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Madrugada: CHIMES AT MIDNIGHT

Die Meister der Dämmerungsmusik

So richtig war ja nie klar, weshalb es Madrugada nur in ihrer norwegischen Heimat zu Superstars gebracht haben. Ihr schwermütiger Moll-Klang irgendwo zwischen Nick Cave and The Bad Seeds, The National und Tindersticks brachte zwischen 1999 und 2008 fünf Platten hervor, jede für sich eine ausgezeichnete Untermalung für seelische Zerrüttung und zerstobene Herzen. 2019 dann ein erstes Lebenszeichen – und jetzt endlich ein neues Album. CHIMES AT MIDNIGHT knüpft erfreulich nahtlos an das letzte Album MADRUGADA an. Die Welt ist eine andere, die Probleme sind nicht kleiner geworden. Und die Norweger sind immer noch die Schattenmänner des Indie-Rock, die Meister des wogenden Pathos, der Dämmerungsmusik. Ihre Songs sind kunstfertig gezeichnet, nie überladen und clever akzentuiert – große, monumentale, schmerzhaft schöne, immer zur richtigen Zeit druckvolle
Bestandsaufnahmen voller Wehmut. Und auch wenn die Welt derzeit vielleicht etwas anderes braucht als neue Klagelieder: Die Rückkehr von Madrugada tut bei aller musikalischen Elegie vor allem gut und führt
zurück nach Hause. Wie ein altes Leonard-Cohen-Album, das man im genau richtigen Moment auflegt.

9 von 10 Punkten

Madrugada, CHIMES AT MIDNIGHT, WARNER

Earthless: NIGHT PARADE OF ONE HUNDRED DEMONS

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Kreaturen der Nacht

Eine alte japanische Legende besagt, dass eine Horde von Dämonen, Geistern und anderen schrecklichen
Gestalten einmal im Jahr über die schlafenden Dörfer herfällt. Bekannt als Hyakki Yagyō, oder die Nachtparade der hundert Dämonen. Das ist die Inspiration für das neueste Album von Earthless, ihr mittlerweile fünfter Longplayer, zu denen sich noch ein halbes Dutzend Livemitschnitte gesellen. Während auf BLACK HEAVEN von 2018 kürzere Songs und der Gesang von Gitarrist Isaiah Mitchell auf einem Großteil der Platte zu hören waren – ein beispielloser Schritt für das Power Trio aus San Diego –, ist ihr neuestes Werk eine Rückkehr zu den epischen Instrumentalstücken, mit denen sich Earthless in der bisherigen Karriere eine treue Anhängerschaft erspielt haben. Alles in allem ist NIGHT PARADE OF ONE HUNDRED DEMONS nicht nur eine Rückkehr zum traditionellen Format der Band, es ist eine Heimkehr zu ihren Anfängen, denn es ist das allererste Earthless-Riff überhaupt erhalten, das die Band vor 20 Jahren geschrieben und jetzt endlich aufgenommen hat. NIGHT PARADE OF ONE HUNDRED DEMONS besteht aus zwei Monster-Songs, dem 41-minütigen, zweiteiligen Titeltrack und dem 20-minütigen ›Death To The Red Sun‹. Earthless sehen sich selbst am stärksten von Krautrock und psychedelischen Bands aus Japan beeinflusst, sowie durch Classic Rock im Stile von Led Zeppelin und Black Sabbath. Angesichts der Inspiration für das Album ist es nicht überraschend, dass NIGHT PARADE OF ONE HUNDRED DEMONS einen düsteren Ton anschlägt als der Rest des Katalogs der Band. Es hat eine dunklere, fast böse Stimmung im Vergleich zu dem, was in der Vergangenheit passiert ist. Und es hat mehr Paranoia und Lärm.

8 von 10 Punkten

Earthless, NIGHT PARADE OF ONE HUNDRED DEMONS, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Jethro Tull: THE ZEALOT GENE

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Neues vom Weltaufklärer

Es dauert nur etwa eine halbe Minute bis man beim Opener ›Mrs. Tibbets‹ wieder voll im Thema ist: dieses unnachahmliche Flötenspiel, die charismatische, leicht kauzig klingende Stimme, diese raffinierte Melange aus Folk und Rock, aus englischer Landadel-Attitüde und weltoffen-kritischem Bürgertum, das nie seinen Humor und die bissige Selbstironie verloren hat. So oder ganz ähnlich funktionierten einst nicht nur Kultscheiben wie THICK AS A BRICK (1972) oder SONGS FROM THE WOOD (1977), ebenso wie
viele spätere Veröffentlichungen, so tickt auch die neue Jethro-Tull-Scheibe THE ZEALOT GENE. Und als ob es in Zeiten wie diesen einer besonderen Sensibilität für das bedarf, was uns selbsternannte Autoritäten über das Zusammenleben von Menschen erzählen wollen, legt Tull-Frontmann Ian Anderson noch einen drauf.

