Als Songwriter und Producer für Größen wie Lana del Rey, Lorde oder St. Vincent hat Jack Antonoff in den letzten Jahren bewiesen, dass sich Mainstream und Intellekt nicht widersprechen müssen. Und auch als Mastermind der Bleachers leistet der amerikanische Multiinstrumentalist und Musikvisionär ziemlich starke Arbeit, die Genregrenzen zwischen Indiepop und Alternative Rock mit seinem sympathisch kauzigen LoFi-Sound immer weiter zu verwischen. Eine Leistung, die kürzlich auch von seinem großen Idol Bruce Springsteen anerkannt wurde, der als Special Guest auf der ersten Vorabsingle ›Chinatown‹ zu hören war. Mit seinem dritten Album liefert der New Yorker Stadtneurotiker nun ein weiteres kleines Meisterwerk ab, auf dem er seine bipolare Gratwanderung zwischen sarkastischen bis melancholischen Lyrics und verstörend euphorischen Pop-Momenten fortsetzt.
https://youtube.com/watch?v=tTi_q2TwJ9I
8 von 10 Punkten
Bleachers, TAKE THE SADNESS OUT OF SATURDAY NIGHT, RCA/SONY
WAKING UP THE GIANTS, ihr Debüt vor fünf Jahren, war keine Riesentat – Hymnen-Rock mit Electro-Pop und austauschbar. Selbst das Loblied auf Bob Marley saß nicht. Jetzt fordern Grizfolk: ›Be My Yoko‹. Natürlich gibt es keine experimentelle Umwälzung wie bei Frau Ono. Doch die Jungs wirken lockerer. ›Fumes‹ überzeugt mit mehrstimmigem Gesang und Wachmacher-Mentalität.
In ›Now That I Know‹ funktioniert das mit den elektronischen Beigaben, man denkt an The Cars. ›Gone‹ und ›Queen Of The Desert‹ passen mit Western-Romantik in jedes Roadmovie. ›Stargazer‹ wird sicher in die Auswahl kommen, wenn es um den Tom-Petty-Gedächtnispreis geht. ›The Ripple‹ ist ansteckend melodiös. Den täglichen Überlebenskampf bringt man in ›Money‹ mit Blues-Untertönen zum Ausdruck. Nun ist es ja so, dass Sänger Adam Roth und seine Kumpels dieses Album nach ihrer Band benannt haben. Was das ist, Grizfolk, weiß man aber immer noch nicht so genau. Wo ist es, das eigene Profil, inmitten der vielen Puzzleteile? Daran können diese Interkontinental-Liebhaber noch arbeiten. Aber sie machen Fortschritte, schreiben bessere Songs. Dafür ein anerkennender Klaps.
Tja, liebe Classic-Rock Freunde, das schönste Instrument der Welt ist nicht die E-Gitarre, sondern die menschliche Stimme. Und so kam es, dass Sänger und Gitarrist Dan Auerbach von den Black Keys das britische Stimmwunder erneut produzierte, eigentlich wollten die Keys die soulige Stimme im letzten Jahr im Vorprogramm ihrer Stadiontournee dabeihaben. Das Grammy-nominierte WALK THROUGH FIRE wurde eher im Country und Americana einsortiert, auf der neuen Scheibe dominieren eher Soul und Pop. Trocken und eher retro produziert, geht STAND FOR MYSELF direkt in die Beine und ins Herz, statt sich auf das coronageplagte Gemüt zu setzen. In dieser musikalischen Zwangspause hatte sie auch genug Zeit, reflektierte und optimistische Texte zu verfassen. Yola wuchs in einem musikfreien Elternhaus im britischen Bristol auf. Ihre ersten musikalischen Gehversuche machte sie als Backgroundsängerin für Acts wie Massive Attack oder die Chemical Brothers. Auf ihrem neuen Album vergisst sie nicht, der sich in ihrem Reichtum sicher fühlenden Oberklasse den Marsch zu blasen, den zu kurz gekommenen Leuten Optimismus einzuhauchen und gegen Vereinsamung anzusingen. Wer meint, die Scheibe sei unrockbar, der höre einfach den Titelsong am Schluss …
Ingrid Andress beginnt diesen Herbst mit ihrer „The Feeling Things“-Tour in Boston, um dann nach mehreren Stationen in den USA und Europa auch für zwei Shows nach Deutschland zu kommen.
