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Start Blog Seite 1168

Confession

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confession-d-un-enfant-du-sieclePete Doherty – nach dem Ableben von Miss Winehouse der letzte Rockstar, der noch mit selbstzerstörerischem Hedonismus kokettiert – in einem Kostümfilm über die Bohéme-Gegenkultur des 19. Jahrhunderts? Passt perfekt möchte man meinen, nicht zuletzt, wenn mit Charlotte Gainsbourg und August Diehl schauspielerische Arthouse-Größen zur Seite stehen und zwischendurch Lily Cole ihr markantes Gesicht in die Kamera hält. Die Geschichte um den von der malaise tristesse heimgesuchten Dandy Octave, der, von seiner Geliebten verlassen, düsteren Gedanken nachhängt, ehe ihm Freund Desgaines (Diehl) nahelegt, per multipler Fraueneroberung über die verflossene Liebe hinwegzukommen, klingt maßgeschneidert für Doherty. Doch Doherty beherrscht offenbar nur zwei Geischtsausdrücke – leidend und gelangweilt – , was seine ohnehin minimale schauspielerische Bandbreite auf das mimische Spektrum einer Handpuppe beschränkt. Dazu passt eine Inszenierung, die über die gesamte Länge des Films derart spröde und trocken bleibt, dass im Anschluss an den Film ein Knäckebrot und ein Glas Sand als willkommene Erfrischungen erscheinen.

To The Wonder

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Plakat_To The Wonder_A3.inddRegisseur Terrence Malick ist einer der letzten verbliebenen Autoren-Filmer. Diesen Eindruck vermittelt er zumindest mit seinem neuesten Werk, mit dem er sich erneut den Konventionen des schnöden Unterhaltungskinos entzieht und damit unmittelbar an seinen rauschhaften „Tree Of Life“ erinnert. Handlung im Sinne eines vom Publikum gewohnten Spannungsbogens existiert zwar auch hier nur in Skizzen, die Bilder, die Malick und sein vielköpfiges Team prominenter Kameramänner dafür finden, sind jedoch brillant. So folgen wir der wackeligen Beziehung zwischen Neil (Ben Affleck) und der Französin Marina (Olga Kurylenko), die eigens für ihn ihre Heimat verlassen hat. Die Liebe scheint im Alltagstrott aber bald verpufft, Jugendfreundin Jane (Rachel McAdams) bietet eine willkommene Abwechslung. Gleichzeitig ringt Pfarrer Quintana (Javier Bardem) um seinen Glauben, geht aber weiterhin unbeirrt seiner Arbeit nach. Wenig Konkretes, viel Assoziatives bietet Malicks neuester Film im Graubereich zwischen esoterischem Kitsch, pseudo-dokumentarischer Lebensbetrachtung und visuell bezauberndem Kino für die Seele. Der eine mag’s, der andere hasst es, meisterhaft ist es aber auf jeden Fall.

ABGESCHMINKT – DIE OFFIZIELLE AUTOBIOGRAFIE

criss-coverAbgeschminkt und abgeschmiert.

Peter Criscuola ist ein Junge, der im Brooklyn der fünfziger und sechziger Jahre aufwuchs. Jetzt, in seinem 68. Lebensjahr, veröffentlicht dieser einfache Kerl von den rauen Straßen New Yorks seine Autobiografie. Was dieses Buch interessant macht, ist die Tatsache, dass es sich dabei um Peter Criss handelt, der sich Anfang der Siebziger in Catman verwandelte und gemeinsam mit Gene Simmons, Ace Frehley und Paul Stanley Kiss gründete. Der extreme Erfolg seiner Band in Kombination mit Criss‘ Anfälligkeit für chemische Substanzen, beschert diesem Buch eine Fülle an extremen Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Geschichten, die Ihresgleichen suchen. UNGESCHMINKT macht dadurch nicht immer Spaß, denn die erbarmungslose Ehrlich-keit des Katzentrommlers über Drogensumpf, und Entzug, über Affären mit Groupies und einem Playmate, über Schießereien, seine Ver-haftung, die Penislängen fast aller Beteiligten, seinen beinahe tödlichen Autounfall, die maßlose Dekadenz, seinen Hass auf Gene und Paul und seine Brustkrebserkrankung, macht stellenweise tief betroffen. Sprachlich ist das Buch sicherlich nicht als Kunstwerk einzustufen, jedoch schreibt hier eben Peter Criss. Den „Stoff“ für ein ganzes Buch bietet sein Leben allemal.

TOO MUCH TROUBLE – A VERY ORAL HISTORY OF DANKO JONES

danko jones too much trouble readingNobody oder Superstar?

