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Start Blog Seite 341

Die Krupps – SONGS FROM THE DARK SIDE OF HEAVEN

Die Auswahl macht’s!

Ein Coveralbum zu präsentieren, ist wahrlich keine sonderlich originelle Idee. Das stimmt schon. Trotzdem kommt dieses Werk der mittlerweile ja schon als altgedient zu bezeichnenden Electro/Metal-Crossover-Heroen immer wieder frisch und überraschend daher. Das liegt natürlich in der Auswahl der Originale und ihrer Übertragung in den charakteristischen Sound der Düsseldorfer begründet. Denn speziell erstere hat es in sich. Okay, dass sich Mastermind Jürgen Engler & Co. vielleicht eine Nummer von The Neon Judgement (›Chinese Black‹) oder auch von Fad Gadget (›Collapsing New People‹) und eventuell sogar von Gang Of Four (›To Hell With Poverty!‹) für eine solche Platte vornehmen, damit konnte man als Krupps-Fan vielleicht noch rechnen. Wer aber hätte gedacht, dass wir hier Interpretationen von Blue Öyster Cults ›(Don’t Fear) The Reaper‹ oder Queens ›Another One Bites The Dust‹ serviert bekommen würden, die in ihrer Exzentrik zudem noch richtig Spaß machen? Na, hebt da jemand die Hand? Niemand? Siehste!

7 von 10 Punkten

Die Krupps, SONGS FROM THE DARK SIDE OF HEAVEN, OBLIVION/SPV

Del Amitri – FATAL MISTAKES

AOR mit Verstand

„You can’t go back“, befiehlt Justin Currie zu Beginn, aber natürlich hält er sich nicht daran. Das hier ist sein erstes Album seit 2002 mit Band, und es hört sich an, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben. Der Auftritt ist selbstbewusst, die Melodien überzeugen wie zu Zeiten von WAKING HOURS und CHANGE EVERYTHING, Ecken und Kanten gibt es auch.

›All Hail Blind Love‹ ist ein Hit-Kandidat, die Ballade ›Otherwise‹ bewegt, in anderen Stücken stecken Blues und Folk, wieder andere handeln von Tücken des Musikerdaseins oder altersbedingter Sorge. Und Justin hat nach wie vor eine Meinung zu den Dingen, im achtminütigen Finale ›Nation Of Caners‹ wettert er rastlos gegen Raubbau und Randale. Alles läuft flüssig, es gibt keinen Füller. Dieses Klasse-Comeback darf man nicht verpassen.

8 von 10 Punkten

Del Amitri, FATAL MISTAKES, COOKING VINYL/SONY

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

Egal ob südlich angehaucht, Live-Album, Eurovision-Song-Contest-Material oder vielleicht doch lieber mit einem Orchester hinterlegt: Blackberry Smoke, Kansas, Mike Trap und Marillion bieten etwas für jeden Geschmack.

Blackberry Smoke: YOU HEAR GEORGIA

„›All Rise Again‹ im Anschluss reißt hingegen das Steuer wieder rum, ein tolles Riff, ein wenig Gov’t Mule, zumal deren Leader Warren Haynes hier auch als Gastsänger fungiert.“

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Kansas: POINT OF KNOW RETURN: LIVE & BEYOND

„Die Prog-Rocker mögen zwar schon einige Jahre in den Knochen haben, ihre Performance klingt allerdings so frisch wie beinahe noch nie.“

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Mike Tramp: EVERYTHING IS ALRIGHT

„Für Fans, die Tramp erst durch den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest kennengelernt haben, ist EVERYTHING IS ALRIGHT ein guter Start, um in die Solokarriere des dänischen Rockstars einzutauchen.“

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Marillion: WITH FRIENDS AT ST. DAVID’S

„Aufgezeichnet im November 2019 in Cardiff zeigt die Scheibe zweierlei – erstens: Phasenweise können Marillion sogar handfest rocken (was sie durchaus öfter machen sollten).“

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Blackberry Smoke – YOU HEAR GEORGIA

20-jähriges Jubiläum

Bereits seit zwanzig Jahren musizieren Blackberry Smoke zusammen. Zum Jubiläum gibt es mit YOU HEAR GEORGIA den nunmehr siebten Studio-Output. Dazu gesellen sich noch zwei Livemitschnitte und mehrere EPs. Am besten und überzeugendsten klingen Blackberry Smoke immer dann, wenn sie, absichtlich oder nicht, klingen wie die frühen Black Crowes. ›You Hear Georgia‹, eine Hommage an den gleichnamigen US-Bundesstaat, hätte sich auf einer der ersten Crowes-Platten sehr gut gemacht.

