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Die wahren 100 besten Alben der 80er: Platz 14-6

Die wahren besten Alben der 80e

Ihr glaubt, die besten Alben dieser oft belächelten Dekade zu kennen? Dann lasst euch eines Besseren belehren. Wir präsentieren die Platten, die wirklich wichtig waren.

Willkommen zu unserem monumentalen Countdown der WAHREN 100 besten Alben der 80er – der Auswahl für echte Kenner. Bitte hereinspaziert zu Platz 15-6:

14
AC/DC: FOR THOSE ABOUT TO ROCK
ATLANTIC, 1981

Es erreichte zwar Platz 1 in den USA, doch nur 16 Monate nach BACK IN BLACK war es un­­vermeidlich, dass AC/DCs achtes Studioalbum von seinem Vorgänger überschattet würde. Trotzdem ist es ein mehr als würdiger Nachfolger dieses Klassikers. „Mutt“ Lange streute wieder seinen Zauberstaub über die erdigen Grooves der Band und das donnernde Intro des Titelstücks ist nach wie vor spektakulär. PR
Zeitzeugen:
„Unter all den riesigen Gitarrenriffs und den magenschwingenden Rhythmen sind AC/DC eine außergewöhnlich kompetente Songwriter-Band.“
Rolling Stone

13
Nine Inch Nails: PRETTY HATE MACHINE
TVT, 1989

Electro-Dance trifft auf Heavy Metal? Das war ein absolutes Tabu, bis Bands wie Ministry und Nine Inch Nails – genauer gesagt ihre 1989er-Alben THE MIND IS A TERRIBLE THING respektive PRETTY HATE MACHINE – erschienen. Das NIN-Debüt sollte beileibe nicht das härteste Werk in der Diskografie bleiben, doch Songs wie ›Head Like A Hole‹ schafften mit großem Mut – und Erfolg – den Brückenschlag zwischen diesen Genres. Und auch wenn diese Platte 1991 schon zwei Jahre alt war, war es die Teilnahme an der ersten Lollapalooza-Tour in jenem Jahr, die allen anderen die Schau stahl, Nine Inch Nails einem Massenpublikum vorstellte und sie in die höchsten Chartregionen katapultierte. GP
Zeitzeugen:
„Die Darbietungen und die Produktion bekommen Bonuspunkte dafür, ein bisschen Abwechslung in den Industrial zu bringen, doch durch den teils weinerlichen Gesang verlieren sie sie wieder.“ Chicago Tribune

12
Peter Gabriel: PETER GABRIEL
Virgin, 1980

Sein sich auflösendes Gesicht auf dem Cover seines dritten Albums (daher auch als MELT bekannt) ist vielleicht eine Metapher dafür, dass er das Image des blumigen Ex-Frontmanns von Genesis ab- und sich für die 80er ein neues, künstlerischeres zulegte. Der geniale Pop darauf war ebenfalls neu und „arty“ und verband Gabriels menschliche Wärme mit mechanischem Piepsen und schwerer Percussion. Doch der Kinderlied-Text und das Pfeifen auf dem großen Hit ›Games Without Frontiers‹ zeigten, dass sein Sinn für Humor und das Absurde immer noch intakt war. MB
Zeitzeugen:
„Gabriels drittes Solowerk bleibt im Kopf hängen wie die tragischen Helden der besten Noir-Filme“
Rolling Stone

11
The Clash: COMBAT ROCK
CBS, 1982

Nach ein paar experimentellen Mehrfach-Alben, die sich in allen möglichen Genres austobten, klang das relativ kompakte COMBAT ROCK fast wie die Konsolidierung nach einer langen Karriere. Doch wer erwartete, die Globetrotter würden ihre Klamottenkiste komplett ausmustern, unterschätzte ihre Vision gewaltig. 1982 absorbierten The Clash neue Klänge genauso mühelos, wie sie ihren Look änderten. Die Dunkelheit von „Apocalypse Now“ infizierte die Texte, Beat-Poesie stand Seite an Seite mit Kaftan-Chic und ein erweiterter Horizont verlieh jedem Song einen Breitwand-Sound. Die knalleng verpackte Intensität von COMBAT ROCK erreichte in den zwar USA Doppelplatin, doch letztendlich bedeutete sie auch das Ende der Band. IF
Zeitzeugen:
„Es beweist, dass The Clash auf einer einzelnen Platte genauso weit ausholen können wie auf einem Dreifach-Album.“
Record Mirror