Er durchforstet die Bibel, die heiligste aller Schriften, nach vermeintlichen Widersprüchen, Ungereimtheiten, und mehr noch, er zweifelt die moralische Integrität einiger Verse und Kapitel an, hinterfragt sie und stellt sie auf den Prüfstand. Weshalb Anderson dies tut? Diese Frage bedarf einer genaueren Überprüfung, hat aber sicherlich nur wenig mit Blasphemie oder Ketzerei zu tun. Denn Anderson ist und bleibt jener Freigeist, musikalisch wie inhaltlich, der seine Meinung offen zur Diskussion stellt, anstatt sie als bare Münze auszugeben. Obendrein verharrt die Musik auf THE ZEALOT GENE nicht im Gestern und zitiert auch nicht nur die eigene Historie der britischen Band. Eindrucksvoll: Der 74-Jährige Anderson deklariert für sich abermals die Freiheit, Ecksteine der Menschheitsgeschichte
umzudrehen, sich eine eigene Meinung zu leisten und diese in allerbesten Tull-Folkrock-Songs kund- zutun.

8 von 10 Punkten

Jethro Tull, THE ZEALOT GENE, INSIDE OUT/SONY

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Jethro Tull Sonderheft Cover

Neil Young: Gesamter Katalog von Spotify gelöscht

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Nachdem Neil Young for wenigen Tagen sein Management dazu aufgefordert hatte, seinen gesamten Musikkatalog von Spotify zu löschen, ist dies nun geschehen.

Young forderte diesen einschneidenden Schnitt, weil er sich die Plattform nicht mit Querdenkern, Schwurblern und Menschen, die Falschinformationen verbreiten, teilen wolle. Speziell bezog sich Young dabei auf den Podcast “The Joe Rogan Experience”, der falsche Informationen rund um die Corona-Impfung streute.

Young dazu wörtlich: „Die meisten Hörenden dieser falschen Informationen über Covid bei Spotify sind etwa 24 Jahre alt, sie sind leicht zu beeindrucken und schnell auf die falsche Seite zu ziehen. Diese jungen Menschen glauben, dass Spotify ihnen niemals solche Falschinformationen weitergeben würde. Leider liegen sie da falsch. Ich musste einfach darauf hinweisen.“

Pink Floyd: Die Entstehung von ATOM HEART MOTHER

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Sie hatten keine Ahnung, wohin ihre Reise ging oder was sie tun wollten, und sie arbeiteten zum ersten Mal mit einem Soundtrack-Komponisten zusammen. Dennoch landeten Pink Floyd mit ATOM HEART MOTHER ihre erste Nummer 1. Wir blicken zurück auf die schwierige Entstehung eines der unterschätztesten, aber doch wichtigsten Werke der Band.

Sommer 1970: LG Wood, der Ge­schäftsführer von EMIs Record Division, sah sich das Cover von Pink Floyds neuem Album ATOM HEART MOTHER an. Es war damals die Politik des Labels, dass Wood sämtliche Artworks persönlich absegnen musste, doch hier war eines ohne Titel oder gar den Bandnamen. Es war einfach nur eine Kuh in einem Feld. In der Annahme, es würden IRGENDWO auch Wörter stehen, drehte er die Platte um – und fand nichts als noch mehr Kühe. Laut eines Augenzeugen konnte der erstaunte Boss sich außer „Ah, Holstein­ Rinder“ keiner­lei Kommentar abringen.

