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Start Blog Seite 339

Release der Woche: Rod Stewart – 1975-1978

Komfortable Atlantiküberquerung: als Rod The Mod sich von London nach Bel Air verdrückte

14 lange Lehr- und Wanderjahre in Großbritannien lagen schon hinter ihm, als Rod Stewart 1975 zum Sprung über den großen Teich ansetzte. Als Folkie 1961 gestartet, gehörte Rod The Mod mit Reibeisenstimme und Rupf-Vokuhila nacheinander Jimmy Powell & The Five Dimensions, The Hoochie Coochie Men, Steampacket, Soul Agents, Shotgun Express, The Jeff Beck Group und schließlich den Faces an. Eine parallel geführte Solokarriere lenkte er mit dem Debüt 1969 auf dem Label Mercury in professionelle Bahnen, mit der dritten LP EVERY PICTURE TELLS A STORY gar in trockene Tücher. Als sein Dauer-Gitarrenspezi Ron Wood 1975 zu den Stones wechselte, übernahm der in Glitzer-und Leopardenanzüge gehüllte Roddy keck den Faces-Plattenvertrag bei Warner Bros. und verdrückte sich in die USA.

Die LP-Box 1975–1978 umfasst vier weltweite Platinalben jeweils im 180-Gramm-Format und Originalcover plus Raritäten-LP. Auf dem von Tom Dowd in den USA produzierten sechsten Studiowerk ATLANTIC CROSSING mit einer handverlesenen Studio Gästeschar (u. a. Jesse Ed Davis, Memphis Horns,Booker T. & The M.G.’s, David Lindley) paarte Stewart seine Mercury-Solojahre mit den Faces-Erfahrungen, spülte die zehn Tracks, darunter die Charthits ›Sailing‹, ›This Old Heart Of Mine‹ und ›I Don’t Want To Talk About It‹, allerdings im Weichgang – von da an kassierte er Edelmetall zuhauf. Als ähnlich gestrickt, doch weitaus markanter erwies sich 1976 A NIGHT ON THE TOWN. Drei Auskopplungen dienten als Appetizer. In ›Tonight’s The Night (Gonna Be Alright)‹ ließ Rod seine damalige Dauerverlobte Britt Eklund einen Sprechteil übernehmen.

Eine herzergreifende Story um einen fiesen homophoben Mord beinhaltete ›The Killing Georgie Part I & II‹. Als Coverversionen dienten Cat Stevens’ ›The First Cut Is The Deepest‹, Gib Gilbeaus ›Big Bayou‹ und Manfred Manns ›Pretty Flamingo‹. Merklich erblondet, bot Rod auf FOOT LOOSE & FANCY FREE 1977 mit dem Kracher ›Hot Legs‹, den Balladen ›I Was Only Joking‹ und ›You’re In My Heart‹ sowie den überlangen Soul-Coverversionen ›You Keep Me Hangin’ On‹ und ›(If Loving You Is Wrong) I Don’t Want To Be Right‹ einmal mehr grundsolide Kost. Nunmehr an der US-West-Coast heimisch, bediente er sich auf BLONDES HAVE MORE FUN des gleichen stilistischen Tricks wie SOME GIRLS der Rolling Stones: Als Keytrack empfahl sich ein auf Disco-Sound getrimmter Tanzflächenfüller – ›Da Ya Think I’m Sexy?‹. ›Dirty Weekend‹ und den Titelsong hätten die Faces nur minimal derber verrockt. ›Ain’t Love A Bitch‹, ›Attractive Female Wanted‹ und ›Is That The Thanks I Get?‹ besaßen intensive Ohrwurmqualität. Mit ›Standin’ In The Shadows Of Love‹ fehlte auch nicht der obligatorische Motown-Soul-Oldie. Die Bonus-LP ENCORES 1975–1978 umfasst zehn Outtakes der Ära, darunter die bis dato unveröffentlichten Tracks ›Silver Tongue‹ und ›Don’t Hang Up‹.

