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Start Blog Seite 436

Bush – THE KINGDOM

Unbeirrbar

Schon eine seltsame Karriere, die Gavin Rossdale hingelegt hat. Trotz eines gewaltigen Image-Problems konnte er mit Bush in den 90ern Millionenverkäufe einheimsen, aber vorrangig in Nordamerika, während seine britische Heimat ihn nie richtig ins Herz schloss. Die 00er Jahre waren dann eine Wildnis mit Soloprojekten, Ausflügen in die Schauspielerei und der hauptberufllichen Tätigkeit als Ehemann von Gwen Stefani. Seit 2012 sind Bush wieder erstaunlich aktiv, was die breite Masse nicht mehr wahrnimmt, doch Rossdale macht stoisch weiter. Nun also THE KINGDOM.

Elektronische Spielereien sind wieder abgemeldet, stattdessen findet sich hier genau der saftig-drangvolle Alternarock, der die Band einst so erfolgreich machte. Das wirkt aus der Zeit gefallen – immer wieder unfassbar, wie weit sich der Mainstream heute vom Rock wegbewegt hat! –, hat aber durchaus Qualitäten. Nach 30 Jahren weiß der Mann, was einen schlüssigen Song ausmacht, und mit ›Our Time Will Come‹ und ›Crossroads‹ gelingen ihm mindestens zwei Perlen, die im Hier und Heute Gehör verdienen. So richtig „cool“ werden Bush wohl nie mehr sein, aber Respekt haben sie nach all den Jahren wirklich mehr als verdient.

7 von 10 Punkten

Bush, THE KINGDOM, BMG RIGHTS/WARNER

The Chicks – GASLIGHTER

Top-Comeback der streitbaren Country-Ladies aus Texas

Die Political Correctness hat auch Nashville erfasst: Nachdem sich Lady Antebellum jetzt nur noch Lady A. nennen, brechen auch die Dixie Chicks mit ihrem Querverweis im Bandnamen zum alten Süden der USA und firmieren jetzt – passend zum neuen Album GASLIGHTER – als The Chicks. Unglaubliche 14 Jahre haben sich die drei Damen aus Texas für das neue Album Zeit gelassen – Epochen im schnelllebigen Musikbusiness. Ihre Qualitäten haben die zwölffachen Grammy-Gewinnerinnen aber nicht
eingebüßt. Ganz im Gegenteil! Die zwölf starken Songs lassen sich in drei Kategorien unterteilen: Die ersten Tracks sind im angesagten Country-Pop angesiedelt (Titeltrack, ›Sleep At Night‹), in der Mitte wird es mit dem wütenden, politisch agitierenden ›March March‹ und dem aufwändig arrangierten ›Tights On My Boat‹ unkonventionell. Und zum Finale hin, so scheint es, finden Natalie Maine, Emily Robison und Martie Maguire mit harmonischen Country- und Bluegrass-Titeln ihren inneren Frieden (›Young Man‹, ›Set Me Free‹). Eine starke Rückmeldung!

8 von 10 Punkten

The Chicks, GASLIGHTER, SONY


Johnny Winter: Rock’n’Roll-Plausch mit Joe Perry

»Rockstars verdienen mehr Geld, nehmen mehr Drogen. Blues-Typen trinken in erster Linie und rauchen ein bisschen Gras.«

Der überraschende Tod von Johnny Winter im Juli (2014) schmerzt noch immer. In seinem vielleicht letzten Interview unterhielt er sich mit Aerosmith-Gitarrist Joe Perry über Rock’n’Roll-Randale, das Musikmachen und den Preis des Ruhms.

Gerade schien es wieder steil bergauf zu gehen für den 70-Jährigen. Neben einem karriereumspannenden Boxset mit dem äußerst passenden Titel TRUE TO THE BLUES: THE JOHNNY WINTER STORY steht die Dokumentation „Down & Dirty“ bevor, die nichts beschönigen und sowohl seine lange Karriere als auch seinen Kampf mit Alkohol und Drogen beleuchten wird. Nicht minder faszinierend ist STEP BACK, das zweite einer Serie von Coversalben – er nennt sie „Tributes“ –, auf dem der Sänger und Gitarrist mit Freunden und Kollegen wie Eric Clapton, Billy Gibbons von ZZ Top und Joe Perry (auf Lightnin‘ Hopkins‘ ›Mojo Hand‹) Stücke einiger seiner Einflüsse der 50er und 60er Jahre einspielte.