Drei Monate später wurde ATOM HEART MOTHER das erste Album von Pink Floyd, dass in Großbritannien Platz 1 erreichte. Die Strippenzieher von EMI wussten längst, dass haarige Rockbands mit seltsamen Frisuren viele Platten verkauften. Und jetzt konnten sie das offenbar auch, ohne ihren Namen oder
den Titel des Werks auf dem Cover zu nennen. Einfach nur eine Kuh. In einem Feld. Das gigantische 33­CD­-Boxset THE EARLY YE AR S 1965-­1972 von 2016 mag ATOM HEART MOTHER und dem Soundtrack zu „Zabriskie Point“, der das Titelstück inspirier­te, mit DEVI/ATION einen kompletten seiner sieben Teile gewidmet haben, auf dem sich auch die früheste bekannte Aufnahme der AHM­ Suite fand. Dennoch ist die Platte heute mehr für ihr Artwork als die Musik darauf bekannt. Wenn man sich heute wieder damit befasst, ist es wie eine Reise in ein Paralleluniversum voller epischer Orchestersuiten und Songs, die aus den Klängen von brodelnden Wasserkochern und brutzelndem Speck erschaffen wur­den.

Pink Floyd würden noch bessere Alben machen, doch ATOM HEART MOTHER bleibt der Zenit ihrer experimentellen Phase – oder wie es Gitarrist David Gilmour später bezeich­nete: „unser seltsamer Scheiß“. Das Werk, das mit einer Kuh in einem Feld in Potters Bar, Hertfordshire endete, nahm seinen Anfang mehr als ein Jahr zuvor in Rom. Der italienische Regisseur Michelangelo Antonioni hatte Pink Floyd beauftragt, den Soundtrack zu seinem nächsten Film „Zabriskie Point“ beizu­steuern. Im November 1969 trafen sie in Rom ein, um mit den Aufnahmen zu beginnen. Antonionis Film „Blow Up“ von 1966 war ein unbeholfenes Porträt des Swinging London gewesen, „Zabriskie Point“ dagegen war ein Drama über radikale US­-Studenten, die „the man“ bekämpften, Sachen in die Luft jagten und viel Sex hatten.

Die frühen Pink Floyd feierten das Un­erwartete und verfolgten die Idee, wie Schlagzeuger Nick Mason sagte, „mehr als nur eine Popgruppe“ zu sein. Nach dem Dezember 1968 hatten sie aufge­hört Singles zu veröffentlichen, und ihrem zweiten Album A SAUCERFUL OF SECRETS aus demselben Jahr ließen sie den Soundtrack für den Arthaus-­Film „More“ folgen. Danach kam 1969 das jeweils zur Hälfte aus Studio­ und Live­-Takes beste­hende UMMAGUMMA, inklusive Roger Waters’ Experiment mit der Musique concrète: ›Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict‹. Es bestand aus gefundenen Geräuschen, über die der Komponist in einem schot­tischen Akzent wütete „Zabriskie Point“ war der nächste Schritt in der wendungsreichen musika­lischen Geschichte von Pink Floyd, doch die Band begriff schnell, dass Antonioni ein unmöglicher Zuchtmeister war. „Wir machten großartige Sachen“, behauptete Waters. Doch der Regisseur war besorgt, dass die Musik seinen Film überschatten würde, und kritisierte alles. „Man änder­te das, was ihm missfiel, doch er war immer noch nicht zufrieden. Es war die Hölle.“

Zwei Wochen hielten sie es in Rom aus, bevor sie wieder nach Hause flo gen. „Zabriskie Point“ erschien im Feb­ruar 1970 und war ein donnernder Flop. Auf dem Soundtrack fanden sich letztlich nur drei Stücke von Pink Floyd, verstärkt durch Songs von u.a. Grateful Dead. Doch die ausgemusterten Out­takes ihres Materials enthielten eine Sequenz, aus der sich später die ›Atom Heart Mother‹­ Suite entwickeln sollte.„Dave [Gilmour] kam mit dem ursprünglichen Riff an“, erzählte Waters dem Capital-­Radio­-DJ Nicky Horne. „Wir hörten es uns alle an und dachten: ‚Oh, das ist ziemlich gut…‘ Aber wir dachten auch alle dasselbe, nämlich dass es wie das Titellied eines furchtba­ren Westernfilms klang.“ Man geht heute davon aus, dass sie die erste Version ihres neuen Instru­mentals am 17. Januar 1970 im Lawns Centre in Hull spielten. Doch sie waren nach wie vor unentschlossen über ihr nächstes Studioprojekt. „Wir werden die Musik für eine Zeichentrick-­Fern­sehserie von Alan Aldridge namens ‚Rollo‘ machen“, kündigte Waters im „Melody Maker“ an. „Es ist ein bisschen wie ,Yellow Submarine‘, über einen kleinen Jungen im Weltall.“ Doch Waters erwähnte „Rollo“ nie wieder. Stattdessen gingen Pink Floyd Anfang März in die Abbey Road Studios von EMI und nahmen die Aufnahmen für ihr jüngstes Unterfangen in Angriff.