10
Jane’s Addiction: NOTHING’S SHOCKING
Warner, 1988

„Nirvana werden oft als die erste Alternative-Band genannt, die den Durchbruch schaffte, die Musik veränderte und den Rock aus der Hair-Metal-Wildnis der 80er führte“, sagte Tom Morello von Rage Against The Machine 2011. „Aber das ist einfach nicht wahr. Es waren Jane‘s Addiction: inspirierend, intelligent, hart rockend und mit künstlerischem Tiefgang.“
Man kann nicht leugnen, dass die Alternative-Rocker aus L.A. für ihr Major-Label-Debüt viel Kritikerlob einheimsten. Oder dass die feurigen, wilden, alle Genres (und Geschlechter) ignorierenden Momente wie ›Mountain Song‹ und ›Pigs In Zen‹ eine ganze Legion wichtiger Bands mobilisierten. In einer Welt aus plumpem Pudel-Rock waren ›Had A Dad‹ und ›Standing In The Shower…Thinking‹ raue, harte Gossenhymnen, die mit aufregender Weitsicht die Szene der 90er vorwegnahmen.
1988 war die alles durchdringende Sexualität des Albums auch sein Fallstrick: Das Cover mit den in Flammen stehenden, nackten siamesischen Zwillingen führte dazu, dass es im US-Einzelhandel nur in einer Papierhülle verkauft wurde, während das Video zu ›Mountain Song‹ aufgrund zu viel nackter Haut von MTV boykottiert wurde. NOTHING‘S SHOCKING gab den Startschuss für den Alternative Rock, doch erreichte in den US-Albumcharts gerade mal Platz 103. Manchmal reicht es nicht, ein Pionier zu sein, um die Kassen klingeln zu lassen. HY
Zeitzeugen:
„Wenn sie den Camp-Faktor hochfahren oder Nylon über Leder ziehen, wenn Farrell seine schräge Degenerierten-Poesie vom Stapel lässt, können sie bitterböse glänzen.“
Melody Maker

09
U2: WAR
ISLAND, 1983

Mit ihrem Drittwerk setzten sich U2 das Ziel, das ab­­­zustreifen, was Bono als das „nette Image“ der Dubliner wahrnahm – und sie ließen nichts anbrennen. Der engelsgleiche Junge auf dem Cover von BOY (1980) hatte nun eine gespaltene Lippe und starrte ins Leere. Der Hörer wurde damit in eine Welt entführt, in der der gnadenlose Beat von ›Sunday Bloody Sunday‹ den Ton angab. Wenn, wie Bono sagte, „Krieg das Thema für 1982“ war, hatten U2 hiermit den perfekten Soundtrack dazu abgeliefert. Es entstand im Schatten des Falkland-Konflikts und der Turbulenzen in Nahost und führte zu Songs wie ›Seconds‹ und dem drahtigen ›Like A Song…‹, die deutlich härter waren als die Stadionhymnen ihrer späteren Platten. Am kraftvollsten waren jedoch Bonos Texte. Politisch, aber noch nicht mit erhobenem Zeigefinger, fand er nie wieder so starke Worte wie auf ›Sunday Bloody Sunday‹ über das Massaker von 1972 („Broken bottles under childrens feet, bodies strewn across the dead-end street“). Mit WAR vertrieben U2 Michael Jacksons THRILLER von der Spitzenposition in Großbritannien und schafften den Durchbruch in den USA – und doch wurde es von den meisten Kritikern verrissen. Ganz zu schweigen davon, dass es auf ewig im Schatten von THE JOSHUA TREE von 1987 stehen sollte. Was schade ist, denn die Themen dieses Albums sind leider bis heute relevant. In ›Sunday Bloody Sunday‹ wurde die treffende Frage gestellt: How long must we sing these songs? HY
Zeitzeugen:
„Es will genau das Gegenteil beweisen, doch WAR ist ein weiteres Beispiel für die Hilflosigkeit und den Verfall der Rockmusik.“
NME