So war es kein Zufall, dass PerryPerryPerry sich eines Tages auf einem Sofa in Johnny WintersJohnny WintersJohnny Winters Wohnwagen vor dem Saban Theater in Los Angeles wiederfand, Stunden, bevor der dort auf die Bühne ging. CLASSIC ROCK hatte ein Treffen zwischen diesen beiden Ikonen eingefädelt, die sich trotz ähnlich langer Karrieren und einer gemeinsamen Liebe zum Blues nie zuvor begegnet waren.

Der Aerosmith-Gitarrist war sogar besonders begeistert, den eher lakonischen Winter zu treffen. Damals Ende der 60er war Perry einer der hungrigen jungen Wilden gewesen, die so bahnbrechende Winter-Alben wie THE PROGRESSIVE BLUES EXPERIMENT und SECOND WINTER aufsog und sich an dessen beseeltem Spiel orientierte, das er später in die Megahits der Bostoner Stadiumvernichter integrierte. „Johny hat mich wohl beeinflusst, seit ich 17 oder 18 war“, sagte der ungewöhnlich überschwängliche Perry. „Ich habe seine Musik schon immer geliebt.“ Hier ist das Protokoll ihrer Begegnung.

Ist das wirklich das erste Mal, dass sich eure Wege kreuzen?
Joe Perry: Dieses eine Mal, vor vielen Jahren, in der Academy of Music in New York 1972 – wir hatten noch nicht mal einen Manager – hatte [Winters ehemaliger Manager] Steve Paul von uns gehört uns sagte: „Ich habe diese Show mit Humble Pie und Edgar und Johnny Winter und ich gebe euch 20 Minuten, damit ich euch ansehen kann.“ Also spielten wir, und er lehnte uns ab. Johnny und ich sind uns an diesem Tag vielleicht im Flur aneinander vorbei gelaufen, aber das war’s wahrscheinlich.
Aber ich weiß noch, wie ich 1969 einen Auftritt von ihm in einem Bostoner Club namens Boston Tea Party sah. Das waren Johnny und Rick Derringer, eine echte Kickass-Rockband. Dieses Konzert brachte mich dazu, mir einen Bottleneck auf den Finger zu stecken. Und ich habe ihn seitdem nicht mehr abgenommen.

Ich denke, ihr seid im Herzen beide Blueser.
JP: Ich bin das soweit es eben geht. Johnny hat die echten Wurzeln und er hat mit vielen der Großen gespielt. Ich war eher die nächste Generation. Genau wie Johnny bin ich nur ein weiteres Glied dieser Kette. Die Sache beim Blues ist, dass man jeden Abend denselben Song spielen kann, und er ist jeden Abend anders. Für mich jedenfalls. Das haben wir dann in den Rock’n’Roll übernommen. Ich meine, wir haben Songs gemacht, die Pophits waren, kein Blues, aber ich habe versucht, dieses Gefühl mitzunehmen, sie jeden Abend zu einem neuen Stück zu machen. Das ist nicht der Blues an sich, aber man gibt ihm diese Plattform, man gibt ihm Eier. Das habe ich von Johnny gelernt, als ich sah, wie er seine Herz und seine Seele da hineinsteckte.

Johnny, wann wurde dir zuerst klar, dass du Blues spielen würdest?
Johnny Winter: Als ich mit zwölf Blues im Radio hörte, dachte ich: „Ich muss lernen, wie man so spielt, das ist cool.“ Er war einfach emotionaler, hatte mehr Gefühl als jede andere Musik, die ich je gehört hatte. Er gibt dir einfach ein gutes Gefühl. Ich liebe es immer noch, ihn zu hören, und ich liebe es immer noch, ihn zu spielen.

Was ist besser – erfolgreich zu sein oder hungrig?
JW: Ich mag Erfolg wesentlich lieber. (lacht)
JP: Ich habe gerne ein bequemes Bett und esse gern hin und wieder. Aber ich muss sagen, ich hatte einige meiner besten Zeiten damals, als wir noch kämpfen mussten.
JW: Das hat sehr viel Spaß gemacht, als man noch versuchte, es zu schaffen.
JP: Es ist diese Zeit, wenn Leute, die du nicht kennst, anfangen, zu deinen Shows zu kommen. Zuerst ruft man nur all seine Freunde an, damit sie in den Club kommen und der Besitzer glaubt, du hättest was am Laufen. Aber dann kommt dieser Abend, wenn du neue Gesichter im Publikum siehst und dir klar wird, dass du etwas hast, das sie hören wollen. Das ist ein tolles Gefühl.

