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Cordovas – DESTINY HOTEL

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Moderne Country-Platte

Seine musikalische Karriere startete Cordovas-Kopf Joe Firstman (bürgerlicher Name: Joseph Mark Fuerstman) bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends, als er, noch blutjung, direkt einen Majordeal an Land ziehen konnte. Das Debüt von 2003, WAR OF WOMEN, konnte das Label leider nicht überzeugen, der Deal war direkt wieder weg. Drei weitere Soloausflüge folgten, ehe er vor neun Jahren Cordovas gründete. Deren Erstling erschien 2011 in Eigenregie und wurde sechs Jahre später einfach nochmal veröffentlicht, diesmal mit einer Plattenfirma im Rücken. Bereits im Folgejahr stand mit THAT SANTA FE CHANNEL der gelungene Nachfolger im Regal, zwei Jahre später folgt nun das Drittwerk DESTINY HOTEL. In einem Vorort unweit von Nashville, Tennessee, probt die Band auf einem Bauernhof, auf dem auch alle Mitglieder wohnen. Für DESTINY HOTEL verbrachten Cordovas mehr als drei Monate in ihrer zweiten Heimat Todos Santos (einer Künstlergemeinschaft auf der mexikanischen Halbinsel Baja California) und schrieben Dutzende von Liedern, die zum Teil von ihrer unersättlichen Lektüre von Autoren wie dem Mythologen Joseph Campbell, dem Dichter/Romancier Rainer Maria Rilke und dem spirituellen Lehrer Eckhart Tolle inspiriert wurden. Produziert von Rick Parker (Lord Huron, Beck, Black Rebel Motorcycle Club), erweitert DESTINY HOTEL den mit Harmonie durchtränkten Roots-Rock von THAT SANTA FE CHANNEL um einen Mix aus Folk und Country sowie Groove-lastigem Rock’n’Roll.

Der Opener ›High Feeling‹ (mit einer zusätzlichen Produktion, Gitarren und Mixing von Adrian Quesada sowie Backing Vocals von Angela Miller und Lauren Cervantes, alle von den Black Pumas) zählt mit Sicherheit zu den schönsten Feelgood-Songs des Jahres, auch wenn der Sommer jetzt leider vorbei ist.

7 von 10 Punkten

Cordovas, DESTINY HOTEL, ATO/PIAS/ROUGH TRADE

Fish – WELTSCHMERZ

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Groß gedacht

Und ich bleibe dabei: Ohne den Ausstieg von Fish bei Marillion vor mehr als 30 Jahren wäre diese
Welt heute um eine Superstar-Truppe reicher. Als charismatischer Geschichtenerzähler war er für die seinerzeit kommerziell ausgerichtete Band das perfekte Puzzle zu einem Gesamtbild, dem sich, der Mona Lisa gleich, niemand hatte entziehen können. Das narrative Element des eigenwilligen Schotten hat zum Glück bis in die Gegenwart und somit bis auf sein neuestes Werk WELTSCHMERZ überlebt. Fish ist ein Schamane, ein Magier und archaischer Influencer der modernen Rockmusik, einer, der jede Silbe auf die Goldwaage legt und am Ende mit vollen Händen erntet. WELTSCHMERZ hat zwar auch seine sperrigen Momente, seine Widerhaken und Widersprüche. Aber genau davon lebt diese Musik, lebt auch Fish, dessen poetische Texte das Zünglein an der Waage zwischen Klein- und großer Kunst sind.

Gut möglich, dass die Welt Marillions für den innovativen Fish tatsächlich zu klein war, und dass es Stücke wie ›The Grace Of God‹, ›Man With A Stick‹ oder ›Garden Of Remembrance‹ mi t ihren versteckten Worldmusic-Hinweisen und rhythmischen Besonderheiten sind, die den britischen Hünen zufriedenstellen. Mich beeindruckt der Mann nach wie vor!

