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Murderdolls: Frankfurt, Batschkapp

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murder dollsProvokante Schockeffekte.

Mit gruseligen Horrormotiven bemalte neonfarbene Paravents, die dekorativ vor dem Verstärkerarsenal stehen und in schnörkeliger Schrift den Namen Murderdolls zieren, lassen schon im Vorfeld erahnen: Hier zählt wohl ausschließlich der provokante Schockeffekt. Wie eine aus einem von George A. Romeros Kinokultklassikern wüste Truppe hinterhältiger Zombies ausstaffiert, hat sich die amerikanische Formation erst kürzlich nach längerer Pause erneut zusammengeschlossen. Nach ihrem Debüt BEYOND THE VALLEY OF THE MURDERDOLLS aus dem Jahre 2002 legten die Musiker ihre Horrortruppe erst mal für einige Jahre auf Eis. Doch die Pause ist jetzt vorbei: Hart kracht der Eröffnungssong ›Chapel Of Blood‹, eine von gleich mehreren Kostproben aus dem aktuellen Werk WOMEN AND CHILDREN LAST, aus den Lautstärkerboxen der nur spärlich besuchten, aber mit ebenso verwegen kostümierten Gestalten im Publikum bestückten Batschkapp. Ein nur mäßig Spuk verbreitender Gruselreigen folgt ganz ohne Bühnenrequisiten, Feuersbrunst oder Hinrichtung. Schließlich handelt es sich bei den von Slipknot-Schlagzeuger Joey Jordison, der allerdings Gitarre spielt, und Wednesday 13-Frontmann Joseph Poole aus der Taufe gehobenen Murderdolls um ein Zweitprojekt im Low-Budget-Bereich.

Als unterhaltsam erweisen sich die Murderdolls mit einer im Geiste von Pionieren wie Alice Cooper und Kiss auf dreiminütige Hymnen geeichten Mixtur aus Punk, Metal und Glam Rock. An Titel von Splatterfilmen erinnern Songs wie ›Love At First Fright‹, ›Slit My Wrist‹ oder ›Summertime Suicide‹. Wie überhaupt das Konzept der fünf Burschen, die unter dicken Schichten Make-up sich sichtlich Mühe geben monströs zu wirken, sich als nicht sonderlich innovativ erweist. Aber für wohliges Gruseln zwischendurch reicht das inflationär mit dem Wörtchen „Motherfucker“ gespickte Spektakel allemal…

The Black Crowes

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Black CrowsZwanzig Jahre nach der Veröffentlichung ihres Multi-Platin-Debütalbums SHAKE YOUR MONEY MAKER gönnen sich die Black Crowes eine Auszeit. Allerdings nicht, ohne uns noch mit einem letzten Lebenszeichen zu beglücken, der Best-of CROWEOLOGY, die neu aufgenommene Akustik-Versionen der Band-Klassiker enthält. Chris Robinson verrät die Details.

Chris, wie seid ihr auf die Idee gekommen, eure größten Hits in dieser Form aufzufrischen?
Auf der WARPAINT-Tournee haben wir zunächst fünf Abende lang im „Hammerstein Ballroom“ in New York gespielt, das waren ganz normale Gigs. Doch dann setzten wir noch zwei Akustik-Gigs in der „Town Hall“ nach. Diese beiden Konzerte waren einfach phänomenal – und die Live-Mitschnitte hörten sich großartig an. Die Songs haben eine völlig neue Dynamik, und das trifft sowohl auf die Musik als auch die Texte zu. Nach dieser Erfahrung waren wir heiß darauf, in dieser Richtung weiterzuarbeiten.

