Am 23. Juli veröffentlicht David Crosby sein neues Album mit dem Titel FOR FREE. Der Titel basiert auf einem Cover des gleichnamigen Joni-Mitchell-Songs, der auf der Platte zu finden sein wird.
Als erste Single hat der Künstler jetzt einen Track namens ›River Rise‹ ausgekoppelt. Ein Visualizer begleitet den Track.
Vug haben soeben eine neue Single veröffentlicht. Mit ›Who Forgot‹ gibt die Berliner Band, die unter der Flagge „New Wave Of Berlin Heavy Metal“ segelt und sich musikalisch irgendwo zwischen beschwingtem Proto Metal und modernen Klangelementen bewegt, einen ersten Vorgeschmack auf ihr kommendes Projekt.
Der Song ist jüngst während einer kleinen Pandemie-Session entstanden und fungiert sozusagen als erster Vorbote auf ein neues Album, das nächstes Jahr erscheinen soll. Eine weitere Single namens ›This Magic Lasts‹ ist ebenfalls heute erschienen und als Online-Release auf allen Streamingdiensten erhältlich.
Das letzte verbliebene Gründungsmitglied von Sweet ist gestorben, die Todesursache wurde noch nicht bekanntgegeben. Steve Priest war innerhalb der Band der König des pfauenhaften Vollgas-Entertainments. Geboren in Middlesex, suchte der Bassist, der bei „Top Of The Pops“ mal in einem Pailletten-Overall mit den Worten „Fuck You“ auf dem Rücken auftrat, immer nach einer Gelegenheit, um zu provozieren. Als der Produzent der Sendung ihn aufforderte, besagtes Kleidungsstück zu wechseln, weigerte er sich eisern. Bei der Weihnachtsausgabe der Show 1973 kostümierte er sich als „ein schwuler Nazi“ mit mehreren Schichten Make-up und einem SS-Uniformrock inklusive Hakenkreuz-Armbinde und Hitler-Schnauzer. Alle Rockfans eines gewissen Alters in Großbritannien erinnern sich an mindestens einen Sweet-Auftritt in der Kultsendung. Paul Gray, Bassist bei The Damned und UFO, weiß noch, wie sein Vater bei jener Weihnachtsshow in den Raum kam: „Er stand lange da, sichtlich entsetzt, und murmelte dann die unsterblichen Worte: ‚Sie sind nichts als ein Haufen verdammter Wilder mit Banjos‘, bevor er erzürnt rausstürmte“.
Sweet erlebten damals einen Ritt durch eine Serie von BubblegumUK-Top-10-Singles aus der Feder von Mike Chapman und Nicky Chinn, darunter ›Little Willy‹, ›WigWam Bam‹, ›Blockbuster!‹, ›Hellraiser‹, ›The Ballroom Blitz‹ und ›Teenage Rampage‹. Ihr Ruf verfolgte sie, als sie beschlossen, dem Team Chinn/Chapman den Rücken zu kehren, ihr eigenes Material zu schreiben und in eine härtere Richtung zu gehen. Die Singles ›Fox On The Run‹ und ›Action‹ von 1975 beschworen diese neue Unabhängigkeit, doch es sollten drei weitere Jahre vergehen, bis sie mit ›Love Is Like Oxygen‹ ihren nächsten – und letzten – Top-10-Hit in den britischen Charts landeten. Die Band war immer etwas verbittert darüber, dass Konkurrenten ihre typischen Gesangsharmonien kopierten und damit große Erfolge feierten. Die Rückseite ihrer LP GIVE US A WINK von 1976 zeigte ein Graffiti mit den Worten: „Queen are a bunch of winkers“ (ein Wortspiel auf „wankers“, also „Wichser“). Nachdem Frontmann Brian Connolly 1979 ausstieg, um eine Solokarriere zu starten, machten Sweet als Trio weiter, bei dem sich Gitarrist Andy Scott und Priest als Sänger abwechselten.