9 von 10 Punkten

Fish, WELTSCHMERZ, CHOCOLATE FROG COMPANY

Text: Matthias Mineur

Jeff Beck – BLOW BY BLOW/WIRED

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Jeff goes Jazz-Fusion: zwei instrumentale Meilensteine aus den Mittsiebzigern von Maestro Beck

Ein ganz schönes Wirrwarr, das Jeff Beck da noch nach Dekaden verursacht: Seit der britische Gitarrenvirtuose 1966 The Yardbirds den Rücken kehrte, lief die Karriere seltsam gedrosselt, stets ein wenig neben der Spur und häufig von plötzlichen Hindernissen bedroht. Offiziell gilt das nach Auflösung der Hardrock-Supergroup Beck, Bogert & Appice vom ehemaligen Beatles-Produzenten George Martin 1975 beaufsichtigte BLOW BY BLOW in
dem ikonischen Cover – es zeigt den Meister höchstselbst mit einer Gibson Les Paul im Anschlag – als Becks zweites Solowerk. Tatsächlich aber erweist sich die erste US-Platin-Scheibe Becks als sein Solodebüt. Zwar lief 1968 TRUTH, jene mit Rod Stewart, Ron Wood und Micky Waller eingespielte Blaupause des britischen Hardrock-Blues, auch als Solo-LP, doch eigentlich wirkte hier inoffiziell schon die Jeff Beck Group Mark 1. Nach einer Zwangspause aufgrund einer längeren Rekonvaleszenz infolge eines schweren Verkehrsunfalls schloss sich 1971/72 eine völlig umbesetzte JBG Mark 2 an. Dass ausgerechnet das rein instrumentale BLOW BY BLOW im funky Jazz-Fusion-Modus sich derart hoch in den US-LP-Charts (#4) platzieren würde, war nicht vorhersehbar. Mit einer Mixtur aus Selbstgestricktem von Beck im Gespann mit Langzeitwegbegleiter Max Middleton (Klavier, Keyboards) sowie geschmackvoll arrangierten Coverversionen (›She’s A Woman‹ von den Beatles sowie zwei Songs von Studiogast Stevie Wonder) gelang das Husarenstück. Ein Konzept, das ein Jahr später auch den US-Platin-Nachfolger WIRED auszeichnete – anstatt mit einer Les Paul hantiert Beck nun mit einer weißen Fender Stratocaster. Mit den Neuzugängen Jan Hammer (Synthesizer, Produktion), Wilbur Bascomb (Bass) sowie dem Drum-Dreigestirn Narada Michael Walden, Richard Bailey und Ed Greene drangen Beck und Middleton erneut unter der Ägide von George Martin noch tiefer in die Jazz-Fusion-Materie ein. Wobei Walden vier von acht Songs lieferte, Hammer, Bascomb und Middleton jeweils einen beisteuerten und sich der Jazz-Klassiker ›Goodbye Pork Pie Hat‹ von Charles Mingus als Coverversion daruntermischte. Beide Beck’schen Meilensteine liegen als 180-Gramm-Vinyl neu auf.

10 von 10 Punkten

Jeff Beck, BLOW BY BLOW, EPIC/SONY

10 von 10 Punkten

Jeff Beck, WIRED, EPIC/SONY

Bruce Springsteen: Neue Single ›Ghosts‹

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Vom kommenden Album LETTER TO YOU koppelt der Boss heute eine neue Single aus.

Erst kürzlich kündigte Bruce Springsteen überraschend sein neues Album LETTER TO YOU an, das er zusammen mit der E Street Band aufgenommen hat und welches am 23. Oktober erscheint.

Nachdem am 10. September bereits der Titeltrack der Platte veröffentlicht wurde, legt der Boss nun mit einer zweiten Single namens ›Ghosts‹ nach.

„Ghosts‘ handelt von der Freude, in einer Band zu spielen“, so Springsteen, „aber gleichzeitig auch von dem Schmerz, wenn man Freunde durch Krankheit und Tod verliert. ‚Ghosts‘ handelt von der Magie der Musik, einer Magie, die niemand besitzt, die man nur gemeinsam mit Anderen entdecken und erfahren kann. Diese Magie, diesen Soul, dieses Herzblut spüren wir gemeinsam in der E Street Band.“

LETTER TO YOU wird nicht nur neun neue Songs enthalten, sondern auch drei Neu-Aufnahmen von bisher unveröffentlichten Liedern aus den Siebzigerjahren: ›Janey Needs A Shooter‹, ›If I Was The Priest‹ und ›Songs For Orphans‹. Als Musiker waren Roy Bittan, Nils Lofgren, Patti Scialfa, Garry Tallent, Stevie Van Zandt, Max Weinberg, Charlie Giordano und Jake Clemons mit an Bord, produziert wurde das Album von Ron Aniello und Bruce Springsteen selbst, gemischt von Bob Clearmountain, gemastert von Bob Ludwig.