Der Opener ›Live It Down‹ schlägt in eine ähnlich Kerbe, feiner Beginn. Die erste Single, ›Hey Delilah‹ (Little Feat meets Black Crowes), überzeugt ebenfalls, dazu noch die poppigste Nummer, ›Ain’t The Same‹, deren Strophe zwar arg an Hearts Megahit ›All I Wanna Do Is Make Love To You‹ angelehnt ist, aber dennoch astrein durchs Ziel läuft. Leider haben sich aber auch zwei Stinker unter die zehn Tracks gemischt: ›All Over The Road‹ tönt wie Cinderella im Altersheim und ›Lonesome For A Livin’‹ (mit Gast Jamey Johnson) ist eine unschöne Oldschool-Country-Nummer, ein wenig „Bonanza“ meets Colt Seavers. ›All Rise Again‹ im Anschluss reißt hingegen das Steuer wieder rum, ein tolles Riff, ein wenig Gov’t Mule, zumal deren Leader Warren Haynes hier auch als Gastsänger fungiert. ›Old Enough To Know‹ erinnert an Glen Campbell und ist sehr schön geworden – warum nicht gleich so, wenn es um Country geht? Stark auch ›Morningside‹ und der softe Rauswurf ›Old Scarecrow‹. Ein tolles Blackberry-Smoke-Album.

8 von 10 Punkten

Blackberry Smoke, YOU HEAR GEORGIA, THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Kansas – POINT OF KNOW RETURN: LIVE & BEYOND

Kansas können’s noch

Zum verspäteten 40-jährigen Jubiläum ihrer fünften Langspielplatte sahen Gitarrist Rich Williams und Co. nun kein Zurück mehr, mit einem speziell darauf abgestimmten Tour-Programm aufzuspielen. POINT OF KNOW RETURN: LIVE & BEYOND enthält 22 Songs aus 12 Shows, die 2019 und 2020 aufgenommen wurden. Die Setlist besteht dabei weitestgehend aus den klassischen Hits ihrer erfolgreichen 70er-Jahre – Fans, die auf Kansas-AOR wie ›Fight Fire With Fire‹ von DRASTIC MEASURES gehofft haben, gehen leider leer aus. Dafür gibt es ein paar Nummern im Akustik-Gewand und das preisgekrönte Album POINT OF KNOW RETURN in chronologischer Tracklist.

Die Prog-Rocker mögen zwar schon einige Jahre in den Knochen haben, ihre Performance klingt allerdings so frisch wie beinahe noch nie. Jedes Mitglied stahlt förmlich nur so vor Spielfreude, allen voran Sänger Ronnie Platt. Seine Stimme braucht sich vor Steve Walshs Original-Vocals nicht zu verstecken, sondern setzt der Stimmung sogar nochmal eine Ladung Power drauf. Da die Showtermine für Deutschland auf 2022 geschoben wurden, ist dieses Album der
ideale Heißmacher für die baldigen Kansas-Konzerte.

8 von 10 Punkten

Kansas, POINT OF KNOW RETURN: LIVE & BEYOND, INSIDE OUT/SONY

Mike Tramp – EVERYTHING IS ALRIGHT

Das Compilationalbum zum Eurovision Song Contest

Passend zur Ausstrahlung des Eurovision Song Contest veröffentlicht Mike Tramp knappe fünf Monate nach der umfassenden 2-Disc-Best-of TRAMPTHOLOGY (2020) eine weitere Greatest-Hits-Zusammenstellung. Beim dänischen Vorentscheid, dem Dansk Melodi Grand Prix 2021, bekam Tramp für das titelgebende ›Everything Is Alright‹ leider keinen Fahrschein nach Rotterdam, weswegen die Veröffentlichung für den immer freundlichen Skandinavier eine bittersüße Erinnerung darstellen dürfte. Am Song selbst kann es definitiv nicht gelegen haben, denn der ist 100 % Mike Tramp, vielmehr dürfte sein Beitrag an den Hörgewohnheiten des ESC-typischen TV-Publikums gescheitert sein.

1978 scheiterte der frühere White-Lion-Frontmann übrigens nicht an dieser Hürde und vertrat im zarten Alter von 17 Jahren sein Heimatland mit der Pop-Combo Mabel in Paris (wo er auf Platz 16 landete). Für Fans, die Tramp erst durch den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest kennengelernt haben, ist EVERYTHING IS ALRIGHT ein guter Start, um in die Solokarriere des dänischen Rockstars einzutauchen.

7 von 10 Punkten

Mike Tramp, EVERYTHING IS ALRIGHT, MIGHTY MUSIC/SPV

Marillion – WITH FRIENDS AT ST. DAVID’S

Livealbum der englischen Prog-Legende mit kleinem Orchester

Marillion-Fans sind bekanntlich dankbare Menschen. Durch viele menschliche und musikalische Metamorphosen hindurch haben sie der englischen Prog-Rock-Band die Treue gehalten und jede Veröffentlichung goutiert, egal welche Facette der Gruppe sie zeigt. WITH FRIENDS AT ST DAVID’S ist quasi die Bühnenfassung von WITH FRIENDS FROM THE ORCHESTRA (2019) mit seinen symphonisch verzierten Marillion-Klassikern. Aufgezeichnet im November 2019 in Cardiff zeigt die Scheibe zweierlei – erstens: Phasenweise können Marillion sogar handfest rocken (was sie durchaus öfter machen sollten). Und zweitens: Wie bei kaum einer anderen Rockgruppe lässt sich ihre Musik fabelhaft orchestral aufbereiten, da der von mir häufig kritisierte Seelenstriptease von Frontmann Steve Hogarth hier einen Rahmen bekommt, der stimmig und geschmackvoll klingt.