Was nicht dramatisch war, denn auf vielen ihrer Hits kamen die so geliebten Interludes ohnehin von Priest, etwa die gefeierte Phrase „We just haven’t got a clue, what to do!“ auf ›Blockbuster!‹. Nachdem die nächsten drei Alben kaum wahrgenommen wurden, war das Schicksal der Band besiegelt. Priest war da schon nach Kalifornien gezogen. Seit Connollys Tod 1997, das seiner Inkarnation der Band ein Ende bereitete, gab es zwei konkurrierende Line-ups von Sweet, das eine in Großbritannien unter Scott, und Priests eigene Version, mit der er 2008 zurückgekehrt war. Nun ist von dem beliebtesten 4-Mann-Line-up also nur noch Scott übrig (Schlagzeuger Mick Tucker starb 2002 an Krebs). „Steve war der beste Bassist, mit dem ich je gespielt habe“, sagte Scott in einem Statement. „Der Lärm, den wir als Band machten, war so mächtig. Ab jenem Moment im Sommer 1970, als unsere musikalische Odyssee begann, eröffnete sich uns die Welt und die Achterbahnfahrt begann. Ruhe in Frieden, Bruder.“
Megadeth-Bassist David Ellefson ist einer von vielen Musikern, die mit Sweet aufwuchsen. Er sagte, Priests Beitrag zur Musik sei „unvergleichlich“. Er fügte hinzu, dass DESOLATION BOULEVARD von 1974 „immer noch Bestand hat als eines der besten Rockalben aus jener Zeit“. „Sweet waren der Gegenentwurf zu Queen und vielen anderen Bands, die sie inspirierten“, verkündete Jeff Scott Soto. Nancy Wilson von Heart wiederum sagte, Priest sei „ein tapferer Glamrocker und Mann“ gewesen. Das letzte Wort geht an Dee Snider von Twisted Sister: „Wie man sich vorstellen kann, bin ich definitiv ein Fan von Sweet“.
Die Protagonisten des Duos Cleopatrick, namentlich Luke Gruntz (Gitarre/Gesang) und Ian Fraser (Schlagzeug) aus Ontario in Kanada, sind besonders gewitzte Gemüter: Die beiden kennen sich seit frühester Kindheit, sind gemeinsam aufgewachsen und haben offenbar genug Zeit, sich neben der Musik auch noch anderweitig auszuleben. So gründeten sie das DIY-Kollektiv New Rock Mafia, ein loser Zusammenschluss aus befreundeten Bands und Fans, oder schicken nun das trashige Game „Family Van“ in den Ring, ein Spiel, bei dem man das Duo sicher zu Gigs kutschieren muss.
Ist das nun sympathisches Kreativ-Nerdtum oder unangenehm viel Business-Bohei? Das lässt sich nicht final beantworten, was man sagen kann ist, dass die Musik selbst dann doch recht formelhaft und austauschbar geraten ist. Die Kanadier nennen AC/DC und HipHop als Einflüsse. Kann man gelten lassen, schließlich wirkt hier alles aufgekratzt, die Amplituden flirren und der Schlagzeugsound klingt fett und autoritär. Memorable Riffs, Songs, Texte hat das Duo leider nicht in petto und für ein kurzweiliges Vergnügen sind die zehn Stücke dann doch zu schwerfällig.
6 von 10 Punkten
Cleopatrick, BUMMER, THE ORCHARD/THIRTY TIGERS/MEMBRAN
Vier Jahre nachdem Styx mit THE MISSION bewiesen haben, dass der progressive AOR noch immer in ihnen brennt, soll mit CRASH OF THE CROWN dieses Musik-Feuer auch weiterhin lodern. Durch den Einsatz einer Vielzahl an Instrumenten, Effekten und den durchweg mehrstimmigen Vocals wirkt die Scheibe stets abwechslungsreich und fast so frisch wie Quellwasser. Allem voran steht der Titeltrack. Hier passiert in knapp vier Minuten musikalisch einfach so viel, dass es sich kaum beschreiben lässt.
Selbst lyrisch trumpfen die Herren aus Chicago zünftig auf. Denn obwohl alle Songs vor der Pandemie geschrieben wurden und sich Styx im Verlauf des Albums immer wieder mit düsteren Themen befassen, schimmert doch bei sämtlichen Nummern das sprichwörtliche „Licht am Ende des Tunnels“ durch. So fühlen sich die übersetzten Textzeilen „Wir haben immer noch unser wundervolles Leben“ aus dem Refrain von ›Our Wonderful Lives‹ oder „Du hältst die Dunkelheit zurück und ich werde den Sonnenaufgang wieder sehen“ aus ›Hold Back The Darkness‹ im Jahr 2021 fast schon wie eine Seelentherapie an. Darauf ein herzliches „Domo arigato“.