Das Label hatte gerade die neuesten Achtspur­-Tonbandgeräte installiert, die mit speziellen 1­-Zoll­-Bändern funktio­nierten, und bestand darauf, dass man diese Tapes nicht schneiden und für Edits verwenden konnte. Was bedeute­te, dass Waters und Mason die wenig beneidenswerte Aufgabe hatten, den Backing-­Track für ihre neue Kompositi­on in einem Take von 23:44 Minuten aufzunehmen. „Das verlangte unserem begrenzten musikalischen Talent wirk­lich alles ab“, beschrieb es Mason in sei­nen Memoiren „Inside Out“. Die Band hatte das Stück zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Wochen live gespielt und das Arrangement immer wieder verändert. „Wir fügten Elemente hinzu, subtrahierten und multiplizierten sie“, so Mason. „Doch es schien immer noch etwas Essenzielles zu fehlen.“ Letztendlich beschloss man, dass dies ein Orchester und ein Chor war. Doch zuerst musste jemand einen Score dafür schreiben. Vorhang auf für Ron Geesin, einen Banjospieler, Pianisten, Poeten und Autor aus Ayrshire.

Er hatte seine Karri­ere Anfang der 60er in einer Jazzband begonnen. 1970 komponierte er Sound­tracks für das Fernsehen in seiner Kel­lerwohnung in Notting Hill, die auch als sein Studio fungierte. Mason lernte Geesin durch einen gemeinsamen Freund kennen , den Tour­-Manager der Rolling Stones Sam Jonas Cutler. Geesin kannte die Musik von Floyd nicht, und als er sie hörte, war er nicht unbedingt beeindruckt. „Ich nannte sie ‚astrale Wanderungen‘“, sagte er. Geesin zog zudem die Oper dem meisten Rock’n’Roll vor und nahm Mason, Gilmour und Keyboarder Rick Wright mit, um in Covent Garden Wag­ners „Parsifal“ zu hören. „Ich denke, es sagt einiges aus, dass sie alle einschlie­fen“, motzte er. Dennoch war Geesin die offensichtli­che Wahl, um den Score zu komponie­ren. Er und Waters schrieben bereits an der Musik zu der Wissenschaftsdoku­mentation „The Body“. Gemeinsam er ­schufen sie einen Soundtrack aus kon­ventionellen Instrumenten und allerlei „menschlichen Geräuschen“ wie Atmen, Sprechen und Furzen. ATOM HEART MOTHER sollte einen ähnli­chen Mix aus gewöhnlichen und außergewöhnlichen Klängen darbieten.

Takida: Tourverschiebung

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Der Name Takida ist tatsächlich der Figur Gohei Takeda aus dem Manga-Comic „Ginga Nagereboshi Gin“ entlehnt. Die dazugehörige Band stammt allerdings aus Schweden. Und spielt melodischen Hard Rock. Eigentlich hätte die Band im Februar nach Deutschland kommen sollen, doch aufgrund der Pandemie mussten die Shows auf Mai verschoben werden.

Tourtermine:

11.05.2022          Bielefeld, Lokschuppen

12.05.2022          Amsterdam, Q-Factory

13.05.2022          Hamburg, Edeloptics Arena

14.05.2022          Flensburg, Roxy

16.05.2022          Dresden, Alter Schlachthof

17.05.2022          Wiesbaden, Schlachthof

19.05.2022          Stuttgart, Im Wizemann Halle

20.05.2022          CH – Pratteln, Konzertfabrik Z7

22.05.2022          Regensburg, Obertraubling – Eventhall Airport

23.05.2022          Berlin, Columbiahalle

24.05.2022          Leipzig, Felsenkeller

26.05.2022          Bremen, Modernes

27.05.2022          Köln, Carlswerk Victoria

28.05.2022          Magdeburg, Factory

29.05.2022          München, Backstage Werk

31.05.2022          Regensburg, Obertraubling – Eventhall Airport

01.06.2022          Memmingen, Kaminwerk

Gamechangers: Alben, die veränderten, wie wir Gitarre spielen Teil 4/7

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Black Sabbath
PARANOID (1970)