Gab es Kämpfe innerhalb der Band, welche Songs auf CROWEOLOGY kommen sollten?
Erstaunlicherweise nicht. Ende letzten Jahres haben Steve Gorman und ich unabhängig voneinander eine Liste mit potenziellen Kandidaten erstellt. Als wir sie später miteinander verglichen, gab es kaum Unterschiede zwischen unseren beiden Aufstellungen. Es sieht so aus, als wären die Zeiten der Auseinandersetzungen bei den Black Crowes vorbei…

Zudem habt ihr euch viel Mühe gegeben, die Lieder nicht nur in Akustikform neu aufzunehmen, sondern ihnen auch einen anderen Charakter zu geben…
…ja, ›Thorn In My Pride‹ oder auch ›Ballad Of Urgency/Wiser Time‹ sind jetzt viel länger, erreichen sogar die 20-Minuten-Grenze. Im Grunde ist das aber nichts Neues für uns. Wir haben die Stücke live schon immer stark verändert, sie durch Improvisationen aufgepeppt. Auf CROWEOLOGY wollten wir diese Spontaneität, die uns als Live-Band auszeichnet, auch in der Studiosituation einfangen.

Das klingt, als hättet ihr sehr viel Spaß bei der Arbeit an CROWEOLOGY gehabt. Warum dann die Pause?
Wir sind seit 2005 konstant mit der Band beschäftigt gewesen, haben drei Alben veröffentlicht, und ich bin auch noch mit meinem Bruder unterwegs gewesen. Daher war uns schon nach der Veröffentlichung von BEFORE THE FROST…UNTIL THE FREEZE klar, dass wir uns nach der Tour eine Auszeit gönnen müssen. Denn das ist nötig, auch wenn wir uns zurzeit in einem kreativen Hoch befinden. Das unterscheidet die jetzige Pause übrigens von der im Jahr 2000. Damals waren wir am Boden, und zwar in jeglicher Hinsicht. Ich habe vier Jahre lang nicht mit Rich oder unserem Manager Pete Angelus gesprochen. Hätten wir die Sache Ende der Neunziger langsamer angehen lassen, wäre das wohl nicht passiert. Den Fehler begehen wir kein zweites Mal. Daher konzentrieren wir uns jetzt auf andere Dinge. Ich möchte ein weiteres Soloalbum aufnehmen. Wenn die Zeit reif ist, werden die Black Crowes aber wieder zusammenkommen. Zunächst müssen wir jedoch unsere Batterien aufladen.

Wino: München, Feierwerk

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WinoDrei Ein-Mann-Auftritte hintereinander – mit dem Großmeister des Doom als akustischem Höhepunkt.