Aus solchen Alben werden Festival-Headliner der Zukunft gemacht
Wenn man drüber nachdenkt, wie unglaublich groß die Smashing Pumpkins mal waren, ist es bemerkenswert, wie wenig Einfluss sie bisher hinterließen. Auch die Londoner Wolf Alice werden sicherlich zweifelnd ihre Augenbrauen hochziehen, wenn sie die These lesen, dass sie hier ein MELLON COLLIE für ihre Generation abgeliefert haben. Das war bestimmt nicht ihr Ziel. Aber es ist so. Auf ihrer dritten LP schillert, schimmert und brezelt das Quartett um die Glockenstimme Ellie Rowsell so grazil wie trittsicher zwischen den Extremen süß und crunchy, dass der Vergleich erlaubt sein muss.
Schmerzhaft schöne Abschiedsballaden (›No Hard Feelings‹) schweben neben Noise-Explosionen (›Greatest Hits‹) und machen das Album zu einer Wanderung durch dramatische Vulkanlandschaften, Rosengärten in voller Blüte und nächtliche Küstennebel. Nachtigall Ellie ist nicht der einzige Star der Band: Gitarrist Joff Oddie spielt kunstvoll und unorthodox, Bassist Theo Ellis und Drummer Joel Amey grundieren mit unaufdringlichen, aber variantenreichen Ideen das Klangbild ideal. Toll, wirklich toll.
Die neue Red Fang startet gleich richtig abgefahren. Mit einem „Sintro“, wie Sänger und Bassist Aaron Beam die Kombination aus Song und Intro nennt. Finstere Bassparts, die an das Live-Solo von Gene Simmons zu ›God Of Thunder‹ erinnern, Geräusche und Gesang sind der gebührende Auftakt für ein gewohnt wildes und wirres Werk der Stoner aus Portland. Sludy, fuzzy und doomy gehen die Amis ans weirde Werk. Der Titelsong ›Arrows‹ ist dabei sogar auf eine irgendwie verstörende Art catchy und hat laut Beam etwas mit Meditation zu tun.
Der Sound, den die 2005 gegründete Gruppe abliefert, ist natürlich alles andere als Meditationsmusik. Gelegentlich etwas Rob-Zombie-esque und mitunter auch punkig wird sich hier nach allen Regeln der Kunst ausgetobt. Geschickt eingebaute (Stör) Geräusche und (spooky) Sounds fügen dem Ganzen zusätzliche Schichten hinzu. In puncto Instrumentalisierung witzig und wahnsinnig – die Drums wurden in einem leeren Pool aufgenommen – und gesanglich wuchtig geht es zur Sache. Gelegentlich auch funny. Auf die Idee, den Track ›Fonzi Scheme‹ nach dem legendären TV-Charakter Fonzi aus der 70er-Jahre-Serie „Happy Days“ zu benennen, weil er in der Tonart von dessen Trademark-Slogan „Aaay“ gehalten ist, muss man erst mal kommen. Heavy, humorvoll – Red Fang!
Die Band um Sänger und Rhythmusgitarrist Tim McIlrath setzt sich seit mehr als 20 Jahre mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinander. Das ist auch auf ihrem neunten Studioalbum NOWHERE GENERATION nicht anders. Diesmal wird vor allem der zerbrochene amerikanische Traum verhandelt, die Mär, dass es die junge Generation immer besser haben werde als die vor ihr. In Zeiten von Job-Nomadentum und einem Heer von Billiglohn-Kräften nur noch ein leeres Versprechen. Unter der Regie von Langzeit-Produzent Bill Stevenson bewegt man sich musikalisch wie gehabt zwischen klassischem Punkrock und trockenem Post-Hardcore. Die ungebrochene Energie, mit der Rise Against zu Werke gehen, ist dabei immer noch beeindruckend. Ausnahme: die düstere Akustik-Ballade ›Forfeit‹.
Songs wie der Titeltrack ›Nowhere Generation‹ oder ›Broken Dreams‹ bieten zudem reichlich eingängige Melodien, um bei den (US-) Alternative-Rock-Sendern in die Heavy Rotation zu kommen. Schön zu hören, dass hier eine Band konsequent ihre Überzeugung vertritt
7 von 10 Punkten
Rise Against, NOWHERE GENERATION, LOMA VISTA/SPINEFARM/UNIVERSAL