Johnny, als du anfingst, warst du in anderen Kreisen unterwegs als Bands wie Aerosmith?
JW: Am Anfang nicht. Ich spielte lange Rock und R&B, bevor ich mit Blues begann. Bis die britischen Bands auf den Plan traten, wollten Weiße den Blues ja überhaupt nicht hören. Erst mit den Rolling Stones und John Mayall und so fingen die Weißen an, sich für den Blues zu interessieren. Ich spielte ihn also erst so ab 1967. Ich wollte nie ein Rockstar sein, es war nur so, dass Steve Paul mich nicht den Blues spielen ließ.

Wie reagierte das Publikum, als du dann damit anfingst?
JW: Es gab nur ein paar Orte, wo man ihn überhaupt spielen konnte. Ein Club namens Love Street Light Circus in Houston, und das Vulcan Gas Company in Austin. Mit dem Blues verdiente ich nicht mal ansatzweise so viel Geld. Es war eigentlich die Idee von meinem Schlagzeuger „Uncle“ John Turner. Ich wusste nicht, ob wir damit überhaupt Geld machen könnten. Und etwa ein Jahr lang taten wir das auch nicht. Man bezahlte uns 50 Dollar die Woche. Wir waren echt am Kämpfen, schliefen bei Leuten auf dem Boden und so. Und dann erschien ein Artikel über uns im „Rolling Stone“ und über Nacht war alles anders. Plötzlich spielten wir auf großen Festivals. Eine Woche zuvor waren wir noch vor 100 Leuten aufgetreten.

Gab es ein bestimmtes Konzert, bei dem dir klar wurde, dass du Erfolg hattest?
JW: Ich würde sagen, Woodstock. Das war der Punkt, wo ich dachte, dass wir es geschafft hatten. Da waren so viele Leute. Überall war Matsch und niemand wusste, wer wann spielte. Das war das totale Chaos. Wir mussten mit einem Hubschrauber abreisen, mit dem Auto wäre man nie dort weggekommen. Ich weiß noch, wie wir über die Menge hinweg flogen und ich dachte: „Sieh dir nur all die fucking Leute an“. Das war schon Wahnsinn.
JP: Wenn man sich die Karrieren der Bands ansieht, die in Woodstock spielten, war das die Show, mit der die meisten von ihnen landesweit berühmt wurden. Ich meine, Ten Years After hatten nur den einen Pfeil im Köcher, da steckte nicht viel dahinter, aber die Bands, die etwas zu bieten hatten, wurden durch Woodstock groß.

Warst du dort, Joe?
JP: Ich stehe nicht so auf Matsch. Ich hörte davon, ich wusste, dass es stattfand, aber ich blieb an dem Wochenende in New Hampshire. Wir wurden allerdings zur Jubiläumsshow eingeladen. Steven [Tyler, Aerosmith-Sänger] und Joey [Kramer, Schlagzeuger] waren beide dort. Sie erzählten davon, wie sie Trips nahmen und sich schmutzig machten, und ich dachte nur, bringt mich hin und holt mich wieder raus, ohne Matsch. Es war wirklich verrückt. Ein bisschen von der Atmosphäre von damals gab es, denke ich – viele Leute kamen mit Rucksäcken und Zelten –, aber da waren auch überall Coca-Cola-Symbole. Das hat den Vibe definitiv beeinträchtigt.

Konzern-Sponsoring hat den Rock’n’Roll vernichtet?
JP: So wie die Dinge gelaufen sind, denke ich, dass wir gerade das Ende einer echt coolen Ära erleben. Wir hatten Glück, das sehen zu können, Bands von echter Qualität in Clubs und Sälen in den 60ern und 70ern, und wir bezeugten, wie das alles wuchs und wuchs. Es ging nicht ums Geld, zumindest für die Musiker. Am Anfang verdiente niemand Geld daran, Platten zu machen. Man veröffentlichte sie, um seine Tour zu bewerben, und man tourte, um Platten zu verkaufen. Die Anwälte und Manager waren es, die Geld daran verdienten. Wir durften losziehen, spielen, Party machen und vögeln, und das war’s.