Nirvana: NEVERMIND

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nirvanaAm 24. September 1991 erschien Nirvanas NEVERMIND. Ein Album, das die Musikgeschichte nachhaltig veränderte.

Nur kurz nachdem Nirvana 1991 ihr zweites Album Nevermind veröffentlicht hatten, brachen weltweit unfassbare Plattenverkäufe über die Proto-Grunge-Band herein. In den Staaten verdrängte die Truppe aus Seattle Michael Jackson von der Nummer 1 der Albumcharts.

Sanfte Passagen wechselten sich auf NEVERMIND mit knüppelharten Parts ab, textlich gesehen sprach Kurt Cobain einer Jugend aus der Seele, die sich zunehmend entkoppelt von ihrer Umgebung fühlte. Das wahrscheinlich krasseste Stück auf NEVERMIND ist wohl ›Polly‹, ein Song, der aus der Sicht eines Vergewaltigers geschriebenn ist und Bezug nimmt auf ein Verbrechen, das 1987 in Tacoma geschah. Im Laufe seiner Karriere beschäftigten Kurt Cobain Gewalt gegenüber und Unterdrückung von Frauen wiederholt.

Nirvana hatten mit NEVERMIND einen Welle losgetreten, die dem damals eh schon aus dem letzten Loch pfeifenden Hair und Glam Metal endgültig den Garaus machte.

Am 10. September 1991 veröffentlichten Nirvana die erste Single aus ihrem Album. ›Smells Like Teen Spirit‹ sollte als massentauglicher Startschuss der weltweiten Grunge-Bewegung in die Geschichte eingehen. So wurde beispielsweise das offizielle Video dazu zu einem der meistgespielten Clips auf MTV.

Neben diesem Video, dessen apokalyptische Szenerie ein Konzert von Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl in der Turnhalle einer Anarcho-Highschool zeigt, blieb ein weiterer TV-Moment der „Teenage-Angst“-Hymne ganz besonders im Gedächtnis:

Als die drei Grunge-Ikonen am 25. November ’91 in der britischen Chartshow „Top Of The Pops“ eine Halb-Playback-Performance absolvieren sollen, zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Mainstream und Rebellion, in dem sich die Band zu diesem Zeitpunkt wie keine andere befand.

Auf Platz neun in die Charts eingestiegen, sabotieren Nirvana den Auftritt, tun nicht einmal so, als würden sie ihre Instrumente spielen und Cobain brummt gelangweilt den Text eine Oktave tiefer – und verändert dabei gleich die Anfangszeile: Aus “load up on guns, bring your friends” macht er “load up on drugs, kill your friends” – und die Kids lieben es!

Seht hier Nirvana mit ›Smells Like Teen Spirit‹ bei „Top Of The Pops“ 1991:

Bruce Springsteen: Seine 15 besten Songs der 80er

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Bruce Springsteen The RiverBereits in den 70ern hatte sich Bruce Springsteen mit Großtaten wie ›Born To Run‹ und ›Badlands‹ in die Rockgeschichte eingeschrieben. Doch es war das folgende Jahrzehnt, das ihn zum Superstar machte. Der Mann aus New Jersey veröffentlichte vier Alben voller Songs, in denen er die Seele Amerikas und die Abgründe der Liebe erkundete. Hier kommen ein paar besonders gelungene Exemplare.

15. Valentine’s Day

Springsteens religiös aufgeladener, von Naturmystik beseelter Abschied von den 80ern. Zu hypnotischer, akustischer Gitarrenbegleitung fährt der Erzähler allein auf einem gespenstischen Highway durch die Nacht. Er denkt an einen Freund, der gerade Vater geworden ist, und an das Leuchten in dessen Stimme, als er zuletzt mit ihm gesprochen hat. Sein Herz droht zu zerspringen, wie er da so unterwegs ist, er ist getrieben von der Angst davor, einsam zu sein, „and it ain’t gonna stop till I’m alone again with you“. Der Verlust seiner Geliebten wäre der Tod für ihn. Am Ende steht die alles entscheidende romantische Bitte: „So hold me close, honey, say you’re forever mine/And tell me you’ll be my lonely valentine.“
Erschienen auf: TUNNEL OF LOVE (1987)