Suzi Quatro: Quatro gewinnt

Während sich bei anderen Musikern häufig mit fortschreitendem Alter eine gewisse Milde einstellt, dreht Suzi Quatro noch mal richtig auf und liefert das zumindest stellenweise härteste Album ihrer bisherigen Karriere ab. Wer sich bei NO CONTROL von 2019 schon dachte, diese Frau wäre nicht aufzuhalten, dem haut die 70-Jährige mit THE DEVIL IN ME jetzt ein Werk um die Ohren, das vor Energie nur so übersprudelt. Warum sich die selbstbewusste Künstlerin nach wie vor so dynamisch fühlt, wieso das Songwriting mit ihrem Sohn so ausgezeichnet funktioniert und wie sehr das musikalische Erbe ihrer Heimat Detroit auch heute noch durch ihre Adern pumpt, erzählt Suzi Q im Interview mit CLASSIC ROCK.

Hey, Suzi! Bist du gerade in Deutschland oder in England?
Ich bin in UK, nur mein Mann lebt in Deutschland. Wir haben uns seit Monaten nicht mehr gesehen, aber mein ganzes Leben spielt sich nun mal hier ab, seines in Hamburg. Ein Umzug würde für keinen von uns beiden infrage kommen.

Trotzdem sprechen wir heute über eine schöne Sache, über THE DEVIL IN ME. Können wir dessen Entstehung komplett auf den Lockdown schieben?
Ich bin ein sehr kreativer Mensch, ich arbeite ständig, schreibe und denke. Gerade habe ich zwei Bücher in der Pipeline. Im Dezember 2019 hakte die Plattenfirma mal wegen eines neuen Albums nach, da war mein Sohn jedoch gerade mit seiner Band unterwegs und ich hatte 95 Shows geplant. Keine Zeit also! Dann kam der Lockdown um die Ecke und wir hatten die Möglichkeit, uns ohne Ablenkungen auf die neuen Songs zu konzentrieren. Meiner Meinung nach haben wir so mein bisher bestes Album erschaffen.

Ich dachte schon bei NO CONTROL, dass es ziemlich kraftvoll war, aber THE DEVIL IN ME legt noch mal eine Schippe drauf …
(lacht) Es ist lustig, dass du das sagst, denn fast jeder meint zu mir: „Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass du dich noch mal steigern würdest. Aber genau das hast du getan.“ (lacht) Keine Ahnung, wie wir das gemacht haben. Vielleicht liegt es daran, dass wir für dieses Projekt eine ganz klare Vision hatten, einfach mehr Plan, weil mein Sohn und ich ja nun schon zum zweiten Mal miteinander arbeiteten.

Ihr seid jetzt also das neue Traumpaar des Songwritings?
Es klappt echt wunderbar zwischen uns. Ich wusste früher gar nicht, dass er das in sich trägt, weil er mir nie irgendwas von sich gezeigt hat. Der Erfolg des letzten Albums steigerte sein Selbstbewusstsein enorm. Bei THE DEVIL IN ME ist er förmlich explodiert vor Tatendrang.

Seid ihr zwei sehr harmonisch beim Arbeiten?
Wir verstehen uns richtig gut und ich vertraue ihm zu 100 Prozent. Wann immer er eine Idee hat, verlasse ich mich auf ihn, weil ich weiß, dass er das nur für mich tut. Er flog los und ich flog mit ihm. Das hat sich zu einer tollen Partnerschaft entwickelt. Uns fällt echt gutes Zeug ein.

Du meintest, dass du für THE DEVIL IN ME an deine allererste Platte von 1973 zurückgedacht hast. Warum?
Na ja, das war ein bahnbrechendes Album. Niemand hatte so etwas vorher getan. Es gab damals keine Bassistin, die eine Band anführte und Rock’n’Roll spielte. Wir wollten, dass dieses Werk genauso wegweisend sein würde. Wir mussten NO CONTROL überbieten. Dann gingen wir noch einen Schritt weiter und überboten SUZI QUATRO.

Aber nicht, weil du einen Kreis schließen und danach aufhören willst?
Nein. Ich finde es irgendwie urkomisch, dass ich 70 Jahre alt bin. Nicht, dass mir diese Zahl
etwas bedeuten würde. Ich fühle mich so wohl wie nie zuvor und bin stolz darauf, so alt zu
sein und immer noch mein Ding durchzuziehen.