Johnny, ist der Lifestyle eines Bluesers derselbe wie der eines Rockstars?
JW: So ziemlich. Rockstars verdienen mehr Geld, nehmen mehr Drogen. Blues-Typen trinken in erster Linie und rauchen ein bisschen Gras. Sie nehmen nicht so viel Koks oder Heroin.

Hängst du lieber mit Bluesern ab?
JW: Oh ja. Sie sind viel freundlicher und viel gewillter, dir zu helfen.
JP: Blueser sind näher an der Straße, und an ihrem Publikum, sie kümmern sich weniger um die Charts und sowas. Das sind die Typen, mit denen ich gerne abhängen würde.

Nachruf: Jon Lord

jon lord* 09.06.1941 – 16.07.2012 †

Er war der Mann mit den zwei Gesichtern: Einerseits liebte Jonathan Douglas Lord die Barockmusik von Johann Sebastian Bach, schätzte den virtuosen Jazz des Hammond-Organisten Jimmy Smith. Ein klassisch trainierter Pianist, ein Gentleman und Schöngeist. Doch wenn er auf der Bühne bei ›Space Truckin’‹ seine Hammond-Orgel traktierte, ihr mittels mechanischer Stöße auf die Hallspirale krachende Geräusche entlockte und hochgradig virtuos solierte, dann war er zweifelsfrei ein Rocker, ungestüm und expressiv.

Seine Karriere begann bei der Jazzcombo von Saxophonist Bill Ashton, Mitte der 60er wechselte Lord zur Londoner R&B-Kapelle The Artwoods, geleitet von Ron Woods Bruder Arthur. Doch unsterblich machte er sich natürlich als Gründungsmitglied von Deep Purple, denen er zunächst von 1968 bis 1976 angehörte: In den Anfangstagen war er innerhalb der Band die musikalisch dominante Persönlichkeit, leitete Klassik/Rock-Experimente wie das CONCERTO FOR GROUP And Orchestra und brachte stilistische Hybride wie ›Anthem‹ und ›April‹ im Repertoire unter.

Ab 1970, als Gitarrist Ritchie BlackmoreGitarrist Ritchie BlackmoreGitarrist Ritchie Blackmore die Band verstärkt ins Hardrock-Fahrwasser steuerte, schwand sein Einfluss, doch seine mitunter klassisch angehauchten Solos und Melodien blieben ein Erkennungsmerkmal Deep Purples.

Experimentellere Arbeiten veröffentlichte er fortan auf Soloalben, etwa dem brillanten SARABANDE von 1975. Nach Deep Purples zwischenzeitigem Aus gehörte er von 1978 bis 1984 David Coverdales neuer Band Whitesnake an, in der sein großartiges Spiel jedoch nicht immer standesgemäß zur Geltung kam. Von 1984 bis 2003 begleitete er die reformierten Deep Purple.

Die Metamorphose der Hammond-Orgel vom Jazz- zum Rock-Instrument ist zu einem nicht unerheblichen Teil Jon Lords Verdienst, er erweckte „the beast“ mittels Verzerrung zum Leben, prägte damit nachhaltig die Klangästhetik der Rockmusik seit den 70ern: ein großartiger Musiker, dessen überaus kompetentes, ausdrucksstarkes Spiel Genregrenzen mühelos überwand. Jon Lord erlag am 16. Juli seinem langjährigem Krebsleiden, er wurde 71 Jahre alt. Seine Kunst ist jedoch unsterblich.

AC/DC: Doku-Snippet über BACK IN BLACK

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ACDC Back in Black DokuSeht hier, was Brian Johnson und Angus und Malcolm Young über ›You Shook Me All Night Long‹ zu erzählen haben.

Zur anstehenden Feier von 40 Jahren BACK IN BLACK haben AC/DC gestern Abend auf ihrem Youtube-Kanal einen Ausschnitt der Dokumentation über BACK IN BLACK hochgeladen.

Die kurze Passage handelt von der Entstehung von ›You Shook Me All Night Long‹ und lässt Malcolm und Angus Young sowie Brian Johnson zu Wort kommen. Das Snippet stammt von der Dokumentation, die erstmals 2004 zusammen mit einem Re-Release von BACK IN BLACK veröffentlicht wurde. Weitere Schnipsel der Doku sollen folgen.

In dem Clip erzählen AC/DC davon, wie Produzent Mutt Lange damals meinte, der Text würde zu viele Wörter enthalten. Malcolm bestand jedoch auf Brian Johnsons Lyrics, da es sich laut Angus in der reduzierten Version nach einem „Folk Rock Song“ angehört hatte.

