Status Quos Francis Rossi half Sänger/Songwriter Lee O’Brien beim Schreiben einiger Songs und produzierte auch dessen Debütalbum. Trotzdem war er schlau genug, sich nicht bei dem einzumischen, was O’Briens Songs überhaupt erst interessant macht.
Rossis Schreibeinflüsse – vor allem beim Titeltrack und ›You And I‹ – zeigen sich besonders beim Aufräumen der Musik, was den Songs einen besseren Fokus verleiht. Nicht anders seine Produktion, mit der er die Songs einfach gestaltet, was O’Briens Charakter seinen eigenen Raum zum Gedeihen gibt. O’Brien und Rossi mögen die gleiche Einstellung haben, wenn es darum geht, die Dinge simpel zu gestalten, aber bei den Texten befindet sich O’Brien auf einem anderen Level: Sie sind unkompliziert, aber haben eine autobiografische Neigung und einen Reiz, der nicht nur Quo-Fans anziehen wird.
René Thomsen, Kirchhorster Firmeninhaber und Bandleader, veröffentlicht unter der Flagge Thomsen im August 2021 sein neues Album III. Die Platte stellt den Nachfolger zu UNBROKEN aus dem Jahr 2014 dar.
Als ersten Vorgeschmack gibt es nun das Live-Video zum Song ›Passion And Warfare‹ zu sehen. Thomsen selbst zum Clip: „In den Hallen von Tourservice Lichtdesign war es uns möglich durch den Einsatz einer exzellenten Crew diese spektakuläre & aufwendige Kulisse zu realisieren.“
Zwischen Wüstenklängen des ZZ-Top-Frontmanns, Soloprojekten von Gary Louis, einer Hommage an die Natur von Chris Eckman und einem losgelösten Crowded-House-Album findet sich der Sound für das Wochenende.
Billy Gibbons: HARDWARE
„HARDWARE klingt wie die Hitze des Sommers, nach Wüste wie auch intensiven Erfahrungen, und trägt unmissverständlich die klare Handschrift Gibbons’, nicht zuletzt aufgrund von dessen unverkennbarer Charakterstimme, aber auch der erfrischenden Ansätze und köstlichen Zusätze.“
„Waren die zwei Reunion-Alben nach dem Tod von CHs erstem Drummer Paul Hester (TIME ON EARTH, 2008, und INTRIGUER, 2010) noch sehr melancholisch reflektiert, ist DREAMERS ARE WAITING von diesem Ballast befreit.“
„Das Resultat ist ein tiefgründiges Singer/Songwriter-Album, mit dem der Künstler zur Gitarre zurückkehrt: Hatte er sich zuletzt viel mit elektronischer Musik beschäftigt, brachte sich in den ersten Monaten der Pandemie die Gitarre zurück ins Gedächtnis, wie ein treuer alter Freund, der auch dann da ist, wenn die Welt Kopf zu stehen scheint.“
„Klingt spannend, doch leider bleiben die von Louris mit vielen elektronischen Tricks allein im eigenen Kellerstudio eingespielten Songs oft skizzenhaft und lassen des Öfteren genau jene menschliche Note vermissen, die seine Lieder in der Vergangenheit stets besonders gemacht hatte.“
Grund für Freudensprünge? Der Jayhawks-Frontmann macht’s allein
Rund 20 Jahre lang war Gary Louris nach dem Ausstieg seines kongenialen Partners Mark Olson die treibende kreative Kraft der Americana-Institution The Jayhawks. Zuletzt allerdings wurde das Songwriting erstmals auf alle Mitglieder des Quintetts aus Minneapolis verteilt – und so der Weg frei für ein weiteres Soloalbum des 66-jährigen Masterminds. Wie schon bei den vorherigen Bandwerken setzt Louris dabei auf klanglichen Eklektizismus. Zu balladesken Nummern mit klassischem Midwestern-Roots-Flair gesellen sich deshalb von Robert Fripp inspirierte Vocoder-Experimente und Lieder im Spannungsfeld von British Invasion und Power-Pop, die bisweilen an die SMILE-Ära der Jayhawks erinnern.
Klingt spannend, doch leider bleiben die von Louris mit vielen elektronischen Tricks allein im eigenen Kellerstudio eingespielten Songs oft skizzenhaft und lassen des Öfteren genau jene menschliche Note vermissen, die seine Lieder in der Vergangenheit stets besonders gemacht hatte. Echten Grund für Freudensprünge liefert JUMP FOR JOY somit trotz einer gewissen Aufbruchsstimmung in den Texten nur bedingt.