Man kann nicht wirklich über Tony Iommis Einfluss auf die Metal-Gitarre reden, ohne seine fehlenden Fingerkuppen zu erwähnen. Bei einem Arbeitsunfall in einer Blechfabrik verlor er die Enden des Ring- und Mittelfingers seiner rechten Hand. „Das machte mir meine Grenzen bewusst“, sagte er. „Na ja, Dinge, die ich vor dem Unfall tun konnte, aber nicht mehr danach. Ich versuchte, das zu kompensieren und meinen Sound noch größer zu machen.“ Wie PARANOID zeigt, entwickelte Iommi nicht nur einen riesigen Sound, sondern definierte auch die Blaupause für das Metal-Gitarrenspiel im Allgemeinen. Interessant ist dabei auch, dass dieser monströse Klang nicht davon beeinträchtigt wurde, dass er sehr leichte Saiten verwenden musste. Ein Schlag ins Gesicht für die „Schwere Saiten ist gleich schwerer Sound“-Fraktion.

Sex Pistols
NEVER MIND THE BOLLOCKS (1977)

Der oft zitierte Plan des Pistols-Managers Malcom McLaren, „vier Kids“ zu finden, „dafür zu sorgen, dass sie einander hassen, und dafür zu sorgen, dass sie nicht spielen können“ gab vielleicht gute PR ab, doch so richtig traf es dann doch nicht zu. Okay, die Pistols mögen sich nicht besonders gut verstanden haben, doch Schlagzeuger Paul Cook, Originalbassist Glen Matlock und Gitarrist Steve Jones konnten ganz eindeutig spielen. Jones’ brüllender Donner aus Les Paul Custom und Marshall-Turm auf NEVER MIND THE BOLLOCKS beeinflusste alle, von Guns N’ Roses über Rancid bis hin zu Oasis. Jones ist der wohl unterschätzteste Gitarrist diesseits von Paul Weller und sein Rhythmusspiel ist absolut tight. Schade nur, dass alles den Bach runterging, als Sid Vicious Matlock ersetzte und die Pistols Amerika eroberten. Aber hey, wir werden uns bis in alle Ewigkeit von Jonesies Eröffnungssalven auf ›God Save The Queen‹ und ›Pretty Vacant‹ inspirieren lassen können.

Van Halen
VAN HALEN (1978)

Abgesehen davon, dass VAN HALEN bei seinem Erscheinen das gesamte Rockgitarren-Regelwerk in die Tonne trat, das Album veränderte auch, wie Musiker über ihr Equipment dachten. In den 80ern erlebten wir den Aufstieg der „Super-Strat“, einer Gitarre mit einem Gibson-artigen Humbuck-Pickup, der an die Brückenposition eines Fender-Körpers gemeißelt war. Eddie Van Halen war das Mastermind hinter dieser Idee. Schon Mitte der 70er hatte er versucht, eine Gitarre mit der Power und dem Klang einer Gibson und dem leichteren Körper mit doppeltem Ausschnitt und schlanken Ahornhals einer Stratocaster zu erschaffen. Das Ergebnis, die „Frankenstrat“, wies Gitarrenherstellern wie Kramer – mit denen Eddie zusammenarbeitete –, Charvel, Jackson und Ibanez den Weg, die ihre eigenen Varianten seines Konzepts entwickelten. Plötzlich hatten wir die Mittel, schneller und spektakulärer zu spielen. Seit Künstler und Erfinder Les Paul 50er hatte niemand solchen Einfluss darauf gehabt, wie und was wir spielten.

Neil Young: Will kompletten Katalog von Spotify löschen

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Neil Young möchte umgehend seinen gesamten Musikkatalog von der Plattform Spotify löschen. In einem offenen Brief an sein Management und Label meinte Young laut Rolling Stone: „Ich tue dies, weil Spotify Falschinformationen über Impfungen zulässt und verbreitet. Das kann zum Tod führen für diejenigen, die diese Falschinformationen glauben. Bitte arbeitet sofort daran und informiert mich über den Zeitplan.„

Speziell bezog sich Young dabei auf den Podcast „The Joe Rogan Experience“, der falsche Informationen rund um die Impfung streute. „Sie können Rogan oder Young haben. Aber nicht beide“, so Neil Young weiter. Bereits 2015 hatte er seine Musik von Streaming-Plattformen abgezogen, um gegen die schlechte Audio-Qualität der dort angebotenen Songs zu protestieren.