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Start Blog Seite 1372

Y&T – FACEMELTER

YT-FacemelterEbenso gut wie in den glorreichen Achtzigern: Y&T drehen das Rad der Geschichte zurück.

Viele Jahre lang hatte man den Eindruck, als ob die amerikanische Rockgruppe Y&T zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war: Ihr hemdsärmeliger Hard Rock zeichnete sich zwar nicht eben durch besonders furiose Innovationen aus, aber er war immerhin flott intoniert und mit einprägsamen Melodien gesegnet. Zudem schaffte es ihr Titel ›Summertime Girls‹ Mitte der achtziger Jahre in die US-Fernsehserie ›Baywatch‹ und implizierte dadurch unterschwellig das Flair von keimfreiem Sex und ewiger Jugend. Vor allem ihr Frontmann Dave Meniketti hatte das Zeug zum echten Superstar: gut aussehend, mit starker Stimme und lässiger Gitarrenarbeit, ein Typ wie ihn Jungs und Mädels gleichermaßen lieben.

Das alles liegt weit mehr als 20 Jahre zurück, indes: Die glänzende Reputation von Y&T überlebte sogar die mehrjährige Pause, die Meniketti & Co in den Neunzigern einlegten. Mehr noch als bei den artverwandten Kollegen von Ratt, Slaughter oder Firehouse lobten Kritiker stets die bodennahe Reputation der Band: nicht so glamourös wie Dokken, weniger skandalös als Mötley Crüe, aber dennoch immer für gute Songs zu haben.

Und genauso stellt sich nun auch das Studiocomeback der reformierten Truppe dar: FACEMELTER überzeugt durch seine kompositorische Dichte, nicht etwa durch sensationelle Zaubertricks oder spektakuläre Technik. Dabei beginnt die Scheibe eigentlich eher langweilig, fördert in den ersten knapp 15 Minuten überwiegend Rock-Konfektionsware zu Tage, um dann aber zunehmend in Fahrt zu kommen und am Ende die großen Keulen hervorzuholen.

Und wieder bewahrheitet sich der Ruf, der dieser Truppe vorauseilt: Es sind die handwerklich profunden Qualitäten der Herren Meniketti, Kennemore, Nymann und Vanderhule, die in ihrer Gesamtheit überzeugen können. Andere Bands posen, Y&T rocken!

Jack Johnson – TO THE SEA

JackJohnsonSurfin’ Jack, die Fünfte.

Böse Zungen behaupten, der hedonistische Hawaiianer würde schon seit Jahren immer wieder ein und dasselbe Album aufnehmen. Was im Falle von TO THE SEA allein deshalb nicht zutrifft, weil das Werk einen traurigen Anlass hat: den Tod seines Vaters, ebenfalls ein bekannter Wellenreiter, der im vergangenen Sommer einem Krebsleiden erlag – wenige Tage vor der Geburt von Jacks zweiter Tochter. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die der 35-Jährige auf seine Weise verarbeitet: Mit tiefgründigen, therapeutischen Texten, in denen er den Sinn allen Seins hinterfragt, dem Meer als Anfang und Ende des Lebens huldigt und vor allem den eigenen Schmerz zu überwinden sucht.

Was bei ihm, der wieder mit seiner angestammten Band, im angestammten Studio und mit seinem angestammten Sound antritt, in einem harmonischen, ausgeglichenen Mix aus Lagerfeuerfolk, hippieskem Jam-Rock, Reggae-Vibes und blumiger Psychedelic gipfelt. Da ist der gute Jack so berechenbar und zuverlässig wie die nächste Welle auf Oahu.

John Waite – IN REAL TIME (LIVE)

john waiteWas wird aus Liebesliedern, die zu schroff sind? Rock jedenfalls nur dann, wenn man zusätzlich Led Zep covert.

Am liebsten singt der Brite John Waite von Liebe, Lust und Leidenschaft, er bleibt der ewig smarte Frauenversteher mit der einschmeichelnden Stimme, dem eigentlich niemand ernsthaft böse sein kann. Natürlich kann er seine hingebungsvollen Texte nicht in ein Gelärm aus überdrehten Gitarren oder hämmernden Beats verpacken, also bedient sich der Mann einer zumeist gemäßigten Gangart und kommt nur von Zeit zu Zeit einmal voll aus sich heraus.

