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Nancy Wilson – YOU AND ME

Solodebüt der Heart-Gitarristin

Hat lange gedauert, bis Heart-Gitarristin und Teilzeitstimme Nancy Wilson es zu ihrem ersten Soloalbum gebracht hat (den Live-Mitschnitt LIVE AT MC CABE’S GUITAR SHOP von 1999 lassen wir mal außen vor). Nach 16 Alben und über 35 Millionen verkaufter Tonträger mit Heart entert sie nun den Solopfad. Aufgenommen in ihrem eigenen Studio in Kalifornien, wird Wilson gleich von mehreren wohlbekannten Gästen unterstützt, darunter Taylor Hawkins, Sammy Hagar und Duff McKagan. Unter den zwölf Tracks befinden sich gleich vier Coverversionen, von denen nicht eine einzige auch nur annähernd an die Klasse des Originals heranreicht.

›The Rising‹ von Bruce Springsteen verkommt zu einem zahnlosen und überflüssigen Remake und nicht einmal Sammy Hagar kann eine wirklich schlimme Interpretation des wunderschönen ›The Boxer‹ von Simon & Garfunkel retten. ›Dreams‹ von den Cranberries ist noch so ein grandioser Song – im Original. Passt leider so rein gar nicht zu Nancy Wilson. Am schlimmsten aber ist ›Daughter‹ von Pearl Jam – komplett misslungen und äußerst ärgerlich. Im Grunde sind das perkussive ›Walk Away‹ und das nachfolgende ›The Inbetween‹ die einzigen Songs, die überzeugen können. Auch die restlichen eigenen Tracks wollten einfach nicht gelingen. ›Party At The Angel Ballroom‹ mit Duff McKagan (Guns N’ Roses, Velvet Revolver) und Taylor Hawkins (Foo Fighters) hat eine wahrlich grauenvolle Produktion, ein ganz schlimmes Schlagzeug. ›The Dragon‹ ist Layne Staley gewidmet, die Anfänge des Tracks stammen aus der Zeit, als dieser noch am Leben war – er hat definitiv etwas Besseres verdient. ›4 Edward‹ ist eine Hommage an Edward Van Halen und eine Geste Wilsons, da Eddie ihr einst ebenfalls einen – bis heute unveröffentlichten – Song gewidmet hat als Dankeschön dafür, dass sie ihm eine Akustikgitarre schenkte, als er selbst keine besaß. Die mitgelieferte Künstlerbiografie behauptet, dass YOU AND ME einen positiven, kreativen Beitrag in diesen surrealen Zeiten leisten möchte – kann man sich nicht ausdenken.

3 von 10 Punkten

Nancy Wilson, YOU AND ME, CARRY ON MUSIC/RED EYE/BERTUS

Tony Joe White – SMOKE FROM THE CHIMNEY

Ist das ein Album oder kann das weg?

Gewagt, gewagt! Stellt euch vor, ihr seid ein prominenter Musiker und verehrt einen Südstaaten-Altstar. Ihr seid in der Position, ihn zu fragen, ob er ein gemeinsames Swamp-Rock-Album mit euch machen möchte, der Altstar lehnt aber ab. Der Altstar stirbt. Sein Sohn hat im Fundus des Vaters einige bisher unentdeckte Rohversionen gefunden und fragt dich, ob du derjenige sein willst, der daraus posthum ein Album fertiginstrumentiert und -produziert. So erging es Dan Auerbach (Black Keys). Tony Joes Sohn und Manager Jody sagte zu Auerbach, der Grund für die fortwährende Verweigerungshaltung seines Vaters sei wohl gewesen, dass dieser prinzipiell immer alleine im Studio arbeiten wollte. Wie die Sache ausging, hören wir auf SMOKE FROM THE CHIMNEY, dessen Titelsong und Opener der erste Song war, den Jody fand. Als Ausgangsmaterial dienten lediglich Tony Joes bärige Stimme und seine Stratocaster, woraus Auerbach mit prominenten Studiomusikern in Nashville schließlich seine Version eines nie veröffentlichten Spätwerks schuf.

Man kennt Tony Joe White als Southern Singer und Songwriter vielleicht von dem groovigen Titel ›Polk Salad Annie‹ (den auch Elvis coverte) oder von ›Rainy Night In Georgia‹, der später durch Brook Benson populär wurde. Fazit: Auerbach und Jody haben vieles richtig gemacht, das Album klingt, als hätte es White in diesen Tagen erst aufgenommen – entspannter Cajun-Sound, den man vor allem abends in aller Ruhe genießen sollte.

