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Start Blog Seite 1158

Nine Black Alps – CANDY FOR THE CLOWNS

0002614867_10Zur falschen Zeit am falschen Ort…

…das könnte das Lebensmotto von Sam Forrest und seinen Nine Black Alps sein. Denn das Quartett stammt aus Manchester, bekanntlich die Stadt der Smiths, Oasis, Stone Roses und New Order. Seit ihrem Auftauchen ca. 2003 aber leben Sam und Co. unter der Illusion, es sei 1992/93 und sie in Seattle. Ihr Ding ist der Pop-Grunge, der ihnen vor zwei Jahrzehnten Dauer-Rotation auf MTVs 120 Minutes garantiert hätte, aber heute nicht mehr wirklich gefragt ist. Durchaus schade, denn dass sie’s können, haben Nine Black Alps schon auf ihrem Debüt EVERYTHING IS (2005) gezeigt. Sowohl mit Rasanz zwischen Superchunk und IN UTERO als auch mit Akustik-Introspektive à la Elliott Smith konnten sie hier komplett überzeugen. Diese Palette erweiterten die vier auf LOVE/HATE (2007) dann noch um Melodiegitarrenpop à la Lemonheads/Teenage Fanclub – ›Bitter End‹ bleibt der beste Posies-Song, den diese nie geschrieben haben. Zwei solche Momente (›Take Me Underground‹ und ›Morning After‹) gibt es auch auf dem fünften NBA-Album CANDY FOR THE CLOWNS, das ansonsten von schnittigem Aggro-Grunge dominiert wird. Tja, wäre dies das Jahr 1993, wir hätten ein Hitalbum vor uns.

My Chemical Romance – MAY DEATH NEVER STOP YOU – THE GREATEST HITS 2001-2013

my chemical romanceStarker Abgang.

Ein Jahr nach der Auflösung gibt es jetzt einen Nachschlag mit unveröffentlichtem Material. ›Fake Your Death‹ stammt aus den Sessions zur letzten LP DANGER DAYS (2010) und zeigt, wie sich das Quintett um Gerard Way innerhalb einer Dekade von einer Screamo-Kapelle zum Beinah-Classic-Rock-Act wandelte. Die Entwicklung lässt sich an diesem Album sehr schön nachvollziehen: ›Honey, This Mirror Isn’t Big Enough For The Two Of Us‹ und ›Vampires Will Never Hurt You‹, zwei Singles vom Debüt I BROUGHT YOU MY BULLETTS, YOU BROUGHT ME YOUR LOVE (2002), sind noch eine Mischung aus Hardcore und süßen Emo-Ansätzen. ›Helena‹, ›You Know What They Do To Guys Like Us In Prison‹, ›I’m Not Okay (I Promise)‹ und ›The Ghost Of You‹ vom Major-Debüt THREE CHEERS FOR A REVENGE (2004) hingegen sind gar nicht mehr so weit weg von Melodic-Rockern wie ›Welcome To The Black Parade‹, der Ballade ›Cancer‹ oder dem Musical-Pop-Punk des Liza-Minelli-Duetts ›Mama‹ (alle auf ihrem Meisterwerk THE BLACK PARADE) entfernt. Ein starker Abgang einer großartigen Band. Mit einer DVD voller Erinnerungen.

Mother’s Cake – CREATION’S FINEST

mothers cakeFunky Monks im Alpenland.

Vor knapp eineinhalb Jahren erblickte CREATION’S FINEST das Licht der Welt. Dass diese Platte tatsächlich in Österreich und nicht im sonnigen Kalifornien eingespielt wurde, zaubert dem Hörer allerdings immer noch freudige Fragezeichen auf die Stirn, denn einen derart lockeren Groove hat man in Zentraleuropa seit Mitte der 90er nicht mehr vernommen. Mother’s Cake kredenzen dabei ein feine Melange aus alten Red Hot Chili Peppers, Mother Tongue und Porno For Pyros, garniert mit einer Prise früher Tool. Dabei lässt sich die im Pitztal gegründete Band auf keine Kompromisse ein: Egal, ob ein Track die knackigen drei Minuten unterschreitet oder mit gekonnten Jams auf über acht gestreckt wird, zieht sich durch jedes Stück ein roter Faden. Für Freunde des anspruchsvollen (Retro-)Crossover ist CREATION’S FINEST ein cooler Kandidat für die Plattensammlung. Leider gibt es bei diesem ReRelease keine Bonustracks oder ähnliche Zuckerl zu entdecken.

Mos Generator – ELECTRIC MOUNTAIN MAJESTY

mos generatorDoom-Metal aus der Alptraumfabrik.

