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Start Blog Seite 1202

John Fogerty – Comin’ Down The Road

Fogerty_DVDEinige Solonummern und je­de Menge Klassiker: Fogerty live.

Nach vielen ver­geudeten Jahren läuft der Roots-Rocker im Alter noch mal zur Bestform auf. Mit Creedence Clearwater Revival landete John Fogerty zwischen 1968 und 1972 Hit auf Hit, nach dem Split erlebte er dann aller­dings eine endlose Odyssee, der verbissen geführte Rechtsstreit mit dem Fantasy-Label brachte seine Schaffenskraft fast zum Erliegen. Seitdem die Kontrahen­ten die Friedenspfeife geraucht haben, scheint die Lähmung von Fogertys Kreativität jedoch wie weggeblasen. Am Abend des 24. Juni 2008 präsentierte sich der beneidenswert jung gebliebene Blue Ridge Ranger bei dem Abschlussgig seiner „Revival“-Tournee in London denn auch in blendender Verfassung. Rank und schlank, drahtig und gut gelaunt spielte der damals 63-jährige neben einigen der besseren Lieder aus der Solozeit jede Menge CCR-Klassiker. In einem kernigen Live-Sound zwischen Rock’n’ Roll, Country und Cajun begeisterte er die Zuschauer in der Royal Albert Hall mit packenden Fassungen von ›Proud Mary‹, ›Fortunate Son‹, ›Hey Tonite‹ und ›Up Around The Bend‹. Ein Rock-Veteran im zweiten Frühling.

Harald Kepler

Rolling Stones – IN EXILE

RollingStonesDer Rock’n’Roll-Lebensstil der frühen Siebziger.

Die Geschichte gehört zum Mythenschatz der Rock-Historie: Auf der Flucht vor den britischen Steuerbehörden siedelten die Rolling Stones 1971 kurzerhand nach Südfrankreich über, wo man an der Riviera einen mondänen Lebensstil unter mediterraner Sonne kultivierte. Sex und Drogen inklusive, nur war das damals eben noch kein komplett abgegriffenes Klischee, sondern ganz einfach das angemessene Lebensmodell der jungen Rock-Aristokratie. Gerockt wurde natürlich auch, und zwar in Nellcote, Keith Richards’ Landhaus in Villefranche-sur-Mer.

Da waren nun also fünf elegant vergammelte Engländer samt Familienanhang und Party-Entourage, die in dekadentem Ambiente an ihrem neuen Album bastelten. Einem Werk mithin, das nach seiner Veröffentlichung 1972 weder Kritiker noch Plattenkäufer sonderlich beeindruckte, das heute jedoch zu einem der Höhepunkte im Katalog der Stones zählt: EXILE ON MAIN STREET.

Stephen Kijaks Dokumentation IN EXILE liefert quasi das Making Of, ergänzt um zeitgenössische und aktuelle Interviews. Nicht nur die Bandmitglieder selbst kommen zu Wort, sondern auch Bewunderer wie Martin Scorsese, Jack White und Caleb Followill. Das empfehlenswerte Gesamtpaket ist eine fulminante Zeitreise in eine längst vergangene Ära.

Ufo – ROCKPALAST 1980

UFOSolides Rock-Handwerk mit seinerzeit neuem Steuermann.

Mehr als ein Jahr-zehnt bewegte sich die britische Band schon auf internationalem Parkett, als sie am 29. November 1980 in der Westfalenhalle für den „Rockpalast“ aufschlug. Ihr kreativer Zenit mit dem platinblonden Gitarren-virtuosen Michael Schenker war damals bereits Vergangenheit: Der war 1979, nach fünf brillanten Hard-Rock-Alben und einem Konzertmitschnitt ausgestiegen, als Ersatz fungierte Paul Chapman. Nichts auszusetzen gibt es am 72 Minuten langen Auftritt der routinierten Formation, die vor allem durch die fabelhaft geölte Rhythmussektion mit Bassist Pete Way und Schlagzeuger Andy Parker genügend Druck erzeugt. Ersatzmann Chapman versucht erst gar nicht, Schenkers virtuosen Stil nachzuahmen. Ein wenig alkoholisiert wirkt Frontmann Mogg, doch das beeinträchtigt die Mixtur aus Klassikern wie ›Lights Out‹, ›Rock Bottom‹ und ›Doctor, Doctor‹ mit einigen Stücken des damals aktuellen Werks NO PLACE TO RUN und des noch unveröffentlichten Nachfolgers THE WILD, THE WILLING AND THE INNO-CENT keineswegs.