14. Bobby Jean

Ob nun als Abschiedsbotschaft an den damals scheidenden, heute längst zurückgekehrten E-Street-Band-Gitarristen Steven Van Zandt gemeint oder nicht: Auf jeden Fall ist ›Bobby Jean‹ eine wunderbar sentimentale, nostalgische Hymne auf die Freundschaft, mit Glockenspiel, Synthesizer-Fanfaren und Max Weinbergs wuchtigen Drums. „Now you hung with me when all the others/Turned away, turned up their noses/We liked the same music, we liked the same bands/We liked the same clothes.“ Gern hätte der Held noch ein letztes Mal mit dem verschwundenen Freund beziehungsweise der Freundin gesprochen, da ihm das nicht mehr vergönnt war, hat er eben einen Song geschrieben, „not to change your mind, but just to say I miss you baby/Good luck, goodbye, Bobby Jean“. Wenn Clarence Clemons am Ende zu seinem Saxofonsolo ansetzt, möchte man weinen.
Erschienen auf: BORN IN THE U.S.A. (1984)

13. Tunnel Of Love

Der musikalisch ambitionierteste Track der gleichnamigen LP – dank Synthesizern und Soundeffekten, darunter die realen Geräusche einer Achterbahn in Pt. Pleasant Beach, New Jersey. Der Sänger nutzt ein Jahrmarkts-Spiegelkabinett als Metapher für die Ehe. Ein Mann und eine Frau kaufen Tickets für eine Fahrt in den „Tunnel Of Love“. Auf einmal gehen die Lichter aus, und dann sind da nur noch „you, me and all that stuff we’re so scared of“. Die beiden lachen einander an, doch ihr Lachen wird durch einen Zerrspiegel reflektiert. „There’s a room of shadows that gets so dark brother/It’s easy for to people to lose each other/In this tunnel of love.” Es gehe darum, „was es bedeutet, eine andere Person wirklich in sein Leben zu lassen und zu versuchen, Teil des Lebens eines anderen zu sein“, so Springsteen.
Erschienen auf: TUNNEL OF LOVE (1987)

12. My Hometown

Ein ruhiges, nachdenkliches, autobiografisch gefärbtes Stück. Zu Beginn denkt der Erzähler daran zurück, als er acht Jahre alt war und auf dem Schoß des Vaters sitzend einen alten Buick durch die Straßen seiner Heimat lenkte. Stolz schwingt mit, als sein Vater ihm erklärt: „Son take a good look around/This is your hometown.“ Drei Strophen später ist es dann der Erzähler selbst, der seinen Sohn durch die Stadt kutschiert – unter veränderten Vorzeichen. Wie in Springsteens eigenem Herkunftsort Freehold hat es Rassenunruhen gegeben, Fabriken mussten dichtmachen, die Geschäfte an der ehemals belebten Hauptstraße stehen leer. Es herrscht Tristesse. Am Ende der Platte stehend, ist ›My Hometown‹ der letzte Pinselstrich im Bild eines verwundeten Amerika inmitten der Reagan-Ära, das Springsteen in BORN IN THE U.S.A. zeichnet.
Erschienen auf BORN IN THE U.S.A. (1984)

11. Nebraska

Springsteen nahm das gleichnamige Album auf einem Kassettenrekorder in seinem eigenen Schlafzimmer auf. Die gespenstische akustische Atmosphäre der Heimaufnahmen passt perfekt zu den lakonischen Songs. „Auf der Platte ging es um Leute, die von ihrer Arbeit isoliert sind, von ihren Freunden, ihrer Familie, ihren Vätern und Müttern, die zu nichts eine wirkliche Beziehung haben“, erklärte Springsteen einmal in einem Interview. Wenn man diesen Gemeinschaftssinn verliere, „katapultiert es dich irgendwohin, wo nichts mehr zählt“. Dieser Nihilismus drückt sich nirgends so sehr aus wie in ›Nebraska‹. Erzählt wird die wahre Geschichte von Charles Starkweather, der Ende der 50er zehn Menschen ermordete. Die Ausdruckslosigkeit in Springsteens Stimme, verbunden mit der ruhigen Gitarre und dem Glockenspiel, verstärkt das Grauen. Auf die Frage, warum er all das getan habe, antwortet Starkweather: „Well Sir, I guess there’s just a meanness in this world.“
Erschienen auf NEBRASKA (1982)

