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Start Blog Seite 1373

’77 – 21st CENTURY ROCK

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77Originalgetreue AC/DC-Interpretation für Einsteiger

Sollte bei der Bandnamen-Wahl vielleicht das gemeinsame Geburtsjahr der Mitglieder mitentscheidend gewesen sein? Egal, denn viel wichtiger ist die Tatsache, dass die vier Spanier bei ihrer Truppen-Taufe eine ganz bestimmte Platten-Veröffentlichung aus dieser Zeit im Auge und Ohr hatten: LET THERE BE ROCK von AC/DC und somit die klassische Bon Scott-Ära ist hier die unüberhörbare Blaupause. Und zwar in Großbuchstaben.

Anders als die ur-australischen Kollegen von Airbourne, die zumindest noch in Ansätzen den Versuch unternehmen, den zeitlosen Sound aus Australien in Tempo und Klang auf moderneren Stand zu hieven, sind ‘77 in nahezu allen Belangen originalgetreu. Blues und Boogie dominieren, Sänger Armand Valeta gibt ganz gut den Bon Scott, und auch die Produktion ist authentisch alte Schule. Dennoch fehlt es den Burschen aus Barcelona auf ihrem Debüt insgesamt an zündenden Hymnen, um das jungbullige Stiergeweih auf wahre Teufelshörnchen-Größe anschwellen zu lassen. Aber das kann ja noch werden. Zurück auf die Weide.

Sweet Apple – LOVE & DESPERATION

SweetAppleWillkommen in der glamourösen Arena des Untergrunds.

Von einer Underground-Supergroup zu reden, ist ein Oxymoron. Dennoch hat diese an sich unsinnige Bezeichnung im Fall von Sweet Apple eine gewisse Berechtigung, wie die Liste der teilnehmenden (Indie-)Protagonisten beweist. Fangen wir ausnahmsweise Mal von hinten an: Da wäre zum einen J Mascis, Dinosaur Jr.-Sänger und -Gitarrist, der hier (wie bei seinem Stoner Doom-Nebenprojekt Witch) das Schlagzeug bedient. Am Bass hätten wir, auch aus diesem Band-Umfeld, Dave Sweetapple. Um die Gitarren kümmern sich die beiden Cobra Verde-Vertrauten Tim Parnin und John Petkovic, wobei Petkovic auch den Gesang übernimmt.

Das Resultat dieser Kollaboration ist ein Album, das den glamourösen Zeitgeist der glorreichen Ära von Roxy Music atmet. So dient unter anderem auch deren Covergestaltung des 1974er-Albums COUNTRY LIFE als Referenz. Ähnlich wie BAD TIMING, das grandiose 2003er-Album der NYC-Garagenrocker Grand Mal, beißen hier also Mainstream-Verweigerer in die süßen Musikfrüchte von Siebziger-Glam, Arena-Rock und Power-Pop. Nur der Klang-Anstrich ist alternativ, nämlich rumpelnd und ungeschliffen – und für manche dadurch vielleicht sogar erdiger und greifbarer.

Immens beeindruckend für alle Musikliebhaber ist jedoch die unglaubliche Melodiösität von Sweet Apple. Und: Nicke Andersson würde LOVE & DESPERATION sicher sofort in seine Playlist nehmen.

Masterplan – TIME TO BE KING

masterplanJørn Lande ist zurück. Prompt rocken Masterplan fast wie auf ihrem grandiosen Debüt.

Dereinst mit Schimpf und Schande vom Hofe der Hamburger Gruppe Helloween gejagt, setzt Gitarrist Roland Grapow seinen ehemaligen Kollegen mächtig zu. Bereits ein Jahr nach seinem Rauswurf hatte er mit Masterplan eine eigene Band am Start und sorgt seitdem dafür, dass seine unzweifelhaft großen Fähigkeiten nicht ungehört versanden.

Allerdings hat Grapow ein Problem: Sein jeweiliger Frontmann (es waren bislang zwei) wollte nicht immer so, wie er es gern hätte. Da aber der Originalsänger der Band, der umtriebige Norweger Jørn Lande, feststellen musste, dass seine Karriere ohne Grapow umgehend  ins Stocken geriet, sind die beiden Galionsfiguren – nach einem Interims-Album – nun wieder vereint. Und siehe da: Auf TIME TO BE KING rocken Masterplan wie zu Zeiten des prämierten Debüts (2003). Jedenfalls nahezu, denn mit Ausnahme der schwachbrüstigen Single und ein, zwei Füllern ist hier wieder einmal (fast) alles Gold, was glänzt.

Steve Miller Band – BINGO

SteveMillerBandWer 17 Jahre lang auf eine heiße Orgie hoffte, fühlt sich angesichts des neuen Albums eher zu einer Grillfete geladen.