5 von 10 Punkten
Gary Louris, JUMP FOR JOY, SHAM/THIRTY TIGERS/MEMBRAN
Ex-Chef der Walkabouts, Label-Betreiber und umtriebige Musiker Chris Eckman in den Sozialen Medien Bilder aus seiner Wahlheimat Ljubljana: vorne die slowenische Hauptstadt, im Hintergrund die Julischen Alpen, ein atemberaubendes Panorama. WHERE THE SPIRIT RESTS ist sein fünftes Solowerk, und bereits der Titel legt nahe, dass sich Eckman intensiv damit beschäftigt hat, wie diese Natur auf den menschlichen Geist einwirken kann. Das Resultat ist ein tiefgründiges Singer/Songwriter-Album, mit dem der Künstler zur Gitarre zurückkehrt: Hatte er sich zuletzt viel mit elektronischer Musik beschäftigt, brachte sich in den ersten Monaten der Pandemie die Gitarre zurück ins Gedächtnis, wie ein treuer alter Freund, der auch dann da ist, wenn die Welt Kopf zu stehen scheint.
Und diese Besinnung auf die alte Stärke funktioniert: Eckman war nie ein Songwriter für komplexe Stücke, vielmehr sieht er sich in der Tradition der erzählenden Liederschreiber wie Leonard Cohen oder Townes Van Zandt – wobei der Vergleich mit Cohen besonders naheliegend ist, weil Eckmans Stimme über die Jahre noch tiefer geworden ist. So werden Stücke wie das Highlight ›This Curving Track‹ mit der sehnsuchtsvollen Slide-Guitar zu Meditationen über die Natur und den Humanismus.
7 von 10 Punkten
Chris Eckman, WHERE THE SPIRIT RESTS, GLITTERHOUSE/INDIGO
Klingt nicht wie ein Spätwerk: Neil Finn & Co. finden zurück zur Anmutung ihrer frühen Alben
Nicht wenige denken bei Crowded House wohl zuerst an ›Weather With You‹ und ›Don’t Dream It’s Over‹. Zwei ewige Radio-Songs, die sich auch über 30 Jahre nach ihrem Erscheinen noch in den Rotationen finden, bei denen man dennoch nicht schreiend den Sender wechselt. Denn schon in den 80s war Bandkopf Neil Finn ein Klassizist, der Synthpoptrends ignorierte und stattdessen auf dezent Beatles-esques Songwriting setzte, dabei aber immer auch seinen Artpop-Hintergrund als Ex-Mitglied der spleenigen NZLNew-Waver Split Enz durchscheinen ließ. Die Beschreibung „Beatles-esque-dezent-verkünstelt“ lässt sich auch aufs erste Crowded-House-Album seit elf Jahren, ihr siebtes insgesamt, anwenden.
Ein interessantes Line-up hat Finn um sich geschart: Nick Seymour und Mitchell Froom aus der Anfangszeit plus die jungen Neuankömmlinge Liam und Elroy Finn aus Neils eigenem Genpool ergeben eine Konstellation, die sowohl Tradition als auch frischen Wind atmet. Waren die zwei Reunion-Alben nach dem Tod von CHs erstem Drummer Paul Hester (TIME ON EARTH, 2008, und INTRIGUER, 2010) noch sehr melancholisch reflektiert, ist DREAMERS ARE WAITING von diesem Ballast befreit. So ähnelt die Platte mit ihren subtilen Schrulligkeiten am ehesten dem Zweitling TEMPLE OF LOW MEN (1988).
ZZ-Top-Gitarrist Billy F. Gibbons hat sein drittes Soloalbum, HARDWARE, in der Wüste unweit von Palm Springs aufgenommen. Und das hört man in jeder einzelnen Note. Konsequenterweise entstand das Video zur ersten Single ›West Coast Junkie‹ dann auch in Studio-Nähe, im Joshua Tree Nationalpark – da gehört es hin, das passt perfekt zur Stimmung des ultralässigen Songs mit entwaffnendem Rhythmus. Selbige Region ist auch Thema in ›Desert High‹ („Gram died in room 8 and left it all to Keith“), einem coolen Spoken-Word-Geplänkel mit Surf-Gitarren, sicher einer der lässigsten Tracks der Neuzeit.
