Der Mötley-Crüe-Gitarrist wird 70. Nicht nur Riffs, Licks und Songs gehen auf sein Konto, sondern auch der Bandname selbst.
Da die Vier eine zusammengewürfelte Gruppe waren, also eine motley crew, und die Band gerne Löwenbräu trank, kam eins zum Anderen: Die Umlaute der Marke wurden geborgt und die Band war geboren. Auch der Name Mick Mars erschien um einiges exotischer als sein Geburtsname Robert Deal.
Nach der 2019 erschienen Filmbiografie „The Dirt“ wollten Crüe 2020 wieder auf Tour gehen, doch eine gewisse Pandemie verhinderte genau das. So wird es wohl noch eine Weile dauern bis die zusammengewürfelte Crew den Sunstrip wieder unsicher macht. Doch generell ist Mars nicht der Typ, der rumsitzt. Von Kollaborationen mit Evanescence, Pop Evil, Machina und Cory Marks bis hin zu Black Smoke Trigger und Papa Roach ist in seiner Diskografie alles vertreten.
Aufgrund seiner rheumatischen Erkrankung an Spondylitis ankylosans kann der 70-Jährige dabei jedoch nicht ganz so sehr herumturnen wie seine Bandkollegen. Wir wünschen dem Geburtstagskind alles Gute und vor allem viel Gesundheit!
Eine Band, die mittlerweile vor allem bekannt ist als „die, die Led Zeppelin verklagten“: Doch Spirit waren mehr als das. Zum Geburtstag von Drummer Ed Cassidy, der heute 98 Jahre alt geworden wäre, ein Blick auf die verworrene Geschichte der Band aus Kalifornien.
Ed Cassidy war zuvor in einigen Bands und hatte besonders in den 50er Jahren mit Jazz-Größen wie Gerry Mulligan oder Zoot Sims zusammengearbeitet. Auch Gitarrist Randy California konnte eine beachtliche Kooperation vorweisen: Den Spitznamen, den er bis zu seinem Tod behielt, hatte er von niemand anderem als Jimi Hendrix bekommen. Randolph Wolfe, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, hatte mit Hendrix unter den Namen Jimmy James and the Blue Flames gemeinsame Sache gemacht.
Im Jahr 1965 hatte Stiefvater Cassidy mit seinem Stiefsohn Wolfe und Bassist Mark Andes die Red Roosters gegründet. Da jedoch jeder nebenbei anderen Verpflichtungen nachging, waren die Red Roosters recht kurzlebig. Und wie ein Pilz aus einem anderen Pilz heraus wachsen kann, kam 1967 der Keyboarder John Locke mit ins Boot und die Band Spirits Rebellious entstand – benannt nach einem Buch des Poeten Khalil Gibran aus dem Jahr 1908. Weil der neue Name allerdings zu lang war, wurde das Ganze schlichtweg auf Spirit verkürzt. Produktiv waren sie, entstanden in den Jahren 1968 und 69 doch ganze drei Alben. Und auch der Erfolg klopfte an: 1969 spielten Spirit einige Konzerte mit Led Zeppelin. Und die waren so angetan, dass sie kurzfristig den Song ›Fresh Garbage‹ live spielten.
Doch in den 70ern wurde es schwieriger: Jeder ging wieder seinen eigenen Projekten nach, auf Kosten der Band. Es folgte Wechsel um Wechsel bis teilweise keines der Gründungsmitglieder mehr an Bord war. Offiziell existierten Spirit bis 1997 und spielten in wechselnder Besetzung, unter anderem auch in Deutschland in der Grugahalle in Essen in der Rockpalast-Nacht.
Für Aufruhr sorgte dann vor allem die Klage des Nachlassverwalters von Randy California, der 1997 verstorben war. Er als Sänger und Gitarrist hatte die meisten Tracks der Band geschrieben. Der von ihm geschriebene Song ›Taurus‹ von 1968 soll große Ähnlichkeit mit Led Zeppelins ›Stairway To Heaven‹ haben. Das Ziel der Klage: Randy California als Co-Autor des Songs zu nennen. Während das Verfahren selbst zugelassen wurde, da eine Ähnlichkeit vorhanden gewesen wäre, wurde der Plagiatsvorwurf schließlich abgelehnt.