7 von 10 Punkten

Tony Joe White, SMOKE FROM THE CHIMNEY, EASY EYE SOUND-CONCORD/IN-AKUSTIK

Mighty Oaks – MEXICO

MEXICO ist im Country weit mehr als nur ein Staat, südlich von Texas. Es ist: ein Sehnsuchtsort. Eine Metapher für lässiges, sonniges, sorgenfreies Leben, für süßes Nichtstun, für Chillen am Strand. In unzähligen Country-Songs wurde das schon thematisiert (man nehme nur Tim McGraws’ grandioses ›That’s Why God Made Mexico‹). Dass die südamerikanische Region aber auch in Berlin einen gewissen Sog entfaltet, zeigen jetzt der Berliner Multi-Kulti-Act Mighty Oaks. Der singende Amerikaner Ian Hooper und seine Mitstreiter aus Italien und England machen bereits seit über zehn Jahren gemeinsame Folk- und Americana-Sache, Charterfolge inklusive.

Auf MEXICO servieren die drei erneut einen bekömmlichen Cocktail aus verträumten Melodien, ätherischen Klängen, aus Folk, Folk-Rock und so mancher 60ies-Beat-Reminiszenz. Manchmal ein bisschen glatt, aber ideal geeignet für eine mentale Lockdown-Reise nach Acapulco.

Mighty Oaks, MEXICO, HOWL RECORDS/SONY

Meine erste Liebe: MADE IN JAPAN

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Der schwedische Shred-Star Yngwie Malmsteen über das Livealbum, das ihn mehr als jedes andere beeinflusste.

Ich war neun oder zehn, als mein großer Bruder mit MADE IN JAPAN nach Hause kam. Ich hatte schon IN ROCK und FIREBALL von Deep Purple gehört, die mich beide in einem biblischen Ausmaß beeindruckt hatten. Weil ich MADE IN JAPAN so liebte, zog ich dann auch los, um mir MACHINE HEAD zu kaufen. Doch als naiver kleiner Junge aus Schweden konnte ich nicht verstehen, warum ›Lizzy‹ und ›Space Truckin‘‹ plötzlich so kurz geworden waren. Kein anderes Livealbum beeinflusste mich je so enorm. MADE IN JAPAN hatte so viel verrückte Energie, Mann. Damals, ohne Internet, mp3-Player und einer Auswahl von tausenden Radiosendern, war das Anhören einer neuen Platte noch eine religiöse Erfahrung. Tatsächlich habe ich drei oder vier Vinylausgaben davon verschlissen.

Ich hörte mir das Album oft an und drehte Blackmores Soli runter, die ich dann mit meinen eigenen ersetzte, die ich mit diesem Kassettenrecorder von meinem Onkel aufnahm. Die Tapes nahm ich dann mit in die Schule und sagte: „Hört euch das an“. Meine Freunde sagten: „Yeah, MADE IN JAPAN. Na und?“ Doch es war ich, der da Gitarre spielte! Ich hatte alles originalgetreu kopiert und wusste sogar, wann Blackmore seinen Pickup-Switch berührte, also tat ich dasselbe. Selbst heute, wenn ich MADE IN JAPAN im Auto spiele, sage ich immer noch: „Fuck! Das ist ein unglaubliches Album“.

Die doppelte Ladung CLASSIC ROCK: Mit Jubiläumsausgabe #100 und Special Edition über Rush

Titelstory: Blackberry Smoke stolpern zur Erleuchtung

Rockbands, die in diesem Jahrtausend eine lange, solide Karriere aufgebaut haben, gibt es nicht unbedingt viele. Southern-Rock-Bands erst recht nicht. Doch seit Blackberry Smoke im Jahr 2000 in Atlanta entstanden, haben sie langsam, aber nachhaltig Fans in aller Welt gewonnen und gehören heute zu den wenigen Acts ihrer Art, die international ansehnliche Hallen füllen … könnten. Ihr neues Album YOU HEAR GEORGIA soll ihren Heimatstaat in die Welt tragen. Frontmann und Hauptsongwriter Charlie Starr ist zuversichtlich, dass das auch relativ bald wieder möglich sein wird.