Alice Coopers neues Album DETROIT STORIES dreht sich um deine Heimatstadt. Auf der zugehörigen THE BREADCRUMBS EP von 2019 hat er deinen Song ›Your Mamma Won’t Like Me‹ gecovert …
Ich hätte da sogar mitmachen sollen. Es war geplant, dass ich Bass spiele und singe. Natürlich wollte ich nach dem Mix noch mal alles hören und meinen Segen geben. Doch Bob Ezrin meinte, dass das nicht ginge, und redete ein bisschen um den heißen Brei herum. Am Ende hätten sie vielleicht nur eine Zeile von mir genommen und da setze ich natürlich nicht meinen Namen drunter. Ich habe mit Alice gesprochen, wir sind alle cool miteinander, aber das war nichts für mich.

Pulsiert Detroit auch heute noch durch deine Adern?
Absolut, Detroit gab mir meine Kante, mein Selbstbewusstsein. Alice und ich sprechen oft darüber und sind zu dem Schluss gekommen: Wenn Detroit einmal in deiner DNS ist, bleibt es dort. Das hört man auch in Songs wie ›Motor City Riders‹. Mit diesem Text habe ich mir viel Mühe gegeben, weil er genau wiedergeben sollte, wie es war, in Detroit aufzuwachsen. Es sollte eine Hymne für meine Heimat werden.

Detroit spiegelt sich auch in den teilweise echt dreckigen und harten Riffs wider …
Auf jeden Fall! Auch der Motown-Aspekt ist an manchen Stellen herauszuhören. In der Platte ist echt viel Detroit, obwohl das gar nicht meine Absicht war.

Wobei du auch deine sanfte Seite zeigst.
Ja, auf ›My Heart And Soul‹ zum Beispiel. Ich arbeitete im Garten, mein Sohn im Studio. Ich hörte die Melodie, sprang sofort auf und sang die ersten Zeilen ein. Der Song hat unmittelbar mein Herz berührt und ich wollte dieses erste Gefühl nicht kaputt denken, sondern einfach ungefiltert rauslassen. Bei den eigentlichen Aufnahmen bekam ich es nicht mehr so hin, bis ich das Demo nochmal gehört habe und wieder in diese Emotion eintauchen konnte. Die Wege der Kreativität sind manchmal unergründlich.

In ›The Devil In Me‹ singst du von Fehlern, die du gemacht hast …
Meine größten Fehler sind nur passiert, weil ich nicht auf meinen Instinkt gehört habe. Ich habe eine sehr gute Menschenkenntnis, ich kann Leute lesen wie Bücher. Inzwischen habe ich gelernt, mich darauf zu verlassen. Und mein Mann auch. (lacht)

Suzi, wie war das eigentlich so mit den männlichen Groupies?
Die gab es natürlich. Aber ich sage mal so: Man braucht schon ordentlich Eier, um sich an Suzi Quatro heranzutrauen. (lacht)

Rival Sons: „Pair Of Aces“-Livestream

Gerade eben haben die Rival Sons zwei Live-Stream-Konzerte angekündigt. Unter dem Titel „Pair Of Ace“ wird die Band aus Long Island anlässlich der Neuauflagen ihres ersten Albums BEFORE THE FIRE sowie ihrer ersten selbstbetitelten EP zwei Shows im Livestream auf Catalina Island (vor der Küste Kaliforniens) spielen.

Am 19. Juni spielen die Sons BEFORE THE FIRE von vorne bis hinten durch, am 26. Juni die EP in voller Länge. Mit einem stimmungsvollen Trailer macht die Band auf die Events aufmerksam.

Das letzte Wort: Alanis Morissette

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Mit einem der größten Alben der Musikgeschichte wurde sie vor 25 Jahren zum Superstar und einem der wenigen Menschen, die man tatsächlich als „Stimme einer Generation“ bezeichnen könnte. Und sie hat große Hoffnung für diese und kommende Generationen.

Ein Erfolg wie der von JAGGED LITTLE PILL ist unwiederholbar. Das war der Kanadierin schon damals klar, weswegen sie es erst gar nicht versucht hat und stattdessen die dadurch gewonnene Freiheit nutzte, komplett nach ihren Regeln zu arbeiten und alle paar Jahre introspektive, nicht immer hitträchtige, aber immer hörenswerte Alben zu veröffentlichen. Anlässlich des jüngsten Werks SUCH PRETTY FORKS IN THE ROAD sprach sie mit uns über die Perspektiven in diesem Schicksalsjahr.