Es ist ein Abend des Reduzierten, in jeglicher Form. Drei Musiker, drei unterschiedliche Sets. Und wenig Publikum. Gerade mal 20 Fans finden an diesem Dienstag den Weg in den kleinen Feierwerk-Club, die Kranhalle. Das ist auf der einen Seite traurig, schließlich wünscht man den Künstlern eine breitere Anerkennung, hat aber auch den Vorteil, dass man sie in kleinem Rahmen hautnah erleben kann. Bis es soweit ist, dauert es aber noch. Conny Ochs, erster Solist des Abends, lässt sich Zeit mit dem Beginn, er wartet noch, bis das 18. Ticket verkauft ist. Dann aber legt er los, ein Mann und seine Akustik-Gitarre, mal folkig-bluesig, mal durchaus erdig-rockig. Und als er sich kurzzeitig selbst die Verstärkung der Akustischen ausstöpselt, wird er nicht verlegen, sondern zieht das Ganze eben komplett unplugged durch. Ohne Strom ginge bei Darsombra gar nichts. Ein-Mann-Droner Brian Daniloski sorgt für wabernde Sound-Wälle, spielt alle Instrumente kurz live ein, sampelt das Ganze und haut es den Zuhörern – unter Verwendung verschiedenster Effekte – in einer dicken, einlullenden Lärm-Wolke entgegen. Das eigentlich Sensationelle an der Show ist jedoch die Energie, Leidenschaft und der Enthusiasmus, mit dem Darsombra zu Werke geht. Er freut sich wie ein kleines Kind über alles, was er mit flinken Fingern aus den am Boden montierten Zauberkästen hervorzerren kann. Ganz anders Wino: Der große, alte Mann des Doom kommt heute völlig ohne Tamtam daher. Und er braucht auch kein Beiwerk. Er, seine Gitarre – Werkzeug und Freundin gleichermaßen – dazu Talent und die Erfahrung, wie sich ein hartes und entbehrungsreiches Leben anfühlt. Genauso klingt die Musik des aktuellen Albums ADRIFT, und genauso bewegt sich Wino auch auf der Bühne. Er steht da, aufrecht, ungebrochen, und er steuert sein Publikum mit minimalen mimischen Bewegungen, ein feuriges Blinzeln hier, ein trauriger Blick dort, mehr braucht es nicht, um den Emotionen von Songs wie ›Hold On Love‹ Authentizität zu verleihen. Doch gegen Ende wird klar, dass Wino sich als One-Man-Entertainer nicht hunderprozentig wohl fühlt. Er holt Ochs auf Bühne, und im gemeinsamen Spiel blüht der Saint Vitus-Frontmann richtig auf: Er schwingt sogar sanft mit den Hüften im Takt mit, lässt seinem Partner Solo-Freiraum und freut sich auch sichtlich darüber, während der gemeinsamen Tour einige neue Musik kennen gelernt zu haben. Die Verabschiedung des Publikums übernimmt Wino dann aber wieder im Alleingang. Er hängt sich seine Akustikgitarre um, fängt das Spielen an und steigt dabei von der Bühne hinab, geht mitten unter die Leute. Die klatschen im Takt, während Wino ein letztes Mal die Wehen der Welt anklagt. Dann marschiert er mit Gitarre aus der Halle – und alle hinterher.

Steel Panther: München, 59:1

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Steel Panther Live 2010 6 (2)Cover-Songs, Comedy und Glam Rock: Steel Panther erobern endlich auch die deutschen Clubs.

Rosa Spandex, blonde Perücken, verspiegelte Sonnenbrillen und ärmellose, zerrissene Band-Shirts, auf denen die Helden vergangener Tage zu sehen sind. Nein, das ist kein Casting für eine Motto-Show, sondern die Leute in der Zu­schauerschlange, die sich vor dem Münchener Club 59:1 schlängelt. Sie alle wollen nur eins: Steel Panther aus Los Angeles endlich live sehen. Die vier Glamrocker sind der große Hype der Stunde, das Konzert schon lange ausverkauft, dabei haben Steel Panther offiziell noch gar keine Platte in Deutschland veröffent­licht. Angefangen hat alles aus reiner Frustration, denn der Misserfolg ihrer früheren Bands hat Frontmann Michael Starr, Satchel (Gitarre), Lexxi Foxxx (Bass) und Stix Zadinia (Schlagzeug) zusammengebracht. Sie gründeten Metal Shop – eine reinrassige Cover-Band. Nach einigen Umbenennungen machten sie fortan als Steel Panther die Clubs des Sunset Strips in Los Angeles unsicher. Mit ihrer extrovertierten Show und ihren perfekt gespielten Interpretationen der Hits von Mötley Crüe, Poison und Kiss gelangten sie in den USA schnell zu Berühmt­heit. Promis wie Paul Stanley, Pink und auch Billy Ray Cyrus standen jeden Abend auf der Gästeliste – und auch oft mit auf der Bühne.