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Jethro Tull: Ian Anderson im persönlichen Gespräch

jethro tull ian anderson press

Er hätte auch ein durchschnittlicher Blues-Gitarrist werden können. Stattdessen wurde er zum besten einbeinigen Flötenspieler der Welt und bescherte seiner Band Jethro Tull über 50 Jahre lang gute Kritiken und enormen kommerziellen Erfolg. Dieser Tage ist sein Lieblingshobby jedoch schlichtweg „das Aufwachen am Morgen“.

Die 100 einflussreichsten Gitarrenhelden

„Das Komische am Gitarrenspiel ist, dass man es nicht wirklich bewerten kann“, meinte Brian May jüngst in einem Interview. Deswegen bewertet CLASSIC ROCK nicht, sondern feiert die 100 einflussreichsten Gitarrenhelden der Rockmusikgeschichte.

Die Geschichte des Southern Rock von Billy F. Gibbons

Trotz des texanischen Feuers, das in seinem Innersten lodert, ist Billy F. Gibbons cooler als ein Zentner Eiswürfel. Auch auf seiner neuen Soloplatte HARDWARE beweist er einmal aufs Neue, dass seine Attitüde irgendwo im tiefgefrorenen Bereich liegt: Das Album ist ein überaus gelungener, teilweise richtig hart zwischen Blues, Stoner und sandigem Surf rockender Wurf, der gemeinsam mit Drummer Matt Sorum in der kalifornischen Wüste entstand und viel hungriger und frischer klingt, als man es einem 71 Jahre alten Herren in sengender Hitze zutrauen möchte. Im Interview mit CLASSIC ROCK sprach Professor Gibbons über diesen mysteriösen Desert-Ritt namens HARDWARE, seine Pläne mit ZZ Top und gab im Anschluss mit seinem zähen texanischen Akzent noch eine kleine Lehrstunde in Sachen Southern Rock.

Gilby Clarke: Mach mal lauter

„Loud guitars, muscle cars & vintage Harleys“, so lautet das Motto von Gilby Clarke auf seiner Facebook-Seite. Dazu der Rocker, der in den 90ern in Diensten der Gunners stand: „Ich habe 80 bis 90 Gitarren, drei Autos – einen Ford, einen Dodge, einen Chevy – und vier Harleys. Drei alte von 1941, 1965, 1979 und auch eine neue“.

Außerdem im Heft: Rick Wakeman, Monster Magnet, Myles Kennedy, John Hiatt, Foo Fighters und viele mehr!

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Wie immer mit Heft-CD mit Songs von Blackberry Smoke, Pop Evil, Jess And The Ancient Ones, Varvara, Midnite City und mehr…

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Auf 148 Seiten präsentiert CLASSIC ROCJ euch in dieser Special Edition die ganze erstaunliche Geschichte der kanadischen Prog-Legenden.

Rückblende: The Troggs ›Wild Thing‹

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The Troggs haben den Song zwar nicht komponiert, aber dafür gesorgt, dass ihn jeder kennt: ›Wild Thing‹ ist untrennbar mit den Troggs verbunden. Doch geschrieben hat den Hit ein anderer: Chip Taylor.

Der am häufigsten nachgespielte Rock-Song aller Zeiten ist mit Sicherheit ›Yesterday‹. Doch was kommt danach? Die Chancen stehen gut, dass auf Platz zwei der meistgecoverten Stücke ›Wild Thing‹ thront. Geschrieben worden ist der Kracher von Chip Taylor, doch ins Rampenlicht geschubst haben ihn andere, nämlich die Band The Troggs. Sie sind die Ersten in einer langen Reihe von Künstlern, die sich an ›Wild Thing‹ versucht haben – und in ihrem Fall ist die Interpretation ein voller Erfolg: In Großbritannien erreichen sie im Jahr 1966 damit Platz zwei der Single-Charts, in den USA erklimmen sie sogar die Spitzenposition. Danach geht es Schlag auf Schlag in Sachen ›Wild Thing‹: Jimi Hendrix, Fancy, Sam Kinison, Prince, X, Warren Zevon oder Bruce Springsteen – die Liste der Cover-Helden ist lang und illuster. Für sie ist der Track die Essenz des Rock ’n’Roll: wild, zügellos, energiegeladen.