Doch statt „die, die Led Zeppelin verklagten“ kann man sich Spirit auch an die mit dem Hit ›I Got A Line On You‹ erinnern. Denn der wurde mehr als nur einmal gecovert: Blackfoot, Chagall Guevara, Patrick Cowley, Alice Cooper, Jeff Healey, Juicy Lucy, Who Watchiz Ze Watchmain, Ile Kallio, Kim Mitchell, Mushroom und schließlich Alice Cooper noch einmal mit den Hollywood Vampires.
https://youtube.com/watch?v=2g86522nb28
Bleibenden Eindruck haben Spirit also (wenn auch nur unterschwellig) hinterlassen, nicht nur auf Alice Cooper, Led Zeppelin und Co..
Bei „Vax Live 2021“ traten jüngst Brian Johnson, Dave Grohl und Co. gemeinsam auf.
In Inglewood, Kalifornien fand vor kurzem das „Vax Live – The Concert To Reunite The World“ statt und konnte mit einer ungewöhnlichen Line-Up-Mischung überzeugen. So spielten nicht nur Brian Johnson von AC/DC und die Foo Fighters gemeinsam›Back In Black‹, auch Eddie Vedder von Pearl Jam oder Popstars wie Jennifer Lopez traten auf. Am Rednerpult fanden sich zudem Prinz Harry und US-Präsident Joe Biden.
Das Konzert wurde von Global Citizen organisiert und sollte auf die Möglichkeit zur Impfung gegen Covid-19 aufmerksam machen. Außerdem wollte die Organisation so medienwirksam auf eine gerechte Verteilung des Impfstoffes pochen. Ab 9. Mai wird das Konzert auf Youtube ausgestrahl. Die Zuschauermenge bestand vor allem aus bereits geimpftem medizinischem Personal.
Er wird massiv unterschätzt und ist so viel mehr als seine Arbeit mit CSNY. Stephen Stills ist ein echtes Chamäleon an der Gitarre, das sich bei einem entfesselten Rocksolo ebenso wohl fühlt wie mit Latin-Grooves oder dem Fingerpicking eines eleganten Folk-Refrains.
Zum 71. Geburtstag von Lou Gramm gibt es heute einen über 40 Jahre alten Konzermitschnitt von Foreigner zu sehen.
Ein Jahr nach dem Erfolg ihres Debüts FOREIGNER spielten Foreigner im Londoner Rainbow Theater. Der Konzertmitschnitt wurde über 40 Jahre später überarbeitet, restauriert und neu veröffentlicht.
Zum heutigen Geburtstag von Lou Gramm blicken wir zurück auf diese energiegeladene Show und zeigen die Performance von ›Hot Blooded‹ von ihrer zweiten Platte DOUBLE VISION.
In einem Working-Class-Haushalt kommt Louis Andrew Grammatico im Mai 1950 zur Welt. Als Sänger bei der Band Foreigner nennt er sich Lou Gramm, weil es kürzer und einprägsamer ist. Sein Vater Bernie arbeitet als Stahlarbeiter in einer Fabrik, spielt aber nebenbei Trompete in einer Band, und seine Mutter singt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne. Die Familie lebt in Rochester, New York. Gramm fühlt sich als Zugehöriger der Arbeiterklasse und interessiert sich für Sport wie Baseball oder Eishockey. Mit 15 wird Lou verboten, ein Konzert der Rolling Stones zu besuchen, er schleicht sich trotzdem aus dem Haus und wird dafür mit vier Wochen Stubenarrest bestraft. Doch die Musik packt ihn. So gründet er mit Kumpels nach seinem Schulabschluss die Band Black Sheep, die als erste amerikanische Band im Jahr 1972 beim britischen Label Chrysalis anheuern. Mit kleinen Schritten geht es vorwärts – für ein paar Gigs spielen sie sogar im Vorprogramm von Kiss.
Durch einen unglücklichen Zufall gerät der Tourbus der Band in einen schweren Autounfall, bei dem das Instrumentarium komplett zerstört, was das Ende von Black Sheep unfreiwillig besiegelt. Mit neuem Elan und einer völlig neuen Crew gründet Lou mit gestandenen Musikern Foreigner. Die Gitarristen Ian McDonald (Gründungsmitglied von King Crimson) und Mick Jones (ehemals Gitarrist bei George Harrison, Peter Frampton und Spooky Tooth) haben schon viel Erfahrung vorzuweisen, Drummer Dennis Elliot spielte zuvor bei Ian Hunter oder der Fusionband If. Zusammen mit Keyboarder Al Greenwood und Bassmann Ed Gagliardi schreiben die sechs Bandmitglieder eifrig Songs und so erscheint im März 1977 das viel beachtete und selbstbetitelte Debüt. Die Platte ist aus dem Stand erfolgreich, die Singles ›Feels Like The First Time‹ und ›Cold As Ice‹ werden im Radio rauf- und runtergespielt.