England haben die Vier im Sturm erobert, jetzt schwappt der Kult nach Deutschland. Mittlerweile spielen Steel Panther vornehmlich eigene Songs, lassen aber auch, oftmals spontan, immer wieder Cover-Versionen in ihr Set einfließen. Zwischen Stücken wie ›Eyes Of A Panther‹, ›Community Property‹ oder ›Party All Day (Fuck All Night)‹ wird viel Nonsens über Drogen, Sex und Rock’n’Roll gefaselt. Die Vier ziehen die perfekte Glam-Comedy ab: Bassist Lexxi Foxxx frisiert sich in jeder Pause die Perücke nach, Gitarrist Satchel und Sänger Michael Starr schaukeln sich gegenseitig hoch, wer wie mit wem Sex hatte und wie viele Drogen man einem menschlichen Körper zumuten kann. Werden die Witze dann mal zu flach, ruft man einfach mal nach „Titties“, holt ein Mädel auf die Bühne zum Ganzkörperflirt – oder spielt einfach einen neuen Song. Musikalisch ist das alles angenehm kurzweilig, die Van Halen-Coverversion ›Panama‹ durchaus passabel. Beim Kracher ›Death To All But Metal‹ steht die Bude aber Kopf – und halbnackte, willige Mädels auf der Bühne. Kein Wunder, dass bei so viel Testosteron die Pferde mit Michael Starr und seinen Mitstreitern manchmal durchgehen. So wie gestern in Köln, als eine professionelle Porno-Darstellerin eine spontane Dildo-Show abzog, weshalb das heutige München-Konzert unter den Augen der Polizei stattfindet und Zuschauer unter 18 Jahren draußen bleiben müssen. Der kurzzeitige Stimmungs-Killer seitens der Behörden, der zu einer massiven Verspätung führt, ist bei den letzten Klängen von Skid Rows ›Youth Gone Wild‹ aber vergessen. Das sehen auch die Musiker so, die schwitzend, aber überglücklich unter ihren albernen Perücken hervorgrinsen. Nun hat sich für sie doch noch der gewünschte Erfolg eingestellt – wenn auch nicht ausschließlich aufgrund der eigenen Kompositionen. Das ist dem feiernden Münchener Publikum aber völlig egal – heute zumindest.

Uriah Heep: Raismes, Open Air

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uriah-heep_2009_40-yearsGealterte Rocker mit perfekter Show.

Das kleine, beschauliche Festival im französischen Raismes hat die Hardrock-Legenden Uriah Heep als Headliner eingeladen. Im ersten Moment klingt das nicht überaus aufregend. Ist es dann aber doch, denn die Briten belehren alle Zweifler eines Besseren. Seit 41 Jahren sind sie im Showgeschäft, und heute Abend zeigen sie, was sie in den vier Jahrzehnten gelernt haben. Allen voran Sänger Bernie Shaw: Keine Tonlage ist ihm zu hoch, keine zu tief, und vom stimmlichen Volumen her steckt er so manchen Nachwuchs-Frontmann ohne Probleme in die Rock-Tasche. Uriah Heep gehören noch lange nicht zum alten Eisen, die Groove-Maschine ist gut geölt und die Musiker bestens aufeinander eingespielt. Sie verstehen sich auf der Bühne blind und rocken sich mühelos und kraftvoll durch ihren Hit-Reigen der vergangenen 40 Jahre. Natürlich gibt es mit ›Wake The Sleeper‹ oder ›Angels Walk With You‹ auch einige wenige Lieder neueren Datums, aber richtig in Fahrt kommt die Band erst, wenn sie Klassiker aufs Parkett bringen kann. Gitarrist Mick Box erzählt außerdem vor jedem Song eine kleine Anekdote zu dem Jahr, in dem der Track entstanden ist – und dann versetzt er mit den Handbewegungen eines Zauberers die Saiten an seinem Instrument in Schwingung. Das kommt gut an beim Publikum in Raismes, und selbst die Fans, die bei der Gründung Uriah Heeps noch nicht geboren waren, bekommen eine Gänsehaut bei den magischen Momenten, die die Hardrocker aus Großbritannien zelebrieren. Der Sound ist glasklar, sodass Klassiker wie ›Stealin’‹, ›Gypsy‹ oder ›Free’n’Easy‹ direkt ins Bein gehen. Und im Zugabenblock kann die Band ihren grandiosen Auftritt sogar noch krönen: Mit ›Easy Livin’‹, ›Sunrise‹ und ›Lady In Black‹ geht der Konzerttag unter dem klaren Sternenhimmel in der französischen Provinz nämlich lehrbuchhaft zu Ende. Beeindruckend.