08
Robert Plant: NOW AND ZEN
ES PARANZA, 1988

Robert Plant verbrachte die erste Hälfte der 80er damit, vor Robert Plant wegzurennen – dem stolzierenden, enge Ho­­sen tragenden Robert Plant der Led-Zeppelin-Ära. Doch auf seinem vierten Soloalbum NOW AND ZEN versöhnte er sich endlich wieder mit dem Mann, der er mal war. Moderne Technologie und die imaginäre computerisierte Zukunft des Pop standen hier zwar im Mittelpunkt, doch er hatte auch keine Angst, die Vergangenheit anzuerkennen. Zum ersten Mal seit sieben Jahren fand Plant wieder den goldenen Gott in sich, sang sogar „since I‘ve been loving you“ und ließ Jimmy Page auf ›Heaven Knows‹ sowie ›Tall Cool One‹ (mit frechen Samples alter Zep-Riffs à la Beastie Boys) gastieren. Noch besser war, dass ›The Way I Feel‹ und ›Ship Of Fools‹ bewiesen, dass Plant die melodramatischen Halbballaden besser draufhatte als all die jungen Hardrock-Acts, die damals MTV dominierten. Die programmierten Drums und die fiependen Synthies schreien zwar ebenso laut „1988“ wie ein Paar Stonewashed-Jeans, doch der Brite sollte nie wieder so lebendig und gleichzeitig so wie sein altes Ich klingen wie hier. MB
Zeitzeugen:
„Konzeptuell sehr einfallsreich.
In vielerlei Hinsicht ist Plant
besser denn je.“
Rolling Stone

07
Metallica: RIDE THE LIGHTNING
MUSIC FOR NATIONS, 1984

Von eintönig zu bunt, von Jungen zu Erwachsenen, von Amateuren zu Profis. Wie auch immer man es ausdrücken will, war ihr Zweitling die Platte, auf der Metallica die entscheidende Verwandlung vollzogen. Eine, die Ohren und Augen für das öffnete, was sie – und ihr Genre – werden könnten.
Ein Großteil davon ist den Interessen und Besessenheiten von Bassist Cliff Burton geschuldet, für den es leider zu einem sehr kurzen Vermächtnis werden sollte. Seine Liebe für alle möglichen Dinge, vom kultig-blutigen Horror des HP Lovecraft bis zu den Eigenheiten und der schieren Power, die wechselnde Tempi, Gitarrenharmonien und musikalische Dynamik in die unwiderstehlichen Riffs der Band brachten, ist auf der ganzen Platte offensichtlich. Die hohe, verzerrte Bassmelodie im Intro von ›For Whom The Bell Tolls‹ und das ausgedehnte Solo auf dem Instrumental ›The Call Of Ktulu‹ am Ende stammten von ihm.
Ehrgeiz und eine angeborene An­­griffslust waren hier essenzielle Grundsteine, und diese Kampfeslust war nicht nur nützlich für beißende Thrasher wie ›Creeping Death‹ und ›Fight Fire With Fire›, sondern auch, um all jenen einen Stinkefinger entgegenzustrecken, die an ›Fade To Black‹ zweifelten, dem Vorläufer all ihrer Powerballaden.
RIDE THE LIGHTNING war ein Quantensprung für die Kalifornier und sicherte dem Heavy Metal eine glänzende Zukunft. JH
Zeitzeugen:
„Eines der besten, originellsten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten.“
Kerrang!

06
Whitesnake: LIVE… IN THE HEART OF THE CITY
EMI, 1980

Mit ihrem Bestseller 1987 wurden Whitesnake zu einer der größten Rockbands der Welt. Der löwenhafte David Coverdale, unterstützt von ähnlich haarigen Typen, eroberte mit den Hits ›Here I Go Again‹ und ›Is This Love‹ MTV und den Planeten. Doch 1980 sah die Sache noch anders aus. Dies war eine völlig andere Truppe.
Als Coverdale sie 1978 gründete, nachdem er sich als Frontmann von Deep Purple einen Namen gemacht hatte, lag sein Fokus noch auf beseeltem, bluesbasiertem Hardrock. Und der klang nie besser als auf LIVE…IN THE HEART OF THE CITY, einem Doppelalbum, das 1978 und 1980 im Londoner Hammersmith Odeon mitgeschnitten worden war. Bei der ersten Show saß noch der erste Drummer Dave Dowle am Schlagzeug. Bei der zweiten jedoch war schon das klassische Line-up zu hören: Coverdale, die Gitarristen Bernie Marsden und Micky Moody, Bassist Neil Murray und die beiden Purple-Kollegen Ian Paice und Jon Lord an Drums respektive Keyboards. Klassiker wie ›Fool For Your Loving‹ und ›Love Hunter‹ fingen die Selbstsicherheit der Band perfekt ein, während auf einer wunderbaren Interpretation des Soul-Standards ›Ain‘t No Love In The Heart Of The City‹ die magische Verbindung zwischen Coverdale und seinem Publikum – dem „Whitesnake-Chor“ – spürbar wurde. PE
Zeitzeugen:
„Coverdale und seine Jungs zeigen den Zynikern die kalte Schulter.“
New Music News