Alanis, wie hast du diese Monate des Wahnsinns bislang erlebt?
„Monate des Wahsinns“, das wird der Titel unserer Memoiren. Es war ein bisschen von allem, das hängt immer davon ab, wann du mich erreichst. In manchen Momenten strahle ich vor Zuversicht, sehe Chancen, unser Wertesystem zu konkretisieren, neue Prioritäten zu setzen und zu sehen, was wirklich ist. Aber in anderen Momenten habe ich große Angst und Panikattacken, oder ich bin einfach nur apathisch und durchlebe irgendwie den Alltag mitten in einer Pandemie. Es ist eine Achterbahnfahrt.

Für Künstler ist es gerade eine besonders schwierige Zeit, weil sie ohne Konzerte nichts verdienen können.
Das ist schlimm, natürlich. Kreativ gesehen hängt es aber sehr vom Individuum ab. Introvertierte Menschen profitieren eher davon, extrovertierte finden es ungleich schwerer. Aber man kann immer noch Musik machen, nur eben zuhause statt im Studio. Und das lohnt sich total. Wir machen gerade ein Meditationsalbum, das wir über Zoom aufnehmen.

Ein Meditationsalbum?
Oh ja. Mein Nervensystem ist ziemlich angespannt, was wirkt also beruhigend? Meditation. Das funktioniert nicht für alle. Es gibt überraschend viele Menschen, die an sogenannten „entspannungsinduzierten Beklemmungen“ leiden. Sobald sie sich entspannen, schreit die Stimme in ihrem Kopf: „GEFAHR! GEFAHR!“ Für sie ist der Gedanke, komplett still und mit ihren Gedanken allein zu sein, ein Horror. Doch ich brauche das. Allein an einem menschenleeren Strand zu liegen klingt gerade wie ein absoluter Traum. Und ich habe schon sehr lange darüber nachgedacht, so eine Platte zu machen, nicht erst durch diese Situation. Allerdings wäre sie ohne diese neue Realität ehrlich gesagt wahrscheinlich nie zustande gekommen. Als Nächstes mache ich mich dann an unser
Familienalbum.

Der Titel deines aktuellen Albums erwies sich als erstaunlich treffend für unsere Zeit. Es befasst sich zudem mit eher düsteren Gedankenwelten.
Es ist die Kulmination dieses existenziellen Imperativs, zu schreiben, was in mir ist. Und manchmal denke ich mir dabei: „Interessant, Gott, warum musste ich das mitteilen?“ Wenn ich mich mit Therapeuten oder Freunden darüber unterhalte, was los ist, fühle ich mich nicht wirklich besser. Wenn ich es aber unterdrücke, werde ich ziemlich schnell depressiv. Also muss ich schreiben. Die Kunst in mir ist wie das Kind in mir, der Teil von mir, der tagsüber nicht sprechen darf. Im Studio darf er es dann plötzlich.

Und wie schön ist diese Weggabelung, an der wir nun stehen?
Für mich persönlich hat sie positive Seiten. Ich kann viel Zeit mit meiner Familie verbringen, ich bin gerne zuhause. Auf Tour bin ich nur im Überlebensmodus, aber hier kann ich Ideen sammeln, ausbrüten, recherchieren und kreativ sein. Global gesehen ist es differenzierter. Die Ansichten mancher Leute machen mir Angst. Sie denken, die Wirtschaft sei wichtiger als das körperliche und geistige Wohlbef inden der Menschen. Sie kümmern sich mehr um ihren Wahlkampf als um das, was jetzt richtig für die Gesellschaft als Ganzes wäre. Aber ich bin dennoch zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir am Beginn einer optimistischeren Zeit stehen. Wenn ich mir meine Kinder ansehe, denke ich nur, alles wird gut. Sie sind klug, beseelt, haben Prioritäten, die die Bedürfnisse von Menschen widerspiegeln. Es gibt jetzt eine Generation, die mit Akzeptanz groß wird, einer Liebe für Feminismus und einem Bewusstsein für Geschlechteridentitäten. Die Eltern lernen das noch, aber die jungen Leute müssen es nicht lernen, sie leben es in Echtzeit, es ist normal für sie. Wertesysteme werden von den Menschen diktiert, wir sagen, was wichtig ist. Und ich liebe die Proteste überall. Natürlich nicht die Gewalt dabei und dass Menschen verletzt und sogar getötet werden. Aber ich liebe es, dass weltweit so viele Leute aufstehen und sagen: „Diese Gegenwart ist scheiße“. Ich finde es wunderbar, dass sie alle im Kollektiv sagen: „Hey, das ist nicht in Ordnung“.