10. State Trooper

„New Jersey Turnpike ridin‘ on a wet night ’neath the refinery’s glow, out where the great black rivers flow.“ Zack, man hat ein Bild im Kopf. Ein Musterbeispiel für Springsteens Talent, aus wenigen Pinselstrichen ein Panorama entstehen zu lassen. Der Songtext ist hier denkbar reduziert, die Strophen wirken wie hingeworfene Fetzen. Klar ist: Es geht um Paranoia. Ein Mann, verloren, in einer regnerischen Nacht, inmitten industriellen Ödlands. Er fleht darum, nicht von der Polizei angehalten zu werden, denn er wisse um die Dinge, die er getan habe. Dazu spielt eine düstere, monotone Gitarre, die immer wieder anschwellt, als würde etwas Unheimliches auf einen zukommen, um kurz davor noch seitlich abzubiegen. Die Spannung steigert sich, bis zum Gebet in die dunkle Nacht hinein: „Hey somebody out there, listen to my last prayer/Hi ho silver-o deliver me from nowhere.“ Dann dieser eine markerschütternde, verstörte Schrei.
Erschienen auf: NEBRASKA (1982)

09. Walk Like A Man

Der zentrale Song des famosen Beziehungsalbums TUNNEL OF LOVE von 1987, das verglichen mit den Vorgängern im moderneren 80er-Klanggewand daherkommt und in dem es erstmals explizit um verheiratete Charaktere geht. Springsteen selbst hatte damals kurz zuvor das Model Julianne Phillips geehelicht. Zu schöner, unaufdringlicher Melodie singt er aus der Position des Sohnes an seinem Hochzeitstag. Der erinnert sich daran, wie er als Fünfjähriger versuchte, in den Fußspuren seines Vaters zu gehen, „to walk like a man“. Jetzt ist er selbst erwachsen, dabei, eine Familie zu gründen, und nicht sicher, ob er dem allem gewachsen ist. Er denkt über sein eigenes Leben nach und das seines Vaters, liebevoll und mitfühlend. Als Kind, so fällt ihm ein, schleppte ihn seine Mutter immer mit zu den Hochzeiten in der örtlichen Kirche. Und die große Frage lautet: „Well would they ever look so happy again?/The handsome groom and his bride/As they stepped into that long black limousine/For their mystery ride.“
Erschienen auf TUNNEL OF LOVE (1987)

08. Stolen Car

Eine meisterhafte kleine Erzählung, in der kein Wort zu viel gesagt wird. Ein Mann fährt nachts in einem gestohlenen Wagen durch die Gegend und wartet darauf, gefasst zu werden. Doch das wird nie passieren, denn er ist längst nur noch ein Schatten. Seine Ehe ist zerbrochen und die guten Zeiten blitzen lediglich als Erinnerung auf. „And I’m driving a stolen car/On a pitch-black night/And I’m telling myself I’m gonna be alright/But I ride by night and I travel in fear/That in this darkness I will disappear.“ Totale Finsternis, Americana noir. Roy Bittans verlorene Pianoklänge und Danny Federicis geisterhafte Orgel setzen den Ton. Auf der Songsammlung TRACKS findet sich eine ebenfalls brillante, weniger düstere Fassung, in der das Stück zu einer großen Ballade im Stil von ›The River‹ oder ›Independence Day‹ wird.
Erschienen auf: THE RIVER (1980)

07. My Father’s House

Der Vater-Sohn-Konflikt ist ein konstantes Motiv im Werk des Mannes aus New Jersey. Im religiös aufgeladenen Song von NEBRASKA bedient er sich ebenso der Folktradition eines Hank Williams wie biblischer Bildersprache. Der Protagonist kehrt im Traum in seine Kindheit zurück, dort rennt er durch einen finsteren Wald heimwärts, bis er zitternd in die Arme seines Vaters fällt. Als er erwacht, macht er sich auf zum Haus seiner Kindheit, um sich mit seinem alten Herrn auszusöhnen. Dort angekommen erwartet ihn eine unbekannte Frau, die ihm erklärt, der, nach dem er suche, lebe hier nicht mehr. Die akustische Atmosphäre ist gespenstisch, Springsteens Stimme bebt, ein wunderschönes Mundharmonikasolo, dann die letzte Strophe: „My father’s house shines hard and bright it stands like a beacon calling me in the night/Calling and calling so cold and alone/Shining cross this dark highway where our sins lie unatoned.“ Magisch.
Erschienen auf NEBRASKA (1982)