Die „The Feeling Things“-Tour ist die erste Headliner-Tour des aufstrebenden Nashville-Stars seit ihrer US- und Europa-Tour 2019 und gibt Andress die Möglichkeit, ihr GRAMMY-nominiertes Debütalbum LADY LIKE live zu präsentieren.
Nachdem Don Marco ständig wechselnde Bandbesetzungen satt hatte, entschied er sich für einen fließenderen Ansatz.
Die „kleine Freiheit“ sind einfach Freunde und Bekannte von Markus Naegele, wie der Münchener mit bürgerlichem Namen heißt. Die meisten Musiker kannten sich zuvor nicht einmal, waren aber trotzdem sofort mit an Bord, als es um eine Platte ging. Für das aktuelle Album GEHST DU MIT MIR UNTER, das innerhalb weniger Tage im Studio aufgenommen wurde, gibt es jetzt ein Americana-inspiriertes Video zum Track ›Der Antrieb ist hin‹.
In einem Twitter-Beitrag erklärte Eddie Trunk, dass er sich gerade mit Billy Gibbons von ZZ Top ausgetauscht habe. Bezüglich der Zukunft der Band nach dem Tod von Dusty Hill meinte Gibbons wohl, dass ZZ Top auch ohne Dusty Hill weitermachen werden. Ganz nach Dustys Motto „Let the show go on!“.
In einem jüngsten Interview mit CLASSIC ROCK meinte Billy Gibbons außerdem, dass ein neues ZZ-Top-Album bereits in Arbeit wäre.
Dusty Hill, Bassist und Gründungsmitglied der Texaner, ist am 28. Juli gestorben. Die Todesursache wurde bisher nicht bekannt gegeben.
Received this just now via text from @BillyFGibbons regarding passing of Dusty Hill @ZZTop . Billy told me okay to share w/fans: As Dusty said upon his departure, “ Let the show go on!”.and…with respect, we’ll do well to get beyond this and honor his wishes.
Trotz des texanischen Feuers, das in seinem Innersten lodert, ist Billy F. Gibbons cooler als ein Zentner Eiswürfel. Nicht nur modisch gesehen legt er in seinem Nudu (so nennt man seine badvorlegerartige Kopfbedeckung) regelmäßig optische Punktlandungen hin, auch sonst glänzt der ZZ-Top-Mann neben seiner Gitarrenvirtuosität mit einer zur Selbstironie neigenden Stilsicherheit – oder gibt es etwa sonst noch jemanden in diesem Universum, der sechs an Plüsch getackerte Saiten mit so viel Haltung spielen kann wie Billy? Auch auf seiner neuen Soloplatte HARDWARE beweist er einmal aufs Neue, dass seine Attitüde irgendwo im tiefgefrorenen Bereich liegt: Das Album ist ein überaus gelungener, teilweise richtig hart zwischen Blues, Stoner und sandigem Surf rockender Wurf, der gemeinsam mit Drummer Matt Sorum in der kalifornischen Wüste entstand und viel hungriger und frischer klingt, als man es einem 71 Jahre alten Herren in sengender Hitze zutrauen möchte. Im Interview mit CLASSIC ROCK sprach Professor Gibbons über diesen mysteriösen Desert-Ritt namens HARDWARE, seine Pläne mit ZZ Top und gab im Anschluss mit seinem zähen texanischen Akzent noch eine kleine Lehrstunde in Sachen Southern Rock.
