nachdem das Ergebnis nun feststeht, scheint dies sogar noch wichtiger zu sein. Es muss einfach jeder Mensch wissen, dass es bei uns eine außerparlamentarische Opposition, eine Alternativbewegung zu denen gibt, die an der Macht sind, und zu dem, was sie mit ihr anstellen. Auch und gerade außerhalb der USA ist das sehr wichtig.

Bei Prophets Of Rage sind alle ehemaligen Rage-Against-The-Machine-Mitglieder am Start, nur Frontmann Zach de la Rocha nicht. Wurde er nicht gefragt oder hatte er einfach keine Lust?
Beides. Wir wussten, dass er an seiner eigenen Musik arbeitet und derzeit kein Interesse daran hat, Rage-Nummern zu spielen. Weshalb wir nicht unter dem alten Namen auftreten konnten und wollten. Das ist etwas traurig und ich kann seine Entscheidung auch nur bedingt nachvollziehen, aber respektiere sie natürlich. Andererseits haben wir nun die Chance, mit zwei unserer großen Helden zu kooperieren. Mit diesen beiden Giganten auf der Bühne zu stehen, ist eine der größten Ehren, die mir je zuteil geworden sind. Unser Bassist Tim Commerford steht in stetigem Kontakt mit Zach. Timmy, Chuck D. und B-Real hatten sich mit ihm getroffen und über unsere Tournee gesprochen. Er gab uns sofort seinen Segen dafür.

In eurem Live-Set während der US- und Kanada-Dates gab es auch eine Handvoll Tracks von Cypress Hill und Public Enemy zu hören …
Ja, in neuen Versionen. Wir arbeiten momentan fieberhaft daran, noch weitere Stücke aus dem Katalog dieser beiden Acts umzuarbeiten. Wir nennen diesen Vorgang „Rage-ifikation“. Die Texte, das Herz jedes Rap-Songs, bleiben dabei selbstverständlich unangetastet. Die Musik haben wir aber größtenteils komplett neu geschrieben.

Trump ist unberechenbar. Ein mental instabiler Narzisst, ein Pulverfass auf zwei Beinen.

So wie du es 2000 auf dem bis heute letzten Rage-Album RENEGADES mit den Liedern von Bob Dylan, Afrika Bambaataa und Devo gemacht hast? Oft konnte man die Originale nur noch an den Texten wiedererkennen …
Ja, fast genauso. ›How I Could Just Kill A Man‹ von Cypress Hill war ja damals sogar schon mit dabei. Wir haben diese Tracks zu Prophets-Of-Rage-Songs gemacht. Diese Überarbeitung war und ist ein ungeheurer Spaß. Zunächst waren wir noch etwas zurückhaltend. Gerade bei Meilensteinen wie ›Fight The Power‹ oder ›Insane In The Brain‹, die allesamt absolute Klassiker unserer Jugend sind. Denn ich wusste zunächst nicht, wie Chuck und B-Real darauf reagieren würden. Aber die zwei haben uns angespornt, unserer Inspiration absolut freien Lauf zu lassen. Ich glaube, es hat sie künstlerisch regelrecht angemacht, diese Titel, die sie ja seit Jahrzehnten in den klassischen Versionen auf die Bühne bringen, auch einmal in einem radikal anderen, neuen und modernen Kostüm präsentieren zu können.

Bisher gibt es mit THE PARTY’S OVER nur eine EP von euch zu kaufen. Ist es illusorisch, noch vor den Europa-Shows auf ein Album zu hoffen?
Man sollte niemals nie sagen.

Werden darauf vielleicht auch komplett neue Kompositionen zu hören sein?
Gut möglich. Wir komponieren jedenfalls fleißig und haben schon einen beachtlichen Batzen brandneuer Stücke aufnahmebereit. Was ich sicher sagen kann, ist dass es verdammt aufregend und kreativ inspirierend ist, Teil dieser Band zu sein. Wir spielen im Frühjahr zunächst in Südamerika und werden dort einige der neuen Tracks ausprobieren. Danach sind wir schlauer, was als Nächstes passiert, bevor wir endlich zu euch kommen. Rage hatten ihren Durchbruch damals zuerst in Europa geschafft, bevor wir auch in den USA und im Rest der Welt durchgestartet sind. Die hiesigen Festivals hatten einen enormen Anteil an unserem Erfolg. Ich kann es kaum erwarten an all diese magischen Plätze zurückzukehren.

Alestorm – CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT

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Hoch die Tassen und fertigmachen zum Entern!

Zum bereits sechsten Mal treten die Schotten um den wie ein Film-Freibeuter krächzenden Christopher Bowes in Sachen Piraten-Metal an. Was bedeutet, dass sie rasanten Power-Sound mit Schifferklavier-, Fiddle- und Flöten-Einsätzen garnieren, um dazu herrlich bescheuerte Nonsens-Texte vom Stapel zu lassen. Die Disc eignet sich perfekt zum Speed-Schunkeln, Mitgrölen und dazu, sich ordentlich einen (oder drei) auf die Lampe zu gießen. Mit dem galoppierenden ›Treasure Chest Party Guest‹ und der alles sagenden Refrain-Zeile „We’re only here to have fun, get drunk and make loads of money“ wird die Richtung vorgegeben.