Wer ist eigentlich Danko Jones? Das kommt im Grunde vor allem darauf an, wem man diese Frage stellt – und vor allem wo. Denn während die Band um ihren gleichnamigen charismatischen Frontmann in Europa auf den größten Festivals spielt und beinahe jeder Rockfan zumindest weiß, dass diese Formation existiert, finden sie in Kanada und ihrer Heimatstadt Toronto so gut wie keine Beachtung, obwohl dort eine blühende Rockszene existiert. Ein seltsames Phänomen, dem Stuart Berman in seinem Buch TOO MUCH TROUBLE – A VERY ORAL HISTORY OF DANKO JONES auf den Grund geht. Berman stammt selbst aus Toronto, arbeitet dort schon seit den frühen Neunzigern als Musikjournalist und erlebte persönlich mit, wie sich die Band entwickelte. Er erzählt, wie Danko Jones seine Leidenschaft für Musik entdeckt, am Uniradiosender CHRY ausbaut und schließlich selbst zum Musiker wird. Dabei versteht sich Berman nicht als großer Erzähler, sondern eher als Chronist, der Danko selbst, seine Freunde und Bandkollegen zu Wort kommen lässt. Ausgeschmückt mit vielen intimen Fotos bietet das Buch interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte eines charismatischen Künstlers. Sicherlich auch für diejenigen zu empfehlen, die wirklich einmal wissen wollten, wer Danko Jones eigentlich ist.

Ian Dury & The Blockheads – DO IT YOURSELF

dury, ianWarten aufs Taxi: Londoner Original auf internationalem Höhenflug.

Platin geliefert hatte schon das Debüt NEW BOOTS AND PANTIES von 1977. Das Nachfolgewerk DO IT YOURSELF hakte zwei Jahre später gleichwertig nach, angeschoben vom internationalen Non-LP-Hit ›Hit Me With Your Rhythm Stick‹. Ian Dury, seit Kinderlähmung im Alter von sieben Jahren gehbehindert, erobert sich im Aufwind von Punk und New Wave mit skurrilem Image und schrägen Klamotten endlich jenen Status, den er schon als kauziger Frontmann der Pub-Rock-Truppe Kilburn And The High Roads einige Jahr zuvor anstrebte. Inszenierte sich Dury beim Erstling noch als Solist, so setzt der damals 35-Jährige nun mit seiner Truppe The Blockheads auf Arbeitsteilung: Fünf der insgesamt zehn Songs sind Gemeinschaftswerke, den Rest erledigt Dury im Gespann mit Keyboarder Chas Jankel. Als äußerst tanzbar zwischen Funk und Disco angelegt, geriert sich schon das Eröffnungstriumvirat ›Inbetweenies‹, ›Quiet‹ und ›Don’t Ask Me‹. Ian Durys Sprechgesang mit jeder Menge Wortwitz, Nursery-Rhyme-Style und provokanten Sozialanalysen im tiefstem Cockneyslang erweisen sich als so signifikant, dass sogar der schwierige amerikanische Markt in Angriff genommen wird. ›Waiting For Your Taxi‹ nimmt im Deep Groove die Unmöglichkeit unter die Lupe, in London nach Mitternacht ein leeres Taxi zu erwischen. Puren Nonsens transportiert ›Uneasy Sunny Day Hotsy Totsy‹. Alles andere als in den Schlaf wiegt der finale Reggae ›Lullaby For Francies‹. Wie schon das Original, erscheint auch die Neuauflage von DO IT YOURSELF im Tapetencover mit diversen Wechselmotiven.

Doctor John – DR. JOHN’S GUMBO

dr. johnAus den Sümpfen Louisianas: ein Doktor mit der Lizenz zum Musizieren.

Auf Rap-Alben dient der selbsternannte Hohepriester fast genauso oft als Sampling-Quelle wie seine Kollegen James Brown und George Clinton. Malcolm John „Mac“ Rebennack Jr. alias Dr. John alias Dr. John Creaux alias Dr. John The Night Tripper rührt seit einer halben Ewigkeit Bourbon Street Jazz, Boogie Woogie, R & B, Soul, Funk und noch so einige weitere exotische Köstlichkeiten zum deftigen Gebräu, klangveredelt mit des Doktors kauzig-rauen Vokalbeiträgen. DR. JOHN’S GUMBO, fünftes Elaborat in vier Jahren seit dem fulminanten Solodebüt GRIS-GRIS von 1968, verschafft dem umtriebigen Rebennack, aufgewachsen im Sündenbabel New Orleans, wo er schon als Teen-ager eine Heroinsucht entwickelte, ein Hurenhaus leitete, allerlei illegale Geschäfte betrieb und mehr als einmal auf die schiefe Bahn geriet, eine künstlerische Verschnaufpause: Stapeln sich doch statt selbstgezimmerter Voodoo-Epen auf der feinen Produktion von Harold Battiste und Jerry Wexler (fast) ausschließlich Coverversionen. Regelrecht uncharmant wäre es, die 13 Songs von 1972 als Eintopf mit Mehlschwitze zu bezeichnen, obwohl genau das GUMBO in der Südstaatenküche bezeichnet. Von James „Sugar Boy“ Crawfords fast schon totgespieltem Gassenhauer ›Iko Iko‹ bis hin zu Huey „Piano“ Smiths ›Blow Wind Blow‹ und ›Little Liza Jane‹ reiht sich Perle an Perle. Überraschungen gibt es keine, nur richtig gute, handgemachte Mucke versierter Virtuosen. Zwischen ›Let The Good Times Roll‹, ›Big Chief‹ und ›Those Lonely Lonely Nights‹ von Earl King platziert der Night Tripper clever die passende Eigenkomposition ›Somebody Changed The Lock‹ sowie ›Mess Around‹, ein Werk Ahmet Erteguns, damals Miteigentümer von Dr. Johns Plattenlabel Atlantic Records.