Papa Roach & Life Of Agony: München, Backstage Werk

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LIfeOfAgony2Merkwürdige Band-Zusammenstellung, mag sich manch einer bei der Ankündigung dieser Tour gedacht haben. Und in der Tat: Es gibt wohl nur sehr wenige Fans, die alle drei Acts gleichermaßen gut finden. Schon beim ersten Blick in die Runde wird klar, wer hier Papa Roach sehen will und wer einzig und allein für Life Of Agony gekommen ist. Hinzu kommt, dass auch die Hallengröße nicht dem gefühlten Status der beiden Co-Headliner entspricht: Das „Werk“ ist zwar die größte Venue des Münchener Backstage-Areals, dennoch baumelt aber am Eingang das „Ausverkauft!“-Schild an der Tür, und der Club ist vollgestopft bis unters Alu-Dach.

Dementsprechend heiß ist es bereits, bevor Audrey Horne für erste Bewegung in den Massen sorgen. Die Norweger schaffen es, mit ihren mal leicht grungigen, oft aber klassisch angehauchten Hard Rock-Hymnen wie ›Threshold‹ oder ›Charon‹ für Haarflug in der vorderen Hallenhälfte zu sorgen. Gepaart mit Fronter Torkjell Røds Ansagen, die für zusätzliche Sympathiepunkte bei den Fans sorgen, eine runde Riff-Sache zum Auftakt. Danach wird es aber Zeit für ein paar zusätzliche Härte-Schippen: Life Of Agony feiern gerade das 20-jährige Jubiläum ihres Debüts RIVER RUNS RED, und das merkt man der Setlist deutlich an. Zwar starten die New Yorker mit ›Lost At 22‹, ›Weeds‹ und ›I Regret‹ noch verhältnismäßig sanft in ihre Set, doch dann folgt eine Attacke auf die andere: ›Through And Through‹, ›River Runs Red‹, ›This Time‹, ›Bad Seed‹ und natürlich zum Schluss ›Underground‹ – für Fans kann es heute kaum besser laufen. Hinzu kommt, dass die Truppe um das Stimmwunder Keith Caputo bestens eingespielt und auch bestens aufgelegt ist. Feurige Performance, knackige Aufforderungen an die (Papa Roach-)Fangemeinde – alles top, und das auch ohne Headliner-Position.

Die haben heute nämlich Papa Roach inne. Und selbst wenn die Truppe um Jacoby Shaddix musikalisch nicht jedermanns Sache ist: Live muss man ihr Respekt zollen. Das merkt man auf dem aktuellen Album TIME FOR ANNIHILATION…ON THE RECORD AND ON THE ROAD (das auch fünf neue Songs enthält, vorwiegend aber aus Show-Mitschnitten besteht), aber vor allem dann, wenn die Musiker hautnah vor einem stehen. Während jeder Sekunde des Gigs passiert etwas auf der Bühne, das Energieniveau ist trotz kochender Hitze bei 100 Prozent. Zudem kommt an Songs wie ›Getting Away With Murder‹, ›Broken Home‹ oder ›Last Resort‹ niemand vorbei, es sei denn, er hat sämtlichen Musikformaten im Radio, TV und Internet komplett abgeschworen. Und selbst wenn sich heute vor allem der jüngere Teil des Backstage-Publikums beim Hüpfen zu den Roach-Hits buchstäblich in Stücke reißt, nicken auch in den hinteren Reihen die Köpfe der Life Of Agony-Fans im Takt.

