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Start Blog Seite 316

Inga Rumpf – UNIVERSE OF DREAMS & HIDDEN TRACKS

Deutschlands Super-Stimme, immer noch

Nicht, dass man es hätte bezweifeln müssen, aber eine erfreuliche Nachricht ist es dennoch: Inga Rumpf, seit Anfang August 75 Jahre alt, klingt noch immer so frisch und kraftvoll wie eh und je, was ihr Jubiläums-Doppelalbum eindeutig belegt. Das besteht aus zwei Teilen: UNIVERSE OF DREAMS enthält 13 neue Songs, allesamt selbst verfasst und erwartungsgemäß changierend zwischen Blues, Soul und Rock sowie mit kleinen Ausflügen ins Gospel-Fach. Nach all den Jahren im Business ist eine Rückschau aufs eigene Schaffen absolut statthaft, der Song ›Back To The Roots‹ thematisiert dann auch eine zwischenzeitige Entfremdung, die allerdings überwunden ist. Anders gesagt: Man darf nie vergessen, wo man herkommt, und im Falle von Frau Rumpf ist diese künstlerische Heimat eben zutiefst afroamerikanisch geprägt. Album Nummer zwei, HIDDEN TRACKS, enthält wiederum 13 Stücke der Jahre 1988 bis 2014, die aus mehr oder minder unerfindlichen Gründen niemals offiziell erschienen sind. Trotzdem hörenswert, und das nicht nur, weil die Herren Richards, Wood und Taylor streckenweise mitwirkten. Doch UNIVERSE OF DREAMS ist zweifellos der stringentere und letztendlich auch nährstoffreichere Teil des Werks.

7 von 10 Punkten

Inga Rumpf, UNIVERSE OF DREAMS & HIDDEN TRACKS, EARMUSIC/EDEL

Videopremiere: Dead Star Talk mit ›Top Of Our Lungs‹

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Vor ihrem Debütalbum Anfang nächsten Jahres kommt jetzt die dritte Single der Dänen.

Das Quartett entschied sich kurz vor der Pandemie, gemeinsam eine Band zu gründen. Unterstützt und produziert werden sie dabei von Flemming Rasmussen, der für Metallicas ›One‹ bereits einen Grammy gewonnen hat.

Bis zum Erscheinenen des Debütalbums hoffen Dead Star Talk, auch wieder die Chance zu haben, live zu spielen. Von den 45 geschriebenen Songs haben es schließlich zehn auf die Platte geschafft, unter anderem die Singles ›Love Leash‹, ›Too Many Too Much‹ und jetzt die dritte Single ›Top Of Our Lungs‹.

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Der Blick in die Plattenläden offenbart diese Woche Rock-Statements von Frontmännern, Wolfsgeschichten und Coveralben.

Dee Snider: LEAVE A SCAR

„Snider bewegt sich erneut in eher modernen Metalgewässern, die zwar manchmal aufgrund der steril wirkenden Gitarren etwas seicht sind, aber durch die Power und Präsenz des ehemaligen Twisted-Sister-Sängers definitiv an Tiefe gewinnen.“

Hier geht’s zur Review…

Los Lobos: NATIVE SONS

„Klar, der Pelz ist mittlerweile ergraut, die Zähne sind etwas wackelig, doch bissig ist dieses mittlerweile auf knapp 50 Band-Jahre zurückblickende Tex-Mex- und Roots-Rudel immer noch, wie sich in den 13 Songs von NATIVE SONS zeigt.“

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Axel Rudi Pell: DIAMONDS UNLOCKED II

„Viele der neuinterpretierten Lieder tragen ein eher in Moll gehaltenes Gewand und bekommen durch die kraftvollen Gitarren und Keyboards fast schon eine neue Farbe verpasst.“

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Son Volt – ELECTRO MELODIER

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Geschichten aus Amerika

„Wie kann nur so viel verkehrt laufen in einem Land, das sich selbst als leuchtendes Paradebeispiel für Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt betrachtet?“ Eine Frage, auf die Son-Volt-Mastermind Jay Farrar nun schon seit mehr als drei Dekaden eine Antwort sucht. Schon mit der Vorgängerformation Uncle Tupelo half der 54-jährige Musiker ab Ende der 80er-Jahre, die Genres Alt-Country und Americana zu prägen. Seit 1994 ist er mit Son Volt unterwegs, mit denen er nun sein mittlerweile zehntes Studioalbum veröffentlicht. ELECTRO MELODIER ist Farrars ganz persönliche Abrechnung mit einem bigotten System, in dem Hass, Gier und der allmächtige Wille zur Macht ebenso tief verankert sind, wie die amerikanischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau.