Von der wird in den knapp 45 Minuten nur selten abgewichen. Warum auch? Schließlich funktioniert das Ganze exzellent. Mit dem 2017er-Vorgänger schaffte es das wilde halbe Dutzend immerhin auf Platz 14 der hiesigen Charts – ein Erfolg, der dank Ohrwurm-Kandidaten wie ›Pirate Metal Drinking Crew‹ oder ›Zombies Ate My Pirate Ship‹ locker wiederholt, wenn nicht sogar noch weiter ausgebaut werden dürfte.

6 von 10 Punkten

Alestorm, CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT, NAPALM/UNIVERSAL

VÖ-Tipp der Woche: Rush – PERMANENT WAVES (Jubiläumsedition)

Rush PERMANENT WAVES
Zwischen uns

Auch wenn zwischen dem Vorläufer HEMISPHERES und PERMANENT WAVES nur vierzehn Monate liegen, hat sich im Hause Rush doch einiges geändert. Vorbei die Zeit von Konzept und Alben, deren Songs sich teilweise auf eine ganze Seite erstrecken. PERMANENT WAVES ist straffer, teilweise zugänglicher (›The Spirit Of Radio‹, ›Entre Nous‹), mit prägnanteren Arrangements, aber immer noch extrem abenteuerlustig. Die insgesamt nur sechs Tracks verteilen sich gleichmäßig auf zwei Seiten, die erste deutlich erschließbarer, die zweite was für den erfahrenen Rush-Fan mit dem fast zehnminütigen ›Natural Science‹. Nicht zu vergessen der wahnsinnig gute Prog-Block am Ende der Platte. Neue Musikstile wie Reggae und New Wave erhalten Einzug in den Sound der drei Kanadier. ›The Spirit Of Radio‹ bekommt beides ab, der erste veritable Radiohit der Band, New Wave wird zu einer Permanent Wave. ›Freewill‹ ist ein hart rockendes Gewächs mit schnittigem Chorus („If you choose not to decide – you still have made a choice. … I will choose free will“). ›Jacob’s Ladder‹ kennzeichnet mehrere Taktarten und hat in der ersten Hälfte eine dunkle, unheilvolle Ausstrahlung. Das ruhige ›Different Strings‹ ist der letzte Rush-Song, bei dem Sänger Geddy Lee den Text verfasst. Zwei Monate nach seinem Release kann der Longplayer Platin für über eine Millionen verkaufter Tonträger in den USA einfahren, das Album erreicht Rang drei in Kanada und England, Rang vier in Amerika. PERMANENT WAVES ist ein sensationell klingendes Album, das Schlagzeug von Drummer und Texter Neil Peart klang nie wieder so gut wie hier. PERMANENT WAVES ist wie seine Jubiläums-Vorgänger RUSH, 2112, A FAREWELL TO KINGS und HEMISPHERES üppig ausgestattet. Zusätzlich zu den zwei CDs (das Original-Album plus eine Live-Compilation aus überwiegend London- und Manchester-Aufnahmen im Rahmen der „Permanent Waves“-Tour) und den drei LPs (selbiges Programm wie die CDs plus ›A Passage To Bangkok‹) hält die Box üppiges Exklusiv-Material wie zwei Tour-Programme, drei Backstage-Pässe, handgeschriebene Peart-Texte zu drei Songs, ein Notizblock aus dem ruhmreichen Le Studio, ein Riesen-Poster sowie ein wunderschönes, 40-seitiges Hardcover-Buch mit einem sehr informativen 12.000 Worte-Text parat. Die komplette Box mutet sehr exquisit an, die Neuinterpretation des Original Artworks von Hugh Syme sagt mir, wie bereits auf den Vorgängern, nicht wirklich zu. Gewidmet ist PERMANENT WAVES natürlich Neil Peart.

10 von 10 Punkte

Rush
PERMANENT WAVES – FORTIETH ANNIVERSARY EDITION
ANTHEM/MERCURY/UNIVERSAL

Unsere große Story über PERMANENT WAVES von Rush findet ihr in der am 10. Juni erscheinenden Ausgabe von CLASSIC ROCK!

Louise Lemón – DEVIL

Louise Lemon DevilElegie auf den Herzschmerz.

In einem schwarzen Samtkleid und mit weißem Brautschleier posiert die blonde Schwedin auf dem Cover von DEVIL vor einer dunklen Gruft und greift so auch optisch ihr bewährtes musikalisches Sujet auf: das Spiel mit Dunkelheit, Helligkeit und den Schattierungen dazwischen. Die von allen Seiten als „Queen of Death Gospel“ gefeierte Künstlerin verwebt auf ihrer neuen EP zarten Gesang mit oftmals elegisch-düsteren Klängen, 60er-Jahre- Anleihen mit Indie, und das alles mit ganz viel Atmosphäre und Herzschmerz. Die in diesem Duktus entstandenen neuen fünf Songs – besonders hervorzuheben sind der Opener ›Devil‹ sowie ›Taurus Woman‹ – muten unpolierter und deshalb noch intensiver an als die ihres Vorgängeralbums. Lemóns eindringlicher Pop Noir ergießt sich gleich dunklem Samt in Gehör und Herz. Welch passende Kleiderwahl auf dem Artwork.

8 von 10

Louise Lemón
DEVIL
ICONS CREATING EVIL ART