John Fairhurst: „The Medicine Show Vol. 2“

John Fairhurst Livestream 2020Am 23. Mai spielt John Fairhurst ein weiteres Wohnzimmerkonzert im Livestream.

John Fairhurst hält sich in Corona-Zeiten mit heimeligen Wohnzimmer-Konzerten über Wasser. Die Show-Reihe unter dem Titel „The Medicine Show“ geht am 23. Mai in die nächste Runde, das Motto lautet „The nature of nature is change.“

Die Tickets für die Online-Show können zum Preis von sieben Pfund erworben werden, inbegriffen ist darin sogar ein Download von Fairhursts Album BAND aus dem Jahr 2010. 10% der Einkünfte spendet der Musiker an eine Organisation, die Arbeitnehmern und Unternehmen aus der Musikindustrie durch die Krise hilft. Um 21:30 Uhr geht es los.

Alle Infos zu dem Event findet ihr hier:
https://johnfairhurst.com/the-medicine-show-volume-2-23rd-may/

Cellar Stone – ONE FINE DAY

Griechische Hardrock-Zeitreise

Ja, auch in Griechenland gibt es eine Rockszene, bekommt man in Westeuropa nur eher selten mit. Ob Cellar Stone das mit ihrem Debüt ONE FINE DAY ändern können, bleibt allerdings fraglich. Nicht, dass der Vierer schlecht wäre, im Gegenteil: Cellar Stone wissen, was ein guter Song ist, kennen Refrains nicht bloß vom Hörensagen und waren im Riff-Unterricht stets besonders aufmerksam.

Allein, ihrem durchaus launigen Mix aus den hart rockenden Großtaten der 70er, 80er und 90er fehlt es in letzter Instanz an der nötigen Originalität, um sich aus den Reihen der Konkurrenz zu erheben. Das muss mit einem Debütalbum natürlich auch noch nicht sein, wird früher oder später aber karriereentscheidend werden. Fürs Erste bleibt eine Packung ordentlicher Songs, die Led Zeppelin ebenso atmen wie Bon Jovi oder Black Label Society. Klarer Pluspunkt: Aus einem Guss klingt diese doch eher ungewöhnliche Cuvée dann doch. Solide, aber ausbaufähig.

6 von 10 Punkten

Cellar Stone, ONE FINE DAY, MAIN EVENT PRODUCTIONS

Hathors – GRIEF, ROSES & GASOLINE

Außergewöhnlich alternativ

Eine neue Band auf Sub Pop? Ein größeres Kompliment als diese Vermutung beim Hören von GRIEF, ROSES & GASOLINE geht nicht. Eine, wenn auch falsche, so doch durchaus berechtigte Annahme, denn das vierte Album des Trios aus dem schweizerischen Winterthur mischt mit extremer Spielfreude alle Zutaten, die den Alternative Rock in den 90ern zu einem globalen Phänomen gemacht haben: Krach und Melodie, Intensität und Melancholie.

Interessant ist dabei, wie Sänger/Gitarrist Marc Bouffé seine Rotz-Rock-Röhre den unterschiedlichen Stimmungen der ebenso unterschiedlichen Songs anpasst: Mal klingt er wie ein erkälteter Dave Grohl im zweiten Stimmbruch (›It Takes Forever‹, ›Rock This Town‹, ›Loose Ends‹), in den Pop-affinen Stücken dann wie Zakk Wylde in einer Classic-Rock-Band (›The Valley‹, ›Apathy‹). Allein der eingängige Opener ›Where Were You‹ und das tanzbare ›Sleepwalker‹ reichen aus, um dieses Album neben der zweiten The Weight als ein außergewöhnliches Stück Musik des jungen Jahres zu feiern.