›My Lucky Card‹ groovt als Opener ungewohnt hart und rockig aus den Boxen, ›More-More-More‹ hat einen verdammt leckeren, leicht salzig-nassen Geschmack. Heißer geht es im kommenden Sommer wohl kaum. Laut Gibbons habe die Wüstenkulisse „mit wandernden Sandhügeln, Kakteen und Klapperschlangen den Aufnahmen etwas Mysteriöses gegeben, was auf jeden Fall auch Spuren in den Sounds hinterlassen hat, die wir dort eingefangen haben“. Alle Tracks bis auf einen (die wundervolle Gute-Laune-Nummer ›Hey Baby, Que Paso‹, vor 30 Jahren mal von den Texas Tornados intoniert) entstammen der Feder von Gibbons, wobei Drummer Matt Sorum (ehemals bei The Cult, Guns N’ Roses, Velvet Revolver), Mike Fiorentino und Toningenieur Chad Shlosser sowie Gitarrist Austin Hanks ebenfalls zum Team gehören, das bereits den Vorläufer THE BIG BAD BLUES von 2018 in Szene setzte. HARDWARE klingt wie die Hitze des Sommers, nach Wüste wie auch intensiven Erfahrungen, und trägt unmissverständlich die klare Handschrift Gibbons’, nicht zuletzt aufgrund von dessen unverkennbarer Charakterstimme, aber auch der erfrischenden Ansätze und köstlichen Zusätze.
Es wurde auf einem schrottreifen Klavier geschrieben, fast von den Hollies geklaut, begleitet von den fantastisch benannten Backing-Sängerinnen Thunderthighs und war ein Highlight der kommerziellen Phase der Band.
Das Schicksal schien immer ein seltsames Spiel mit Mott The Hoople zu spielen. Vier Jahre harter Arbeit auf dem Label Island hatten ihnen den Ruf als eine der besten Live-Bands Großbritanniens eingebracht, aber niemand schien ihre Platten zu kaufen. 1972 hatten sie sich mit dem Gedanken abgefunden, die Bühne mit Zirkusjongleuren und dem Comedian Max Wall zu teilen. Völlig desillusioniert, hatten sie sich beinahe aufgelöst. Dann bot ihnen David Bowie einen seiner eigenen neuen Songs an, ›All The Young Dudes‹, und Mott The Hoople waren als stolzierende Rock‘n‘Roll-Hitlieferanten neu auferstanden. Innerhalb eines Jahres waren sie zu Stammgästen in den britischen Charts aufgestiegen und spielten sowohl dort als auch in den USA vor vollen Häusern.
Sänger Ian Hunter, mit seinen überdimensionierten Sonnenbrillen und dem wallenden, auftoupierten Haar die Verkörperung des Früh-70er-Frontmanns schlechthin, hatte sich als ihr Haupt-Songwriter herauskristallisiert. Der Erfolg von Sin- gles wie ›Honaloochie Boogie‹ und ›All The Way From Memphis‹, beide vom Top 10-Album MOTT, ließ vermuten, dass der ausgelassene Glam‘n‘Roll der Band endlich eine dauerhafte Karriere begründen würde. Und als Hunter Ende 1973 noch den Hit ›Roll Away The Stone‹ ablieferte, schien es, als ob die guten Zeiten niemals enden würden.
›Roll Away The Stone‹ stieg im November ‘73 bis auf Platz 8 der britischen Charts und krönte die kommerzielle Ära von Mott The Hoople. Es klang sogar wie eine Feier: Mit hupendem Saxofon, einer quietschenden Gitarre und den „Shoop shoop“- Backing-Vocals des Mädchentrios Thunderthighs übertrug das Lied die demonstrative Euphorie des 50s-Rock‘n‘Roll in die krisengeplagten 70er.
„Das Stück hatte ich ursprünglich für das MOTT-Album geschrieben“, erinnert sich Hunter. „Ich hatte dieses Klavier, das mich 30 Pfund gekostet hatte, und ich hatte all die weißen Tasten rausgedroschen. Also brachte ich mir bei, wie man die schwarzen spielt, was großartig war, denn ich hatte keine Ahnung, was ich da tat. Mit den weißen Tasten wusste ich, wo es lang ging, aber es ist besser, wenn man ins Ungewisse schießt. Ich schrieb ›All The Way From Memphis‹, ›Roll Away The Stone‹ und noch etwas komplett in Cis und B.“
Das Hauptriff von ›Roll Away The Stone‹ hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit ›While My Guitar Gently Weeps‹ von den Beatles. Doch wie Motts damaliger Gitarrist Mick Ralphs behauptet: „Jegliche Ähnlichkeit zu anderen Stücken war reiner Zufall. Ich spielte das Lied einfach, wie ich es fühlte.