Aber wie viel Veränderung hältst du für realistisch?
Na ja, extreme Quantensprünge sind nie nachhaltig. Die Evolution unseres Bewusstseins verläuft eher im Schneckentempo. Doch so lange diese Evolution überhaupt stattfindet und nachhaltig ist, geht das in Ordnung. Auch wenn ich mir natürlich oft wünsche, es würde schneller gehen.

Queen: Neues Soloalbum von Roger Taylor

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Der Drummer hat während des Lockdowns nicht nur eine neue Version von ›We Will Rock You‹ mit seinen Bandkollegen Brian May und Adam Lambert aufgenommen, sondern auch sein eigenes Soloalbum.

OUTSIDER heißt das Projekt und soll auch von einer Tour begleitet werden. 14 Shows wird der Brite spielen und das auch vorerst nur in seinem Heimatland, dem Vereinigten Königreich. Da die anstehende Queen-Tour von 2020 zwei Mal verschoben wurde und jetzt im Sommer 2022 geplant ist, hat er dafür genügend Zeit. Bereits im Sommer 2020 erschienen erste Songs des Briten auf seinem YouTube-Kanal, wie hier ein Cover von John Lennons ›Isolation‹.

Selbst sagt er dazu: „Das ist meine bescheidenste Tour, ich will einfach nur eine Menge Spaß, gute Musik und dass es jeder genießt. Ich freue mich sehr darauf. Werde ich auch Queen-Songs spielen? Absolut!“

Die Platte wird offiziell am 01. Oktober 2021 erscheinen und ist auf Vinyl, CD oder auch Kassette erhältlich. Das letzte Solo-Album des Drummers erschien vor acht Jahren. Dank des Lockdowns reflektiert er auf OUTSIDER und widmet es all den Außenseitern.

In Memoriam: Roky Erickson

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Roky Erickson, Frontmann der legendären Psychedelic-Band The 13th Floor Elevators, ist am 31. Mai 2019 im Alter von 71 Jahren verstorben. Die Nachricht wurde von seinem Bruder Mikel Erickson bestätigt, der auf Facebook schrieb: „Mein Bruder Roky ist heute friedlich von uns gegangen. Gebt uns bitte Zeit. Musik und Lachen für immer.“

Unter den vielen Musikern und Wegbegleitern, die Tribut zollten, war auch Mark Lanegan, der auf Twitter verkündete: „Ich bin erschüttert, von Roky Ericksons Tod zu hören. Einer der Gründe, warum ich zu singen begann. Eine riesige Inspiration und ein Gigant der Rockgeschichte. In den 80ern rief ich ihn jeden Tag an. Alle paar Monate ging er sogar ran und wir unterhielten uns über Horrorfilme. Was für ein Verlust. R.I.P.“

1965 in Austin, Texas, gegründet, landeten die 13th Floor Elevators schon Anfang 1966 mit ›You’re Gonna Miss Me‹ einen regionalen Hit, einer brutalen Proto-Punk-Hymne, geschrieben von Erickson. Im Oktober hatte es die Single dann in die Billboard-Charts geschafft.
Im folgenden Monat erschien das Debütalbum THE PSYCHEDELIC SOUNDS OF THE 13TH FLOOR ELEVATORS. Angetrieben von Ericksons außergewöhnlichem Heulen und dem lysergischen Gurgeln von Tommy Halls E-Gitarre, klangen sie wie keine andere Band zuvor – und auch danach.