8 von 10 Punkten

Hathors, GRIEF, ROSES & GASOLINE, NOISOLUTION/SOULFOOD

Long Distance Calling: Neue Single ›Voices‹

Long Distance Calling VoicesAchtung, explizit: Der neue Kurzfilm von Long Distance Calling zur Single ›Voices‹.

Am 26. Juni erscheint das siebte Studioalbum von Long Distance Calling. Auf HOW DO WE WANT TO LIVE? setzt sich die Instrumental-Prog-Band mit dringlichen Zukunftsfragen auseinander und beschäftigt sich in diesem Kontext auch mit der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

Das brandneue Video zur über achtminütigen Single ›Voices‹ erzählt die brutal endende Geschichte eines Mannes, der mit einer KI in menschlichem Design zusammenlebt.

Die 100 besten Alben der 80er: Die Plätze 4 bis 1

Die wahren besten Alben der 80e

Ihr glaubt, die besten Alben dieser oft belächelten Dekade zu kennen? Dann lasst euch eines Besseren belehren. Wir präsentieren die Platten, die wirklich wichtig waren. Willkommen zu unserem monumentalen Countdown der WAHREN 100 besten Alben der 80er – der Auswahl für echte Kenner. Bitte hereinspaziert zu Platz vier bis eins:

4
David Bowie: SCARY MONSTERS (AND SUPER CREEPS)
VIRGIN, 1980

Nie zuvor war die Musikwelt so bereit für ein neues Album von David Bowie wie 1980. Die meisten der Urpunks von 1976 waren entfremdete Bowie-Fans gewesen. Seit der Stagnation in dieser Szene hatten viele von ihnen den Weg zu Rusty Egans Bowie-Abenden im Londoner Club Billy‘s gefunden. Er verband dessen Backkatalog mit aktueller elek­tronischer Musik (also nach LOW), Disco (ergo YOUNG AMERICANS) und Ziggys Glam-Zeitgenossen. Was diese Abende, geprägt von immer ausgefalleneren Klamotten und strikt durchgesetzter Exklusivität, bald in eine eigene Futuristen-Szene verwandelte, die sich 1980 vom Billy‘s zum benachbarten Blitz-Club in Covent Garden, zum Pips in Manchester und zum Rum Runner in Birmingham ausgebreitet hatte. Womit die Keimzelle der New Romantics und somit der nächsten Welle des 80s-Pop geboren war.

Dass SCARY MONSTERS sehnlichst erwartet wurde, ist eine krasse Untertreibung. Die Vorabsingle ›Ashes To Ashes‹ stieg auf Platz 4 der britischen Charts ein und erreichte später Platz 1. Das futuristische Video von Regisseur David Mallet war ein perfekt den Zeitgeist einfangender Klassiker und zeigte Bowie im Pierrot-Kostüm mit Blitz-Ikone Steve Strange an seiner Seite.

Bowie sagte später: „SCARY MONSTERS war für mich immer eine Art Säuberung. Ich löschte die Gefühle in mir aus, die mir unangenehm waren.“

Auf ›Ashes To Ashes‹ fanden wir so einen zugedröhnten („strung out“) Major Tom – eine Metapher für Bowies Drogensucht – an seinem absoluten Tiefpunkt, dem „all-time low“. „Ich habe viele Zweifel an dem, was ich getan habe“, erzählte er dem „NME“. „Ich habe das Gefühl, dass vieles davon keinerlei Bedeutung hat.“ Dann war da ›Fashion‹, augenscheinlich unverzichtbar für Bowie als ständig im Wandel begriffene Ikone, aber es wurde damals abgetan als sklavisches Zugeständnis an die faschistischen Forderungen der dummen Trendsetter.

Das Titelstück wiederum (Subtext: Klaustrophobie, Entfremdung, Verzweiflung) spiegelte seine Zeit perfekt wider: Im Jahr darauf gab es in Großbritannien immer wieder Unruhen, entfacht von nuklearer Paranoia und der Hoffnungslosigkeit der Innenstädte. Doch ebenso wie der Eskapismus der New Romantics sich der düsteren Realität von Streiks und Sparmaßnahmen entgegenstellte, wurden Bowies selbstkritische Texte von einem unwiderstehlich erhebenden Soundtrack konterkariert.