Verpackt in seinen bittersüßen Soundmix aus Country, Rock, Blues und Folk zeichnet das Quintett das Bild einer tief gespaltenen Nation, von deren einstigem Glanz im Jahr 2021 nicht mehr viel übriggeblieben ist. Eine moralische Bestandsaufnahme, mit der sich Son Volt nahtlos neben großen Zeitgeist-Kommentator:innen wie Bruce Springsteen, Patti Smith oder Neil Young einreihen.

9 von 10 Punkten

Son Volt, ELECTRO MELODIER, TRANSMIT SOUND/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Text: Nicko Emmerich

Los Lobos – NATIVE SONS

Zurück in die Zukunft mit dem Tex-Mex- und Roots-Rudel aus Los Angeles

Die Wölfe sind zurück: NATIVE SONS heißt das neue, mittlerweile 14. Album von Los Lobos. Klar, der Pelz ist mittlerweile ergraut, die Zähne sind etwas wackelig, doch bissig ist dieses mittlerweile auf knapp 50 Band-Jahre zurückblickende Tex-Mex- und Roots-Rudel immer noch, wie sich in den 13 Songs von NATIVE SONS zeigt. Man nehme nur mal den Opener ›Love Special Delivery‹: Hätte Sänger David Hidalgo eine um einen Tick wuchtigere Stimme, würde man glatt an „Tiger“ Tom Jones zu dessen Las-Vegas-Phase denken – richtig große Rock’n’Roll-Revue, köstlich! Auch in den weiteren Tracks setzt die Band aus Los Angeles, die hierzulande mit ihrem ›La Bamba‹- Cover 1987 zu Hit-Ehren kam, auf musikalische Vergangenheitsbewältigung: ›Jamaica Say You Will‹ lässt mit zauberhaften Melodien und blitzsauberen Harmony-Vocals an Crosby, Stills, Nash & Young denken, ›Farmer John‹ erinnert
mit punktgenauem Rhythm’n’Blues an Booker T. & the M.G.’s und in dem knapp siebenminütigen
›Bluebird/For What It’s Worth‹ zitieren sie den Buffalo-Springfield-Klassiker ›For What It’s Worth‹. Mit ›Sail On Sailer‹ covern sie dazu einen raren Beach-Boys-Klassiker. Auch das: absolut köstlich!

8 von 10 Punkten

Los Lobos, NATIVE SONS, NEW WEST/PIAS/ROUGH TRADE

Axel Rudi Pell – DIAMONDS UNLOCKED II

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Ein Griff in die Cover-Kiste

Ohne Liveshows scheint der gute Axel Rudi Pell doch etwas „unterarbeitet“ zu sein. Daher dachte sich der 61-jährige Gitarrist wohl, dass eine Fortsetzung des DIAMONDS UNLOCKED von 2007 eine schicke Idee wäre. Im Zuge der Pandemie und den fortlaufenden Auftrittsbeschränkungen ist diese Entscheidung getreu dem Motto „Wozu brandneue Songs herauszubringen, die man nicht live spielen darf?“ recht nachvollziehbar. Sinn und Zweck eines Coveralbums sollte neben dem Tributzollen jedoch auch eine Einbindung der eigenen Note sein. Nachspielen kann schließlich jeder.