Zum 40. Jubiläum von BACK IN BLACK steht vom 20.07. bis zum 26.07. auch bei CLASSIC ROCK alles unter dem Stern des meistverkauften Rockalbums aller Zeiten. Auf www.classicrock.net, unserer Facebokseite und bei Instagram (@classicrockmagazin) wird es täglich Stories, Features, Erzählungen und Videos rund um BACK IN BLACK geben.

Vor wenigen Minuten haben AC/DC übrigens diesen Live-Mitschnitt von ›What Do You Do For Money Honey‹ in Tokyo auf ihrem Youtube-Kanal veröffentlicht. Auf Instagram rufen sie ihre Fans dazu auf, mit dem Hashtag #backinblack40 ihre schönsten BACK-IN-BLACK-Erinnerungen zu posten.

Black Sabbath: Tony Iommi über Live-Aid-Gig

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Gitarrist Tony Iommi erinnert sich zurück an eine aufregende Show bei Live Aid im Jahr 1985.

Pünktlich zum 35. Jubiläum von Live Aid erinnert sich Tony Iommi an seine Reunion-Show mit Black Sabbath zurück. Gegenüber SiriusXM erwähnte der Gitarrist das Zusammenspiel mit Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward im John F. Kennedy Stadion in Philadelphia.

Zuletzt hatten Black Sabbath damals im Jahr 1978 miteinander musiziert, bevor Ozzy Osbourne die Band verlassen musste. Iommi dazu: „Es war toll, wieder mit den Jungs zu spielen. Wobei es natürlich ein wenig surreal war, weil ich eigentlich gerade im Studio war, um zu arbeiten. So etwas haben wir noch niemals zuvor gemacht. Eigentlich haben wir für Shows immer ordentlich geprobt, aber für Live Aid haben wir nur einmal kurz eine Stunde miteinander gespielt und waren am nächsten Tag direkt auf der Bühne.“

Weiter führte er in dem Radio-Interview aus: „Das war schon nervenaufreibend, weil man überhaupt nicht wusste, ob mit dem Equipment alles klappt. Außerdem waren wir ja schon so lange nicht mehr zusammen auf einer Bühne. Das war eher nach dem Motto „Augen zu und durch“ und dann musste man sehen, was geschehen würde.“

Bei ihrem Auftritt bei Live Aid spielten Black Sabbath ›Children Of The Grave‹, ›Iron Man‹ und ›Paranoid‹.

Rock und Klassik: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Symbiose

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Concerto For Group and OrchestraRock und Klassik – zwei Musikrichtungen, die nur für den unkundigen Betrachter nicht viel gemeinsam haben. Denn wer genauer hinsieht, entdeckt schnell, dass diese nicht nur einmal in der Geschichte eine interessante Symbiose gebildet haben.

Musik in ihrer reinsten Form ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch im Laufe der Geschichte hat sie sich weiterentwickelt. Sie ist komplexer geworden. Neue Instrumente kamen hinzu. Noten wurden erfunden. Verschiedene Stilrichtungen haben sich entwickelt. Heutzutage gibt es somit eine Vielzahl an Musikrichtungen, wobei Klassik und Rock zwei scheinbare Gegensätze darstellen. Aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

Konzertreihe „Rock meets Classic“ sprengt die Grenzen

Rock meets Classic – bei diesen Worten denken die meisten Menschen direkt an eine der berühmtesten Konzertreihen in Deutschland. Ins Leben gerufen wurde diese im Jahr 1992 mit einer interessanten Grundidee: Ein Symphonieorchester und eine Band spielen gemeinsam die größten Hits der Rockgeschichte. Anstatt die Songs lediglich nachzuspielen oder in instrumentaler Form zu interpretieren, werden sie bei „Rock meets Classic“ mitunter von den originalen Interpreten gesungen. Mittlerweile handelt es sich bei der Konzertreihe um eine Neuauflage, doch an Beliebtheit hat diese trotzdem nicht eingebüßt. Im Gegenteil: Viele große Namen standen mittlerweile im Rahmen dieses Projektes auf deutschen sowie österreichischen Bühnen, darunter Ian Gillan von Deep Purple, Scott Gorham und Ricky Warwick von Thin Lizzy sowie bereits mehrfach Alice Cooper. Außer Frage steht somit, dass die Mischung von Rock und Klassik funktionieren kann. Doch das ist nicht erst seit „Rock meets Classic“ der Fall.