Die Washingtoner vereinen Saint Vitus, Crowbar, Zakk Wylde und Monster Magnet in einer Band, sie inszenieren sich breitbeinig und haben ein paar angenehme Parts zum Bangen und Mitmoshen eingebaut. Die Hamburger Band Prollhead brachte es einst mit einem Slogan auf den Punkt, der auch für diese US-Rocker passt: „Es gibt zwei Dinge, die wir brauchen: Rock zum Hören und Hasch zum Rauchen.“ Doch nicht nur das. Auch feine Arrangements gehören im Heavyrock-Genre zum guten Ton, auf ELECTRIC MOUNTAIN MAJESTY sind originelle Einfälle keine Mangelware. Die Strophe von ›Into The Fire‹ wird mit einem coolen Riffing auf dem Cello gestrichen, ›Spectres‹ ist Zeitlupen-Doom, der an Trouble erinnert und bei ›Breaker‹ blitzt ein NWOBHM-Gewitter auf. Die Gitarrenarbeit überzeugt, während Sänger Tony Reed seinen Dämonen zwischen ›Heavy Ritual‹ und ›Neon Nightmare‹ freien Lauf lässt. Intensität und Kraft sind die Schlagworte, die auf ELECTRIC MOUNTAIN MAJESTY über die volle Laufzeit Gültigkeit besitzen. Einzig die Triggersounds vom Schlagzeug klingen nicht ganz so perfekt, ein wärmerer Raumklang (wie beispielsweise auf dem aktuellen Orchid-Album) hätte dieser Produktion wesentlich besser zu Gesicht gestanden.

Kyng – BURN THE SERUM

kyngAlter Wein in neuen Schläuchen.

„Wir erfinden das Rad nicht neu, aber machen, was noch niemand zuvor gemacht hat“, charakterisiert Kyng-Schlagzeuger Pepe Clarke seine Band. Klingt widersprüchlich, trifft aber zu: Aus BURN THE SERUM quillen Soundgarden ebenso wie Black Sabbath, Monster Magnet, The Sword und Alice In Chains. Doch Kyng beschränken sich nicht auf bloßes Kopieren. Vielmehr jongliert das Trio aus Los Angeles respektvoll mit Bausteinen der Rock-Geschichte und erhält durch seine Grenzenlosig- und Unberechenbarkeit ein eigenes Gesicht: In der einen Sekunde wirbeln die Musiker auf geradlinigen Pfaden mächtig Stoner-Staub auf (›Lost One‹), in der nächsten geben sie sich phasenweise verquer wie Led Zeppelin (›Burn The Serum‹), huldigen in der übernächsten mit der beschwingten Akustiknummer ›Paper Heart Rose‹ den Rolling Stones, bevor Clarkes Kuhglocke an die Zeit erinnert, in der Guns N’ Roses die dahinsiechende Glamrock-Szene mit punkigem Rotz wiederbelebten (›Sunday Smile‹). Kyng mögen das Rad tatsächlich nicht neu erfinden. Als Verkäufer von Bewährtem in neuer Verpackung machen die Südkalifornier jedoch eine prima Figur.

Krokus – LONG STICK GOES BOOM (LIVE FROM DA HOUSE OF RUST)

krokusDie Schweizer zeigen sich stark wie selten.

Seit 1975 sind Krokus eine feste Institution im Rockgenre. Ihr rotziger Sound wurde schnell zu ihrem Markenzeichen, 1983 erhielten sie sogar die Ehrenbürgerschaft in Tennessee. Während der Erfolg in den späten 80er und 90er Jahren nachließ, sind sie seit 2003 mit ihrem von vielen als Comebackalbum bezeichneten ROCK THE BLOCK wieder in aller Munde. HOODOO (2010) und DIRTY DYNAMITE (2013) hievten sie wieder ganz nach oben und weltweit auf die Konzertbühnen, nun zu hören auf ihrem neuesten Live-Werk. Die Gitarren feuern Riffs aus allen Rohren, Bass und Schlagzeug halten die groovenden Tracks in konstantem Vorschub und Sänger Marc Storace manövriert seine promillegeölte Reibeisenröhre einwandfrei durch Strophen und Refrains. Hinzu kommen noch eine tadellose Produktion und ein Sound, an dem es wirklich nichts auszusetzen gibt. Für Krokus-Fans, und nicht nur für die, ist LONG STICK GOES BOOM (LIVE FROM DA HOUSE OF RUST) auf jeden Fall der tönende Beweis für die noch immer vorhandene Klasse dieser Band.

Wilko Johnson & Roger Daltrey – GOING BACK HOME

johnson, wilkoTraumpaarung des R&B: Was passiert, wenn ein Ex-Fühldichgut-Doktor auf eine mikrofonschwingende Rocklegende tifft?