Emil Bulls – The Feast

Emil Bulls - Cover DVDDie Bullen kommen: Konzert­film zum 15. Geburtstag.

Ein Heimspiel absolvierten die Emil Bulls im November 2009 im überfüllten Münchner „Back­stage”: Da strömte der Schweiß im Moshpit und auf der Bühne, die Köpfe wackelten im Takt, das Publikum grölte ausgelassen. Besser noch: Für die erste Live-DVD in 15 Jahren Bandgeschichte liefen an diesem Abend Kameras mit. Auf THE FEAST sind die 25 Songs des Sets qualitativ hoch­wertig in Szene gesetzt, entstanden ist eine feine Dokumentation, die belegt, warum die Emil Bulls als leidenschaftliche Live-Band gelten. Als Bonus gibt es jede Menge Einblicke in das Leben der Band abseits der Bühne. Die mit wackeliger Handkamera aufgezeichneten Sequenzen liefern Backstage-Atmosphäre von den Konzertreisen 2007 und 2009: das Einklatschen vor dem Gig, Musiker in Unterhosen und gehaltvolles Feiern mit den Supportbands.

Der Cutter hätte jedoch we-sentlich großzügiger schneiden dürfen. Denn die endlosen Bilder von feiernden Musikern im Tour-bus und die kleine Randale zwi-schendurch bestätigen zwar die Rocker-Klischees von „Sex, Drugs And Rock’n’Roll“ – doch zu viel davon wirkt schon nicht mehr sympathisch, sondern ziemlich gewollt. Und irgendwann sogar ein wenig lächerlich.

Julia Köhler

Ulli Lommel – BLANK GENERATION

Richard Hell BlankGenerationLommels Lotterpunk: Richard Hell in der Rolle seines Lebens.

Für jede Erfahrung, sei sie auch noch so abwegig, zeigte sich das deutsche Multitalent Ulli Lommel im Laufe seiner 50-jährigen Karriere als Regisseur, Schauspieler, Autor und Produzent dankbar. Einst Muse von Rainer Werner Fassbinder, zog es den Sohn eines NS-Unterhaltungskünstlers in der zweiten Hälfte der Siebziger nach New York. Und dort entstand ein Kinofilm, der seit Jahrzehnten in Late-Night-Vorstellungen seinen Platz findet: BLANK GENERATION, ein absurdes Road-Movie um den Musiker Billy, dargestellt vom Proto-Punk-Poeten Richard Hell, der sich im realen Leben als Mitglied in Johnny Thunders Heartbreakers und Television unsterblich machte. Mit eigener Formation The Voidoids sowie der wiederum fiktiven, zu handgreiflichen Ausbrüchen neigenden Freundin Nada (Carole Bouquet) im Schlepptau, streunt das authentische Rollenmodell für Sex Pistol Johnny Rotten durch trostlose Gegenden im Big Apple. Stets auf der Suche nach Ruhm, Anerkennung und ein bisschen Rauschgift, absolviert er schließlich einen Auftritt im CBGB’s. Finanziert von Andy Warhol, darf BLANK GENERATION trotz einiger Längen noch immer das Prädikat Kultstreifen führen.

Dirtmusic – BKO

CD-Cover-Dirtmusic-BKO-680x607-41f02c85c3b69337Musiker aus den USA, Australien und Mali entdecken den tranceartigen Desert Rock.

Chris Eckman (The Walkabouts), Hugo Race (True Spirit, Nick Caves Bad Seeds), Chris Brokaw (Codeine, Liz Phair) – jeder von ihnen blickt auf eine ruhmreiche Laufbahn in der alternativen Rockszene zurück, doch seit 2006 machen die Individualisten unter dem Namen Dirtmusic sogar gemeinsame Sache. Auf dem an­­sprechenden zweiten Album musizieren sie mit der Tuareg-Band Tamikrest und anderen Lokalmatadoren aus Mali einen afrikanisch getönten Desert Rock. Die sehenswerte englischsprachige Begleit-DVD dokumentiert den fruchtbaren Dialog der Kulturen in Malis Metropole Bamako. Dabei ist es sehr spannend zu beobachten, wie bei der interkulturellen Begegnung mit dem universell verständlichen Hilfsmittel Musik alle Sprach­barrieren überwunden werden.