Die inspirierte Produktion von Tony Visconti mit den neuesten Methoden schuf eine einzigartige Umgebung. Präzise Drums setzten unaufhaltsam programmierte Bassläufe in Gang, verfremdeter Gesang schwankte zwischen spukhaften, kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehenden Urschreien und unheimlicher Schlaflied-Süßlichkeit. Robert Fripps außerordentliches Gitarrenspiel – leidenschaftlich und absolut unverwechselbar – war ein weiteres Schlüsselelement, aber nicht allein: Carlos Alomars Breitwand-Riffs waren überall, während Pete Townshend auf ›Because You‘re Young‹ und Chuck Hammer auf ›Ashes To Ashes‹ zum Einsatz kamen.

Doch so konsequent progressiv jede einzelne Nuance von SCARY MONSTERS war, konnte man doch vorzüglich dazu tanzen. In der Clubkultur der 80er war das essenziell, selbst für einen Visionär, dem in seinem selbstauferlegten Exil in Berlin von einer äußerst einflussreichen Fanschar überzeugter Futuristen ein gottgleicher Status verliehen worden war.

SCARY MONSTERS (AND SUPER CREEPS) fing seine Zeit perfekt ein und wurde zur triumphalen Rückkehr für David Bowie.

03
Def Leppard: HIGH’N’DRY 
VERTIGO, 1981

Keine Band war in den 80ern größer als Def Leppard. Mit zwei brillanten Alben, PYROMANIA (1983) und HYSTERIA (1987), hatten die Söhne Sheffields State-of-the-art-Stadionrock erschaffen, dessen erklärtes Ziel – das Knackige von AC/DC plus die Intelligenz von Queen – vom genialen Produzenten „Mutt“ Lange perfektioniert wurde. Beide Platten fanden jeweils mehr als zehn Millionen Käufer in den USA. Doch wenn es um reine Hardrock-Power, glühende Intensität und die schiere Gewalt der Riffs geht, kommt keines ihrer Alben an HIGH‘N‘DRY heran.

Ihr zweites Werk und ihr erstes mit Lange war ein Quantensprung vom Debüt ON THROUGH THE NIGHT, das auf der Höhe der NWOBHM-Welle erschienen war und entsprechend roh klang. HIGH‘N‘DRY hatte die besseren Songs, mehr Energie, mehr Atmosphäre und mehr Klasse. Die erste Seite war makellos: die unmittelbare Aggression von ›Let It Go‹ und ›Another Hit And Run‹, die Saufhymne des Titelstücks und die Powerballade ›Bringin‘ On The Heartbreak‹ gingen in das rauschende, gitarrenlastige Instrumental ›Switch 625‹ über. Auch auf Seite 2 waren grandiose Songs, vor allem der Kracher ›Mirror, Mirror (Look Into My Eyes)‹. HIGH‘N‘DRY war das erste großartige Album von Def Leppard, und analog zu POWERAGE von AC/DC ihr Kultklassiker. 

Zeitzeugen:
„Eine alle Sinne betäubende Fünf-Sterne-Sensation.“ (Sounds)

02
Van Halen: WOMEN AND CHILDREN FIRST 
WARNER BROS., 1980

In der Dämmerung der 80er versuchten Van Halen weiterhin, das größte Hardrock-Debüt aller Zeiten zu übertreffen. Wo VAN HALEN II die schillernd-hyperaktive Pop-Intelligenz des Vorgängers nachahmte, kam Album Nr. 3 deutlich härter daher, was ihm sehr gut zu Gesicht stand. Dave Lee Roth war redselig wie nie, die krustigen Cover-Versionen gehörten der Vergangenheit an und keine einzige der 33 Minuten hier ist verschwendet. Das Covermotiv – ein umkippender Eddie Van Halen, der von seinen Bandkollegen aufgefangen wird – war ein Paradebeispiel für lässige Coolness. Und wenn man Glück hatte, erwischte man vielleicht sogar ein Exemplar mit einem Poster des charakteristisch schüchtern-zurückhaltenden Diamond Dave, der oben ohne an einen Zaun gekettet war (abgelichtet vom renommierten Fotografen Helmut Newton).