Cheap Trick – ONE ON ONE / NEXT POSITION PLEASE

5142jXySu-LNach dem Höhepunkt: auf dem Weg in den Pop-Mainstream.

Als 1982 das sechste Studiowerk des Quartetts aus Rockford, Illinois, aufliegt, stoßen Cheap Trick an ihre Grenzen. Nach den Platinwerken CHEAP TRICK AT BUDOKAN, DREAM POLICE und dem zwar ausgereiften, aber nicht mehr ganz so verkaufsträchtigen ALL SHOOK UP heißt es fortan wieder kleinere Brötchen backen – zumal auch noch Bassist Tom Petersson seinen Kollegen Rick Nielsen, Bun E. Carlos und Robin Zander zumindest für einige Jahre den Rücken kehrt. ONE ON ONE, produziert vom Briten Roy Thomas Baker (Queen), frönt auf elf Tracks mit Ersatzbassist Jon Brant nach wie vor der Mixtur aus Power Pop, deftigem 50’s Rock’n’Roll und dramatischen Balladen: ›I Want You‹, ›Saturday At Midnight‹, ›She’s Tight‹ sowie ›If You Want My Love‹ decken die komplette stilistische Bandbreite ab. ›Lookin’ Out For Number One‹ und ›Four Letter Word‹ röhren martialisch, manischen Elektro-Pop serviert ›I Want Be Man‹. NEXT POSITION PLEASE mit Genius Todd Rundgren an den Klangreglern schließt 1983 auf 14 Tracks nahtlos an den Vorgänger an: Die Singleauskopplung ›I Can’t Take It‹ klingt typisch, ›Borderline‹ nach Jeff Lynnes Electric Light Orchestra und ›I Don’t Love Here Anymore‹ wie ein auf modern getrimmter Beatles-Outtake aus RUBBER SOUL. ›Don’t Make Our Love A Crime‹ und ›Invaders Of The Heart‹ rocken unerbittlich. Mit ›Y.O.Y.O.Y‹ gesellt sich die obligatorische Feuerzeugballade dazu. Und auch die Stalker-Hymne ›Won’t Take No For An Answer‹ hat ihre Momente. Doch leider hält langsam aber sicher die pompöse Produktionstechnik (›Heaven’s Falling‹, Titelsong) der 80er Einzug. Ein Verbrechen am lebenden Bandobjekt, das seinerzeit noch nicht einmal geahndet wurden. Doch es sollte noch schlimmer kommen!

ONE ON ONE: 6

NEXT POSITION PLEASE: 5

Graham Bond – HOLY MAGICK

bond, grahamOkkulte Beschwörungen – eingelegt in Jazzfusionen.

Gerade erst fand das komplette Material der Graham Bond Organi-zation im 4-CD-Set WADE IN THE WATER Würdigung. HOLY MAGICK, erstes von zwei Alben für die Progressivmarke Vertigo, stammt aus jener Phase Bonds, als das multitalentierte Schwergewicht an Tasteninstrumenten, Saxofon und Mikrofon nach längerem US-Aufenthalt versucht, wieder Fuß in Großbritannien zu fassen. Dem erfolgreichem Neustart steht allerdings eine ausgeprägte Heroinsucht entgegen. Seit den späten 50er Jahren mit den Lehren des britischen Satanisten Aleister Crowley vertraut, glaubt der bei einer Pflegefamilie aufgewachsene Vollwaise Bond lebenslang, er sei des Hexenmeisters illegitimer Sohn. HOLY MAGICK, erschienen im Dezember 1970, verweist mit Titel, Verpackung und Inhalt auf die Erkennt-nisse des 1939 verstorbenen Crowleys. Gemeinsam mit frisch angetrauter Gattin, der afroamerikanischen US-Vokalistin Diane Stewart, sowie zahlreichen Gästen aus Londons progressiver Szene (u.a. Teile von Aynsley Dunbar’s Retaliation, Bassist Ric Gretch, Perkussionist Big Pete Bailey), zelebriert Bond, auf dem Cover abgelichtet als Druide in Stonehenge, eine Evokation in Noten. In vertrackten Jazzrock-Improvisationen huldigt das Ensemb-le den vier Erzengeln (Mikael, Gabriel, Raphael und Uriel), stimmt ein Mantra auf das Aquarius-Zeitalter an, singt Loblieder auf das Kabbalistische Kreuz und das Pentagramm. Sinniert in bizarren Arrangements über die Wiederkehr König Arthurs und die Bewohner von Atlantis nach der zu erwartenden Zeitenwende im Jahr 2000. Gewiss bizarr bis überspannt, aber nicht halb so mysteriös wie Graham Bonds tragischer Tod im Alter von 36 Jahren am 8. Mai 1974, als er sich angeblich in der Londoner Station Finsbury Park vor eine einfahrende U-Bahn wirft.