Rock und Klassik: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Symbiose

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Rock und Klassik: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Symbiose

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Concerto For Group and OrchestraRock und Klassik – zwei Musikrichtungen, die nur für den unkundigen Betrachter nicht viel gemeinsam haben. Denn wer genauer hinsieht, entdeckt schnell, dass diese nicht nur einmal in der Geschichte eine interessante Symbiose gebildet haben.

Musik in ihrer reinsten Form ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch im Laufe der Geschichte hat sie sich weiterentwickelt. Sie ist komplexer geworden. Neue Instrumente kamen hinzu. Noten wurden erfunden. Verschiedene Stilrichtungen haben sich entwickelt. Heutzutage gibt es somit eine Vielzahl an Musikrichtungen, wobei Klassik und Rock zwei scheinbare Gegensätze darstellen. Aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

Konzertreihe „Rock meets Classic“ sprengt die Grenzen

Rock meets Classic – bei diesen Worten denken die meisten Menschen direkt an eine der berühmtesten Konzertreihen in Deutschland. Ins Leben gerufen wurde diese im Jahr 1992 mit einer interessanten Grundidee: Ein Symphonieorchester und eine Band spielen gemeinsam die größten Hits der Rockgeschichte. Anstatt die Songs lediglich nachzuspielen oder in instrumentaler Form zu interpretieren, werden sie bei „Rock meets Classic“ mitunter von den originalen Interpreten gesungen. Mittlerweile handelt es sich bei der Konzertreihe um eine Neuauflage, doch an Beliebtheit hat diese trotzdem nicht eingebüßt. Im Gegenteil: Viele große Namen standen mittlerweile im Rahmen dieses Projektes auf deutschen sowie österreichischen Bühnen, darunter Ian Gillan von Deep Purple, Scott Gorham und Ricky Warwick von Thin Lizzy sowie bereits mehrfach Alice Cooper. Außer Frage steht somit, dass die Mischung von Rock und Klassik funktionieren kann. Doch das ist nicht erst seit „Rock meets Classic“ der Fall.

Das legendäre CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA

Die Konzertreihe war nämlich keinesfalls die erste Gelegenheit, bei der die Musiker von Deep Purple eine Symbiose aus Rock und Klassik gewagt haben. Ganz im Gegenteil: Ihr CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA unter der Federführung von Jon Lord gilt als eines der legendärsten Live-Alben der Musikgeschichte. Das Concerto selbst wurde von Jon Lord geschrieben, die Texte stammen jedoch von Ian Gillan. Heraus kam ein Konzert, das teilweise durch das Orchester und teilweise durch die Gruppe einzeln aufgeführt wurde – jedoch auch in mehreren gemeinsamen Arrangements. Die Erstaufführung fand am 24. September 1969 statt, und zwar in der Royal Albert Hall mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Im gleichen Jahr wurde das CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA von Deep Purple aufgenommen.

Im Anschluss an die zweite Aufführung in der Hollywood Bowl im Jahr 1970 gingen die Partituren verloren. Scheinbar sollte das Concerto somit ein unerwartetes Ende finden. Doch am 25. und 26. September 1999 war die Partitur endlich rekonstruiert und bereit, um erneut in der Royal Albert Hall aufgeführt zu werden. Knapp vier Jahre später erschien eine DVD der ursprünglichen TV-Ausstrahlung und im Jahr 2012 schließlich die Studioversion des Concertos.



Wie die Kontraste zu einer Einheit werden können…

…so lautete die Herausforderung bei Projekten wie dem CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA oder der Konzertreihe „Rock meets Classic“. Eine Frage, die viele Musiker und Komponisten bereits beschäftigt hat. Deep Purple und Jon Lord haben vorgemacht, wie es funktionieren kann: Während die Band und das Orchester im ersten Satz noch als individuelle Einheiten auftreten und somit Antagonisten darstellen, werden sie im zweiten Satz zunehmend zu einem großen Ganzen. Heraus sticht dabei der Gesang, wobei sich Band und Orchester langsam musikalisch vereinen, bis kaum noch Unterschiede auszumachen sind. Was es dafür braucht, ist jedoch moderne Technik, zumindest hinsichtlich der Instrumente.

Heute, da viele klassische Instrumente wie das Piano auch in elektronischer Form verfügbar sind, eröffnet das für die musikalische Symbiose aus Rock und Klassik neue Möglichkeiten.

Procol Harum und ihr Hang zur Klassik

Dass ein einiges an Know-How erforderlich ist, macht noch ein weiteres Beispiel deutlich: Gary Brooker von Procol Harum ist bekannt für seine Liebe zur Klassik. Schon als Kind hat er eigenen Aussagen zufolge Klavier gespielt – und dabei auch die Klassik kennen- und lieben gelernt. Im frühen Jugendalter hörte er vor allem Bach, Beethoven, Händel und Tschaikowsky. Musik, die ihn bis zu seinem Durchbruch und darüber hinaus geprägt hat. Bis heute hat wohl kein anderer Song die Symbiose aus Klassik und Rock so fließend verkörpert wie ›A Whiter Shade Of Pale‹, dessen Orgel-Part an Johann Sebastian Bach angelehnt ist.

King Crimson zwischen Klassik und Prog Rock

Nur kurze Zeit später erschienen King Crimson auf der Bildfläche. Gegründet im Jahr 1968, gelten die Briten als berühmteste Vertreter des Prog Rock. Neben dem Einflechten vieler unterschiedlicher Musikstile durften auch klassische Einflüsse nicht fehlen. IN THE COURT OF THE CRIMSON KING von 1969 ist ein echter Meilenstein, wobei King Crimson die Klassik eher subtil in die eigenen Werke eingebracht hat: Weniger durch Anlehnungen oder Bearbeitungen, sondern mehr durch die Wahl der Instrumente. Von der Oboe über die Klarinette bis hin zum Violonello finden sich in ihren Songs allerhand „stilfremde“ Elemente – und zwar in ihrer klassischen Form, im Gegensatz zur oftmals bevorzugten elektronischen Variante.

in The Court Of King Crimson

Es sind noch weitere Parallelen zur Klassik erkennbar, wenn es um die Alben von King Crimson ging. Vor allem die Merkmale der klassischen Musik im 20. Jahrhundert scheinen immer wieder durch, beispielsweise in erkennbaren Spannungsbögen oder mehrteiligen Zyklen. Vor Experimenten ist die Band während ihres 50-jährigen Bestehens nie zurückgescheut. Und damit ist sie nicht alleine.

Weitere bekannte Namen

Procol Harum und King Crimson, ebenso wie Deep Purple und die Konzertreihe „Rock meets Classic“, sind nur einige Beispiele von vielen. Diese Vorreiter haben fast schon einen Trend losgetreten und somit wurde vor allem in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Rock`n`Roll mit Klassik verbunden – auf verschiedenste Art und Weise. Es handelt sich um eine Liste voller bekannter Namen: Jethro Tull, Emerson, Lake & Palmer, Ritchie Blackmore, Led Zeppelin, Metallica und natürlich auch die Beatles sind hierauf zu finden. Denn gerade aufgrund ihrer Verschiedenheiten ist die Mischung aus Klassik und Rock bis heute so interessant.

1 Kommentar

  1. Wenn man schon auf Rock und Klassiksymbiosen eingeht, sollte man aber auch auf wichtige Platten hinweisen. Procol Harum ist nicht nur “ A whiter Shade of pale“. Interessant ist die Platte „Procol Harum live with the Edmonton Symphony Orchestra “ aus dem Jahr 1972. Auch darf man nicht die frühen Platten von Barclay James Harvest oder Moody Blues vergessen !

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