„Das ist bis heute etwas, das mich im wahrsten Sinne des Wortes umhaut“, sagte Billy Gibbons von ZZ Top. „Wenn man das anhört, verändert es die Neuronen. Roky Erickson zog nicht mal in Erwägung, sich an traditionelle Grenzen oder Formate zu halten. Tatsächlich wurden die Elevators zu selbsternannten Pionieren eines psychedelischen Trips, der scheinbar weit über die Gegenwart hinaus zu dauern scheint.“

Anders als die meisten ihrer gitarrengetriebenen Zeitgenossen hatten die Elevators kein Interesse an Rebellion um der Rebellion willen. Sie machten Musik für Suchende und verbanden ihren unwirschen Rock mit mystischer Philosophie. Laut Texter Tommy Hall konnte man durch die korrekten Mengen an LSD, Meskalin, Pilzen und Musik die Pyramide der Erleuchtung erklimmen. Ihre besten Songs – ›Roller Coaster‹, ›Fire Engine‹ oder ›Reverberation (Doubt)‹ – waren so verblüffend wie genial.

Nach einer Tour durch Kalifornien mit Quicksilver Messenger Service Anfang 1967 stand den Elevators der Durchbruch bevor. Doch das Album schaffte es nicht in die Charts. Ihr Label International Artists wurde panisch und organisierte ein desaströses Konzert in Houston, wo Erickson von einer Kombination aus Beklemmung und LSD wie gelähmt war.

Das neu erbaute Houston Music Hall Theatre war in jenem Februar 1967 gerammelt voll. All die wichtigen Männer der Plattenfirma waren anwesend, ebenso wie eine ganze Reihe von Technikern mit Aufnahmegeräten, die ein Livealbum mitschneiden wollten. Doch schnell wurde klar, dass hier nichts so lief wie geplant. Die Polizei zeigte eine große Präsenz, hauptsächlich aufgrund des Rufs der Elevators, Drogenfreaks zu sein. Paranoia machte sich breit und die Band war nervös. Bevor sie auf die Bühne gingen, warf sich Gitarrist Staxy Sutherland einen LSD-Trip ein. Als der zu wirken begann, verwandelten sich Erickson und Hall vor seinen Augen in Wölfe. Dann, wie sich Sutherland später erinnerte, wurde er von Engeln besucht, die ihm sagten, er werde sterben.

Der Auftritt war eine Katastrophe. Sutherland war nur körperlich anwesend. Erickson war selbst benebelt. Der Plan für das Livealbum wurde begraben und die Elevators verloren Dynamik. Statt auf eine landesweite Tournee zu gehen, waren sie zu einem Leben als Act mit Kultstatus in der Clubszene von Texas verdammt.

Diese Show war der Inbegriff der gesamten Karriere der 13th Floor Elevators. Sie waren die erste und wohl auch großartigste Psychedelic-Band ihrer Zeit. Sie hatten die Songs, die Einstellung und das Talent, doch es lief sehr schnell sehr schief, torpediert von Pech, schlechten Entscheidungen und echtem Wahnsinn. Als die Band mit den Aufnahmen zum zweiten Album EASTER EVERYWHERE begann, zeigten sich schon Auflösungserscheinungen. Nach einigen Drogenrazzien standen Konflikte mit dem Gesetz auf dem Programm.

Als EASTER EVERYWHERE schließlich im November 1967 erschien, klang es so, als hätte sich die Investition des Labels doch bezahlt gemacht. Die Elevators waren immer noch in erster Linie eine duchgeknallte Gitarrenband, doch die Texturen waren nun detaillierter und ein gewachsenes Spektrum ließ Raum für Folk- und orientalische Einflüsse.

Doch EASTER EVERYWHERE verkaufte sich noch schlechter als sein Vorgänger, und im April 1968 spielten die Elevators ihren letzten Gig. Ihr Ende wurde von Ericksons zunehmend unberechenbarem Verhältnis nur noch beschleunigt. Sein Beitrag zu einer letzten Platte, BULL OF THE WOODS von 1969, war kaum nennenswert. Schon davor war ohnehin alles vorbei gewesen. Als er in jenem Jahr im Besitz von Marijuana erwischt wurde, plädierte er auf Wahnsinn, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Stattdessen wurde er in eine Nervenheilanstalt geschickt, landete letztlich aber im Gefängnis von Rusk für kriminelle Geisteskranke.