Hier zeigt Herr Pell wieder einmal sein goldenes Händchen für Songs und deren Eigenschaften. Viele der neuinterpretierten Lieder tragen ein eher in Moll gehaltenes Gewand und bekommen durch die kraftvollen Gitarren und Keyboards fast schon eine neue Farbe verpasst. Am eindrucksvollsten kommen ›Paint It Black‹ (Rolling Stones), das sich an die Deep-Purple-Livefassung von 1993 hält, und die Heavy-Rock-Adaption des Abba-Klassikers ›Eagle‹ daher. Kurzum: ARP liefert mit DIAMONDS UNLOCKED II eine nette Überbrückungsplatte, die Lust auf das nächste Originalwerk im Frühjahr 2022 macht.

7 von 10 Punkten

Axel Rudi Pell, DIAMONDS UNLOCKED II, STEAMHAMMER/SPV

Prince – WELCOME 2 AMERICA

Fein ’o’ the times

Der Fluss posthumer Releases des Genies aus Minneapolis reißt nicht ab, doch dieser hier schert aus dem bisherigen Reigen an erweiterten Reissues, Demos, Live-Mitschnitten und anderweitig bekannten Songs aus: ein komplettes Album von Originalen in seiner offenbar finalen Fassung, das 2010 entstand, aber aus nie geklärten Gründen wieder in der Schublade verschwand. Was ist uns damals entgangen? Wie bei den meisten Prince-Werken nach den 80ern nichts, was auch nur annähernd an seine Glanzzeiten anknüpft. Über weite Teile findet sich auf WELCOME 2 AMERICA also der Mix aus getragen bis gemächlichem, eigenartig blutleer-schwülem Soul-Funk-Jazz, der sein Spätwerk prägt – auf hohem Niveau, gewiss, schließlich hatte der Mann hohe Ansprüche an sich selbst.

Mit ›Hot Summer‹, das mehr als flüchtig an ›Peach‹ erinnert, zieht immerhin das Tempo an, und auf ›Check The Record‹ hört man wieder den Mr. Nelson, der Biss, Coolness und Botschaft so unvergleichlich knackig unter einen Hut bringen kann. Dass die emotional lebendigste Nummer, ›Stand Up And B Strong‹, aber ausgerechnet eine Coverversion (von Soul Asylum) ist, das hat es auf einem Prince-Album sicher noch nie gegeben. Ein weiteres hochwertig gemachtes Puzzlestück für Komplettisten also, doch wo bleiben die wahren Schätze, die angeblich im „Vault“ schlummern?

6 von 10 Punkten

Prince, WELCOME 2 AMERICA, SONY

Dee Snider – LEAVE A SCAR

He’s not gonna take it

Mit Rock-Statements hat es Dee Snider ja schon immer gehabt. Man denke nur an die Twisted-Sister-Kracher ›I Wanna Rock‹ oder ›You Can’t Stop Rock’n’Roll‹. Macht also Sinn, das neue Solo-Album LEAVE A SCAR mit ›I Gotta Rock (Again)‹ standesgemäß zu starten. Und der Song ist eine echte Kampfansage, aber trotz der Symbolik keine Rückkehr zum alten Sister-Sound.

Snider bewegt sich erneut in eher modernen Metalgewässern, die zwar manchmal aufgrund der steril wirkenden Gitarren etwas seicht sind, aber durch die Power und Präsenz des ehemaligen Twisted-Sister-Sängers definitiv an Tiefe gewinnen. Produziert hat erneut Jamey Jasta von Hatebreed und dementsprechend heavy ist das Teil ausgefallen. Stellenweise auch etwas harmonischer, wobei immer wieder mit Metalcore und Modern Metal geliebäugelt wird. Snider hat aber einfach zu viel Charakter und Charisma, um mit zeitgemäßen und angesagten Sounds in der Masse moderner Metaller unterzugehen. Außerdem hat er ja auch schon seinerzeit mit ›Hard Core‹ vom 2000er-Werk NEVER LET THE BASTARDS WEAR YOU DOWN bewiesen, dass er richtig heftig kann. Zum Abschluss gibt es mit ›Stand‹ noch so etwas wie eine Ballade, die vor epischer Breite und Energie nur so strotzt – wie überhaupt große Teile des Albums.

6 von 10 Punkten

Dee Snider, LEAVE A SCAR, NAPALM/UNIVERSAL