Warum wolltest du diese Platte in der kalifornischen Wüste aufnehmen? Dazu sollte ich vielleicht ein bisschen zurückgehen und die ganze Geschichte erzählen. Mein Kumpel Matt Sorum – jeder kennt ihn von Guns N’ Roses, Velvet Revolver und The Cult – rief mich an und fragte, was ich so treiben würde. Und ich nur so: „Na ja, wie jeder andere auch tue ich überhaupt nichts!“ (lacht) Er meinte, dass er ein cooles Studio in der Nähe von Joshua Tree gefunden hätte. Ich dachte gleich an Rancho de la Luna, aber er erzählte mir, dass es auf der anderen Seite des Highways läge. Ich kannte diesen Ort gar nicht, also sind wir dorthin gefahren und haben uns das angeschaut. Ich ließ Frank Beard, den Mann ohne Bart, und Dusty Hill im Studio in Texas zurück und fuhr an die Westküste. Matt und ich wollten das neue Studio nur kurz auschecken. Sehr durchdachte Einrichtung, alles total schön gemacht und das mitten im Nirgendwo ohne Handyempfang. Na ja, wir sind dann einfach drei Monate geblieben. Wir hatten den Luxus, mit zwei grandiosen Toningenieuren arbeiten zu können – mit Mike Fiorentino und Chad Shlosser. Und so haben wir ziemlich schnelle und laute Nummern aufgenommen.
Wie können wir uns die Genese der neuen Songs vorstellen? Wie warst du in den drei Monaten so drauf? Eine gute Frage. Wir haben im Juni angefangen, was bedeutet, dass wir viele Monate zuvor einfach nichts getan hatten, was darin resultierte, dass wir sehr kurz davor waren, den Verstand zu verlieren. [Pluralis Majestatis; Anm. d. Red.] Aber so ist es halt mit dem Rock’n’Roll. Eigentlich war das eine ziemlich gute Ausgangssituation für ein neues Projekt. Das ist auch irgendwie interessant: Wenn wir eine neue ZZ-Top-Platte machen, haben wir schon einige solide Ideen, bevor wir loslegen. Bei HARDWARE hatten wir nichts – außer Wüstensand und Klapperschlangen vor der Nase – und trotzdem hat es funktioniert. Das war eine sehr ehrliche Herangehensweise an die Musik.
Ich denke, das hört man dem Album an. HARDWARE klingt unverbraucht undhungrig. Ja, ich glaube, deswegen haben wir uns auch so lange in der Wüste aufgehalten. Erst war ja nur ein kurzer Nachmittag geplant. Aus einem Nachmittag wurden drei Tage, aus drei Tagen dann ein Monat und so weiter. (lacht) Es hat einfach so viel Spaß gemacht nach all dem Leerlauf. Mir gefällt dieser Prozess, wie aus überhaupt nichts plötzlich etwas wird. Ich mag die Platte, es klingt anders, als man es von ZZ Top gewohnt ist, aber das war ja auch die Herausforderung.
Was gibt dir deine Soloarbeit, die dir dein Schaffen mit ZZ Top nicht gibt? Das Solozeug ist wohl eine experimentelle Erweiterung dessen, was ich binnen fünf Dekaden mit ZZ Top erreicht habe. Es ist mir wichtig, immer wieder zu betonen, was ich da mache: mit wirklich solider Rückendeckung arbeiten. Frank liefert genauso seinen ganz eigenen Stil eines Backbeats ab wie Matt, ich mag die Kraft, die hinter den beiden steckt. Bei meinen Solosachen trete ich aus meiner gewohnten Komfortzone in eine neue Komfortzone hinein. Dahinter verbergen sich mysteriöse Herausforderungen. Wenn ich das tun darf, was ich kann, und das ohne Zwang, dann tue ich es mit ganzer Leidenschaft.
Ist der letzte Track, ›Desert High‹, bei Vollmond mitten in der Wüste entstanden? Ziemlich genau so, um ehrlich zu sein. (lacht) Du hast ins Schwarze getroffen. Wir hatten das Gefühl, sehr gutes Material in kurzer Zeit erschaffen zu haben. Und dann haben wir – die zwei Ingenieure und die zwei Musiker – nochmal etwas aus dem Nichts hervorgezaubert. Wenn du dir den Text anhörst, merkst du schnell, dass da genau das beschrieben wird, was wir in den Sommermonaten so getrieben haben. Es ist alles in dem einen Track.