Das legendäre CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA

Die Konzertreihe war nämlich keinesfalls die erste Gelegenheit, bei der die Musiker von Deep Purple eine Symbiose aus Rock und Klassik gewagt haben. Ganz im Gegenteil: Ihr CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA unter der Federführung von Jon Lord gilt als eines der legendärsten Live-Alben der Musikgeschichte. Das Concerto selbst wurde von Jon Lord geschrieben, die Texte stammen jedoch von Ian Gillan. Heraus kam ein Konzert, das teilweise durch das Orchester und teilweise durch die Gruppe einzeln aufgeführt wurde – jedoch auch in mehreren gemeinsamen Arrangements. Die Erstaufführung fand am 24. September 1969 statt, und zwar in der Royal Albert Hall mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Im gleichen Jahr wurde das CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA von Deep Purple aufgenommen.

Im Anschluss an die zweite Aufführung in der Hollywood Bowl im Jahr 1970 gingen die Partituren verloren. Scheinbar sollte das Concerto somit ein unerwartetes Ende finden. Doch am 25. und 26. September 1999 war die Partitur endlich rekonstruiert und bereit, um erneut in der Royal Albert Hall aufgeführt zu werden. Knapp vier Jahre später erschien eine DVD der ursprünglichen TV-Ausstrahlung und im Jahr 2012 schließlich die Studioversion des Concertos.



Wie die Kontraste zu einer Einheit werden können…

…so lautete die Herausforderung bei Projekten wie dem CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA oder der Konzertreihe „Rock meets Classic“. Eine Frage, die viele Musiker und Komponisten bereits beschäftigt hat. Deep Purple und Jon Lord haben vorgemacht, wie es funktionieren kann: Während die Band und das Orchester im ersten Satz noch als individuelle Einheiten auftreten und somit Antagonisten darstellen, werden sie im zweiten Satz zunehmend zu einem großen Ganzen. Heraus sticht dabei der Gesang, wobei sich Band und Orchester langsam musikalisch vereinen, bis kaum noch Unterschiede auszumachen sind. Was es dafür braucht, ist jedoch moderne Technik, zumindest hinsichtlich der Instrumente.

Heute, da viele klassische Instrumente wie das Piano auch in elektronischer Form verfügbar sind, eröffnet das für die musikalische Symbiose aus Rock und Klassik neue Möglichkeiten.

Procol Harum und ihr Hang zur Klassik

Dass ein einiges an Know-How erforderlich ist, macht noch ein weiteres Beispiel deutlich: Gary Brooker von Procol Harum ist bekannt für seine Liebe zur Klassik. Schon als Kind hat er eigenen Aussagen zufolge Klavier gespielt – und dabei auch die Klassik kennen- und lieben gelernt. Im frühen Jugendalter hörte er vor allem Bach, Beethoven, Händel und Tschaikowsky. Musik, die ihn bis zu seinem Durchbruch und darüber hinaus geprägt hat. Bis heute hat wohl kein anderer Song die Symbiose aus Klassik und Rock so fließend verkörpert wie ›A Whiter Shade Of Pale‹, dessen Orgel-Part an Johann Sebastian Bach angelehnt ist.

King Crimson zwischen Klassik und Prog Rock

Nur kurze Zeit später erschienen King Crimson auf der Bildfläche. Gegründet im Jahr 1968, gelten die Briten als berühmteste Vertreter des Prog Rock. Neben dem Einflechten vieler unterschiedlicher Musikstile durften auch klassische Einflüsse nicht fehlen. IN THE COURT OF THE CRIMSON KING von 1969 ist ein echter Meilenstein, wobei King Crimson die Klassik eher subtil in die eigenen Werke eingebracht hat: Weniger durch Anlehnungen oder Bearbeitungen, sondern mehr durch die Wahl der Instrumente. Von der Oboe über die Klarinette bis hin zum Violonello finden sich in ihren Songs allerhand „stilfremde“ Elemente – und zwar in ihrer klassischen Form, im Gegensatz zur oftmals bevorzugten elektronischen Variante.

in The Court Of King Crimson

Es sind noch weitere Parallelen zur Klassik erkennbar, wenn es um die Alben von King Crimson ging. Vor allem die Merkmale der klassischen Musik im 20. Jahrhundert scheinen immer wieder durch, beispielsweise in erkennbaren Spannungsbögen oder mehrteiligen Zyklen. Vor Experimenten ist die Band während ihres 50-jährigen Bestehens nie zurückgescheut. Und damit ist sie nicht alleine.