Ein Jahr später stehen im Frühjahr 1978 die Aufnahmen zum Album DOUBLE VISION an, die Band hat sich dazu mit Produzent Keith Olsen in den Sound City Studios in Los Angeles eingeschlossen. Lou vermisst im warmen Kalifornien sein Eishockey-Team von der Ostküste und ein Zufall wird während der Aufnahmen Folgen haben. „Ich war damals Inhaber einer Dauerkarte für das Team New York Rangers“, erinnert sich Lou Gramm, „und nach einer denkwürdigen Saison spielte mein Team gegen die Philadelphia Flyers im Stanley Cup Finale.“ Lou ist so gebannt, dass er sich während der Aufnahme seiner Vocal-Tracks einen kleinen Acht-Zoll-Fernseher mit in die Gesangskabine stellt. „Natürlich drehte ich den Ton weg, das hätte ja sonst gestört.“ Aber während Lou sang und aufnahm, behielt er den Bildschirm stets im Auge. „Wenn ein Track fertig war, drehte ich in den Pausen die Lautstärke vom Fernseher wieder auf, damit ich vom Spiel nichts verpasste.“
Plötzlich sieht er, wie der Rangers-Torwart John „JD“ Davidson von einem Gegenspieler mit einem derben Bodycheck umgehauen wird – und für einen kurzen Moment die Besinnung verliert. Der Mannschaftsarzt, Sanitäter und der Trainer kümmern sich um ihren Torhüter und können nach einer ersten Schnell-Diagnose eine Gehirnerschütterung ausschließen. Die ganze Prozedur zieht sich für ein paar Minuten in die Länge, bis der TV-Kommentator in der Übertragung sagt, der Torhüter wäre noch etwas lädiert und würde alles „doppelt“ sehen.
Lou Gramm erzählt: „Dieses Wort ,Double Vision‘ vom Reporter kam mir nicht mehr aus dem Sinn, für mich war es ein derart starkes Wortspiel, dass ich dachte: ,Das ist es! So muss nicht nur ein Song, sondern unser ganzes Album heißen‘“. Zwar schauen ihn seine Kollegen zunächst eher entgeistert an, doch auf lange Sicht funktioniert der Albumtitel hervorragend. Damals schrieb der Kulturredakteur Robert Hilburn in der Los Angeles Times über diese zweite Foreigner-Platte: „Sie ist gekonnt produziert, künstlerisch zwar ein bisschen zu flach, aber kommerziell überaus kraftvoll“. Damit sollte der Kritiker Recht behalten. Bis heute gehört DOUBLE VISION mit über sieben Millionen verkaufter Einheiten zu den drei erfolgreichsten Alben der Band.
Der Gitarrist von The Damned über das „Psychedelische Punk-Meisterwerk“ von 1970, das sein Leben veränderte.
THANK CHRIST FOR THE BOMB ist das fantastischste Album, das ich je gehört habe. In einem Moment ist es ein Vollgas-Powertrio, das diesen manischen Quasi-Punkrock spielt – wütend, gegen das Establishment und den Krieg –, und im nächsten fahren sie dann das Tempo runter zu diesem extrem leisen und dezenten Fingerpicking-Zeug. Tony McPhee, der Gitarrist, ist ein absolutes Genie. Er war der britische Hendrix, y’know? Er beherrschte diese donnernden Feedback-Soli und ging mit seinem Instrument wirklich an die Grenzen. Und was er nicht über Blues weiß, ist nicht wissenswert. THANK CHRIST erschien 1970. Ich kaufte es mir damals und muss über die Jahre drei Vinylexemplare davon abgewetzt haben. Das lief bei mir ständig. Als ich dann selbst anfing, Songs zu schreiben, war ich dankbar, davon beeinflusst worden zu sein. Für mich war das psychedelischer Punk – wie, Soft Machine und Syd Barrett. Das Problem an dem Begriff „Prog-Rock“ ist, dass er von Bands wie Yes, Genesis und ELP beschmutzt wurde. The Groundhogs waren das vielleicht beste Beispiel für Prog-Rock überhaupt – eine Mischung aus Blues, Psychedelik und Pop, die nie mehr übertroffen wurde. THANK CHRIST ist ein perfektes Album. Kein einziger Track darauf ist Füllmaterial und die Abfolge ist genial. Und es ist unglaublich atmosphärisch.