Musikalisch hatte die Band keine Angst, Neues auszuprobieren. Die Songs groovten und stampften, Eddie fing schon an, zu experimentieren, eine verzerrte Wurlitzer war zu hören. Auf Stücken wie ›Take Your Whiskey Home‹ kombinierten sie eine akustische Gitarre mit Eddies weitläufigen, röhrenden Riffs, die Midtempo-Nummer ›Could This Be Magic?‹ baute auf schrägen Skiffle, doch sie waren auch nach wie vor in der Lage, in klassisch-wuchtiger Van-Halen-Manier loszupreschen, wie die bissigen Opener ›And The Cradle Will Rock…‹ und ›Everybody Wants Some!!‹ eindrucksvoll bewiesen.

Ersterer Song war verspielt und locker – wer sonst würde eine Pause einlegen, damit der Singer fragen kann: „Hast du die Noten unseres Jungen gesehen?“ –, während letzterer zu einem festen Bestandteil der Live-Sets wurde, wenn auch nur für Daves Lobpreisung an Strümpfe, um die es dabei ging. Doch das Highlight ist wohl ›A Simple Rhyme‹, das ähnlich knackig ist wie ›Won‘t Get Fooled Again‹ The Who, wenn es unter der Sonne Kaliforniens entstanden wäre. PW

Zeitzeugen:
„Sie sind spezialisiert auf Dezibel und schwanzschwingendes Selbstbewusstsein. Ihre Devise lautet ‚Macht geht vor Recht‘, und sie belegen diese These auf ihrer dritten LP sehr überzeugend.“ (Rolling Stone)

01
Black Sabbath: HEAVEN AND HELL 
VERTIGO, 1980

1970 definierten Black Sabbath ein ganz neues Genre der Rockmusik mit nicht nur einem, sondern gleich zwei der besten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten: dem selbstbetitelten Debüt und PARANOID. Was sie zehn Jahre später mit HEAVEN AND HELL erschufen, war ein Meisterwerk, dass sie von den Toten zurückholte. „Dieses Album“, sagte Gitarrist Tony Iommi, „gab uns ein zweites Leben.“

Die Schlüsselfigur in dieser Wiederauf­erstehung war der Mann, der die Eier aus Stahl hatte, um Ozzy Osbourne als Sänger abzulösen: Ronnie James Dio. Wie er einmal über HEAVEN AND HELL sagte: „Das waren nicht Black Sabbath mit Ozzy. Das war etwas anderes, und wir waren fantastisch zusammen.“

Schon vor der Entscheidung von 1979, Ozzy zu feuern, war die Band auf dem absteigenden Ast gewesen. Auf ihren letzten beiden Alben – TECHNICAL ECSTASY und NEVER SAY DIE! – klangen sie ausgelaugt und unfokussiert, während sie auf ihrer Tournee 1978 von ihrer Vorgruppe an die Wand gespielt wurden: den jungen, hungrigen Van Halen. Ihr Aushängeschild abzuservieren, war riskant. Trotz aller wilden Alkoholeskapaden, die zu seiner Entlassung geführt hatten, war Ozzy ein enorm charismatischer Frontmann, dessen gequälte Stimme ebenso prägend für den Sabbath-Sound war wie Iommis bleischwere Riffs. In Dio jedoch – der selbst gerade bei Ritchie Blackmore‘s Rainbow rausgeflogen war – fanden sie einen Sänger, der auf seine ganz eigene Weise ebenso einzigartig war wie Ozzy.

Auf den drei Albumklassikern, die er mit Rainbow gemacht hatte, zeigte er, dass er einen riesigen Stimmumfang hatte, jede Menge Kraft und melodische Finesse. Er war außerdem ein so guter Texter, dass er diese Aufgabe von Bassist Geezer Butler übernahm. „Ich wusste, wozu Ronnie fähig war“, so Iommi, „ich hatte ja die Rainbow-Sachen gehört.“
Dio verlieh Sabbath eine neue Größe und epische Wuchtigkeit, was schon auf ihrem allerersten gemeinsamen Stück offensichtlich war: ›Children Of The Sea‹. Es basierte auf „diesem alten Blues-Song“, wie Butler es nannte, und wurde zu einem echten Schwergewicht entwickelt, das so schön wie mächtig war. So wurde es zum Bezugspunkt für das ganze Album.