Der Komponist Chip Taylor, bürgerlich James Wesley Voight und Bruder des Schauspielers Jon Voight, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er betrachtet ›Wild Thing‹ nicht nur als rebellisches Statement, sondern ist auch der Ansicht, dass das Lied einen elementaren musikhistorischen und auch gesellschaftlichen Beitrag ge-leistet hat. „Ich glaube sogar, dass kein anderes Stück so oft nachgespielt worden ist wie ›Wild Thing‹“, setzt er an. „Und zwar allein aus dem Grund, weil Tausende von Teenagern mit ihm das Gitarrenspielen erlernt haben.“ Einfach einzustudieren, also perfekt für einen jungen Ro-cker, der das Ziel hat, die Welt im Sturm zu er-obern. Aber eben auch kraftstrotzend und cool, was wiederum die etablierten Musiker veranlasst, sich den Song anzueignen und nach ihrem Gusto umzuformen

Doch bei aller Leichtigkeit, die ›Wild Thing‹ in all seinen Varianten versprüht – oberflächlich und geistlos ist der Song keineswegs. „Ich nehme alle meine Lieder sehr ernst“, betont Taylor. „›Wild Thing‹ ist ein ehrlicher, direkter Track, in dem nicht lange um den heißen Brei herumgeredet wird. Sicher, wenn man den Text genau betrachtet und hinterfragt, steckt nicht besonders viel Substanz dahinter. Aber zu der Zeit, als ich ihn geschrieben habe, bedeutete er mir sehr viel, und daher war ich Feuereifer bei der Sache.“

Im Jahr 1965, als Chip Taylor ›Wild Thing‹ verfasst, hat er sich bereits einen Namen als Komponist für den Verlag April Blackwood Music gemacht. Er komponiert hauptsächlich Country-Songs, unter anderem für Johnny Cash, Willie Nelson oder Chet Atkins. Da er, wie er heute selbst zugibt, „nicht besonders viele Ak-korde drauf hatte“, hält er seine Stücke stets simpel, was ihnen einen markanten, eingängigen Charakter verleiht. Da er seinen musikalischen Horizont erweitern möchte, nimmt er ein Angebot des A&R-Manns Gerry Granahan an. Der bittet ihn, für seine neueste Entdeckung Jordan Christopher & The Wild Ones einen Rock’n’Roll-Song zu schreiben.

Taylor hat bereits einige Songs in der Schublade, doch Granahans Vertrauen ehrt ihn, sodass er spontan anbietet, ein brandneues Stück zu komponieren. Einziges Problem: Zwischen dem Anruf des A&Rs und der Abgabe des fertigen Lieds liegen nicht einmal 24 Stunden. „Ich lachte, als ich das hörte“, erinnert sich Taylor. „Dann antwortete ich Gerry: ‚Na, dann lass mich doch mal sehen, ob ich in dieser kurzen Zeit etwas Vernünftiges zu Stande bringe!‘“

Er legt auf und schnappt sich sofort die Gitarre. Binnen weniger Minuten ist er völlig versunken in die Musik. Und dann ist sie da: die Akkordfolge, die ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen wird. Taylor weiß sofort, dass er einen Treffer gelandet hat. Doch das allein reicht nicht. Ein Song wird vielleicht durch eine Akkordfolge definiert – aber eine Akkordfolge allein ist noch kein Song. „Ich steckte zu tief drin in der Sache. Das blockierte meine Kreativität. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diesen phänomenalen Einstieg weiter ausbauen sollte. An eine zweite Strophe war nicht zu denken“, sagt er noch heute mit Schaudern.

Doch Chip Taylor muss eine Entscheidung treffen. Zwischen Granahans Anruf um 14 und dem gebuchten Studiotermin um 17 Uhr bleibt ihm keine Zeit mehr, um noch lange an neuen Ideen herumzubasteln. Handeln ist gefragt. Also macht er sich auf den Weg in den Aufnahmeraum – und nimmt sich das Motto der Blueser zu Herzen: Improvisation ist alles. Als er in den Dick Charles-Studios ankommt, ist alles so vorbereitet, wie er es mit dem Tontechniker Ron Johnson vorher kurz am Telefon besprochen hat. Die Mikros sind in Position, es kann losgehen. Taylor setzt sich auf einen Stuhl und bittet Johnson, das Licht zu dimmen. „Ich hatte keine Ahnung, was als Nächstes passieren sollte. Also entschloss ich mich, alles einfach laufen zu lassen. Ganz so, als wäre es das Natürlichste der Welt. Es ging nur um die Emotion, um sonst nichts.“

Fünf Minuten später ertönen die letzten, unsterblichen Zeilen von ›Wild Thing‹: „Wild thing I think I love you/But I wanna know for sure/ So come on and hold me tight/You move me“.
Als alles im Kasten ist, kann sich Taylor kaum beruhigen, so aufgeregt ist er. Der Song gefällt ihm, er ist stolz, ihn in so kurzer Zeit aus dem Ärmel geschüttelt zu haben. Auf der anderen Seite beunruhigt es ihn auch ein wenig, dass er zu einem solchen Gefühlsausbruch überhaupt in der Lage ist – hier zeigt die strenge katholische Erziehung der Eltern doch noch ihre Wirkung.

