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Start Blog Seite 1371

Beth Hart & Joe Bonamassa – DON’T EXPLAIN

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Talent-Parade der jungen Blues-Generation.

Joe Bonamassa hatte in letzter Zeit ja viele gute Ideen, aber was ihm in einer schlaflosen Nacht auf Santorin in den Kopf schoss, deutet auf einen extrem lichten Moment des Vollzeit-Bluesers hin: Beth Hart singt Soul- und Blues-Klassiker von Künstlern wie Aretha Franklin (›Ain’t No Way‹), Ray Charles (›Sinner’s Prayer‹) und Billie Holiday (›Don’’t Explain‹) und Bonamassa begleitet sie zusammen mit seiner eingespielten Erfolgsband. So einfach die Rezeptur dieses Gedankenblitzes ist, so eindrucksvoll ist das Resultat. Die Band um Bonamassa bietet eine exzellent geschmeidige Grundlage aus Soul, Jazz und Blues für Beth Hart, die über die zehn Songs hinweg eine emotionale Tiefe zeigt, welche man in diesem Ausmaß von ihr noch nicht gehört hat. In Anbetracht dieser Leistung kann man Produzent Keven Shirley durchaus verstehen, wenn er Vergleiche mit Hochkarätern wie Janis Joplin und Etta James anstellt. An dieser Platte stimmt einfach alles: sowohl die Songauswahl, als auch die kreativen Interpretationen und das musikalische Können aller Beteiligten.

Paul Schmitz

Lenny Kravitz – BLACK AND WHITE AMERICA

Lenny_Kravitz_Black_White_America_1200x1200Are you gonna go his way?

Seine letzten Alben waren eher durchwachsen. Doch jetzt, mit 47, will es Lenny scheinbar noch einmal wissen: Sein neues Werk, das erste als Indie-Künstler, ist eine opulente 14-Song-CD, die auch als Doppel-Vinyl erscheint bzw. vor musikalischem Ehrgeiz und politischen Botschaften strotzt. Da geht es um die Ära Obama, die späte gesellschaftliche Mündigkeit der Afro-Amerikaner und den verzweifelten Versuch der radikalen Rechten, diese Entwicklung zu stoppen. Gleichzeitig fährt er stilistisch eine regelrechte Werkschau auf, stellt Funk neben Rock, Blues, Synthie-Pop und Reggae, begeistert mit furiosen Bläsersätzen und vergeht sich – der einzige Schwachpunkt – auch wieder an herzerweichenden Balladen. Das macht BLACK AND WHITE AMERICA zu keinem Meisterwerk, aber lässt doch ansteigende Tendenz erkennen.

Foo Fighters – WASTING LIGHT

foo_fighter_Wasting_LightMehr Druck, mehr Krach, mehr Verzerrung, aber auch mehr Qualität?

›I Should Have Known‹ heißt einer der Songs auf dem siebten Studioalbum der Foo Fighters – und irgendwie musste man befürchten, dass die im Vorfeld per Video verbreitete ›White Limo‹ nur ein Anheizer bleiben würde. Sollte der Vorab-Song wie bei ONE BY ONE (2002), IN YOUR HONOR (2005) und ECHOES, SILENCE, PATIENCE & GRACE (2007) wieder einmal mehr versprechen, als das Album letztendlich bereithält?

Nein, Grohl sei dank nicht. WASTING LIGHT reicht zwar von der kompositorischen Qualität nicht an das Meisterwerk THE COLOUR AND THE SHAPE heran (das toppt der „nicest man in rock’n’roll“ eh nicht mehr), beim Hören macht sich aber ein seliges Wohlgefühl breit – ähnlich wie beim Hineinpflanzen in eine über Jahre mit viel Hingabe geformte Sofa-Kuhle. Schnell weiß man: „Ja, die Foo Fighters wollen wieder was reißen!“ Ob es nun an der absichtlich schrottigen Aufnahme-Location (Dave Grohls Garage), der Arbeit von NEVERMIND-Produzent Butch Vig oder dem dritten Gitarristen und alten Weggefährten Pat Smear liegt: Zum ersten Mal seit THE COLOUR AND THE SHAPE werde ich ein Foo-Fighters-Album wieder komplett durchhören und mich nicht auf die drei enthaltenen Hits beschränken.

The Gaslight Anthem – AMERICAN SLANG

1677806Weniger Knistern, dafür lodernde Stadion-Flammen.