Globale Bedeutungslosigkeit kann man Steve Miller nun wahrlich nicht unterstellen: Mit Welthits wie ›The Joker‹, ›Fly Like An Eagle‹, ›Take The Money And Run‹ oder ›Abracadabra‹ verkaufte er Alben in zweistelligen Millionenauflagen, die dazu fälligen Preise und Auszeichnungen sammelte er gleich dutzendweise. Es war immer diese verflixt clevere Mischung aus klinischem Westcoast-Sound, Blues-Einflüssen und kalorienarmen Rock-Attitüden, die seinen Stil zum Erfolgsmodell machte.

Dass er dennoch nicht zum Liebling aller Kritiker wurde, lag sicherlich an den oftmals fehlenden Ecken und Kanten seiner Songs, der produktionstechnischen Sterilität und – zumindest bei seinen Klassikern – der offenkundigen Verweigerung von Risiken.

Genau diese vermisst man auch auf seinem neuen Album BINGO, der ersten Studioproduktion Millers seit 17 Jahren. Okay, die Scheibe ist pfiffig orchestriert und ganz sicher auch tadellos produziert, klingt aber dennoch irgendwie merkwürdig zahnlos und in ihrer Gesamtheit zu glatt poliert. Erschwerend hinzu kommt, dass Miller sein neues Werk überwiegend dem traditionellen Blues widmet, der – wie wir alle wissen – in seinen besten Momenten eine gewisse Melancholie ausstrahlt. Millers Stücke jedoch versprühen eine Form von Unbekümmertheit, die beim oberflächlichen Zuhören vielleicht noch ansprechend wirkt, bei intensiverer Beschäftigung allerdings schnell zum Überdruss führt.

Allein im Opener ›Hey Yeah‹ reanimiert das Album kurz jenes Flair, das einst bei FLY LIKE AN EAGLE zum Abheben geführt hatte. Legt man die endlose Wartezeit und den legendären Ruf des Mannes aus Milwaukee zu Grunde, ist das eigentlich etwas zu wenig. Oder hatte man vielleicht nur zu viel erwartet?

The Magic Numbers – THE RUNAWAY

max1284049895-front-coverDie ganze wunderbare Welt des Wohlklangs.

Natürlich sehen sie nicht gerade aus wie Popstars, geschweige denn wie außerirdische Rockgötter: Das gemischte Geschwister-Doppel ist eher beleibt und vollbärtig – zumindest der männliche Teil. Doch die Musik zählt mit zum Besten, was die britischen Inseln derzeit zu bieten haben: Ein subtiler Leisetreterpop mit tollen Melodien, Anleihen bei Hippie-Folk, bekiffter Psychedelic, Sixties-Beat und einer Prise Burt-Bacharach-Schmalz – sowie einer unglaublich vielseitigen Instrumentierung, die von Mundharmonika über Xylofon bis zum Himmel voller Streicher reicht.

Für letztere zeichnet übrigens kein Geringerer als Robert Kirby verantwortlich, der einst Nick Drake betreute und nach Abschluss der Aufnahmen – mit 61 Jahren – an Krebs starb. Weshalb ihm die Magic Numbers mit einem sinfonischen Bonus-Track huldigen – aber auch selbst alle Register in Sachen zeitloser Popmusik mit vielen kleinen Ecken und Kanten ziehen. Denn auf jeden Flirt mit Deacon Blue, Lloyd Cole und Prefab Sprout folgt stets eine Verbeugung vor Syd Barrett oder My Bloody Valentine. Große Kunst!

Pain Of Salvation – ROAD SALT ONE

PainOfSalvationVom Prog zum Blues: Pain Of Salvation setzen ihre musikalische Metamorphose weiter fort.

Nicht, dass man zwangsläufig mit einem solchen Album rechnen konnte, aber grenzenlos überrascht dürfte die Öffentlichkeit angesichts des neuen Albums von Pain Of Salvation auch nicht sein. Schon vor knapp zehn Jahren begann Macher Daniel Gildenlöw seine Gruppe Schritt für Schritt zu verändern. Zunächst lockerte er die einst künstlerische Begrenzung durch freiere Elemente auf – um seine Band nun mit ROAD SALT ONE endgültig zu einer echten Rockgruppe umzubauen, die mehr mit den Stilmitteln der siebziger Jahre als mit technoidem Prog Metal der Neunziger zu tun hat.