Am epischsten war das Titelstück, in dem Dio die gegensätzlichen Kräfte von Gut und Böse abwägte und Iommi das beste Solo seines Lebens ablieferte. ›Die Young‹ war so brutal wie unheimlich at­­mosphärisch, ›Lonely Is The Word‹ wiederum ein monströser Heavy-Blues. Der letzte Song, der für die Platte geschrieben wurde, war dann letztendlich ihr Opener: ›Neon Knights‹.

HEAVEN AND HELL erschien im April 1980, fünf Monate vor Ozzys Comeback mit BLIZZARD OF OZZ, und zeigte Black Sabbath in einem völlig neuen Gewand. Dio sollte noch zwei weitere Alben mit ihnen machen, MOB RULES (1981) und DEHUMANIZER (1992), und dann war da noch die Reunion-Platte unter dem Bandnamen Heaven & Hell, sein letztes Vermächtnis vor seinem Tod am 16. Mai 2010. Doch es war auf diesem Album, seinem ersten mit Sabbath, dass Ronnie James Dio seinen Zenit erreichte: der größte Heavy-Metal-Sänger von allen in der größten Heavy-Metal-Band von allen.

Zeitzeugen:
„Ronnie James Dio hat eine völlig neue Energie in die Gruppe gebracht. Einfach zurücklehnen, aufdrehen und spüren, wie einem das Hirn implodiert.“ (Sounds)

Dee Snider: Neue Single ›Prove Me Wrong‹

Dee Snider Prove Me WrongHört hier den neuen Song von Wirbelwind Dee Snider.

Dee Sniders kommende Live-Platte mit dem Titel FOR THE LOVE OF METAL LIVE erscheint am 31. Juli und wird ein Cover von AC/DCs ›Highway To Hell‹ enthalten sowie eine brandneue Single. ›Prove Me Wrong‹ hat der Twisted-Sister-Mann schon jetzt als Vorgeschmack veröffenlicht und verrät damit das Geheimnis seines Erfolgs.

Snider dazu: „Diesen Satz denke ich mir regemlmäßig, seit ich mit dem Rocken angefangen habe. „Beweist mir das Gegenteil!“ Nach alle den Jahren dachte ich mir nun, es wäre an der Zeit, allen zu verraten, welche Haltung mich die ganze Zeit über am Laufen gehalten hat: Beweist mir das Gegenteil!“

FM – SYNCHRONIZED

Nicht ganz synchron

Eigentlich ist FM immer eine relativ sichere Melodic-Rock-Nummer. Aufgrund des Wortes „eigentlich“ kann man jedoch bereits vermuten, dass das diesmal nicht zu 100 Prozent zutrifft. Zwar haben die britischen Rocker hier keinen krassen Stilbruch vollzogen, leider fehlen jedoch ein wenig Feuer und Antrieb im gängigen AOR-Ikonen-Motiv. Bei den vergangenen Live-Auftritten und auch auf den letzten Alben konnte sich die Truppe noch deutlich stärker präsentieren. Bis auf den namensgebenden Titeltrack und ›Hell Or High Water‹ bleibt leider nicht allzu viel im Ohr.

Das ist etwas schade, da FM eigentlich bekannt dafür sind, eine ziemliche Hit-Schmiede zu sein. Auf ATOMIC GENERATION stellten sie das 2018 noch unter Beweis. Den langjährigen Fan der Band wird die neue Platte also nicht unbedingt umhauen, aber ein gutes Feeling beim Hören bietet sie dennoch. Schließlich steckt Sänger Steve Overland wie gewohnt sein ganzes Herz in die Vocals und auch die Gitarren samt Synthies sind stellenweise so fein platziert, dass man beim Lauschen ab und an alles um sich herum ausblendet. SYNCHRONIZED ist zwar nicht das glanzvollste Werk der Band, dennoch macht es bezüglich seiner Genre-Zugehörigkeit viel richtig und ist für die hohen FM-Standards eben „nur“ ein gutes Album.

6 von 10 Punkten

FM, SYNCHRONIZED, FRONTIERS/SOULFOOD