06. Born In The U.S.A.

„›Born In The U.S.A.‹ war mein erster Versuch, einen Song über den Vietnamkrieg zu schreiben“, erinnert sich Springsteen. Er sei so unsicher gewesen, dass er das Lied zunächst gar nicht habe veröffentlichen wollen. Letztlich tat er es doch – und die gleichnamige Platte machte ihn zum Weltstar. Wegen seines martialischen Sounds wurde der Track oft als patriotisch missverstanden. Schwer verständlich bei Zeilen wie: „Ten years burning down the road/Nowhere to run, ain’t got nowhere to go.“ Das Motiv des Veteranen, der nach seiner Heimkehr nicht mehr in sein altes Leben zurückfindet, teilt sich der Song mit Michael Ciminos Kriegsdrama „The Deer Hunter“. Auf der Outtakes-Sammlung TRACKS von 1998 gibt es eine gehetzte akustische Fassung des Stücks, die dessen Aussage, dass es ein Fluch ist, in den USA geboren zu sein, noch klarer rüberbringt. Dafür fehlt dort die Spannung zwischen triumphaler Rockmusik und düsteren Texten, die das Album BORN IN THE U.S.A. ausmacht.
Erschienen auf: BORN IN THE U.S.A. (1984)

05. Independence Day

In dieser feierlichen Ballade finden zwei von Springsteens zentralen Themen zusammen: der Ausbruch aus einem als erdrückend empfundenen Umfeld und der Vater-Sohn-Konflikt. Ein junger Mann erklärt seinem Vater, er werde am nächsten Morgen die Stadt verlassen, endgültig. Es hat oft Streit gegeben zwischen ihnen, jetzt sucht er keine Eskalation, sondern zeigt Verständnis für den Älteren: „Papa now I know the things you wanted that you could not say.“ Doch sein Entschluss ist unverrückbar, denn: „There was just no way this house could hold the two of us/I guess that we were just too much of the same kind.“ Sein „Independence Day“ ist gekommen, jede Generation muss sich von Neuem mit ihren eigenen Visionen in der Welt beweisen. Die raue Stimme und der Kontrast zwischen der fast kindlichen Orgel und Clarence Clemons‘ mondänem Saxofon sind genial.
Erschienen auf: THE RIVER (1980)

04. Highway Patrolman

Ein introspektiver, ruhiger Triumph des Songschreibers als Geschichtenerzähler. Das Stück überträgt das biblische Kain-und-Abel-Motiv auf die USA zur Zeit des Vietnamkriegs und handelt von familiären Verpflichtungen und den moralischen und gesellschaftlichen Konflikten, die daraus erwachsen. Erzählt wird aus der Perspektive des rechtschaffenen Polizeisergeanten Joe Roberts, dessen Bruder Frank, ein notorischer Unruhestifter, ihm ständig Ärger macht. Aus der Armee entlassen, verletzt Frank einen jungen Mann im Streit schwer und flieht. Joe nimmt die Verfolgung auf: „Well I chased him through them county roads till a sign said Canadian border 5 miles from here/I pulled over the side of the highway and watched his taillights disappear.“ Seine Begründung: Man fällt seiner Familie nicht in den Rücken.
Erschienen auf: NEBRASKA (1982)

03. Point Blank

„Auf THE RIVER standen fröhliche, lebensbejahende Songs neben eher dunkleren“, sagte Springsteen einmal über sein fünftes Album. ›Point Blank‹ gehört klar zu letzteren. Nach dem ebenfalls fantastischen ›Drive All Night‹ ist es das längste Stück der Platte, eine sechsminütige Meditation über verlorene Hoffnung und gebrochene Existenzen, getragen von Roy Bittans Piano. Der Protagonist erzählt die Geschichte seiner ehemaligen Geliebten, deren Träume an der Realität zerschellt sind: „You wake up and you’re dying/You don’t even know what from.“ Die Romantik von BORN TO RUN ist gebrochen, taugt nurmehr als Erinnerung: „I was gonna be your Romeo, you were gonna be my Juliet/These days you don’t wait on Romeos, you wait on that welfare check.” Springsteens Stimme changiert zwischen Verletzlichkeit, Wut und letztendlicher Resignation, wenn er singt: „Did you forget how to love/Girl, did you forget how to fight.“
Erschienen auf: THE RIVER (1980)