Siggi Schwarz gehört zu den besten und renommiertesten deutschen Rockgitarristen. Nach längerer Zeit präsentiert der Routinier wieder ein neues Album, THE FIRE INSIDE zeigt ihn als nimmermüden Verfechter des klassischen Gitarrenrock.
Schon die ersten Takte seines nunmehr elften Albums THE FIRE INSIDE lassen keine Zweifel aufkommen: Hier meint es einer ernst mit dem Rock. Mit dem Gitarrenrock. Hart, breitbeinig, deftig und heftig steigt Siggi Schwarz, der nette Virtuose aus dem bayerischen Heidenheim, mit dem Opener ›Spend The Night With Me‹ in das neue Werk ein.
Ein Sound der alten, klassischen Schule, bei dem Deep Purple, UFO, Whitesnake, MSG oder ZZ Top grüßen lassen. Ein Zufall ist das nicht. Schließlich hat Siggi Schwarz in seiner seit 1990 andauernden Karriere mit den meisten von ihnen schon mal zusammengearbeitet – auf der Bühne oder im Studio. Kaum ein Held der Zunft, von dem Siggi nicht die Telefonnummer hätte. „Im Laufe der Zeit habe ich viele von ihnen kennengelernt“, untertreibt er schamlos im Gespräch mit CLASSIC ROCK und fügt hinzu, dass er zu den meisten von ihnen Kontakt gehalten habe. „Ihnen“, das sind u. a. die nicht ganz unbekannten Herren Billy Gibbons (ZZ Top), Michael Schenker, Steve Lukather (Toto) und Bernie Marsden (UFO). „Als ich als Profi anfing, waren das natürlich meine Helden“, sagt er. Als er dann später selbst zu einem zumindest nationalen Gitarren-Star aufstieg, kreuzten sich immer wieder ihre Wege. Mal spielte er mit seiner Band im Vorprogramm, mal arbeitete er, wie im Falle von Steve Lukather, an einem gemeinsamen Album, mal, und das belegt die musikalische Qualität von Schwarz, produzierte er Michael Schenker. Wirken diese legendären Größen auf ihn nicht einschüchternd? Oder ist gerade das Gegenteil der Fall: Motivieren sie ihn zu Höchstleistungen? „Sie bleiben alle meine Heroes mit größtem Respekt“, bekennt er, „doch wenn ich mit ihnen im Studio oder auch live zusammenarbeite, dann geschieht das auf Augenhöhe.“ Bei der Michael-Schenker-Tour habe man sich beispielsweise die Soli brüderlich geteilt. „Das war wunderbar und extrem anspornend. Jeder von uns hat seinen eigenen Stil und sein eigenes Feeling – wir haben uns da herrlich ergänzt.“
Das klingt nach „Abteilung Gänsehaut“. Und verlockend, auch auf seinem neuen Album auf Stargast-Power zu setzen. „Tatsächlich habe ich anfangs darüber nachgedacht“, verrät er, „aber im Laufe des Entstehungsprozesses hat sich ein Sound und eine Vorgehensweise herauskristallisiert, auf die ich mich voll konzentrieren wollte: der Classic-Rock-Sound im Stile der späten 70er-Jahre.“ Um diesen so speziellen wie zeitlosen Klang hinzubekommen, sollten die Basic Tracks gemeinsam live im Studio eingespielt werden. „Das ergibt eine unglaubliche Frische und Dynamik“, meint er und vergisst dabei nicht, die musikalischen Leistungen seiner jungen Rhythmusgruppe herauszustreichen: „Bene Neuner am Schlagzeug und Benni Jud am Bass haben einen tollen Job gemacht“. Das gilt freilich auch für den aus New York stammenden Sänger und Co-Autoren Dave Schaefer, der für das vokale Tüpfelchen auf dem i verantwortlich zeichnete.