Mother Tongue: Frankfurt, Batschkapp

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sacred-mother-tongue-bandAuf ewig unterschätzt: zweimal kurz vor dem Durchbruch, dennoch kaum Ruhm. Dafür aber Top-Songs.

Fies, gemein und hinterhältig kann das Leben sein: Da versteht eine Formation wie Mother Tongue seit nunmehr genau 20 Jahren ihr grundsolides Handwerk, sorgt auch für Innovation – und doch bleibt ihr der eigentlich zustehende Erfolg mit globaler Breitenwirkung schlicht versagt. Beim gut gefüllten Gastspiel in der Frankfurter Batschkapp wirkt das Quartett aus Los Angeles dennoch, als hätte es sich mit seiner suboptimalen Situation mittlerweile prächtig arrangiert. Nur ganz selten strahlen Bands so viel spielfreudigen Optimismus aus wie Mother Tongue. Mindestens ebenso selten gestattet eine Formation den Fans ein Mitspracherecht in Sachen Setlist. „Was sollen wir spielen?“, fragt Bassist und Sänger David „Davo“ Gould freundlich in die Runde und erntet ein undefinierbares Stimmengewirr als vielfältige Antwort. An fest umrissene Songs halten sich Mother Tongue, die sich von 1996 bis 2000 auch mal getrennt hatten, ohnehin nicht. Lieber unterhalten Gould, Schlagzeuger Sasha Popovic und die Gitarristen Bryan Tulao und Christian Leibfried mit offenen Improvisationen und Fragmenten aus umfangreichem Repertoire. Nicht flöten geht bei der konzertierten Aktion der ursprüngliche Ansatz von Mother Tongue: als Katalysator unterschiedliche Genres wie Blues, Rock, Soul, Funk, Jazz und Psychedelic unter einen Hut zu bringen. Aber es zählt auch der spontane Moment. Etwa wenn Gitarrist Bryan Tualo gepackt wird von prickelnder Atmosphäre. Dann stürzt sich der begnadete Virtuose mal eben in eine minutenlange Attacke im Stil seiner Vorbilder Jimi Hendrix und Randy California, früher Weggefährte von Hendrix, der einst bei der ebenfalls stets unterschätzten Band Spirit das Regiment führte. Schon erstaunlich, wie die Bandmitglieder, die sich allesamt parallel zum Musikerdasein ein zweites Standbein in bürgerlichen Berufen geschaffen haben, mit der eigenen Entwicklung zurechtkommen. Das Quartett stand zwei Mal kurz vor dem ganz großen Durchbruch: Mitte der neunziger Jahre und dann noch einmal nach der Reformierung. Was als Resümee zum 20. Jubiläum bleibt, ist die Tatsache, dass eine außergewöhnlich eigenständige Formation, sich nach wie vor unnachahmlich trefflich einbringt. Für die eingefleischten, zum Teil von weit her angereisten Fans halten Mother Tongue noch eine Überraschung parat: Statt gewohnter 90 Minuten gönnt sich die Truppe ein Sonder-Intermezzo bis um Mitternacht.

Taubertal Festival: Rothenburg ob der Tauber, Eiswiese

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SkunkAnansie_mp - 4…mit The Hives, Skunk Anansie, Gaslight Anthem uvm.

Zum 15. Geburtstag gibt es zwar kein Traumwetter, dafür aber ein buntes Programm: so zum Beispiel mit den Schwedenrockern The Hives und den wieder vereinten Skunk Anansie. Bereits beim Warm-up am Donnerstag vor dem eigentlichen Start der 15. Ausgabe des Taubertal Festivals wird ordentlich gerockt: Mit den Emils Bulls geht es auf der Bühne im After-Show-Gelände Steinbruch gleich gewaltig und laut zur Sache. Die Münchner New-Metal-Band liefert passend zum 20. Band-Jubiläum einen Querschnitt der besten Songs und stimmt so die zahlreichen Feierwütigen auf ein perfektes Festivalwochenende ein. Zeitgleich stehen noch viele Anreisende im Anfahrtsstau. Denn dank des schlechten Wetters während des Aufbaus sind die Park- und Campingflächen schnell matschig und Bauern aus der Umgebung müssen die Autos der Besucher mit Traktoren auf die Plätze ziehen – und das dauert! Doch der guten Stimmung während der drei Veranstaltungstage tut dies keinen Abbruch: Entspanntes Feiern ist angesagt, und auch der Wettergott spielt mit: wenig Regen und dafür aber umso mehr Sonnenschein.