02. ATLANTIC CITY

Der eingängigste Track auf NEBRASKA. Zu Mundharmonika und Akustikgitarre singt Springsteen im Ton verzweifelter Hoffnung aus der Sicht eines jungen Mannes, der einen Job hatte, fleißig Geld beiseite legte und jetzt dennoch mit Schulden dasteht, „that no honest man can pay“. Das amerikanische Urversprechen: Arbeite hart und du wirst es zu etwas bringen, es ist eine Illusion. In seiner Not hebt er all sein Geld von der Bank ab und kauft zwei Bustickets, für sich und seine Freundin, in die Spielerstadt Atlantic City. Die ist zwar von Mafiagewalt und Korruption beherrscht – für den Erzähler ist sie ein letzter Versuch, nicht mehr auf der Seite der ewigen Verlierer zu stehen. Schließlich lässt er sich selbst mit dem organisierten Verbrechen ein, wenn er diesem einen Typen einen kleinen Gefallen tun will. Der Re­­frain bündelt die ganze Verzweiflung und die trügerische Hoffnung in den legendären Zeilen: „Everything dies baby that’s a fact/But maybe everything that dies someday comes back/Put your makeup on fix your hair up pretty and meet me tonight in Atlantic City.“
Erschienen auf: NEBRASKA (1982)

01. The River

Die klassische Springsteen-Ballade von verlorener Hoffnung und unerfüllten Träumen. Schon im Mundharmonika-Intro steckt die ganze Desillusion, von der das Stück handelt. In der ersten Strophe ist noch alles gut. Der Ich-Erzähler fährt mit seiner Highschool-Liebe Mary runter zum Fluss, in den sie sich übermütig hineinstürzen. Doch dann wird Mary schwanger, das schreibt sie ihm in einem Brief, und wie es dort, wo sie herkommen, Sitte ist, wird auf die Schnelle geheiratet: „No wedding day smiles, no walk down the aisle/No flowers, no wedding dress.“ Der Protagonist sucht sich einen Job, doch wegen der schlechten Wirtschaftslage ist kaum Arbeit da. Das einzige, was jetzt noch bleibt, sind Erinnerungen an bessere Zeiten, an die unschuldig-romantischen Verheißungen der Jugend. „Now those memories come back to haunt me/They haunt me like a curse/Is a dream a lie if it don’t come true/Or is it somethig worse.“ Noch immer fahren die beiden zum Fluss runter – dabei ist der schon lange ausgetrocknet. Springsteen singt mit einer Stimme, die einem das Herz bricht.
Erschienen auf: THE RIVER (1980)

Texte: David Numberger

Steel Panther: Songs auf Fan-Bestellung

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Für einen „kleinen“ Unkostenbeitrag schneidern Steel Panther ihren Fans ihre Songs auf den Leib.

Fans von Steel Panther können sich jetzt ihren Lieblingssong der Truppe personalisieren lassen. Für schlappe 7.500$ nimmt die Band den gewählten Song dann komplett neu mit maßgeschneiderten Lyrics auf.

Ein Fragebogen hilft bei der Personalisierung der Lyrics, in einem Zoom-Meeting mit der Band können dann letzte Wünsche und Ideen für die Texte abgesprochen werden.

Solange die Corona-Pandemie die Tourneepläne fast aller Bands durchkreuzt, wollen sich Steel Panther mit diesem Konzept ein wenig über Wasser halten. Fraglich bleibt natürlich, wer sich so eine durchaus nette, aber doch teure Spielerei derzeit leisten kann und möchte.

Flashback: Ozzy Osbourne mit NO MORE TEARS

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Ozzys zweites Al­­bum mit Zakk Wylde an der Gitarre war glatter und straffer als der drei Jahre alte Vorgänger NO REST FOR THE WICKED. Fast die Hälfte der Texte darauf, einschließlich der Ballade ›Mama, I’m Coming Home‹, hatte Lemmy ge­­schrieben, was das Niveau durchaus hob. Ein farbenfroher und dramatischer Clip zum Titelstück stürzte sich voll in das Videozeitalter und ist bis heute eines der besten Beispiele aus einer hart umkämpften Ära. Der Song ist immer noch ein Highlight von Ozzys Karriere, doch für ›I Don’t Wanna Change The World‹ bekam Ozzy sogar einen Grammy in der Kategorie „Best Metal Performance With Vocal“.

Zeitzeugen: „Seine persönlichste Platte seit DIARY OF A MADMAN. Es ist einfach nur Ozzy, der Ozzy ist, aber was ist falsch daran, Ozzy zu sein?“ (Kerrang!)