Die Aufnahmen seiner aktuellen Live-Scheibe IN REAL TIME stammen aus dem Jahr 2009 und umfassen Material seiner Bands The Babys und Bad English sowie die größten Hits seiner Solokarriere. Dass dabei die Bühnenfassungen der Stücke allesamt etwas rauer und dadurch weniger charmant als die Studioversionen ausfallen, liegt auf der Hand. Warum sich allerdings der altgediente Zeppelin-Kracher ›Rock’n’Roll‹ in dieses Repertoire verirrt hat, erschließt sich aufgrund der mäßigen Darbietung des Stücks wohl nur Insidern.

Jimmie Vaughan – PLAYS BLUES, BALLADS & FAVORITES

VaughanJimmieSolides Handwerk, nicht mehr und nicht weniger.

Neben der Musik hat dieser Mann noch eine zweite Leidenschaft: Oldtimer und Hot Rods. Ein Hobby, das Kenntnis und den Respekt vor dem Alten voraussetzt. Nicht anders verhält es sich mit dem Musiker Vaughan: Einst kam er mit den Rhythm’n’Blues-Traditionalisten The Fabulous Thunderbirds zu bescheidenem Ruhm, seit dem Tod seines Bruders Stevie Ray widmet er sich solo der Restauration des Blues-Erbes.

Auf PLAYS BLUES, BALLADS & FAVORITES versammelte der Gitarrist einige hochkarätige Musiker der Austin-Szene und nahm sich 15 Goodies aus dem Fundus von Jimmy Reed, Doug Sahm, Johnny Ace, Willie Nelson, Little Richard und ähnlicher Großkaliber vor. Heraus kam dabei solide, souverän und durchweg vital inszenierter Club-R’n’B. Randnotiz: Lou Ann Barton, vor mehr als 30 Jahren als Sängerin in Diensten von Bruder Steves damals noch unbekannter Band Double Trouble, steuerte Gast-Vocals bei.

Vanden Plas – THE SERAPHIC CLOCKWORK

VandenPlasDeutschlands erwiesenermaßen beste Prog Metal-Band zieht alle Register ihres Könnens. Auch textlich.

Vier Jahre sind schnell vergangen, vor allem wenn man ein Ziel zeitweise aus den Augen verliert: Vanden Plas widmeten sich nach Ansicht der Fans zu lange ihren diversen Theater- und Musical-Projekten, wodurch der Fokus auf ein neues Studioalbum offenbar aus dem Gesichtsfeld der Beteiligten verschwand. Doch die Band hat diese vier Jahre genutzt, hat sich stilistisch breiter aufgestellt, durch das Theater-Engagement auch Selbstbewusstsein getankt und sich obendrein finanziell unabhängig gemacht.

Dies alles spürt man auf THE SERAPHIC CLOCKWORK vom ersten Ton an: Vanden Plas loten ihre Stilelemente noch konsequenter aus, lassen die brachiale Metal-Axt ebenso kreisen wie das Schlagzeug donnern – ohne dabei jedoch ins reine Lärmen abzugleiten. Dazu erzählt Frontmann Andy Kuntz eine komplexe Geschichte über schicksalshafte Fügung und die Erkenntnis, seiner Bestimmung nicht entkommen zu können. Mit anderen Worten: Weltklasse-Musik, Weltklasse-Texte und eine Produktion, die dank Produzent Markus Teske keine Wünsche offen lässt.

Indica – A WAY AWAY

IndicaRomantischer Pop-Rock mit Mainstream-Potenzial.

In Finnland sind sie dank ihrer drei bisher erschienenen Alben bereits mit Gold und Platin dekorierte Stars: Indica wollen mit ihrem ersten englischsprachigen Longplayer den Erfolg nun auch im Rest Europas wiederholen.