Die ungetrübte Feierlaune zeigt sich schon am Freitag-Mittag, als es zum Auftakt des Festivals viele Besucher auf den Platz vor der Hauptbühne zieht. Kein Wunder, sind doch die Publikums­lieblinge gebucht: Die Donots halten den Rekord mit sieben Auftritten im Taubertal und dürfen deshalb natürlich auch bei der Jubiläums-­Ausgabe nicht fehlen. Als Dankeschön liefern sie nicht nur Freibier, sondern auch eine perfekte Festival-Show zum Start. Mit Musik von Ska-Punk bis solidem Rock sorgen Acts wie Ska-P, Mad Caddies, No Use For A Name, Lagwagon, 3 Feet Smaller und natürlich Bad Religion für drei kurzweilige Nachmittage, bevor die Headliner auf die Bühne gehen.

Der Samstag-Abend gehört Skin und ihrer Band Skunk Anansie. Im goldenen Glitzer-Outfit betritt die Frontfrau wie eine Diva die Bühne und legt mit ihrem ungemein sexy Auftritt los. Man merkt es der Truppe einfach an, dass sie gerne wieder gemeinsam auf der Bühne steht. Mit dabei haben sie nicht nur erstklassiges neues Material wie ›My Ugly Boy‹. Sie zieren sich auch nicht, mit ihren Klassikern Stimmung zu machen. Songs wie ›Hedonism‹ und ›Weak‹ erzeugen Gänsehautstimmung und ein energetisches Knistern zwischen Band und Publikum. Und die Diva geht im nun hautengen schwarzen Outfit auch nicht Crowd-Surfen. Skin lässt sich lieber aufrecht stehend von den Fans in den ersten Reihen tragen, als wandle sie über ein Meer von Händen – und hat einen Heidenspaß dabei.

SkunkAnansie_panoThe Gaslight Anthem stehen am Sonntag eher ernst auf der Bühne. Die US-Band um Frontmann Brian Fallon liefert eine solide Rock-Show ohne Schnickschnack. Die Wiese vor der Bühne ist gut gefüllt, Mitsingen und Mithüpfen sind angesagt, als das Quartett Songs vom gefeierten Album 59 SOUND und dem aktuellen Nachfolger AMERICAN SLANG spielt. Zum leicht punkigen Bruce-Springsteen-Rock von The Gaslight Anthem passt dann auch der Pearl-Jam-Song ›State Of Love And Trust‹, den sie originalgetreu covern.

Mit ihrer unaufgeregten Show stehen sie in angenehmem Kontrast zu The Hives, die nach ihnen die Bühne erstürmen. Bereits zum zweiten Mal sind die Schweden im Taubertal zu Gast und Frontmann Per Almqvist zieht solide alle Showregister. Für manchen mag der Auftritt der Alternative-Rocker musikalisch eher langweilig sein. Das Publikum jedoch quittiert nicht nur die Klassiker des Quintetts im Matrosenoutfit wie ›Hate To Say I Told You So‹ und ›Won’t Be Long‹ mit viel Beifall. Die Ansagen und Klettereinlagen Almqvists, der nicht nur einen Ausflug ins Publikum macht, sondern auch die Bühnenkonstruktion auf ihre Stabilität testet, wird mit Jubel belohnt.