Und so wird die Wartezeit bis zum Studionachfolger von F*** EVERYONE AND RUN (2019) zwar „nur“ mit einem Livealbum überbrückt, dafür finden die allzeit dankbaren Fans auf der DVD/Blu-ray-Version unveröffentlichtes Filmmaterial von den Studioarbeiten zu WITH FRIENDS FROM THE ORCHESTRA.

7 von 10 Punkten

Marillion, WITH FRIENDS AT ST. DAVID’S, EARMUSIC/EDEL

In Memoriam: Gregg Allman (1947–2017)

Nun sind sie wieder vereint: Der Southern-Rock-Lebemann Gregg folgt mit 69 Jahren seinem großen Bruder Duane, der 1971 nach einem Motorradunfall verstarb. Womit die Allman Brothers Band endgültig Geschichte ist.

›I‘m No Angel‹ hieß 1987 ein Hit der Gregg Allman Band, und wahrscheinlich würden nur die Wenigsten dieser Selbsteinschätzung widersprechen. Ein Engel war er wirklich nicht, auch wenn er mit seiner blonden Langhaarmähne mitunter so aussah. Gregg Lenoir Allman, geboren am 8. Dezember 1947 in Nashville, nahm mit, was das Rockstar-Leben zu bieten hatte. Im Guten wie im Schlechten. Er zeugte fünf Kinder mit ebenso vielen Frauen, avancierte zum Liebling der Boulevardpresse, als er Mitte der 70er die Popsängerin Cher ehelichte – was immerhin drei Jahre lang gutging. Er wurde nicht nur von seinen Band-Kollegen als Verräter verteufelt, nachdem er in einem Drogenprozess gegen einen Mitarbeiter der Road-Crew ausgesagt hatte, was diesen ins Gefängnis brachte. Womit die Allman Brothers Band 1976 erstmals Geschichte war. Überhaupt: die Drogen. Koks, Heroin, Alkohol. Gregg Allman kam immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, schwor zwar 1995 dem Alkohol endgültig ab, doch seine Gesundheit blieb mehr als fragil. 2010 wurde eine Lebertransplantation fällig.

Doch dieses Leben auf der Überholspur warf eben auch immer wieder großartige Kunst ab. Aus den Allman Joys, ins Leben gerufen von Duane und Gregg, wurden 1967 The Hour Glass, die zwei Alben aufnahmen. Mit der Allman Brothers Band, gegründet 1969, gelangen bis zur ersten Trennung gleich mehrere große Würfe, allen voran AT FILLMORE EAST und BROTHERS AND SISTERS. Zwar hatte Gregg bereits als Teenager Gitarre gespielt, doch nachdem ihn das Naturtalent Duane in dieser Hinsicht überflügelte, wandte er sich den Tasteninstrumenten zu. Er prägte aber nicht nur als überaus fähiger Pianist und Organist den Klang der Allman Brothers Band, sondern vor allem als Sänger. Gesegnet mit einem rauen Blues-Timbre, war er in sämtlichen originären Genres des Südens zuhause und beherrschte die gesamte Palette von Soul bis Rock.

Die Allman Brothers Band blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont, ein Jahr nach Dua­ne Allman kam auch Bassist Berry Oakley bei einem Motorradunfall ums Leben. Wechselnde Musiker und die erwähnten Suchtprobleme mehrerer Bandmitglieder führten immer wieder zu Rückschlägen und Konflikten. 1978 reformiert, war 1982 erneut Schluss, Gregg Allman widmete sich fortan verstärkt seiner Solokarriere. Auf das erfolgreiche I‘M NO ANGEL folgte das weniger gelungene JUST BEFORE THE BULLETS FLY, bevor 1989 die nächste Re-Union der Allman Brothers Band anstand – die bis 2014 Bestand hatte. Als Solokünstler veröffentlichte Gregg Allman 2011 LOW COUNTRY BLUES, für den Januar 2017 wurde der Nachfolger SOUTHERN BLOOD angekündigt, produziert von Don Was. Aufgrund zunehmender gesundheitlicher Probleme wurde die Veröffentlichung auf den September dieses Jahres verlegt, die Gregg Allman nun nicht mehr erleben wird. Er starb 69-jährig am 27. Mai 2017 in Richmond Hill, Georgia, an Leberkrebs.