Zusätzlich bietet die DVD Bonussongs und Videoclips, darunter die witzige, mit Warhol-Zi-taten gespickte Verfilmung von Velvet Undergrounds ›All Tomor-row’s Parties‹.

Harald Kepler

Chickenfoot – GET YOUR BUZZ ON-LIVE

cf_dvd_r1.inddNennt es nicht Supergroup!

Sammy Hagar, Michael Anthony, Chad Smith, Joe Satriani. Vier Herren, die es sich leisten können, ein Spaßprojekt durchzuziehen und damit sogar auf Club-Tour zu gehen. Natürlich Rockmillionär-Style – im Privatjet und mit einer Armee von Roadies. We-halb sie im Dodge Theater in Phoenix erst einmal gezieltes Downsizing aus sportiver Freizeitbekleidung, schlechten Frisuren und betonter Publikums-nähe betreiben. Inklusive mieser Witze, Anbaggern der Weiblichkeit und dem ständigen Bekunden des „old school“-Anspruchs.

Was auf Dauer ebenso nervt wie das Material des Debüts, das – bis auf zwei Songs – das gesamte Set dominiert: Power-Rock mit Van-Halen-Anleihen, Satrianis virtuosem Spiel, hymnischen Refrains, aber wenig Originalität. Höhepunkte sind das Montrose-Cover ›Bad Mo- tor Scooter‹ und ›My Genera-tion‹ von The Who – ehe es mit dem ›Star Spangled Banner‹ bedenklich patriotisch wird.

U2 – 360° AT THE ROSE BOWL

PrintEin intimer Konzertabend mit 97.000 Gleichgesinnten.

Wenn unsereins von einem netten, kleinen Gig spricht, ist damit ein Live-Vortrag in einer Bar oder einem Club gemeint. Ganz anders bei Bono von U2: Der nimmt diese drei Worte auch in den Mund, wenn es sich dabei um eines der größten Stadien der USA handelt, das eine hundsmiserable Akustik besitzt, und in dem Hotdogs mit acht Dollar, Bier mit zehn Dollar und Parken mit gesalzenen 20 Scheinen zu Buche schlagen. Multipliziert mit 97.000 Anwesen-den ergibt das eine stattliche Summe, die – und da liegt die Ironie – das refinanzieren soll, was U2 dem eigenen Größenwahn schulden. Denn die Sucht nach immer monströseren Menschenmassen soll derart kompensiert werden, dass man eine aufwändige und kostspielige Bühne errichtet, um dem zahlenden Volk näher zu kommen und eine verlorene Intimität zu beschwören.

Was ein unfassbarer Widerspruch ist – aber nicht der einzige bei den irischen Superstars. Die wissen zum Beispiel ganz genau, dass ihre besten Alben die vier vor THE JOSHUA TREE sind – trotzdem wird diese Phase im aktuellen Set nur mit zwei Titeln (›Sunday Bloody Sunday‹, ›The Unforgettable Fire‹) bedacht. Und auch der Versuch, das vordergründig Politische etwas zurückzuschrauben und sich ganz der Musik zu widmen, gerät zur Farce, wenn Desmond Tutu minutenlang via Plasmascreen predigt und Birmas unter Arrest stehende Präsidentin Aung San Suu Kyi mit Masken, Parolen und Solidaritätsbekundungen gefeiert wird.

Doch U2 sind so übermannt von ihrer eigenen Gigantomanie, dass sie gar nicht mehr merken, wie die teuerste Bühne der Rockgeschichte sie nur noch mehr zu unerreichbaren Superstars macht, die man am besten gleich im Heimkino bewundert – und dann die Qual der Wahl hat: Standard Super King DVD, Blu-Ray, Limited Deluxe Digipak oder Limited Super Deluxe Box. Das Konzert ist überall dasselbe. Es sind die Gimmicks, die extra kosten.