Völlig überzeugt vom Charme der fünf Mädels ist Tuomas Holopainen, seines Zeichens Boss der finnischen Erfolgs-Formation Nightwish. Er produzierte A WAY AWAY – und drückte dem romantischen Pop-Rock zwischen Bond-Soundtrack, Rock-Ballade und poppiger ABBA-Reminiszenz hörbar seinen Stempel auf. Vor allem in den etwas härteren Songs klingen ganz klar hymnische Nightwish-Töne an, und auch thematisch sind Frontfrau Jonsu und ihre Mitstreiterinnen nicht allzu weit vom Bombast-Metal der erfolgreichen Landsleute entfernt. Mit viel skandinavisch-melancholischem Unterton singen sie von Liebe, Tod und mystischen Begebenheiten. Den Durchbruch in Deutschland fördern dürften die teils sehr eingängigen Refrains: Songs wie die Single ›In Passing‹ oder ›Precious Dark‹ liefern die perfekten Ohrwurm-Melodien für die Radio-Rotation.

In This Moment – A STAR-CROSSED WASTELAND

InThisMomentDas Beste aller Welten: Vergangenheitskomprimierung.

BEAUTIFUL TRAGEDY zeigte In This Moment 2007 als melodische Metalcore-Band, THE DREAM 2008 als metallische Alternative-Rocker. 2010 versuchen sich die Südkalifornier um Sängerin Maria Brink an einer ausgewogenen Schnittmenge: A STAR-CROSSED WASTELAND zettelt in Wutschnaubern wie dem nach Panteras ›A New Level‹ riechenden ›Gun Show‹ freundschaftliche Keilereien an und versüßt anschließendes Wundenlecken mit eingängigen Refrains (Hit: ›The Promise‹). Auch Balladen fehlen nicht: Geht das getragene Titelstück noch als solide Evanescence-Verbeugung durch, stibitzt das theatralische ›World In Flames‹ allerdings zu sehr bei ›Purple Rain‹, ohne die Intensität des Prince-Schmachters zu erreichen.

Kevin Churkos (Ozzy Osbourne) Produktion ist erstklassig, Brinks Schrei-/Klargesang aber teils ein wenig zu dominant abgemischt: Besonders in dem stählernen Rocker ›Blazin’‹ erinnert ihr Keifen an Tic Tac Toe-Sirene Lee und übertönt herrlich quietschende Zakk Wylde-Gitarren-Zitate.

Imperial State Electric – IMPERIAL STATE ELECTRIC

IMPERIAL+STATE+ELECTRIC+frontFlugverbot aufgehoben: nonstop zurück in die Siebziger.

Nachdem sich die Hellacopters die vorzeitige Stilllegung ihrer Rock-Rotoren selbst verordnet haben, dürfen sich Freunde des skandinavischen Siebziger-Rock’n‘-Rolls nun wieder anschnallen. Denn hinter dieser ominösen neuen Band steckt Frontfigur-Flieger Nicke Andersson.

Mit zahlreichen Gästen, unter anderem Backyard Babies- und Ex-Hellacopters-Mitglied Dregen oder dem singenden Datsuns-Basser Dolf de Borst, gibt Vollblut-Kiss-Fan Andersson hier erneute Kostproben seines Kompositionskönnens: ›Lord Knows I Know That It Ain’t Right‹ und ›I Got All Day Long‹ hätten rein vom Klangbild und Hit-Charakter her selbst Paul Stanleys 1978er-Solo-Meisterwerk um zwei weitere Kracher bereichert. ›Resign‹ und ›I’ll Let You Down‹ trumpfen mit Beatles-, Beat-Club- und Power Pop-Perfektion auf. ›Throwing Stones‹ (mit Dregen) drückt auf die harmonische Garagenpunk-Tuben-Paste. Und dazwischen gibt’s immer mal wieder Cheap Trick und noch ein Löffelchen Sixties Soul im The Solution-Stil. Damit sollten alle, die Herrn Ex-Hellacopters Rock-Einflüsse teilen und lieben, rundherum glücklich sein. Aber mal ehrlich: Etwas anderes als eine wirklich tolle Classic Rock-Platte hatte auch keiner erwartet.