Wer sein audiophiles Glück bislang bei Gruppen wie Dream Theater oder Symphony X suchte, dürfte diesen Schritt bedauern – allen anderen sei gesagt: Gildenlöw und Pain Of Salvation zelebrieren einen von Blues, Rock und Gospel durchzogenen Parforceritt durch die Annalen der Rockgeschichte, bei dem sich jede Etappe zu einhundert Prozent als konsequent und überzeugend erweist. In ihren besten Momenten atmet ROAD SALT ONE eine melancholische Tiefe, die den Zuhörer bis in die innersten Fasern seines Körpers erfasst. Es sind die leisen Töne, die wie Wassertropfen perlenden Pianoklänge, die das Stück ›Sisters‹ zu einem fragilen Wunderwerk machen, und es ist die sakrale Grundstimmung, mit der die Nummer ›Of Dust‹ zur Hymne aller Gefallenen wird. Hier gelingt Gildenlöw, was Bono auf NO LINE ON THE HORIZON ( und ›Moment Of Surrender‹) vergeblich versucht hat: ein Seelenstriptease jenseits jeglicher Peinlichkeit.

Die Entscheidung der Band, aus finanziellen Gründen die Produktion des Albums in den eigenen Proberaum zu verlegen, war für dieses Material genau richtig: So eindringlich, intim, persönlich und geradezu ungeschützt haben Pain Of Salvation noch nie geklungen.

Lostboy! Aka Jim Kerr – LOSTBOY! AKA JIM KERR

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LostboyAKAJimKerrCoverSolo macht es uns der Simple-Minds-Sänger nicht immer leicht.

Jim Kerr hat sich für seinen Alleingang lange Zeit gelassen. Dennoch bleibt auch bei ihm das alte Segen-und-Fluch-Problem von Sänger-Soloalben bestehen: Die Stimme hat jeder bereits in anderem Zusammenhang verinnerlicht, und die Musik ist entweder zu nah am Stamm – oder zu weit davon entfernt.

Kerrs Kurs liegt genau dazwischen. Wie schon auf dem 2002er-Simple Minds-Album CRY flirtet Kerr mit Elektronik-Elementen und Computer-Beats, was für die „U2 des kleinen Mannes” damals schon in die Hose ging. Schlimmer ist jedoch, dass er dabei auf dieselben Effekte wie vor acht Jahren zurückgreift.

Wenn sich Kerr aber auf das Wesentliche konzentriert, beispielsweise bei ›Return Of The King‹, das The Mission, Bono und Bowie vereint, weiß er allerdings zu gefallen. Auch ›Bulletproof Heart‹ und ›Lostboy‹ presst alte Qualitäten geschickt in ein neues Gewand. Ganz übel wird es allerdings, wenn er – wie in ›Soloman Solohead‹ – seine immer noch charakteristische Stimme und seine Songschreiber-Fähigkeiten unter ekligen Gitarren- und Vokal-Verzerrern begräbt.

Das Finale aber entschädtigt dafür: ›The Wait Parts 1+2‹ hat das Zeug zum Kerr-Klassiker; es würde auf den Soundtrack eines möglichen „The Breakfast Club“-Remakes passen. Ein Drittel dieses Albums sollte man aber aufgrund der ätzenden Arrangements sofort vergessen.

Ozzy Osbourne – SCREAM

OzzyRock für die ganze Familie: mal kitschig, meist aber kraftvoll.

Der Madman rockt wieder, und wir fragen uns bange: Kann er es noch? Bedeutet ein neuer Gitarrist auch den Beginn einer neuen Ära? Die erleichterte Antwort: Ja, er kann noch. Und nein, im Grunde ist alles beim Alten geblieben, obwohl SCREAM das erste Album ohne den langjährigen Gitarristen Zakk Wylde ist. Zwar hört man schon, dass hier Gus G. von Firewind die Axt schwingt, und natürlich sind auch die Black Label Society-Parts aus den Aufnahmen verschwunden – dennoch ist SCREAM kein pures Flitzefinger-Metal-Werk geworden. Die Basis der Songs ist klassischer Hard Rock, nur als Verfeinerung wird mit einer Metal-Legierung gearbeitet.

Hier wird deutlich, dass Produzent Kevin Churko den Großteil der Arbeit gemacht hat – und zwar kompositorisch wie klangtechnisch. Er hat es geschafft, Ozzy eine zeitgemäße Platte auf den Leib zu schneidern. Die klingt mal bombastisch (›Soul Sucka‹), nimmt aber in manchen Passagen moderne Queens Of The Stone Age-Grooves mit auf (›Let It Die‹) oder taugt schlicht als Radiohit (›Let Me Hear You Scream‹). Am besten ist Ozzy aber dann, wenn er aus dem Riff-Vollen schöpfen kann: Die Härte von ›Diggin Me Down‹ schlägt sich auch in seinem Gesang nieder – dafür gebührt ihm unser Respekt. Man verzeiht ihm auch den Schmalztiegel, aus dem er sich in ›I Love You All‹ reichlich bedient. Zuschrauben und vergessen.

Insgesamt jedoch ist SCREAM ein gelungenes Werk: typisch Ozzy in Sachen Atmosphäre, und breit genug gefächert, um wirklich alle glücklich zu machen – im Grunde klassischer Familien-Rock.