Wie bei allem, was ich je aufgenommen oder gespielt habe, habe ich mich einfach in die Stimmung reingefühlt. Ich plane nie etwas oder arbeite es aus, obwohl ich den Gitarren-Hook im Intro erst noch schreiben musste, wie bei ›All The Young Dudes‹. Ian hatte begonnen, in einer gewissen kommerziellen Art zu schreiben, und wir dachten beide, dass ein guter Gitarren-Hook wichtig für ›Roll Away The Stone‹ sei.“
Das Stück wurde der Band beinahe unter der Nase weggeklaut. „Wir fuhren in die Staaten“, so Hunter, „und irgendwie versuchten die Hollies, es zu bekommen. Der Gitarrist der Hollies der Typ, der sein ganzes Leben lang jung aussah [Tony Hicks] war zur Plattenfirma gegangen und hatte gesagt, dass sie ›Roll Away The Stone‹ wollten. ‚Aber das ist doch ein Mott-The-Hoople-Lied. Das könnt ihr nicht machen.‘ Also sagte er: ‚Doch, sie haben uns die Erlaubnis gegeben.‘ Das ist die Geschichte, die man mir erzählt hat.“
Das Lied blieb bei seinem Autor, aber dann nahm das Schicksal eine weitere seltsame Wendung. Als es fertiggestellt war, schien Hunter sich selbst zu verhexen.
„Ich machte einen fatalen Fehler“, erinnert er sich sichtlich ungern. „Tony Brainsby war damals unser Pressesprecher und ich weiß noch, wie ich in sein Büro kam und sagte: ‚Ich habe die Formel. Ich habe sie geknackt.‘ Und das war der Moment, in dem ich aufhörte, diese Formel zu haben.“ ›The Golden Age Of Rock‘n‘Roll‹ schaffte es 1974 noch in die britischen Top 20, doch im Wesentlichen war ›Roll Away The Stone‹ der letzte größere Hit für die Band.
Ein weiterer Faktor im Abstieg Mott The Hooples war laut Hunter der Ausstieg von Ralphs, der ging, um im August 1973 Bad Company zu gründen. ›Roll Away The Stone‹ war einer seiner letzten Beiträge für die Band. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich beschlossen, mit Paul Rodgers zusammenzuarbeiten“, erklärt Ralphs. „Ich wollte etwas Bluesigeres und Simpleres machen. Versteh mich nicht falsch, ich liebte Mott. Aber mit dem Erfolg wurden wir zu einer Popgruppe. Was in Sachen Akzeptanz und Beliebtheit großartig war, aber ich hatte das Gefühl, das wir etwas von unserer Wildheit und Einfachheit verloren hatten. Es war schwer, meine lieben Freunde zu verlassen, aber ich musste meinen eigenen Weg gehen. Während der Aufnahmen zu MOTT sagte ich der Band, dass ich etwas anderes machen wollte, aber ich stellte das Album noch fertig und spielte auf der US-Tour, bevor ich ging.“
Ralphs wurde ersetzt durch den ehemaligen Spooky-Tooth-Gitarristen Luther Grosvenor alias Ariel Bender. Er war wesentlich mehr Showman als sein Vorgänger, was gut zum Variété-Wahnsinn des Glamrock passte. Er spielte schließlich auf der Albumversion von ›Roll Away The Stone‹, die auf THE HOOPLE erschien. Im Übrigen kam der gesprochene Part von der Sängerin Lynsey de Paul.
Mott The Hoople hatten 1973 gebührend triumphal abgeschlossen, indem sie ihre 22 Konzerte umfassende UK-Tour mit Queen als Vorgruppe mit zwei Shows im Londoner Hammersmith Odeon krönten. Beim zweiten dieser Auftritte kam es fast zu Ausschreitungen, als das Management der Halle noch während der letzten Zugabe den Sicherheitsvorhang fallen ließ.
Ohne Ralphs spürte Hunter die Belastung umso mehr. Bowies einstiger Gitarrenheld Mick Ronson hatte 1974 Grosvenor ersetzt, doch da waren Mott The Hoople eigentlich schon am Ende. „Ich schien eine Vorstellung davon zu haben, was Mott waren, aber niemand sonst brachte noch Ideen ein“, erklärt Hunter. „Es war anstrengend und wurde immer schlimmer. Als dann Mick Ronson dazu stieß, ging es nur noch drunter und drüber. Ich wurde damals ziemlich krank [bei Hunter wurde geistige und körperliche Erschöpfung diagnostiziert]. Sechs Jahre voller Einsatz, zunächst erfolglos, dann mit ein bisschen Erfolg. Als er einsetzte, war es wohl ohnehin schon vorbei. Aber wenn man jung ist, erkennt man das noch nicht.“