Anfang der 80er versuchte sich Erickson an einer Solokarriere, doch nach Jahren in Haft hatte er ernsthafte Probleme. Die Dämonen, über die er auf reißerischen Songs wie ›Two Headed Dog‹ oder ›Creature With The Atom Brain‹ schrie, schienen viel zu real zu sein.

Schrittweise begann er, wieder in der Öffentlichkeit aufzutreten, und vor drei Jahren spielten die 13th Floor Elevators ihr erstes gemeinsames Konzert seit 45 Jahren beim Levitation Festival in Austin. Ericksons Kampf mit der Geisteskrankheit wurde in einer Dokumentation von 2007 nacherzählt, benannt nach jener ersten Single ›You’re Gonna Miss Me‹.

Bill Bentley, Produzent von WHERE THE PYRAMID MEETS THE EYE, einem Allstar-Tribute-Album für Erickson von 1990 mit u. a. ZZ Top und R.E.M., sagte zu „Variety“: „Roky lebte in so vielen Welten, man konnte nie mit ihm mithalten. Er lebte so viel, und nicht immer auf diesem Planeten.“

„Ich hatte einfach Spaß mit all meinen Sachen“, sagte Erickson selbst 2009. „Damit war ich sehr anspruchsvoll, denn das ist eine Entscheidung, die man trifft. Würde ich irgendetwas anders machen, wenn ich meine Zeit noch mal zurückbekäme? Ich glaube, ich würde genau dieselben Dinge tun.“ (Text: Rob Hughes/Fraser Lewry)

Video der Woche: Status Quo mit ›Caroline‹

Francis Rossi wird heute 72 Jahre alt. Grund genug, sich ›Caroline‹ anzuschauen, den Song, den er auf einer Serviette schrieb.

Der Track, der auf dem sechsten Studioalbum von Status Quo zu finden ist, war jahrelang die Eröffnungsnummer bei den Konzerten der Briten. Geschrieben wurde er 1971 von Francis Rossi und Bob Young in einem Hotel. Weil gerade kein Papier zur Hand war, musste eben die Serviette herhalten. Zwei Jahre später war der Song auf der Platte HELLO! zu finden.

Rossi selbst spielte die Gitarre und den Bass auf einem der ersten Demos. Aufgenommen wurde es dann vor allem unterwegs auf Tour. Zuvor hatte es sich um einen langsameren Blues-Song gehandelt, doch mit einer Verdopplung des Tempos wurde daraus die Nummer, wie man sie kennt. Zwischen der Single und dem Album gibt es jedoch noch einen Unterschied: Auf der Platte hat der Song ein Ende während er bei der Single ausfadet.

Gitarrenhelden: Freddie King

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Ein Beitrag aus CLASSIC ROCK #100

Sein Name wird in Blueskreisen mit Ehrfurcht ausgesprochen, doch er genießt nicht das gleiche Ansehen wie seine nicht mit ihm verwandten Namensgenossen B.B. oder Albert, teils wohl, weil er 1976 mit nur 42 Jahren verstarb – zu jung, um einer der wirklich Großen seines Genres zu werden. Doch wer auf den Geschmack seiner faszinierenden Mischung aus Texas- und Chicago-Blues kommen will, sollte in den reichhaltigen Studiokatalog der „texanischen Kanonenkugel“ ab dem 1961er Debüt FREDDY [sic] KING SINGS eintauchen und sich Live-Clips online ansehen. Mal enthusiastisch euphorisch, mal tränenreich expressiv, hat Kings Gitarrenstil Clapton, Chris Robertson (Black Stone Cherry) und zahllose weitere Künstler beeinflusst. Ein beseelter Sänger wie imposanter Mann, schnallte er sich seine Gitarre nur um die rechte Schulter und zupfte seine bluesigen Noten hauptsächlich mit Daumen und Zeigefinger, während er jedes letzte Gramm Gefühl aus ihnen wrang. Ein großer Mensch mit großem Charakter – dieser King war „the real deal“. (Text: Grant Moon)

Anspieltipp: ›Going Down‹ (Freddie King, GETTING READY, 1971)