Doch es ist geschafft: ›Wild Thing‹ lebt. Allerdings weiß das zunächst kaum jemand. Denn die Version der Wild Ones will niemand hören. Es scheint, als wäre all die Mühe vergebens gewesen. Weit gefehlt. Die Demos werden nach England geschickt, wo sie dem Produzenten Larry Page in die Hände fallen. Page hat gerade damit begonnen, die Geschicke der Troggs zu lenken – und ›Wild Thing‹ gefällt ihm. Noch begeisterter ist jedoch die Band selbst. Sie setzt sich dafür sein, dass nicht – wie ursprünglich angedacht – ›Did You Ever Have To Make Up Your Mind‹ von Lovin’ Spoonful auf die A-Seite ihrer Single kommt, sondern ›Wild Thing‹. Ihre Version, eingespielt innerhalb von gerade zehn Minuten, schafft es auf Platz eins der Billboard-Charts und erobert in ihrer Heimat England Platz zwei.

So kommt es, dass Chip Taylor dank ›Wild Thing‹ ausgesorgt hat. Doch obwohl er nicht mehr als Musiker beziehungsweise Songwriter arbeiten müsste, ist er der Musik bis heute treu geblieben. Er tritt noch immer live auf – und natürlich gibt es keinen Konzertabend, bei dem ›Wild Thing‹ nicht Teil des Sets ist. Taylor stört das aber, im Gegenteil. Jedes Mal, wenn er das Lied aufführt, erinnert er sich daran zurück, wie er sich damals im Studio gefühlt hat: „Es ist immer noch genau so wie damals, dieselben Emotionen. Wenn ich ›Wild Thing‹ singe und spiele, glühe ich innerlich.“

Flashback: John Lennon Tribute Concert

Vor 31 Jahren fand das John Lennon Tribute Konzert in Liverpool statt. Wer war alles dabei und noch wichtiger – wer nicht?

Organisiert wurde das Event unter anderem von Yoko Ono, der Witwe des Megastars. Es wäre Lennons 50. Geburtstag gewesen am 9. Oktober 1990. Doch das Event fand bereits im Mai statt, es sollte schließlich am 9. Oktober ausgestrahlt werden, um die bestmöglichen Einschaltquoten zu erhalten.

Unter den Gästen, die sich die Ehre gaben, waren Elton John, Cyndi Lauper, Billy Joel, Lou Gramm, Lenny Kravitz und Ray Charles. Jeder steuerte mindestens einen Song des Solokünstlers und Ex-Beatle bei. Doch wo waren die ehemaligen Bandkollegen? Zwar steuerten Paul McCartney und Ringo Starr Songs und Videobotschaften bei, waren jedoch nicht live vor Ort. George Harrison war in keiner Weise beteiligt.

Paul McCartney per Video:

Auch andere Kritikpunkte gab es am Event: Es sei zu kommerziell ausgerichtet, auch wenn die Einnahmen des Konzerts an die Spirit Foundation gespendet werden sollten. Doch die Ticketpreise in Höhe von 41 Dollar konnten sich nicht alle leisten. Statt 45 000 Menschen, die erwartet wurden, konnte das Event nur die Hälfte anlocken. Dennoch war Ono zufrieden: „John wäre glücklich.“ Zum Ende der Benefizveranstaltung umarmte sie in Tränen ihren Sohn Sean Ono Lennon.

The Stranglers: Neue Single in Gedenken an Dave Greenfield

Gerade eben haben die Stranglers eine neue Single namens ›And If You Should See Dave‹ veröffentlicht, einen emotionalen Tribut an ihren verstorbenen Keyboarder Dave Greenfield.

Der Song stammt vom kommenden Album DARK MATTERS, das am 10. September erscheinen wird. Zwischen dem Vorgänger GIANTS und DARK MATTERS liegen neun Jahre. Auf acht Tracks der neuen Platte wird Dave Greenfield’s Keyboard-Spiel noch zu hören sein.