Mangelnde Innovation kann man der 2005 aus der amerikanischen Ostküsten-Garagen-Punk-Bewegung entstandenen Nachwuchs­hoffnung nicht vorwerfen: Ihr Debüt SINK OR SWIM war eine ungestüme Clash/Joe Strummer-Bewunderungsarie, das mit dem Song ›I’da Called You Woody, Joe‹ in punkto musikalische Idole ziemlich konkret wurde. Das vor zwei Jahren veröffentlichte zweite Album THE ‘59 SOUND zeichnete sich dann durch eine exzellente, vornehmlich in schwarz-weiß gehaltene Verbeugung vor Bruce Springsteen und Noir-Tendenzen aus.

Aber was ist nun AMERICAN SLANG? Kurz gesagt: ein Album-Amalgam ihrer beiden vorherigen Ansätze – allerdings mit lodernden Stadion-Flammen. Dynamik, bitter-süßes Songwriting und die verzweifelteren Hymnen bleiben hier zunehmend zurück. Zwar ist die Band immer noch mit Authentizität und Hit-Gespür gesegnet, aber auch zu vordergründig gut gelaunt und auf Konsens aus.

Das grandiose THE ‘59 SOUND passte als nostalgisches, zeitloses und doch zeitgenössisches Album sowohl auf den alten Schallplattenspieler als auch auf den mp3-Player. Auf AMERICAN SLANG haben The Gaslight Anthem dieses wohlig vertraute Knistern beim Abspielen leider etwas reduziert.

Crash Test Dummies – OOOH LA LA

CrashTestDummies›Mmm Mmm Mmm Mmm‹ – 17 Jahre später.

Ihre 15 Minuten des Ruhms hatten Brad Roberts & Co. 1993 mit seinem Album GOD SHUFFLED HIS FEET, das sich weltweit fünfeinhalb Millionen Mal verkaufte – wegen eines Ohrwurms, der so simpel gestrickt war, dass man ihn nicht mehr loswurde. Nur: Wem es gelang, der hatte von den Kanadiern erst einmal genug. Weshalb die folgenden Alben zu klassischen Flops wurden und sich die Band 2005 frustriert auflöste. Nur um jetzt einen Neuanfang zu wagen, der gar nicht mal schlecht ist. Zum einen, weil Roberts’ Bariton immer noch Gänsehaut erzeugt, und die Band, die nur noch ein Duo ist, ebenso witzige wie vielseitige Songs offeriert.

Nämlich gefühlvolle Leisetreter wie ›Songbird‹, Vaudeville-Ausflüge wie ›You Said You’d Meet Me (In California)‹ oder auch fast schon satirische Vorstöße in Charleston (›Now You See Her‹), Country (›What I’m Famous For‹) oder auch Cabaret (›Paralyzed‹). Und: ›The In-Between Place‹ hätte selbst ein Johnny Cash nicht besser hinbekommen – während der ›Lake Bras D’Or‹ glatt von Nick Cave zu Zeiten seiner MURDER BALLADS stammen könnte. Respekt!

The Smashing Pumpkins – TEARGARDEN BY KALEIDYSCOPE

The_Smashing_Pumpkins-Teargarden_By_Kaleidyscope_Volume_I_Songs_For_A_Sailor_(Ep)-FrontalEin hölzerner Obelisk gehört zum Lieferumfang: Billy Corgan präsentiert sich also bizarr wie immer.

Billy Corgan will offensichtlich die Musikindustrie aufmischen: Er gibt die neuen Songs seiner Band The Smashing Pumpkins nämlich kostenlos ab. Auf der Homepage sind mittlerweile jedenfalls die ersten vier Stücke des mit 44 Titeln veranschlagten Mammutwerks TEARGARDEN BY KALEIDYSCOPE kostenlos erhältlich. Gleichzeitig aber hat der extravagante Frontmann angekündigt, innerhalb der nächsten Monate elf EPs mit jeweils vier Songs auch in den Tonträgerhandel zu bringen.

Das erste Exemplar dieses Experiments liegt nun vor: TEARGARDEN BY KALEIDYSCOPE VOL. 1: SONGS FOR A SAILOR wird als limitierte Sammel-Holzbox vermarktet und enthält neben der CD mit den vier bereits online erhältlichen Songs auch 7-Zoll-Vinyl mit einem bisher unveröffentlichten Track und als besondere Zugabe einen Obelisken, der angeblich zu Füßen der berühmten peruanischen Inka-Ruinen-Stadt Machu Picchu von Hand hergestellt wurde.

Nun gut, leider konnten wir vor Redaktionsschluss noch keinen Blick auf dieses unglaubliche Artefakt werfen, doch seinem Ruf als Exzentriker wird Corgan jedenfalls wieder einmal gerecht.