Du hast eine sehr schöne Erzählstimme. Schon mal darüber nachgedacht, Hörbücher einzusprechen? Na, die Zeit dazu hätten wir gerade jedenfalls. (lacht) Am Ende der Aufnahmesessions hatte ich 90 Tage durch geschrien. Als es dann an diesen Spoken-Words-Track ging, hatte ich ein ganz neues Stimmregister erreicht, sehr tief und mystisch, ha! (lacht) Es hat uns nichts ausgemacht.
Welche Gefühle erweckt die Wüste in dir? Man hat ja schon oft versucht, das zu beschreiben. Ich kann nur sagen: Man kann das in Worte fassen, in Bildern umsetzen, sich darüber unterhalten, aber ich denke, dieses eine fehlende Stück fehlt solange, bis du dir wirklich Zeit nimmst und dich in die Wüste begibst. An diesem Ort sind besondere magnetische Schwingungen, irgendwas, das man nicht beschreiben kann, obwohl man es ganz stark spürt. Es hilft also nichts: Wenn du das herausfinden willst, musst du losziehen.
Wie weit sind wir denn eigentlich mit der neuen ZZ-Top-Platte? Die Frage könnte ich dir in ein paar Stunden besser beantworten, weil ich jetzt dann mit den Jungs telefoniere. Der Mann ohne Bart und der Mann mit Bart haben mir gestern ein Rauchzeichen geschickt, dass es ihnen gerade sehr viel Freude bereite, als Rhythmussektion ein paar starke Backingtracks für mich auszuarbeiten. Das Schöne daran ist, dass ich dann einfach ins Studio gehe und bereits eine Plattform habe, auf der ich stehen kann. Es ist wie den Zuckerguss auf dem fertigen Kuchen zu verteilen. Da bewegt sich also einiges.
Gibt es irgendeine Situation auf dieser Welt, in der Billy Gibbons seine Coolness verliert? Vielleicht bei einem Duell mit einer Klapperschlange? (lacht) Oh ja, die gibt es tatsächlich. Ein Song auf HARDWARE heißt ja ›She’s On Fire‹. Obwohl wir sehr abgeschieden waren, sind wir alle paar Tage mal in ein nettes mexikanisches Café gefahren. Einmal gingen wir hinein und die Küche hatte Feuer gefangen. Die Chefin und Köchin, eine wundervolle junge Dame, stand inmitten der Flammen und rief: „Ich koche nicht, ich versuche, das Feuer zu löschen!“ Alles ging gut aus, aber das war so ein explosiver Moment, quasi „in the heat of the moment“, dass meine Coolness kurz dahinschmolz.
Eine sehr persönliche Frage: Wenn du müsstest, wem würdest du Pearly Gates vermachen? Wow! (lacht) Weißt du, die Kraft und Stärke, die in diesem ungewöhnlichen Instrument schlummern, bedürfen der Hände einer besonderen Person. Dieses Instrument spielt sich nicht von selbst, ist aber jederzeit bereit, im Mittelpunkt zu stehen. Jeder, der das im Kreuz hätte und alleine vor der ganzen Klasse stehen will, kann sich schon mal bereit machen.
Die zwei Männer mit Bart und Frank Beard, der Mann ohne Bart. Das ist ZZ Top. Und zwar seit über 50 Jahren. Doch vor wenigen Minuten veröffentlichten ZZ Top auf ihren Social-Media-Kanälen die unfassbare Nachricht: Bassist und Mitbegründer Dusty Hill ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
Die Todesursache ist bisher nicht geklärt, vor wenigen Tagen verkündeten ZZ Top jedoch, dass Hill sich kurzzeitig für eine Hüftoperation vom aktuellen Tour-Geschehen zurückziehen müsse.
Folgendes Statement postete die Band: „Wir sind in tiefer Trauer über die Nachricht, dass unser Compadre, Dusty Hill, in seinem Zuhause in Houston, Texas verstorben ist. Zusammen mit allen ZZ-Top-Fans dieser Welt werden wir deine unerschütterliche Präsenz, deinen guten Charakter und dein andauerndes Engagement, mit dem du die monumentale Basis von der „Top“ geliefert hast, vermissen. Wir werden für immer über den „Blues Shuffle in C“ miteinander vereint sein. Wir werden dich sehr vermissen, Amigo. Frank und Billy“