Preisverleihungen können ganz schön anstrengend sein. Stundenlang mit knurrendem Magen aufs Büffet warten, eitle Prominente ertragen und eventuell geht man bei der Trophäenvergabe auch noch leer aus – wer möchte das schon? Wilko Johnson, ehemaliger Gitarrist der britischen R&B-Putztruppe Dr. Feelgood, saß 2010 bei so einer Veranstaltung zufällig neben Who-Frontmann Roger Daltrey. Beide vertrieben sich die Zeit mit Getuschel und stellten irgendwann verblüfft fest: Man hegt ein gemeinsames Faible für die britischen Rockpioniere Johnny Kidd & The Pirates. Vergangenen Herbst war es dann soweit: Johnson, mittlerweile unheilbar an Bauchspeichedrüsenkrebs erkrankt, und der gerade von einer Who-Tour zurückgekehrte Daltrey begeben sich in ein Studio namens Yellow Fish. Unter der Ägide von Produzent Dave Eringa entstehen mit Johnsons Begleitformation, Bassist Norman Watt-Roy und Schlagzeuger Dylan Howe, binnen einer Woche elf knackfrisch am rauen, britischen R&B ausgerichtete Songs. Gemessen am Alter der beiden Veteranen ganz schön flott und flink. Mit dabei an den schwarzweißen Tasten: Mick Talbot (Style Council, Dexy’s Midnight Runners). Ausgewählt hat das Duo diverse Klassiker aus Johnsons Vergangenheit. Von Dr. Feelgood stammen ›Sneakin’ Suspicion‹, ›Going Back Home‹, ›Keep It Out Of Sight‹ und ›All Through The City‹. ›Everybody’s Carrying A Gun‹ datiert zurück auf Johnsons stets zu Unrecht unterbewertete Nachfolgeformation Solid Senders. Auch nicht gerade alltäglich: ›Can You Please Crawl Out Your Window?‹, eine Non-LP-Single von Bob Dylan aus dem Jahr 1965. Als Sahnehäubchen für die wie Arsch auf Eimer passende Traumpaarung wurde obendrein eigens das legendäre Label Chess reaktiviert. Was will man eigentlich mehr?

The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project – AXELS AND SOCKETS

jeffrey lee pierce projectDritter Teil des Nachrufs auf die tragisch früh verstorbene Kultfigur.

Gemessen an den ewigen Gesetzen des Rock’n’Roll lautet die Formel: Nur die Besten oder aber skurrile Außenseiter überdauern die Zeit. Da scheint es kaum verwunderlich, dass viele gegenwärtige Formationen mit einem The im Namen einem ebenso innovativen, authentischen wie originellen, bisweilen auch bizarren bis extrem schwierigen Charakter huldigen: Jeffrey Lee Pierce, Gründer und Chef der legendären Indie-Formation The Gun Club. So vereinen sich beim hochwertigen dritten Teil von The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project einmal mehr eine ganze Reihe an Weggefährten, Kollegen, Freunden und Mitläufern. Zum Auftakt grüßen mal eben Iggy Pop, Nick Cave und Thurston Moore verschachtelt verrockt mit ›Nobody’s City‹. Mit The Amber Lights im Rücken kredenzt Debbie Harry das im Stil von Blondies Frühzeit arrangierte ›Kisses For My President‹. Die gleiche Nummer nimmt sich auch Andrea Schroeder vor, doch da tönt es in stark gedrosseltem Tempo nach lasziv-verruchtem Bar-Jazz. Gezielt unter die Haut geht ›Constant Limbo (Constant Rain)‹ von Crippled Black Phoenix And Cypress Grove Feat. Mark Lanegan & Bertrand Cantat. Letzteres Duo taucht noch einmal identisch intensiv bei ›Desire By Blue River‹ auf. Debbie Harry kooperiert mit Nick Cave für die mit Streichern verzierte Ballade ›Into The Fire‹ – Kitsch im Quadrat, aber dennoch nicht ohne das gewisse Etwas. Journalist, Autor und Punk-Spezialist Kris Needs rotzt den ungestümen Rocker ›Thunderhead‹ raus. Primal Scream liefern ein im Andrew Weatherall’s Nyabinghi Noir Mix mit subsonischen Bässen unterlegtes ›Goodbye Johnny‹, das sich auch nahtlos auf SCREAMADELICA integrieren würde. Faszination strahlen ›Bring ‚Em Down‹ von Hugo Race und ›My Cadillac‹ von Cypress Grove aus. Etwas seltsam hingegen gestaltet sich die nur eine Minute lange Toncollage ›The Journey Is Long‹ von Lydia Lunch mit lediglich einem Interview-Sample von Pierce. Tatsächlich zu hören gibt es Jeffrey Lee Pierce im finalen ›Shame And Pain‹, und zwar mit Mark Stewart (Ex Pop Group) und Thurston Moore an der Gitarre.