Gemeinsam mit den drei in den vergangenen Monaten neu rekrutierten Mitstreitern will Corgan jetzt an die „Wurzeln“ der Smashing Pumpkins anknüpfen. Zugänglicher als seine letzten Veröffentlichungen sind die vier neuen Stücke allemal, sie besitzen zudem einige Qualitäten, die an die besten Zeiten der Pumpkins erinnern: Neben der nasalen Stimme Corgans sind das vor allem der abwechslungsreiche Sound zwischen harten Gitarren-Riffs und psychedelischen Synthesizer-Hymnen sowie die geheimnisschwangeren Texte. Andererseits: Keiner der Songs packt einen derart wie damals ›Disarm‹ oder ›Tonight Tonight‹. Die kostenpflichtige EP ist also eher ein Fan-Fetisch, die kostenlosen Songs sind aber durchaus ein Reinhören wert.

Y&T – FACEMELTER

YT-FacemelterEbenso gut wie in den glorreichen Achtzigern: Y&T drehen das Rad der Geschichte zurück.

Viele Jahre lang hatte man den Eindruck, als ob die amerikanische Rockgruppe Y&T zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war: Ihr hemdsärmeliger Hard Rock zeichnete sich zwar nicht eben durch besonders furiose Innovationen aus, aber er war immerhin flott intoniert und mit einprägsamen Melodien gesegnet. Zudem schaffte es ihr Titel ›Summertime Girls‹ Mitte der achtziger Jahre in die US-Fernsehserie ›Baywatch‹ und implizierte dadurch unterschwellig das Flair von keimfreiem Sex und ewiger Jugend. Vor allem ihr Frontmann Dave Meniketti hatte das Zeug zum echten Superstar: gut aussehend, mit starker Stimme und lässiger Gitarrenarbeit, ein Typ wie ihn Jungs und Mädels gleichermaßen lieben.

Das alles liegt weit mehr als 20 Jahre zurück, indes: Die glänzende Reputation von Y&T überlebte sogar die mehrjährige Pause, die Meniketti & Co in den Neunzigern einlegten. Mehr noch als bei den artverwandten Kollegen von Ratt, Slaughter oder Firehouse lobten Kritiker stets die bodennahe Reputation der Band: nicht so glamourös wie Dokken, weniger skandalös als Mötley Crüe, aber dennoch immer für gute Songs zu haben.

Und genauso stellt sich nun auch das Studiocomeback der reformierten Truppe dar: FACEMELTER überzeugt durch seine kompositorische Dichte, nicht etwa durch sensationelle Zaubertricks oder spektakuläre Technik. Dabei beginnt die Scheibe eigentlich eher langweilig, fördert in den ersten knapp 15 Minuten überwiegend Rock-Konfektionsware zu Tage, um dann aber zunehmend in Fahrt zu kommen und am Ende die großen Keulen hervorzuholen.

Und wieder bewahrheitet sich der Ruf, der dieser Truppe vorauseilt: Es sind die handwerklich profunden Qualitäten der Herren Meniketti, Kennemore, Nymann und Vanderhule, die in ihrer Gesamtheit überzeugen können. Andere Bands posen, Y&T rocken!

Jack Johnson – TO THE SEA

JackJohnsonSurfin’ Jack, die Fünfte.

Böse Zungen behaupten, der hedonistische Hawaiianer würde schon seit Jahren immer wieder ein und dasselbe Album aufnehmen. Was im Falle von TO THE SEA allein deshalb nicht zutrifft, weil das Werk einen traurigen Anlass hat: den Tod seines Vaters, ebenfalls ein bekannter Wellenreiter, der im vergangenen Sommer einem Krebsleiden erlag – wenige Tage vor der Geburt von Jacks zweiter Tochter. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die der 35-Jährige auf seine Weise verarbeitet: Mit tiefgründigen, therapeutischen Texten, in denen er den Sinn allen Seins hinterfragt, dem Meer als Anfang und Ende des Lebens huldigt und vor allem den eigenen Schmerz zu überwinden sucht.

Was bei ihm, der wieder mit seiner angestammten Band, im angestammten Studio und mit seinem angestammten Sound antritt, in einem harmonischen, ausgeglichenen Mix aus Lagerfeuerfolk, hippieskem Jam-Rock, Reggae-Vibes und blumiger Psychedelic gipfelt. Da ist der gute Jack so berechenbar und zuverlässig wie die nächste Welle auf Oahu.