Weitere bekannte Namen

Procol Harum und King Crimson, ebenso wie Deep Purple und die Konzertreihe „Rock meets Classic“, sind nur einige Beispiele von vielen. Diese Vorreiter haben fast schon einen Trend losgetreten und somit wurde vor allem in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Rock`n`Roll mit Klassik verbunden – auf verschiedenste Art und Weise. Es handelt sich um eine Liste voller bekannter Namen: Jethro Tull, Emerson, Lake & Palmer, Ritchie Blackmore, Led Zeppelin, Metallica und natürlich auch die Beatles sind hierauf zu finden. Denn gerade aufgrund ihrer Verschiedenheiten ist die Mischung aus Klassik und Rock bis heute so interessant.

Was machen eigentlich Glass Tiger?

Glass TigerJa, gute Frage. Was treiben eigentlich Glass Tiger heute so?

„Definitiv besser als Bingo!“ Das soll die 95-jährige Jean Savage laut CBC Radio Canada gesagt haben, als Glass Tiger ihr letztes Jahr ein privates Ständchen im Seniorenheim gaben und ›Someday‹ performten. Ganz so alt wie ihr Fan sind die kanadischen Rocker natürlich nicht, können aber mit Unterbrechungen auf weit über drei Dekaden Bandgeschichte zurückblicken.

Nachdem 1983 aus der Barband Tokyo in Ontario die Combo Glass Tiger wurde, fiel der Startschuss für eine fulminante Karriere. Das drei Jahre später veröffentlichte und von Jim Vallance produzierte Erstwerk THE THIN RED LINE erreichte in der Heimat Vierfach-Platin-Status und in den benachbarten USA Gold. ›Don’t Forget Me (When I’m Gone)‹ mit einem Gastauftritt von Bryan Adams und ›Someday‹ schafften den Sprung in die Top 10 der US-Charts.

Insgesamt wurden fünf erfolgreiche Singles ausgekoppelt und das Album ging als das sich am schnellsten verkaufendste Debüt in die kanadische Musikgeschichte ein. Gleich drei JunoAwards gab es obendrein. Ein Jahr später folgten zwei weitere sowie eine GrammyNominierung in der Kategorie „Best New Artist“. Große Tourneen in Amerika, u. a. im Vorprogramm von Tina Turner, waren die Folge. Das Follow-up DIAMOND SUN mit dem kanadischen Nummer-2-Hit ›I’m Still Searching‹ räumte dreimal Platin ab, SIMPLE MISSION Anfang der 90er „nur“ noch einmal. Nach einer zehnjährigen Auszeit gingen Glass Tiger 2003 mit einem neuen Schlagzeuger wieder an den Start und auf Tour. So auch 2012 zusammen mit Roxette. 2015 bremste ein Schlaganfall Sänger Alan Frew unfreiwillig aus. 2018 erschien die Werkschau 31 mit Neuaufnahmen alter Klassiker. Fun fact: Der Release war unter dem Titel 30 eigentlich schon früher, nämlich zum runden Jubiläum des Debüts, geplant.

Letztes Jahr gab es dann mit dem Album THIRTY THREE neue Songs. Unterwegs ist man auch wieder, zusammen mit Landsmann Corey Hart. Auch für dieses Jahr sind (bzw. waren) Auftritte geplant, so will der gläserne Tiger im November auf das „H.E.A.T“-Festival in Ludwigsburg springen. Laut Kommentaren auf der Facebook-Seite der Band sind weitere deutsche Termine geplant. Vergangene Weihnachten ging es mit dem John-Lennon-Cover ›Happy Xmas (War Is Over)‹ in englischer und französischer Sprache zwar eher besinnlich zu, der Song kletterte jedoch bis auf Platz 1. Eine rein englische Version ist für heuer geplant. Zusammen mit weiteren Weihnachtsklassikern, denn laut Manager Andrew Turner arbeite man gerade an einer „Holiday EP“. Aktuell gibt es aber erst mal die Kollaboration mit den kanadischen Elektronikern Pineo & Loeb namens ›This Is Your Life‹ feat. Rock-Landsmann Matt Mays. Trotzdem schon mal frohes Fest!